Referenten auf der Bühne: Wolfgang Müller Pietralla, Dirk Hillbrecht, Rebekka Jakob, Ingo Kollosche, Christine Rettig

Wie bewegen wir uns morgen? Bericht von der Diskussionsveranstaltung des Bürgerbüros Stadtentwicklung


Am Frei­tag (2020 – 01-24) war ich auf einer inter­es­san­ten Ver­an­stal­tung: Das Bür­ger­bü­ro Stadt­ent­wick­lung hat­te ein­ge­la­den unter dem Mot­to „Zukunft Stadt – Wie bewe­gen wir uns mor­gen?” Das The­ma Ver­kehrs­wen­de ist ja momen­tan durch­aus prä­sent in der öffent­li­chen Dis­kus­si­on; vor dem Hin­ter­grund von Kli­ma­kri­se und dem Vor­ha­ben des neu­en Ober­bür­ger­meis­ters, Han­no­vers Innen­stadt bis 2030 auto­frei umzu­ge­stal­ten, wird sich so schnell da auch nichts dran ändern.

Eigent­lich hat­te ich vor, zu der Ver­an­stal­tung zu gehen, mit­zu­schrei­ben und Fotos zu machen und dann die­sen Blog­ar­ti­kel zu ver­fas­sen. Dann kam es aber anders: Eine Panel­teil­neh­me­rin muss­te krank­heits­be­dingt absa­gen und so kam es, dass ich etwa 60 Minu­ten vor Ver­an­stal­tungs­be­ginn gefragt wur­de, ob ich als Ver­tre­ter des ADFC kurz­fris­tig ein­sprin­gen kann. So fand ich mich plötz­lich nicht als Besu­cher, son­dern als Refe­rent wie­der, der expli­zit die Rol­le des Rad­ver­kehrs dar­stel­len konn­te – und woll­te! Die Stich­punk­te für mei­nen Impuls­vor­trag habe ich dann in acht Minu­ten auf­ge­schrie­ben.

Zum Einstieg: Diskussion im Publikum

Dass der Rad­ver­kehr tat­säch­lich ein wich­ti­ger Bau­stein ist, wur­de mir schon im ers­ten Teil der Ver­an­stal­tung klar. Die BBS-Ver­an­stal­tun­gen zeich­nen sich oft durch eine weit gehen­de Publi­kums­be­tei­li­gung aus. So auch hier: Noch bevor es zu den Impuls­vor­trä­gen kam, sam­mel­te das Publi­kum erst­mal in acht- bis zehn­köp­fi­gen Dis­kus­si­ons­zir­keln, wo es selbst die Knack­punk­te für die Mobi­li­tät der Zukunft sieht. In „mei­ner” Grup­pe hat­te der Mode­ra­tor auf Grund der State­ments der „ers­ten Run­de” die The­men „Ein­bin­dung der Regi­on” und „Orga­ni­sa­ti­on des inner­städ­ti­schen Park­raums” als wich­tigs­te The­men aus­ge­macht. In der Dis­kus­si­on dar­über lan­de­ten dann aber alle Grup­pen­mit­glie­der wie­der und wie­der beim Rad­ver­kehr: Mehr Platz fürs Rad führt zu weni­ger Kon­flik­ten mit dem Fuß­ver­kehr, es braucht viel mehr Abstell­mög­lich­kei­ten, ins­ge­samt muss die Ver­kehrs­füh­rung neu über­dacht wer­den – das waren die zen­tra­len Punk­te die­ser Dis­kus­si­on.

Diskussionsrunden im Publikum

Dis­kus­si­ons­run­den im Publi­kum

Erst nach die­ser ers­ten Run­de kamen dann die Impuls­vor­trä­ge der ein­ge­la­de­nen Refe­ren­ten. Und die waren durch­aus span­nend, setz­ten teil­wei­se aber erwart­ba­re Schwer­punk­te.

Die VW-Zukunftsforschung: Wolfgang Müller Pietralla

Vor allem beim ers­ten Refe­ren­ten fand ich das deut­lich. _Wolf­gang Mül­ler Pie­tral­la_ ist Lei­ter der Zukunfts­for­schung von VW. VW ver­kauft Autos. Und selbst, wenn man die­ser Zukunfts­for­schung mal einen über den pri­mä­ren Geschäfts­zweck von VW hin­aus gehen­den Ansatz unter­stellt, bleibt es am Ende des Tages doch ein Teil eines Kon­zerns, für den „Mobi­li­tät” und „Kfz-Mobi­li­tät” einen – nun­ja – sehr hohen Deckungs­grad haben…

Ent­spre­chend dreh­ten sich die – durch­aus inter­es­san­ten – Zukunft­ide­en, die Mül­ler Pie­tral­la vor­stell­te, vor­nehm­lich dar­um, wie sich Autos ver­än­dern wer­den. VW hat E‑Mobilität zur Schlüs­sel­tech­no­lo­gie erklärt und inso­fern forscht auch die Zukunfts­for­schung in die­se Rich­tung. Dazu gehö­ren für die VW-Zukunfts­for­schung dann auch Lade­ro­bo­ter, die wie wei­land Wall·E mit treu­em Blick durch die Park­häu­ser huschen und abge­stell­te E‑Mobile auf­la­den.

