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Kernkraftwerke: Irrsinn mit Methode

Manch­mal habe ich das Gefühl, ich bin zu gut­gläu­big für diese Welt. So auch jetzt. Dass man mit dem Inne­ren von Kern­kraft­wer­ken ein wenig vor­sich­tig sein muss, das war mir schon irgend­wie klar. Und das mit der Nach­zer­falls­wärme ist auch ein­leuch­tend. Aber das wird ja nicht soooo lange dau­ern. Ein paar Tage, maxi­mal wenige Wochen, dann geht von den ver­brauch­ten Kern­brenn­stä­ben keine Gefahr mehr aus.

Kernkraftwerk Brokdorf: Im Zweifelsfall strahlt's bis nach Hamburg

Kern­kraft­werk Brok­dorf: Im Zwei­fels­fall strahlt’s bis nach Hamburg

Bild­quelle: Alois Staudacher/​Neokortex, Wiki­me­dia Com­mons, CC-​BY-​SA 3.0

Denkste!

Nach­dem in Fukus­hima die ein­zel­nen Reak­to­ren in so eine Art Wett­streit um den größ­ten Knall ein­ge­tre­ten sind und dabei auch die zum Zeit­punkt von Beben und Tsu­nami abge­schal­te­ten Reak­to­ren 4 bis 6 fröh­lich mit­spie­len, habe ich meine dies­be­züg­li­che Wis­sens­lü­cke mal gefüllt. Wiki­pe­dia hilft: Bis zu 5 Jahre(!) bleibt so ein Kern­brenn­stab im Abkling­be­cken. Und eine nen­nens­werte Zeit davon muss er aktiv mit immer neuem Was­ser gekühlt wer­den, weil das Was­ser im Becken ansons­ten warm wird, ver­dampft, der Brenn­stab dann frei liegt, sich wei­ter auf­heizt und so uner­freu­li­che Dinge wie Kor­ro­sion, Zer­plat­zen oder gar Wie­der­auf­fla­ckern der Ket­ten­re­ak­tion ein­tre­ten können.

5 Jahre!

Sorry, aber: Sind die denn alle bescheu­ert?!? Ich meine: Mal ange­nom­men auf Grund einer Natur– oder ande­ren Kata­stro­phe kommt es zu einem groß­flä­chi­gen Aus­fall der Infra­struk­tur und damit zu einer Unter­bre­chung der — wie wir in den letz­ten Tagen ja ler­nen muss­ten — abso­lut not­wen­di­gen akti­ven Küh­lung der Kern­brenn­stäbe. Dann ist die ato­mare Kata­stro­phe nicht nur wahr­schein­lich, son­dern sicher. Und diese Gefahr geht nicht nur von einem akti­ven Kern­re­ak­tor aus, son­dern selbst von einem, der schon meh­rere Jahre abge­schal­tet ist.

Aus den USA kommt die Auf­for­de­rung an Ame­ri­ka­ner in Japan, zu dem Unglücks­re­ak­tor einen Sicher­heits­ab­stand von min­des­tens 80 km ein­zu­hal­ten. Wenn man mal annimmt, dass die­ser Hin­weis nicht völ­lig auf blauen Dunst erfolgt, dann kann man das auf Deutsch­land so umrech­nen: Bei einer ähnli­chen Situa­tion in den Kern­kraft­wer­ken Bruns­büt­tel, Brok­dorf oder Krüm­mel wäre Ham­burg locker in einer sol­chen 80-​km-​Zone, flöge das Kern­kraft­werk Groh­nde in die Luft, könnte ich mir über­le­gen, wohin ich von mei­nem Han­no­ver aus umzie­hen will.

Es bedarf wohl eines gerüt­telt Maß an Igno­ranz, eine Tech­nik mit der­art zer­stö­re­ri­schem Poten­tial über Jahr­zehnte zu pro­te­gie­ren. Nun bin ich in kei­ner Weise mit dem Bau oder Betrieb von Kern­kraft­wer­ken beschäf­tigt, aber mich würde schon mal inter­es­sie­ren, was sich wohl Inge­nieure den­ken, die genau in sol­chen Posi­tio­nen gear­bei­tet und dabei Jahr­zehnte lang das Man­tra von der „siche­ren Atom­en­er­gie” vor sich her­ge­tra­gen haben.

Es ist drin­gend an der Zeit, dass wir uns von die­sen ticken­den Zeit­bom­ben namens „Kern­kraft­werk” tren­nen. Die Ener­gie­po­li­tik muss — ich schrieb das bereits — auf nach­hal­tig arbei­tende, kleine, ver­teilte Anla­gen set­zen, die selbst bei einem Total­aus­fall und voll­stän­di­ger Zer­stö­rung nur ein lokal begrenz­tes Scha­den­s­po­ten­tial haben. Wenn ein Wind­rad umfällt, erschlägt es schlimms­ten­falls die Kuh auf der Wiese. Es ver­seucht aber nicht für viele Jahre alle Kühe, die in der Nähe sei­nes ursprüng­li­chen Stand­or­tes wei­den. Eine Bewer­tung von Tech­nik unter dem Aspekt ihres größ­ten Zer­stö­rungs­po­ten­ti­als im Feh­ler­falle ist über­fäl­lig — und die­ser Betrach­tung dürfte jed­wede Form der Nut­zung von „Kern­en­er­gie” zum Opfer fallen.

Am meis­ten aber erschüt­tert mich nach wie vor, dass es über einen der­art lan­gen Zeit­raum über­haupt mög­lich war, diese enor­men Risi­ken der Kern­kraft aus­zu­blen­den und auf diese Weise sol­che Anla­gen über­haupt erst zu errich­ten. Hier ist auch eine deut­li­che Ände­rung auf poli­ti­scher Ebene nötig — und zwar zügig und nachhaltig.

Piratenpartei Hannover: Kommunalwahlen, wir kommen!

Hannover: Piraten treten bei der Kommunalwahl an

Han­no­ver: Pira­ten tre­ten bei der Kom­mu­nal­wahl an

Ich hab’s ja ges­tern schon get­wit­tert, aber jetzt noch­mal etwas aus­führ­li­cher: In Han­no­ver hat es ges­tern zwei Ver­an­stal­tun­gen der Pira­ten­par­tei gege­ben: Zuerst die Auf­stel­lungs­ver­samm­lung für die anste­hen­den Kom­mu­nal­wah­len und dann die ordent­li­che Regi­ons­ver­samm­lung mit Neu­wahl des Vor­stan­des. Ich hatte mich rela­tiv kurz­fris­tig im Vor­feld ent­schlos­sen, mich auf einen „halb­wegs aus­sichts­rei­chen” Platz auf der Stadt­rats­liste zu bewer­ben. Raus­ge­kom­men ist dabei jetzt folgendes:

  • Ich stehe für den Stadt­rat auf Platz 1 der Liste für den Wahl­be­reich Südstadt-​Bult. Hier haben die Pira­ten bei der Bun­des­tags­wahl eines der han­no­ver­weit stärks­ten Ergeb­nisse ein­ge­fah­ren. Im Süden Han­no­vers auf­ge­wach­sen kenne ich den Stadt­teil recht gut: Meine Groß­el­tern haben lange Jahre am Gei­bel­platz gelebt, an den Bau der Stadt­bahn kann ich mich auch noch gut erin­nern. Viele Freunde und Kol­le­gen woh­nen über die ganze Süd­stadt ver­streut — und in einer klei­nen heute nicht mehr exis­tie­ren­den Schwimm­halle am Ein­tracht­weg in der Bult habe vor vie­len Jah­ren recht müh­se­lig das Schwim­men gelernt. Es freut mich, hier die Wäh­ler von uns als Pira­ten über­zeu­gen zu dürfen.
  • Wei­ter­hin bin ich auf Platz 2 der Liste für den Stadt­be­zirks­rat Vahrenwald/​List. Dies ist der ein­zige Wahl­kreis in Han­no­ver, in dem die Pira­ten­dichte so hoch ist, dass wir eine ernst zu neh­mende Liste für einen Bezirks­rat auf­stel­len konn­ten. Ich bin mir sicher, dass wir es auch hier schaf­fen zu punkten.
  • Und weil aller guten Dinge Drei sind, bin ich seit ges­tern auch noch Vor­sit­zen­der des Regi­ons­ver­ban­des. Das kam dann ein wenig über­ra­schend, aber letzt­lich freut mich gerade diese Wahl ganz außerordentlich.

Beim Regi­ons­vor­stand hat es einen deut­li­chen Wach­wech­sel gege­ben: Von den bis­he­ri­gen Mit­glie­dern sind nur noch zwei im neuen Vor­stand, sowohl ers­ter als auch stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der sind kom­plette Neu­be­set­zun­gen. Ich denke aber, dass wir da jetzt eine außer­or­dent­lich posi­tive Ent­wick­lung neh­men kön­nen. Hier noch­mal alle „neuen” Vor­stände für die Region Hannover:

  • Vor­sit­zen­der: Dirk Hill­brecht
  • Stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der: Kai Hal­ler
  • Schatz­meis­ter: Tilo Jerett
  • Bei­sit­zer (alpha­be­tisch): Guido Bautz, Jür­gen Hey, Michael Syl­ves­ter, Bodo Woja­kow­ski

Im letz­ten Jahr hat es einige Rei­bungs­ver­luste in der Region gege­ben. Das wer­den wir ver­su­chen, für die­ses Jahr (und mög­lichst auch dar­über hin­aus…) zu ver­mei­den. Damit möchte ich aber die Leis­tun­gen der bis­he­ri­gen Vor­stände kei­nes­wegs klein­re­den, ins­be­son­dere Jür­gen Jung­hä­nel hat als Vor­sit­zen­der wert­vollste Arbeit bei den gan­zen Vor­be­rei­tun­gen zur Kom­mu­nal­wahl geleis­tet. Nicht umsonst führt er die Stadt­rats­liste für den Wahl­be­reich Linden-​Limmer an.

