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Der zweite Tod des Loriot: Von der Bankrotterklärung des Urheberrechts

Am 22. August 2011 starb Vicco von Bülow, bes­ser bekannt als Loriot. Von Bülows Ein­fluss auf die Popu­lär­kul­tur der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in den letz­ten 40 Jah­ren ist erheb­lich: Begriffe wie „Jodel­di­plom” oder Rede­wen­dun­gen wie „Die Ente bleibt drau­ßen!” sind in die deut­sche Umgangs­spra­che ein­ge­gan­gen und sein fil­mi­sches und lite­ra­ri­sches Werk sind wei­ten Tei­len der Bevöl­ke­rung geläufig.

Die­ser Tage stirbt Loriot einen zwei­ten Tod. Abzu­se­hen war dies bereits vor eini­gen Tagen, als Heise Online ver­mel­dete, die Loriot-​Erben hät­ten die Wiki­pe­dia wegen der Abbil­dung von Brief­mar­ken mit typi­schen Loriot-​Motiven ver­klagt. Nun hat die Link­über­wa­chung mei­nes Blog bei mei­nem Link auf eine Youtube-​Veröffentlichung der „Weih­nach­ten bei Hop­pens­tedts” zuge­schla­gen. Und in der Tat sieht der geneigte Betrach­ter nun nur noch dies:

Weihnachten bei Hoppenstedts: In die Röhre geschaut

Weih­nach­ten bei Hop­pens­tedts: In die Röhre geschaut

Wir wer­den hier Zeuge der desas­trö­sen Aus­wir­kun­gen unse­res aktu­el­len Urhe­ber­rechts­re­gimes auf die kul­tu­relle Welt unse­res Lan­des. Ein­zelne, am Ent­ste­hungs­pro­zess weit­ge­hend Unbe­tei­ligte, ent­zie­hen der Gesell­schaft Grund­la­gen ihres kul­tu­rel­len Wis­sens­schat­zes — legal und unter Anwen­dung äußerst restrik­ti­ver juris­ti­scher Werk­zeuge. Ich unter­stelle mal, dass dies aus wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen geschieht. Und das macht die Sache völ­lig zur Farce. Denn: Dass ein wirt­schaft­li­ches Inter­esse an den inkri­mi­nier­ten Inhal­ten besteht, ist ja über­haupt nur eben­die­ser Gesell­schaft zu ver­dan­ken, die sich dafür interessiert.

Schwie­rig zu ver­ste­hen? Ich ver­su­che es noch­mal anders herum: Ein Künst­ler schafft ein Werk. Er macht dies öffent­lich, um Inter­esse zu wecken und — übli­cher­weise — einen wirt­schaft­li­chen Wert zu schaf­fen. Die­ser tritt ein, wenn es tat­säch­lich Men­schen gibt, die sich für das Werk inter­es­sie­ren. Dar­auf­hin ist es dem Künst­ler oder auch einem berech­tig­ten Drit­ten mög­lich, der nun­mehr inter­es­sier­ten Öffent­lich­keit das Werk wie­der zu ent­zie­hen und mit rigi­des­ten Rechts­mit­teln gegen die wei­tere Öffent­lich­keit des Wer­kes vor­zu­ge­hen. Und Loriot ist kein Ein­zel­fall: Wer erin­nert sich noch an das infan­tile „Schnappi”-Krokodil? Wie war das mit den Harry-​Potter-​Fans, die nach den sen­sa­tio­nel­len Ver­kaufs­er­fol­gen plötz­lich juris­ti­schem Sperr­feuer aus­ge­setzt waren?

Fühlt sich hier noch wer für dumm verkauft?

Es mag vie­len von uns nicht bewusst sein, aber die „west­li­che Welt” hat in den ver­gan­ge­nen 50 Jah­ren eines der repres­sivs­ten, öffent­lich­keits­feind­lichs­ten und ins­ge­samt kul­tur­schäd­lichs­ten Urhe­ber­rechts– und Ver­wer­tungs­re­gime der Mensch­heits­ge­schichte instal­liert. Nur so sind Mecha­nis­men wie die oben geschil­der­ten durch­setz­bar — zum Scha­den aller Betei­lig­ten. Kul­tu­relle Werke kön­nen auf Zuruf der Öffent­lich­keit ent­zo­gen wer­den, ein Inter­es­sens­aus­gleich für eben diese Öffent­lich­keit — die durch ihr Inter­esse ja über­haupt erst eine Grund­lage für die Rele­vanz des Kul­tur­guts geschaf­fen hat — fin­det nicht statt. Erstaun­lich, dass der­lei Trei­ben so unwi­der­spro­chen in Öffent­lich­keit und Poli­tik bleibt.

Als Pirat (in der 2. Bedeu­tung des Wor­tes) werde ich häu­fi­ger auf unsere Posi­tio­nen zum Urhe­ber­recht ange­spro­chen. „Ihr wollt ja, dass alle alles kopie­ren kön­nen, wovon sol­len die Künst­ler denn leben?” bekomme ich dann mit leicht vor­wurfs­vol­lem Ton­fall zu hören. Ich ant­worte dann stets, dass Pira­tens eben nicht die völ­lige Abschaf­fung von Urhe­ber­recht und Wert­schöp­fung for­dern. Aber die Waage zwi­schen den ver­schie­de­nen Ansprü­chen muss neu aus­ta­riert wer­den. Der Gesell­schaft sind im momen­ta­nen Sys­tem alle Rechte an ihren eige­nen kul­tu­rel­len Wur­zeln genom­men. Das pas­siert des­halb, weil soge­nannte Schutz­rechte in völ­lig aus­geu­fer­ter Weise erteilt und durch­ge­setzt wer­den. Gerade vor dem Hin­ter­grund der tech­ni­schen Ent­wick­lung der letz­ten 20 Jahre muss es hier zu einer Kor­rek­tur zu Las­ten der soge­nann­ten Rech­te­in­ha­ber zu Guns­ten der All­ge­mein­heit kom­men. Und das bedeutet:

  • Mas­sive Kür­zung von Schutz­fris­ten an kul­tu­rel­len Werken
  • Schutz­zei­to­ri­en­tie­rung am Ent­ste­hungs– oder Ver­öf­fent­lich­keits­zeit­punkt des Wer­kes, nicht am Tod des Werkschaffenden
  • Vor­zei­ti­ges Erlö­schen von Schutz­rech­ten mit dem Tod des Werkschaffenden
  • Keine Aus­wei­tung von Schutz­rechts­an­sprü­chen, zum Bei­spiel durch ein Leis­tungs­schutz­recht für Verleger
  • Unter­schei­dung von kom­mer­zi­el­ler und nicht-​kommerzieller Nut­zung eines Werkes
  • Abschaf­fung von Beweis­last­um­kehr­me­cha­nis­men wie der völ­lig über­hol­ten „GEMA-​Vermutung
  • All­ge­meine För­de­rung von alter­na­ti­ven Lizenz­mo­del­len wie „Crea­tive Com­mons” durch ver­stärkte Nut­zung durch öffent­li­che Stellen

Loriot ist tot. Für ihn ist der Hick-​Hack um sein Werk nicht mehr rele­vant. Wir als Gesell­schaft sehen uns jetzt Ver­wer­ten sei­nes Wer­kes gegen­über, denen es — so stellt es sich für mich dar — nicht um die Kul­tur, son­dern um ihre Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen geht. Das kann man ihnen, so fair muss man sein, gar nicht wirk­lich anlas­ten. Denn der Feh­ler liegt in einem Sys­tem, das sol­ches Vor­ge­hen über­haupt erst ermöglicht.