Mobi­li­tät als Ser­vice ist für Mül­ler Pie­tral­la eine Ent­wick­lung, die sich durch die jetzt groß wer­den­de „Genera­ti­on Nach­hal­tig­keit” zwang­läu­fig ergibt. Gesell­schaft und öffent­li­cher Raum wer­den sich ändern müs­sen – aber sofort hat­te er auch Bei­spie­le aus Zürich und Abu Dha­bi an der Hand, bei denen auto­frei geplan­ter öffent­li­cher Raum gesell­schaft­lich nicht durch­setz­bar gewe­sen sei. Er hat dann noch Unter­su­chun­gen zitiert, nach denen in Ber­lin bis 2030 kei­ne Ver­än­de­rung in der Ver­tei­lung der Ver­kehrs­mit­tel (dem soge­nann­ten „Modal Split”) zu erwar­ten sei und dass in Tokio die Mehr­heit der Men­schen sogar weni­ger ÖPNV nut­zen wol­le – was ange­sichts der dor­ti­gen Über­fül­lung aber auch kein Wun­der ist. Ein Schelm, wer bei die­sen Bei­spie­len Böses denkt. Lei­der hat Mül­ler Pie­tral­la kei­ne Kopi­en sei­ner Prä­sen­ta­ti­on zuge­las­sen und im Inter­net waren sei­ne Zah­len auch nicht zu fin­den. So muss das eine oder ande­re einst­wei­len unge­prüft blei­ben.

Mein Fazit: Gut zu wis­sen, wie gro­ße Auto­mo­bil­kon­zer­ne so ticken. Aber: Das war weder visio­när noch hilf­reich für Han­no­ver.

Der ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt: Christine Rettig

Das­sel­be Fazit muss ich auch für die zwei­te Refe­ren­tin, Chris­ti­ne Ret­tig, zie­hen. Frau Ret­tig ist die Lei­te­rin Öffent­lich­keits­ar­beit und Club­diens­te im ADAC Nie­der­sach­sen/­Sach­sen-Anhalt. Ich habe Frau Ret­tig schon mehr­fach bei ver­schie­de­nen Ver­an­stal­tun­gen erlebt und sehe immer wie­der das glei­che Mus­ter. Sie unter­stellt zunächst eine „emo­tio­na­le und auf­ge­heiz­te” Dis­kus­si­on, fin­det das nicht hilf­reich, behaup­tet dann aber kei­ne drei Minu­ten spä­ter selbst, Auto­fah­rer wür­de als „Hass­geg­ner” gese­hen – „gera­de in Han­no­ver”. Das ist so ein biss­chen wie wenn Bild sich über Gaf­fer beschwert und gleich­zei­tig zur Ein­sen­dung von Han­dy­vi­de­os auf­for­dert.

Christine Rettig

Chris­ti­ne Ret­tig

Und dann kommt immer die Behaup­tung, „alle” müss­ten sich dar­an betei­li­gen, wenn sich an den Ver­hält­nis­sen etwas ändern sol­le, jeder muss sich „selbst an die Nase fas­sen”. Bevor sich aber über­haupt irgend­et­was ändert, brau­che man ein „Gesamt­kon­zept”. Das hält Frau Ret­tig aller­dings kei­nes­falls davon ab, am – durch­aus als Gesamt­kon­zept zu ver­ste­hen­den – Pro­jekt „auto­freie Innen­stadt” zu kri­ti­sie­ren, dass es nicht kon­kret genug sei. Abge­run­det wird das State­ment mit hin­ge­wor­fe­nen Behaup­tun­gen, „Ams­ter­dam und Kopen­ha­gen” sei­en zwar gut, aber „es geht um die Rea­li­tät hier” – was auch immer das hei­ßen soll. Und natür­lich darf auch das arme Schul­kind nicht feh­len, das ja irgend­wie zu sei­ner „5 Kilo­me­ter ent­fern­ten” Schu­le muss…

