Piratenwahlkampf Hannover: Plakate, Fahnen und 40.000 Flyer

Mit dem heu­ti­gen Tag geht der wohl längste und auf­wän­digste Wahl­kampf zu Ende, den die Pira­ten­par­tei in Han­no­ver bis­lang bestrit­ten hat. Wäh­rend die Wahl­lo­kale geöff­net sind, ist es Zeit für eine kleine Bilanz.

Zunächst mal die rei­nen Zah­len: Wir haben in Han­no­ver und der Region etwa 40.000 Flyer ver­teilt, davon allein 20.000 Exem­plare unse­res „Hannover”-Flyers, der unsere poli­ti­schen Ziele für die Region Han­no­ver zusam­men­fasst. Seine Basis ist unser Regions-​Wahlprogramm, das wir in einem mehr­mo­na­ti­gen Pro­zess erar­bei­tet und in gedruck­ter Ver­sion eben­falls knapp 1500 Mal unters Volk gebracht haben. Dazu kom­men noch meh­rere Tau­send der Lan­des­ver­bands­flyer sowie die Flyer, die ein­zelne Kan­di­da­ten für sich selbst in ihrem Wahl­be­reich pro­du­ziert haben. Zusätz­lich übri­gens zum Wahl­por­tal, das eben­falls viele Tau­send Zugriffe ver­zeich­nen konnte.

Hannover-Flyer: 20.000 Exemplare verteilt

Hannover-​Flyer: 20.000 Exem­plare verteilt

Allein das sind Zah­len, an die wir in den ver­gan­ge­nen Wahl­kämp­fen nicht mal ansatz­weise her­an­ge­kom­men sind. Dazu kom­men aber noch etwa 1500 Pla­kate, die sich über die Region ver­tei­len, wobei es hier starke lokale Schwer­punkte in bestimm­ten han­no­ver­schen Stadt­be­zir­ken gab oder in Hem­min­gen, wo allein 600 Pla­kate in allen Orts­tei­len auf­ge­hängt wurden.

Ins­ge­samt waren wir ein knap­pes Jahr mit dem Wahl­kampf beschäf­tigt, den man ins­ge­samt in vier Pha­sen ein­tei­len kann:

  • Phase 0 begann im Herbst 2010 mit Über­le­gun­gen, wie wir die Kom­mu­nal­wahl par­tei­in­tern orga­ni­sie­ren. Wich­tigs­tes Resul­tat war unsere „Kom­mu­nal­wahl­ord­nung”, mit der wir unsere Auf­stel­lungs­ver­samm­lun­gen effi­zi­ent durch­füh­ren konn­ten und einen sinn­vol­len Modus für die Zusam­men­stel­lung der Wahl­vor­schläge hatten.
  • Mit der ers­ten Auf­stel­lungs­ver­samm­lung Ende Januar 2011 begann Phase 1: Die Kan­di­da­ten wur­den bestimmt und das Wahl­pro­gramm erar­bei­tet. Die zweite Auf­stel­lungs­ver­samm­lung im März hat dann die Kan­di­da­ten­mann­schaft im Wesent­li­chen ver­voll­stän­digt, die drei wei­te­ren Vers­mam­lun­gen haben das nur noch punk­tu­ell ergänzt. Für die Inhalte des Wahl­pro­gram­mes gab es eine ganze Reihe von Arbeits­tref­fen, die schließ­lich in eine vor­läu­fige Ver­sion mündeten.
  • 1. Mai: Piratenstand auf dem Klagesmarkt

    1. Mai: Pira­ten­stand auf dem Klagesmarkt

  • Mit die­ser star­tete dann am 1. Mai die dritte Phase: Wir gin­gen ver­stärkt nach außen und haben Unter­schrif­ten gesam­melt. Vie­len dürfte das als der auf­wän­digste Teil der gesam­ten Aktion in Erin­ne­rung geblie­ben sein und auch für mich war das höchst­wahr­schein­lich die stres­sigste Zeit, weil bei mir alle Fäden zusam­men­ge­lau­fen sind. In der Woche vor Tores­schluss war ich jeden Tag im Rat­haus um wahl­weise Unter­schrifts­bö­gen abzu­ge­ben oder Zäh­l­er­geb­nisse abzu­ho­len. Letzt­lich hat diese Aktion meh­rere Pira­ten über Wochen fast voll­stän­dig in Anspruch genommen.
  • Unterschriften zur Wahlzulassung: Ein Verwaltungsmarathon

    Unter­schrif­ten zur Wahl­zu­las­sung: Ein Verwaltungsmarathon

  • Erst mit Ende der Unter­schrif­ten­samm­lung und Ver­kün­di­gung der Ergeb­nisse — wir haben bis auf einen Bezirks­rat für alle von uns in Angriff genom­me­nen Gre­mien genü­gend Unter­schrif­ten zusam­men­be­kom­men — star­tete dann die letzte, ent­schei­dende Phase 4: Der öffent­li­che Stra­ßen­wahl­kampf. Wir haben das Wahl­pro­gramm fer­tig gestellt, eine Flyer­ver­sion dar­aus pro­du­ziert und mit einer grö­ße­ren Anzahl Info­stände für uns geworben.

Es gab sicher­lich einige Höhe­punkte in die­sem Wahl­kampf, die noch­mal beson­ders her­vor­ge­ho­ben wer­den sollten:

Das Pres­se­ge­spräch am 29. Juli war ein ent­schei­den­der Punkt. Unser Regi­ons­wahl­pro­gramm war am Abend vor­her fer­tig von mir höchst­per­sön­lich am Mor­gen des 29. in einem „Presse-​Prärelease” auf Heft­strei­fen gezo­gen wor­den. Auf der Ver­samm­lung selbst waren dann zwar nicht all­zu­viele Pres­se­ver­tre­ter anwe­send, dafür aber viele Pira­ten, sodass sich inter­es­sante Gesprä­che erga­ben. Noch Wochen spä­ter bin ich aus die­ser Ver­an­stal­tung mit einer unglück­li­chen Äuße­rung zu mög­li­chen Koali­tio­nen zitiert wor­den, was mir eine Lehre bezüg­lich mei­ner Wort­wahl ist.

Pressegespräch am 29. Juli: Landes- und Bundesvorstände vor Ort

Pres­se­ge­spräch am 29. Juli: Lan­des– und Bun­des­vor­stände vor Ort

Das Pressewahlprogramm: Sonderedition auf DIN A4

Das Pres­se­wahl­pro­gramm: Son­der­edi­tion auf DIN A4

Auf dem Fähr­manns­fest am 6./7. August hat­ten wir einen sehr erfolg­rei­chen Stand und haben mit über 1000 aus Bal­lons model­lier­ten Hun­den, Papa­geien und Schwer­tern die Ver­an­stal­tung gerockt.

Der Piratenstand auf dem Fährmannsfest am 6. August

Der Pira­ten­stand auf dem Fähr­manns­fest am 6. August

Ralf im Gespräch mit jungen Standbesuchern

Ralf im Gespräch mit jun­gen Standbesuchern

Jeden Sams­tag im August und Sep­tem­ber waren wir in der Innen­stadt mit einem Info­stand ver­tre­ten — immer bei den „Regen­männ­chen” gleich neben dem Kröpcke.

Infostand in der Innenstadt, hier am 30. Juli

Info­stand in der Innen­stadt, hier am 30. Juli

Thomas und Tilo mit Modellierballons, im Hintergrund das Regenmännchen

Tho­mas und Tilo mit Model­lier­bal­lons, im Hin­ter­grund das Regenmännchen

Allen in Erin­ne­rung wird auch die Wahl­kampf­ver­an­stal­tung „Klar­ma­chen zum Ändern” vom 3. Sep­tem­ber blei­ben. 2000 Flyer und über 200 Wahl­pro­gramme sind allein an die­sem Tag weggegangen.

