Pi­ra­ten­par­tei: Vol­le Kraft vor­aus in Nie­der­sach­sen

Die Pi­ra­ten­par­tei Nie­der­sach­sen hat auf ih­rem Lan­des­par­tei­tag am ver­gan­ge­nen Wo­chen­en­de in ei­nem be­mer­kens­wer­ten Schritt ei­nen Neu­an­fang be­gon­nen. Ei­gent­li­ch war die Be­hand­lung von et­wa 80 „An­trä­gen zum Wahl­pro­gramm“ für die kom­men­de Land­tags­wahl ge­plant; ei­ne um­fäng­li­che Lis­te weit­ge­hend zu­sam­men­hang­lo­ser Ein­zel­for­de­run­gen, in ei­nem – pi­ra­ten­ty­pi­sch – äu­ßer­st tech­no­kra­ti­schen Ver­fah­ren zu­dem in ei­ne vom In­halt völ­lig un­ab­hän­gi­ge, zu­fäl­li­ge Rei­hen­fol­ge ge­bracht. 64 die­ser An­trä­ge stamm­ten zu­dem vom sel­ben An­trag­stel­ler. Dem wur­de ein Rie­gel vor­ge­scho­ben, in­dem nach zwei aus­führ­li­chen De­bat­ten Sams­tag abend und Sonn­tag vor­mit­tag ein An­trag ver­ab­schie­det wur­de, der die­ses Ver­fah­ren er­setzt durch ei­ne Neu­aus­ar­bei­tung der grund­le­gen­den Wer­te der Pi­ra­ten­par­tei: Wo­für ste­hen wir? Was wol­len wir? Wel­che Art von Ge­sell­schaft soll un­ser po­li­ti­sches Han­deln för­dern?

Die Landesmitgliederversammlung in Delmenhorst

Die Lan­des­mit­glie­der­ver­samm­lung in Del­men­hor­st

Ich bin am Zu­stan­de­kom­men die­ses An­trags, der schließ­li­ch von 2/3 der An­we­sen­den an­ge­nom­men wur­de, nicht ganz un­be­tei­ligt. Dies ist er:

Leit­an­trag zum Wahl­pro­gramm der Pi­ra­ten­par­tei Nie­der­sach­sen zur Land­tags­wahl 2018

“Die Frei­heit” (Ar­beits­ti­tel)

Die Pi­ra­ten­par­tei Nie­der­sach­sen steht für ei­ne frei­heit­li­che de­mo­kra­ti­sche Ge­sell­schafts­ord­nung. Die­se Ge­sell­schafts­ord­nung ist in der mo­men­ta­nen po­li­ti­schen Si­tua­ti­on zu­neh­mend in Ge­fahr. For­de­run­gen nach Über­wa­chung, Aus­gren­zung, Ab­schie­bung und Tren­nung er­zeu­gen ein Kli­ma von Angst und Zorn. Mit­ein­an­der, Zu­sam­men­halt und die per­sön­li­che Ent­fal­tungs­frei­heit je­des ein­zel­nen Men­schen wer­den zu­neh­mend in Fra­ge ge­stellt.

Vor die­sem Hin­ter­grund kon­zen­triert si­ch die Pi­ra­ten­par­tei Nie­der­sach­sen bei der Er­stel­lung ih­res Wahl­pro­gram­mes auf die zen­tra­len Fra­gen des Um­gangs in­ner­halb der Ge­sell­schaft und der Po­li­tik. Sie gibt da­mit ih­ren Ab­ge­ord­ne­ten ei­nen Leit­fa­den für po­li­ti­sches Han­deln in die Hand, der über fach­li­che De­tail­fra­gen hin­aus­reicht.

Das Wahl­pro­gramm wird in ei­nem Pro­zess bis zum Som­mer 2017 im Lan­des­ver­band Nie­der­sach­sen er­ar­bei­tet. Der Lan­des­vor­stand setzt ei­nen or­ga­ni­sa­to­ri­schen Rah­men. Er stellt die tech­ni­schen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel des Lan­des­ver­ban­des zur Ver­fü­gung. Ins­be­son­de­re rich­tet er ei­nen Ab­schluss-Work­shop im Rah­men ei­ner Lan­des­mit­glie­der­ver­samm­lung aus. Das Re­sul­tat die­ses Work­shops ist Wahl­pro­gramm der Pi­ra­ten­par­tei Nie­der­sach­sen zur Land­tags­wahl 2018.

Die Pi­ra­ten­par­tei Nie­der­sach­sen ver­zich­tet mit die­sem An­trag zum ak­tu­el­len Zeit­punkt auf ei­ne wei­ter­ge­hen­de Fest­le­gung des Wahl­pro­gram­mes. Es wer­den auf der ak­tu­el­len Mit­glie­der­ver­samm­lung kei­ne wei­te­ren Pro­gramm­an­trä­ge ab­ge­stimmt. Die Zeit wird statt­des­sen für den ers­ten Work­shop für das Wahl­pro­gramm ge­nutzt.

Landesvorsitzender Florian Lang und der - etwas moppelige - Blogautor am Saalmikro

Lan­des­vor­sit­zen­der Flo­ri­an Lang und der – et­was mop­pe­li­ge – Blog­au­tor am Saal­mi­kro

Be­grün­dung des An­trags:

In ei­ner von po­pu­lis­ti­schen Pa­ro­len durch­setz­ten Zeit braucht die Pi­ra­ten­par­tei Aus­sa­gen mit Strahl­kraft. Nach au­ßen müs­sen sie ein­präg­s­am hän­gen blei­ben. Kom­men­den Man­dats­trä­gern sol­len sie Weg­wei­ser im Wahl­kampf und in der Aus­übung ih­res po­li­ti­schen Am­tes die­nen, sie aber nicht in ein Kor­sett zwän­gen.

Sol­che Aus­sa­gen wol­len wir im Rah­men un­se­res Wahl­pro­gram­mes er­ar­bei­ten und for­mu­lie­ren.

Die­se grund­le­gen­den Rich­tungs­aus­sa­gen der Pi­ra­ten­par­tei Nie­der­sach­sen sol­len das Er­geb­nis ei­nes ge­mein­schaft­li­chen Pro­zes­ses sein. Sie wer­den er­ar­bei­tet von al­len Pi­ra­ten, die ak­tiv dar­an mit­wir­ken möch­ten, zu ge­stal­ten, wie die Pi­ra­ten si­ch im Wahl­kampf prä­sen­tie­ren. Wir hal­ten es für wich­tig, nach der gest­ri­gen Dis­kus­si­on so­fort da­mit zu be­gin­nen und das als ei­nen Pro­zess fort­zu­füh­ren, des­sen Er­geb­nis dann ab­ge­stimmt wer­den kann. Al­le Pi­ra­ten in Nie­der­sach­sen sind ein­ge­la­den und auf­ge­for­dert, si­ch dar­an be­tei­li­gen.

Wir schla­gen ei­ne Be­schrän­kung auf ma­xi­mal 5 Grundaussagen/​Grundwerte mit je­weils ma­xi­mal zehn er­gän­zen­den The­men vor.

Ich se­he An­trag und Ab­stim­mungs­er­geb­nis als sehr wich­ti­gen Schritt auf ei­nem mög­li­chen Weg der Pi­ra­ten­par­tei aus der po­li­ti­schen Be­deu­tungs­lo­sig­keit her­aus. Die von der po­li­ti­schen Rea­li­tät ab­ge­na­bel­te Pseu­do-Dis­kus­si­on um „ir­gend­wel­che“ De­tail­for­de­run­gen bringt we­der die Par­tei wei­ter no­ch führt sie zu ir­gend­ei­ner öf­fent­li­chen Wahr­neh­mung oder gar zum Ge­winn nen­nens­wer­ter Wäh­ler­stim­men. Die Pi­ra­ten müs­sen für ein Ge­sell­schafts­mo­dell ste­hen und ein­ste­hen. Aus die­sem her­aus kön­nen (und sol­len) si­ch dann na­tür­li­ch auch spe­zi­fi­sche For­de­run­gen ent­wi­ckeln, aber das wich­ti­ge sind eben die Grund­wer­te der Pi­ra­ten.

Und ein Ver­weis auf die vor­han­de­nen Grund­satz­pro­gram­me auf Bun­des- und Lan­des­ebe­ne, wie von den Geg­nern des An­trags vor­ge­bracht, hel­fen da nicht wirk­li­ch wei­ter. Die po­li­ti­sche Groß­wet­ter­la­ge un­ter­liegt ge­ra­de ei­nem ful­mi­nan­ten Wech­sel. Wir als Pi­ra­ten müs­sen uns un­se­re mitt­ler­wei­le fünf bis zehn Jah­re al­ten grund­sätz­li­chen po­li­ti­schen Aus­sa­gen end­li­ch mal vor­neh­men, über­ar­bei­ten, even­tu­ell neu be­wer­ten und neu zu ei­nem Gan­zen for­men, mit dem wir in den ak­tu­el­len po­li­ti­schen und ge­sell­schaft­li­chen De­bat­ten auch be­stehen kön­nen!

