Archiv für die 'Verkehr' Kategorie

Ein Bahnsteig an der Messe: Erinnerungen an den CeBIT-​Verkehr 1997 (2)

Creative Commons License
Die­ser Arti­kel sowie alle ent­hal­te­nen Gra­fi­ken und Fotos ste­hen unter einer Crea­tive Com­mons Namensnennung-​Weitergabe unter glei­chen Bedin­gun­gen 3.0 Deutsch­land Lizenz. Über diese Lizenz hin­aus­ge­hende Erlaub­nisse kön­nen Sie unter http://​blog​.hill​brecht​.de/​l​i​z​e​n​z​h​i​n​w​e​i​se/ erhalten.

Diese Geschichte zum CeBIT-​Verkehr 1997 star­tete in Teil 1 mit einem Behelfs­bahn­steig am Messegelände.

Behelfs­bahn­steig an der Mes­se­schleife in Han­no­ver, 9. März 1997

Die­ser ermög­lichte es damals, klas­si­sche Stra­ßen­bahn­wa­gen für einen Teil des CeBIT–Anrei­se­ver­kehrs ein­zu­set­zen. Nötig machte dies die ange­spannte Lage im üstra-​Fuhrpark jener Tage: Die 256 ein­satz­be­rei­ten Stadt­bahn­wa­gen des Typs TW6000 reich­ten für den nor­ma­len Ver­kehr plus Mes­se­ver­kehr kaum aus.

TW500-​U-​Boot in der Mes­se­schleife, März 1997

So fuh­ren im mor­gend­li­chen Mes­se­ver­kehr der CeBIT 1997 bis zu drei TW500-​Triebwagen den Zulauf­ver­kehr zwi­schen Pei­ner Straße und Mes­se­ge­lände, die soge­nann­ten „U-​Boote”. Da sie an den Hoch­bahn­stei­gen nicht hal­ten konn­ten, blieb nur der kurze Behelfs­bahn­steig im Wei­chen­be­reich süd­lich des Messe-​Hausbahnsteigs.

Gelenk­trieb­wa­gen bei der Ein­fahrt am Behelfs­bahn­steig, März 1997

Und wie man auf den Fotos gut sehen kann, waren diese Züge wirk­lich nötig: Der Wagen ist sehr gut gefüllt, und das obwohl er nur vier Sta­tio­nen ange­fah­ren hat.

Ankunft am Mes­se­ge­lände: Fahr­gäste von nur vier Sta­tio­nen auf dem Bahn­steig, März 1997

Ich weiß, dass ich mir das ganze damals mit einem Kom­mi­li­to­nen zusam­men ange­schaut habe und dass wir anschlie­ßend im (dann lee­ren) Stra­ßen­bahn­wa­gen zurück zur Pei­ner Straße gefah­ren sind. Das war vor allem des­halb sehr inter­es­sant, weil diese Trieb­fahr­zeuge noch über eine direkte Motor­steue­rung ver­füg­ten. Ein guter Fah­rer konnte mit die­sen Fahr­zeu­gen wesent­lich rasan­ter beschleu­ni­gen als mit der elek­tro­nisch gere­gel­ten Geschwin­dig­keits­steue­rung der TW6000. Aller­dings dreh­ten auch schnel­ler die Räder durch und wenn man zu stark beschleu­nigte und der Motor zu viel Strom zog, unter­brach mit lau­tem Kra­chen der Siche­rungs­au­to­mat die Strom­ver­sor­gung. Der Griff des Fah­rers ging dann immer direkt über sei­nen Kopf, wo die bei­den Dreh­griffe waren, mit denen die Siche­rung wie­der „rein­ge­dreht” wer­den konnte.

U-​Boot-​Wendemanöver an der Pei­ner Straße, März 1997

An der Pei­ner Straße wen­de­ten die Züge der U-​Bootlinie über das Gleis­drei­eck in der Betriebs­hof­zu­fahrt und fuh­ren von dort wie­der in die Hal­te­stelle Rich­tung Messegelände.

Ins­ge­samt war der Mes­se­zu­lauf­be­trieb jener Tage recht rus­ti­kal: Es bedurfte eines hohen Per­so­nal­auf­wands um den Ver­kehr flüs­sig zu hal­ten. Und gerade in der zwei­ten Hälfte der 1990er Jahre führte der Ver­kehr zur Messe die Tech­nik auch mal über ihre Gren­zen hin­aus: Min­des­tens ein­mal in der Mes­se­wo­che fiel das Stell­werk am Aegi­dien­tor­platz aus und legte damit auch den Ver­kehr im gesam­ten U-​Bahnabschnitt nörd­lich von Döh­re­ner Turm über Stun­den lahm.

Stadt­bahn­stre­cke auf der Hil­des­hei­mer Straße nörd­lich An der Wol­le­bahn: Viel Ver­kehr. März 1997

Auch die Strom­ver­sor­gung zickte rum. Im mor­gend­li­chen Anrei­se­ver­kehr am Eröff­nungs­tag kam es zu einem Kom­plett­aus­fall der Strom­ver­sor­gung auf der Stre­cke süd­lich von Döh­re­ner Turm:

Pünkt­lich um 9.37 Uhr gab es im Unter­werk Döh­ren einen Dau­er­kurz­schluß. Nach 3 auto­ma­ti­schen ver­geb­li­chen Ver­su­chen den Strom wie­der ein­zu­schal­ten muß in der Schalt­warte Groß­alarm aus­ge­löst wor­den sein.

Über Funk kam als ers­tes die Auf­for­de­rung an alle auf der B-​Süd [interne Bezeich­nung der Stre­cke], die Fahr­zeuge auf redu­zierte Netz­last zu schal­ten. Als das nichts gebracht hatte, wurde die ver­schärfte Maß­nahme ein­ge­lei­tet: Bügel run­ter für alle! Auch das half nicht. Also wur­den alle Fah­rer auf­ge­for­dert, die vor ihnen lie­gende Stre­cke auf Ober­lei­tungs­schä­den zu über­prü­fen; eben­falls erfolglos.

Als nächs­tes wur­den die Schal­ter für die Ein­spei­sung aus dem Unter­werk Döh­ren abge­schal­tet. Der Kurz­schluß war immer noch vor­han­den, mußte also im Bereich zwi­schen Unter­werk und Stre­cken­ein­spei­sung zu suchen sein. Wenigs­tens konnte man so einen Ver­bin­dungs­schal­ter schlie­ßen, so daß das Unter­werk Enge­sohde (Alten­be­ke­ner Damm) die Ver­sor­gung des Abschnitts mit über­ne­he­men konnte. Nach ca. 15 Minu­ten konn­ten die Bah­nen die Bügel wie­der anle­gen und die Fahrt fortsetzen.

TW6000-​Dreiwagenzug im Mes­se­ver­kehr an der Pei­ner Straße mit abge­senk­ten Strom­ab­neh­mern, März 1997

Ver­kehrs­ge­schicht­lich stellt das Jahr 1997 gleich in meh­rer­lei Hin­sicht eine Zäsur für den Stadt­bahn­ver­kehr in Han­no­ver dar: Letzt­ma­lig wur­den in die­sem Jahr — und das auch nur im hier beschrie­be­nen CeBIT-​Morgenverkehr — die klas­si­schen TW500-​Gelenktriebwagen-​Straßenbahnzüge im Regel­ver­kehr ein­ge­setzt. Und letzt­ma­lig waren bei die­ser CeBIT ansons­ten nur Fahr­zeuge des Typs TW6000 ver­füg­bar. Schon bei der Indus­trie­messe einen guten Monat spä­ter wurde das erste Exem­plar des neuen Stadt­bahn­fahr­zeugs TW2000 der Öffent­lich­keit vorgestellt.

TW2001 bei der ers­ten öffent­li­chen Prä­sen­ta­tion auf der Han­no­ver Messe, April 1997

Im Laufe des Som­mers 1997 kamen die ers­ten TW2000 auf das han­no­ver­sche Netz und zur CeBIT 1998 waren bereits aus­rei­chend Fahr­zeuge ver­füg­bar, sodass es dies­be­züg­lich keine Pro­bleme mehr gab. Pro­bleme mach­ten nur die TW2000 selbst, die wegen unzu­rei­chen­der Tests im Vor­feld in der Ein­füh­rungs­phase zahl­rei­che Kin­der­krank­hei­ten aus­ku­rie­ren muss­ten. Des­halb wur­den sie im Mes­se­ver­kehr 1998 vor allem auf ande­ren Linien ein­ge­setzt und nur spo­ra­disch auf den Messelinien.

Heute erin­nert nur noch wenig an die Ver­hält­nisse Ende der 1990er Jahre: TW2000 und TW6000 sind längst gleich­be­rech­tigt im han­no­ver­schen Netz unter­wegs. Durch den brei­te­ren Wagen­kas­ten und die Mög­lich­keit, bis zu 100 Meter lange Vier­wa­gen­züge zu bil­den, erhöht der TW2000 zudem die Kapa­zi­tät eines ein­zel­nen Zuges erheb­lich. Und schließ­lich ist das Mes­se­ge­lände heute gleich von drei Sei­ten vom Schie­nen­ver­kehr erschlossen.

Stadt­bahn– und S-​Bahnlinien zum Mes­se­ge­lände im Jahr 2010

Neben der Anbin­dung über Döh­ren und Mit­tel­feld gibt es seit der Expo 2000 noch eine wei­tere Stadt­bahn­stre­cke über Bemerode und den Krons­berg, die in der Nähe der ent­ge­gen­ge­setz­ten Ecke des Mes­se­ge­län­des endet. Die bei­den Sta­tio­nen hei­ßen des­halb heute „Messe/​Nord” und „Messe/​Ost”. Und dazu kommt noch das leis­tungs­fä­hige S-​Bahnnetz, das Haupt­bahn­hof und Flug­ha­fen direkt mit dem Mes­se­ge­lände ver­bin­det und einen Groß­teil des Ver­kehrs aus der Region auf­nimmt. Im eben­falls zur Expo neu gebau­ten Fern­bahn­hof „Han­no­ver Messe/​Laatzen” hal­ten zudem die Fern– und Regio­nal­züge der Nord-​Süd-​Fernstrecken. Trotz­dem stellt der Mes­se­ver­kehr auch heute noch eine Belas­tungs­spitze des han­no­ver­schen Stadt­bahn­net­zes und ins­be­son­dere der Linien 8 und 18 dar.