Küchengarten in Linden am 3. September: Überall Piraten

Küchen­gar­ten in Lin­den am 3. Sep­tem­ber: Über­all Piraten

Wolfgang Dudda am Küchengarten

Wolf­gang Dudda am Küchengarten

Infostände am 3. September

Info­stände am 3. September

Presse auf dem Küchengarten

Presse auf dem Küchengarten

Klarmachen zum Ändern

Klar­ma­chen zum Ändern

Am letz­ten Sams­tag vor der Wahl dann noch­mal mas­si­ver Ein­satz: Info­stand in der Innen­stadt, Pira­ten auf der Lim­mer­straße, der Lis­ter Meile, abends am Rasch­platz und wer-​weiß-​wo-​noch.

Wie­viel Arbeit in die­sem Wahl­kampf steckt, habe ich haut­nah mit­be­kom­men. Mein Büro war in jeder Phase so eine Art zen­trale Anlauf­stelle: Sei es für Bespre­chun­gen des Wahl­pro­gram­mes, sei es für die Koor­di­na­tion der Unter­schrif­ten­bö­gen, sei es als Mate­ri­al­la­ger und Aus­ga­be­stelle für Flyer und ande­res Info­ma­te­rial. Ich habe ja quasi jede Mate­ri­al­aus­gabe mit­be­kom­men — teil­weise drei Pira­ten im Zehn-​Minuten-​Abstand nach­ein­an­der. Das war schon span­nend, aber auch sehr anstren­gend. Immer­hin will die „nor­male” Arbeit ja auch noch gemacht werden.

Der kleine Gemischtwarenladen an Wahlkampfmaterial: Alltag in der Odeonstraße

Der kleine Gemischt­wa­ren­la­den an Wahl­kampf­ma­te­rial: All­tag in der Odeonstraße

Die­ser Wahl­kampf wäre nicht mög­lich gewe­sen ohne Hilfe von außen. Sei es der Lan­des­ver­band, von dem wir meh­rere Tau­send Flyer bekom­men und unters Volk gebracht haben und der nicht uner­heb­li­che finan­zi­elle Mit­tel sowie den Groß­teil der gedruck­ten Pla­kate ein­ge­bracht hat. Sei es der Bun­des­ver­band, von dem bei Pres­se­ge­spräch und Küchen­gar­ten­fest Ver­tre­ter zu uns gekom­men sind und gespro­chen haben.

Noch wich­ti­ger war aber die Hilfe „von innen”. Der „harte Kern” dürfte zwar nur ein gutes Pira­ten vor Ort gewe­sen sein, aber ohne die wäre gar nichts gegan­gen: „Team Jür­gen” mit dem unab­läs­si­gen Kle­ben und Ver­tei­len von Pla­ka­ten, „Team Tibor” mit 10.000 Fly­ern im Wahl­be­reich Springe und „Team Ralf” mit 600 Pla­ka­ten in Hem­min­gen und Umgebung.

Die Hem­min­ger haben wohl auch die auf­merk­sam­keits­stärkste Wahl­kampf­ak­tion über­haupt abge­lie­fert: In einer Nacht­ak­tion wurde eine Woche vor der Wahl längs der B3 sowie in eini­gen angren­zen­den Stra­ßen fast 200 Fah­nen an die Later­nen­maste gehängt. Die 30.000 Pend­ler, die jeden Tag diese Straße ent­lang fah­ren, haben so auf jeden Fall von uns Notiz genom­men und wir haben viele — ganz über­wie­gend posi­tive — Rück­mel­dun­gen bekommen.

Piratenfahnen an der B3: Ob in Arnum...

Pira­ten­fah­nen an der B3: Ob in Arnum…

...auf dem Abzweig nach Devese...

…auf dem Abzweig nach Devese…

...oder in Hemmingen: Alles voller Fahnen

…oder in Hem­min­gen: Alles vol­ler Fahnen

Nun ist der Wahl­kampf vor­bei und wir wer­den sehen, wohin die Reise für die Pira­ten geht. Die Hoff­nung ist mei­nes Erach­tens nicht unbe­rech­tigt, dass wir in mehr als einem Gre­mium in der Region Han­no­ver in Zukunft mit mehr als einem Sitz ver­tre­ten sein wer­den. Inso­fern: Es war viel Arbeit, aber es hat sich, denke ich, gelohnt!

Wahlkampfauftakt der Piratenpartei in Berlin — Chez Jacki gerockt

In Nie­der­sach­sen sind die Pira­ten gerade schwer im Wahl­kampf. Am 11. Sep­tem­ber sind Kom­mu­nal­wah­len. Und am 3. Sep­tem­ber wer­den wir in Han­no­ver ein gro­ßes Pira­ten­fest mit Spiel, Spaß und Poli­tik veranstalten.

In Ber­lin sind die Pira­ten gerade schwer im Wahl­kampf. Am 18. Sep­tem­ber sind Abge­ord­ne­ten­haus­wah­len. Und am 18. August gab es eine große Wahl­auf­takt­ver­an­stal­tung mit Poli­tik und Party.

„Das ist die Gele­gen­heit für ein biss­chen Know-​How-​Transfer”, habe ich mir gedacht und bin dann mal nach Ber­lin gefah­ren. Wäre mal span­nend zu sehen, wie die Ber­li­ner so ticken. Sind bun­des­weit unter den Pira­ten ja als ein wenig „spe­cial” bekannt.

Chez Jacki von außen

Der Ort der Ver­an­stal­tung: Das Chez Jacki neben der Maria am Ostbahnhof

Die Auf­takt­ver­an­stal­tung ist für mich extrem ver­kehrs­güns­tig gele­gen, näm­lich in unmit­tel­ba­rer Nähe des Ost­bahn­ho­fes neben der „Maria am Ost­bahn­hof” im Club „Chez Jacki” direkt an der Spree. Das Ambi­ente ist — nunja — rus­ti­kal: Eine ehe­ma­lige Indus­trie­an­lage mit ver­ram­mel­ten Fens­tern, viel nack­tem Beton, einer Bar und einer röt­li­chen Licht­in­stal­la­tion unter der Decke.

Chez Jacki mit roten Lampen an der Decke und roten Gesichtern darunter: Es war brütend heiß

Chez Jacki mit roten Lam­pen an der Decke und roten Gesich­tern dar­un­ter: Es war brü­tend heiß

Um 18 Uhr ist Start ange­sagt. Als ich um 19 Uhr ankomme, geht’s dann auch los. Zu Beginn der Ver­an­stal­tung gibt es eine Begrü­ßung von Chris­to­pher Lauer, die ein wenig län­ger aus­fällt, weil der erste Red­ner, Lan­des­vor­sit­zen­der Ger­hard Anger, noch in einem Inter­view fest­hängt. Dann geht’s mit sei­nem Vor­trag „Warum machen wir den Scheiß eigent­lich?” los. Wie bei allen Vor­träge haben sich die Ber­li­ner Pira­ten für das „Pecha Kucha”-Vortragsformat ent­schie­den. Das legt die Foli­en­zahl pro Vor­trag etwas will­kür­lich auf maxi­mal 20 fest, die jeweils 20 Sekun­den lang gezeigt wer­den. Damit dau­ert ein Vor­trag maxi­mal sechs­ein­halb Minu­ten, was zu einer gewis­sen Prä­gnanz führt, vom Vor­tra­gen­den aller­dings gutes Timing ver­langt. Im Gro­ßen und Gan­zen klappt das auch gut, auf jeden Fall begrenzt es die Gesamt­zeit für die fünf Vor­träge auf eine gute halbe Stunde, was den etwa 100 anwe­sen­den Zuhö­rern in dem sti­cki­gen und hei­ßen Saal gerade noch zuzu­mu­ten ist.

Gerhard Anger: Warum machen wir den Scheiß eigentlich?

Ger­hard Anger: Warum machen wir den Scheiß eigentlich?