Der Landesvorstand informiert über das weitere Vorgehen: Adam Wolf, Sandra Zeccino, Thomas Ganskow, Florian Lang, Jens Berwing

Der Lan­des­vor­stand in­for­miert über das wei­te­re Vor­ge­hen: Adam Wolf, San­dra Zecci­no, Tho­mas Gans­kow, Flo­ri­an Lang, Jens Berwing

Ein An­fang ist seit letz­tem Wo­chen­en­de ge­macht. Der Lan­des­vor­stand hat in sei­ner gro­ßen Mehr­heit an­ge­kün­digt, den nun an­lau­fen­den Pro­zess mit tech­ni­schen Mit­teln zu un­ter­stüt­zen. Star­ten muss jetzt die Dis­kus­si­on der Pi­ra­ten un­ter- und mit­ein­an­der. Ich se­he dies als ei­ne der letz­ten Chan­cen, die die Pi­ra­ten­par­tei hat, wie­der zu ei­nem nen­nens­wer­ten po­li­ti­schen Pro­fil zu kom­men und dies auch so nach au­ßen trans­por­tie­ren zu kön­nen, dass sie wie­der als ernst­haf­te po­li­ti­sche Kraft wahr­ge­nom­men wird. Schei­tert die­ser Pro­zess, be­steht ei­ne gro­ße Ge­fahr, dass die al­ler­meis­ten Pi­ra­ten­lich­ter end­gül­tig aus­ge­hen.

Ach so, an dem Wo­chen­en­de ha­ben wir üb­ri­gens auch un­se­re Lan­des­lis­te für die Bun­des­tags­wahl 2017 ge­wählt. Auch für sie wer­den die kom­men­den Wo­chen und Mo­na­te wich­tig und span­nend was die po­li­ti­schen In­hal­te be­trifft, für die sie ste­hen wer­den.

Die Landesliste: Thomas Ganskow, Florian Lang, Holger Lubitz, Henry Ruhnke, Michael Berndt (Spitzenkandidat) und Nils Ellmers

Die Lan­des­lis­te: Tho­mas Gans­kow, Flo­ri­an Lang, Hol­ger Lubitz, Hen­ry Ruhn­ke, Mi­cha­el Berndt (Spit­zen­kan­di­dat) und Nils Ell­mers

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Fo­to­ga­le­rie und Stra­ßen-Bahn-Ar­chiv pausieren/​Photo gal­le­ry and tram-n-rail ar­chi­ve are pau­sing

Neu­er Ser­ver, SSL-Ver­schlüs­se­lung, PHP 7 – al­les in den letz­ten Ta­gen schon be­schrie­ben. Im Zu­ge des fort­lau­fen­den Um­zugs mei­ner ver­schie­de­nen Web­sites sind nun die ers­ten Ab­gän­ge zu be­kla­gen: So­wohl die bis­he­ri­ge Fo­to-Ga­le­rie als auch mein Pro­jekt „Stra­ßen-Bahn-Ar­chiv“ wer­den erst­mal pau­sie­ren müs­sen. Hin­ter­grund ist die für bei­de Web­prä­sen­zen ver­wen­de­te Soft­ware „Me­n­al­to Gal­le­ry“, die ich no­ch in der Ver­si­on 2 ver­wen­det ha­be. Die Wei­ter­ent­wick­lung die­ses Sys­tems wur­de be­reits um 2014 her­um ein­ge­stellt und un­ter PHP 7 läuft die al­te Soft­ware nun nicht mehr.

Ich un­ter­bre­che al­so einst­wei­len die Ver­füg­bar­keit die­ser Prä­sen­zen und wer­de sie zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt wie­der neu auf­set­zen. Das Stra­ßen-Bahn-Ar­chiv war so­wie­so nie so weit ge­kom­men, wie ich es gern ge­habt hät­te und der letz­te Neu­zu­gang in der Fo­to­ga­le­rie ist auch schon vie­le Jah­re her.

Die ehe­mals an­ge­bo­te­nen Fo­tos sind na­tür­li­ch an­der­wei­tig ar­chi­viert, soll­te hier je­mand Be­darf ha­ben – bit­te ein­fach ei­ne E-Mail schi­cken.

I am mo­ving all my web pre­sen­ces to a new ser­ver wi­th up­dated soft­ware stacks. This in­clu­des usa­ge of PHP 7 in­s­tead of the ol­der PHP 5 dialects. Un­for­t­u­n­a­te­ly, „Me­n­al­to Gal­le­ry 2“ is not com­pa­ti­ble wi­th PHP 7 any mo­re. And as this soft­ware is aban­do­ned sin­ce 2014, this will al­most su­re­ly not chan­ge.

My web sites „Pho­to gal­le­ry“ and „Tram-n-rail archive/​Straßen-​Bahn-​Archiv“ we­re ba­sed on this pho­to gal­le­ry soft­ware. The­re­fo­re, I un­for­t­u­n­a­te­ly ha­ve to pau­se bo­th and re­start them wi­th a new ma­nage­ment sys­tem in the fu­ture. I apo­lo­gi­ze for any in­con­ve­ni­en­ce. As the pho­tos are ar­chi­ved el­sew­he­re, of cour­se, feel free to con­tact me if you want to reac­cess so­me­thing.

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Blog jetzt SSL-ver­schlüs­selt

Ich bin ja mo­men­tan groß­flä­chig am Mo­der­ni­sie­ren mei­nes Blogs. Neu­er Ser­ver, PHP 7, neue Ober­flä­chen­ge­stal­tung hat­ten wir ja schon. Jetzt ha­be ich aber den Schritt voll­zo­gen, der Aus­lö­ser mei­ner gan­zen Mo­der­ni­sie­rungs­be­stre­bun­gen war:

„Letz­te Weis­hei­ten“ ist ab so­fort kom­plett SSL-ver­schlüs­selt.

Das heißt, je­de Ver­bin­dung zu mei­nem Blog wird zwi­schen Brow­ser und Ser­ver kom­plett ver­schlüs­selt, es ist nicht ab­hör­bar, wel­che In­for­ma­tio­nen über­tra­gen wer­den.

Ich be­die­ne mi­ch da­zu ei­nes kos­ten­lo­sen SSL-Zer­ti­fi­kats von Let’s en­crypt. Er­zeu­gung und Ein­bau ei­nes sol­chen Zer­ti­fi­kats auf ei­nem Ser­ver mit Voll­zu­gang sind ex­trem ein­fach und kom­for­ta­bel. Der lo­kal lau­fen­de Let’s-Encrypt-Client baut dan­kens­wer­ter­wei­se so­gar ei­ne pas­sen­de Apa­che-Kon­fi­gu­ra­ti­ons­da­tei zu­sam­men und spielt sie ein, so­dass – bei ei­ner Stan­dard­in­stal­la­ti­on – kaum et­was zu tun ist.

…na­ja, fast. Es gibt näm­li­ch ein Pro­blem mit ver­link­ten In­hal­ten auf den Sei­ten, wenn die­se nicht über HTTPS aus­ge­lie­fert wer­den. Dann gibt es ei­ne „Mi­xed Content“-Warnung im Brow­ser. Und das zieht be­mer­kens­wert gro­ße Krei­se. Es fängt an mit den Links auf Bil­der und an­de­re Me­di­en­da­tei­en im Blog selbst. Die­se be­gin­nen durch­gän­gig mit „http://“. Glück­li­cher­wie­se lässt si­ch das mit drei Da­ten­bank­an­fra­gen re­pa­rie­ren.

Aber es geht wei­ter: Hier, dort und da wer­den dann doch mal In­hal­te von ex­ter­nen Sei­ten ein­ge­bun­den – na­tür­li­ch auch über un­ver­schlüs­sel­te „http://“-Links. Da muss man dann schau­en, ob die Da­tei­en auch per HTTPS ab­ruf­bar sind oder an­sons­ten die Ein­bin­dung raus­wer­fen oder die Da­tei ko­pie­ren und lo­kal be­reit­stel­len – dann halt über HTTPS.