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Unter­schied zwi­schen 1997 und 2010 ist, dass mitt­ler­weile sämt­li­che Bahn­steige zwi­schen der Tun­nelaus­fahrt und dem Mes­se­ge­lände hoch­flu­rig sind. Das war auf die­ser Stre­cke beson­ders auf­wän­dig, weil hier alle Bahn­steige für 100-​Meter-​Züge aus­ge­legt wur­den — und nicht für die sonst übli­chen 75 Meter eines drei­wa­gi­gen TW2000-​Zuges. Dadurch sind aber die Hal­te­stel­len­stops kür­zer gewor­den, weil zum einen die Zeit zum Ein­fah­ren der Klappt­ritt­stu­fen nicht mehr nötig ist und zum ande­ren die Fahr­gäste schnel­ler ein– und aussteigen.

Platz des 1997er-​Behelfsbahnsteiges 13 Jahre spä­ter: Nichts mehr zu sehen. Februar 2010

Und der Behelfs­bahn­steig an der Messe? Nun, auch der ist lange Geschichte. Heute fin­det sich hier ein Ober­lei­tungs­mast und ein Schalt­kas­ten. Außer­dem ist der Hoch­bahn­steig ein paar Meter ver­län­gert wor­den, damit die 100 Meter lan­gen Vier-​Wagen-​TW2000-​Züge dran­pas­sen. Die Stra­ßen­bahn­wa­gen sind ver­kauft oder ver­schrot­tet wor­den, mir ist nicht bekannt, ob über­haupt ein sol­cher Breitraum-​Gelenktriebwagen über­lebt hat. Bei der letz­ten gro­ßen üstra-​Sause, dem Betriebs­hof­fest an der Glock­see 2008, stand jeden­falls kei­ner in der Fahr­zeug­pa­rade auf dem Gleisfeld.

Fahr­zeug­pa­rade auf dem üstra-​Betriebshoffest ohne TW400/​500, August 2008

So schließt diese Rück­blende mit einem letz­ten Foto aus dem Jahr 1997, das noch­mal das Wagen­ma­te­rial jener Zeit gemein­schaft­lich zeigt.

TW6000 und TW500 auf der Hil­des­hei­mer Straße Höhe An der Wol­le­bahn, März 1997

Nach­trag: Das Inter­net ist schon toll. In einer Dis­kus­sion auf Dreh­scheibe Online sind mitt­ler­weile einige kleine Kor­rek­tu­ren zu mei­nen Aus­füh­run­gen auf­ge­taucht. Teil­weise fin­den sich sich auch in den Kom­men­ta­ren unten. So waren anno 1997 nicht drei, son­dern fünf TW500 im „U-​Booteinsatz”. Zudem hat es auch nach 1997 noch U-​Booteinsätze mit den alten Stra­ßen­bahn­wa­gen gege­ben, und zwar bis zum Jahr 2002. Ich denke aber, dass man 1997 trotz­dem als das Jahr der eigent­li­chen Zäsur in die­ser Sache sehen kann: Spä­ter waren die alten Wagen nur noch sehr spo­ra­disch und eher unter „Lieb­ha­be­r­as­pek­ten” im Mes­se­ver­kehr unter­wegs. Im Jahr 1997 hin­ge­gen war der Ein­satz durch­gän­gig die gesamte Messe über und maß­geb­lich der Wagen­knapp­heit geschul­det. Besag­ten Drehscheibe-​Artikel emp­fehle ich übri­gens auch des­halb zur Lek­türe, weil sich dort einige sehr schöne Fotos aus jenen Tagen fin­den. TW400, TW6000 und TW2000 in einer nicht gestell­ten Betriebs­hof­si­tua­tion neben­ein­an­der fin­det man wahr­lich nicht alle Tage…

Ein Bahnsteig an der Messe: Erinnerungen an den CeBIT-​Verkehr 1997 (1)

Creative Commons License
Die­ser Arti­kel sowie alle ent­hal­te­nen Gra­fi­ken und Fotos ste­hen unter einer Crea­tive Com­mons Namensnennung-​Weitergabe unter glei­chen Bedin­gun­gen 3.0 Deutsch­land Lizenz. Über diese Lizenz hin­aus­ge­hende Erlaub­nisse kön­nen Sie unter http://​blog​.hill​brecht​.de/​l​i​z​e​n​z​h​i​n​w​e​i​se/ erhalten.

Heute gibt es den zwei­ten Bei­trag mei­ner klei­nen Blog­se­rie „Inter­es­sante Ver­kehrs­bau­werke”. Das heu­tige Bau­werk ist wesent­lich unspek­ta­ku­lä­rer als die Brü­cke vom letz­ten Mal. Und es exis­tiert heute auch nicht mehr. Die Geschichte dazu erzählt aber von einem span­nen­den han­no­ver­schen Verkehrskapitel.

Anläss­lich des anste­hen­den CeBIT-​Beginns blen­den wir zurück in das Jahr 1997. Da habe ich kurz vor Beginn der CeBIT einen Bahn­steig fotografiert.

Behelfs­bahn­steig an der Mes­se­schleife in Han­no­ver, 9. März 1997

Schon auf die­sem Foto lässt sich erah­nen, dass es sich hier um ein höchst pro­vi­so­ri­sches Bau­werk han­delt: Er ist ledig­lich von Holz­plan­ken umgrenzt, passt „gerade noch so” zwi­schen das Kur­ven­ende im Vor­der­grund und den Hoch­bahn­steig im Hin­ter­grund und liegt auch noch mit­ten in einem Wei­chen­be­reich. Der ein­zige Zugang schließ­lich ist der Not­zu­gang zu besag­tem Hoch­bahn­steig im Hin­ter­grund rechts.

Wahr­lich eine inter­es­sante Kon­struk­tion. Und eine — wie ich finde — inter­es­sante Geschichte dahin­ter. Die­ser Bahn­steig befand sich an der „Mes­se­schleife” des Stadt­bahn­net­zes. Dies ist die süd­li­che End­sta­tion der Linie 8 und war bis zum Jahr 2000 die ein­zige Stadt­bahn­sta­tion, die das Mes­se­ge­lände erschloss. Die Sta­tion dürfte die leis­tungs­fä­higste des gesam­ten Net­zes sein, sowohl was Durch­satz als auch was die Mög­lich­kei­ten zum kurz­fris­ti­gen Ein– und Aus­set­zen sowie Abstel­len von Zügen betrifft. Schauen wir uns den — auch heute noch so vor­han­de­nen — Gleis­plan an:

Gleis­plan der Sta­tion Mes­se­ge­lände (heute Messe/​Nord) in Hannover

An der End­sta­tion gibt es drei Bahn­steige. Der wich­tigste ist Bahn­steig B, weil er direkt gegen­über dem Ein­gang „Nord 1″ des Mes­se­ge­län­des liegt. Zu Mes­se­zei­ten wird er ent­we­der zur Ankunft oder zur Abfahrt benutzt. So ergibt sich eine von der Haupt­lastrich­tung der Besu­cher­ströme abhän­gige Nut­zung der Gesamtanlage:

  • Im mor­gend­li­chen Anrei­se­ver­kehr fah­ren die Züge an Bahn­steig A durch und hal­ten zum Aus­stei­gen erst an Bahn­steig B. Ein­ge­stie­gen wird dann an Bahn­steig C.
  • Abends im Haupt­ab­rei­se­ver­kehr ändert sich die Abfer­ti­gung: Jetzt ist Aus­stieg am Bahn­steig A und ein­ge­stie­gen wird an Bahn­steig B. Bahn­steig C bleibt ungenutzt.

Haupt­zweck des getrenn­ten Ein– und Aus­stei­gens ist neben der Ent­zer­rung der Fahr­gast­ströme vor allem, dass ange­kom­mene Bah­nen über die dop­pel­ten Gleis­ver­bin­dun­gen vor und hin­ter Bahn­steig B ein­fach auf die Innen­schleife und in den Abstell­be­reich gezo­gen wer­den bzw. von dort ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Mit einem gewis­sen Puf­fer an Zügen in den Ab– und Auf­stell­be­reich in der Schleife lässt sich so sehr fle­xi­bel auf Besu­cher­spit­zen rea­gie­ren, Wagen kön­nen ange­kup­pelt oder ent­fernt, Züge direkt ins Depot geschickt oder von ein­ge­setzt werden.

Außer­halb der Mes­se­zei­ten wird eben­falls an Bahn­steig B ange­kom­men und dann an C abge­fah­ren, wobei die Züge direkt durchfahren.

Das erklärt aber noch kein Stück, was es mit dem Zusatz­bahn­steig auf sich hat. Dazu müs­sen wir uns die Gesamt­ver­kehrs­si­tua­tion zu Mes­se­zei­ten anschauen: Bis in die 1990er Jahre war die Stadt­bahn­stre­cke zur Messe der ein­zige leis­tungs­fä­hige ÖPNV-​Anschluss des Mes­se­ge­län­des. Ent­spre­chend nahm sie einen Groß­teil des Ver­kehrs auf. Betrach­ten wir hierzu eine Streckengrafik.

üstra-​Linien zum CeBIT-​Verkehr 1997

Grund­lage des Mes­se­ver­kehrs ist die Stadt­bahn­li­nie 8, die als Durch­mes­ser­li­nie aus dem Nor­den Han­no­vers kommt und am Mes­se­ge­lände endet. Ab Haupt­bahn­hof wird sie durch Ver­stär­kungs­züge ergänzt, die die Lini­en­be­zeich­nun­gen „18” oder „E” tra­gen. Mit die­sen drei Linien wurde der Haupt­teil des Ver­kehrs aus der Innen­stadt bewältigt.