Nach Ger­hard redet Heide Hagen über die Sucht­po­li­tik der Pira­ten, die als Kern­punkt eine größt­mög­li­che Lega­li­sie­rung von Rausch­mit­tel­kon­sum hat und dies mit Auf­klä­rung und Prä­ven­tion beglei­ten möchte. Simon Weiß refe­riert über „Demo­kra­tie 2.0″ und die Vor­teile, die Tools wie „Liquid Feed­back” für die per­ma­nente poli­ti­sche Ein­fluss­nahme des ein­zel­nen Bür­gers auf die demo­kra­ti­schen Ent­schei­dungs­pro­zesse haben. Julia Schramm stellt die Posi­tio­nen der Pira­ten zur Stadt­ent­wick­lung vor, die sich gegen Gen­tri­fi­zie­rung wen­det und Infra­struk­tur in kom­mu­na­ler Hand sehen will. Zum Abschluss beschreibt Chris­to­pher Lauer das „ReSET”, die Idee eines „Rech­tes auf sichere Exis­tenz und gesell­schaft­li­che Teilhabe” — nicht ohne dabei einen Sei­ten­hieb gegen Hel­mut Schmidt zu set­zen: Des­sen lau­ni­ger Spruch „Wer Visio­nen hat, der soll zum Arzt gehen” habe, so Lauer, „viel kaputt gemacht”. Visio­när ist der gesell­schafts­po­li­ti­sche Ansatz der Pira­ten an die­ser Stelle sicher­lich, geht das ReSET doch sehr stark in die Rich­tung der Ideen von einem „bedin­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­men”, in des­sen Nähe auch schon die Beschlüsse zu einer „Grund­si­che­rung” vom Chemit­zer Par­tei­tag 2010 liegen.

Heide Hagen: Suchtpolitik

Heide Hagen: Suchtpolitik

Simon Weiß: Demokratie 2.0

Simon Weiß: Demo­kra­tie 2.0

Julia Schramm: Stadtentwicklung

Julia Schramm: Stadtentwicklung

Christopher Lauer: ReSET

Chris­to­pher Lauer: ReSET

Nach den Reden, die alle mit viel Applaus bedacht wer­den, kommt es noch zur Pre­miere des Wahl­wer­be­spots. Und das gleich zwei­mal: Offen­sicht­lich konnte sich das Team nicht über die rich­tige Art der Musik­un­ter­ma­lung einig wer­den und hat des­halb zwei Spots mit jeweils unter­schied­li­chem Hin­ter­grund­track erstellt. Über die stimmt nun das Publi­kum ab — und ent­schei­det sich sehr ein­deu­tig für die Ver­sion mit der ruhi­ge­ren Hin­ter­grund­mu­sik. Der Spot selbst ist höchst gelun­gen und zeigt noch­mals zen­trale Aspekte der poli­ti­schen For­de­run­gen der Ber­li­ner Pira­ten in ein­gän­gi­gen Bildern.

Präsentation des Wahlwerbespots

Prä­sen­ta­tion des Wahlwerbespots

Nach die­sem „offi­zi­el­len Teil” beginnt das, was für mich mit der wich­tigste Grund war, nach Ber­lin zu fah­ren: Andere Pira­ten tref­fen und gegen­sei­ti­ger Aus­tausch. Ich kann mich an die­sem Abend mit diver­sen Pira­ten aus Ber­lin und aus dem Rest von Deutsch­land unter­hal­ten und merke mal wie­der: So im direk­ten Gespräch sind die eigent­lich alle total nett und umgäng­lich. Die Stim­mung wird noch­mal bes­ser, als sich am Abend eine dpa-​Meldung ver­brei­tet, der zu Folge die Pira­ten in den Umfra­gen jetzt bei 4,5% Wäh­ler­stim­men lie­gen und damit mit einem Fuß in der Nähe der Schwelle zum Abge­ord­ne­ten­haus stehen.

Als ich mich um halb ein Uhr nachts ver­ab­schiede, ist die Feier immer noch in vol­lem Gange. Mit bleibt die Erkennt­nis: Pecha-​Kucha-​Vorträge sind cool, die Pira­ten Ber­lin sind auch cool, aber unser Küchen­gar­ten­platz wird eine wesent­lich freund­li­che­res Ambi­ente bie­ten als diese Gruft am Spree­ufer. Aber das gehört wohl auch irgend­wie zu Berlin.

Ich habe übri­gens auch an der Wahllos-​Aktion der Ber­li­ner Pira­ten teil­ge­nom­men: 999 Lose mit allen Pro­zent­zah­len von 0,1% bis 100% wer­den unters Volk gebracht. Gewon­nen hat, wes­sen Los das Wahl­er­geb­nis am 18. Sep­tem­ber ent­hält. Ich bin mir sehr sicher, dass ich nicht gewin­nen werde, freue mich aber den­noch über mein „Losglück”…

Losglück: Solche Ergebnisse bekämen die Piraten wohl nur in Nordkorea

Los­glück: Sol­che Ergeb­nisse bekä­men die Pira­ten wohl nur in Nordkorea

Bericht vom Parteitag — #pptnds11 — Piraten Niedersachsen in Wolfenbüttel

Live­b­log­ging aus Wol­fen­büt­tel. Ich habe mich rela­tiv kurz­fris­tig ent­schlos­sen, heute hier zum Pro­gramm­par­tei­tag der nie­der­säch­si­schen Pira­ten­par­tei zu fah­ren. Da sit­zen wir nun mit etwa 30 Leu­ten und reden über die Anträge, die im Vor­feld ja auch im „Antrags­buch” zu lesen waren. Ich hatte bei all die­sen Anträ­gen von vorn­her­ein kein gutes Gefühl und habe schon vor eini­gen Tagen die Anmer­kun­gen von Jür­gen Stemke gele­sen — und konnte ihnen quasi voll­stän­dig zustimmen.

Lindenhalle in Wolfenbüttel: Ort des Parteitages

Lin­den­halle in Wol­fen­büt­tel: Ort des Parteitages

Diese Par­tei­tag steht unter kei­nem guten Stern: Der neue nie­der­säch­si­sche Vor­stand kommt, so wird es viel­fach gese­hen, nicht recht in Tritt. Im Vor­hin­ein gab es erheb­li­che Beden­ken gegen einen Par­tei­tag noch vor den Kom­mu­nal­wah­len und in der Tat: Die Akti­ven sind zu gro­ßer Zahl im Stra­ßen­wahl­kampf gebun­den. Die­ses Wochen­ende ist das letzte, an dem sich gut Unter­stüt­zungs­un­ter­schrif­ten für die Kom­mu­nal­wah­len sam­meln las­sen. Das hat nicht nur dazu geführt, dass rela­tiv wenige Mit­glie­der hier anwe­send sind, son­dern auch, dass es im Vor­feld keine große Dis­kus­sion über die Anträge gege­ben hat.

Und das rächt sich jetzt. Rei­hen­weise wer­den hier gerade Anträge mit gro­ßer Mehr­heit abge­lehnt oder noch wäh­rend der Dis­kus­sion zurück­ge­zo­gen. Der Grund: Die Anträge sind hand­werk­lich schlecht, stel­len punk­tu­ell poli­ti­sche For­de­run­gen auf und basie­ren auf Grund­la­gen, die in der Par­tei — bes­ten­falls — umstrit­ten sind.

Ich denke, dass das nicht einer wie auch immer gear­te­ten Unfä­hig­keit der Antrag­stel­ler anzu­las­ten ist. Das Pro­blem ist: Viele die­ser Anträge beschäf­ti­gen sich mit The­men aus der Sozi­al­po­li­tik. Hierzu hat die Pira­ten­par­tei bis­lang aber nur sehr wenig Pro­gram­ma­tik erar­bei­tet. Die Par­tei hat sich um die The­men­be­rei­che „Bür­ger­rechte” und das weite Feld von „Urhe­ber­recht” und damit ver­bun­dene The­men gebil­det. Sozi­al­the­men sind erst all­mäh­lich in den Fokus gerückt. Erst seit Novem­ber 2010 fin­det sich dazu ein Abschnitt im Grund­satz­pro­gramm und mei­nes Erach­tens braucht es noch einige Zeit, bis wir hier so weit vor­an­ge­kom­men sind, dass wir kon­kret Stel­lung zu Renten-​, Arbeits­markt– oder all­ge­mei­ner Sozi­al­po­li­tik neh­men können.