Und das müs­sen wir ändern!

Berliner Piraten und die „Datenschutzpanne”: Von CC: und BCC:

Rumms! Da ist es pas­siert: Daten­schutz­panne in Ber­lin! Bei den Pira­ten! Aus­ge­rech­net bei die­sen Vor­rei­tern von Daten­si­cher­heit und Privatsphäre.

Im Rah­men des Bewer­bungs­pro­zes­ses für die dor­tige Frak­ti­ons­ge­schäfts­stelle wurde eine Rund-​E-​Mail an alle Bewer­ber ver­se­hent­lich so ver­schickt, dass jeder Emp­fän­ger die Adres­sen aller ande­ren Emp­fän­ger (also der Mit­be­wer­ber) in der E-​Mail sehen konnte. Tech­nisch gespro­chen: Die Emp­fän­ger wur­den nicht in das Feld für „Blind­ko­pien” („blind car­bon copy, BCC”) ein­ge­tra­gen, son­dern bei den „nor­ma­len” Kopien („car­bon copy, CC”).

Mir kom­men dazu drei Gedanken:

Ers­tens ist diese Panne zwei­fels­ohne ärger­lich und unnö­tig, aber sie ist nicht der Unter­gang des Abend­lan­des. Letzt­lich geht es um sehr ein­ge­schränkte Daten, die zudem bei wei­tem nicht in allen Fäl­len einer Per­son zuzu­ord­nen sein dürf­ten. Da die Bewer­ber jetzt zudem auch noch unter­ein­an­der Kon­takt auf­neh­men kön­nen, macht das ganze die Sache für die Frak­tion auch noch eher schwieriger.

Die Wahr­schein­lich­keit für einen sol­chen Feh­ler lässt sich, und das ist mein zwei­ter Gedanke, durch tech­ni­sche Maß­nah­men redu­zie­ren. Im Heise-​Artikel wird eine Begren­zung von Emp­fän­gern ange­spro­chen, die nun imple­men­tiert wer­den soll. Ich habe ja auch schon grö­ßere Rund­mails her­um­ge­schickt und die latente Gefahr der Fehl­be­die­nung ist mir sehr bewusst. Des­halb arbeite ich in sol­chen Fäl­len schon lange nicht mehr mit der Standard-​E-​Mail-​Kopiefunktion, son­dern mit einem klei­nen Skript, das aus einer Datei die E-​Mail und aus einer ande­ren die Emp­fän­ger­liste liest und dann an jeden Emp­fän­ger eine ein­zelne E-​Mail ver­sen­det. Denn auch der Rück­griff auf Blind­ko­pien („BCC”) ist nicht wirk­lich sicher, man ver­lässt sich hier dar­auf, dass Sys­teme, die nicht unter eige­ner Auf­sicht ste­hen, sich an die Regeln hal­ten. Kann sein, muss aber nicht.

Schließ­lich, und das mei­nes Erach­tens das Wich­tigste, ist dies auch ein Bei­trag zu einem Lern­pro­zess inner­halb der Pira­ten­par­tei selbst: Wo Men­schen arbei­ten, pas­sie­ren Feh­ler. Gerade in Sachen „Daten­schutz” gibt es einige Mei­nungs­ver­tre­ter, die von einem sehr hohen Ross argu­men­tie­ren, nichts außer der abso­lu­ten Maxi­mal­lö­sung gel­ten las­sen und soziale Pro­bleme mit tech­ni­schen Maß­nah­men lösen wol­len. Das funk­tio­niert nicht und wird auch nie funk­tio­nie­ren. Hier ist ein Feh­ler pas­siert und noch viele Feh­ler wer­den die­sem fol­gen. Es wäre jetzt nicht ziel­füh­rend, Mar­tin Delius oder wen auch immer „zur Ver­ant­wor­tung zie­hen” zu wol­len. In Sachen Daten­schutz und Daten­si­cher­heit müs­sen wir viel­mehr ein ins­ge­samt schlüs­si­ges Kon­zept ver­fol­gen, das einer­seits einen sorg­fäl­ti­gen Umgang mit Daten und Infor­ma­tio­nen sicher­stellt, ande­rer­seits aber auch von den Anwen­dern beherrsch­bar ist. Das wird man mit Maxi­mal­lö­sun­gen nicht erreichen.

Ich selbst bin zum Bei­spiel schon immer wie­der ange­nervt davon, dass das PGP-​Plugin mei­nes Thun­der­bird keine Mög­lich­keit vor­sieht, eine E-​Mail dau­er­haft zu ent­schlüs­seln. Was soll sowas? Hält die­ses Pro­gramm mich für unfä­hig, ver­trau­li­che Daten auf mei­nem Sys­tem ange­mes­sen zu schützen?

Also, liebe Pira­ten: Sehen wir die­sen Vor­fall als eine Nach­richt aus der „rich­ti­gen Welt”. Bauen wir mit unse­ren Pro­gramm­punk­ten und Ideen dar­auf auf, dass diese Welt so ist wie sie ist. Akzep­tie­ren wir, dass sich ein per­fek­ter Schutz nicht errei­chen lässt. Und dass der Ver­such, ihn zu errei­chen, so vie­les kaputt macht, dass man recht­zei­tig mit die­sem Stre­ben nach Per­fek­tion auf­hö­ren sollte.

betrifft: Die Piratenpartei — Diskussionsveranstaltung im Pavillon am Raschplatz

Ein Ver­an­stal­tungs­hin­weis in eige­ner Sache: Am heu­ti­gen Don­ners­tag fin­det um 19 Uhr im Pavil­lon am Rasch­platz in Han­no­ver eine Dis­kus­sion zur Pira­ten­par­tei statt. „betrifft” heißt die Ver­an­stal­tungs­reihe und bei „betrifft: Die Pira­ten­par­tei” geht es der Ankün­di­gung nach um „das Große Ganze”: Sind wir ein rei­ner Pro­test­wäh­ler­ver­ein oder ste­hen wir für eine neue Poli­tik? Auf der Bühne der Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Sebas­tian Krät­zig und das Grüne Urge­stein Silke Sto­kar, womit die Grund­ten­denz des Abends schon vor­ge­zeich­net ist: Was sagt die Poli­tik­wis­sen­schaft zu den Pira­ten und natür­lich das beliebte Man­tra: „Die Pira­ten sind heute das, was die Grü­nen vor 30 Jah­ren waren.”