Auch die Regi­ons­ver­samm­lung wird unter Pira­ten­be­tei­li­gung zur Wahl ste­hen. Ralf Kleyer steht auf Platz 1 der Liste für den „pira­ten­star­ken” Wahl­be­reich Linden-​Ricklingen. Ralf tritt eben­falls an für den Stadt­rat Hemmingen-​Arnum. Dort tritt auch Ste­ven Maaß an, der sich eben­falls für die Region zur Wahl stellt, und zwar auf Platz 1 der Liste im Wahl­be­reich Mitte-​Süd.

Und wem das jetzt alles zu viele Namen, Lis­ten und Berei­che sind, der merkt sich ein­fach nur: Wir haben jede Menge fan­tas­ti­scher Kan­di­da­ten für die Kom­mu­nal­wahl auf­ge­stellt und es wird sich auf alle Fälle loh­nen, seine Kreuze bei den Pira­ten zu machen!

Ich muss auch noch­mal die Ver­samm­lun­gen selbst ges­tern erwäh­nen: Die waren toll! Wir haben kon­zen­triert nach vorn gear­bei­tet und sämt­li­che Wah­len zügig und gleich­zei­tig mit der gebo­te­nen Kon­zen­tra­tion über die Bühne gebracht. Es gab keine Quer­schüsse, keine unnö­ti­gen Ver­zö­ge­run­gen — es gibt ein­fach alles total erfreu­lich über die Bühne. So darf das gerne öfter sein.

Han­no­ver­sche Pira­ten, ihr rockt!

Piratenstammtisch Hannover: Zur Handelsbörse am Klagesmarkt

Pira­ten­stamm­tisch Han­no­ver: Zur Han­dels­börse am Klagesmarkt

Kar­ten­grund­lage: Open­Street­Map, CC-​BY-​SA

Zum Beschnup­pern des Regi­ons­vor­stan­des gibt es in den nächs­ten Wochen und Mona­ten sicher­lich reich­lich Gele­gen­hei­ten. Die erste zum Bei­spiel nächs­ten Don­ners­tag, 2011-​02-​03, ab 19:00 Uhr auf dem Stamm­tisch in der Gast­stätte „Zur Han­dels­börse” am Kla­ges­markt in Hannover.

Schnee und Eis bei der Deutschen Bahn — Heute: S-​Bahn Hannover

Bei mei­ner sonn­täg­li­chen Foto­sa­fari durch das tief ver­schneite Han­no­ver bin ich auch am Bahn­hof Linden/​Fischerhof gelan­det. Dort sah die ein­fah­rende S-​Bahn aus Hameln so aus:

S-Bahnzug bei der Einfahrt nach Hannover-Linden

S-​Bahnzug bei der Ein­fahrt nach Hannover-​Linden

Mein ers­ter Gedanke: Neue Lackie­rung? Eigent­lich haben die Nah­ver­kehrs­züge doch keine weiße Schürze auf der Front­seite. Nun, man kann es sich den­ken: Das war keine Lackie­rung, das war natür­lich auch Schnee. Und Eis. Viel Eis. Man beachte, dass selbst auf der Vor­der­scheibe nur der für die Sicht des Fah­rers nach vorne nötige Bereich frei ist, der Rest ist unter Eis ver­bor­gen. Am ande­ren Ende sieht das dann so aus:

Rückansicht S-Bahnzug Hannover in Linden

Rück­an­sicht S-​Bahnzug Han­no­ver in Linden

Ich muss geste­hen, ich war schon etwas irri­tiert, als ich das gese­hen habe. Sol­che Bil­der von Eisen­bahn­fahr­zeu­gen kannte ich bis jetzt nur von alten Bil­dern vom Russ­land­feld­zug und sei­nem Schei­tern. Bloß dass dort sei­ner­zeit –40°C waren — und nicht –5°C wie heute in Han­no­ver. Pas­send zu die­sem etwas — nunja — unge­pfleg­ten Ein­druck war, dass der Bahn­steig auf kom­plet­ter Länge nicht geräumt war und alle, aber auch wirk­lich alle S-​Bahnen kon­se­quent fünf Minu­ten Ver­spä­tung hatten.

Lang­sam weiß ich nicht mehr, ob nun die gemein­same Erin­ne­rung in Deutsch­land an die „Bahn, die mit dem Wet­ter nie ein Pro­blem hat” durch eine rosa­rote Brille schön­ge­färbt ist oder ob der Betrieb in den letz­ten 30 Jah­ren wirk­lich so enorm nach­ge­las­sen hat.

Der Nahverkehrs-​Adventskalender (5): Hannover 2004 – 2006

Auf unse­rer advent­li­chen Rund­reise durch den Nah­ver­kehr machen wir heute Sta­tion in mei­ner Hei­mat­stadt Han­no­ver. Und weil Sonn­tag ist, gibt’s heute mal mehr als ein Foto und eine Geschichte, die sich über zwei­ein­halb Jahre spannt.

Eisenbahnbrücke Ricklinger Stadtweg im Januar 2004

Eisen­bahn­brü­cke Rick­lin­ger Stadt­weg im Januar 2004

Auf dem Foto sehen wir den Rick­lin­ger Stadt­weg am nörd­li­chen Ende an der Grenze des Stadt­tei­les Rick­lin­gen. Es ist sozu­sa­gen ein Bild mei­ner Kind­heit und Jugend: Ich bin ich Rick­lin­gen auf­ge­wach­sen und bin unter die­ser Brü­cke etli­che Tau­send Male mit allen mög­li­chen Ver­kehrs­mit­teln auf dem Weg in die Innen­stadt, zur Schule oder zu Freun­den her­ge­fah­ren. Hier kreuzt die Eisen­bahn­stre­cke Hannover-​Altenbeken sowie die Güter­um­ge­hungs­bahn die Straße auf einer gemein­sa­men Brü­cke. Unten ver­läuft die Stadt­bahn­stre­cke Rich­tung Wett­ber­gen. Im Jahr 2004 steht hier noch eine Brü­cke aus den 1920er Jah­ren, die zwei Nach­teile hat: Zum einen ist die Spann­breite viel zu klein für den heute wesent­lich brei­te­ren Rick­lin­ger Stadt­weg: Bahn und Autos müs­sen sich die Fahr­bahn tei­len und für die Fuß­gän­ger bleibt nur ein sehr schma­ler Strei­fen. Zum ande­ren erlaubt das Bau­werk keine Ver­knüp­fung der Bahn­stre­cke oben mit der Stadt­bahn unten. Und das ist vor allem des­halb schade, weil hier mitt­ler­weile eine moderne S-​Bahn in die süd­west­li­chen Stadt­teile, das Nah­er­ho­lungs­ge­biet Deis­ter, nach Hameln und sogar bis nach Pader­born fährt. Diese böte sich außer­or­dent­lich gut an, mit der Stadt­bahn ver­knüpft zu wer­den. His­to­risch bedingt liegt der dazu nötige Bahn­hof aber lei­der ein gan­zes Stück abseits (und warum das so ist, dar­über ließe sich eine ganz eigene Arti­kel­se­rie schrei­ben…). Die Situa­tion schreit also nach Ver­än­de­rung — und genau das passiert.

In den fol­gen­den zwei­ein­halb Jah­ren wird an der hier abge­bil­de­ten Über­füh­rung der moderne Ver­knüp­fungs­bahn­hof „Hannover-​Linden/​Fischerhof” von S-​Bahn und Stadt­bahn errich­tet: Die gesamte Brü­cke wird dafür völ­lig neu gebaut. Oben ist auf dem neuen Bau­werk der S-​Bahnsteig, unten direkt unter der Brü­cke ein brei­ter Stadt­bahn­steig. Beide sind über Treppe und Fahr­stuhl direkt mit­ein­an­der verbunden.

Bauarbeiten am Ricklinger Stadtweg im August 2005

Bau­ar­bei­ten am Rick­lin­ger Stadt­weg im August 2005

Beson­ders nach­hal­tig hat sich die­ser Bereich dadurch ver­än­dert, dass die neue Brü­cke viel brei­ter als die alte ist. Stell­ver­tre­tend für die zwei­ein­halb­jäh­rige Bau­phase sei hier ein Foto vom August 2005 gezeigt. An die­sem Wochen­ende wurde die wohl spek­ta­ku­lärste Ein­zel­bau­maß­nahme durch­ge­führt: Die alte, zuletzt bereits arg gerupfte, Brü­cke wurde voll­stän­dig ent­fernt und die neue Brü­cke an ihre Stelle gescho­ben. Auf dem Bild steht dies kurz bevor. Gerade wer­den noch die alten Brü­cken­wi­der­la­ger mit dem gro­ßen Bohr­ham­mer ent­fernt. Man sieht sehr schön, dass das neue Brü­cken­wi­der­la­ger wesent­lich wei­ter außen liegt. Auf der ande­ren Seite der Brü­cke ist die Situa­tion ähnlich.

Auf dem Bild fährt gerade eine S-​Bahn ent­lang, obwohl die Bau­ar­bei­ten an der frisch ein­ge­scho­be­nen Brü­cke noch gar nicht abge­schlos­sen sind. Das liegt daran, dass die neue Über­füh­rung über den Rick­lin­ger Stadt­weg eigent­lich aus zwei Brü­cken besteht: Das nörd­li­che S-​Bahngleis kommt wegen des neuen Bahn­stei­ges deut­lich wei­ter außen zu lie­gen. Für die­ses Gleis konnte des­halb in einem frü­he­ren Bau­ab­schnitt die neue end­gül­tige Brü­cke bereits sepa­rat errich­tet wer­den. Wäh­rend dann die alte Brü­cke durch ihren Nach­fol­ger ersetzt wurde, war es mög­lich, über die­ses vierte Gleis die bei­den Eisen­bahn­stre­cken wei­ter zu betrei­ben — zwar mit erheb­lich ver­rin­ger­ter Kapa­zi­tät, aber immer­hin. Die­ser „Trick” wurde wäh­rend der Bau­ar­bei­ten häu­fi­ger ange­wen­det. Der Rick­lin­ger Stadt­weg war wäh­rend der Bau­ar­bei­ten an die­ser Stelle Ein­bahn­straße Rich­tung Nor­den und an meh­re­ren Wochen­en­den voll für Autos und die Stadt­bahn gesperrt. Das Wochen­ende der Brü­cken­ver­schie­bung war jedoch die ein­zige zwei­tä­gige Kom­plett­sper­rung auch für Fuß­gän­ger und Rad­fah­rer. Ein meh­rere hun­dert Meter lan­ger Umweg über die Stam­me­straße war aber aus­ge­schil­dert. Dort ver­kehrte auch der Schienenersatzverkehr.