Plenum des Parteitages

Ple­num des Parteitages

Momen­tan fin­den sol­che Dis­kus­sio­nen in der Pira­ten­par­tei weit­ge­hend „im luft­lee­ren Raum” statt, und das führt dazu, das jeder mehr oder weni­ger „aus dem Bauch her­aus” ent­schei­det. Das betrifft sowohl Antrag­stel­ler, die Anträge vor­brin­gen, die sie per­sön­lich für wich­tig hal­ten, als auch das Audi­to­rium, das aus eben­sol­chen Erwä­gun­gen jeweils dafür oder dage­gen ist. So rich­tig kon­struk­tiv ist die Dis­kus­sion lei­der nicht, weil auf allen Sei­ten das Fak­ten­wis­sen fehlt.

Inso­fern bringt uns die­ser Par­tei­tag mei­nes Erach­tens nicht wirk­lich wei­ter. Er ist aber ein Hin­weis an die Gesamt­par­tei, dass Sozi­al­po­li­tik sehr vie­len Pira­ten auf dem Her­zen liegt und dass die Par­tei in den nächs­ten Mona­ten und Jah­ren hier eine Pro­gram­ma­tik auf allen Ebe­nen ent­wi­ckeln sollte.

Es kann nicht Sinn eines Par­tei­ta­ges sein, rei­hen­weise Anträge abzu­leh­nen. Neben den pro­gram­ma­ti­schen Pro­ble­men, die ich eben beschrie­ben habe, sehe ich auch das Pro­blem, dass es im Vor­feld viel zu wenig Dis­kus­sio­nen um die Anträge gege­ben hat. Das ist letzt­lich ein Pro­blem der gesam­ten Par­tei und zu einem nen­nens­wer­ten Anteil zwar auch der Arbeits­be­las­tung durch den Wahl­kampf geschul­det ist. Es ist aber auch so, dass die Debat­ten­kul­tur in der Pira­ten­par­tei sicher noch ver­bes­sert wer­den muss. Ich sehe das aber als Auf­gabe auch an mich selbst, diese Dis­kus­sion zum Bei­spiel in die Aktiv­en­tref­fen und Stamm­ti­sche hineinzutragen.

Dass das etwas bringt, konnte man übri­gens spä­ter am Nach­mit­tag ver­fol­gen. Die Ener­gie– und Atom­po­li­tik wird bereits län­ger par­tei­in­tern dis­ku­tiert, ein Kon­sens exis­tiert — die ent­spre­chen­den Anträge wur­den nach kur­zer Dis­kus­sion mit gro­ßen Mehr­hei­ten ange­nom­men. Das ist das Modell, an dem wir uns bei unse­ren Par­tei­ta­gen ori­en­tie­ren sollten.

So bleibt denn mei­ner­seits ein durch­aus ver­söhn­li­cher Gesamt­ein­druck die­ses Par­tei­ta­ges. Vor allem die Debat­ten­kul­tur in der Ver­an­stal­tung selbst hat sich bemer­kens­wert ver­bes­sert. Die Stim­mung war gut, es geht halt nichts über direkte Kom­mu­ni­ka­tion von Ange­sicht zu Ange­sicht. Außer­dem gab es hier eine ein­fa­che Mög­lich­keit, noch­mal ein paar Wahl­pla­kate für den Kom­mu­nal­wahl­kampf auf die Gebiets­ver­bände zu ver­tei­len — ich habe auch gut Gebrauch davon gemacht.

Plakatbasar auf dem Parkplatz: Futter für Wahlkämpfer

Pla­kat­ba­sar auf dem Park­platz: Fut­ter für Wahlkämpfer

Facebook

Da habe ich nun etwas gemacht, das bei vie­len Men­schen in mei­nem Umfeld eine gewisse Fas­sungs­lo­sig­keit aus­ge­löst hat: Seit etwa einem Monat bin ich bei Face­book regis­triert. Genau: Das ist diese Daten­krake, der schon unsere extrem kom­pe­tente „Ver­brau­cher­schutz­mi­nis­te­rin” öffent­lich­keits­wirk­sam den Rücken kehrte, weil dort so unglaub­lich böse Dinge mit der Pri­vat­sphäre pas­sie­ren wür­den und die über­all rum­schnüf­feln und überhaupt…

Die Ver­brau­cher­schutz­mi­nis­te­rin gehört übri­gens der­je­ni­gen Par­tei an, die am lau­tes­ten nach Vor­rats­da­ten­spei­che­rung und Über­wa­chungs­staat schreit. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Ich gehöre zu den Men­schen, die über eine Sache am liebs­ten erst dann urtei­len, wenn sie sich selbst ein Bild machen konn­ten. Nach einem Monat bin ich nun lang­sam so weit, dass ich einen klei­nen Rea­li­tät­scheck wage, was diese Aus­sa­gen betrifft. Und des­sen Res­u­mée lau­tet: Es wird nichts so heiß geges­sen, wie es gekocht wird. Tat­säch­lich weiß Face­book von mir als Nut­zer nicht mehr als mei­nen Namen, meine E-​Mailadresse und meine Han­dy­num­mer. Letz­tere war für die Anmel­dung nötig, die bei­den ande­ren habe ich zwar mit mei­nem bür­gen­li­chen Namen hin­ter­legt, dies wäre aber nicht zwin­gend. Und in der Tat trei­ben sich in mei­ner Freun­des­liste so einige Men­schen herum, die mit einem Phan­ta­sie­na­men oder zumin­dest einem stark gekürz­ten Nach­na­men unter­wegs sind. Andere „harte Fak­ten” kennt das „soziale Netz­werk” von mir nicht.

Dann habe ich als erste Amts­tat mei­nem neu ange­leg­ten Pro­fil eine rela­tiv weit­ge­hende Ver­schwie­gen­heit ver­ord­net: Fast alle Inhalte sind nur von mei­nen „Freun­den” les­bar. Auch dies scheint eine recht ver­brei­tete Tak­tik zu sein, jeden­falls konnte ich auch bei vie­len mei­ner jet­zi­gen Kon­takte vor dem Knüp­fen der „Freund­schaft” im Pro­fil nichts oder nur wenig lesen.

Inso­fern ist das ganze zunächst mal ziem­lich dicht und ent­spricht mei­nen eige­nen Anfor­de­run­gen daran, wie ich von Inter­net­diens­ten erwarte, dass sie mit mei­nen Daten umge­hen. Aller­dings sind der eigent­li­che Daten­schatz bei Diens­ten wie Face­book ja gar nicht so sehr meine rea­len Daten, son­dern die Infor­ma­tio­nen im Sys­tem: Mit wem bin ich bekannt, wer ist bei mir Freund, auf wes­sen Seite lese ich, was mar­kiere ich mit „Gefällt mir”. Dar­aus lässt sich durch­aus ein gewis­ses Bild mei­ner Per­son zeich­nen. Aller­dings sind es nun­mal genau diese Infor­ma­tio­nen, die das „soziale Netz­werk” Face­book aus­ma­chen. Des­halb gehe ich die­sen Kom­pro­miss ein, gebe diese Daten in die Rech­ner des Face­book­sys­tems und bekomme dafür die Vernetzung.

Und die ist gar nicht schlecht. Es geht hier um das ein­fa­che In-​Kontakt-​Bleiben und den Aus­tausch von Infor­ma­tio­nen (unab­hän­gig von Gehalt und Niveau), und da hat Face­book in der Tat vie­les rich­tig gemacht. Ich kann kurze State­ments hin­ter­las­sen, die State­ments ande­rer Teil­neh­mer kom­men­tie­ren, schnell mal ein Bild, ein Video oder einen Link pos­ten und auch die wie­der kom­men­tie­ren las­sen oder an Andere wei­ter­schi­cken. Das alles mit weni­gen Klicks und ziem­lich intui­tiv. Das geht genau auf die rich­tige Art und Weise unkom­pli­ziert und im Vor­bei­ge­hen, sodass man es auch tat­säch­lich benutzt.