Das ist für mich beson­ders inter­es­sant, denn der dritte im Bunde auf der Bühne — bin ich. Ein­ge­la­den und ange­kün­digt als „Regionschef” — das ist irgend­wie die pres­se­gän­gige Bezeich­nung für den „Vor­sit­zen­den des Regi­ons­ver­ban­des Hannover” — bin ich just seit heute auch Abge­ord­ne­ter im Rat der Stadt Han­no­ver, und damit unter den ers­ten 100 Men­schen in Deutsch­land, die für die Pira­ten­par­tei in all­ge­mei­nen Wah­len in ein Gre­mium gewählt wur­den. Und ich kenne die Pira­ten­par­tei fast seit ihren Anfän­gen: Im Okto­ber 2006 war ich einer jener fünf Men­schen, die am aller­ers­ten Inter­es­sen­ten­tref­fen in Han­no­ver — und in Nie­der­sach­sen — teil­ge­nom­men haben. Seit­her bin ich in wech­seln­den Rol­len in der Par­tei aktiv, unter ande­rem 2008/​2009 als Bun­des­vor­sit­zen­der. Ich denke, ich kann schon das eine oder andere dazu sagen, was die Pira­ten sind, was sie nicht sind, und warum ich doch deut­li­che Unter­schiede zwi­schen uns und den Grü­nen Anfang der 1980er Jahre sehe. Anders­herum bin ich aber durch­aus gespannt auf diese Ver­glei­che. Die Anfangs­zeit der Grü­nen liegt ganz am Rand mei­ner eige­nen Erin­ne­run­gen, viel habe ich, Jahr­gang 1972, von Poli­tik damals noch nicht mitbekommen.

Ich freue mich also auf die heu­tige Dis­kus­sion. Es wird bestimmt ein inter­es­san­ter Abend.

Facebook

Da habe ich nun etwas gemacht, das bei vie­len Men­schen in mei­nem Umfeld eine gewisse Fas­sungs­lo­sig­keit aus­ge­löst hat: Seit etwa einem Monat bin ich bei Face­book regis­triert. Genau: Das ist diese Daten­krake, der schon unsere extrem kom­pe­tente „Ver­brau­cher­schutz­mi­nis­te­rin” öffent­lich­keits­wirk­sam den Rücken kehrte, weil dort so unglaub­lich böse Dinge mit der Pri­vat­sphäre pas­sie­ren wür­den und die über­all rum­schnüf­feln und überhaupt…

Die Ver­brau­cher­schutz­mi­nis­te­rin gehört übri­gens der­je­ni­gen Par­tei an, die am lau­tes­ten nach Vor­rats­da­ten­spei­che­rung und Über­wa­chungs­staat schreit. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Ich gehöre zu den Men­schen, die über eine Sache am liebs­ten erst dann urtei­len, wenn sie sich selbst ein Bild machen konn­ten. Nach einem Monat bin ich nun lang­sam so weit, dass ich einen klei­nen Rea­li­tät­scheck wage, was diese Aus­sa­gen betrifft. Und des­sen Res­u­mée lau­tet: Es wird nichts so heiß geges­sen, wie es gekocht wird. Tat­säch­lich weiß Face­book von mir als Nut­zer nicht mehr als mei­nen Namen, meine E-​Mailadresse und meine Han­dy­num­mer. Letz­tere war für die Anmel­dung nötig, die bei­den ande­ren habe ich zwar mit mei­nem bür­gen­li­chen Namen hin­ter­legt, dies wäre aber nicht zwin­gend. Und in der Tat trei­ben sich in mei­ner Freun­des­liste so einige Men­schen herum, die mit einem Phan­ta­sie­na­men oder zumin­dest einem stark gekürz­ten Nach­na­men unter­wegs sind. Andere „harte Fak­ten” kennt das „soziale Netz­werk” von mir nicht.

Dann habe ich als erste Amts­tat mei­nem neu ange­leg­ten Pro­fil eine rela­tiv weit­ge­hende Ver­schwie­gen­heit ver­ord­net: Fast alle Inhalte sind nur von mei­nen „Freun­den” les­bar. Auch dies scheint eine recht ver­brei­tete Tak­tik zu sein, jeden­falls konnte ich auch bei vie­len mei­ner jet­zi­gen Kon­takte vor dem Knüp­fen der „Freund­schaft” im Pro­fil nichts oder nur wenig lesen.

Inso­fern ist das ganze zunächst mal ziem­lich dicht und ent­spricht mei­nen eige­nen Anfor­de­run­gen daran, wie ich von Inter­net­diens­ten erwarte, dass sie mit mei­nen Daten umge­hen. Aller­dings sind der eigent­li­che Daten­schatz bei Diens­ten wie Face­book ja gar nicht so sehr meine rea­len Daten, son­dern die Infor­ma­tio­nen im Sys­tem: Mit wem bin ich bekannt, wer ist bei mir Freund, auf wes­sen Seite lese ich, was mar­kiere ich mit „Gefällt mir”. Dar­aus lässt sich durch­aus ein gewis­ses Bild mei­ner Per­son zeich­nen. Aller­dings sind es nun­mal genau diese Infor­ma­tio­nen, die das „soziale Netz­werk” Face­book aus­ma­chen. Des­halb gehe ich die­sen Kom­pro­miss ein, gebe diese Daten in die Rech­ner des Face­book­sys­tems und bekomme dafür die Vernetzung.

Und die ist gar nicht schlecht. Es geht hier um das ein­fa­che In-​Kontakt-​Bleiben und den Aus­tausch von Infor­ma­tio­nen (unab­hän­gig von Gehalt und Niveau), und da hat Face­book in der Tat vie­les rich­tig gemacht. Ich kann kurze State­ments hin­ter­las­sen, die State­ments ande­rer Teil­neh­mer kom­men­tie­ren, schnell mal ein Bild, ein Video oder einen Link pos­ten und auch die wie­der kom­men­tie­ren las­sen oder an Andere wei­ter­schi­cken. Das alles mit weni­gen Klicks und ziem­lich intui­tiv. Das geht genau auf die rich­tige Art und Weise unkom­pli­ziert und im Vor­bei­ge­hen, sodass man es auch tat­säch­lich benutzt.

Und was hat man nun für „Freunde” auf Face­book? Naja, quer durch den Gar­ten. Bei mir sind’s viele Pira­ten (logisch), Kol­le­gen, „reale” Freunde (ja, sowas habe ich…) und Fami­lie. Ins­be­son­dere habe ich über Face­book mitt­ler­weile auch einige alte Schul­ka­me­ra­den wie­der­ge­fun­den bzw. habe hier die Mög­lich­keit, auf die bereits beschrie­bene unkom­pli­zierte Weise in Kon­takt zu blei­ben. Ja, ich gebe zu, es war ein durch­aus posi­ti­ver Zufall, dass aus­ge­rech­net in meine Facebook-​Einstiegsphase mein 20-​jähriges Abi-​Jubiläum fiel. Der Clou ist dabei weni­ger, dass ich alle diese Men­schen jetzt errei­chen könnte — bei den aller­meis­ten ging das auch vor­her schon -, son­dern dass ich sie auf Face­book ein­fach errei­chen kann. Und das scheint nicht nur mir so zu gehen: Kurze Nach­richt über das Nach­rich­ten­tool — kurze Ant­wort kommt häu­fig sehr schnell zurück. Ein­fa­cher als E-​Mails, län­ger als Twit­ter, zudem ggf. mit Bil­dern und Links auf­ge­peppt — Facebook-​Nachrichten bil­den mei­ner (zuge­ge­be­ner­ma­ßen kur­zen) Erfah­rung nach eine eigene Nuance im Kon­ti­nuum der text­ba­sier­ten Kommunikationswege.