Da sei­ner­zeit der Fern­bahn­hof Han­no­ver Messe/​Laatzen noch nicht exis­tierte und es auch noch keine S-​Bahn gab, kam auch ein Groß­teil der Zug­rei­sen­den zur Messe am Haupt­bahn­hof an und musste dort in die Stadt­bahn umstei­gen. Infol­ge­des­sen waren die Züge gerade in der mor­gend­li­chen Haupt­stoß­zeit schon bei der Abfahrt am Haupt­bahn­hof so voll, dass am Kröp­cke, spä­tes­tens aber am Aegi­dien­tor­platz, nicht mehr alle War­ten­den zustei­gen konn­ten. Des­halb gab es eine zweite Ver­stär­kungs­li­nie, die eben­falls mit „E” bezeich­net wurde und die am Königs­wort­her Platz ein­setzte. Diese Bah­nen hiel­ten am Kröp­cke und am Aegi auf ande­ren Glei­sen als die Bah­nen aus Rich­tung Haupt­bahn­hof und konn­ten so den Ver­kehr entzerren.

Trotz­dem blieb die Lage beim mor­gend­li­chen Anrei­se­ver­kehr ange­spannt: Neben dem Mes­se­ver­kehr gibt es auch die Stadt­bahn­li­nien 1 und 2 auf der Stre­cke zwi­schen Haupt­bahn­hof und Both­mer­straße. Zudem wol­len nicht alle Fahr­gäste zur Messe: Die Stre­cke führt durch die dicht besie­delte Süd­stadt und hat eine wich­tige Rolle im Schü­ler­ver­kehr für eine ganze Reihe von Schu­len rund um die Sta­tion Alten­be­ke­ner Damm. Schließ­lich setzt das recht unfle­xi­ble han­no­ver­sche Signal­sys­tem enge Gren­zen für die Stre­cken­ka­pa­zi­tät nörd­lich des Döh­re­ner Turms.

Das führte zu einer gan­zen Reihe durch­aus ein­falls­rei­cher Betriebs­kon­zepte für die Stre­cke. So hiel­ten die „E”-Züge in eini­gen Jah­ren an kei­ner der Sta­tio­nen zwi­schen Aegi­dien­tor­platz und Both­mer­straße, teil­weise sogar bis Mes­se­ge­lände. Ein ande­res Kon­zept war das „alter­nie­rende Hal­ten”, das es so sonst wohl nur auf einige hoch­be­las­te­ten Abschnit­ten der New Yor­ker U-​Bahn gibt: Zwi­schen Aegi­dien­tor­platz und Both­mer­straße hiel­ten alle Züge zum Mes­se­ge­lände alter­nie­rend nur an jeder zwei­ten Station.

All dies änderte aber nichts daran, dass sämt­li­che Züge zur Messe mor­gens spä­tes­tens am Pei­ner Straße so prop­pen­voll waren, dass süd­lich davon das Zustei­gen zum puren Glücks­spiel wurde. Was ein Pro­blem war, denn zum einen nah­men viele Aus­stel­ler und Besu­cher gern in Döh­ren oder Mit­tel­feld und damit mes­se­nah Quar­tier und zum ande­ren war (und ist) Both­mer­straße ein wich­ti­ger Umstei­ge­punkt aus Rich­tung Laat­zen und Rethen.

Drei­wa­gen­zug TW6000 im CeBIT-​Verkehr 1997 zwi­schen Seel­horst und Bothmerstraße

Des­halb gab es noch eine fünfte Linie zum Mes­se­ge­lände. Diese wurde vom Betriebs­hof Döh­ren an der Pei­ner Straße aus ein­ge­setzt und fuhr dann ledig­lich die rela­tiv kurze Rest­stre­cke bis zum Mes­se­ge­lände. Damit wurde genau der kri­tischste süd­li­che Abschnitt abge­deckt. Beschil­dert war auch diese Linie als „8” oder „E”, üstra-​intern sprach man bei die­sen Bah­nen gern von den „U-​Booten”: Die Linie erreichte nicht den Tun­nel in der Innen­stadt, es gab auch kei­nen ech­ten „Fahr­plan”, statt­des­sen wur­den die Züge sozu­sa­gen auf Zuruf zwi­schen den übri­gen Kur­sen ein­ge­setzt — wie U-​Boote halt.

Jetzt müs­sen wir auf ein ande­res Detail der Situa­tion der üstra im Jahr 1997 schauen: Den Fuhr­park. Sei­ner­zeit wur­den alle Stadt­bahn­li­nien aus­schließ­lich mit den grü­nen Bah­nen der Bau­reihe TW6000 betrie­ben. 260 Fahr­zeuge gab es, die letzte Serie von 10 Wagen war erst 1993 aus­ge­lie­fert wor­den. Trotz­dem war es knapp: Der CeBIT-​Verkehr benö­tigte so viele Fahr­zeuge, dass eigent­lich alle 260 Trieb­wa­gen gebraucht wur­den. Lei­der stan­den diese nicht zur Ver­fü­gung: Durch meh­rere Unfälle Ende 1996 und Anfang 1997 waren ins­ge­samt vier Fahr­zeuge schad­haft abge­stellt. Und damit wurde es eng: Ich erin­nere mich, dass ich am ers­ten Mes­se­tag am Bahn­steig mei­ner Haus­sta­tion „Sed­an­straße” stand und mit­ten im mor­gend­li­chen Berufs­ver­kehr mein Zug der Linie 3 als (völ­lig über­füll­ter) Ein­zel­wa­gen fuhr. Die­ses Schick­sal teil­ten auch andere Linien — nicht wirk­lich zur Freude der Fahr­gäste. Bei die­sem knap­pen Fuhr­park war die Devise klar: Es muss­ten so viele TW6000 wie mög­lich ein­ge­spart werden.

Und da boten genau die beschrie­be­nen U-​Bootverkehre eine Mög­lich­keit: Im Sep­tem­ber 1996 war die letzte „echte” Stra­ßen­bahn­li­nie in Han­no­ver ein­ge­stellt wor­den: Die 16 fuhr vom Kla­ges­markt über Stein­tor, Ernst-​August-​Platz, König­straße und Zoo zum Nacken­berg. Seit Inbe­trieb­nahme der U-​Bahn unter dem Engel­bos­te­ler Damm 1993 wurde diese Linie wie­der durch­gän­gig mit den letz­ten „alten” Stra­ßen­bahn­wa­gen der Bau­reihe TW500, den soge­nann­ten „Gelenk­trieb­wa­gen” befah­ren. Nach der Ein­stel­lung der Linie wur­den drei Wagen zunächst betriebs­fä­hig gehal­ten, um näm­lich genau mit die­sen besag­ten U-​Bootverkehr wäh­rend der CeBIT durchzuführen.

TW503 auf der Linie 16 in der ehe­ma­li­gen Kehr­schleife Nacken­berg, 25. Sep­tem­ber 1996

Anders als die Stadt­bahn­wa­gen, die mit ihren Klappt­ritt­stu­fen sowohl an Hoch– als auch an Nied­rig­bahn­stei­gen hal­ten kön­nen, sind die alten Stra­ßen­bahn­wa­gen mit ihren fest ein­ge­bau­ten Tritt­stu­fen auf nied­rige Bahn­steige ange­wie­sen. Diese gab es 1997 noch an allen für den U-​Bootverkehr rele­van­ten Hal­te­stel­len — mit einer Aus­nahme: Mes­se­ge­lände. Dort war als letz­ter der Bahn­steig A im Som­mer 1996 als Hoch­bahn­steig umge­baut worden.

Und damit fügt die Geschichte sich end­lich zusam­men: Um mit den wegen des TW6000-​Mangels als U-​Boote ein­ge­setz­ten alten TW500-​Straßenbahnwagen am Mes­se­ge­lände hal­ten zu kön­nen, bedurfte es dort eines pro­vi­so­ri­schen nied­ri­gen Bahn­steigs. Und genau den baute man kurz vor der CeBIT direkt süd­lich des Bahn­steigs B.

Damit endet Teil 1 die­ser Geschichte rund um den CeBIT-​Verkehr ver­gan­ge­ner Tage. Teil 2 folgt.

Laatzens merkwürdigste Brücke — Alte Autobahnplanungen für die A30 und was von ihnen bleibt

Creative Commons License
Laat­zens merk­wür­digste Brü­cke — Alte Auto­bahn­pla­nun­gen für die A30 und was von ihnen bleibt sowie alle im Arti­kel ent­hal­te­nen Gra­fi­ken und Fotos von Dirk Hill­brecht ste­hen unter einer Crea­tive Com­mons Namensnennung-​Weitergabe unter glei­chen Bedin­gun­gen 3.0 Deutsch­land Lizenz.
Über diese Lizenz hin­aus­ge­hende Erlaub­nisse kön­nen Sie unter http://​blog​.hill​brecht​.de/​l​i​z​e​n​z​h​i​n​w​e​i​se/ erhalten.

Ich möchte heute mal eine neue Arti­kel­se­rie hier im Blog anfan­gen: Span­nende Ver­kehrs­bau­werke. Manch­mal trifft man auf ein Bau­werk, des­sen Sinn man sich nicht recht erklä­ren kann. Häu­fig sind dies Brü­cken, es kön­nen aber auch beson­ders breite Stra­ßen, im Nichts endende Abzwei­gun­gen oder irgend­wel­che ande­ren Ver­kehrs­bau­werke sein. Wenn ich so etwas sehe, ist immer meine Neu­gierde geweckt, denn häu­fig erzählt die Geschichte um so ein Bau­werk herum von frü­he­ren Zei­ten und von Pla­nun­gen und Ideen, die es einst gab und die dann aus irgend­wel­chen Grün­den nicht wei­ter ver­folgt wurden.