Und was hat man nun für „Freunde” auf Face­book? Naja, quer durch den Gar­ten. Bei mir sind’s viele Pira­ten (logisch), Kol­le­gen, „reale” Freunde (ja, sowas habe ich…) und Fami­lie. Ins­be­son­dere habe ich über Face­book mitt­ler­weile auch einige alte Schul­ka­me­ra­den wie­der­ge­fun­den bzw. habe hier die Mög­lich­keit, auf die bereits beschrie­bene unkom­pli­zierte Weise in Kon­takt zu blei­ben. Ja, ich gebe zu, es war ein durch­aus posi­ti­ver Zufall, dass aus­ge­rech­net in meine Facebook-​Einstiegsphase mein 20-​jähriges Abi-​Jubiläum fiel. Der Clou ist dabei weni­ger, dass ich alle diese Men­schen jetzt errei­chen könnte — bei den aller­meis­ten ging das auch vor­her schon -, son­dern dass ich sie auf Face­book ein­fach errei­chen kann. Und das scheint nicht nur mir so zu gehen: Kurze Nach­richt über das Nach­rich­ten­tool — kurze Ant­wort kommt häu­fig sehr schnell zurück. Ein­fa­cher als E-​Mails, län­ger als Twit­ter, zudem ggf. mit Bil­dern und Links auf­ge­peppt — Facebook-​Nachrichten bil­den mei­ner (zuge­ge­be­ner­ma­ßen kur­zen) Erfah­rung nach eine eigene Nuance im Kon­ti­nuum der text­ba­sier­ten Kommunikationswege.

Zudem geht das ganze auch ohne große Abstri­che übers Handy. Die Facebook-​Android-​App is’ zwar nich’ so dolle, aber zum kur­zen Che­cken „Hat wer was geschrie­ben?” oder „Was machen denn die ande­ren gerade?” reicht es vollkommen.

Inso­fern würde ich viele der Warn­rufe über die „gefähr­li­che Daten­krake” Face­book nicht unein­ge­schränkt tei­len. Sicher, man kann sich in einem sozia­len Netz­werk kom­plett nackig machen. Zumin­dest Face­book im Juni 2011 erzwingt dies aber kei­nes­wegs. Man muss halt — wie so häu­fig im Leben — wis­sen was man tut. Aber viel­leicht sieht man das auch etwas anders, wenn man in Wiki­pe­dia zu fin­den ist

Und über was redet man bei Face­book nun so? Naja, wie nicht anders zu erwar­ten: Immer nur über das Wichtigste…

Facebookkonversation, authentisches Beispiel

Face­book­kon­ver­sa­tion, authen­ti­sches Beispiel

Für die­ses Blog hat meine Facebook-​Anmeldung übri­gens auch zwei Kon­se­quen­zen: Zum einen sollte jeder neue Arti­kel hier ab sofort auf mei­ner Pinn­wand ange­kün­digt wer­den und zum ande­ren hat jeder Arti­kel hier jetzt einen „Gefällt mir”-Knopf, mit dem andere Face­booker auf ihn hin­wei­sen kön­nen. Für bei­des ver­wende ich das WordPress-​Plugin „Add Link to Face­book”. Mal sehen, ob das alles so funk­tio­niert wie die Anlei­tung sagt.

#servergate – Warum die Piraten wichtig sind

„Solch ein unde­mo­kra­ti­scher Akt darf sich nie wie­der­ho­len“ wurde Sebas­tian Nerz ges­tern viel­fach zitiert. Gemeint ist die gest­rige Beschlag­nahme und stun­den­lange Abschal­tung der zen­tra­len Ser­ver der Pira­ten­par­tei durch die hes­si­sche Poli­zei auf Grund eines – ja, wes­we­gen eigent­lich? Da gab es die fran­zö­si­sche Staats­an­walt­schaft, die irgend­wel­che Infor­ma­tio­nen auf dem Ether­pad­ser­ver ver­mu­tete. Um an diese her­an­zu­kom­men, bat sie die deut­schen Ermitt­lungs­be­hör­den um Amts­hilfe – nein, Kor­rek­tur: star­tete sie eine Vor­an­frage auf ein Amts­hil­fe­er­su­chen. Und auf Grund die­ser Vor­an­frage lie­fen besagte deut­sche Ermitt­lungs­be­hör­den los und „sicher­ten Beweismittel“ – nicht ohne die sechst­größte deut­sche Par­tei weit­ge­hend vom Netz zu trennen.

Ich muss mich an die­ser Stelle gar nicht groß über die­ses Vor­ge­hen auf­re­gen. Das haben andere schon zu Genüge getan – und das viel fun­dier­ter als ich es könnte. In den Kom­men­ta­ren wird ein­hel­lig auf die völ­lige Unver­hält­nis­mä­ßig­keit der Aktion ver­wie­sen, ins­be­son­dere da die Pira­ten­par­tei als poli­ti­sche Par­tei unter beson­de­rem grund­ge­setz­li­chen Schutz steht und des­halb staat­li­che Ein­griffe – eigent­lich – beson­ders sorg­fäl­tig abzu­wä­gen sind.

Der deut­sche Staat hat es im kon­kre­ten Fall dann aber lie­ber mit Goe­thes Mephisto gehal­ten: „Grau mein Freund ist alle Theo­rie“. Wenn die Aktion vom Frei­tag das Ergeb­nis sorg­fäl­ti­ger Abwä­gun­gen war, dann möchte ich nicht in der Nähe sein, wenn die dafür Ver­ant­wort­li­chen mal „Gefahr im Ver­zug“ wit­tern. Womit wir – um noch­mal Goe­the zu zitie­ren – bei des Pudels Kern wären: Der Staat „Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land“ ist am Frei­tag auf eine Art und Weise mit sei­nen in der Pira­ten­par­tei orga­ni­sier­ten Bür­gern umge­sprun­gen, die mit sei­nen frei­heit­lich – demo­kra­ti­schen Grund­sät­zen nicht ver­ein­bar ist. Wenn man diese Werte ernst nimmt, ver­bie­tet sich ein sol­cher Ein­griff in die Struk­tu­ren der Par­tei von selbst. Noch dazu zwei Tage vor einer Land­tags­wahl, zu der die Par­tei antritt. Und erst recht bei den geschil­der­ten Rand­be­din­gun­gen (Vor­an­frage zu Amtshilfe…).

„Solch ein unde­mo­kra­ti­scher Akt darf sich nie wie­der­ho­len“ sagt Sebas­tian Nerz und fährt fort mit Plä­nen, in Zukunft mit einem inter­na­tio­na­len Ser­ver­ver­bund zu arbei­ten, der „Stö­run­gen“ die­ser Art abfan­gen kann. So sinn­voll diese Maß­nahme ist – das kann nicht die Lehre aus „Ser­ver­gate“ sein! Die Lehre ist, dass der Staat, und mit ihm auch seine Reprä­sen­tan­ten wie zum Bei­spiel Staats­an­wälte, sich eben nicht alles erlau­ben dür­fen, bloß „weil sie es kön­nen“. Dazu braucht es einer­seits Regeln – also Gesetze –, ande­rer­seits aber auch den Wil­len aller Betei­lig­ten, sich daran zu hal­ten. So eine „Staats­rä­son“ lässt sich maß­geb­lich errei­chen, indem staat­li­che Aktio­nen nach­voll­zieh­bar sind. Der Staat muss in sei­nem Tun trans­pa­rent sein. Und hier schließt sich der Kreis, denn genau das ist einer der zen­tra­len pro­gram­ma­ti­schen Punkte der Piratenpartei.