Und schließ­li­ch gibt es auch hier wie­der Plug­ins, die hart­ko­diert mit HTTP ar­bei­ten und so In­hal­te in die Sei­ten ein­bau­en, die die Si­cher­heits­war­nung aus­lö­sen. Auf die­se Wei­se hat si­ch das von mir seit vie­len Jah­ren ver­wen­de­te „Tweetable“-Plugin ab­ge­schos­sen. Es hat si­ch qua­si auf je­der Sei­te mit min­des­tens ei­nem un­ver­schlüs­selt über­tra­ge­nen Bild ver­ewigt und die Sei­te da­durch un­si­cher ge­macht. Nun ver­wen­de ich „WP to Twit­ter“ und hof­fe, dass das au­to­ma­ti­sche Pos­ten neu­er Bei­trä­ge ge­nauso gut klappt wie bis­her. [Nach­trag, 2016-11-13, 21:55 Uhr: Klappt.]

No­ch prü­fen muss ich das OSM-Kar­ten-Plugin. Das nutzt auch ei­ne un­ver­schlüs­sel­te Kar­ten­dar­stel­lung – wo­bei ver­schlüs­sel­te Kar­ten­da­ten­über­tra­gung wohl schon seit 2014 ver­füg­bar ist. Sei­ten, die die­ses Plugin nut­zen, er­zeu­gen al­so mo­men­tan no­ch ei­ne War­nung. Da das aber nur we­ni­ge Sei­ten be­trifft, wer­de ich die­ses Pro­blem nach­ar­bei­ten.

Die SSL-Über­tra­gung ist al­so seit heu­te scharf­ge­schal­tet und wird auch er­zwun­gen, d.h. beim Auf­ruf von „Letz­te Weis­hei­ten“ über HTTP wird der Brow­ser schon vom Apa­che au­to­ma­ti­sch auf die HTTPS-ver­schlüs­seln­de Sei­te um­ge­lei­tet – das macht der Lets-En­crypt-Cli­ent auf An­for­de­rung näm­li­ch auch gleich mit. Da­mit kommt mein Blog in der Rea­li­tät von 2016 an, in der die durch­gän­gi­ge Nut­zung von SSL-Ver­schlüs­se­lung im­mer wich­ti­ger wird – und durch In­itia­ti­ven wie Let’s En­crypt auch im­mer ein­fa­cher mach­bar ist. Ich bin ge­spannt, ob die Um­stel­lung rei­bungs­los klappt und das Blog wei­ter­hin er­reich­bar und nutz­bar bleibt.

[Nach­trag, 2016-11-13, 21:55 Uhr: Sieht gut aus.]

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In ei­ge­ner Sa­che: Blo­g­um­zug

Nach ei­ni­gen Jah­ren zieht die­ses Blog mal wie­der auf neue Hard­ware­platt­form: Nach ei­nem In-Hou­se-Ser­ver im Bü­ro und ei­nem Web­hos­ting­pa­ket auf Ba­sis ei­nes vir­tu­el­len Ser­vers lie­gen die „Letz­ten Weis­hei­ten“ nun auf ei­nem wasch­ech­ten „Root­ser­ver“, al­so ei­nem Rech­ner, der nur für mi­ch da ist und von mir beim Hos­ting­an­bie­ter ge­mie­tet ist. Da be­schäf­ti­ge ich mi­ch nun seit fast 25 Jah­ren mit In­ter­net­rech­nern und Netz­wer­ken, aber es hat tat­säch­li­ch bis jetzt ge­dau­ert, bis ich mir mal ei­nen sol­chen Rech­ner ganz für mi­ch al­lein zu­ge­legt ha­be.

Mit die­sem Um­zug ha­be ich nun wie­der die vol­le Kon­trol­le über die ge­sam­te Sys­tem­ar­chi­tek­tur. Ok, das ist die po­si­ti­ve Sicht­wei­se. Wi­th Great Power Co­mes Great Re­s­pon­si­bi­li­ty. Ich muss mi­ch nun auch um al­les selbst küm­mern. Ich bin ganz zu­ver­sicht­li­ch, dass ich das hin­be­kom­me…

Mit dem völ­lig neu auf­ge­setz­ten Sys­tem, Grund­la­ge ist Ubun­tu 16.04, bin ich nun auch den Schritt auf PHP 7 ge­gan­gen. Dem sind meh­re­re Word­Press-Plug­ins zum Op­fer ge­fal­len:

  • Die PDF-Er­zeu­gung von Blog-Ar­ti­keln funk­tio­niert nicht mehr und ist einst­wei­len ab­ge­schal­tet.
  • Auch das In­halts­ver­zeich­nis wird nicht mehr er­zeugt, wo­bei ich hier auch kei­ne Feh­ler­mel­dung be­kom­men ha­be – es geht ein­fach nicht.
  • Schließ­li­ch die größ­te Än­de­rung: Mein al­tes K2-Ober­flä­chen­the­ma funk­tio­niert mit PHP 7 auch nicht mehr. Des­halb bin ich jetzt fürs er­s­te auf ei­nes der Word­Press-Stan­dard­the­men um­ge­stie­gen (Twen­ty­four­teen, glau­be ich). Mal se­hen, wie si­ch das wei­ter ent­wi­ckelt. [Nach­trag, 2016-11-13: Ich bin jetzt auf Twen­ty­ten ge­wech­selt. Mal se­hen, ob mir das lang­fris­tig ge­fällt…]

An­sons­ten hof­fe ich, dass das Blog in der neu­en Um­ge­bung auch wie­der schnel­ler auf­ge­baut wird. Vir­tu­el­ler Ser­ver mit kom­plex­em Ober­flä­chen­the­ma war da wahr­li­ch kei­ne be­son­ders tol­le Grund­la­ge… [Nach­trag, 2016-11-13: Ja, es ist schnel­ler…]

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Mein Ab­schieds­state­ment im Rat der Stadt Han­no­ver

Die gest­ri­ge Rats­sit­zung war die letz­te der nun ab­lau­fen­den Wahl­pe­ri­ode 2011-2016. Im Rah­men der Sit­zung wur­den die aus­schei­den­den Rats­mit­glie­der ver­ab­schie­det und die Ge­le­gen­heit zu ei­nem „per­sön­li­chen Er­klä­rung“ ge­ge­ben. Fol­gen­des ha­be ich ge­sagt:

Ratsherr Hillbrecht hält sein Abschiedsstatement im Rat der Stadt Hannover

Rats­herr Hill­brecht hält sein Ab­schieds­state­ment im Rat der Stadt Han­no­ver

Herr Vor­sit­zen­der,
Herr Ober­bür­ger­meis­ter,
mei­ne Da­men und Her­ren,

für mi­ch ge­hen heu­te 5 Jah­re zu En­de, in de­nen ich sehr viel über Po­li­tik ge­lernt ha­be – mehr als in den 39 Jah­ren zu­vor. Ich war er­st Mit­glied ei­ner klei­nen Frak­ti­on, dann Ein­zel­ver­tre­ter. Und das war nicht im­mer ein­fach, ins­be­son­de­re der Über­gang. Es war viel Ar­beit, aber ich ha­be sie im­mer gern ge­macht; ich neh­me viel für mi­ch mit und ich konn­te hof­fent­li­ch auch den ei­nen oder an­de­ren Denk­an­stoß ge­ben.

Mei­ne Da­men und Her­ren, wenn ich nicht fal­sch ge­rech­net ha­be, dann wird ein Ach­tel des zu­künf­ti­gen Ra­tes von Ver­tre­tern von po­li­ti­schen Be­we­gun­gen ge­stellt, die ich – vor­sich­tig for­mu­liert – für hoch­pro­ble­ma­ti­sch in ih­ren An­sich­ten hal­te. Ich wün­sche den­je­ni­gen von Ih­nen, die jetzt im Rat blei­ben und den­je­ni­gen, die neu da­zu kom­men, ein gu­tes Händ­chen im Um­gang da­mit. Und ich muss ge­ste­hen: Ich be­nei­de Sie dar­um nicht.

Ich schei­de nun zwar aus dem Rat aus, aber ich wer­de da­durch nicht zu ei­nem un­po­li­ti­schen Men­schen. Ich neh­me da die Worte von Herrn Schos­tok ern­st: Ich ha­be vor, der han­no­ver­schen Po­li­tik er­hal­ten zu blei­ben. In wel­cher Form und mit wel­cher Far­be wird die Zeit zei­gen.

Ich be­dan­ke mi­ch bei der Ver­wal­tung und auch bei Ih­nen für den Um­gang, den ich – im Rück­bli­ck – stets als freund­li­ch, re­spekt­voll und fair emp­fun­den ha­be. Und ich be­dan­ke ich – ge­ste­hen Sie mir es zu – bei mei­ner Freun­din, die ge­ra­de oben im Zu­schau­er­raum sitzt und das al­les in den letz­ten Jah­ren er­tra­gen hat.

Vie­len Dank!