So auch hier.

Eine Brü­cke in Laatzen

Wenn man in Laat­zen süd­lich von Han­no­ver vom Park der Sinne in Rich­tung Hil­des­hei­mer Straße geht, befin­det man sich auf dem „Expo-​Weg”. Er kreuzt zunächst die Erich-​Panitz-​Straße auf einer geschwun­ge­nen Brü­cke, führt dann am Laat­zener Fest­platz vor­bei und schließ­lich auf den Bahn­damm der Eisen­bahn­stre­cken zwi­schen Laat­zen und Rethen zu. Unter die­sem wird er in einer Brü­cke hindurchgeführt.

Aber was für eine Brücke.

Blick auf die Brü­cke unter der Bahn­stre­cke von Osten.

Das Bau­werk ist offen­sicht­lich völ­lig über­di­men­sio­niert für die­sen klei­nen Fuß­gän­ger­weg. Im süd­li­chen Brü­cken­feld (im obi­gen Bild links) kann man zudem sehen, dass die Gelän­de­höhe des Ein­schnitts viel zu nied­rig für eine „nor­male” Straße ist. Im tie­fer aus­ge­ho­be­nen nörd­li­chen Brü­cken­feld ist der Weg von brei­ten Böschun­gen gesäumt, die die Durch­fahrts­breite stark ein­schrän­ken. Der Mit­tel­pfei­ler wie­derum scheint nur bis auf Höhe die­ser Böschun­gen voll­stän­dig aus­ge­führt, es ist aber anzu­neh­men, dass er tie­fer gegrün­det ist.

Pfei­ler in der Brückenmitte

Wieso steht hier mit­ten in Laat­zen eine sol­che Brü­cke in der Landschaft?

Die Eisen­bahn­stre­cke

Dre­hen wir die Zeit zurück in das Jahr 1973. In die­sem Jahr began­nen die Bau­ar­bei­ten an der Eisenbahn-​Schnellfahrstrecke Hannover-​Würzburg. Aller­dings war damals die Stre­cken­füh­rung süd­lich von Rethen noch nicht klar. Des­halb umfasste der erste Bau­ab­schnitt nur den Bereich Hannover-​Bismarckstraße bis Bahn­hof Rethen. Hier war der Aus­bau jedoch sehr umfang­reich: Bis­her befand sich hier eine ein­fa­che zwei­glei­sige Eisen­bahn­stre­cke, die nun auf vier Gleise ver­brei­tert wurde. Alte und neue Stre­cke wur­den dabei auf einem gemein­sa­men Ver­kehrs­weg inte­griert, sodass das ganze eigent­lich ein kom­plet­ter Neu­bau der gesam­ten Trasse war. Fer­tig gestellt wurde die­ser Abschnitt der Stre­cke Hannover-​Würzburg übri­gens bereits 1979, zwölf Jahre vor der Gesamtinbetriebnahme.

Das erklärt, wann diese Brü­cke ent­stan­den ist, aber noch nicht, warum.

Die Auto­bahn A30

Hier kommt nun eine andere Pla­nung jener Tage ins Spiel: Anfang der 1970er Jahre gab es auch sehr umfang­rei­che Pläne, das Auto­bahn­netz zu erwei­tern. Einer die­ser Pläne betraf die Auto­bahn A30: Sie führt heute von der nie­der­län­di­schen Grenze bis nach Bad Oeyn­hau­sen. Den Pla­nun­gen jener Tage zu Folge wäre sie von dort aus nach Osten wei­ter­ge­führt wor­den, und zwar etwa dem Ver­lauf der B65 fol­gend über Min­den, Stadt­ha­gen und Bad Nenn­dorf in den Süden Han­no­vers und von dort wei­ter nach Braun­schweig. Im Stadt­ge­biet von Han­no­ver hätte sich etwa fol­gende Tras­sie­rung ergeben:

A30-​Planung im Raum Hannover

  • Die Auto­bahn wäre im Wes­ten in einer Par­al­lel­lage zur B65 gebaut wor­den, hätte sich nord­west­lich von Ron­nen­berg von die­ser getrennt und wäre zwi­schen Ron­nen­berg und Empelde verlaufen.
  • An der Kreu­zung mit der B217 hätte es die Anschluss­stelle Wett­ber­gen gegeben
  • Die Auto­bahn­trasse hätte süd­lich an Devese vor­bei­ge­führt und die Trasse der heu­ti­gen B3 zwi­schen Hem­min­gen und Arnum gekreuzt. Dort oder an der Kreu­zung mit der eben­falls geplan­ten B3-​Ortsumgehung um Hem­min­gen und Arnum herum hätte es auch eine Anschluss­stelle gegeben.
  • Die Auto­bahn wäre dann bei Wil­ken­burg wei­ter durch das Leine-​Überflutungsgebiet geführt wor­den, hätte Laat­zen durch­quert und wäre ein Stück süd­lich der Krons­berg­kreu­zung (der heu­ti­gen B6-​Abfahrt „Messe-​Süd”) auf die Trasse der B6 getrof­fen, wo es das Auto­bahn­drei­eck Messe mit einer nur zu Mes­se­zei­ten geöff­ne­ten Anschluss­stelle Messe gege­ben hätte.

Bis hier­hin hatte man den Tras­sen­ver­lauf grob fest­ge­legt. In einem spä­te­ren Schritt sollte die Auto­bahn dann bis Braun­schweig füh­ren, wobei der heu­tige süd­li­che Teil der A37, der soge­nannte „Mes­se­stut­zen”, Teil der A30 gewor­den wäre (und die A37 im Zuge der heu­ti­gen B6 nach Hil­des­heim wei­ter­ge­führt hätte, aber das ist eine andere Geschichte…). Östlich davon sind die Pla­nun­gen aber nie so weit gedie­hen, dass auch nur der Stre­cken­ver­lauf genauer geklärt gewe­sen wäre.

Und das ist dann des Rät­sels Lösung, warum mit­ten in Laat­zen eine stra­ßen­lose Brü­cke unter der Eisen­bahn hin­durch­führt: Genau hier wäre nach die­sen Pla­nun­gen die Auto­bahn A30 ver­lau­fen! Direkt östlich der Unter­füh­rung wäre die Anschluss­stelle Laat­zen gewe­sen. Die „Ohren” der Abfahr­ten hät­ten dabei auf der Erich-​Panitz-​Straße geen­det, und zwar im Nor­den gegen­über der Ein­mün­dung Karls­ru­her Straße und im Süden in Höhe des Sankt-​Florian-​Wegs, der pas­sen­der­weise zur Feu­er­wehr führt, die hier in den 1990er Jah­ren gebaut wurde.

A30-​Planung in Laatzen

Die A30 hätte die Erich-​Panitz-​Straße genau in Höhe der heu­ti­gen Fuß­gän­ger­brü­cke zum Park der Sinne gekreuzt und die­ser Pla­nung wegen ist die Straße höchst­wahr­schein­lich an die­ser Stelle auch so tief gelegt: Die Auto­bahn hätte auf dem kur­zen Stück zwi­schen Eisen­bahn und Straße sonst nicht genü­gend Höhe für eine Brü­cke gewin­nen können.

Die Brü­cke und andere Vorleistungen

Die A30-​Planungen müs­sen Anfang/​Mitte der 1970er Jahre so aktu­ell gewe­sen sein, dass man an die­ser Stelle umfang­rei­che Vor­leis­tun­gen erbracht hat: Nicht nur die Brü­cke unter der Eisen­bahn, auch die Ein­mün­dung der Karls­ru­her Straße in die Erich-​Panitz-​Straße ist sehr groß­zü­gig tras­siert. Und als Kind habe ich mich immer sehr über die bereits voll­stän­dig vor­be­rei­tete Ein­mün­dung der süd­li­chen Auf­fahrt in die damals noch Haupt­straße genannte Magis­trale in die Laat­zener Neu­bau­ge­biete gewun­dert — sie endete nach weni­gen Metern im Wall west­lich der Straße. Beim Bau des Sankt-​Florian-​Wegs wurde die­ser Bereich voll­stän­dig umge­stal­tet und ist heute so nicht mehr erhalten.

Blick über die Auto­bahn­trasse östlich der Bahn­brü­cke. Im Hin­ter­grund die Fuß­gän­ger­brü­cke über die Erich-​Panitz-​Straße. Dort wäre auch die Auto­bahn ent­lang gelaufen

Auch andere Teile der Pla­nung erschei­nen aus heu­ti­ger Sicht wun­der­sam: Die Brü­cke ist kaum breit genug für eine vier­strei­fige Auto­bahn mit Beschleu­ni­gungs– und Brems­strei­fen für die Auf­fahrt und zusätz­li­cher Stand­spur, wie das heute üblich ist. Ange­sichts des knap­pen Plat­zes für die Auf­fahrt hätte diese aber auf jeden Fall unter der Eisen­bahn hin­weg­rei­chen müssen.

Blick von der Gras­dor­fer Seite auf die Brü­cke. Das Haus links wäre wohl nicht ste­hen geblieben.

Die Orts­durch­fahrt Gras­dorf im Zuge der Hil­des­hei­mer Straße wäre zudem rigo­ros durch­schnit­ten wor­den und eine ganze Reihe von Häu­sern hätte abge­ris­sen wer­den müs­sen. Zwar ist an die­ser Stelle in der Tat der Bebau­ungs­strei­fen in ganz Laat­zen am schmals­ten, die Schnell­straße hätte aber direkt neben dem Laat­zener Bad einer­seits und dem Agnes-​Karll-​Krankenhaus ande­rer­seits gelegen.

Blick von der Brü­cke Rich­tung Wes­ten. Die Hil­des­hei­mer Straße hätte gequert, die Bebau­ung ent­fernt wer­den müs­sen. Aller­dings beginnt unmit­tel­bar hin­ter den Häu­sern an der Hil­des­hei­mer Straße freies Feld.