So wird die Abschal­tung der Par­tei­ser­ver vom Frei­tag zu einer nach­drück­li­chen Demons­tra­tion, warum die Pira­ten­par­tei in der deut­schen Poli­tik wich­tig ist und bleibt: Wir ste­hen dafür, dass der Staat sich – wie alle ande­ren – an die Regeln hält. Wir wol­len keine Schnüf­fel­ge­setze, wir wol­len keine „erwei­ter­ten Befug­nisse“ und wir wol­len auch nicht solch unter­schwel­li­gen Wahn­sinn, wie wir ihn am Frei­tag erle­ben konn­ten. Meine per­sön­li­che Kon­se­quenz aus „Ser­ver­gate“ ist, dass ich mich in Zukunft noch stär­ker zur Pira­ten­par­tei und ihren Zie­len beken­nen werde. Die Gesamt­si­tua­tion wird ja offen­sicht­lich nicht besser…

Schade finde ich übri­gens, dass ich von ande­ren Par­teien – mit weni­gen Aus­nah­men – bis­lang so gar nichts zu den Vor­gän­gen gehört habe. Jungs, Mädels: Die­ses Mal hat es uns getrof­fen, aber wer weiß, auf was für Ideen die Staats­an­walt­schaft bei euch um die Ecke kommt, soll­ten sich mal „ver­däch­tige Per­so­nen“ vor eurer Par­tei­zen­trale aufhalten…

Und plötzlich war’n die Server weg. Oder: Ermittlungsbehörden richten sich nicht gegen die Piratenpartei

Hin­weis: Infor­ma­tio­nen zum gesam­ten Vor­gang fin­den sich unter http://​wiki​.pira​ten​-thue​rin​gen​.de/​S​e​r​v​e​r​g​ate.

Zunächst bitte ich hier mal die „Bundes-​IT” der Pira­ten­par­tei um Ent­schul­di­gung. Als ich näm­lich heute mor­gen nicht auf das Pad zugrei­fen konnte, war mein ers­ter Gedanke: „Super, haben sie’s mal wie­der verbockt…”

Haben sie aber gar nicht. Ein gro­ßer Teil der Web­prä­senz der Pira­ten­par­tei ist seit heute mor­gen auf Grund „poli­zei­li­cher Maß­nah­men” abge­schal­tet. Nichts genaues weiß man nicht, aber es scheint um Inhalte zu gehen, die auf den Ser­vern viel­leicht lie­gen oder gele­gen haben. Und zwar nicht mal Inhalte, für die sich der deut­sche Staat inter­es­siert, son­dern um Dinge, die das Inter­esse fran­zö­si­scher Ermitt­lungs­be­hör­den geweckt haben.

Also noch­mal lang­sam: Einem fran­zö­si­schen Staats– oder sons­ti­gen Anwahl fal­len im Inter­net miss­lie­bige Inhalte auf. Diese befin­den sich — even­tu­ell — in einem der Dienste, die eine deut­sche poli­ti­sche Par­tei auf ihren in Deutsch­land gehos­te­ten Ser­vern bereit­stellt. Und dar­auf­hin wird der gesamte Inter­net­auf­tritt eben die­ser deut­schen Par­tei von deut­schen „Ermitt­lungs­be­hör­den” abgeschaltet.

Geht’s noch?

Es ist ja lei­der trau­rige Tat­sa­che, dass die Inter­net­kom­pe­tenz deut­scher „Ermitt­lungs­be­hör­den” viel­fach immer noch ähnlich gut aus­ge­prägt ist wie die Fein­füh­lig­keit eines Ele­fan­ten im Por­zel­lan­la­den. Und ebenso fein­füh­lig ist dann ja häu­fig auch das Tun und Las­sen besag­ter „Ermitt­lungs­be­hör­den”. Aber auf Grund aus­län­di­scher Befind­lich­kei­ten einer deut­schen Par­tei ein­fach kom­plett den Saft abzu­klem­men, das ist schon ‚ne Num­mer, die ich so eigent­lich bis­her nicht für mög­lich gehal­ten hätte.

Mag sein, dass sich besagte Ermitt­lun­gen — wie in der Pres­se­mit­tei­lung der Pira­ten­par­tei ver­laut­bart — „nicht gegen die Pira­ten­par­tei” rich­ten. Das Han­deln aber rich­tet sich gleich mit meh­re­ren Breit­sei­ten gegen die Pira­ten. Zwei Tage vor einer Land­tags­wahl auf die­ser Weise zu ver­su­chen, eine ganze Par­tei mund­tot zu machen, das ist schon ein star­kes Stück.

Ich nehme aus die­sem Vor­fall, gleich wie lang er noch andau­ern möge und unab­hän­gig davon, was da im ein­zel­nen pas­siert ist, zum Anlass, eine poli­ti­sche For­de­rung zu for­mu­lie­ren: Bei „Beschlag­nahme” oder „Durch­su­chun­gen” von Com­pu­tern, ins­be­son­dere öffent­lich zugäng­li­chen Ser­vern, muss grund­sätz­lich nach dem Grund­satz der Scha­dens­ver­mei­dung für den Ser­ver­be­sit­zer bzw. –nut­zer gehan­delt wer­den. Das heißt: Dienste und Ser­ver dür­fen nur abge­schal­tet wer­den, wenn dies für eine Daten­er­he­bung unbe­dingt erfor­der­lich ist, Dienste und Ser­ver müs­sen danach umge­hend wie­der online gebracht wer­den und kei­nes­falls dür­fen Rech­ner­sys­teme im Rah­men von Ermitt­lungs­vor­gän­gen abge­baut und von den Behör­den mit­ge­nom­men wer­den. Es geht in die­sen Fäl­len stets um vir­tu­elle Güter in Form von Daten, da ist es nur sach­ge­recht, wenn im Zuge der Ermitt­lun­gen eben­diese Daten zu Ermitt­lungs­zwe­cken ver­viel­fäl­tigt wer­den und die Ori­gi­nale ver­füg­bar bleiben.

Sowas wie das, was die „Ermitt­lungs­be­hör­den” da gerade beim Hos­ter der Pira­ten­par­tei abzie­hen ist jeden­falls eines freiheitlich-​demokratischen Rechts­staa­tes mehr als unwürdig.

Von Bildern, Parteien und Lizenzen. Heute: Die Linke und die Stadtbahn in Hannover

Es ist doch immer wie­der erhel­lend, im Inter­net zu sur­fen. Neh­men wir mal die „Rick­lin­ger Pla­kat­wand” des han­no­ver­schen loka­len Inter­net­ma­ga­zins „Ihme­bote”. Da fin­det sich (immer noch) ein Pla­kat einer Ver­an­stal­tung der Par­tei „Die Linke” aus dem April 2010:

Plakat für eine Diskussionsveranstaltung der Linken

Pla­kat für eine Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung der Linken

So weit, so gut. Ich bin aber an dem Motiv des Pla­kats hän­gen­ge­blie­ben. Die­ses Stadt­bahn­bild, hm, … irgend­wo­her kenne ich das. Und ich bin dann auch recht schnell drauf gekom­men: Es ist von mir.

Wikipediabild des hannoverschen Stadtbahnwagens TW2000

Wiki­pe­dia­bild des han­no­ver­schen Stadt­bahn­wa­gens TW2000

Im März 2001 habe ich die­ses Bild am Vah­ren­wal­der Platz foto­gra­fiert und im Juni 2005 in den Wikipedia-​Artikel über die han­no­ver­sche Stadt­bahn ein­ge­baut. So liegt es denn auf den Wiki­me­dia Com­mons und wird mitt­ler­weile in einer gan­zen Reihe von Arti­keln benutzt.

Und offen­sicht­lich auch hier auf die­sem Pla­kat der „Lin­ken”. Noch­mal beide Bil­der neben­ein­an­der­ge­stellt im Vergleich:

Wikipediabild und das Plakat im direkten Vergleich

Wiki­pe­dia­bild und das Pla­kat im direk­ten Vergleich

Ich freue mich ja immer, wenn meine Werke genutzt wer­den. Und ich mache das ja auch expli­zit mög­lich, indem ich sie unter einer geei­gen­ten Lizenz bereit­stelle. Ich ver­wende übli­cher­weise die jeweils aktu­elle CC-​BY-​SA-​Lizenz, das heißt, ich erlaube die Wei­ter­gabe unter Quel­len­an­gabe („BY”) und wenn das abge­lei­tete Werk unter die­selbe Lizenz gestellt wird („SA” für „same attri­bu­tion”, etwa „glei­che Bedin­gung”). Ich ver­zichte auf das Ver­bot abge­lei­te­ter Werke („ND”, „no deri­va­tes”, etwa „keine Ablei­tun­gen”) und auch auf das Ver­bot kom­mer­zi­el­ler Ver­wen­dung („NC”, „no com­mer­cial”, etwa „keine kom­mer­zi­elle Verwendung”).