Eisenbahnbrücke Ricklinger Stadtweg im Mai 2006

Eisen­bahn­brü­cke Rick­lin­ger Stadt­weg im Mai 2006

Ein Drei­vier­tel­jahr spä­ter sind die Bau­ar­bei­ten abge­schlos­sen. Auf die­sem Bild, das an etwa der glei­chen Stelle wie das erste Bild auf­ge­nom­men wurde, sieht man die kom­plette neue Brü­cke mit dem Mit­tel­hoch­bahn­steig für die Stadt­bahn und einem gerade aus Rich­tung Haupt­bahn­hof ein­fah­ren­den S-​Bahnzug. Die S-​Bahn hat durch die neue Posi­tion des Bahn­ho­fes enorm gewon­nen, da sie sich jetzt mit­ten in der umlie­gen­den Bebau­ung befin­det — und nicht mehr abseits. Und die Stadt­bahn hält nun nicht nur einen Hoch­bahn­steig; dadurch, dass die zwei bis­he­ri­gen Hal­te­stel­len jeweils 100 Meter vor und nach der Brü­cke zu einer Hal­te­stelle zusam­men­ge­legt wur­den, ver­kürzt sich auch die Fahr­zeit auf der Linie. Der neue Bahn­hof ist nicht ganz zufäl­lig im Mai 2006 in Betrieb gegan­gen: Er liegt fuß­läu­fig zum Han­no­ver­schen Fuß­ball­sta­dion, in dem einen hal­ben Monat spä­ter einige Spiele der Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft stattfanden.

Mit Inbe­trieb­nahme der neuen Sta­tion an die­ser Stelle sind auch die sil­ber­nen TW2000-​Stadtbahnwagen erst­mals auf die Stadt­bahn­trasse A in Han­no­ver im Plan­be­trieb gekom­men. Heute kön­nen zwei der drei hier ver­keh­ren­den Linien mit die­sen moder­nen Zügen, teil­weise in 75 Meter lan­ger Drei­facht­rak­tion, gefah­ren wer­den. In den nächs­ten fünf bis zehn Jah­ren wird aller Vor­aus­sicht nach ein Stadt­bahn­zweig nach Hem­min­gen und Arnum wei­ter süd­lich von die­ser Stre­cke abzwei­gen und damit die Bedeu­tung des Bahn­ho­fes „Linden/​Fischerhof” als Umstei­ge­kno­ten im süd­west­li­chen Han­no­ver wei­ter steigern.

Ähnli­che Situa­tio­nen gibt es in Han­no­ver auch an der Hil­des­hei­mer Straße im nörd­li­chen Döh­ren und am Braun­schwei­ger Platz. Im Gegen­satz zu Lin­den wur­den die dor­ti­gen Stra­ßen­über­füh­run­gen aber noch nicht umge­baut und mit S-​Bahnhaltepunkten versehen.

Lena Meyer-​Landrut in Hannover: Fotogalerie vom Empfang vor dem Rathaus

Ich schrieb ja ges­tern schon vom Stand­ort­vor­teil, den man als Han­no­ve­ra­ner beim dies­jäh­ri­gen Euro­vi­sion Song Con­test hat: Die deut­sche Teil­neh­me­ne­rin und Gewin­ne­rin Lena Meyer-​Landrut kommt ja nun mal von hier. Und so fand auch der Emp­fang am Tag nach ihrem Sieg hier in Han­no­ver statt. Das ließ ich mir nicht ent­ge­hen, habe aber — anders als am Vor­tag — dies­mal die Kamera mit vors Rat­haus genom­men. Viele Fotos, die ich auf die­sem Event gemacht habe, fin­den sich unter

http://​lena​-in​-han​no​ver​.hill​brecht​.de

Der Tramm­platz war bes­tens gefüllt als Punkt 17:00 Uhr die USFO-​Moderatoren Sabine Hein­rich und Mat­thias Opden­hö­vel auf der Bühne erschie­nen und „eine total unge­plante Livesa­che” ankündigten.

Sabine Heinrich und Matthias Opdenhövel eröffnen die Veranstaltung

Sabine Hein­rich und Mat­thias Opden­hö­vel eröff­nen die Veranstaltung

Mit Beginn der Live­über­tra­gung auf ARD und Pro7 erschie­nen dann Ste­fan Raab und eine gut gelaunte Lena Meyer-​Landrut und wur­den aus­gie­big vom Publi­kum gefeiert.

Stefan Raab und Lena Meyer-Landrut

Ste­fan Raab und Lena Meyer-​Landrut

Höhe­punkt der Ver­an­stal­tung war wohl eine wei­tere Liveper­for­mance von „Satel­lite” durch Lena. Ich möchte nicht wis­sen, wie oft sie die­ses Lied in den ver­gan­ge­nen zwei Mona­ten gesun­gen hat.

Lena singt ein weiteres Mal Satellite - live und mit lauter Unterstützung durchs Publikum

Lena singt ein wei­te­res Mal Satel­lite — live und mit lau­ter Unter­stüt­zung durchs Publikum

Das Publi­kum jeden­falls war begeis­tert, sang aus vol­ler Kehle mit und fei­erte ansons­ten aus­gie­big die „Stars aus Oslo”.

Der Trammplatz war die ganze Zeit voll von Zuschauern

Der Tramm­platz war die ganze Zeit voll von Zuschauern

Mein Fazit: Sowas erlebt man nicht alle Tage. Viele wei­tere Fotos von der Ver­an­stal­tung, wie bereits geschrie­ben, unter

http://​lena​-in​-han​no​ver​.hill​brecht​.de

Der Eurovision Song Contest, Lena Meyer-​Landrut und ich

Was für ein Abend! Eigent­lich hatte ich einen ruhi­gen Abend zu Hause geplant und neben dem Grand-​Prix im Fern­se­hen — man mag es ange­sichts der Ereig­nisse kaum schrei­ben — Wäsche gewa­schen und die Woh­nung auf­ge­räumt. Na gut, und get­wit­tert. Und dann das! Zunächst mal ein rich­tig guter Auf­tritt von Lena auf Platz 22 im Contest:

Naja, und als dann auf der Hälfte der Punk­te­ver­gabe Deutsch­land doch deut­lich in Füh­rung lag, dachte ich mir, es sei irgend­wie unan­ge­mes­sen, einen der­ar­tig his­to­ri­schen Moment allein im stil­len Käm­mer­lein zu ver­brin­gen. Also habe ich mal gna­den­los mei­nen Stand­ort­vor­teil genutzt, mich aufs Fahr­rad geschwun­gen und bin rüber­ge­fah­ren zum Tramm­platz, der ja in den Fern­seh­über­tra­gun­gen auch das eine oder andere Mal erwähnt wurde als eine der zen­tra­len Grand-​Prix-​Feiern in Deutsch­land — und Hannover.

Als ich ankam, waren gerade die letz­ten vier oder fünf Punk­te­ver­ga­ben im Gange und Lena lag bereits unein­hol­bar vorne. Dann wurde mal rich­tig gefei­ert. Ich fand mich irgend­wann in einer Gruppe Abitu­ri­en­ten wie­der und freute mich, dass „Zu spät” von den Ärzten auch heute noch die Party rockt — das habe ich schon zu mei­ner Abi­feier gehört. ;-) Den Abschluss der Party bil­dete ein Livek­on­zert von den Jet­lags mit USFO-​Kandidat Cyril Krue­ger. Noch so ein his­to­ri­scher Moment: Dass trotz all der schwer lärm­ge­pla­ten und kla­ge­freu­di­gen Ein­woh­ner Han­no­vers mal ein Kon­zert mit­ten in der Stadt um 1:30 Uhr zu Ende geht — das glaubt einem doch spä­ter nie­mand mehr…

Lena Meyer-Landrut auf der Pressekonferenz nach dem Sieg

Lena Meyer-​Landrut auf der Pres­se­kon­fe­renz nach dem Sieg

Bild­quelle: Ind­rek Gale­tin (EBU)

Lena war der­weil auf der Sie­ger­pres­se­kon­fe­renz und man merkte ein wei­te­res Mal, wie über­rascht alle Betei­lig­ten über den Sieg waren. Das finde ich eine der ganz beson­de­ren Tat­sa­chen die­ser Grand-​Prix-​Nacht: Trotz all der guten Pro­gno­sen hatte wohl nie­mand wirk­lich damit gerech­net, dass aus­ge­rech­net die­ses kleine, unprä­ten­tiös vor­ge­tra­gene Lied ganz Europa über­zeu­gen würde. Am Nach­mit­tag hatte ich mich hier im Haus noch mit zwei Nach­barn unter­hal­ten. Die mein­ten uni­sono: „Naja, viel­leicht reicht es für die ers­ten fünf” und nach­dem ich — save​.tv sei Dank — beide Halb­fi­nals gese­hen hatte, war ich mir auch nicht so sicher: Da waren mal wie­der viele gute Lie­der ganz unter­schied­li­chen Zuschnitts dabei.

Egal — heute nach­mit­tag werd’ ich noch­mal ver­su­chen, mich zum Tramm­platz durch­zu­schla­gen. Sowas erlebt man nicht oft!

Ein Bahnsteig an der Messe: Erinnerungen an den CeBIT-​Verkehr 1997 (2)

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Diese Geschichte zum CeBIT-​Verkehr 1997 star­tete in Teil 1 mit einem Behelfs­bahn­steig am Messegelände.

