Super! Bei 25 km/h Lenkerstange gebrochen. Voll auf die Klappe gelegt. Riesenhorn an der Stirn und auf der Lippe. Brille kaputt. Ansonsten wohl nix passiert. Glück im Unglück, wie die Sanis sagten. Ansonsten an eigenem Leib erlebt, dass das deutsche Gesundheitswesen funktioniert: Rettungswagen binnen fünf Minuten da, Sanis und Krankenhauspersonal freundlich und kompetent.
Nu’ sitz’ ich bei Muttern und lass mich betüddeln… *Seufz*
Mein Blog hat Geburtstag! Heute vor genau fünf Jahren habe ich den ersten Artikel veröffentlicht, der allerdings eher etwas selbstreferentiell erzählte, dass ich jetzt auch ein Blog habe. Inhaltlicher Wert — nunja…
Ganz richtig ist die Überschrift übrigens nicht: Am Anfang war das hier einfach „Dirks Blog”. Erst am 10. Juli 2006 habe ich den Namen auf „Letzte Weisheiten” geändert — natürlich auch begleitet von einem Blogeintrag. Ja, ich war schon immer ein Freund von selbst produziertem Content.
A propos „Inhalt”: Ich lege ja immer Wert darauf, dass das hier mein Blog ist und dass ich hier im Zweifelsfall die Sachen reinschreibe, die ich spannend finde und über die ich schreiben möchte. Gerade am Anfang mäandern die Themen deshalb eher so um tägliche Kleinigkeiten. Im Rückblick habe ich bemerkenswert lange die Möglichkeit verstreichen lassen, stärker politische Texte zu schreiben und so zu versuchen, mein ganz privates „Agendasetting” zu betreiben. Dass ich was mit der „Piratenpartei” zu tun habe, erfährt man hier zum Beispiel erst nach fast einem Jahr anlässlich meiner Wahl zum Schatzmeister des niedersächsischen Landesverbandes. Und dass ich im Mai 2008 sogar zum Bundesvorsitzenden gewählt wurde, liest man hier gar nicht — insgesamt ist dieses Blog gerade im Jahr 2008 eher „dünn” mit Artikeln besetzt.
So richtig ändert sich das dann erst im Juni 2009 — und dann bis September 2009. Das ist — bis heute — die „Hochzeit” von „Letzte Weisheiten” gewesen. Plötzlich findet sich die Piratenpartei massiv in der öffentlichen Aufmerksamkeit — und ich mittendrin. Es finden sich einige meines Erachtens durchaus spannende Zeitdokumente, sei es meine Rede anlässlich des von-der-Leyen’schen Zensurgesetzes, eine recht umfängliche Würdigung eines verbalen Scharmützels zwischen einem SPD-Politiker und einem Piratenpartei-Kreisverband im Frankfurter Raum und natürlich der Artikel, der sich um meinen eigenen Fernsehauftritt als „oberster Pirat” bei Phönix dreht. Die größte Artikelmenge habe ich dabei interessanterweise nach meiner Zeit als Bundesvorsitzender geschrieben — als ich eigentlich „gar nichts” mehr in der Partei war (na gut, außer Spitzenkandidat der niedersächsischen Landesliste zur Bundestagswahl…).
Seither ist es wieder wesentlich ruhiger geworden hier. Ich schaue aber schon, dass ich immer mal wieder was schreibe, sei es zu politischen Themen, sei es zu meinem Spezialthema „Verkehrswesen” (ich sage nur: Adventskalender…), seien es auch weiterhin irgendwelche Dinge, über die ich „schon immer mal” was loswerden wollte.