Die A30-​Planungen sind östlich von Bad Oeyn­hau­sen mitt­ler­weile voll­stän­dig auf­ge­ge­ben, die Auto­bahn wird also nie kom­men. Aus heu­ti­ger Sicht wäre das auch des­halb völ­lig sinn­los, weil mit der A2 bereits eine her­vor­ra­gend aus­ge­baute Auto­bahn zwi­schen Bad Oeyn­hau­sen und Braun­schweig exis­tiert und die A30 sich nie wei­ter als 20 km von die­ser ent­fernt hätte. Bevor man nun aber den dama­li­gen Pla­nern Unfä­hig­keit unter­stellt, sollte man sich vor Augen füh­ren, dass in den 1960er Jah­ren die A2 noch auf dem Aus­bau­stand von 1939 war. Da machte es durch­aus Sinn, eine sol­che Ent­las­tungs­stre­cke zu pro­jek­tie­ren. Ich ver­mute ja, dass die Grund­satz­ent­schei­dung zum sechs­strei­fi­gen A2-​Ausbau gleich­zei­tig das Aus für die A30 bedeutete.

Es war also nur ein rela­tiv kur­zes Zeit­fens­ter, in dem die Pla­nun­gen so kon­kret waren, dass bereits Vor­leis­tun­gen erbracht wur­den. Genau in die­sen Zeit­raum sind die Neu– und Umbau­ten im nörd­li­chen Laat­zen gefal­len, sodass wir hier so eine Art „Phantom-​Autobahnabfahrt” einer Phan­tom­au­to­bahn haben.

Die Brü­cke von Wes­ten. Hät­ten hier drei Fahr­spu­ren pro Rich­tung plus Stand­strei­fen durchgepasst?

Even­tu­ell — aber das ist jetzt end­gül­tig pure Spe­ku­la­tion — hätte die Abfahrt Laat­zen sich letzt­lich als nicht rea­li­sier­bar her­aus­stel­len kön­nen — sei es wegen der Brü­cken­breite, sei es wegen der Nähe zum Kno­ten mit der B6/​A37. Die A30-​Planungen sind wohl nie über das Sta­dium einer grund­sätz­li­chen Idee wie die Trasse lau­fen könnte hin­aus­ge­kom­men. Eine tat­säch­li­che Raum­ord­nung oder gar eine Vor­be­rei­tung der Plan­fest­stel­lung haben nie statt­ge­fun­den. Es würde mich sehr inter­es­sie­ren, wie genau die Trasse im Bereich Laat­zen wirk­lich geplant wurde. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein „vor­be­rei­te­tes” Bau­vor­ha­ben letzt­lich an irgend­wel­chen Feh­lern schei­tert und die durch­ge­führ­ten Bau­vor­leis­tun­gen sich selbst bei einer Umset­zung der ursprüng­li­chen Idee als nicht nutz­bar her­aus­stel­len. Der ein­zige Vor­teil war dann, dass wenigs­tens beim Bau zusätz­li­che Geld­töpfe ange­zapft wer­den konnten.

Blick von Osten auf die Brü­cke. Hier wäre die Auto­bahn ent­lang gelaufen.

Fazit

Die Brü­cke jeden­falls wird blei­ben. Sie kürzt den Fuß­weg aus Gras­dorf zum Laat­zener Fest­platz erheb­lich ab. Ihre 35 Jahre sieht man ihr — äußer­lich jeden­falls — nicht an. Irgend­wann, wenn der Zahn der Zeit allzu stark an ihr genagt hat, wird man sie sicher­lich zurück­bauen oder gar ganz schlie­ßen. Bis dahin ist sie aber ein ste­ter Hin­weis auf eine Auto­bahn, die nie gebaut wurde.

Die Berliner U-​Bahn U55 — III — Der Brandenburger Tor

Mit ein paar Tagen Ver­spä­tung hier nun der letzte Teil mei­ner Betrach­tun­gen zur U55 in Berlin.

Kaum ist man mit der U55 am Haupt­bahn­hof los– und am Bun­des­tag vor­bei­ge­fah­ren, ist der Spaß auch schon wie­der vor­bei: Nur zwei Sta­tio­nen sind es, dann ist man am Bran­den­bur­ger Tor ange­kom­men, der süd­öst­li­chen End­sta­tion die­ser kur­zen U-​Bahnlinie. Aber diese Sta­tion hat es in sich.

Zug am Brandenburger Tor

Zug am Bran­den­bur­ger Tor

Um die einst­wei­lige End­sta­tion der U55 hat es viel Hin und Her gege­ben: Erst sollte sie nur ver­kürzt und mit einem Aus­gang gebaut wer­den, dann doch bereits in vol­ler Länge, dann gab es Pro­bleme beim Bau. Dabei waren die Vor­aus­set­zun­gen für einen zügi­gen Bau und gute Ver­knüp­fung mit dem rest­li­chen Ver­kehr hier beson­ders gut: Beim Bau der S-​Bahnstation „Unter den Lin­den” in den 1930er Jah­ren wurde bereits berück­sich­tigt, dass hier spä­ter auch mal die U-​Bahn lang­fah­ren sollte (übri­gens keine „Germania”-Planung, son­dern bereits im U-​Bahnbauplan von 1929 ent­hal­ten). Man hätte also eigent­lich ein­fach die bereits exis­tie­ren­den Zugänge neh­men kön­nen, die U-​Bahn dort ein­bauen, wo der Platz bereits vor­ge­se­hen war und fer­tig. Hätte man.

Aber ach!

Östlicher Aufgang von unten

Östli­cher Auf­gang von unten

Begin­nen wir mal auf der östli­chen Seite. Wie schon von den ande­ren bei­den Sta­tio­nen bekannt ist hier der End­aus­bau noch nicht erreicht. Ich tippe ja dar­auf, dass hin­ter der Bau­wand noch ein Roll­trep­pen­pär­chen hin­kom­men soll. Einst­wei­len bleibt erst­mal nur die Treppe.

Östlicher Aufgang

Östli­cher Aufgang

Und diese Treppe ist lang. Die Sta­tion liegt ziem­lich tief unter der Erde. Der obere Absatz führt kei­nes­falls bereits direkt nach oben, son­dern auf eine Zwischenebene.

Eingänge: links zur U-Bahn, rechts hinten zur S-Bahn

Ein­gänge: links zur U-​Bahn, rechts hin­ten zur S-​Bahn

Von der Zwi­schen­ebene aus gelangt man über einen ein­zel­nen Aus­gang in die Mitte der Straße Unter den Lin­den. Ein direk­ter Übergang zur S-​Bahn ist auf die­ser Seite der Sta­tion nicht mög­lich, man kann die Ein­gänge aber in der Ent­fer­nung erah­nen. Übri­gens natür­lich nicht mit­ten auf der Straße, son­dern links und rechts auf den Bürgersteigen.

Man kann ja sagen was man will, aber unter „zweck­mä­ßi­ger U-​Bahnarchitektur” stelle ich mir etwas ande­res vor. Zumal man ja ein­fach an den exis­tie­ren­den S-​Bahnzugang hätte anbauen kön­nen. Aber warum ein­fach und fahr­gast­freund­lich, wenn’s auch schlecht geht.

Bahnsteig vom Ostende aus gesehen

Bahn­steig vom Ost­ende aus gesehen

Keh­ren wir erst ein­mal auf den Bahn­steig zurück. Die­ser wird domi­niert von zwei Säu­len­rei­hen. Diese Archi­tek­tur ist auf neue­ren Ber­li­ner U-​Bahnstationen erstaun­lich häu­fig anzu­tref­fen. Für zweck­mä­ßig halte ich sie nur begrenzt: Die Säu­len­rei­hen ver­sper­ren die freie Sicht und schaf­fen so schlecht ein­seh­bare Räume. Zudem liegt die Sta­tion teil­weise in einer Kurve, was man eigent­lich auch ver­mei­den sollte. Zumal, wenn man unter einer schnur­ge­ra­den Straße wie Unter den Lin­den entlangbaut.

Südliche Bahnsteigkante und Stationswand

Süd­li­che Bahn­steig­kante und Stationswand

Auch am Bran­den­bur­ger Tor ist nur ein U-​Bahngleis in Betrieb und die still­lie­gende Bahn­steig­kante abge­sperrt. Auf der Wand dahin­ter erkennt man ein zen­tra­les Gestal­tungs­ele­ment der Sta­tion: Bil­der der deut­schen Tei­lung. Die­ses hin­ter­grund­be­leuch­tete Edu­tain­ment ist dabei wesent­lich bes­ser zu erken­nen, als der Sta­ti­ons­name, der in gol­de­nen Let­tern ziem­lich auf den dun­kel­brau­nen Wand­ka­cheln ver­schwin­det. Aber so ist das: Man muss halt Prio­ri­tä­ten setzen.

Linienband am Bahnsteig

Lini­en­band am Bahnsteig

Ein wenig küm­mer­lich kommt das Lini­en­band der U55 auf dem Bahn­steig daher. Das Stan­dard­de­sign der Ber­li­ner U-​Bahn lässt hier wesent­lich mehr Platz, als die drei Sta­ti­ön­chen benö­ti­gen. Und zu einem grö­ße­ren Zei­len­ab­stand konnte man sich wohl auch nicht entschließen.

Westliches Stationsende

West­li­ches Stationsende

Am west­li­chen Ende der Sta­tion fin­det sich die ein­zige voll aus­ge­baute Zug­ab­fer­ti­gungs­an­lage der Stre­cke: Wegen der Kurve in der Sta­tion lässt sich der Zug anders nicht über­bli­cken. Was aber fehlt, ist ein Signal. Diese gibt es auf der gan­zen Stre­cke nicht: Wo nur ein Zug fährt, kann sich auch nichts in die Quere kommen.