Behelfs­bahn­steig an der Mes­se­schleife in Han­no­ver, 9. März 1997

Die­ser ermög­lichte es damals, klas­si­sche Stra­ßen­bahn­wa­gen für einen Teil des CeBIT–Anrei­se­ver­kehrs ein­zu­set­zen. Nötig machte dies die ange­spannte Lage im üstra-​Fuhrpark jener Tage: Die 256 ein­satz­be­rei­ten Stadt­bahn­wa­gen des Typs TW6000 reich­ten für den nor­ma­len Ver­kehr plus Mes­se­ver­kehr kaum aus.

TW500-​U-​Boot in der Mes­se­schleife, März 1997

So fuh­ren im mor­gend­li­chen Mes­se­ver­kehr der CeBIT 1997 bis zu drei TW500-​Triebwagen den Zulauf­ver­kehr zwi­schen Pei­ner Straße und Mes­se­ge­lände, die soge­nann­ten „U-​Boote”. Da sie an den Hoch­bahn­stei­gen nicht hal­ten konn­ten, blieb nur der kurze Behelfs­bahn­steig im Wei­chen­be­reich süd­lich des Messe-​Hausbahnsteigs.

Gelenk­trieb­wa­gen bei der Ein­fahrt am Behelfs­bahn­steig, März 1997

Und wie man auf den Fotos gut sehen kann, waren diese Züge wirk­lich nötig: Der Wagen ist sehr gut gefüllt, und das obwohl er nur vier Sta­tio­nen ange­fah­ren hat.

Ankunft am Mes­se­ge­lände: Fahr­gäste von nur vier Sta­tio­nen auf dem Bahn­steig, März 1997

Ich weiß, dass ich mir das ganze damals mit einem Kom­mi­li­to­nen zusam­men ange­schaut habe und dass wir anschlie­ßend im (dann lee­ren) Stra­ßen­bahn­wa­gen zurück zur Pei­ner Straße gefah­ren sind. Das war vor allem des­halb sehr inter­es­sant, weil diese Trieb­fahr­zeuge noch über eine direkte Motor­steue­rung ver­füg­ten. Ein guter Fah­rer konnte mit die­sen Fahr­zeu­gen wesent­lich rasan­ter beschleu­ni­gen als mit der elek­tro­nisch gere­gel­ten Geschwin­dig­keits­steue­rung der TW6000. Aller­dings dreh­ten auch schnel­ler die Räder durch und wenn man zu stark beschleu­nigte und der Motor zu viel Strom zog, unter­brach mit lau­tem Kra­chen der Siche­rungs­au­to­mat die Strom­ver­sor­gung. Der Griff des Fah­rers ging dann immer direkt über sei­nen Kopf, wo die bei­den Dreh­griffe waren, mit denen die Siche­rung wie­der „rein­ge­dreht” wer­den konnte.

U-​Boot-​Wendemanöver an der Pei­ner Straße, März 1997

An der Pei­ner Straße wen­de­ten die Züge der U-​Bootlinie über das Gleis­drei­eck in der Betriebs­hof­zu­fahrt und fuh­ren von dort wie­der in die Hal­te­stelle Rich­tung Messegelände.

Ins­ge­samt war der Mes­se­zu­lauf­be­trieb jener Tage recht rus­ti­kal: Es bedurfte eines hohen Per­so­nal­auf­wands um den Ver­kehr flüs­sig zu hal­ten. Und gerade in der zwei­ten Hälfte der 1990er Jahre führte der Ver­kehr zur Messe die Tech­nik auch mal über ihre Gren­zen hin­aus: Min­des­tens ein­mal in der Mes­se­wo­che fiel das Stell­werk am Aegi­dien­tor­platz aus und legte damit auch den Ver­kehr im gesam­ten U-​Bahnabschnitt nörd­lich von Döh­re­ner Turm über Stun­den lahm.

Stadt­bahn­stre­cke auf der Hil­des­hei­mer Straße nörd­lich An der Wol­le­bahn: Viel Ver­kehr. März 1997

Auch die Strom­ver­sor­gung zickte rum. Im mor­gend­li­chen Anrei­se­ver­kehr am Eröff­nungs­tag kam es zu einem Kom­plett­aus­fall der Strom­ver­sor­gung auf der Stre­cke süd­lich von Döh­re­ner Turm:

Pünkt­lich um 9.37 Uhr gab es im Unter­werk Döh­ren einen Dau­er­kurz­schluß. Nach 3 auto­ma­ti­schen ver­geb­li­chen Ver­su­chen den Strom wie­der ein­zu­schal­ten muß in der Schalt­warte Groß­alarm aus­ge­löst wor­den sein.

Über Funk kam als ers­tes die Auf­for­de­rung an alle auf der B-​Süd [interne Bezeich­nung der Stre­cke], die Fahr­zeuge auf redu­zierte Netz­last zu schal­ten. Als das nichts gebracht hatte, wurde die ver­schärfte Maß­nahme ein­ge­lei­tet: Bügel run­ter für alle! Auch das half nicht. Also wur­den alle Fah­rer auf­ge­for­dert, die vor ihnen lie­gende Stre­cke auf Ober­lei­tungs­schä­den zu über­prü­fen; eben­falls erfolglos.

Als nächs­tes wur­den die Schal­ter für die Ein­spei­sung aus dem Unter­werk Döh­ren abge­schal­tet. Der Kurz­schluß war immer noch vor­han­den, mußte also im Bereich zwi­schen Unter­werk und Stre­cken­ein­spei­sung zu suchen sein. Wenigs­tens konnte man so einen Ver­bin­dungs­schal­ter schlie­ßen, so daß das Unter­werk Enge­sohde (Alten­be­ke­ner Damm) die Ver­sor­gung des Abschnitts mit über­ne­he­men konnte. Nach ca. 15 Minu­ten konn­ten die Bah­nen die Bügel wie­der anle­gen und die Fahrt fortsetzen.

TW6000-​Dreiwagenzug im Mes­se­ver­kehr an der Pei­ner Straße mit abge­senk­ten Strom­ab­neh­mern, März 1997

Ver­kehrs­ge­schicht­lich stellt das Jahr 1997 gleich in meh­rer­lei Hin­sicht eine Zäsur für den Stadt­bahn­ver­kehr in Han­no­ver dar: Letzt­ma­lig wur­den in die­sem Jahr — und das auch nur im hier beschrie­be­nen CeBIT-​Morgenverkehr — die klas­si­schen TW500-​Gelenktriebwagen-​Straßenbahnzüge im Regel­ver­kehr ein­ge­setzt. Und letzt­ma­lig waren bei die­ser CeBIT ansons­ten nur Fahr­zeuge des Typs TW6000 ver­füg­bar. Schon bei der Indus­trie­messe einen guten Monat spä­ter wurde das erste Exem­plar des neuen Stadt­bahn­fahr­zeugs TW2000 der Öffent­lich­keit vorgestellt.

TW2001 bei der ers­ten öffent­li­chen Prä­sen­ta­tion auf der Han­no­ver Messe, April 1997

Im Laufe des Som­mers 1997 kamen die ers­ten TW2000 auf das han­no­ver­sche Netz und zur CeBIT 1998 waren bereits aus­rei­chend Fahr­zeuge ver­füg­bar, sodass es dies­be­züg­lich keine Pro­bleme mehr gab. Pro­bleme mach­ten nur die TW2000 selbst, die wegen unzu­rei­chen­der Tests im Vor­feld in der Ein­füh­rungs­phase zahl­rei­che Kin­der­krank­hei­ten aus­ku­rie­ren muss­ten. Des­halb wur­den sie im Mes­se­ver­kehr 1998 vor allem auf ande­ren Linien ein­ge­setzt und nur spo­ra­disch auf den Messelinien.

Heute erin­nert nur noch wenig an die Ver­hält­nisse Ende der 1990er Jahre: TW2000 und TW6000 sind längst gleich­be­rech­tigt im han­no­ver­schen Netz unter­wegs. Durch den brei­te­ren Wagen­kas­ten und die Mög­lich­keit, bis zu 100 Meter lange Vier­wa­gen­züge zu bil­den, erhöht der TW2000 zudem die Kapa­zi­tät eines ein­zel­nen Zuges erheb­lich. Und schließ­lich ist das Mes­se­ge­lände heute gleich von drei Sei­ten vom Schie­nen­ver­kehr erschlossen.

Stadt­bahn– und S-​Bahnlinien zum Mes­se­ge­lände im Jahr 2010

Neben der Anbin­dung über Döh­ren und Mit­tel­feld gibt es seit der Expo 2000 noch eine wei­tere Stadt­bahn­stre­cke über Bemerode und den Krons­berg, die in der Nähe der ent­ge­gen­ge­setz­ten Ecke des Mes­se­ge­län­des endet. Die bei­den Sta­tio­nen hei­ßen des­halb heute „Messe/​Nord” und „Messe/​Ost”. Und dazu kommt noch das leis­tungs­fä­hige S-​Bahnnetz, das Haupt­bahn­hof und Flug­ha­fen direkt mit dem Mes­se­ge­lände ver­bin­det und einen Groß­teil des Ver­kehrs aus der Region auf­nimmt. Im eben­falls zur Expo neu gebau­ten Fern­bahn­hof „Han­no­ver Messe/​Laatzen” hal­ten zudem die Fern– und Regio­nal­züge der Nord-​Süd-​Fernstrecken. Trotz­dem stellt der Mes­se­ver­kehr auch heute noch eine Belas­tungs­spitze des han­no­ver­schen Stadt­bahn­net­zes und ins­be­son­dere der Linien 8 und 18 dar.

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Unter­schied zwi­schen 1997 und 2010 ist, dass mitt­ler­weile sämt­li­che Bahn­steige zwi­schen der Tun­nelaus­fahrt und dem Mes­se­ge­lände hoch­flu­rig sind. Das war auf die­ser Stre­cke beson­ders auf­wän­dig, weil hier alle Bahn­steige für 100-​Meter-​Züge aus­ge­legt wur­den — und nicht für die sonst übli­chen 75 Meter eines drei­wa­gi­gen TW2000-​Zuges. Dadurch sind aber die Hal­te­stel­len­stops kür­zer gewor­den, weil zum einen die Zeit zum Ein­fah­ren der Klappt­ritt­stu­fen nicht mehr nötig ist und zum ande­ren die Fahr­gäste schnel­ler ein– und aussteigen.