Technisch basiert mein Blog von vornherein auf WordPress, das auf einem eigenen Server läuft und das ich selbst installiere und warte. Angefangen habe ich mit der damals aktuellen Version 2.0. Mittlerweile sind wir bei 3.1.1 angekommen und seit Version 2.7 ist das mit Updaten auch überhaupt kein Problem mehr — läuft alles automatisch mit einem Klick. Ein großer Vorteil von WordPress ist ja die unglaubliche Anzahl von Plugins für alle möglichen und unmöglichen Zwecke. Ich verwende hier eine relativ konstante Gruppe solcher Plugins, deren nach außen sichtbarste wohl das Twitter-Plugin (früher irgendwas mit „tweet”, heute „YourLS”) sowie das völlig geniale „WP-Typography” sind, das diesem Blog das gefällige Äußere mit Blocksatz und Silbentrennung verleiht.
Als Oberfläche habe ich lange, lange Zeit das Standard-Kubrick-Theme verwendet, das bei WordPress 2.0 dabei war. Zunächst in einem schicken Zitronengelb gehalten, habe ich das im Juni 2009 auf Piraten-Orange umgestellt und seitdem auch ein verfremdetes Portrait meiner selbst sowie das Piratenlogo im Seitenkopf. Diese Gestaltung hat auch die Umstellung auf das „K2”-Theme überlebt, die irgendwann Anfang 2010 stattgefunden haben muss und mit der ich mir meinen größten Wunsch an mein Blogdesign erfüllt habe: Zwei Randspalten für die ganzen kleinen Zusatz-Info-Kästchen auf der rechten Seite. Seit einigen Wochen habe ich zudem „WPtouch” ein Plugin installiert, das auf Mobilgeräten eine optimierte Oberfläche dieses Blogs darstellt.
Lange Zeit war es mir relativ egal, wie viele Besucher mein Blog hat. Für die ersten drei Jahre gibt es deshalb schlicht keine Zugriffsstatistiken. Erst im Juni 2009 habe ich ein Plugin installiert, das die Zugriffe zählt und statistisch auswertet: Welche Artikel waren wann besonders beliebt? Leider war „StatPress Reloaded” ziemlich schlecht programmiert und deshalb wahnsinnig ineffizient. Kleine Modifikationen meinerseits (unter anderem die Einführung von Indexen auf der Datenbanktabelle) halfen auch nicht durchgreifend und die Menge an sinnvollen und aktiv in Entwicklung befindlichen Statistik-Plugins für WordPress ist erschreckend klein — nämlich eigentlich nicht-existent.
So habe ich denn im März 2011 in diesem schönen Blog „Piwik” eingeführt, das mir relativ detailliert aufschlüsselt, wie viele Besucher kommen, auf welchem Weg sie kommen, wie lange sie bleiben, und natürlich was sie sich anschauen. Die Ergebnisse: An normalen Tagen ohne neue Artikel landen so etwa 50 bis 60 Besucher in diesem Blog, verweilen durchschnittlich 15 – 20 Sekunden und schauen sich dabei 1,3 Seiten an. Meine Piratenartikel verursachen eher kurzfristige Zugriffsspitzen. „Beliebter” ist da momentan das Wörtchen „Tschernobyl”, über das seit Wochen zuverlässig etwa ein Dutzend Leser am Tag aus Googleanien einreist. Absoluter Dauerbrenner aber sind meine Artikel über den Puppenspieler Rene Marik und seinen Maulwurf, die mit Suchbegriffen wie „Rene Marik”, „Maulwurf”, „maulwurfn”, „rapante” oder „froschn” jeden Tag in der Statistik auftauchen.
So summiert sich die Zahl der Besucher in den letzten 30 Tagen schließlich doch auf über 2000, die hier in dem einen oder anderen Artikel gestöbert haben. Und das, obwohl sich das Internet in den letzten fünf Jahren erheblich verändert hat. Blogs sind heutzutage ja nur noch eine Möglichkeit unter vielen, sich im Web zu präsentieren und in der Welt der „Sozialen Netzwerke” wie „Facebook” oder „StudiVZ” kommen sie ja eher am Rande vor. Gerade in diesen Welten bin ich aber nach wie vor quasi nicht vertreten (und will daran auch nichts ändern). Auch die Inhalte meines Blogs haben sich in dieser Zeit verändert. Mit Blick auf die anstehenden Kommunalwahlen und mein seit diesem Jahr wieder größeres Engagement in den Strukturen der Piratenpartei ist es auch sehr wahrscheinlich, dass die Artikelzahl hier in den nächsten Wochen und Monaten wieder zunimmt und wieder viel Politik dabei ist.