Ins­ge­samt hat die­ser Wort­bei­trag so gar kei­nen Impuls dafür gelie­fert, wie wir uns mor­gen bewe­gen – außer „so wie immer”. Nach­dem sogar im ADAC auf Bun­des­ebe­ne seit neus­tem die Beton­kopf­frak­ti­on auf dem Rück­zug zu sein scheint, müss­te eigent­lich auch beim ADAC Nie­der­sach­sen/­Sach­sen-Anhalt so lang­sam mal die Fra­ge auf die Tages­ord­nung, ob man auf die­se Wei­se von außen wahr­ge­nom­men wer­den will. Auch unter den vie­len Mit­glie­dern wer­den etli­che sein, die für ihr Geld mehr sehen wol­len als Ver­kehr­kon­zep­te von 1965…

Institut für Zukunftsstudien: Ingo Kollosche

Der drit­te Refe­rent, Ingo Kol­lo­sche, For­schungs­lei­ter Mobi­li­tät im Insti­tut für Zukunfts­stu­di­en und Tech­no­lo­gie­be­wer­tung, brach­te dann erfreu­lich neue Aspek­te in die Dis­kus­si­on. Man müs­se eben auch die sozia­le Kom­po­nen­te von Mobi­li­tät berück­sich­ti­gen. Da ist zunächst mal die Dis­kre­panz zwi­schen der gesell­schaft­lich dis­ku­tier­ten Ver­kehrs­wen­de weg vom Auto und den regel­mä­ßig stei­gen­den Kfz-Zulas­sungs­zah­len. Ansons­ten wird über Ver­kehr in der Haupt­sa­che tech­nisch (E‑Mobilität) oder öko­no­misch (Arbeits­plät­ze in der Auto­in­dus­trie) dis­ku­tiert, aber eben nicht sozi­al.

Ingo Kollosche

Ingo Kol­lo­sche

Und da liegt eini­ges im Argen: Die ent­ste­hen­de Mobi­li­täts-Ser­vice-Öko­no­mie ist wei­test­ge­hend pri­vat­wirt­schaft­lich struk­tu­riert. Mobi­li­tät gehört aber zur Daseins­vor­sor­ge und wur­de bis­lang auf kom­mu­na­ler Ebe­ne durch den öffent­li­chen Bus- und Bahn­ver­kehr gewähr­leis­tet. E‑Roller oder Fahrt­diens­te wie Moia neh­men dem ÖPNV Markt­an­tei­le weg, ohne dass sie auf die­sel­be Wei­se „sozi­al inklu­siv” sind – sie sind zu teu­er oder wer­den in dünn besie­del­ten Gebie­ten schlicht nicht ange­bo­ten.

Kol­lo­sches Bei­spiel aus Hel­sin­ki zeig­te, wohin die pro­ble­ma­ti­sche Rei­se gehen könn­te: VIM, der dor­ti­ge Anbie­ter von „Mobi­li­ty as a Ser­vice” ver­knüpft zwar vie­le Ver­kehrs­dienst­leis­ter, eig­net sich aber bei­spiels­wei­se für Pend­ler vom Stadt­rand nicht. Zudem sind die Tari­fe ent­we­der kom­pli­ziert oder – als Flat­rate – mit 500 EUR/Monat exor­bi­tant teu­er.

Und Berl­kö­nig – ein ähn­li­ches Pro­jekt in Ber­lin – ist zwar in öffent­li­cher Hand und hat ein grö­ße­res Bedien­ge­biet. Im Hin­ter­grund ist es aber eben­so eine Platt­form­öko­no­mie, bei der letzt­lich die Ein­nah­men für die Kom­mu­ne deut­lich gerin­ger sind als bei „klas­si­schem” steu­er­fi­nan­zier­ten ÖPNV.

Einen Sei­ten­hieb auf euro­päi­sche Ansprü­che auf die Tech­no­lo­gie­füh­rer­schaft konn­te Kol­lo­sche sich nicht ver­knei­fen: Chi­na ist heu­te schon wei­ter und schnel­ler. Und auch bei ihm The­ma: Die mit der digi­ta­len Infra­struk­tur groß gewor­de­nen Genera­tio­nen sind viel mehr an das Zah­len pro Nut­zung und an fle­xi­ble Sharing-Ange­bo­te gewöhnt als die frü­he­ren Genera­tio­nen. Trotz­dem wird das Auto noch eine Wei­le ein sehr wich­ti­ger Ver­kehrs­trä­ger blei­ben – ist es doch die trei­ben­de Kraft hin­ter der heu­ti­gen sehr indi­vi­dua­lis­tisch gepräg­ten gesell­schaft­li­chen Rea­li­tät.