Inso­fern hat „Die Linke” schon vie­les rich­tig gemacht: Sie dür­fen das Bild benut­zen, ohne mich zu fra­gen. Sie dür­fen es bear­bei­ten und als Bestand­teil ihres Pla­kats ver­wen­den. Und sie dür­fen die­ses Pla­kat belie­big ver­öf­fent­li­chen. Was sie aber lei­der ver­ges­sen haben ist, den Urhe­ber — näm­lich mich — geeig­net zu erwäh­nen. Zum Bei­spiel in einer klei­nen Fuß­zeile auf dem Pla­kat, in dem dann nicht nur die Bild­quelle, son­dern auch der Bear­bei­ter genannt wird. Und die Bild­quelle für den Stadt­bahn­plan im Hin­ter­grund. Ach ja, und dann müsste die­ses Pla­kat eigent­lich eben­falls unter CC-​BY-​SA-​Lizenz ste­hen, weil ja der Bild­be­stand­teil „TW2000-​Wagen” unter eben die­ser Lizenz steht. Es könnte aber sein, dass sich das dann wie­der mit der Lini­en­netz­plan­li­zenz beißt, denn soweit ich weiß, stellt die üstra ihre Pläne nicht unter eine CC-​Lizenz. Ich ver­mute aber mal, dar­über hat man sich auch nicht wirk­lich Gedan­ken gemacht.

Und nun? Nein, ich werde jetzt nicht mit irgend­wel­chen juris­ti­schen Schar­müt­zeln anfan­gen. Der Drops ist lang gelutscht, die Ver­an­stal­tung war vor über einem Jahr und auch ansons­ten wäre mir das ein wenig zu blöd. Ich find’s aber schon schade, dass der Lizenz­text der Creative-​Commons-​Lizenz hier gerade von einer poli­ti­schen Par­tei nicht ernst genom­men wird. Sowas geht auch bes­ser. Liebe Linke, fragt im Zwei­fels­fall ein­fach mal bei den Pira­ten nach…

Ansons­ten: Schade eigent­lich, dass ich nicht bei­zei­ten auf die­sen Dis­kus­si­ons­abend auf­merk­sam gewor­den bin. Genau mein Thema

Wer verklagt wen? Patentdickicht als Grafik

Ich war ja ab 2003 sehr aktiv in der Anti-​Softwarepatentbewegung, habe die „Unter­neh­mer­in­itia­tive gegen Soft­ware­pa­tente” mit­be­grün­det und spä­ter „patent​frei​.de”. Ich nehme für diese Akti­ons­bünd­nisse in Anspruch, dass sie einen wich­ti­gen Anteil daran hat­ten, dass die „Soft­ware­patent­di­rek­tive” im Juli 2005 im Euro­päi­schen Par­la­ment abge­lehnt wurde. Ich bin auch wei­ter­hin in die­ser Sache aktiv — sei es im „Bun­des­ver­band Infor­ma­ti­ons– und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie” (BIKT) oder in der Pira­ten­par­tei.

Und nun zu etwas ganz ande­rem: Was ist das?

a) Minesweeper, b) Verwandtschaftsbeziehungen, c) Routenplaner, d) Patentklagen

a) Mines­weeper, b) Ver­wandt­schafts­be­zie­hun­gen, c) Rou­ten­pla­ner, d) Patentklagen

Rich­tig ist Ant­wort (d): Diese hüb­sche kleine Gra­fik zeigt, wel­ches Unter­neh­men gerade wel­ches andere wegen „Patent­ver­let­zun­gen” in der Mobil­funk­bran­che ver­klagt hat. Alle gro­ßen sind dabei: Micro­soft, Apple, HTC, Nokia… Der geneigte Leser möge kurz inne­hal­ten und über­le­gen, wer wohl wer ist, bevor er den Ori­gi­nal­ar­ti­kel anklickt und dort (auf Eng­lisch) die ganze Geschichte liest:

Tech­no­lo­gi­zer: Who’s Suing Who? A Cheat Sheet to the Mobile Patent Mess

Die aktu­el­len Patent­kriege in der Mobil­funk­bran­che sind maß­geb­lich der extre­men Anzahl von Paten­ten geschul­det, die die gefürch­te­ten „Patent­di­ckichte” bil­den: Nie­mand blickt mehr durch, wer über­haupt was paten­tiert hat, aber beim Arbei­ten in einem bestimm­ten Bran­chen­um­feld ist es quasi unmög­lich, ohne die Tech­ni­ken aus­zu­kom­men, um die sich das Dickicht gebil­det hat. So wird Fort­schritt dann zum Glücks­spiel und über die beste Tech­nik ent­schei­den nicht die Ent­wick­ler, son­dern die Anwälte — und die grö­ßere Brieftasche.

Schöne neue Welt.

Linktipp: „Personen, Posen, Prominente” — Wen darf ich fotografieren und wen nicht?

Ste­ter Quell’ der Freude ist ja das Span­nungs­feld von „Per­sön­lich­keits­rech­ten”, „öffent­li­chem Inter­esse” und „Doku­men­ta­tion”. Ins­be­son­dere beim Foto­gra­fie­ren im öffent­li­chen Raum bewegt man sich — egal ob pro­fes­sio­nell oder pri­vat unter­wegs — schnell in einer juris­ti­schen Grau­zone. Auf „jour­na­list Online” ist nun mal wie­der ein aktu­el­ler Bei­trag zu die­sem Thema erschie­nen. Im Vor­griff auf meine eige­nen Über­le­gun­gen zu die­sem kom­ple­xen Bereich gibt’s hier heute mal einen Linktipp:

jour­na­list Online: Per­so­nen, Posen, Pro­mi­nente — Wen darf ich foto­gra­fie­ren und wen nicht?

Happy Birthday Blog: 5 Jahre „Letzte Weisheiten”

Mein Blog hat Geburts­tag! Heute vor genau fünf Jah­ren habe ich den ers­ten Arti­kel ver­öf­fent­licht, der aller­dings eher etwas selbst­re­fe­ren­ti­ell erzählte, dass ich jetzt auch ein Blog habe. Inhalt­li­cher Wert — nunja…

Ganz rich­tig ist die Über­schrift übri­gens nicht: Am Anfang war das hier ein­fach „Dirks Blog”. Erst am 10. Juli 2006 habe ich den Namen auf „Letzte Weis­hei­ten” geän­dert — natür­lich auch beglei­tet von einem Blog­ein­trag. Ja, ich war schon immer ein Freund von selbst pro­du­zier­tem Con­tent. ;-)

A pro­pos „Inhalt”: Ich lege ja immer Wert dar­auf, dass das hier mein Blog ist und dass ich hier im Zwei­fels­fall die Sachen rein­schreibe, die ich span­nend finde und über die ich schrei­ben möchte. Gerade am Anfang mäan­dern die The­men des­halb eher so um täg­li­che Klei­nig­kei­ten. Im Rück­blick habe ich bemer­kens­wert lange die Mög­lich­keit ver­strei­chen las­sen, stär­ker poli­ti­sche Texte zu schrei­ben und so zu ver­su­chen, mein ganz pri­va­tes „Agen­da­set­ting” zu betrei­ben. Dass ich was mit der „Pira­ten­par­tei” zu tun habe, erfährt man hier zum Bei­spiel erst nach fast einem Jahr anläss­lich mei­ner Wahl zum Schatz­meis­ter des nie­der­säch­si­schen Lan­des­ver­ban­des. Und dass ich im Mai 2008 sogar zum Bun­des­vor­sit­zen­den gewählt wurde, liest man hier gar nicht — ins­ge­samt ist die­ses Blog gerade im Jahr 2008 eher „dünn” mit Arti­keln besetzt.