Mit diesem Blog ist es also ein wenig wie mit den „Helden”: „Gekommen um zu bleiben”. Ich werde also weiter schreiben — pünktlich zum Zehnjährigen kommt dann der nächste Rückblick. Viel Spaß beim Lesen!
So. Eine Nacht später nun als Fortsetzung des ersten Teils meine ganz persönliche Stimmenvergabe für die „anderen” Anträge zum anstehenden Bundesparteitag der Piratenpartei in Chemnitz: Wahlprogramm, Parteiprogramm, sonstige. Ich hoffe ja inständig, dass diese Arbeit nicht völlig umsonst war. Dieser Teil ging übrigens etwas schneller von der Hand, weil einige Anträge schlichte Dopplungen von Programmanträgen oder sogar von Anträgen nur wenige Einträge höher in der Liste waren und gerade bei den „Sonstigen Anträgen” sehr viele Anträge außerordentlich — nunja — dürftig waren. Da muss man dann nicht viel Zeit in eine Analyse investieren.
A propos Zeit: Je mehr ich mich mit diesen Anträgen beschäfigt habe, desto pessimistischer bin ich, was die Zweckmäßigkeit des angedachten Debatten– und Abstimmungsverfahrens betrifft. Alle Planungen, von denen ich bis jetzt gehört habe, laufen darauf hinaus, dass wir nur einen Bruchteil der Anträge tatsächlich zur Abstimmung bringen werden. Für den innerparteilichen Frieden ist aber genau das höchst kontraproduktiv, weil dann alle Mitglieder, denen andere, nicht behandelte Anträge besonders am Herzen liegen, sich um ihre Ziele betrogen fühlen werden und das interne Gezänk weitergeht.
Die „Basis” hat im Vorfeld des Parteitages so gehandelt, dass 322 Anträge zur Abstimmung stehen. Viele davon sind offensichtlicher Murks. Trotzdem ist meines Erachtens die einzige sinnvolle Schlussfolgerung aus der Situation, für all diese Anträge auch die Möglichkeit zur Abstimmung zu bieten. Und das geht nur mit einem effizienten Verfahren wie ELWS, das zudem inhärent geheim ist. Sicherlich besteht dann die Gefahr, dass der eine oder andere erwähnte Murks in Programmtexten landet. Dies zu korrigieren, obliegt dann dem nächsten Parteitag. Der Vorteil dieser Situation ist aber, dass tatsächlich zu allen vorgetragenen Anliegen eine Mitgliedermeinung vorliegt. Das sollte sich in die Partei hinein letztlich befriedender auswirken als eine Situation, in der von den 322 Anträgen vielleicht 30 oder 40 abgestimmt wurden und der Rest immer noch „in der Luft hängt”.
Sollte es zur vorgeschlagenen „Axel E. Müller”-Abstimmung über die vorgeschlagenen Antragsgruppen kommen, würde ich meine drei kostbaren Stimmen wohl den Themenblöcken „Urheberrecht”, „Internet und Medien” sowie „Inneres” geben. Das wären für mich die Bereiche, in denen es meiner Meinung nach für die Partei am wichtigsten ist, sich zu profilieren. Leider fallen dann auch schon Anträge durchs Raster, die ich selbst für sinnvoll halte, weil sie anderen Blöcken zugeordnet sind.