Platz des 1997er-​Behelfsbahnsteiges 13 Jahre spä­ter: Nichts mehr zu sehen. Februar 2010

Und der Behelfs­bahn­steig an der Messe? Nun, auch der ist lange Geschichte. Heute fin­det sich hier ein Ober­lei­tungs­mast und ein Schalt­kas­ten. Außer­dem ist der Hoch­bahn­steig ein paar Meter ver­län­gert wor­den, damit die 100 Meter lan­gen Vier-​Wagen-​TW2000-​Züge dran­pas­sen. Die Stra­ßen­bahn­wa­gen sind ver­kauft oder ver­schrot­tet wor­den, mir ist nicht bekannt, ob über­haupt ein sol­cher Breitraum-​Gelenktriebwagen über­lebt hat. Bei der letz­ten gro­ßen üstra-​Sause, dem Betriebs­hof­fest an der Glock­see 2008, stand jeden­falls kei­ner in der Fahr­zeug­pa­rade auf dem Gleisfeld.

Fahr­zeug­pa­rade auf dem üstra-​Betriebshoffest ohne TW400/​500, August 2008

So schließt diese Rück­blende mit einem letz­ten Foto aus dem Jahr 1997, das noch­mal das Wagen­ma­te­rial jener Zeit gemein­schaft­lich zeigt.

TW6000 und TW500 auf der Hil­des­hei­mer Straße Höhe An der Wol­le­bahn, März 1997

Nach­trag: Das Inter­net ist schon toll. In einer Dis­kus­sion auf Dreh­scheibe Online sind mitt­ler­weile einige kleine Kor­rek­tu­ren zu mei­nen Aus­füh­run­gen auf­ge­taucht. Teil­weise fin­den sich sich auch in den Kom­men­ta­ren unten. So waren anno 1997 nicht drei, son­dern fünf TW500 im „U-​Booteinsatz”. Zudem hat es auch nach 1997 noch U-​Booteinsätze mit den alten Stra­ßen­bahn­wa­gen gege­ben, und zwar bis zum Jahr 2002. Ich denke aber, dass man 1997 trotz­dem als das Jahr der eigent­li­chen Zäsur in die­ser Sache sehen kann: Spä­ter waren die alten Wagen nur noch sehr spo­ra­disch und eher unter „Lieb­ha­be­r­as­pek­ten” im Mes­se­ver­kehr unter­wegs. Im Jahr 1997 hin­ge­gen war der Ein­satz durch­gän­gig die gesamte Messe über und maß­geb­lich der Wagen­knapp­heit geschul­det. Besag­ten Drehscheibe-​Artikel emp­fehle ich übri­gens auch des­halb zur Lek­türe, weil sich dort einige sehr schöne Fotos aus jenen Tagen fin­den. TW400, TW6000 und TW2000 in einer nicht gestell­ten Betriebs­hof­si­tua­tion neben­ein­an­der fin­det man wahr­lich nicht alle Tage…

Ein Bahnsteig an der Messe: Erinnerungen an den CeBIT-​Verkehr 1997 (1)

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Heute gibt es den zwei­ten Bei­trag mei­ner klei­nen Blog­se­rie „Inter­es­sante Ver­kehrs­bau­werke”. Das heu­tige Bau­werk ist wesent­lich unspek­ta­ku­lä­rer als die Brü­cke vom letz­ten Mal. Und es exis­tiert heute auch nicht mehr. Die Geschichte dazu erzählt aber von einem span­nen­den han­no­ver­schen Verkehrskapitel.

Anläss­lich des anste­hen­den CeBIT-​Beginns blen­den wir zurück in das Jahr 1997. Da habe ich kurz vor Beginn der CeBIT einen Bahn­steig fotografiert.

Behelfs­bahn­steig an der Mes­se­schleife in Han­no­ver, 9. März 1997

Schon auf die­sem Foto lässt sich erah­nen, dass es sich hier um ein höchst pro­vi­so­ri­sches Bau­werk han­delt: Er ist ledig­lich von Holz­plan­ken umgrenzt, passt „gerade noch so” zwi­schen das Kur­ven­ende im Vor­der­grund und den Hoch­bahn­steig im Hin­ter­grund und liegt auch noch mit­ten in einem Wei­chen­be­reich. Der ein­zige Zugang schließ­lich ist der Not­zu­gang zu besag­tem Hoch­bahn­steig im Hin­ter­grund rechts.

Wahr­lich eine inter­es­sante Kon­struk­tion. Und eine — wie ich finde — inter­es­sante Geschichte dahin­ter. Die­ser Bahn­steig befand sich an der „Mes­se­schleife” des Stadt­bahn­net­zes. Dies ist die süd­li­che End­sta­tion der Linie 8 und war bis zum Jahr 2000 die ein­zige Stadt­bahn­sta­tion, die das Mes­se­ge­lände erschloss. Die Sta­tion dürfte die leis­tungs­fä­higste des gesam­ten Net­zes sein, sowohl was Durch­satz als auch was die Mög­lich­kei­ten zum kurz­fris­ti­gen Ein– und Aus­set­zen sowie Abstel­len von Zügen betrifft. Schauen wir uns den — auch heute noch so vor­han­de­nen — Gleis­plan an:

Gleis­plan der Sta­tion Mes­se­ge­lände (heute Messe/​Nord) in Hannover

An der End­sta­tion gibt es drei Bahn­steige. Der wich­tigste ist Bahn­steig B, weil er direkt gegen­über dem Ein­gang „Nord 1″ des Mes­se­ge­län­des liegt. Zu Mes­se­zei­ten wird er ent­we­der zur Ankunft oder zur Abfahrt benutzt. So ergibt sich eine von der Haupt­lastrich­tung der Besu­cher­ströme abhän­gige Nut­zung der Gesamtanlage:

  • Im mor­gend­li­chen Anrei­se­ver­kehr fah­ren die Züge an Bahn­steig A durch und hal­ten zum Aus­stei­gen erst an Bahn­steig B. Ein­ge­stie­gen wird dann an Bahn­steig C.
  • Abends im Haupt­ab­rei­se­ver­kehr ändert sich die Abfer­ti­gung: Jetzt ist Aus­stieg am Bahn­steig A und ein­ge­stie­gen wird an Bahn­steig B. Bahn­steig C bleibt ungenutzt.

Haupt­zweck des getrenn­ten Ein– und Aus­stei­gens ist neben der Ent­zer­rung der Fahr­gast­ströme vor allem, dass ange­kom­mene Bah­nen über die dop­pel­ten Gleis­ver­bin­dun­gen vor und hin­ter Bahn­steig B ein­fach auf die Innen­schleife und in den Abstell­be­reich gezo­gen wer­den bzw. von dort ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Mit einem gewis­sen Puf­fer an Zügen in den Ab– und Auf­stell­be­reich in der Schleife lässt sich so sehr fle­xi­bel auf Besu­cher­spit­zen rea­gie­ren, Wagen kön­nen ange­kup­pelt oder ent­fernt, Züge direkt ins Depot geschickt oder von ein­ge­setzt werden.

Außer­halb der Mes­se­zei­ten wird eben­falls an Bahn­steig B ange­kom­men und dann an C abge­fah­ren, wobei die Züge direkt durchfahren.

Das erklärt aber noch kein Stück, was es mit dem Zusatz­bahn­steig auf sich hat. Dazu müs­sen wir uns die Gesamt­ver­kehrs­si­tua­tion zu Mes­se­zei­ten anschauen: Bis in die 1990er Jahre war die Stadt­bahn­stre­cke zur Messe der ein­zige leis­tungs­fä­hige ÖPNV-​Anschluss des Mes­se­ge­län­des. Ent­spre­chend nahm sie einen Groß­teil des Ver­kehrs auf. Betrach­ten wir hierzu eine Streckengrafik.

üstra-​Linien zum CeBIT-​Verkehr 1997

Grund­lage des Mes­se­ver­kehrs ist die Stadt­bahn­li­nie 8, die als Durch­mes­ser­li­nie aus dem Nor­den Han­no­vers kommt und am Mes­se­ge­lände endet. Ab Haupt­bahn­hof wird sie durch Ver­stär­kungs­züge ergänzt, die die Lini­en­be­zeich­nun­gen „18” oder „E” tra­gen. Mit die­sen drei Linien wurde der Haupt­teil des Ver­kehrs aus der Innen­stadt bewältigt.

Da sei­ner­zeit der Fern­bahn­hof Han­no­ver Messe/​Laatzen noch nicht exis­tierte und es auch noch keine S-​Bahn gab, kam auch ein Groß­teil der Zug­rei­sen­den zur Messe am Haupt­bahn­hof an und musste dort in die Stadt­bahn umstei­gen. Infol­ge­des­sen waren die Züge gerade in der mor­gend­li­chen Haupt­stoß­zeit schon bei der Abfahrt am Haupt­bahn­hof so voll, dass am Kröp­cke, spä­tes­tens aber am Aegi­dien­tor­platz, nicht mehr alle War­ten­den zustei­gen konn­ten. Des­halb gab es eine zweite Ver­stär­kungs­li­nie, die eben­falls mit „E” bezeich­net wurde und die am Königs­wort­her Platz ein­setzte. Diese Bah­nen hiel­ten am Kröp­cke und am Aegi auf ande­ren Glei­sen als die Bah­nen aus Rich­tung Haupt­bahn­hof und konn­ten so den Ver­kehr entzerren.

Trotz­dem blieb die Lage beim mor­gend­li­chen Anrei­se­ver­kehr ange­spannt: Neben dem Mes­se­ver­kehr gibt es auch die Stadt­bahn­li­nien 1 und 2 auf der Stre­cke zwi­schen Haupt­bahn­hof und Both­mer­straße. Zudem wol­len nicht alle Fahr­gäste zur Messe: Die Stre­cke führt durch die dicht besie­delte Süd­stadt und hat eine wich­tige Rolle im Schü­ler­ver­kehr für eine ganze Reihe von Schu­len rund um die Sta­tion Alten­be­ke­ner Damm. Schließ­lich setzt das recht unfle­xi­ble han­no­ver­sche Signal­sys­tem enge Gren­zen für die Stre­cken­ka­pa­zi­tät nörd­lich des Döh­re­ner Turms.