Westliche Treppen und Rolltreppen

West­li­che Trep­pen und Rolltreppen

Und nach was voll aus­ge­bau­tes: Der west­li­che Sta­ti­ons­zu­gang. Schick mit Treppe und zwei Roll­trep­pen im schö­nen Glas­de­sign. Ist auch alles in Betrieb und funk­tio­niert. Und wo führt’s hin?

Absatz im westlichen U-Bahnaufgang

Absatz im west­li­chen U-​Bahnaufgang

Ja, auf die­ser Seite der Sta­tion wurde dann in der Tat der S-​Bahnzugang für die U-​Bahn genutzt. Aber wie! Die Trep­pen und Roll­trep­pen mün­den näm­lich kei­nes­falls direkt in den Quer­gang, der von den Stra­ßen­sei­ten zum Abgang in die S-​Bahnstation führt. Statt­des­sen endet der Auf­gang zunächst etwas wei­ter west­lich in einer Art Zwischen-​Zwischenebene, von der aus man sich um 180° dre­hen und über einen wei­te­ren Trep­pen­ab­satz zum eigent­li­chen Ver­bin­dungs­gang auf­stei­gen muss. Und auf die­sem Teil­stück gibt’s dann auch keine Rolltreppen.

Ich muss ja geste­hen, dass ich bei einer neu ange­leg­ten unter­ir­di­schen Schnell­bahn­sta­tion lange nicht mehr so einen Murks gese­hen habe! Da liegt eine kom­plette Zugangs­ebene voll­stän­dig fer­tig gebaut. Da ist sogar der Platz für die Ergän­zung vor­be­rei­tet. Und dann wird die neu ein­ge­baute Sta­tion der­art in das exis­tie­rende Bau­werk hin­ein­ge­pfuscht. Es tut mir Leid: Ich begreife es nicht.

Blick vom S-Bahnbereich zur U-Bahn

Blick vom S-​Bahnbereich zur U-​Bahn

Auch vom Design her war natür­lich das Bis­he­rige nicht gut genug: Natür­lich gibt es im umge­bau­ten Zugangs­teil nicht die grü­nen Kacheln der S-​Bahn, natür­lich ist die Beleuch­tung anders, natür­lich sieht alles anders aus. Ich finde einen sol­chen Umgang mit der archi­tek­to­ni­schen Ver­gan­gen­heit schä­big: Bra­de­manns Design der S-​Bahnstation von 1936 ist jetzt nicht so völ­lig jen­seits alles Annehm­ba­ren. Warum hat man nicht wenigs­tens auf die bis­he­rige Gestal­tung Bezug genom­men, sie ein­ge­bun­den und auf dem U-​Bahnhof wei­ter­ent­wi­ckelt? Warum musste unbe­dingt etwas völ­lig ande­res gemacht wer­den, das dann ein­fach nur noch „dran­ge­klatscht” aussieht?

Aber es kommt noch bes­serschlim­mer…

Umgebauter ehemaliger S-Bahnzugang

Umge­bau­ter ehe­ma­li­ger S-​Bahnzugang

Am nord­west­li­chen Zugang zur Ver­tei­le­re­bene wurde das „S”-Signet für die S-​Bahn abge­nom­men und durch das „U”-Symbol für die U-​Bahn ersetzt. Kein Hin­weis dar­auf, dass man hier zu bei­den Bah­nen gelangt. Diese Igno­ranz wird nicht dadurch bes­ser, dass der süd­west­li­che Zugang nur ein „S” aber kein „U” hat. Und wenn man sich dann das Sym­bol genauer anschaut, dann hört irgend­wie alles auf.

Stationsschild Brandenburger Tor

Sta­ti­ons­schild Bran­den­bur­ger Tor

Wäh­rend im Unter­grund die Abgren­zung von alter und neuer Archi­tek­tur nicht groß genug sein kann, fei­ert ober­halb des Bür­ger­steigs über­bor­den­der His­to­ris­mus fröh­li­che Urständ’. Da wird also im Jahr 2009 ein Schild an die­sen Ein­gang gepappt, das kaum gru­se­li­ger zusam­men­ge­stop­selt wer­den kann:

  • Ledig­lich das U-Bahn-„U” ist zu sehen, das bis­her hier ange­brachte S-​Bahnschild ist voll­stän­dig verschwunden.
  • Auch auf den bis­he­ri­gen Sta­ti­ons­na­men „Unter den Lin­den” fin­det sich kein Hin­weis mehr — was schade ist für alle poten­ti­el­len Fahr­gäste, die nicht einen top­ak­tu­el­len Stadt­plan ihr eigen nennen.
  • Der neue Sta­ti­ons­name „Bran­den­bur­ger Tor” wird dann aller­dings in sol­chen Let­tern gesetzt, die 1936 für die Ori­gi­nal­sta­tion (und den Ori­gi­nal­na­men) ver­wen­det wur­den. So als wenn es schon immer so gewe­sen wäre.

Spä­tes­tens der letzte Punkt hat mich ernst­haft über­le­gen las­sen, auf was sich der Sta­ti­ons­name „Bran­den­bur­ger Tor” eigent­lich bezieht: Auf das Bau­werk west­lich der Sta­tion oder auf den Tor, der diese Archi­tek­tur­soße ver­zapft hat?

Wie man merkt, habe ich mich jetzt ein wenig in Rage geschrie­ben. Las­sen wir es also mit der Ein­zel­be­trach­tung des Bahn­ho­fes gut sein und zie­hen wir mal ein Resu­mee über die gesamte U-​Bahnlinie U55:

  • Ver­kehr­lich ist die U55 in die­ser Form nicht allzu bedeu­tend. Aller­dings bin­det sie erst­mals das Zen­trum des Regie­rungs­vier­tels per Schiene an den Rest des U– und S-​Bahnnetzes an — wenn nicht umsteigefrei.
  • An die­sem klei­nen biss­chen U-​Bahn wurde fast ein Jahr­zehnt her­um­ge­baut. Der durch­aus zweck­mä­ßi­gen Sta­ti­ons­ar­chi­tek­tur von „Haupt­bahn­hof” und „Bun­des­tag” steht dabei der mei­nes Erach­tens völ­lig ver­hunzte „Bran­den­bur­ger Tor”-Bau gegenüber.
  • Ande­rer­seits ist das Betriebs­kon­zept der Mini-​U-​Bahn durch­aus zufrie­den­stel­lend: Alle 10 Minu­ten mit merk­ba­ren Abfahrts­zei­ten. Und wenn man am Bun­des­tag die Bahn in die gewünschte Rich­tung ver­passt hat, ver­liert man keine Zeit, wenn man ein­fach erst­mal in die Gegen­rich­tung fährt… ;-)

Nun weiß ich ja auch, dass die U55 nur so eine Art Vor­lauf­be­trieb für die Ver­län­ge­rung der U5 nach Wes­ten ist. So etwa in zehn Jah­ren soll die Lücke zwi­schen „Alex­an­der­platz” und „Bran­den­bur­ger Tor” geschlos­sen sein und die heu­tige U55 in der U5 auf­ge­hen. Man führe sich dabei aller­dings vor Augen, dass der älteste U5-​Abschnitt von Alex­an­der­platz bis Fried­richs­felde in ins­ge­samt vier Jah­ren gebaut wurde — inklu­sive Betriebs­hof in Fried­richs­felde und der gesam­ten Sta­tion Alex­an­der­platz (mit Aus­nahme des wesent­lich älte­ren U2-​Bahnsteigs). Der Bau­zeit­un­ter­schied zum jetzt pro­jek­tier­ten Lini­en­teil ist schon sehr frappierend.

Und selbst dann, in die­ser fer­ne­ren Zukunft, bis zu der ja auch noch eini­ges Was­ser die Spree run­ter­fließt, selbst dann soll die U5 auf abseh­bare Zeit am Haupt­bahn­hof enden. Damit bleibt der Bahn­hof wei­ter­hin auf der Schiene aus west­li­cher Rich­tung nur schwer erreich­bar, näm­lich nur über die Stadt­bahn. Erst eine Ver­län­ge­rung der U5 bis Turm­straße schlösse sie wenigs­tens mal an die U9 und damit eine der wich­tigs­ten U-​Bahnlinien im Ber­li­ner Wes­ten an. Und vor dem Hin­ter­grund der Ver­knüp­fung mit der U7 halte ich sogar die Ver­län­ge­rung bis zur Jung­fern­heide für sinn­voll und gebo­ten. Es hilft ja nun mal alles nichts, wenn es da mit­ten in Ber­lin einen leis­tungs­fä­hi­gen zen­tra­len Fern­bahn­hof gibt, zu dem man bloß nicht ver­nünf­tig hinkommt.

Die Berliner U-​Bahn U55 — II — Auch nichts los am Bundestag

Das muss man erst­mal hin­be­kom­men: Eine U-​Bahn zu bauen mit mehr End­sta­tio­nen als Unter­wegshal­ten. Die U55 bringt die­ses Kunst­stück fer­tig. „Bun­des­tag” ist die ein­zige Sta­tion, in der der Zug zu bei­den Sei­ten ein– und aus­fährt. Allzu weit vom Haupt­bahn­hof ent­fernt ist sie nicht.