Wenn ich jetzt spontan die drei Anträge benennen sollte, die mir bei dieser ganzen Aktion am stärksten und positivsten im Gedächtnis geblieben sind, dann sind das
GP033 (Zwangsdienste abschaffen) — Eine knappe, prägnante Formulierung mit einer sinnvollen Forderung. Sehr schön.
GP014 (Drogenpolitisches Grundsatzprogramm) — Als Beispiel dafür, wie man das Programm konsistent um neue Positionen erweitern sollte. Und insbesondere
WP022 (Nichtkommerzielle Werke ermöglichen) — Kurzer Text mit überzeugender Begründung. Ist das so im LQFB entstanden? Davon hätte es gern mehr geben dürfen.
So. Genug der Vorrede. Hier nun „mein” Stimmzettel:
Am Donnerstag, 2009-09-24, bringt das hannoversche Lokalfernsehen h1 einen Kurzbericht über die Piratenpartei im Rahmen der täglichen Nachrichtensendung um 18:45 Uhr. Darin enthalten auch ein Interview mit mir. Merken und weitersagen.
Mittlerweile ist es etwas ruhiger im Postfach der niedersächsischen Piraten geworden, aber noch immer schlagen so um die 20 Briefe täglich auf. Heute waren allerdings zwei spezielle darunter: Flaschenpost:
Flaschenpost für die Piraten
Das nenne ich mal stilecht. Sowas befördert die Post übrigens für 1,45 EUR und offensichtlich ganz normal.
An dieser Stelle auch nochmal Danke an die vielen, vielen Einsender von Unterstützerunterschriften. Wir haben weit mehr als die benötigten 2000 bekommen. Momentan läuft noch der Beglaubigungsprozess über die Stadtverwaltungen — und dann geht’s zum Landeswahlleiter. Es kann eigentlich nichts mehr schief gehen, damit wir am 27. September in Niedersachsen auf dem Stimmzettel stehen!
Nachtrag, 2009-07-16: Mittlerweile habe ich vom Vorstand die Rückmeldung bekommen, dass in beiden Flaschen Mitgliedsanträge waren. Wie gesagt: Stilecht.
Seien wir ehrlich: Ich werde alt. Anfang der 1970er Jahre geboren, war es für mich geradezu eine technische Offenbarung, als ich irgendwann so Mitte der 1980er Jahre mit einem tragbaren Kassettenabspieler meine eigene Musik immer und überall hören konnte. Ich glaube, ich hatte drei Generationen von diesen Geräten. Sie wurden immer billiger, brauchten immer weniger Strom und wurden immer kleiner. Mein letztes Gerät, ich müsste direkt mal danach suchen, war nur noch ein bisschen größer als die Kassette. Ich habe die Geräte noch bis in die späten 1990er Jahre benutzt. 1999 habe ich mir einen tragbaren CD-Spieler gekauft (hat nicht lange gehalten) und 2002 den ersten MP3-Spieler. Heute übernimmt das Abspielen von Musik unterwegs mein Handy und die Speicherkarte fasst zehn Stunden Musik auf der Größe meines Fingernagels.
Wie lang diese Zeit mittlerweile her ist, wurde mir klar, als ich jetzt den Bericht von Scott Campbell gelesen habe. Scott ist 13 und hat für eine Woche seinen den 30 Jahre alten Walkman seines Vaters „getestet”. Also, ihn statt seines iPod zum täglichen Musikhören genutzt. Und wenn ich seinen Artikel „Giving up my iPod for a Walkman” lese, merke ich, wie alt ich mittlerweile eigentlich bin…
Deutsche Übersetzung von mir
Mein Vater hatte mir erzählt, dass das Gerät groß sei, aber ich ahnte nicht WIE groß. Das war die Größe eines kleinen Buches. […]
Im Schulbus gab es großes Gelächter. Ein Junge sagte: „Keiner benutzt sowas heute noch.” […]
Meine Freunde konnten sich nicht vorstellen, dass ihre Eltern so ein monströses Gerät benutzt hatten, aber sie hatten schon Interesse daran, was das für ein Ding war und wie es funktionierte. In einigen Schulstunden hörte ich Musik und ein Lehrer erkannte das Gerät wieder und wurde nostalgisch.