Das führte zu einer gan­zen Reihe durch­aus ein­falls­rei­cher Betriebs­kon­zepte für die Stre­cke. So hiel­ten die „E”-Züge in eini­gen Jah­ren an kei­ner der Sta­tio­nen zwi­schen Aegi­dien­tor­platz und Both­mer­straße, teil­weise sogar bis Mes­se­ge­lände. Ein ande­res Kon­zept war das „alter­nie­rende Hal­ten”, das es so sonst wohl nur auf einige hoch­be­las­te­ten Abschnit­ten der New Yor­ker U-​Bahn gibt: Zwi­schen Aegi­dien­tor­platz und Both­mer­straße hiel­ten alle Züge zum Mes­se­ge­lände alter­nie­rend nur an jeder zwei­ten Station.

All dies änderte aber nichts daran, dass sämt­li­che Züge zur Messe mor­gens spä­tes­tens am Pei­ner Straße so prop­pen­voll waren, dass süd­lich davon das Zustei­gen zum puren Glücks­spiel wurde. Was ein Pro­blem war, denn zum einen nah­men viele Aus­stel­ler und Besu­cher gern in Döh­ren oder Mit­tel­feld und damit mes­se­nah Quar­tier und zum ande­ren war (und ist) Both­mer­straße ein wich­ti­ger Umstei­ge­punkt aus Rich­tung Laat­zen und Rethen.

Drei­wa­gen­zug TW6000 im CeBIT-​Verkehr 1997 zwi­schen Seel­horst und Bothmerstraße

Des­halb gab es noch eine fünfte Linie zum Mes­se­ge­lände. Diese wurde vom Betriebs­hof Döh­ren an der Pei­ner Straße aus ein­ge­setzt und fuhr dann ledig­lich die rela­tiv kurze Rest­stre­cke bis zum Mes­se­ge­lände. Damit wurde genau der kri­tischste süd­li­che Abschnitt abge­deckt. Beschil­dert war auch diese Linie als „8” oder „E”, üstra-​intern sprach man bei die­sen Bah­nen gern von den „U-​Booten”: Die Linie erreichte nicht den Tun­nel in der Innen­stadt, es gab auch kei­nen ech­ten „Fahr­plan”, statt­des­sen wur­den die Züge sozu­sa­gen auf Zuruf zwi­schen den übri­gen Kur­sen ein­ge­setzt — wie U-​Boote halt.

Jetzt müs­sen wir auf ein ande­res Detail der Situa­tion der üstra im Jahr 1997 schauen: Den Fuhr­park. Sei­ner­zeit wur­den alle Stadt­bahn­li­nien aus­schließ­lich mit den grü­nen Bah­nen der Bau­reihe TW6000 betrie­ben. 260 Fahr­zeuge gab es, die letzte Serie von 10 Wagen war erst 1993 aus­ge­lie­fert wor­den. Trotz­dem war es knapp: Der CeBIT-​Verkehr benö­tigte so viele Fahr­zeuge, dass eigent­lich alle 260 Trieb­wa­gen gebraucht wur­den. Lei­der stan­den diese nicht zur Ver­fü­gung: Durch meh­rere Unfälle Ende 1996 und Anfang 1997 waren ins­ge­samt vier Fahr­zeuge schad­haft abge­stellt. Und damit wurde es eng: Ich erin­nere mich, dass ich am ers­ten Mes­se­tag am Bahn­steig mei­ner Haus­sta­tion „Sed­an­straße” stand und mit­ten im mor­gend­li­chen Berufs­ver­kehr mein Zug der Linie 3 als (völ­lig über­füll­ter) Ein­zel­wa­gen fuhr. Die­ses Schick­sal teil­ten auch andere Linien — nicht wirk­lich zur Freude der Fahr­gäste. Bei die­sem knap­pen Fuhr­park war die Devise klar: Es muss­ten so viele TW6000 wie mög­lich ein­ge­spart werden.

Und da boten genau die beschrie­be­nen U-​Bootverkehre eine Mög­lich­keit: Im Sep­tem­ber 1996 war die letzte „echte” Stra­ßen­bahn­li­nie in Han­no­ver ein­ge­stellt wor­den: Die 16 fuhr vom Kla­ges­markt über Stein­tor, Ernst-​August-​Platz, König­straße und Zoo zum Nacken­berg. Seit Inbe­trieb­nahme der U-​Bahn unter dem Engel­bos­te­ler Damm 1993 wurde diese Linie wie­der durch­gän­gig mit den letz­ten „alten” Stra­ßen­bahn­wa­gen der Bau­reihe TW500, den soge­nann­ten „Gelenk­trieb­wa­gen” befah­ren. Nach der Ein­stel­lung der Linie wur­den drei Wagen zunächst betriebs­fä­hig gehal­ten, um näm­lich genau mit die­sen besag­ten U-​Bootverkehr wäh­rend der CeBIT durchzuführen.

TW503 auf der Linie 16 in der ehe­ma­li­gen Kehr­schleife Nacken­berg, 25. Sep­tem­ber 1996

Anders als die Stadt­bahn­wa­gen, die mit ihren Klappt­ritt­stu­fen sowohl an Hoch– als auch an Nied­rig­bahn­stei­gen hal­ten kön­nen, sind die alten Stra­ßen­bahn­wa­gen mit ihren fest ein­ge­bau­ten Tritt­stu­fen auf nied­rige Bahn­steige ange­wie­sen. Diese gab es 1997 noch an allen für den U-​Bootverkehr rele­van­ten Hal­te­stel­len — mit einer Aus­nahme: Mes­se­ge­lände. Dort war als letz­ter der Bahn­steig A im Som­mer 1996 als Hoch­bahn­steig umge­baut worden.

Und damit fügt die Geschichte sich end­lich zusam­men: Um mit den wegen des TW6000-​Mangels als U-​Boote ein­ge­setz­ten alten TW500-​Straßenbahnwagen am Mes­se­ge­lände hal­ten zu kön­nen, bedurfte es dort eines pro­vi­so­ri­schen nied­ri­gen Bahn­steigs. Und genau den baute man kurz vor der CeBIT direkt süd­lich des Bahn­steigs B.

Damit endet Teil 1 die­ser Geschichte rund um den CeBIT-​Verkehr ver­gan­ge­ner Tage. Teil 2 folgt.

Laatzens merkwürdigste Brücke — Alte Autobahnplanungen für die A30 und was von ihnen bleibt

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Laat­zens merk­wür­digste Brü­cke — Alte Auto­bahn­pla­nun­gen für die A30 und was von ihnen bleibt sowie alle im Arti­kel ent­hal­te­nen Gra­fi­ken und Fotos von Dirk Hill­brecht ste­hen unter einer Crea­tive Com­mons Namensnennung-​Weitergabe unter glei­chen Bedin­gun­gen 3.0 Deutsch­land Lizenz.
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Ich möchte heute mal eine neue Arti­kel­se­rie hier im Blog anfan­gen: Span­nende Ver­kehrs­bau­werke. Manch­mal trifft man auf ein Bau­werk, des­sen Sinn man sich nicht recht erklä­ren kann. Häu­fig sind dies Brü­cken, es kön­nen aber auch beson­ders breite Stra­ßen, im Nichts endende Abzwei­gun­gen oder irgend­wel­che ande­ren Ver­kehrs­bau­werke sein. Wenn ich so etwas sehe, ist immer meine Neu­gierde geweckt, denn häu­fig erzählt die Geschichte um so ein Bau­werk herum von frü­he­ren Zei­ten und von Pla­nun­gen und Ideen, die es einst gab und die dann aus irgend­wel­chen Grün­den nicht wei­ter ver­folgt wurden.

So auch hier.

Eine Brü­cke in Laatzen

Wenn man in Laat­zen süd­lich von Han­no­ver vom Park der Sinne in Rich­tung Hil­des­hei­mer Straße geht, befin­det man sich auf dem „Expo-​Weg”. Er kreuzt zunächst die Erich-​Panitz-​Straße auf einer geschwun­ge­nen Brü­cke, führt dann am Laat­zener Fest­platz vor­bei und schließ­lich auf den Bahn­damm der Eisen­bahn­stre­cken zwi­schen Laat­zen und Rethen zu. Unter die­sem wird er in einer Brü­cke hindurchgeführt.

Aber was für eine Brücke.

Blick auf die Brü­cke unter der Bahn­stre­cke von Osten.

Das Bau­werk ist offen­sicht­lich völ­lig über­di­men­sio­niert für die­sen klei­nen Fuß­gän­ger­weg. Im süd­li­chen Brü­cken­feld (im obi­gen Bild links) kann man zudem sehen, dass die Gelän­de­höhe des Ein­schnitts viel zu nied­rig für eine „nor­male” Straße ist. Im tie­fer aus­ge­ho­be­nen nörd­li­chen Brü­cken­feld ist der Weg von brei­ten Böschun­gen gesäumt, die die Durch­fahrts­breite stark ein­schrän­ken. Der Mit­tel­pfei­ler wie­derum scheint nur bis auf Höhe die­ser Böschun­gen voll­stän­dig aus­ge­führt, es ist aber anzu­neh­men, dass er tie­fer gegrün­det ist.

Pfei­ler in der Brückenmitte

Wieso steht hier mit­ten in Laat­zen eine sol­che Brü­cke in der Landschaft?