Zudem geht das ganze auch ohne große Abstri­che übers Handy. Die Facebook-​Android-​App is’ zwar nich’ so dolle, aber zum kur­zen Che­cken „Hat wer was geschrie­ben?” oder „Was machen denn die ande­ren gerade?” reicht es vollkommen.

Inso­fern würde ich viele der Warn­rufe über die „gefähr­li­che Daten­krake” Face­book nicht unein­ge­schränkt tei­len. Sicher, man kann sich in einem sozia­len Netz­werk kom­plett nackig machen. Zumin­dest Face­book im Juni 2011 erzwingt dies aber kei­nes­wegs. Man muss halt — wie so häu­fig im Leben — wis­sen was man tut. Aber viel­leicht sieht man das auch etwas anders, wenn man in Wiki­pe­dia zu fin­den ist

Und über was redet man bei Face­book nun so? Naja, wie nicht anders zu erwar­ten: Immer nur über das Wichtigste…

Facebookkonversation, authentisches Beispiel

Face­book­kon­ver­sa­tion, authen­ti­sches Beispiel

Für die­ses Blog hat meine Facebook-​Anmeldung übri­gens auch zwei Kon­se­quen­zen: Zum einen sollte jeder neue Arti­kel hier ab sofort auf mei­ner Pinn­wand ange­kün­digt wer­den und zum ande­ren hat jeder Arti­kel hier jetzt einen „Gefällt mir”-Knopf, mit dem andere Face­booker auf ihn hin­wei­sen kön­nen. Für bei­des ver­wende ich das WordPress-​Plugin „Add Link to Face­book”. Mal sehen, ob das alles so funk­tio­niert wie die Anlei­tung sagt.

Von Bildern, Parteien und Lizenzen. Heute: Die Linke und die Stadtbahn in Hannover

Es ist doch immer wie­der erhel­lend, im Inter­net zu sur­fen. Neh­men wir mal die „Rick­lin­ger Pla­kat­wand” des han­no­ver­schen loka­len Inter­net­ma­ga­zins „Ihme­bote”. Da fin­det sich (immer noch) ein Pla­kat einer Ver­an­stal­tung der Par­tei „Die Linke” aus dem April 2010:

Plakat für eine Diskussionsveranstaltung der Linken

Pla­kat für eine Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung der Linken

So weit, so gut. Ich bin aber an dem Motiv des Pla­kats hän­gen­ge­blie­ben. Die­ses Stadt­bahn­bild, hm, … irgend­wo­her kenne ich das. Und ich bin dann auch recht schnell drauf gekom­men: Es ist von mir.

Wikipediabild des hannoverschen Stadtbahnwagens TW2000

Wiki­pe­dia­bild des han­no­ver­schen Stadt­bahn­wa­gens TW2000

Im März 2001 habe ich die­ses Bild am Vah­ren­wal­der Platz foto­gra­fiert und im Juni 2005 in den Wikipedia-​Artikel über die han­no­ver­sche Stadt­bahn ein­ge­baut. So liegt es denn auf den Wiki­me­dia Com­mons und wird mitt­ler­weile in einer gan­zen Reihe von Arti­keln benutzt.

Und offen­sicht­lich auch hier auf die­sem Pla­kat der „Lin­ken”. Noch­mal beide Bil­der neben­ein­an­der­ge­stellt im Vergleich:

Wikipediabild und das Plakat im direkten Vergleich

Wiki­pe­dia­bild und das Pla­kat im direk­ten Vergleich

Ich freue mich ja immer, wenn meine Werke genutzt wer­den. Und ich mache das ja auch expli­zit mög­lich, indem ich sie unter einer geei­gen­ten Lizenz bereit­stelle. Ich ver­wende übli­cher­weise die jeweils aktu­elle CC-​BY-​SA-​Lizenz, das heißt, ich erlaube die Wei­ter­gabe unter Quel­len­an­gabe („BY”) und wenn das abge­lei­tete Werk unter die­selbe Lizenz gestellt wird („SA” für „same attri­bu­tion”, etwa „glei­che Bedin­gung”). Ich ver­zichte auf das Ver­bot abge­lei­te­ter Werke („ND”, „no deri­va­tes”, etwa „keine Ablei­tun­gen”) und auch auf das Ver­bot kom­mer­zi­el­ler Ver­wen­dung („NC”, „no com­mer­cial”, etwa „keine kom­mer­zi­elle Verwendung”).

Inso­fern hat „Die Linke” schon vie­les rich­tig gemacht: Sie dür­fen das Bild benut­zen, ohne mich zu fra­gen. Sie dür­fen es bear­bei­ten und als Bestand­teil ihres Pla­kats ver­wen­den. Und sie dür­fen die­ses Pla­kat belie­big ver­öf­fent­li­chen. Was sie aber lei­der ver­ges­sen haben ist, den Urhe­ber — näm­lich mich — geeig­net zu erwäh­nen. Zum Bei­spiel in einer klei­nen Fuß­zeile auf dem Pla­kat, in dem dann nicht nur die Bild­quelle, son­dern auch der Bear­bei­ter genannt wird. Und die Bild­quelle für den Stadt­bahn­plan im Hin­ter­grund. Ach ja, und dann müsste die­ses Pla­kat eigent­lich eben­falls unter CC-​BY-​SA-​Lizenz ste­hen, weil ja der Bild­be­stand­teil „TW2000-​Wagen” unter eben die­ser Lizenz steht. Es könnte aber sein, dass sich das dann wie­der mit der Lini­en­netz­plan­li­zenz beißt, denn soweit ich weiß, stellt die üstra ihre Pläne nicht unter eine CC-​Lizenz. Ich ver­mute aber mal, dar­über hat man sich auch nicht wirk­lich Gedan­ken gemacht.

Und nun? Nein, ich werde jetzt nicht mit irgend­wel­chen juris­ti­schen Schar­müt­zeln anfan­gen. Der Drops ist lang gelutscht, die Ver­an­stal­tung war vor über einem Jahr und auch ansons­ten wäre mir das ein wenig zu blöd. Ich find’s aber schon schade, dass der Lizenz­text der Creative-​Commons-​Lizenz hier gerade von einer poli­ti­schen Par­tei nicht ernst genom­men wird. Sowas geht auch bes­ser. Liebe Linke, fragt im Zwei­fels­fall ein­fach mal bei den Pira­ten nach…

Ansons­ten: Schade eigent­lich, dass ich nicht bei­zei­ten auf die­sen Dis­kus­si­ons­abend auf­merk­sam gewor­den bin. Genau mein Thema

Linktipp: „Personen, Posen, Prominente” — Wen darf ich fotografieren und wen nicht?