So rich­tig ändert sich das dann erst im Juni 2009 — und dann bis Sep­tem­ber 2009. Das ist — bis heute — die „Hoch­zeit” von „Letzte Weis­hei­ten” gewe­sen. Plötz­lich fin­det sich die Pira­ten­par­tei mas­siv in der öffent­li­chen Auf­merk­sam­keit — und ich mit­ten­drin. Es fin­den sich einige mei­nes Erach­tens durch­aus span­nende Zeit­do­ku­mente, sei es meine Rede anläss­lich des von-der-Leyen’schen Zen­sur­ge­set­zes, eine recht umfäng­li­che Wür­di­gung eines ver­ba­len Schar­müt­zels zwi­schen einem SPD-​Politiker und einem Piratenpartei-​Kreisverband im Frank­fur­ter Raum und natür­lich der Arti­kel, der sich um mei­nen eige­nen Fern­seh­auf­tritt als „obers­ter Pirat” bei Phö­nix dreht. Die größte Arti­kel­menge habe ich dabei inter­es­san­ter­weise nach mei­ner Zeit als Bun­des­vor­sit­zen­der geschrie­ben — als ich eigent­lich „gar nichts” mehr in der Par­tei war (na gut, außer Spit­zen­kan­di­dat der nie­der­säch­si­schen Lan­des­liste zur Bundestagswahl…).

Seit­her ist es wie­der wesent­lich ruhi­ger gewor­den hier. Ich schaue aber schon, dass ich immer mal wie­der was schreibe, sei es zu poli­ti­schen The­men, sei es zu mei­nem Spe­zi­al­thema „Ver­kehrs­we­sen” (ich sage nur: Advents­ka­len­der…), seien es auch wei­ter­hin irgend­wel­che Dinge, über die ich „schon immer mal” was los­wer­den wollte.

Tech­nisch basiert mein Blog von vorn­her­ein auf Word­Press, das auf einem eige­nen Ser­ver läuft und das ich selbst instal­liere und warte. Ange­fan­gen habe ich mit der damals aktu­el­len Ver­sion 2.0. Mitt­ler­weile sind wir bei 3.1.1 ange­kom­men und seit Ver­sion 2.7 ist das mit Upda­ten auch über­haupt kein Pro­blem mehr — läuft alles auto­ma­tisch mit einem Klick. Ein gro­ßer Vor­teil von Word­Press ist ja die unglaub­li­che Anzahl von Plugins für alle mög­li­chen und unmög­li­chen Zwe­cke. Ich ver­wende hier eine rela­tiv kon­stante Gruppe sol­cher Plugins, deren nach außen sicht­barste wohl das Twitter-​Plugin (frü­her irgend­was mit „tweet”, heute „YourLS”) sowie das völ­lig geniale „WP-​Typography” sind, das die­sem Blog das gefäl­lige Äußere mit Block­satz und Sil­ben­tren­nung verleiht.

Als Ober­flä­che habe ich lange, lange Zeit das Standard-​Kubrick-​Theme ver­wen­det, das bei Word­Press 2.0 dabei war. Zunächst in einem schi­cken Zitro­nen­gelb gehal­ten, habe ich das im Juni 2009 auf Piraten-​Orange umge­stellt und seit­dem auch ein ver­frem­de­tes Por­trait mei­ner selbst sowie das Pira­ten­logo im Sei­ten­kopf. Diese Gestal­tung hat auch die Umstel­lung auf das „K2”-Theme über­lebt, die irgend­wann Anfang 2010 statt­ge­fun­den haben muss und mit der ich mir mei­nen größ­ten Wunsch an mein Blog­de­sign erfüllt habe: Zwei Rand­spal­ten für die gan­zen klei­nen Zusatz-​Info-​Kästchen auf der rech­ten Seite. Seit eini­gen Wochen habe ich zudem „WPtouch” ein Plu­gin instal­liert, das auf Mobil­ge­rä­ten eine opti­mierte Ober­flä­che die­ses Blogs darstellt.

Lange Zeit war es mir rela­tiv egal, wie viele Besu­cher mein Blog hat. Für die ers­ten drei Jahre gibt es des­halb schlicht keine Zugriffs­sta­tis­ti­ken. Erst im Juni 2009 habe ich ein Plu­gin instal­liert, das die Zugriffe zählt und sta­tis­tisch aus­wer­tet: Wel­che Arti­kel waren wann beson­ders beliebt? Lei­der war „Stat­Press Reloa­ded” ziem­lich schlecht pro­gram­miert und des­halb wahn­sin­nig inef­fi­zi­ent. Kleine Modi­fi­ka­tio­nen mei­ner­seits (unter ande­rem die Ein­füh­rung von Inde­xen auf der Daten­bank­ta­belle) hal­fen auch nicht durch­grei­fend und die Menge an sinn­vol­len und aktiv in Ent­wick­lung befind­li­chen Statistik-​Plugins für Word­Press ist erschre­ckend klein — näm­lich eigent­lich nicht-​existent.

So habe ich denn im März 2011 in die­sem schö­nen Blog „Piwik” ein­ge­führt, das mir rela­tiv detail­liert auf­schlüs­selt, wie viele Besu­cher kom­men, auf wel­chem Weg sie kom­men, wie lange sie blei­ben, und natür­lich was sie sich anschauen. Die Ergeb­nisse: An nor­ma­len Tagen ohne neue Arti­kel lan­den so etwa 50 bis 60 Besu­cher in die­sem Blog, ver­wei­len durch­schnitt­lich 15 – 20 Sekun­den und schauen sich dabei 1,3 Sei­ten an. Meine Pira­ten­ar­ti­kel ver­ur­sa­chen eher kurz­fris­tige Zugriffs­spit­zen. „Belieb­ter” ist da momen­tan das Wört­chen „Tscher­no­byl”, über das seit Wochen zuver­läs­sig etwa ein Dut­zend Leser am Tag aus Googlea­nien ein­reist. Abso­lu­ter Dau­er­bren­ner aber sind meine Arti­kel über den Pup­pen­spie­ler Rene Marik und sei­nen Maul­wurf, die mit Such­be­grif­fen wie „Rene Marik”, „Maul­wurf”, „maul­wurfn”, „rapante” oder „froschn” jeden Tag in der Sta­tis­tik auftauchen.

So sum­miert sich die Zahl der Besu­cher in den letz­ten 30 Tagen schließ­lich doch auf über 2000, die hier in dem einen oder ande­ren Arti­kel gestö­bert haben. Und das, obwohl sich das Inter­net in den letz­ten fünf Jah­ren erheb­lich ver­än­dert hat. Blogs sind heut­zu­tage ja nur noch eine Mög­lich­keit unter vie­len, sich im Web zu prä­sen­tie­ren und in der Welt der „Sozia­len Netz­werke” wie „Face­book” oder „Stu­diVZ” kom­men sie ja eher am Rande vor. Gerade in die­sen Wel­ten bin ich aber nach wie vor quasi nicht ver­tre­ten (und will daran auch nichts ändern). Auch die Inhalte mei­nes Blogs haben sich in die­ser Zeit ver­än­dert. Mit Blick auf die anste­hen­den Kom­mu­nal­wah­len und mein seit die­sem Jahr wie­der grö­ße­res Enga­ge­ment in den Struk­tu­ren der Pira­ten­par­tei ist es auch sehr wahr­schein­lich, dass die Arti­kel­zahl hier in den nächs­ten Wochen und Mona­ten wie­der zunimmt und wie­der viel Poli­tik dabei ist.

Mit die­sem Blog ist es also ein wenig wie mit den „Hel­den”: „Gekom­men um zu blei­ben”. Ich werde also wei­ter schrei­ben — pünkt­lich zum Zehn­jäh­ri­gen kommt dann der nächste Rück­blick. ;-) Viel Spaß beim Lesen!