Die Eisen­bahn­stre­cke

Dre­hen wir die Zeit zurück in das Jahr 1973. In die­sem Jahr began­nen die Bau­ar­bei­ten an der Eisenbahn-​Schnellfahrstrecke Hannover-​Würzburg. Aller­dings war damals die Stre­cken­füh­rung süd­lich von Rethen noch nicht klar. Des­halb umfasste der erste Bau­ab­schnitt nur den Bereich Hannover-​Bismarckstraße bis Bahn­hof Rethen. Hier war der Aus­bau jedoch sehr umfang­reich: Bis­her befand sich hier eine ein­fa­che zwei­glei­sige Eisen­bahn­stre­cke, die nun auf vier Gleise ver­brei­tert wurde. Alte und neue Stre­cke wur­den dabei auf einem gemein­sa­men Ver­kehrs­weg inte­griert, sodass das ganze eigent­lich ein kom­plet­ter Neu­bau der gesam­ten Trasse war. Fer­tig gestellt wurde die­ser Abschnitt der Stre­cke Hannover-​Würzburg übri­gens bereits 1979, zwölf Jahre vor der Gesamtinbetriebnahme.

Das erklärt, wann diese Brü­cke ent­stan­den ist, aber noch nicht, warum.

Die Auto­bahn A30

Hier kommt nun eine andere Pla­nung jener Tage ins Spiel: Anfang der 1970er Jahre gab es auch sehr umfang­rei­che Pläne, das Auto­bahn­netz zu erwei­tern. Einer die­ser Pläne betraf die Auto­bahn A30: Sie führt heute von der nie­der­län­di­schen Grenze bis nach Bad Oeyn­hau­sen. Den Pla­nun­gen jener Tage zu Folge wäre sie von dort aus nach Osten wei­ter­ge­führt wor­den, und zwar etwa dem Ver­lauf der B65 fol­gend über Min­den, Stadt­ha­gen und Bad Nenn­dorf in den Süden Han­no­vers und von dort wei­ter nach Braun­schweig. Im Stadt­ge­biet von Han­no­ver hätte sich etwa fol­gende Tras­sie­rung ergeben:

A30-​Planung im Raum Hannover

  • Die Auto­bahn wäre im Wes­ten in einer Par­al­lel­lage zur B65 gebaut wor­den, hätte sich nord­west­lich von Ron­nen­berg von die­ser getrennt und wäre zwi­schen Ron­nen­berg und Empelde verlaufen.
  • An der Kreu­zung mit der B217 hätte es die Anschluss­stelle Wett­ber­gen gegeben
  • Die Auto­bahn­trasse hätte süd­lich an Devese vor­bei­ge­führt und die Trasse der heu­ti­gen B3 zwi­schen Hem­min­gen und Arnum gekreuzt. Dort oder an der Kreu­zung mit der eben­falls geplan­ten B3-​Ortsumgehung um Hem­min­gen und Arnum herum hätte es auch eine Anschluss­stelle gegeben.
  • Die Auto­bahn wäre dann bei Wil­ken­burg wei­ter durch das Leine-​Überflutungsgebiet geführt wor­den, hätte Laat­zen durch­quert und wäre ein Stück süd­lich der Krons­berg­kreu­zung (der heu­ti­gen B6-​Abfahrt „Messe-​Süd”) auf die Trasse der B6 getrof­fen, wo es das Auto­bahn­drei­eck Messe mit einer nur zu Mes­se­zei­ten geöff­ne­ten Anschluss­stelle Messe gege­ben hätte.

Bis hier­hin hatte man den Tras­sen­ver­lauf grob fest­ge­legt. In einem spä­te­ren Schritt sollte die Auto­bahn dann bis Braun­schweig füh­ren, wobei der heu­tige süd­li­che Teil der A37, der soge­nannte „Mes­se­stut­zen”, Teil der A30 gewor­den wäre (und die A37 im Zuge der heu­ti­gen B6 nach Hil­des­heim wei­ter­ge­führt hätte, aber das ist eine andere Geschichte…). Östlich davon sind die Pla­nun­gen aber nie so weit gedie­hen, dass auch nur der Stre­cken­ver­lauf genauer geklärt gewe­sen wäre.

Und das ist dann des Rät­sels Lösung, warum mit­ten in Laat­zen eine stra­ßen­lose Brü­cke unter der Eisen­bahn hin­durch­führt: Genau hier wäre nach die­sen Pla­nun­gen die Auto­bahn A30 ver­lau­fen! Direkt östlich der Unter­füh­rung wäre die Anschluss­stelle Laat­zen gewe­sen. Die „Ohren” der Abfahr­ten hät­ten dabei auf der Erich-​Panitz-​Straße geen­det, und zwar im Nor­den gegen­über der Ein­mün­dung Karls­ru­her Straße und im Süden in Höhe des Sankt-​Florian-​Wegs, der pas­sen­der­weise zur Feu­er­wehr führt, die hier in den 1990er Jah­ren gebaut wurde.

A30-​Planung in Laatzen

Die A30 hätte die Erich-​Panitz-​Straße genau in Höhe der heu­ti­gen Fuß­gän­ger­brü­cke zum Park der Sinne gekreuzt und die­ser Pla­nung wegen ist die Straße höchst­wahr­schein­lich an die­ser Stelle auch so tief gelegt: Die Auto­bahn hätte auf dem kur­zen Stück zwi­schen Eisen­bahn und Straße sonst nicht genü­gend Höhe für eine Brü­cke gewin­nen können.

Die Brü­cke und andere Vorleistungen

Die A30-​Planungen müs­sen Anfang/​Mitte der 1970er Jahre so aktu­ell gewe­sen sein, dass man an die­ser Stelle umfang­rei­che Vor­leis­tun­gen erbracht hat: Nicht nur die Brü­cke unter der Eisen­bahn, auch die Ein­mün­dung der Karls­ru­her Straße in die Erich-​Panitz-​Straße ist sehr groß­zü­gig tras­siert. Und als Kind habe ich mich immer sehr über die bereits voll­stän­dig vor­be­rei­tete Ein­mün­dung der süd­li­chen Auf­fahrt in die damals noch Haupt­straße genannte Magis­trale in die Laat­zener Neu­bau­ge­biete gewun­dert — sie endete nach weni­gen Metern im Wall west­lich der Straße. Beim Bau des Sankt-​Florian-​Wegs wurde die­ser Bereich voll­stän­dig umge­stal­tet und ist heute so nicht mehr erhalten.

Blick über die Auto­bahn­trasse östlich der Bahn­brü­cke. Im Hin­ter­grund die Fuß­gän­ger­brü­cke über die Erich-​Panitz-​Straße. Dort wäre auch die Auto­bahn ent­lang gelaufen

Auch andere Teile der Pla­nung erschei­nen aus heu­ti­ger Sicht wun­der­sam: Die Brü­cke ist kaum breit genug für eine vier­strei­fige Auto­bahn mit Beschleu­ni­gungs– und Brems­strei­fen für die Auf­fahrt und zusätz­li­cher Stand­spur, wie das heute üblich ist. Ange­sichts des knap­pen Plat­zes für die Auf­fahrt hätte diese aber auf jeden Fall unter der Eisen­bahn hin­weg­rei­chen müssen.

Blick von der Gras­dor­fer Seite auf die Brü­cke. Das Haus links wäre wohl nicht ste­hen geblieben.

Die Orts­durch­fahrt Gras­dorf im Zuge der Hil­des­hei­mer Straße wäre zudem rigo­ros durch­schnit­ten wor­den und eine ganze Reihe von Häu­sern hätte abge­ris­sen wer­den müs­sen. Zwar ist an die­ser Stelle in der Tat der Bebau­ungs­strei­fen in ganz Laat­zen am schmals­ten, die Schnell­straße hätte aber direkt neben dem Laat­zener Bad einer­seits und dem Agnes-​Karll-​Krankenhaus ande­rer­seits gelegen.

Blick von der Brü­cke Rich­tung Wes­ten. Die Hil­des­hei­mer Straße hätte gequert, die Bebau­ung ent­fernt wer­den müs­sen. Aller­dings beginnt unmit­tel­bar hin­ter den Häu­sern an der Hil­des­hei­mer Straße freies Feld.

Die A30-​Planungen sind östlich von Bad Oeyn­hau­sen mitt­ler­weile voll­stän­dig auf­ge­ge­ben, die Auto­bahn wird also nie kom­men. Aus heu­ti­ger Sicht wäre das auch des­halb völ­lig sinn­los, weil mit der A2 bereits eine her­vor­ra­gend aus­ge­baute Auto­bahn zwi­schen Bad Oeyn­hau­sen und Braun­schweig exis­tiert und die A30 sich nie wei­ter als 20 km von die­ser ent­fernt hätte. Bevor man nun aber den dama­li­gen Pla­nern Unfä­hig­keit unter­stellt, sollte man sich vor Augen füh­ren, dass in den 1960er Jah­ren die A2 noch auf dem Aus­bau­stand von 1939 war. Da machte es durch­aus Sinn, eine sol­che Ent­las­tungs­stre­cke zu pro­jek­tie­ren. Ich ver­mute ja, dass die Grund­satz­ent­schei­dung zum sechs­strei­fi­gen A2-​Ausbau gleich­zei­tig das Aus für die A30 bedeutete.

Es war also nur ein rela­tiv kur­zes Zeit­fens­ter, in dem die Pla­nun­gen so kon­kret waren, dass bereits Vor­leis­tun­gen erbracht wur­den. Genau in die­sen Zeit­raum sind die Neu– und Umbau­ten im nörd­li­chen Laat­zen gefal­len, sodass wir hier so eine Art „Phantom-​Autobahnabfahrt” einer Phan­tom­au­to­bahn haben.

Die Brü­cke von Wes­ten. Hät­ten hier drei Fahr­spu­ren pro Rich­tung plus Stand­strei­fen durchgepasst?

