VeloCityNight am 2013-06-15 – Wenn das Fahrrad Vorfahrt hat 1


Man stel­le sich mal vor: In einer gro­ßen Grup­pe mit dem Fahr­rad mit­ten auf den Haupt­stra­ßen Han­no­vers fah­ren, Ampeln igno­rie­ren und das gan­ze auch noch erlaubt und mit Poli­zei­es­kor­te – das wär’ was.

2000 Rad­ler auf der Vah­ren­wal­der Stra­ße an der Kanal­brü­cke

Nun, eini­ge Male pro Jahr geht die­ser Wunsch in Han­no­ver in Erfül­lung. „Velo­Ci­ty­Night” heißt die Ver­an­stal­tung und ähn­lich wie die erfolg­rei­chen „Skate by Night”-Fahrten geht es zwei Stun­den lang auf einer fest­ge­leg­ten Stre­cke durchs Stadt­ge­biet. Am Sams­tag war’s mal wie­der so weit – und ich war mit etwa 2000 ande­ren Rad­fah­rern dabei.

Fahrt­rou­te der Velo­Ci­ty­Night-Tour vom 2013-06-15, GPS-Track: dh
Dies ist eine inter­ak­ti­ve Kar­te!

Velo­Ci­ty­Night macht Spaß – das kann man nicht anders sagen. Wenn die gan­ze drei­spu­ri­ge Vah­ren­wal­der Stra­ße, der Schiff­gra­ben oder sogar die Rasch­platz­hoch­stra­ße von vie­len hun­der­ten Rad­fah­rern befah­ren wird, die sich eben nicht auf dem engen Fahr­rad­weg drän­geln müs­sen, son­dern direkt auf der Fahr­bahn fah­ren kön­nen. Sol­che Fahr­ten sind ein unmit­tel­ba­rer Beweis dafür, wie geeig­net das Fahr­rad als städ­ti­sches Fort­be­we­gungs­mit­tel – zumal in einer fla­chen Stadt wie Han­no­ver – ist: Platz­spa­rend, sehr fle­xi­bel und vor allem qua­si geräusch­los. In sol­chen Fahr­rad­tou­ren hört man die beglei­ten­den Poli­zei­mo­tor­rä­der immer schon auf meh­re­re Hun­dert Meter – weil die Fahr­rä­der kaum zu hören sind.

Sam­mel­pau­se auf dem Indus­trie­weg: Hun­der­te Meter Stra­ße voll mit Rad­fah­rern

Ver­an­stal­tun­gen wie Velo­Ci­ty­Night sind aber auch gesell­schaft­lich und poli­tisch wich­tig: Sie rücken das Fahr­rad wenigs­tens für einen Moment ganz anders als sonst in das öffent­li­che Bewusst­sein. An den für jeweils etwa fünf Minu­ten blo­ckier­ten Kreu­zungs­punk­ten sind die Velo­Ci­ty­Night-Rad­ler pro­mi­ent sicht­bar, sie wer­den wahr­ge­nom­men. Han­no­ver hat bereits einen bemer­kens­wert hohen Anteil an Rad­fah­rern im Ver­kehr und will die­se Zahl wei­ter aus­bau­en – dafür muss man dem Fahr­rad aber auch auf ange­mes­se­ne Wei­se Platz im Ver­kehrs­raum schaf­fen. Die klas­si­schen 80-Zen­ti­me­ter-Rad­we­ge oder die noch schlim­me­ren „Schutz­strei­fen” am Fahr­bahn­rand (Schutz wovor eigent­lich?) sind da mei­nes Erach­tens nicht mehr aus­rei­chend. Eigent­lich müss­te es Velo­Ci­ty­Nights oder ver­gleich­ba­re Ver­an­stal­tun­gen viel häu­fi­ger und zu ande­ren Zei­ten als abends geben.

Auf der Nien­bur­ger Stra­ße: Noch­mal sam­meln für die Ein­fahrt auf den City­ring

Schloss­wen­der Stra­ße: Statt auf dem Rad­weg geht es auf der gesam­ten Fahr­bahn­brei­te über den City­ring.