Ste­ter Quell’ der Freude ist ja das Span­nungs­feld von „Per­sön­lich­keits­rech­ten”, „öffent­li­chem Inter­esse” und „Doku­men­ta­tion”. Ins­be­son­dere beim Foto­gra­fie­ren im öffent­li­chen Raum bewegt man sich — egal ob pro­fes­sio­nell oder pri­vat unter­wegs — schnell in einer juris­ti­schen Grau­zone. Auf „jour­na­list Online” ist nun mal wie­der ein aktu­el­ler Bei­trag zu die­sem Thema erschie­nen. Im Vor­griff auf meine eige­nen Über­le­gun­gen zu die­sem kom­ple­xen Bereich gibt’s hier heute mal einen Linktipp:

jour­na­list Online: Per­so­nen, Posen, Pro­mi­nente — Wen darf ich foto­gra­fie­ren und wen nicht?

Happy Birthday Blog: 5 Jahre „Letzte Weisheiten”

Mein Blog hat Geburts­tag! Heute vor genau fünf Jah­ren habe ich den ers­ten Arti­kel ver­öf­fent­licht, der aller­dings eher etwas selbst­re­fe­ren­ti­ell erzählte, dass ich jetzt auch ein Blog habe. Inhalt­li­cher Wert — nunja…

Ganz rich­tig ist die Über­schrift übri­gens nicht: Am Anfang war das hier ein­fach „Dirks Blog”. Erst am 10. Juli 2006 habe ich den Namen auf „Letzte Weis­hei­ten” geän­dert — natür­lich auch beglei­tet von einem Blog­ein­trag. Ja, ich war schon immer ein Freund von selbst pro­du­zier­tem Con­tent. ;-)

A pro­pos „Inhalt”: Ich lege ja immer Wert dar­auf, dass das hier mein Blog ist und dass ich hier im Zwei­fels­fall die Sachen rein­schreibe, die ich span­nend finde und über die ich schrei­ben möchte. Gerade am Anfang mäan­dern die The­men des­halb eher so um täg­li­che Klei­nig­kei­ten. Im Rück­blick habe ich bemer­kens­wert lange die Mög­lich­keit ver­strei­chen las­sen, stär­ker poli­ti­sche Texte zu schrei­ben und so zu ver­su­chen, mein ganz pri­va­tes „Agen­da­set­ting” zu betrei­ben. Dass ich was mit der „Pira­ten­par­tei” zu tun habe, erfährt man hier zum Bei­spiel erst nach fast einem Jahr anläss­lich mei­ner Wahl zum Schatz­meis­ter des nie­der­säch­si­schen Lan­des­ver­ban­des. Und dass ich im Mai 2008 sogar zum Bun­des­vor­sit­zen­den gewählt wurde, liest man hier gar nicht — ins­ge­samt ist die­ses Blog gerade im Jahr 2008 eher „dünn” mit Arti­keln besetzt.

So rich­tig ändert sich das dann erst im Juni 2009 — und dann bis Sep­tem­ber 2009. Das ist — bis heute — die „Hoch­zeit” von „Letzte Weis­hei­ten” gewe­sen. Plötz­lich fin­det sich die Pira­ten­par­tei mas­siv in der öffent­li­chen Auf­merk­sam­keit — und ich mit­ten­drin. Es fin­den sich einige mei­nes Erach­tens durch­aus span­nende Zeit­do­ku­mente, sei es meine Rede anläss­lich des von-der-Leyen’schen Zen­sur­ge­set­zes, eine recht umfäng­li­che Wür­di­gung eines ver­ba­len Schar­müt­zels zwi­schen einem SPD-​Politiker und einem Piratenpartei-​Kreisverband im Frank­fur­ter Raum und natür­lich der Arti­kel, der sich um mei­nen eige­nen Fern­seh­auf­tritt als „obers­ter Pirat” bei Phö­nix dreht. Die größte Arti­kel­menge habe ich dabei inter­es­san­ter­weise nach mei­ner Zeit als Bun­des­vor­sit­zen­der geschrie­ben — als ich eigent­lich „gar nichts” mehr in der Par­tei war (na gut, außer Spit­zen­kan­di­dat der nie­der­säch­si­schen Lan­des­liste zur Bundestagswahl…).

Seit­her ist es wie­der wesent­lich ruhi­ger gewor­den hier. Ich schaue aber schon, dass ich immer mal wie­der was schreibe, sei es zu poli­ti­schen The­men, sei es zu mei­nem Spe­zi­al­thema „Ver­kehrs­we­sen” (ich sage nur: Advents­ka­len­der…), seien es auch wei­ter­hin irgend­wel­che Dinge, über die ich „schon immer mal” was los­wer­den wollte.

Tech­nisch basiert mein Blog von vorn­her­ein auf Word­Press, das auf einem eige­nen Ser­ver läuft und das ich selbst instal­liere und warte. Ange­fan­gen habe ich mit der damals aktu­el­len Ver­sion 2.0. Mitt­ler­weile sind wir bei 3.1.1 ange­kom­men und seit Ver­sion 2.7 ist das mit Upda­ten auch über­haupt kein Pro­blem mehr — läuft alles auto­ma­tisch mit einem Klick. Ein gro­ßer Vor­teil von Word­Press ist ja die unglaub­li­che Anzahl von Plugins für alle mög­li­chen und unmög­li­chen Zwe­cke. Ich ver­wende hier eine rela­tiv kon­stante Gruppe sol­cher Plugins, deren nach außen sicht­barste wohl das Twitter-​Plugin (frü­her irgend­was mit „tweet”, heute „YourLS”) sowie das völ­lig geniale „WP-​Typography” sind, das die­sem Blog das gefäl­lige Äußere mit Block­satz und Sil­ben­tren­nung verleiht.

Als Ober­flä­che habe ich lange, lange Zeit das Standard-​Kubrick-​Theme ver­wen­det, das bei Word­Press 2.0 dabei war. Zunächst in einem schi­cken Zitro­nen­gelb gehal­ten, habe ich das im Juni 2009 auf Piraten-​Orange umge­stellt und seit­dem auch ein ver­frem­de­tes Por­trait mei­ner selbst sowie das Pira­ten­logo im Sei­ten­kopf. Diese Gestal­tung hat auch die Umstel­lung auf das „K2”-Theme über­lebt, die irgend­wann Anfang 2010 statt­ge­fun­den haben muss und mit der ich mir mei­nen größ­ten Wunsch an mein Blog­de­sign erfüllt habe: Zwei Rand­spal­ten für die gan­zen klei­nen Zusatz-​Info-​Kästchen auf der rech­ten Seite. Seit eini­gen Wochen habe ich zudem „WPtouch” ein Plu­gin instal­liert, das auf Mobil­ge­rä­ten eine opti­mierte Ober­flä­che die­ses Blogs darstellt.