Die Über­le­gun­gen Kol­lo­sches waren für mich das High­light des Abends. Das waren tat­säch­lich mal Über­le­gun­gen, die über den Tel­ler­rand der immer glei­chen ver­kehrs­tech­ni­schen Dis­kus­sio­nen zum The­ma „Ver­kehrs­wen­de” hin­aus­reich­ten.

Der ADFC Hannover: Dirk Hillbrecht

Ich habe in mei­nem eige­nen Impuls­vor­trag dar­auf Bezug genom­men. In der Tat ist das Fahr­rad aus sich selbst her­aus ein sozi­al sehr inklu­si­ves Ver­kehrs­mit­tel: Men­schen jeden Alters kön­nen sich damit indi­vi­du­ell auf einem Groß­teil der Stre­cken ihres täg­li­chen Mobi­li­täts­be­darfs fort­be­we­gen – ohne Vor­be­din­gun­gen.

Dirk Hillbrecht

Dirk Hill­brecht

Dar­auf auf­bau­end habe ich mich inhalt­lich klar posi­tio­niert: Ich hal­te das Fahr­rad für das Schlüs­sel-Ver­kehrs­mit­tel zur Ver­kehrs­wen­de, ins­be­son­de­re in den Städ­ten. Es braucht wenig Platz, wenig Resour­cen und ist sehr fle­xi­bel. Zudem hat es Poten­ti­al: Eine Stu­die des Port­land Bureau of Trans­por­ta­ti­on sieht 60% der Bevöl­ke­rung (von Port­land, aber das Ergeb­nis ist über­trag­bar) als „inter­es­siert, aber besorgt”. Die­se Men­schen wür­den Rad fah­ren, trau­en sich aber nicht – aus Sicher­heits­be­den­ken. Dem muss man durch bes­se­re Infra­struk­tur abhel­fen und für die braucht es Resour­cen – vor allem Platz.

Die­sen Platz wie­der, so der letz­te Schritt mei­nes Ein­stiegs­plä­doy­ers, muss vom Auto­ver­kehr kom­men, der hier seit Jahr­zehn­ten über­mä­ßig viel Resour­cen für sich bean­sprucht. Das ist genau das Gegen­teil der „Alle müs­sen ihren Teil beitragen”-Forderung von Frau Ret­tig vom ADAC – und das ist mir auch wich­tig.

Die Fishbowl-Diskussion

Nach­dem die vier Impuls­re­fe­ra­te durch waren, haben sich im Publi­kum wie­der die Dis­kus­si­ons­grup­pen zusam­men­ge­fun­den: „Erar­bei­tet Fra­gen, die ihr den Refe­ren­ten stel­len wollt”, war die Auf­for­de­rung von Oli­ver Kuklin­ski und Rebek­ka Jakob, die sou­ve­rän durch den Abend führ­ten.

Rebekka Jakob, Oliver Kuklinski

Rebek­ka Jakob, Oli­ver Kuklin­ski

Referenten auf der Bühne: Wolfgang Müller Pietralla, Dirk Hillbrecht, Rebekka Jakob, Ingo Kollosche, Christine Rettig

Refe­ren­ten auf der Büh­ne: Wolf­gang Mül­ler Pie­tral­la, Dirk Hill­brecht, Rebek­ka Jakob, Ingo Kol­lo­sche, Chris­ti­ne Ret­tig

Die Dis­kus­si­on um die­se Fra­gen lief dann in einem leicht ange­pass­ten „Fishbowl”-Diskussionsformat ab: Einer der Stüh­le auf der Büh­ne war leer und wur­de immer von einem der Dis­kus­si­ons­kreis-Spre­cher aus dem Publi­kum besetzt, die ihren Rede­bei­trag von dort hiel­ten.

Eine wich­ti­ge auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge war hier, wie eine geän­der­te Mobi­li­tät zur Ein­hal­tung der Pari­ser Kli­ma­zie­le bei­tra­gen kön­ne. „Allein gar nicht”, kon­sta­tier­te Ingo Kol­lo­sche, es brau­che viel­mehr einen kom­plett geän­der­ten Lebens­stil und „rich­tig radi­ka­le Ein­schnit­te”. Etwas dys­tro­pisch füg­te er an, in Dis­kus­sio­nen mit sei­nen Stu­den­ten wür­de er immer wie­der in einem „Öko­dik­ta­tur­sze­na­rio” lan­den.