Nördlicher Eingang zum U-Bahnhof Bundestag, im Hintergrund der Hauptbahnhof

Nörd­li­cher Ein­gang zum U-​Bahnhof Bun­des­tag, im Hin­ter­grund der Hauptbahnhof

Die Sta­tion liegt schräg vor dem Paul-​Löbe-​Haus nord­west­lich des Reichs­tags­ge­bäu­des. Von oben ist sie durch die Tages­licht­ein­fälle erkenn­bar, die ober­halb der Säu­len ange­ord­net sind

Bereich der U-Bahnstation von oben mit Paul-Löbe-Haus links und Reichstag hinten

Bereich der U-​Bahnstation von oben mit Paul-​Löbe-​Haus links und Reichs­tag hinten

Tageslichteinfälle von oben

Tages­licht­ein­fälle von oben

Tageslicht von unten und Bahnsteig am Bundestag

Tages­licht von unten und Bahn­steig am Bundestag

Tages­licht auf dem Bahn­steig ist für Ber­li­ner U-​Bahnstationen immer noch eher unge­wöhn­lich, obwohl der bun­des­weite Trend schon seit Jahr­zehn­ten in diese Rich­tung geht. Zusam­men mit der hohen Decke, der auf­ge­lo­cker­ten Anord­nung der Stütz­säu­len und den „zufäl­lig” ange­brach­ten Kunst­lich­tern macht die Sta­tion so einen durch­aus freund­li­chen Ein­druck. Aller­dings ist die Aus­stat­tung bemer­kens­wert spar­ta­nisch für den U-​Bahnhof, der unmit­tel­bar am poli­ti­schen Zen­trum Deutsch­lands liegt.

Wand in der Station Bundestag

Wand in der Sta­tion Bundestag

Die Wände zei­gen unver­putz­ten Beton, auf den die Sta­ti­ons­schil­der ein­fach auf­ge­klebt wur­den. Ebenso archi­tek­to­nisch streng die Gelän­der, unten auf dem Bild wie­der das­je­nige längs des nicht betrie­be­nen west­li­chen Glei­ses. Eigent­lich ist der Unter­schied zum Roh­bau wie er sich zum Bei­spiel schon 2003 bot, nicht so beson­ders groß.

Rohbau der Station Bundestag im September 2003

Roh­bau der Sta­tion Bun­des­tag im Sep­tem­ber 2003

Die­ses Foto ist sei­ner­zeit im Rah­men einer Exkur­sion des Ber­li­ner Unter­wel­ten e.V. ent­stan­den. Damals war der Pla­nungs­name noch „Reichs­tag”. Man beachte die noch abge­deck­ten Tages­licht­ein­fälle, das feh­lende Bahn­steig­pflas­ter und die Bau­ge­län­der. Ansons­ten hat sich ja eigent­lich nicht so viel geändert…

Keine Rolltreppe am Bundestag

Keine Roll­treppe am Bundestag

Wäh­rend am Haupt­bahn­hof ja wenigs­tens noch eine Roll­treppe exis­tiert, hat man sich den Ein­bau an der Sta­tion Bun­des­tag völ­lig gespart. Statt­des­sen zeigt form­schö­nes Roll­blech an, wo man bei Bedarf noch­mal eine hin­bauen könnte. Die vor­ge­se­hene Breite macht mich aller­dings neu­gie­rig: Ent­we­der kommt hier eine über­breite Ein­zel­roll­treppe oder zwei sehr schmale hin.

Fahrstuhl in der Station Bundestag

Fahr­stuhl in der Sta­tion Bundestag

Dafür hat einen Fahr­stuhl, der sinn­vol­ler­weise nicht nur zur Zwi­schen­ebene, son­dern auch gleich ganz nach oben fährt. Wes­halb man auf der Zwi­schen­ebene aus­stei­gen möchte, erschließt sich mir aller­dings nicht so recht.

Durchgehende Zwischenebene

Durch­ge­hende Zwischenebene

Als Stan­dard für die Archi­tek­tur von U-​Bahnstationen hat sich schon in den 1920er Jah­ren die „Minus-​2-​Ebene” für den Bahn­steig durch­ge­setzt: Unter der Ober­flä­che kommt zunächst eine Ver­tei­le­re­bene („Minus-​1-​Ebene”), von der aus es auf den Bahn­steig geht. Das hat den Vor­teil, dass die Zugänge an der Ober­flä­che unab­hän­gig von der eigent­li­chen Bahn­stre­cke ange­ord­net wer­den kön­nen. Auch die Sta­tion Bun­des­tag ist so gebaut, aller­dings ist die Zwi­schen­ebene hier bei­der­seits des Bahn­stei­ges durch­ge­zo­gen, sodass sich eine Art umlau­fen­der Wan­del­gang ergibt. Bei mei­ner Besich­ti­gung war ich aller­dings der ein­zige, der hier wandelte.

Zug am Bundestag

Zug am Bundestag

Auch am Bun­des­tag ist nur eine der Bahn­steig­kan­ten in Betrieb. Der Zug fährt je nach Rich­tung ent­we­der zum Haupt­bahn­hof oder, wie die­ser hier, zum Bran­den­bur­ger Tor. Und genau das mache ich jetzt auch.

Unsere Reise endet mor­gen mit dem drit­ten und letz­ten Teil am Bran­den­bur­ger Tor.

Die Berliner U-​Bahn U55 — I — Wenig los am Hauptbahnhof

Heute fah­ren wir mal U-​Bahn. In Ber­lin. Und weil wir nicht viel Zeit haben, neh­men wir dafür nicht so eine rich­tige, lange U-​Bahnlinie, son­dern die U55. Die hat nur drei Sta­tio­nen und auf dem einen in Betrieb befind­li­chen Gleis pen­delt genau ein Zug. Los geht’s!

Wir begin­nen unsere Reise am Haupt­bahn­hof. Der ist ja 2006 mit viel Tam­tam eröff­net wor­den und zeich­net sich ins­be­son­dere dadurch aus, dass man nur ziem­lich schwer hin­kommt. Eigent­lich gab es bis vor kur­zem nur die Stadt­bahn als leis­tungs­fä­hi­gen Stadt­ver­kehr. Aber seit 2009-​08-​08 ist end­lich auch die schöne U-​Bahnstation in Betrieb. Sie liegt direkt östlich neben der unte­ren Gleis­ebene des Bahnhofes.

Blick aus der unteren Verteilerebene des Hauptbahnhofes in den U-Bahnbereich

Blick aus der unte­ren Ver­tei­le­re­bene des Haupt­bahn­ho­fes in den U-​Bahnbereich

Ins­ge­samt gibt es drei Durch­gänge von der Haupt­halle des Bahn­ho­fes in die U-​Bahn-​Verteilerebene. Und wie wir spä­ter auch am Bran­den­bur­ger Tor sehen wer­den, setzt sich der U-​Bahnbereich archi­tek­to­nisch vom Rest erheb­lich ab: Andere Wand­ver­klei­dun­gen, andere Beleuch­tung, gene­rell ein unab­hän­gi­ger archi­tek­to­ni­scher Stil.

U-Bahnhof Hauptbahnhof

U-​Bahnhof Hauptbahnhof

Mit der hoch­ge­zo­ge­nen Decke und den hel­len Wän­den macht die Sta­tion einen durch­aus freund­li­chen Ein­druck. Aber schnell fal­len einige Details auf, die ein für eine inner­städ­ti­sche Schnell­bahn eher unge­wohn­tes Bild hinterlassen.

Abgesperrtes Gleis am Hauptbahnhof

Abge­sperr­tes Gleis am Hauptbahnhof

Da ist zunächst die Tat­sa­che, dass eines der bei­den Gleise des Bahn­ho­fes schlicht nicht zugäng­lich ist. Und das vor der Bahn­steig­kante mon­tierte Gelän­der ist so mas­siv, dass das ganze auch nicht einer kurz­fris­ti­gen Bau­maß­nahme geschul­det sein kann. Auf dem Foto ist zudem auch die ein­zige Roll­treppe des gesam­ten Bahn­ho­fes zu bewun­dern. Es han­delt sich um eines die­ser Modelle, die in beide Rich­tun­gen lau­fen, je nach­dem, von wo jemand die still ste­hende Roll­treppe betritt.

Südlicher Treppenaufgang am Hauptbahnhof

Süd­li­cher Trep­pen­auf­gang am Hauptbahnhof

Über­haupt machen die Trep­pen­an­la­gen nicht gerade einen fer­ti­gen Ein­druck. Neben der süd­li­chen Treppe zum Bei­spiel ist noch Platz für zwei Roll­trep­pen links und rechts der Treppe und sogar das Bahn­stei­gende ist momen­tan gesperrt.

U-Bahnsteig am Hauptbahnhof

U-​Bahnsteig am Hauptbahnhof

Naja, und dann macht die Sta­tion für eine U-​Bahnstation an einem Haupt­bahn­hof, zumal in der Mil­lio­nen­stadt Ber­lin, einen selt­sam ver­las­se­nen Ein­druck. Die­ses Bild ent­stand um halb drei Uhr nach­mit­tags an einem ganz nor­ma­len Werktag.

U-Bahnzug am Hauptbahnhof

U-​Bahnzug am Hauptbahnhof

Des Rät­sels Lösung liegt im Betrieb die­ser U-​Bahnstrecke: Sie endet hier am Haupt­bahn­hof. Und auf der ande­ren Seite fährt sie auch nicht so furcht­bar weit. Gerade Mal zwei Sta­tio­nen lie­gen dort und der ein­zige Zug auf der Linie braucht für die Stre­cke keine drei Minu­ten. Betrach­ten wir das Linienband.

Linienband der U55 im Zug

Lini­en­band der U55 im Zug

So rich­tig lang sieht das nicht aus. Ist es auch nicht. Die U55 ist zudem an kei­ner Stelle mit dem rest­li­chen U-​Bahnnetz Ber­lins ver­knüpft, wes­halb die ins­ge­samt acht Wagen per Kran in den Tun­nel gehievt wur­den. Einer der bei­den Vier-​Wagen-​Züge pen­delt nun auf dem östli­chen Gleis der Stre­cke, der andere steht als Reserve in der Kehr­an­lage nörd­lich des Hauptbahnhofes.

Abfahrt am Hauptbahnhof

Abfahrt am Hauptbahnhof

Der Fahr­plan ist ent­spre­chend ein­fach: Es gibt einen 10-​Minutentakt, wobei der Zug die eine Hälfte der Zeit fährt und die andere Hälfte der Zeit in den End­sta­tio­nen steht. In die­ser Zeit ist der Fah­rer damit beschäf­tigt, vom einen Ende des Zuges zum ande­ren Ende zu gehen. Nun denn, stei­gen wir ein.