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Aus­stat­tung klei­ne Frak­tio­nen: Mein Re­de­bei­trag im Rat

Der Rat der Stadt Han­no­ver hat in der gest­ri­gen Rats­sit­zung ei­ne Er­hö­hung der Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen für Rats­mit­glie­der be­schlos­sen. Ich ha­be da­zu fol­gen­den Re­de­bei­trag ge­hal­ten:

Neues Rathaus in Hannover

Neu­es Rat­haus in Han­no­ver

Mei­ne Da­men und Her­ren,

zu­nächst möch­te ich fest­hal­ten, dass ich die Druck­sa­che un­ter­stüt­ze und ihr zu­stim­me. Ich möch­te hier aber no­ch auf ei­nen ver­wand­ten Punkt auf­merk­sam ma­chen: An­zahl und Grö­ße von Frak­tio­nen, ins­be­son­de­re klei­ne­ren Frak­tio­nen. In der öf­fent­li­chen Dis­kus­si­on ha­be ich hier in der letz­ten Zeit mehr­fach den Un­ter­ton ge­hört: „Das ist aber viel Geld. 100.000 EUR für so ei­ne klei­ne Frak­ti­on!“ Das war ein­mal, als über das Zu­sam­men­ge­hen der neu ge­wähl­ten Ver­tre­ter von Pi­ra­ten und „Die Par­tei“ spe­ku­liert wur­de und ein­mal, als die Grup­pen­bil­dung von Herrn Förs­te und dem „Die Partei“-Vertreter be­kannt wur­de.

Mei­ne Da­men und Her­ren, ich ken­ne bei­de Sei­ten der Me­dail­le: Ich war Mit­glied ei­ner klei­nen Frak­ti­on mit ei­nem Ap­pa­rat und ich war Ein­zel­ver­tre­ter oh­ne ei­nen sol­chen. Und es ist so: Oh­ne ei­ne Ge­schäfts­stel­le und haupt­amt­li­che Mit­ar­bei­ter ist ei­ne kon­ti­nu­ier­li­che po­li­ti­sche Ar­beit schwer bis un­mög­li­ch – ins­be­son­de­re als Voll­zeit-Be­rufs­tä­ti­ger. Frau Gah­bler hat das eben in ih­rer per­sön­li­chen Er­klä­rung auch schon er­wähnt.

Po­li­ti­sche Ar­beit, mei­ne Da­men und Her­ren, ist aber der Kern der Rat­s­tä­tig­keit, da­für wer­den wir hier ge­wählt. Und das gilt auch für die Mit­glie­der, die klei­nen po­li­ti­schen Be­we­gun­gen an­ge­hö­ren. Die Aus­stat­tung von Frak­tio­nen und Grup­pen ab 2 Per­so­nen mit Mit­teln und Ge­schäfts­stel­le, so wie es die nie­der­säch­si­sche Kom­mu­nal­ver­fas­sung vor­sieht, hal­te ich des­halb für un­ab­ding­bar – und kei­nes­falls für eh­ren­rüh­rig. Ganz im Ge­gen­teil ist es wich­tig für die De­mo­kra­tie, dass auch Ver­tre­ter klei­ner po­li­ti­scher Grup­pen po­li­ti­sch ar­bei­ten kön­nen.

Das gilt um­so mehr, als dass es ei­ne De­cke­lung gibt. Ich bin ja Ma­the­ma­ti­ker: Stel­len wir uns kurz vor, hier wür­den nur no­ch 2-Men­sch-Frak­tio­nen sit­zen. Das wä­re ei­ne span­nen­de Her­aus­for­de­rung für die Ver­wal­tung – wür­de aber eben auch nur gut 3 Mio. EUR pro Jahr kos­ten. Sie wis­sen, wie groß die Haus­halts­sum­men sind – das ist nicht viel.

Und in der schnö­den Rea­li­tät muss man eben auch se­hen, dass die klei­ner ge­wor­de­nen Frak­tio­nen von SPD und Grü­nen den Haus­halt zu­künf­tig um über 160.000 EUR pro Jahr ent­las­ten.

Ich sa­ge es mal so: Ein gu­ter Rat muss nicht teu­er sein, aber man darf ihn si­ch auch nicht zu bil­lig ma­chen.

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Das fahr­rad­un­freund­li­che Han­no­ver (2): Ab­stei­gen und Schie­ben am Vol­gers­weg

Die Stadt Han­no­ver steckt ziem­li­ch viel Geld und Ehr­geiz in die För­de­rung des Rad­ver­kehrs. „Mas­ter­plan Mo­bi­li­tät“, „Leit­bild Rad­ver­kehr“ und seit neus­tem für teu­er Geld die Wer­be­kam­pa­gne „Lust auf Fahr­rad“ – Stadt­spit­ze und die po­li­ti­schen Par­tei­en wer­den nicht mü­de, fürs Zwei­rad zu trom­meln und ei­nen Ver­kehrs­an­teil für das Fahr­rad von 25% zu for­dern. Al­les Zie­le, die ich voll­stän­dig un­ter­stüt­ze.

Werbekampagne "Lust auf Fahrrad": Wird leider immer wieder konterkariert

Wer­be­kam­pa­gne „Lust auf Fahr­rad“: Wird lei­der im­mer wie­der kon­ter­ka­riert

Der Vol­gers­weg kreuzt in ei­ner Un­ter­füh­rung für Fuß­gän­ger und Rad­fah­rer den Ci­ty­ring. Der Rad­ver­kehr kann so die acht­spu­ri­ge In­nen­stadt­ma­gis­tra­le un­be­ein­träch­tigt, zü­gig und be­quem kreu­zen. Das macht die­se Stre­cke für den Rad­ver­kehr Rich­tung Ost­stadt, List und Ei­len­rie­de sehr be­liebt. Sie ist ei­ne Haupt­stre­cke im han­no­ver­schen Rad­we­ge­netz.

Volgersweg als wichtige Radroute von der Innenstadt in die Oststadt, List und zum Emmichplatz

Vol­gers­weg als wich­ti­ge Rad­rou­te von der In­nen­stadt in die Ost­stadt, List und zum Em­mich­platz

Seit 2016-05-16 wer­den in der Un­ter­füh­rung die Wän­de sa­niert. Ei­nen Mo­nat dau­ern die Bau­ar­bei­ten, un­ter an­de­rem sol­len „pro­fes­sio­nel­le Graf­fi­ti“ an­ge­bracht wer­den. In die­sem Zeit­raum ist die Un­ter­füh­rung halb­sei­tig ge­sperrt und als rei­ne Fuß­gän­ger­un­ter­füh­rung be­schil­dert. Rad­fah­rer kom­men schlicht in der Be­schil­de­rung nicht vor – und wer­den auch son­st bei der Bau­stel­len­ein­rich­tung voll­stän­dig igno­riert: Es gibt kei­ne Hin­wei­se auf den Zu­lauf­stre­cken, kei­ne Um­lei­tungs­emp­feh­lun­gen, es gab kei­ne öf­fent­li­chen An­kün­di­gun­gen im Vor­lauf, es gibt nicht mal kla­re Hin­wei­se dar­auf, wie lang die­se Sper­rung be­stehen blei­ben soll.

Unterführung aus Richtung Innenstadt: Kein Platz mehr für Radfahrer

Un­ter­füh­rung aus Rich­tung In­nen­stadt: Kein Platz mehr für Rad­fah­rer

Unterführung aus Richtung Oststadt: Nur noch Fußgänger erlaubt

Un­ter­füh­rung aus Rich­tung Ost­stadt: Nur no­ch Fuß­gän­ger er­laubt

Ich war von die­sem Vor­ge­hen – ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund des städ­ti­schen An­spruchs an die För­de­rung von Fahr­rad­ver­kehr – ei­ni­ger­ma­ßen kon­ster­niert und ha­be an­ge­fan­gen zu te­le­fo­nie­ren. Zwei Ta­ge spä­ter bin ich nun schlau­er:

  • Fahr­rad­fah­rer sol­len wäh­rend der Bau­ar­bei­ten ihr Fahr­rad durch die Un­ter­füh­rung schie­ben. Das ist die si­cher­s­te Lö­sung!
  • Das geht be­stimmt auch mit Las­ten­fahr­rä­dern oder Fahr­rä­dern mit An­hän­gern. Oder ha­ben Sie et­was an­de­res ge­se­hen?
  • Die Rad­fah­rer sind ja al­le orts­kun­dig, da braucht es kei­ne Um­lei­tungs­be­schil­de­rung. Das ver­wirrt nur.
  • Die Rad­fah­rer su­chen si­ch schon ei­nen Weg. Oder sie schie­ben ein­fach durch die Un­ter­füh­rung. Das ist so­wie­so der schnells­te Weg. Und der si­cher­s­te! Wir müs­sen ja auch an die Kin­der den­ken.
  • Mit In­ter­es­sen­ver­tre­tun­gen wur­de si­ch im Vor­feld nicht ab­ge­stimmt. Das wird bei sol­chen Maß­nah­men nie ge­macht.