Lange Zeit war es mir rela­tiv egal, wie viele Besu­cher mein Blog hat. Für die ers­ten drei Jahre gibt es des­halb schlicht keine Zugriffs­sta­tis­ti­ken. Erst im Juni 2009 habe ich ein Plu­gin instal­liert, das die Zugriffe zählt und sta­tis­tisch aus­wer­tet: Wel­che Arti­kel waren wann beson­ders beliebt? Lei­der war „Stat­Press Reloa­ded” ziem­lich schlecht pro­gram­miert und des­halb wahn­sin­nig inef­fi­zi­ent. Kleine Modi­fi­ka­tio­nen mei­ner­seits (unter ande­rem die Ein­füh­rung von Inde­xen auf der Daten­bank­ta­belle) hal­fen auch nicht durch­grei­fend und die Menge an sinn­vol­len und aktiv in Ent­wick­lung befind­li­chen Statistik-​Plugins für Word­Press ist erschre­ckend klein — näm­lich eigent­lich nicht-​existent.

So habe ich denn im März 2011 in die­sem schö­nen Blog „Piwik” ein­ge­führt, das mir rela­tiv detail­liert auf­schlüs­selt, wie viele Besu­cher kom­men, auf wel­chem Weg sie kom­men, wie lange sie blei­ben, und natür­lich was sie sich anschauen. Die Ergeb­nisse: An nor­ma­len Tagen ohne neue Arti­kel lan­den so etwa 50 bis 60 Besu­cher in die­sem Blog, ver­wei­len durch­schnitt­lich 15 – 20 Sekun­den und schauen sich dabei 1,3 Sei­ten an. Meine Pira­ten­ar­ti­kel ver­ur­sa­chen eher kurz­fris­tige Zugriffs­spit­zen. „Belieb­ter” ist da momen­tan das Wört­chen „Tscher­no­byl”, über das seit Wochen zuver­läs­sig etwa ein Dut­zend Leser am Tag aus Googlea­nien ein­reist. Abso­lu­ter Dau­er­bren­ner aber sind meine Arti­kel über den Pup­pen­spie­ler Rene Marik und sei­nen Maul­wurf, die mit Such­be­grif­fen wie „Rene Marik”, „Maul­wurf”, „maul­wurfn”, „rapante” oder „froschn” jeden Tag in der Sta­tis­tik auftauchen.

So sum­miert sich die Zahl der Besu­cher in den letz­ten 30 Tagen schließ­lich doch auf über 2000, die hier in dem einen oder ande­ren Arti­kel gestö­bert haben. Und das, obwohl sich das Inter­net in den letz­ten fünf Jah­ren erheb­lich ver­än­dert hat. Blogs sind heut­zu­tage ja nur noch eine Mög­lich­keit unter vie­len, sich im Web zu prä­sen­tie­ren und in der Welt der „Sozia­len Netz­werke” wie „Face­book” oder „Stu­diVZ” kom­men sie ja eher am Rande vor. Gerade in die­sen Wel­ten bin ich aber nach wie vor quasi nicht ver­tre­ten (und will daran auch nichts ändern). Auch die Inhalte mei­nes Blogs haben sich in die­ser Zeit ver­än­dert. Mit Blick auf die anste­hen­den Kom­mu­nal­wah­len und mein seit die­sem Jahr wie­der grö­ße­res Enga­ge­ment in den Struk­tu­ren der Pira­ten­par­tei ist es auch sehr wahr­schein­lich, dass die Arti­kel­zahl hier in den nächs­ten Wochen und Mona­ten wie­der zunimmt und wie­der viel Poli­tik dabei ist.

Mit die­sem Blog ist es also ein wenig wie mit den „Hel­den”: „Gekom­men um zu blei­ben”. Ich werde also wei­ter schrei­ben — pünkt­lich zum Zehn­jäh­ri­gen kommt dann der nächste Rück­blick. ;-) Viel Spaß beim Lesen!

Zensursulas Websperren sind weg — Ein Sieg für die Piratenpartei!

Das „Zugangs­sper­ren­ge­setz” wird beer­digt. Ges­tern von der Regie­rung beschlos­sen, dem­nächst dann im Par­la­ment unse­res (hof­fent­lich) gerings­ten Miss­trau­ens besie­gelt. Ein gro­ßer Tag! Für Deutsch­land, für die Mei­nungs­frei­heit aber auch und ins­be­son­dere für die Pira­ten­par­tei. Denn die Regie­rung setzt hier ganz klar und ganz ein­fach ein­seh­ba­rer­weise eine unse­rer Kern­for­de­run­gen um.

Der Kampf gegen die ver­nied­li­chend „Zugangs­sper­ren” genannte Inter­net­zen­sur ist eines der Kern­stü­cke des Selbst­ver­ständ­nis­ses der Pira­ten­par­tei und die­je­nige poli­ti­sche Frage, die wohl mit Abstand die meis­ten Mit­glie­der zu uns gebracht hat. Dass unsere For­de­rung „Keine Zugangs­sper­ren, keine Inter­net­zen­sur, Löschen statt Sper­ren” nun quasi 1:1 umge­setzt wird, dass diese von der Sache unbe­leckte und wohl in der Sache auch wei­test­ge­hend unin­ter­es­sierte Fami­li­en­mi­nis­ter­in­dar­stel­le­rin der ver­gan­ge­nen Legis­la­tur­pe­riode damit die „volle Packung” kas­siert, dass das größte Damo­kles­schwert über der Mei­nungs– und Rede­frei­heit im deut­schen Inter­net damit ent­schärft ist — das ist auch unser Sieg!

Wir täten gut daran, dies gebüh­rend zu wür­di­gen. Ich bin ja kein Freund stän­di­ger Pres­se­mit­tei­lun­gen, aber hier ist die schöne große PM mal ange­bracht, die heute die Pira­ten­home­page ziert. Und wir soll­ten durch­aus ein­mal durch­at­men, uns grin­send zurück­leh­nen und aus die­sem Sieg die Kraft schöp­fen, gegen all die neuen Her­aus­for­de­run­gen anzu­ge­hen, die seit­dem auf der Tages­ord­nung ste­hen. „In der Ruhe liegt die Kraft” — diesen durch­aus zutref­fen­den Sinn­spruch über­se­hen all die par­tei­in­ter­nen Kri­ti­ker, die jetzt mit „zu wenig, zu spät”-Äußerungen vor­pre­schen. Sie reden damit unse­ren Erfolg in die­ser Sache klein — und damit auch uns als Piratenpartei.

Ich halte die­ses Thema übri­gens des­halb für so außer­or­dent­lich wich­tig, weil wir damals damit wirk­lich die Leute auf die Straße bekom­men haben und Öffent­lich­keit erzeu­gen konn­ten. Ich hatte das damals selbst in die­sem Blog doku­men­tiert (boah, wat war ich damals pummelig…).

Der Fall Guttenberg: Nicht hilfreich

Nun ist er also doch ganz schnell zurück­ge­tre­ten, der Frei­herr, Ex-​Doktor und — seit ges­tern — auch Ex-​Minister Karl-​Theodor von und zu Gut­ten­berg. Wäh­rend ich diese Zei­len schreibe, zer­bre­chen sich in Ber­lin höchst­wahr­schein­lich eine ganze Reihe Men­schen den Kopf, wie der Flur­scha­den zu begren­zen ist, wer als Nach­fol­ger in Frage kommt und wie um alles in der Welt so einige Spit­zen­po­li­ti­ker von CDU und CSU aus der Sache wie­der raus­kom­men sollen.

Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg

Karl-​Theodor Frei­herr von und zu Guttenberg

Quelle: Wiki­me­dia Com­mons, Autor: Peter Weis, Lizenz: gemeinfrei/​-​artig

Ob ich mich dar­über freue? Die Ant­wort lau­tet: Nein.

Damit wir uns rich­tig ver­ste­hen: Das Ver­hal­ten von Herrn zu Gut­ten­berg ist natür­lich über­haupt nicht zu tole­rie­ren. Es ist schon schlimm genug, eine Dok­tor­ar­beit ein­zu­rei­chen, bei der eine so her­aus­ra­gende Menge Text aus ande­ren Tex­ten abge­schrie­ben ist, dass es auch mit blau­äu­gigs­ter Sicht schwer­fällt, von „Ver­se­hen” oder „ver­lo­re­nem Über­blick” aus­zu­ge­hen. Genau dies dann zu behaup­ten und in den nächs­ten Tagen in Tip­pel­schrit­ten immer nur genau das zuzu­ge­ben, was sowieso schon offen­sicht­lich ist — das sieht für mich sehr danach aus, dass Herrn zu Gut­ten­berg genau die­je­nige sitt­li­che Reife fehlt, die ich für einen der wich­tigs­ten Reprä­sen­tan­ten Deutsch­lands für unab­ding­bar halte.

Damit fan­gen aber die Pro­bleme an, denn dass aus­ge­rech­net die Bun­des­kanz­le­rin die­ses Spiel­chen tage­lang mit­spielt und sich mit hand­bü­che­nen Aus­flüch­ten aus der Affäre zu zie­hen ver­sucht — „ich habe kei­nen wis­sen­schaft­li­chen Assis­ten­ten ein­ge­stellt, son­dern einen Minister” — das lässt mich befürch­ten, dass auch hier Grund­werte kurz­sich­tig gegen poli­ti­sches Kal­kül ein­ge­tauscht wurde. Es ist keine schöne Vor­stel­lung, von sol­chen Men­schen regiert zu werden.

Plagiatsstellen in zu Guttenbergs Doktorarbeit nach GuttenPlag

Pla­gi­ats­stel­len in zu Gut­ten­bergs Dok­tor­ar­beit nach GuttenPlag

Quelle: Gut­ten­Plag Wiki

Und dann die unglaub­li­che Unschärfe in der Argu­men­ta­tion! Zu Gut­ten­berg habe „Urhe­ber­rechte ver­letzt” und sich an „ande­rem ‚geis­ti­gen Eigen­tum’ bedient. Das ist völ­li­ger Quatsch! Wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten bedie­nen sich immer aus­gie­big an den Arbeits­er­geb­nis­sen Ande­rer. Sie neh­men diese Ergeb­nisse und bauen dar­auf Neues auf. Wis­sen­schaft­li­ches Arbei­ten ist eben genau die Anti­these zum Gefa­sel von „geis­ti­gem Eigen­tum” und „Raub­ko­pien”. „Zwerge auf den Schul­tern von Rie­sen” oder „Stan­ding on the shoul­ders of giants” bringt diese Geis­tes­hal­tung auf den Punkt und auf die­ses Motto haben sich immer­hin Grö­ßen wie Isaac New­ton oder Ste­phen Hawking bezogen.

Diese Ver­mi­schung des Fal­les Gut­ten­berg mit einer wie auch immer gear­te­ten Urhe­ber­rechts­pro­ble­ma­tik wird noch einige unschöne Fol­gen haben. In weni­gen Wochen beginnt der Gesetz­ge­bungs­pro­zess zum soge­nann­ten „Drit­ten Korb” zur Reform des Urhe­ber­rechts und ich sehe die Gefahr, dass mit Rück­griff auf die Vor­gänge rund um die völ­lig ver­un­glückte Dok­tor­ar­beit erneut die Rechte von Kon­su­men­ten und Pro­du­zen­ten beschnit­ten wer­den sol­len, damit die Ver­wer­ter an über­kom­me­nen Geschäfts­mo­del­len fest­hal­ten kön­nen. Es ist bedrü­ckend zu sehen, wie die Poli­tik sich hier von der Ver­wer­tungs­in­dus­trie zum Büt­tel machen lässt und die Wis­sens­ge­sell­schaft zer­stört. Dass die Guttenberg-​Diskussion so um das Wort „Urhe­ber­recht” kreist, ist ein kras­ser Feh­ler, der wenn irgend mög­lich schnell kor­ri­giert wer­den muss.

Das eigent­li­che Pro­blem mit Gut­ten­bergs Arbeit wird in der FAQ des GuttenPlag-​Wikis im Abschnitt „Kann man gegen den Autor mit dem Urhe­ber­rechts­ge­setz vor­ge­hen?” sehr schön beschrie­ben: „Zu beach­ten ist, dass die Presse und viele vor­geb­li­che Exper­ten die Pro­blem­lage falsch als ein Urhe­ber­rechts­pro­blem dar­stel­len. Es han­delt sich im Kern um ein Pro­blem des soge­nann­ten Prü­fungs­rechts der Uni­ver­si­tä­ten. […] das Urhe­ber­recht [schafft] durch Schran­ken­re­ge­lun­gen die Vor­aus­set­zun­gen für die legale Nut­zung von Zita­ten, wäh­rend Prü­fungs­re­geln die Kenn­zeich­nung als Zitat vor­schrei­ben. Aber man kann bei­des nicht gleich­set­zen und vom einen auf das andere Schlüsse zie­hen.” Es wäre zu wün­schen, dass diese Ein­sicht in der öffent­li­chen Dis­kus­sion ankommt.