Mor­gen geht’s wei­ter: Dann errei­chen wir den ein­zi­gen Unter­wegs­bahn­hof der Stre­cke: Bun­des­tag. Und einen drit­ten Teil über den Bahn­hof „Bran­den­bur­ger Tor” gibt’s auch.

Fahrplananzeige in Hannover jetzt mit Wohlfühlfaktor

Am frü­hen Sonn­tag­abend hatte die Deut­sche Bahn offen­sicht­lich beschlos­sen, ihren Kun­den mal was Gutes zu tun: Warum immer die­ses Rum­ge­nerve mit den Abfahrt­zei­ten? Diese vie­len Zah­len: Uhr­zei­ten, Gleise, Zug­num­mern — wer soll da durch­fin­den? Und dann gibt’s womög­lich noch Ver­spä­tun­gen und Stress und Ärger. Da hat das Bahn­hofs­ma­nage­ment wohl mal einen Ver­such zur all­ge­mei­nen Erbau­ung und Hebung der Moral gestar­tet und auf dem Abfahrts­mo­ni­tor ein­fach mal schöne bunte Bil­der gezeigt:

Abfahrtstafeln im Hauptbahnhof Hannover am 2009-08-30

Abfahrt­s­ta­feln im Haupt­bahn­hof Han­no­ver am 2009-​08-​30

Weil’s so schön ist, hier noch­mal im Detail:

Abfahrtstafeln im Hauptbahnhof Hannover am 2009-08-30

Abfahrt­s­ta­feln im Haupt­bahn­hof Han­no­ver am 2009-​08-​30

Was für ein schö­nes ICE-​Foto! Da sind diese gan­zen blö­den Infor­ma­tio­nen wo jetzt wann wel­cher Zug fährt, plötz­lich total neben­säch­lich. Für die Zukunft emp­fehle ich aller­dings, in sol­chen Fäl­len auch auf die Laut­spre­cher­durch­sa­gen zu ver­zich­ten und statt­des­sen ein biss­chen Ent­span­nungs­mu­sik einzuspielen…

Von Hannover nach Berlin über den Außenring

Nach etli­chen Poli­tik­ar­ti­keln zur Abwechs­lung mal was, das nur mit­tel­bar damit zu tun hat: Hannover-​Berlin mit der Bahn dau­ert momen­tan nicht 1 Stunde und 40 Minu­ten, son­dern 30 Minu­ten län­ger. Das liegt an Bau­ar­bei­ten zwi­schen Span­dau und Char­lot­ten­burg. Statt die ICE nun aber ein­fach über den Nord­ring und dann nach Haupt­bahn­hof (unten) zu füh­ren, hat man sich für eine kleine Odys­see entschieden:

Unmit­tel­bar hin­ter dem Bahn­hof Wus­ter­mark wech­selt der ICE von der Schnell­fahr­stre­cke auf die Stamm­bahn, die hier gerade wie­der elek­tri­fi­ziert ist und fährt dann über die süd­west­li­che Ver­bin­dungs­kurve auf den Ber­li­ner Außen­ring. Hier fährt sonst nur Regio­nal– und jede Menge Güter­ver­kehr. Nach einer gefühl­ten hal­ben Ewig­keit geht es dann über die nächste Ver­bin­dungs­kurve nach Potsdam/​Wildpark und über Pots­dam, Wann­see und durch den Gru­ne­wald nach Char­lot­ten­burg und auf die Stadt­bahn. Macht ins­ge­samt etwa 30 Minu­ten mehr Fahr­zeit. Und zwar in beide Richtungen.

Die Stre­cke auf dem Außen­ring ist his­to­risch gese­hen nicht unin­ter­es­sant: Der gesamte Außen­ring wurde erst in den 1950er Jah­ren von der DDR gebaut um die auf Ber­lin zulau­fen­den Eisen­bahn­stre­cken außer­halb von West­ber­lin ver­knüp­fen und an die Bahn­höfe im Osten her­an­füh­ren zu kön­nen. Gerade hier, west­lich von West­ber­lin, war man ansons­ten ziem­lich abgehängt.

Mitt­ler­weile haben sich die Ver­kehrs­ströme ja nun radi­kal geän­dert (ein biss­chen ist das mit der Mau­er­öff­nung ja auch schon her). Ich bin hier vor­her noch nie lang­ge­fah­ren. Da die Eisen­bahn­stre­cke aber eher stra­te­gi­scher Natur und vor allem für den Güter­ver­kehr wich­tig ist, wusste ich, dass man eher nicht durch die Sied­lungs­zen­tren durch­fährt. In der Tat geht es meis­tens an den Orten vor­bei. Das hat den Bahn­hö­fen nicht gut getan. Im Einzelnen:

  • Pri­ort gibt es noch und es sieht so aus, als wären die Bahn­steig­häus­chen und Auf­gänge immer noch die DDR-​Originale, bloß mitt­ler­weile halt sehr her­un­ter­ge­kom­men, zuge­schmiert und kaputt.
  • Satz­korn ist geschlos­sen. Man kann die Bahn­steige noch erken­nen, das Emp­fangs­ge­bäude hin­ge­gen ist ver­ram­melt und ver­fällt mas­siv. Ins­be­son­dere ist der Bahn­hofs­name mitt­ler­weile nur noch schwer zu erkennen.
  • Mar­quardt gibt es noch und der Erhal­tungs­zu­stand ist mit dem des Bahn­ho­fes Pri­ort vergleichbar.
  • Bor­nim Grube (vom Namen her mein Lieb­lings­bahn­hof auf die­ser Stre­cke…) ist geschlos­sen und gera­dezu dem Erd­bo­den gleich gemacht. Die Bahn­steige sind ver­schwun­den und das Emp­fangs­ge­bäude sieht noch wesent­lich mehr nach Ver­fall aus als das in Satzkorn.
  • Golm schließ­lich ist der ein­zige Bahn­hof, der wesent­lich moder­ni­siert wurde. Die Bahn­steige sind neu und hoch. Offen­sicht­lich ver­sucht die Gemeinde, am Bahn­hof eine Art Gewer­be­ge­biet hoch­zu­zie­hen, aller­dings ist die Bau­dichte noch nicht beson­ders hoch. Beson­ders schön ist ein Krei­sel auf der Zufahrt zum Bahn­hof, an den bis­lang nur an zwei Sei­ten Stra­ßen ange­schlos­sen wurden.

Unmit­tel­bar süd­lich von Golm befin­den sich Gleis­ver­bin­dun­gen in alle Rich­tun­gen und die Ver­bin­dungs­kurve Rich­tung Pots­dam zweigt ab. In Pots­dam kommt dann auch die Stre­cke aus Mag­de­burg dazu, auf der die ICE zwi­schen Han­no­ver und Ber­lin vor Eröff­nung der Schnell­fahrt­stre­cke über Sten­dal fuh­ren. Ab hier ist mir dann also alles wie­der bes­tens bekannt.

Diese außer­ge­wöhn­li­che Betriebs­füh­rung gilt momen­tan wohl tat­säch­lich für alle Fern– und Nah­ver­kehrs­züge (Linie RE2). Wer also den Außen­ring noch nie oder schon lange nicht mehr gese­hen hat und irgend­wie in die Rich­tung muss — noch bis 4. Juli bie­tet sich die Mög­lich­keit, die kleine Stadt­um­run­dung sozu­sa­gen „im Fahr­preis inbe­grif­fen” zu bekommen.

Und was hat das jetzt „mit­tel­bar” mit Poli­tik zu tun? Rich­tig: Für die Phoenix-​Geschichte vom Mon­tag musste ich ja nach Ber­lin. Und am heu­ti­gen Don­ners­tag geht’s noch­mal für ver­schie­dene Ter­mine hin. Dem­nächst mehr in die­sem Theater…

Carsharing im russischen Fernsehen

Im März war ein Film­team in Deutsch­land, das für den rus­si­schen Fern­seh­sen­der „HTB” unter ande­rem einen Film­be­richt über das deut­sche Car­sha­ring gedreht hat. Am Bei­spiel eines Kun­den von Stadt­mo­bil Ber­lin wurde gezeigt, wie das so funk­tio­niert mit der Buchung im Inter­net, den Fahr­zeug­stand­or­ten und den Bord­com­pu­tern. Auch ich habe einen (kur­zen) Auftritt.

Im Mit­tel­teil des Berichts ist dem Repor­ter ein gewis­ses Erstau­nen selbst ohne Sprach­kennt­nisse anzu­mer­ken, dass aus­ge­rech­net in „Ger­mani” mit der gro­ßen Auto­in­dus­trie Men­schen sich Autos tei­len. Laut mei­ner rus­sisch­spra­chi­gen Mit­ar­bei­te­rin ist der Bei­trag aber alles in allem posi­tiv und schließt mit der rus­si­schen Ver­sion des alten deut­schen Sprich­wor­tes: „Wer den Pfen­nig nicht ehrt, ist den Taler nicht wert.”

Im Inter­net ist der 2:57-Minuten-Bericht zu fin­den unter

http://​news​.ntv​.ru/​1​5​2​195

Bahnfahren am Tag 1 nach Mehdorn

Es war nicht geplant, aber wie es der Zufall so will, bin ich am Tag nach dem Rück­tritt des bis­he­ri­gen „Bahn­chefs” Hart­mut Meh­dorn ein­mal quer durch die Repu­blik von Frei­burg nach Han­no­ver gefahren.

Und was soll ich sagen: Die Züge waren auf die Minute pünkt­lich, alle Zug­be­glei­ter freund­lich an der Grenze zur Fröh­lich­keit und sogar die eng­lisch­spra­chi­gen Ansa­gen im Zug („Sänk ju for trab­bel­ling wiss Deut­sche Bahn”) verständlich.

Kann aber natür­lich auch Zufall gewe­sen sein…