In mei­nen Ge­sprä­chen ha­ben si­ch ge­ra­de­zu ab­sur­de Dia­lo­ge er­ge­ben: „Wie kom­me ich als Rad­fah­rer durch die Un­ter­füh­rung?“ – „Sie fah­ren auf der je­weils frei­ge­ge­be­nen Sei­te.“ – „Nein, darf ich ja nicht, ist ja Fuß­weg.“ – „Ja, Sie müs­sen na­tür­li­ch schie­ben.“ – „Al­so nicht fah­ren?!“ – „Sag ich doch.“

Halbseitige Sperrung der Unterführung: An die Wände sollen Graffiti

Halb­sei­ti­ge Sper­rung der Un­ter­füh­rung: An die Wän­de sol­len Graf­fi­ti

Es ist zum Ver­zwei­feln! Ei­ne zen­tra­le, nicht tri­vi­al um­fahr­ba­re Stel­le im han­no­ver­schen Rad­weg­netz wird für ei­nen Mo­nat ge­sperrt. Und al­les, was meh­re­ren(!) aus­füh­ren­den Stel­len in der Ver­wal­tung da­zu ein­fällt ist, dass die Rad­fah­rer halt schie­ben sol­len und dass bloß we­der im Vor­feld no­ch im Nach­hin­ein ir­gend­wie dar­auf hin­ge­wie­sen wird und dass schon recht nicht ir­gend­wel­che Hil­fe­stel­lun­gen zur Um­fah­rung des blo­ckier­ten Ab­schnitts ge­ge­ben wer­den. Ich weiß nicht, wie man den An­spruch auf ei­ne fahr­rad­freund­li­che Stadt stär­ker kon­ter­ka­rie­ren kann: „Soll der Rad­fah­rer doch se­hen wo er bleibt.“

Da­mit wir uns nicht fal­sch ver­ste­hen: Na­tür­li­ch gibt es Si­tua­tio­nen, in de­nen ir­gend­ein plötz­li­ch auf­tre­ten­des Pro­blem Eng­päs­se ver­ur­sacht, bei de­nen ei­ne Weg­füh­rung nicht auf­recht er­hal­ten wer­den kann. Dann muss man si­ch als Ver­kehrs­teil­neh­mer ir­gend­wie „durch­la­vie­ren“ und dann kann es durch­aus die be­s­te Lö­sung sein, die Fle­xi­bi­li­tät des Ver­kehrs­mit­tels „Fahr­rad“ zu nut­zen und den Rad­fah­rer – zeit­li­ch und ört­li­ch eng be­grenzt – zum „Fuß­gän­ger mit Sei­ten­läu­fer“ zu ma­chen. Aber wir re­den hier von lang­fris­tig ge­plan­ten Bau­maß­nah­men, die von der Ver­kehrs­si­che­rung der Stadt Han­no­ver be­auf­sich­tigt und hin­sicht­li­ch der ver­kehr­li­chen Re­ge­lun­gen ab­ge­nom­men und über­wacht wer­den. Und wir re­den nicht über ir­gend­ei­nen Feld­weg, son­dern – ich wie­der­ho­le mi­ch – um ei­nen zen­tra­len und wich­ti­gen Punkt im in­ner­städ­ti­schen Rad­we­ge­netz von Han­no­ver.

Wenn an ei­ner sol­chen Stel­le ei­ne der­ar­ti­ge län­ger­fris­ti­ge Sper­rung nö­tig ist, dann er­war­te ich, dass – „Lust auf Fahr­rad“, Sie er­in­nern si­ch? – der Rad­ver­kehr ern­st ge­nom­men wird. Und das be­deu­tet, dass man (a) weiß, wie­vie­le Rad­fah­rer die ge­sperr­te Stel­le nut­zen, (b) wel­che Fahrt­re­la­tio­nen da­von be­trof­fen sind und (c) die Be­trof­fe­nen früh­zei­tig in­for­miert und ih­nen da­bei hilft, die pro­ble­ma­ti­sche Stel­le mög­lichst stress­frei zu um­fah­ren. Das könn­te zum Bei­spiel so aus­se­hen:

Mögliche Umleitungen um die gesperrte Unterführung herum

Mög­li­che Um­lei­tun­gen um die ge­sperr­te Un­ter­füh­rung her­um

  • Um­lei­tung Rich­tung Emmichplatz/​Eilenriede über Hin­über­stra­ße und Kö­nigs­ta­ße. Ent­spre­chen­de Hin­wei­se auf dem Vol­gers­weg („Un­ter­füh­rung Vol­gers­weg für Rad­fah­rer ge­sperrt. Um­lei­tung über Kö­nig­stra­ße. (Pfeil nach rechts)“) vor der Hin­über­stra­ße und am Em­mich­platz so­wie „Um­lei­tung Radfahrer“-Pfeile an der Kreu­zung von Kö­nig- und Hin­über­stra­ße.
  • Um­lei­tung Rich­tung Sedanstraße/​Celler Stra­ße über Fern­ro­der Straße/​Andreas-​Hermes-​Platz/​Weißekreuzstraße. Eben­falls ent­spre­chen­de Hin­wei­se.
  • Vorab­in­for­ma­ti­on auf den üb­li­chen Ka­nä­len („…ist die Un­ter­füh­rung vom … bis vor­aus­sicht­li­ch … für Rad­fah­rer ge­sperrt, weil… Um­lei­tun­gen sind aus­ge­schil­dert…“).
  • Zu­sätz­li­che In­for­ma­ti­on nach Be­en­di­gung der Maß­nah­me.

Ei­gent­li­ch sind das Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten. Je­de ähn­li­ch ge­la­ger­te Stra­ßen­sper­rung wird min­des­tens in die­ser Form be­glei­tet. Aber auf die­sen Ver­gleich will die Ver­wal­tung si­ch nicht ein­las­sen: „Au­to­fah­rer kön­nen ihr Fahr­zeug ja nicht schie­ben.“ Kein Witz!

Und schließ­li­ch gibt es no­ch zwei wei­te­re As­pek­te, die zu­min­dest mal ab­ge­wo­gen wer­den könn­ten:

  1. Ist es mög­li­ch, durch ei­ne Ver­brei­te­rung der ver­blei­ben­den Durch­fahrt das Be­fah­ren der Un­ter­füh­rung mit dem Fahr­rad auch wäh­rend der Bau­ar­bei­ten zu­zu­las­sen? Muss ei­gent­li­ch die kom­plet­te Un­ter­füh­rung halb­sei­tig ge­sperrt wer­den oder kann man nicht auch nur die Teil­ab­schnit­te sper­ren, an de­nen ge­ra­de ge­ar­bei­tet wird?
  2. Muss man wirk­li­ch ei­nen zen­tra­len Ver­kehrs­weg ei­nen Mo­nat lang sper­ren, um dort die Wän­de künst­le­ri­sch auf­zu­wer­ten? Soll­te es nicht ein wich­ti­ges Ziel sein, die pri­mä­re Auf­ga­be der Un­ter­füh­rung nur so kurz wie mög­li­ch zu un­ter­bre­chen? Ich den­ke zu­rück an die ähn­li­ch ge­la­ger­te künst­le­ri­sche Be­ar­bei­tung der U-Bahn­sta­ti­on „Sedanstraße/​Lister Mei­le“. Die wur­de wäh­rend der Ma­ler­ar­bei­ten ja auch nicht für ei­nen Mo­nat dicht ge­macht. Aber höchst­wahr­schein­li­ch ist das ein un­zu­läs­si­ges Ar­gu­ment, weil der Stadt­bahn­fah­rer ja auch nicht ab­stei­gen und die Bahn schie­ben kann…
Gewollte Engstelle: Wirklich kein Platz für Radverkehr?

Ge­woll­te Eng­stel­le: Wirk­li­ch kein Platz für Rad­ver­kehr?

Bei der För­de­rung des Rad­ver­kehrs klaf­fen An­spruch und Wirk­lich­keit in Han­no­ver oft him­mel­weit aus­ein­an­der. Bei der Hand­ha­bung die­ser Weg­sper­rung am Vol­gers­weg wird das mal wie­der über­deut­li­ch. Lie­be Ver­wal­tung, es hat ei­nen Sinn, dass das Ver­kehrs­mit­tel „Fahr“-Rad heißt – und nicht „Schieb­rad“!

Es zeigt si­ch für mi­ch, dass Po­li­tik ge­for­dert ist, ih­rer Rol­le ge­mäß auf Ver­wal­tung ein­zu­wir­ken, dass die hee­ren Zie­le der Rad­ver­kehrs­för­de­rung auch in den Nie­de­run­gen des all­täg­li­chen Ver­kehrs­ma­nage­ments um­ge­setzt und ge­lebt wer­den. Mit dem An­satz „Dann schiebt halt oder sucht eu­ch ir­gend­was!“ wird aus der „Lust auf Fahr­rad“ je­den­falls schnell und nach­hal­tig „Frust auf Fahr­rad“.