Even­tu­ell — aber das ist jetzt end­gül­tig pure Spe­ku­la­tion — hätte die Abfahrt Laat­zen sich letzt­lich als nicht rea­li­sier­bar her­aus­stel­len kön­nen — sei es wegen der Brü­cken­breite, sei es wegen der Nähe zum Kno­ten mit der B6/​A37. Die A30-​Planungen sind wohl nie über das Sta­dium einer grund­sätz­li­chen Idee wie die Trasse lau­fen könnte hin­aus­ge­kom­men. Eine tat­säch­li­che Raum­ord­nung oder gar eine Vor­be­rei­tung der Plan­fest­stel­lung haben nie statt­ge­fun­den. Es würde mich sehr inter­es­sie­ren, wie genau die Trasse im Bereich Laat­zen wirk­lich geplant wurde. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein „vor­be­rei­te­tes” Bau­vor­ha­ben letzt­lich an irgend­wel­chen Feh­lern schei­tert und die durch­ge­führ­ten Bau­vor­leis­tun­gen sich selbst bei einer Umset­zung der ursprüng­li­chen Idee als nicht nutz­bar her­aus­stel­len. Der ein­zige Vor­teil war dann, dass wenigs­tens beim Bau zusätz­li­che Geld­töpfe ange­zapft wer­den konnten.

Blick von Osten auf die Brü­cke. Hier wäre die Auto­bahn ent­lang gelaufen.

Fazit

Die Brü­cke jeden­falls wird blei­ben. Sie kürzt den Fuß­weg aus Gras­dorf zum Laat­zener Fest­platz erheb­lich ab. Ihre 35 Jahre sieht man ihr — äußer­lich jeden­falls — nicht an. Irgend­wann, wenn der Zahn der Zeit allzu stark an ihr genagt hat, wird man sie sicher­lich zurück­bauen oder gar ganz schlie­ßen. Bis dahin ist sie aber ein ste­ter Hin­weis auf eine Auto­bahn, die nie gebaut wurde.

Regionsverband Hannover der Piratenpartei gegründet

Am Frei­tag, 2010-​01-​29, um 20:41 Uhr war es soweit: Ein­stim­mig haben die anwe­sen­den Pira­ten in der Grün­dungs­ver­samm­lung die Grün­dung des Regi­ons­ver­bands Han­no­ver beschlos­sen. Ein paar kleine Ände­run­gen am Sat­zungs­ent­wurf gab es noch, aber genauso wie die gesamte Ver­samm­lung war er im Vor­feld schon so gut vor­be­rei­tet und intern dis­ku­tiert wor­den, dass wir zügig, geord­net und kon­struk­tiv vor­an­ge­kom­men sind. Auch die anschlie­ßende Vor­stands­wahl klappte rei­bungs­los, sodass wir um kurz nach 22:30 Uhr den Vor­stand kom­plett hatten:

Vor­stand des Regi­ons­ver­ban­des Han­no­ver der Pira­ten­par­tei, v.l.n.r.: Ronny Pase­mann, Jür­gen Jung­hä­nel, Patrick Ziemke, Kai Orak, Kai Hal­ler, Mau­rice „Momo” Wes­sel, Foto: Arne Böttger

  • Mit Jür­gen Jung­hä­nel hat der Regi­ons­ver­band Han­no­ver einen Vor­sit­zen­den, der so gar nicht in das „Nerd-​Bild” passt, dass der Par­tei häu­fig von außen nach­ge­sagt wird: 64 Jahre alt, Rent­ner und seit Mitte 2009 äußerst enga­giert im Wahl­kampf, spä­ter in den Dis­kus­sio­nen am Stamm­tisch und auch in den Online­me­dien der Partei.
  • Ganz anders sein Stell­ver­tre­ter: Patrick Ziemke ist gerade mal 21 Jahre alt, noch in der Aus­bil­dung, war aber schon Vor­sit­zen­der des Lan­des­schü­ler­ra­tes Niedersachsen.
  • Rela­tiv spon­tan kan­di­diert hat Ronny Pase­mann als Schatz­meis­ter — und ist dann auch prompt gewählt worden.
  • Auch unsere drei Bei­sit­zer Kai Hal­ler, Mau­rice Wes­sel und Kai Orak sind bereits seit vie­len Mona­ten in der Region Han­no­ver aktiv.

Für mich, der ich am Frei­tag die Ver­samm­lung gelei­tet habe, war es eine außer­or­dent­lich ange­nehme Erfah­rung: „Sieh’ an”, habe ich mir gedacht, „es geht doch!” Keine klein-​nickeligen Dis­kus­sio­nen, kein Rum­ge­zi­cke, kein Dis­pu­tie­ren um des Kai­sers Bart. Wir haben in einer aus­ge­spro­chen grad­li­ni­gen Ver­an­stal­tung den Ver­band gegrün­det — und hat­ten auch noch Spaß dabei!

Ich halte die Grün­dung des Regi­ons­ver­bands Han­no­ver für einen sehr sinn­vol­len und gera­dezu zwin­gen­den Schritt in der Ent­wick­lung der Par­tei: Schon die schie­ren Zah­len zei­gen die atem­be­rau­bende Ent­wick­lung: 180 Mit­glie­der hat die Pira­ten­par­tei mitt­ler­weile in der Region Han­no­ver — das ist etwa drei­mal so viel, wie es in ganz Nie­der­sach­sen zum Zeit­punkt der Lan­des­ver­bands­grün­dung im Som­mer 2007 gege­ben hat. Und es sind aktive Mit­glie­der: 39 waren ges­tern zur Grün­dung anwe­send, das sind mehr als 20%. Etwa genau­so­viele haben sich an einem spon­tan durch­ge­führ­ten Mei­nungs­bild betei­ligt, zu dem nur per E-​Mail und Mai­ling­lis­ten auf­ge­ru­fen wor­den war. Ich halte es für extrem sinn­voll, dass diese Mit­glie­der jetzt eine ver­fasste Ver­tre­tung haben. Ein „offi­zi­el­ler” Regi­ons­ver­band hat viel mehr Mög­lich­kei­ten als die bis­her allein exis­tie­ren­den „Stamm­ti­sche”: Er kann die loka­len Mit­glie­der gezielt anspre­chen, Aktio­nen koor­di­nie­ren, mit ande­ren poli­ti­schen Grup­pen vor Ort in Kon­takt tre­ten. Vor allem aber kann er auch dem Lan­des­vor­stand zuar­bei­ten und ihn ent­las­ten. Bis­lang muss­ten für alle Ver­wal­tungs­auf­ga­ben in der Region immer Lan­des­vor­stände hin­zu­ge­zo­gen wer­den. Jetzt kann zumin­dest ein Teil der Arbeit vor Ort erle­digt wer­den. Damit wirkt ein Regio­nal­ver­band eben auch für die Lan­des­ebene (und mit­tel­bar sogar für den Bund) über­aus posi­tiv. Das wiegt mei­nes Erach­tens auch das Argu­ment auf, ein Regi­ons­ver­band schaffe zusätz­li­che über­flüs­sige Büro­kra­tie. Die haben wir sowieso und je mehr Schul­tern sie tra­gen, desto besser.

Dann und wann ist es schon rela­tiv anstren­gend, sich in der Pira­ten­par­tei zu enga­gie­ren. Gerade letz­tens habe ich mich dies­be­züg­lich eini­ger­ma­ßen frus­triert geäu­ßert und auch anderswo im Inter­net fin­den sich hier und da fra­gende Arti­kel. Sol­che Ver­an­stal­tun­gen wie ges­tern sind da das große Gegen­ge­wicht: Wenn wir so wei­ter­ma­chen, dann wird das hier ste­tig und erfolg­reich voran gehen! Die Pira­ten­par­tei durch­lebt gerade — teil­weise sehr mas­sive — Wachs­tums­schmer­zen. Das ist eigent­lich nicht ver­wun­der­lich: Von gut 900 auf knapp 12.000 Mit­glie­der in nur zwölf Mona­ten, das muss hier und da zu Ver­wer­fun­gen füh­ren. All­ge­mein denke ich, dass die Grün­dung von Struk­tu­ren unter­halb der Lan­des­ver­bände jetzt genau der rich­tige Weg ist, die Par­tei inner­lich zu fes­ti­gen und nach außen schlag­kräf­tig zu machen: Mit Kreis– und Regi­ons­ver­bän­den kommt zum einen eine kom­mu­nal­po­li­ti­sche Kom­po­nente in die Par­tei, die für einen dau­er­haf­ten poli­ti­schen Erfolg unver­zicht­bar ist. Und zum ande­ren schlie­ßen sie eine Lücke zwi­schen den Vor­stän­den und der „Basis”, die allein auf Grund der Mit­glieds­zah­len in den Lan­des­ver­bän­den rie­sen­groß gewor­den ist und in der Ver­gan­gen­heit schon einige Male zu Miss­ver­ständ­nis­sen, Frust und bösem Blut geführt hat. Ein Vor­stand auf regio­na­ler Ebene ist jetzt wie­der so nah an den Mit­glie­dern wie in sei­ner Anfangs­zeit der Lan­des­vor­stand — viel­leicht sogar wegen des loka­len Bezugs noch näher. Ande­rer­seits kann er die Kom­mu­ni­ka­tion zum und vom Lan­des­vor­stand ein wenig koor­di­nie­ren und auf­be­rei­ten. Ich bin mir sehr sicher, dass dies der par­tei­in­ter­nen Stim­mung sehr gut tun wird. Aller­dings war die in Han­no­ver auch nie nach­hal­tig vergiftet.

Dass es jetzt den Regi­ons­ver­band gibt, heißt natür­lich nicht, dass die Stamm­ti­sche auf­hö­ren. Ganz im Gegen­teil wer­den wir uns auch wei­ter­hin jeden Frei­tag in Han­no­ver im Zwi­schen­zeit tref­fen, über Poli­tik reden, Aktio­nen pla­nen und die Pira­ten vor­an­brin­gen. Wie bis­her sind Gäste höchst will­kom­men. Und wer weiß — viel­leicht eta­blie­ren sich ja in abseh­ba­rer Zeit wei­tere Stamm­ti­sche im Umland. Es ist jetzt noch gut ein Jahr bis zu den Kom­mu­nal­wah­len — man kann eigent­lich nicht früh genug mit den Vor­be­rei­tun­gen anfangen.

Nach­trag, Dezem­ber 2010: Mitt­ler­weile fin­den die Stamm­ti­sche in Han­no­ver immer am Don­ners­tag in der „Han­dels­börse” am Kla­ges­markt statt.