Dem woll­te ich mich aus­drück­lich nicht anschlie­ßen. Poli­tik muss halt gestal­ten und mutig vor­an­ge­hen. Dazu brau­che es Rück­halt aus der Gesell­schaft. Gera­de die posi­ti­ven Bei­spie­le aus Zürich, Kopen­ha­gen oder den Nie­der­lan­den kom­men ja aus Gesell­schaf­ten, die defi­ni­tiv nicht auto­ri­tär auf­ge­stellt sind. Es geht also!

Auf die Fra­ge, wie man wohl Men­schen dazu bräch­te, Alter­na­ti­ven zu ihrer momen­ta­nen Mobi­li­tät in Erwä­gung zu zie­hen, wuss­te Kol­lo­sche den Vor­schlag: Ver­än­de­run­gen ein­fach mal ein hal­bes Jahr aus­pro­bie­ren! Es gibt diver­se Bei­spie­le von Fäl­len, bei denen Anlie­ger, Händ­ler oder Lie­fe­ran­ten laut­stark befürch­te­ten, dass eine Stra­ßen­sper­rung in Cha­os führ­te – nur um sie nach einem hal­ben Jahr um kei­nen Preis mehr her­ge­ben zu wol­len. Es braucht einer­seits Zeit und ande­rer­seits gute Pla­nung, dann las­sen sich Alter­na­ti­ven zur heu­ti­gen Auf­tei­lung des öffent­li­chen Rau­mes ein­rich­ten und erhal­ten.

Einen klei­nen Schwer­punkt bil­de­te das The­ma „Par­ken”. In Han­no­ver ist die Ein­füh­rung von flä­chen­de­cken­dem Anwoh­ner­par­ken in den „Grün­der­zeit­vier­teln” geplant. Abwie­geln sei­tens der „auto­na­hen” Ver­tre­ter: Die Ein­rich­tung von zen­tra­len Park­räu­men in Wohn­vier­teln sieht Mül­ler Pie­tral­la kri­tisch: „Die Men­schen lau­fen im Durch­schnitt nicht mehr als 300 Meter” zum Park­platz, ansons­ten wird „krea­tiv” geparkt. – Ein paar mal Abschlep­pen und ent­spre­chen­de Kos­ten dürf­ten, so mei­ne Über­le­gung dazu, die­sen Radi­us deut­lich erhö­hen…

Eben­so bemer­kens­wert Frau Ret­tig: Lee­re Flä­chen müss­ten „anders” genutzt und für den ruhen­den Ver­kehr zugäng­lich gemacht wer­den. Das läuft dann, so mein Ein­druck, dar­auf hin­aus, dass es statt einer Platz­neu­ver­tei­lung zu Las­ten des Kfz-Ver­kehrs am Ende mehr Park­raum gäbe. Und das kann es ja irgend­wie nicht sein.

Fazit

Es war eine mun­te­re Dis­kus­si­on, die abge­se­hen von einem ein­zel­nen unan­ge­neh­men Zwi­schen­ruf aus dem Publi­kum stets sach­lich geblie­ben ist. Im Vor­feld hat­te die Ent­schei­dung, aus­ge­rech­net Ver­tre­ter von VW und ADAC zu einer Dis­kus­si­on um die Zukunft der Mobi­li­tät ein­zu­la­den, hier und da für Stirn­run­zeln gesorgt. Ich fin­de das völ­lig legi­tim und auch wich­tig, mit die­sen Akteu­ren zu dis­ku­tie­ren anstatt über sie. Aller­dings: Inhalt­li­che Impul­se konn­ten mei­nes Erach­tens weder Mül­ler Pie­tral­la noch Ret­tig set­zen. Das blieb, wie oben schon beschrie­ben, vor allem Ingo Kol­lo­sche vor­be­hal­ten, der einen unab­hän­gi­gen Blick auf das Gesche­hen hat.

Wich­tig aber vor allem auch: Der Saal war bre­chend voll und die Men­schen sind größ­ten­teils bis zum Ende der Ver­an­stal­tung da geblie­ben. Die The­men Ver­kehr, Flä­chen- und Resour­cen­ge­rech­tig­keit und gene­rell die Zukunft von Mobi­li­tät inter­es­siert die Men­schen nach wie vor. Das fin­de ich ermu­ti­gend, denn es gibt in Han­no­ver zwar mitt­ler­wei­le vie­le Kräf­te, die hier vor­an­kom­men und die Ver­hält­nis­se durch­grei­fend ändern wol­len – aber halt auch noch vie­le Kräf­te, die dies ent­we­der nicht mit­tra­gen oder sogar aktiv zu ver­hin­dern suchen. Es bleibt also span­nend.

Vertreter von Parents For Future im Publikum mit Plakaten

Ver­tre­ter von Par­ents For Future im Publi­kum mit Pla­ka­ten

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