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TTIP-De­mo, Ob­a­ma-Be­su­ch und Miet­prei­se: Mei­ne Re­de zur Ak­tu­el­len Stun­de im Rat der Stadt Han­no­ver am 2016-04-21

Die grü­ne Rats­frak­ti­on hat in der Rats­sit­zung am 2016-04-21 ei­ne Ak­tu­el­le Stun­de zum The­ma „Auf­ruf von Haus und Grund zu Miet­erhö­hun­gen vor der Miet­preis­brem­se“ be­an­tragt. Ich ha­be mi­ch wie folgt ge­äu­ßert:

Neues Rathaus in Hannover

Neu­es Rat­haus in Han­no­ver. Hier fin­den die Rats­sit­zun­gen statt.

Herr Vor­sit­zen­der,
Herr Ober­bür­ger­meis­ter,
mei­ne Da­men und Her­ren,
lie­be An­we­sen­de,

am Sams­tag wird in Han­no­ver ei­ne De­mons­tra­ti­on statt­fin­den, zu der über 50.000 Teil­neh­mer er­war­tet wer­den. In grö­ße­ren Tei­len der Stadt ist in den nächs­ten Ta­gen in ei­nem ab­sur­den Si­cher­heits­thea­ter die Öf­fent­lich­keit der frei­en de­mo­kra­ti­schen Bür­ger­ge­sell­schaft fak­ti­sch ab­ge­schafft, sei es das Zoo­vier­tel, die Mes­se oder Her­ren­hau­sen. Aber wir dis­ku­tie­ren jetzt über Miet­prei­se in Han­no­ver. Nun denn.

Ich möch­te dies in ei­nen et­was grö­ße­ren Zu­sam­men­hang stel­len. Bei der Ein­füh­rung des Miet­spie­gels für die Stadt Han­no­ver war ei­ne Be­fürch­tung, dass da­mit die Ba­sis für ei­ne we­sent­li­ch kon­zer­tier­te­re Än­de­rung von Miet­prei­sen ge­legt wird als dies bis da­hin der Fall war. Die Ent­wick­lung seit­her be­stä­tigt die­se Be­fürch­tun­gen: Spit­zen in der Ent­wick­lung wur­den zwar re­du­ziert aber an der all­ge­mei­nen Rich­tung hat si­ch nichts ge­än­dert: Die Prei­se sind ge­stie­gen. Ma­the­ma­ti­sch be­trach­tet ver­wun­dert das auch nicht, Dy­na­mik in der Preis­ent­wick­lung ist ja durch den wan­dern­den Be­zug­punkt des Miet­spie­gels wei­ter­hin mög­li­ch, al­ler­dings in län­ge­ren Zeit­räu­men und oh­ne die Mög­lich­keit, auf kurz­fris­ti­ge Ent­wick­lun­gen ein­zu­ge­hen.

Nun wird – üb­ri­gens durch die rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung – mit der Miet­preis­brem­se ei­ne wei­te­re Maß­nah­me in­stal­liert, mit der ei­ne freie Än­de­rung von Miet­prei­sen er­schwert wer­den soll.

Mei­ne Da­men und Her­ren, auf Ak­ti­on folgt Re­ak­ti­on.

Die von Ih­nen, lie­be Grü­ne Antagstel­ler die­ser Ak­tu­el­len Stun­de, er­wähn­ten „Haus und Grund“ bzw. „Haus- und Grund­ei­gen­tum“ sind In­ter­es­sen­ver­tre­tun­gen von Im­mo­bi­li­en­be­sit­zern. Als sol­che ha­ben sie – nach­voll­zieh­ba­rer Wei­se – die In­ter­es­sen von Im­mo­bi­li­en­be­sit­zern vor­ran­gig im Bli­ck. Und vor dem be­schrie­be­nen Hin­ter­grund der Re­gu­lie­rungs­ent­wick­lung auf dem Miet­markt ist der Hin­weis und die Hand­lungs­emp­feh­lung die­ser In­ter­es­sen­ver­tre­tun­gen, Miet­preis­er­hö­hun­gen „wenn, dann jetzt“ durch­zu­füh­ren, durch­aus ge­recht­fer­tigt. Zu­mal die Aus­wir­kun­gen eher über­schau­bar sind: Es geht letzt­li­ch um Neu­ver­mie­tun­gen bis Mit­te des Jah­res. Miet­erhö­hun­gen in be­stehen­den Miet­ver­hält­nis­sen kön­nen ja so­wie­so nur in dem Rah­men be­trof­fen sein, der jetzt schon er­laubt ist.

Mei­ne Da­men und Her­ren, Ver­mie­ter ha­ben fi­nan­zi­el­le Auf­wen­dun­gen und der Hin­weis der In­ter­es­sen­ver­tre­tun­gen rich­tet si­ch vor al­lem an pri­va­te Ver­mie­ter und Be­sit­zer von we­ni­gen Ein­zel­im­mo­bi­li­en. Vor dem Hin­ter­grund der Pro­ble­me, die in die­ser Stadt und all­ge­mein im­mer wie­der mit gro­ßen Im­mo­bi­li­en­fir­men be­kannt wer­den – Stich­wort Heu­schre­cke – liegt es mei­nes Er­ach­tens im In­ter­es­se der Ge­sell­schaft und auch von uns als po­li­ti­scher Ver­tre­tung, dass eben die­se Klein- und Ein­zel­ver­mie­ter wirt­schaft­li­ch ge­sund blei­ben und lang­fris­tig ih­re Im­mo­bi­lie un­ter­hal­ten und ver­mie­ten kön­nen.

In ih­rem An­trags­text zu die­ser Ak­tu­el­len Stun­de for­dern Sie zu­dem den Schutz vor über­höh­ten Mie­ten. Nun ist der Woh­nungs­markt letzt­li­ch durch An­ge­bot und Nach­fra­ge re­gu­liert. Po­li­tik und Ge­sell­schaft ha­ben in die­sem Markt aber – sinn­vol­ler- und ge­recht­fer­tig­ter Wei­se – vie­le Stell­schrau­ben, um die so­zia­le Kom­po­nen­te in die­sem Markt­ge­sche­hen zu be­to­nen. Stich­wor­te sind Be­legrech­te und die Quo­tie­rung von Bau­vor­ha­ben mit Höchst­mie­ten. Die­se Werk­zeu­ge gibt es und sie wer­den an­ge­wen­det.

Wenn nun al­so die Mie­ten wei­ter stei­gen, ist auch die Po­li­tik ge­fragt. Wir ha­ben in Han­no­ver ja ei­ne in­ten­si­ve Bau­tä­tig­keit, ein lang­fris­ti­ges Wohn­raum­kon­zept. Aber viel­leicht muss man auch no­ch wei­ter den­ken. Las­sen Sie mi­ch ein Bei­spiel nen­nen:

Lie­be Grü­ne An­trag­stel­ler, in den Dis­kus­sio­nen um Wohn­raum­kon­zep­te und Bau­vor­ha­ben wird im­mer wie­der die Fra­ge nach den Um­welt­stan­dards, die in Han­no­ver ja teil­wei­se deut­li­ch über die ge­setz­li­chen ge­for­der­ten Re­ge­lun­gen hin­aus­ge­hen, ge­stellt. Sie weh­ren si­ch hier ge­gen ei­ne Auf­wei­chung. Das mag kon­sis­tent sein. Ich den­ke aber, Prio­ri­tä­ten müs­sen auch im­mer wie­der hin­ter­fragt wer­den. Wenn vie­le Men­schen in Han­no­ver woh­nen wol­len, sind auch vie­le Woh­nun­gen nö­tig. Viel­leicht muss man des­halb Bau­pro­gram­me wei­ter for­cie­ren, viel­leicht die Be­din­gun­gen über­prü­fen, viel­leicht auch im Be­reich der Um­welt­stan­dards.

Dies sind die Ge­stal­tungs­spiel­räu­me, die Po­li­tik hat. Ich den­ke, wir soll­ten die­se nut­zen und uns nicht über In­ter­es­sen­ver­tre­tun­gen auf­re­gen, die – In­ter­es­sen ver­tre­ten.

So, und nun hof­fe ich, dass ich vie­le von Ih­nen am Sams­tag und den an­ge­kün­dig­ten 56.000 Teil­neh­mern se­he und dass in den nächs­ten Ta­gen nie­mand in Han­no­ver von über­grif­fi­gem Si­cher­heits­per­so­nal schi­ka­niert wird. Die Ein­schrän­kung von Frei­heits- und Bür­ger­rech­ten ist ja lei­der schon be­schlos­se­ne Sa­che. Für ei­ne de­mo­kra­ti­sche Ge­sell­schaft sind die­se Rech­te aber ge­nauso wich­tig wie be­zahl­ba­rer Wohn­raum.