Ich brauchte drei Tage um herauszufinden, dass die Kassetten zwei Seiten haben. Aber das war nicht mein einziger naiver Irrtum. Ich hatte den „Metal/Normal”-Schalter am Walkman zunächst für einen Genre-spezifischen Equalizer gehalten. Später bekam ich dann raus, dass damit eigentlich zwischen der Wiedergabe verschiedener Kassettentypen umgeschaltet wurde.
Eine andere Funktion, die der iPod hat und die dem Walkman fehlt, ist die Zufallswiedergabe. […] Ich bin dann auf die Idee gekommen, die Funktion über die Spultasten zu simulieren. […] Die Warnungen meines Vater zu diesem Vorgehen riefen mir die Unterschiede zwischen heutigen Musikabspielern, die ohne bewegliche Teile auskommen, und der mechanischen Wiedergabe der alten Geräte ins Gedächtnis: „Walkmans essen Kassetten auf.”
In dieser Woche, in der ich den Walkman benutzt habe, wurde mir klar, wie wenig ich über diese Technik aus der Vergangenheit weiß. Ich machte eine Reihe von naiven Fehlern, aber ich habe auch viel gelernt über diesen Großvater der MP3-Spieler. […]
Persönlich bin ich schon froh, dass ich im digitalen Zeitalter lebe. Mit mehr Auswahl, mehr Funktionen und kleineren Geräten. Ich bin erleichtert, dass der Großteil des technischen Fortschritts schon vor meiner Geburt passiert ist, ich kann mir nämlich nicht vorstellen, ohne solch grundlegende Ausstattung durch den Tag zu kommen.
Wie gesagt, da schwanke ich zwischen Nostalgie und Erschrecken darüber, wieviel seit meiner eigenen Jugend technisch und anderweitig passiert ist. Den ganzen Text gibt’s, wie geschrieben, auf BBC News — allerdings auf Englisch.
Ganz am Anfang dieses Blogs habe ich ein wenig selbstreferentiell darüber gestaunt, dass ich jetzt auch ein Blog habe. Jetzt, über drei Jahre später, gibt’s mal wieder was neues: Twitter. Auch dort habe ich jetzt einen Account. Und über ein schickes kleines Plugin kann mein Blog hier jeden neuen Artikel gleich twittern. Bin ja mal gespannt, ob das klappt…
Blogposttitel übrigens frei nach Barbara Schöneberger
Der Achtungserfolg der Piratenpartei bei der Europawahl hat zu einigen Berichten in der Presse geführt. Besonders erwähnenswert sind meines Erachtens das Interview mit Andreas Popp vom bayrischen Landesverband in Spiegel Online und die Hamsterbetrachtungen von Jens Seipenbusch bei Focus Online, die bereits kurz vor der Europawahl veröffentlicht wurden.
Auch ich wurde kurz nach der Wahl interviewt. Zunächst von der TAZ, deren Artikel auch online verfügbar ist.
TAZ-Artikel über die Piratenpartei
Etwas später hat dann auch noch die hannoversche Neue Presse mit mir über die Piratenpartei und ein wenig über Gott und die Welt gesprochen. So war der Redakteur sehr interessiert an meinem „Straßenbahnhobby” und hat meine diesbezügliche Aussage prominent im Artikel platziert. Auch dies ist online nachlesbar.
im März hatte ich zum ersten Mal von Rene Marik gehört. Da wusste ich noch nicht, dass es um Rene Marik geht. Ich hatte nur einen Youtube-Clip gesehen:
Ich hatte dann umgehend zwei Karten für die Maja und mich organisiert, was sich als sehr sinnvoll herausgestellt hat, denn sowohl die gestrige als auch die heutige Vorstellung im Raschplatzpavillon in Hannover waren restlos ausverkauft (und die einzige Vorstellung in Hamburg sowieso…). Wir hatten ja nun aber mal Karten und einen sehr, sehr amüsanten Abend mit „Autschn! Ein Abend über die Liebe”.