Die Velo­Ci­ty­Night wird von dem pri­va­ten Ver­an­stal­ter Soulstyle orga­ni­siert – und mei­nes Wis­sens ohne direk­te öffent­li­che Zuschüs­se. Statt­des­sen sind wohl pri­va­te Spon­so­ren dabei – und das Start­geld, das pro Teil­neh­mer 2 Euro beträgt und beim Start durch Kauf eines Mit­fah­rer­arm­bänd­chens ent­rich­tet wird. Inter­es­sant wäre die Fra­ge, ob und wie der pri­va­te Ver­an­stal­ter für den Poli­zei­ein­satz auf­kommt. Ange­sichts der gesell­schaft­li­chen Rele­vanz (sie­he oben) sehe ich das aber ehr­lich gesagt rela­tiv ent­spannt; außer­dem wur­den die meis­ten Siche­rungs­auf­ga­ben wäh­rend der Fahrt von (ehren­amt­li­chen?) eige­nen Ord­nern durch­ge­führt und die Anzahl der Poli­zis­ten ist bei ande­ren Anläs­sen wie z.B. Fuß­ball­spie­len um ein Viel­fa­ches höher.

In mehr­fa­cher Hin­sicht der Höhe­punkt der Fahrt: Über­fahrt auf der Rasch­platz­hoch­stra­ße

Die Ber­li­ner Allee ist – wie alle genutz­ten Stra­ßen – wäh­rend der Durch­fahrt des Fel­des für alle ande­ren Ver­kehrs­teil­neh­mer gesperrt

Orga­ni­sa­to­risch ist das gan­ze rela­tiv rund gelau­fen. Die Rou­te war klar und auch gut pas­sier­bar. Etwas mehr Gedan­ken könn­te man sich um die eine oder ande­re Eng­stel­le machen – an den ein­spu­ri­gen Rechts­ab­bie­gern von der Ham­bur­ger Allee in die Vah­ren­wal­der Stra­ße oder von der Arndt­stra­ße in die Ham­bur­ger Allee wur­de es doch ziem­lich fum­me­lig. An sol­chen Stel­len soll­te aktiv auf die (ansons­ten nicht erlaub­te) Abbie­ge­mög­lich­keit über die Haupt­fahr­spu­ren hin­ge­wie­sen wer­den. Die kos­ten­lo­se Was­ser­ver­sor­gung am Zwi­schen­stopp und am Ziel hat sehr gut funk­tio­niert. Das links­sei­ti­ge Über­ho­len der Ord­ner hin­ge­gen – die ja an ihrer War­te­po­si­ti­on immer das kom­plet­te Feld abwar­ten und dann wie­der nach vorn fah­ren müs­sen – nur begrenzt. Hier wäre viel­leicht zu über­le­gen, ob im Rah­men des Bänd­chen­ver­kaufs klei­ne Merk­zet­tel mit den aller­wich­tigs­ten Infor­ma­tio­nen ver­teilt wer­den könn­ten. Ande­rer­seits: Auch so hat alles im geplan­ten Zeit­rah­men und ohne ernst­haf­te Unfäl­le geklappt. War­um nicht auch mal dar­auf bau­en, dass die Leu­te gar nicht so doof sind und sich das schon zurecht­ru­ckeln wird…

Auf dem Fried­richs­wall am Rat­haus: Alles vol­ler Rad­fah­rer

Fazit: Ein schö­ner Abend, eine schö­ne Tour. Am 26. Juli und am 16. August 2013 sind die nächs­ten Tou­ren. Ich bin dabei – und jedem, der ger­ne Fahr­rad fährt, kann ich nur emp­feh­len, auch zu kom­men. Los geht’s jeweils um 20 Uhr am Kla­ges­markt, mei­ner Erfah­rung nach reicht es, 10 – 15 Minu­ten vor dem Start ein­zu­tref­fen – es sein denn, man will das Büh­nen­pro­gramm sehen und dort viel­leicht sogar etwas gewin­nen…


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Ein Gedanke zu “VeloCityNight am 2013-06-15 – Wenn das Fahrrad Vorfahrt hat

  • Critical Mass Hannover

    Hal­lo Dirk, Hal­lo alle Mit­le­sen­den,

    wenn ihr häu­fi­ger in Grup­pen fah­ren wollt und das Fahr­rad in den Mit­tel­punkt der Auf­merk­sam­keit rücken wollt, gibt es noch die Mög­lich­keit, an der monat­lich statt­fin­den­den Cri­ti­cal Mass teil­zu­neh­men. es gibt zur VCN aller­dings ein paar Unter­schie­de: es kos­tet kei­nen Pfen­nig (wir fah­ren ja schließ­lich nur Rad), wir müs­sen (und wol­len!!) uns an die StVO hal­ten und es ist kei­ne Spaß­ver­an­stal­tung, obwohl wir immer viel Spaß haben 🙂

    Also, kommt dazu! Infos zur nächs­ten Cri­ti­cal Mass am 28.Juni fin­det ihr auf unse­rer klei­nen Info­sei­te cri​ti​cal​mass​han​no​ver​.wor​d​press​.com, bei twit­ter (@critmasshann) oder bei Face­book!

    Vie­le Grü­ße und siche­re Fahrt.