Vie­len Dank

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Um­ge­stal­tung „Am Mar­stall“: Än­de­rungs­an­trag zur Rad­ver­kehrs­füh­rung

Die Stadt will den Mar­stall um­ge­stal­ten. Seit letz­ter Wo­che liegt die Druck­sa­che vor. Lei­der hat die Stadt da­bei den Rad­ver­kehr völ­lig ver­ges­sen bzw. über­se­hen. Ich ha­be des­halb heu­te fol­gen­den Än­de­rungs­an­trag zu der Druck­sa­che ein­ge­bracht:

Än­de­rungs­an­trag zu Druck­sa­che Nr. 0689/2016 – Um­ge­stal­tung des Be­rei­ches Am Mar­stall

zur Sit­zung am 2016-04-20 in den Stadt­ent­wick­lungs- und Bau­aus­schuss

Der An­trags­text wird wie folgt er­gänzt:

Auf dem Mar­stall wird ab­wei­chend von An­la­ge 1 der Ur­sprungs­druck­sa­che ei­ne durch­ge­hen­de 2-Rich­tungs-Rad­ver­kehrs­an­la­ge in der Ach­se Mar­tin-Neuf­fer-Brü­cke – Hei­li­ger­stra­ße an­ge­legt. Im Ein­zel­nen:

  1. Zwi­schen Mar­tin-Neuf­fer-Brü­cke und Burg­stra­ße wird ein min­des­tens 2,5 m brei­ter 2-Rich­tungs-Rad­weg an­ge­legt.
  2. Zwi­schen Burg­stra­ße und Kno­chen­hau­er­stra­ße wird die Fahr­bahn­brei­te am süd­li­chen Mar­stall­platz auf min­des­tens 4 m, bes­ser 4,5 m er­höht und ei­ne 2-Rich­tungs-Rad­weg­füh­rung dar­ge­stellt. Die Ein­bahn­re­ge­lung für den Kfz-Ver­kehr bleibt da­von un­be­rührt.
  3. Zwi­schen Burg­stra­ße und Schmie­de­stra­ße wird der Stra­ßen­zug am süd­li­chen Mar­stall­platz als Fahr­rad­stra­ße aus­ge­schil­dert.
  4. Die ge­sam­te Rad­ver­kehrs­an­la­ge zwi­schen Mar­tin-Neuf­fer-Brü­cke und Schmie­de­stra­ße wird mit fahr­rad­freund­li­chem Asphalt­be­lag ver­se­hen.
Darum geht es: Durchgängige Radverkehrsführung am Marstall

Dar­um geht es: Durch­gän­gi­ge Rad­ver­kehrs­füh­rung am Mar­stall, Kar­ten­grund­la­ge: Open­Street­Map

Be­grün­dung

Der Mar­stall ist im Leit­bild Rad­ver­kehr zu Recht als Haupt­ver­bin­dung für den Rad­ver­kehr de­fi­niert. Bis­lang ist die Rad­ver­kehrs­füh­rung dort nur mä­ßig, zu­min­dest aber kom­men Rad­fah­rer in bei­de Rich­tun­gen auf der Fahr­bahn über den Platz. Vor dem Hin­ter­grund der all­ge­mei­nen Zu­nah­me des Rad­ver­kehrs so­wie im Be­son­de­ren der ab­neh­men­den At­trak­ti­vi­tät der Goe­the­s­tra­ße für den Rad­ver­kehr im Zu­ge der Stra­ßen­bahn-Um­bau­ten wird die Rad­ver­kehrs­men­ge auf dem Mar­stall zu­künf­tig eher zu­neh­men.

Lei­der wird in den Plä­nen zur Um­ge­stal­tung des Mar­stalls der Rad­ver­kehr nicht ent­spre­chend be­rück­sich­tigt: Die Fahr­bahn auf der Nord­sei­te ist mit 5,9 m Brei­te zu schmal für ei­ne ERA-kon­for­me Rad­ver­kehrs­füh­rung auf der Fahr­bahn, zu­mal bei dem durch die Um­lei­tung der Ver­kehrs­strö­me zur Goe­the­s­tra­ße zu er­war­ten­den Mehr­ver­kehr. Die ge­plan­te Ein­bahn-Eng­stel­le zwi­schen Reu­ter­stra­ße und Burg­stra­ße lässt zu­dem ei­ne ge­fahr­lo­se Füh­rung des Rad­ver­kehrs Rich­tung Am Ho­hen Ufer im Ein­bahn-Ge­gen­ver­kehr nicht zu. Das glei­che gilt für die Fahr­bahn auf der Süd­sei­te zwi­schen Burg­stra­ße und Kno­chen­hau­er­stra­ße. Zu­dem ist auf der ge­sam­ten Süd­sei­te ei­ne ge­pflas­ter­te Fahr­bah­no­ber­flä­che vor­ge­se­hen, die nicht rad­ver­kehrs­freund­li­ch ist.

Der Än­de­rungs­an­trag gibt dem Rad­ver­kehr ei­nen de­fi­nier­ten Ver­kehrs­raum. An­gel­punkt hier­für ist die Mar­tin-Neuf­fer-Brü­cke, die den Rad­ver­kehr auf der West­sei­te des Mar­stall in Rich­tung Leib­nizu­fer ab­lei­tet. In der Ver­län­ge­rung der Brü­cke wird ei­ne Rad­ver­kehrs­ach­se ge­stal­tet, die den Rad­ver­kehr in bei­de Rich­tun­gen auf­nimmt und den An­sprü­chen ei­ner mo­der­nen Rad­ver­kehrs­füh­rung ent­spre­chend über den Platz lei­tet. An der Schmie­de­stra­ße wird der Rad­ver­kehr so di­rekt an den Ci­ty-Rad-Ring an­ge­bun­den.

Die Stadt Han­no­ver räumt der För­de­rung des Rad­ver­kehrs ei­nen ho­hen Stel­len­wert ein. Bei um­fang­rei­chen Um­ge­stal­tungs­pro­jek­ten wie hier am Mar­stall muss das zu ei­ner ge­eig­ne­ten Be­rück­sich­ti­gung der Be­lan­ge des Rad­ver­kehrs füh­ren. Die­ser Än­de­rungs­an­trag schließt die dies­züg­li­che Lü­cke der Ur­sprungs­druck­sa­che.

Da­zu gibt es auch ei­ne Pres­se­mit­tei­lung:

„Frust auf Fahr­rad statt Lust auf Fahr­rad?“

Um­ge­stal­tungs­plä­ne Am Mar­stall – Rad­ver­kehr ver­ges­sen

Die von der Stadt vor­ge­stell­ten Um­ge­stal­tungs­plä­ne für den Mar­stall ha­ben er­heb­li­chen Über­ar­bei­tungs­be­darf in Be­zug auf die Rad­ver­kehrs­füh­rung. Pi­ra­ten-Rats­herr Dirk Hill­brecht kri­ti­siert: „Der Mar­stall ist ei­ne wich­ti­ge Rad­ver­kehrs­rou­te in die In­nen­stadt. Im Leit­bild Rad­ver­kehr ist er zu Recht als Haupt­rou­te ein­ge­zeich­net, in den Um­ge­stal­tungs­plä­nen fin­det si­ch aber kein Wort und kei­ne Zeich­nung zur Rad­ver­kehrs­füh­rung.“

Ins­be­son­de­re die An­bin­dung der Rad­ver­kehrs­ach­se von der Mar­tin-Neuf­fer-Brü­cke zum Mar­stall ist in den Plä­nen voll­kom­men un­klar. Hill­brecht er­läu­tert: „Auf der Nord­sei­te des Plat­zes wird der Ver­kehr durch die Ab­lei­tung aus der Goe­the­s­tra­ße zu­künf­tig deut­li­ch un­über­sicht­li­cher. Auf der Süd­sei­te wird ei­ne ver­eng­te Fahr­bahn mit für Rad­ver­kehr un­ge­eig­ne­ter Pflas­te­rung ge­baut und auf bei­den Sei­ten müss­ten Rad­fah­rer in Rich­tung Leib­nizu­fer zu­künf­tig ei­nen Teil der Stre­cke im Ein­bahn­stra­ßen-Ge­gen­ver­kehr zu­rück­le­gen. Da­für sind die 3,5 m brei­ten Fahr­bah­nen aber zu eng, un­an­ge­neh­me Ge­fah­ren­si­tua­tio­nen wer­den da­mit ge­ra­de­zu pro­vo­ziert.“