Rene Marik zeigt ein vielseitiges Programm: Er singt Liebesballaden aus den vergangenen Jahrzehnten und begleitet sich dabei teilweise selbst auf der E-Gitarre. Er rezitiert Kurt Schwitters’ dadaistisches Liebesgedicht „An Anna Blume” genauso wie die gruseligen Werke einer gewissen Elsbeth Bellartz, die in den 1980er Jahren zur meistverkauften Lyrik in Deutschland gehört haben sollen. Deren Buch landet nach jedem zitierten Werk in hohem Bogen auf dem Bühnenboden.
Die eigentlichen Stars des Abends sind aber die Handpuppen, die Marik über Kopf in einer Art Kasperletheater zum Leben erweckt. Sie kennt man auch aus den Youtube-Clips, aber live ist es doch nochmal was anderes. Neben Eisbär Kalle, den liebestollen Waschlappen und dem illegitimen Kermit-Zwillingsbruder Falkenhorst ist es natürlich vor allem der Maulwurf, der mit lautem Jubel im Publikum begrüßt wird. Es ist faszinierend zu sehen, wie Rene Marik hier mit einfachsten Requisiten (Puppengeschirr, Plastikflasche ohne Boden oder einer Papptafel mit der Aufschrift „A9”) und einer Handpuppe mit Sprachfehler („Jemand ze Hage?” — „Autschn, autschn, Hungi, Hunger” — „Rapante, Rapante, late haade datte”) surreale Szenen entwirft, die neben all der Tragik, die die Figur des Maulwurfs in sich vereint, vor allem eines sind: Brüllend komisch.
Marik bezeichnet sich selbst als Comedian. Ich finde aber, dass zwischen ihm und vielen anderen, die sich ebenfalls mit dieser Tätigkeitsbezeichnung schmücken, Klassen liegen. Wo ein Mario Barth zwei Stunden über die Macken seiner Freundin herzieht oder Cindy aus Marzahn die Vollproletin gibt, ist Rene Marik geradezu poetisch. Der schmachtende Maulwurf, der „Schneewante kussn” darf, nur damit sie anschließend zu einem „Froschn” im Bikini mutiert, nimmt sich hier wie der Uhrmacherschraubenzieher neben der Wasserpumpenzange aus. Marik hat einen ganz anderen Anspruch und wohl auch ein deutlich anderes Publikum. Höchstwahrscheinlich wird er nie das Berliner Olympiastadion füllen, aber wenn er dafür seiner Art der Comedy treu bleibt, dann soll er das auch gar nicht.
Der erste Teil des Programmes besteht aus viel Falkenhorst, Maulwurf, Elsbeths Gedichten und einigen Gesangseinlagen. Nach der Pause kommt dann Horst Kallikowski, zunächst mit der abgedrehten Story von seiner Arbeitsagenturbetreuerin Frau Schibrulski und Catwoman, dann per eingespieltem Video als Touristenschreck an der Siegessäule. Anschließend kommen die restlichen Protargonisten des Programmes: Eisbär Kalle, das Liebesleben der Waschlappen, Gedichte (jetzt auch Schwitters’ Anna), Lieder und natürlich auch wieder Falkenhorst und der tragisch endende Maulwurf. Den beiden gehört nach riesigem Applaus auch die zweite Zugabe mit einem der Stücke, die das Zeug zum Klassiker haben:
Fazit: Ein höchst vergnüglicher Abend, der Lust auf Mehr macht. Maja und ich waren restlos begeistert. Wer über die Marik-Youtube-Clips lachen kann, wird voll auf seine Kosten kommen!