Auch aus einer ande­ren Ecke sehe ich Unge­mach kom­men: Überein­stim­mend sagen alle Beob­ach­ter, ihre Trag­weite habe die Affäre vor allem dadurch bekom­men, dass im Inter­net die Auf­ar­bei­tung der Pla­gi­ats­vor­würfe in rasen­der Geschwin­dig­keit auf hohem Niveau statt­ge­fun­den hat. Ohne Gut­ten­Plag wäre das Thema viel schnel­ler in der Ver­sen­kung ver­schwun­den und die Aka­de­mi­ker hät­ten sich wohl nicht mit der­ar­ti­ger Vehe­menz über die Ver­feh­lun­gen zu Gut­ten­bergs beklagt. Die­ses freie, unkon­trol­lierte Inter­net war die Basis für den heu­ti­gen Abgang. Dass das Inter­net in Deutsch­land so frei ist, ergibt sich zwangs­läu­fig aus der Staats­rä­son Deutsch­lands als freie, bür­ger­li­che, demo­kra­ti­sche Gesell­schaft. Anders­herum braucht aber auch das freie, bür­ger­li­che und demo­kra­ti­sche Deutsch­land das Inter­net als freien, unkon­trol­lier­ten Raum. Die nach wie vor im Raum ste­hen­den Zen­sur­pläne der deut­schen Regie­rung zei­gen, dass diese Ein­sicht nach wie vor fehlt. Ange­sichts der Vehe­menz, mit der eine erstaun­lich große Menge an Men­schen zu Gut­ten­berg wei­ter­hin die Stange hält und seine pla­gi­ierte „Doktor”-Arbeit für eine Baga­telle hält, wird mir Angst und Bange, wenn ich dar­über nach­denke, dass da irgend­wel­che „Ent­schei­der” an „Kills­wit­ches” oder „Sperr­lis­ten” sit­zen könn­ten. Was pas­siert, wenn dort ein Guttenberg-​Fan sitzt, dem beim Pla­gi­ats­wiki das Mes­ser in der Hose auf­geht? Die Lehre aus Gut­ten­berg und Gut­ten­Plag muss sein: Keine „Inter­net­sper­ren”. Nie­mals und aus kei­nem Grund! Es könnte aber sein, dass die Sperr­be­für­wor­ter als Lehre aus Gut­ten­Plag eher höher moti­viert in ihrem ungu­ten Trei­ben wer­den. Das Thema „sitt­li­che Reife” hat­ten wir ja oben schon…

Karl-​Theodor zu Gut­ten­berg ist zurück­ge­tre­ten und das ist auch gut so. Gesell­schaft­lich und poli­tisch ist die gesamte Affäre aber noch lange nicht aus­ge­stan­den. Ich spre­che als nach wie vor akti­ves Mit­glied der Pira­ten­par­tei, wenn ich sage, dass wir unsere Inter­es­sen wei­ter­hin ener­gisch ver­tre­ten müs­sen. Wir wol­len immer „andere Poli­tik” machen — dann soll­ten wir damit irgend­wann mal anfan­gen und nicht den­ken, gehäs­sige Twitter-​Jubelarien seien das poli­ti­sche Rezept der Stunde. Das ist näm­lich nicht die Art von „ande­rer Poli­tik”, die ich für erstre­bens­wert halte. Es ist halt wie der Titel schon sagt: Nicht hilfreich.

Musikkritik: paniq — Beyond Good And Evil

Ich habe ja schon das eine oder andere Mal über Musik geschrie­ben. Ich bin zwar durch­aus ein Main­stream­mensch, aber gerade in den letz­ten Jah­ren schaue ich auch viel nach „alter­na­ti­ver” Musik, ins­be­son­dere sol­cher, die abseits der von der Musikmafiaindus­trie eta­blier­ten Wege ver­trie­ben wird.

paniq: Beyond Good And Evil

paniq: Beyond Good And Evil

Eine Perle sol­chen Schaf­fens ist nun heute erschie­nen: Leo­nard Rit­ter hat als „paniq” sein elf­tes Album ver­öf­fent­licht: „Beyond Good And Evil” knüpft naht­los an das umfang­rei­che Schaf­fen des Künst­lers an: 13 Tracks elek­tro­ni­sche Musik, in der Mehr­zahl eher lang­same Num­mern, die Klang– und Rhyth­mustep­pi­che mit unge­wöhn­li­chen Beats und Har­mo­nien bil­den. Viele der Stü­cke sind für paniqs Werk eher melo­diös — und dan­kens­wer­ter Weise ver­kneift Rit­ter sich dies­mal den Griff zum Mikro­fon komplett.

paniqs Kom­po­si­ti­ons­stil ist seit jeher vom Sample-​basierten Arbei­ten geprägt: Acht bis sech­zehn Takte lange Sam­ples ver­schie­de­ner Rhyth­mus– oder Melo­die­li­nien ord­net er auf meh­re­ren Spu­ren sei­nes Sequen­cers an und ver­schiebt sie immer wie­der gegen­ein­an­der oder tauscht sie aus. Das klas­si­sche „Strophe-​Refrain-​Schema” tritt dabei eher in den Hin­ter­grund. Es ergibt sich so ein sehr typi­sches Klang­bild, das man, wenn man es denn wollte, am ehes­ten irgendwo in der Techno/​Trance-​Schublade unter­brin­gen würde. Das schöne an paniqs Kom­po­si­tio­nen ist aber, dass sie eben kein bil­li­ger Kir­me­s­techno sind, son­dern mit einem fei­nen Gefühl für Melo­dien und Har­mo­nien ange­ord­net wer­den. Bei „Beyond Good And Evil” gelingt ihm das viel­leicht bis­her am bes­ten: Jeder Track ent­wi­ckelt eine eigene Linie, die Instru­men­tie­rung ist abwechs­lungs­reich und das ganze Album fin­det sich trotz­dem unter einem gemein­sa­men Dach. Fein gemacht, unbe­dingt reinhören!

Die Musik ist aber auch des­halb bemer­kens­wert, weil sie eben außer­halb des übli­chen Musik­mark­tes ent­stan­den ist. Rit­ter — bzw. „paniq” — veröffentlicht seine Alben seit jeher als Creative-​Commons–Werke, und zwar unter der sehr frei­gie­bi­gen „cc-​by-​sa”-Vari­ante: Abge­wan­delte oder ver­wen­dende Werke müs­sen wie­der unter die­ser Lizenz ste­hen, weder Bear­bei­tung noch kom­mer­zi­elle Ver­wer­tung sind aber aus­ge­schlos­sen. Bei „Beyond Good And Evil” haben seine Freun­din und er aber zusätz­lich vor­her in der Com­mu­nity um Spen­den bzw. eine Finan­zie­rung gegen Nen­nung auf dem Plat­ten­co­ver bzw. Frei­ex­em­plare des fer­ti­gen Albums nach­ge­fragt. Sei­ner Web­seite nach hat das gut geklappt und das Album ist nun das Resul­tat der Arbeit.

„Beyond Good And Evil” kann man sich auf paniqs Home­page anhö­ren und direkt her­un­ter­la­den. Dabei fragt der Down­load­dia­log nach dem gewünsch­ten Geld­be­trag, den man für die Musik zah­len möchte. Ich halte das für psy­cho­lo­gisch außer­or­dent­lich geschickt, denn obwohl man hier wohl „0” ein­ge­ben kann (ich habe es nicht aus­pro­biert), hält man doch inne: Will ich die Arbeit des Künst­ler wirk­lich nicht hono­rie­ren? Die Zah­lungs­ab­wick­lung läuft über Pay­Pal und ist mei­nes Erach­tens unpro­ble­ma­tisch. Und: Das Geld kommt tat­säch­lich kom­plett beim Künst­ler an und bleibt nicht irgendwo in der Maschi­ne­rie der klas­si­schen Musik­ver­wer­tung hängen.

Ich kann an die­ser Stelle eine klare „Emp­feh­lung zum Rein­hö­ren” geben. „Beyond Good And Evil” ist für mich das erste Album 2011, das zeigt, wel­che Qua­li­tät freie künst­le­ri­sche Arbeit in Zei­ten des Inter­nets errei­chen kann, wenn man sie nur lässt.