Hill­brecht schlägt vor, statt­des­sen auf der Süd­sei­te ei­ne vom Au­to­d­urch­gangs­ver­kehr un­ab­hän­gig ge­führ­te Fahr­rad­tras­se an­zu­le­gen: „Von der Mar­tin-Neuf­fer-Brü­cke bis zur Hei­li­ger­stra­ße wird ei­ne min­des­tens vier Me­ter brei­te asphal­tier­te Rad­weg­tras­se für den Rad­ver­kehr in bei­de Rich­tun­gen an­ge­legt, die zwi­schen Burg­stra­ße und Schmie­de­stra­ße als Fahr­rad­stra­ße aus­ge­schil­dert wird. Die Ein­bahn­re­ge­lun­gen für den Au­to­ver­kehr blei­ben da­von un­be­rührt.“

Die Stadt Han­no­ver hat si­ch zu Recht die För­de­rung des Rad­ver­kehrs auf die Fah­nen ge­schrie­ben. Hill­brecht for­dert: „Es muss selbst­ver­ständ­li­ch sein, dass bei der­art zen­tra­len Um­ge­stal­tun­gen wie hier am Mar­stall für den Rad­ver­kehr ein den selbst for­mu­lier­ten An­sprü­chen ent­spre­chen­der Ver­kehrs­raum ein­ge­rich­tet wird. In den bis­he­ri­gen Pla­nun­gen ist da­von lei­der nichts zu se­hen“. Mit Bli­ck auf die ge­ra­de ge­star­te­te Wer­be­kam­pa­gne „Lust auf Fahr­rad“ warnt er: „Den schö­nen Wer­be­wor­ten müs­sen dann aber auch bau­li­che Ta­ten fol­gen. Son­st wird aus der ‚Lust auf Fahr­rad‘ ganz schnell ein ‚Frust auf Fahr­rad‘.“

…und nun bin ich mal ge­spannt, ob die viel be­schwo­re­ne „För­de­rung des Rad­ver­kehrs“, die si­ch Han­no­ver ja so gern auf die Fah­nen schreibt, tat­säch­li­ch auch mal um­ge­setzt wird, wenn die Mög­lich­keit da­zu be­steht.

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Hap­py Bir­th­day: 10 Jah­re „Letz­te Weis­hei­ten“

Geburtstagskuchen: Happy Birthday, Blog!

Ge­burts­tags­ku­chen: Hap­py Bir­th­day, Blog!

Vor ge­n­au 10 Jah­ren ist in die­sem Blog der er­s­te Ar­ti­kel er­schie­nen. Die Fei­er fällt eher be­schei­den aus – der feh­len­den Zeit ge­schul­det. Mo­men­tan be­fin­det si­ch die­ses Blog eher in ei­ner ru­hi­gen Pha­se sei­ner Exis­tenz. Ich äu­ße­re mi­ch mo­men­tan eher in den po­li­ti­schen Gre­mi­en der Stadt und ver­öf­fent­li­che hier meis­tens nur Re­de­bei­trä­ge oder mei­ne ei­ge­nen Ver­öf­fent­li­chun­gen oder An­trä­ge.

Wer­fen wir ei­nen kur­zen Bli­ck zu­rück in die Ge­schich­te. 2006 auf ei­nem ei­ge­nen Rech­ner und als mehr oder we­ni­ger ein­zi­ge all­ge­mein nach au­ßen wirk­sa­me Ver­öf­fent­li­chungs­platt­form ge­star­tet, ist die­ses Blog heu­te ein­ge­rahmt von Twit­ter, Face­book und an­de­ren Platt­for­men – und wir be­trie­ben von je­man­dem, der si­ch dann häu­fig doch ent­schei­det, die­ses Mal nichts zu schrei­ben.

Tech­ni­sch hat si­ch auch ei­ni­ges ge­än­dert. Ge­star­tet mit Word­Press 2.0 wird mir aus­ge­rech­net heu­te zum Zehn­jäh­ri­gen das Up­date auf Word­Press 4.5 an­ge­bo­ten. Vor ei­ni­gen Jah­ren bin ich dann auch end­li­ch von der selbst be­trie­be­nen Hard­ware auf ei­nen Hos­ting­pro­vi­der um­ge­stie­gen – al­ler­dings auf ein An­ge­bot, bei dem ich we­nigs­tens Shell­zu­gang ha­be und so auch tie­fer ge­hen­de Ein­grif­fe vor­neh­men kann – je­den­falls theo­re­ti­sch. Prak­ti­sch hält si­ch mein Ex­pe­ri­men­tier­drang mitt­ler­wei­le in en­gen Gren­zen. Die Er­fah­rung zeigt, dass es oft am ef­fek­tivs­ten ist, im Zwei­fels­fall die 95%-Lösung für das ei­ge­nen Pro­blem zu neh­men, wenn die­se da­für im Ge­gen­zug groß­flä­chig un­ter­stützt wird und be­kannt ist.

Aber ich fin­de es trotz­dem nach wie vor be­ru­hi­gend, im Zwei­fels­fall auch tief in das Sys­tem ein­grei­fen zu kön­nen. Und wenn ir­gend­wann mal je­mand Word­Press mit ei­nem git-ba­sier­ten Ba­ckend ver­bin­den wür­de – das wä­re toll…

Das Schö­ne an ei­nem Blog – so wie ich es ver­ste­he und be­trei­be – ist ja sein Lang­mut. Es ist ihm egal, wenn mal ei­ne Zeit lang kein neu­er In­halt kommt, brav stellt es al­les Al­te wei­ter­hin zur Ver­fü­gung. So gibt es hier im­mer no­ch mei­nen ÖPNV-Ad­vents­ka­len­der aus dem Jahr 2010, mei­ne Laat­zen­er Brü­cken­ge­schich­te oder die vie­len Pi­ra­ten­par­tei-Bei­trä­ge aus dem Som­mer 2009 zum Nach­le­sen. Dar­an will ich auch nichts än­dern. Man­che Bei­trä­ge ha­ben mitt­ler­wei­le auch ei­ne ge­wis­se Au­ßen­wir­kung ent­fal­tet: Wer nach dem Be­griff „Sock­fuß“ goo­gelt, be­kommt als ers­ten Tref­fen die­sen Ar­ti­kel aus dem Jahr 2007 an­ge­bo­ten, in dem ich mir über ge­n­au die­ses Wort mal Ge­dan­ken ge­macht ha­be.

Zehn­jäh­ri­ge Ju­bi­lä­en sind mei­ner Er­fah­rung nach durch­aus ei­ne Zä­sur. Es ist der letz­te „gro­ße“ Jah­res­tag, an dem man si­ch die ge­sam­te Ent­wick­lung von An­fang an no­ch ver­ge­gen­wär­ti­gen kann. Wenn die Zeit wei­ter vor­an­schrei­tet, ver­schwimmt die Ver­gan­gen­heit mehr und mehr und man­che äu­ße­ren Um­stän­de ha­ben si­ch so ge­än­dert, dass es schwer fällt, da­ma­li­ge Er­eig­nis­se oder Kom­men­ta­re no­ch rich­tig ein­zu­ord­nen. Das ist dann der Mo­ment, an dem et­was vom Ta­ges­ge­sche­hen zur Zeit­ge­schich­te wird. Neh­men wir mal die­sen Ar­ti­kel über Kauf­land am Rasch­platz, der mal rund um die Uhr ge­öff­net hat­te – da­mals, nach­dem die La­den­schluss­ge­setz­ge­bung ge­än­dert wor­den war. Schon seit vie­len Jah­ren ist zwi­schen Mit­ter­nacht und sechs Uhr mor­gens wie­der Ein­kaufs­pau­se. Aber so war es mal – und hier kann man es nach­le­sen.

Ich bin sehr zu­ver­sicht­li­ch, dass si­ch mein Zeit­bud­get ir­gend­wann mal wie­der zu Guns­ten die­ses Blogs än­dert. Denn ei­gent­li­ch hät­te ich ja durch­aus Ide­en, mal wie­der mehr zu ma­chen. Auch das Lay­out müss­te über­ar­bei­tet wer­den: Der ak­tu­el­le Stil ist ja doch ziem­li­ch über­la­den. Aber zum Glück ha­be ich da­für ja kei­ne zeit­li­chen Vor­ga­ben oder Not­wen­dig­kei­ten. Und das ist ein wirk­li­ch an­ge­neh­mer Un­ter­schied zu vie­len Din­gen, die ich son­st so ma­che bzw. ma­chen muss.

In die­sem Sin­ne blei­ben die „Letz­ten Weis­hei­ten“ so wie sie sind: Mei­ne ganz per­sön­li­che öf­fent­li­che Platt­form, auf der ich Din­ge schrei­ben kann, von de­nen ich hof­fe, dass sie viel­leicht ir­gend­wen in­ter­es­sie­ren oder ir­gend­wem hel­fen – und sei es we­nigs­tens ich selbst.

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