Archiv für die 'Kultur' Kategorie

Wenn Satire wahr wird: Der Postillon, Heise Online und der Smartphone-​Crash

Am schöns­ten ist Satire ja immer, wenn sie irgend­wann mal wahr wird:

Der Pos­til­lon, 2012-​11-​24: Neue Smartphone-​App warnt beim Gehen vor Kol­li­sio­nen mit ande­ren Smartphone-​Nutzern

Heise Online, 2013-​05-​14: Anti-​Crash-​System für Smartphone-​Süchtige

Gera­dezu pro­phe­tisch vom Pos­til­lon — mit des­sen Macher übri­gens gerade ein sehr inter­es­san­tes Inter­view erschie­nen ist…

Bye-​bye, Sevenload

Ges­tern habe ich eine E-​Mail bekom­men. Das Video­por­tal Seven­load — bzw. des­sen Admi­nis­tra­to­ren — schrie­ben mir. Sie wür­den ihr Por­tal umstel­len und in dem Zusam­men­hang den „User Gene­ra­ted Con­tent” ent­fer­nen. Statt­des­sen gäbe es zukünf­tig jede Menge tol­ler „aus­ge­such­ter Inhalte”.

Nun könnte mir das rela­tiv egal sein, hätte ich nicht selbst einige Videos in den „User Gene­ra­ted Con­tent” hoch­ge­la­den. Dort lagen sie nun fast vier Jahre lang und wur­den in die­ser Zeit meh­rere Tau­send Mal ange­klickt: Meine Rede zum Zensursula-​Gesetz 2009 und einen Bericht von einer Modell­bahn­ver­an­stal­tung. Ich hatte damals bewusst Seven­load statt Youtube aus­ge­sucht: Das eine Video ist län­ger als 10 Minu­ten, was damals noch die Ober­grenze bei Youtube war und bei den bei­den ande­ren wusste ich halt schon, wie das mit dem Upload und der Ver­lin­kung bei Seven­load funk­tio­niert. Aber jetzt die Videos ein­fach so dem digi­ta­len Müll­ei­mer über­ant­wor­ten? Nein!

Dan­kens­wer­ter­weise war die Lösung ein­fach: Seven­load bie­tet an, die eige­nen Videos von der Seite her­un­ter­zu­la­den. Genau das habe ich gemacht — und sie bei Youtube wie­der hoch­ge­la­den — die 10-​Minuten-​Grenze ist ja schon seit län­ge­rem gefal­len. Dort habe ich zudem mitt­ler­weile auch schon viele Videos ver­öf­fent­licht, nur diese drei Früh­werke bis­lang halt nicht. Aber jetzt ist auf mei­nem Kanal bei Youtube meine kom­plette „Video­kar­riere” bei­sam­men und ich kann der Abschal­tung bei Seven­load beru­higt ent­ge­gen­se­hen. Die Links hier im Blog sind geän­dert. Ich hoffe, es gibt nicht allzu viele andere externe Links auf die Videos dort.

Bye-​bye, Sevenload

Vorstellung der Kampagne zur Landtagswahl 2013 der Piratenpartei Niedersachsen: Der Mitschnitt

Am 19. Novem­ber 2012 hat die Pira­ten­par­tei Nie­der­sach­sen ihre Kam­pa­gne zur Land­tags­wahl 2013 öffent­lich vor­ge­stellt. Der Thea­ter­saal in der Faust in Hannover-​Linden war voll, viel Presse und natür­lich auch Pira­ten woll­ten sich das nicht ent­ge­hen las­sen. „Ist es nicht eine gute Idee, das der Nach­welt zu erhal­ten”, habe ich mir gedacht und mit­samt Kame­ras und Tech­nik hin­ge­fah­ren. Hier nun das dar­aus ent­stan­dene Video, das die Ver­an­stal­tung im Wesent­li­chen voll­stän­dig wiedergibt.

Oder direkt bei Youtube.

Als Pro­duk­ti­ons­hin­weise: Ich habe rela­tiv weit hin­ten im Saal mit zwei fest instal­lier­ten Kame­ras gear­bei­tet: Die „kleine” SDR-​S7 war eher für die Tota­len zustän­dig, die „große” EOS-​550D für Por­traits und Details. Der Ton kommt direkt aus der Anlage im Saal, wobei auf „mei­nem” Aus­gang das Mikro­fon von Mein­hart offen­sicht­lich die ganze Zeit offen war. Zum Glück hat er nicht so viel dazwi­schen­kom­men­tiert. ;-) Dazwi­schen­ge­schal­tet hatte ich mein eige­nes Misch­pult, sodass ich die Laut­stärke nach­re­gu­lie­ren konnte. Und da es im Vor­feld kei­nen kom­plet­ten Sound­check gege­ben hat, war das wegen der unter­schied­li­chen lau­ten Mikro­fon­si­gnale auch nötig.

Der Blogautor mit seinen beiden Helferlein

Der Blog­au­tor mit sei­nen bei­den Hel­fer­lein. Foto: Aljoscha Rittner

Das Wahl­wer­be­vi­deo habe ich vom Ori­gi­nal dazu­ge­nom­men und dort auch die Ori­gi­nal­ton­spur des Videos ver­wen­det. Geschnit­ten habe ich in Erman­ge­lung von brauch­ba­rer Open-​Source-​Software wie immer mit Video Deluxe von Magix. Auf Grund der beschränk­ten Leis­tungs­fä­hig­keit mei­nes Schnitt­com­pu­ters pro­du­ziere ich wei­ter­hin im SD-​Format mit dem Bild­schirm­for­mat 4:3 und einer Auf­lö­sung von 640*480 Bildpunkten.

Der Mit­schnitt umfasst die kom­plette Ver­an­stal­tung. Ich habe nur dort geschnit­ten, wo es Pau­sen wegen Wei­ter­rei­chen des Mikro­fons oder ähn­li­chem gege­ben hat. Kurz vor Schluss muss ich für wenige Sekun­den auf die Ton­spur der zwei­ten Kamera wech­seln, da die EOS 550D kon­struk­ti­ons­be­dingt alle 4 GB eine etwa fünf­se­kün­dige Zwangs­pause macht (Danke, EU-​Einfuhrzölle…). Diese Ton­spur habe ich auch bei den Jour­na­lis­ten­fra­gen dazugemischt.

#lptnds124 — Im Zeichen des #flausch — Kurzdoku zum 4. Landesparteitag 2012 der Piratenpartei Niedersachsen

Am 27. und 28. Okto­ber 2012 fand in Celle der mitt­ler­weile 4. Lan­des­par­tei­tag 2012 der nie­der­säch­si­schen Pira­ten­par­tei statt. Ich war auch da, und ich hatte mir vor­ge­nom­men, ein klei­nes Video zu pro­du­zie­ren, das vor allem die Stim­mung auf dem Par­tei­tag ein­fan­gen sollte. Die mediale Auf­merk­sam­keit war ja eher so mit­tel­präch­tig — und nur ein Schelm würde sagen, das sei so gewe­sen, weil es bei die­sem Pro­gramm­par­tei­tag um The­men und nicht um Köpfe ging.

Wie dem auch sei: Die Stim­mung war her­vor­ra­gend, die Ver­an­stal­tung höchst pro­duk­tiv und ich habe genug Mate­rial für meine kleine Doku­men­ta­tion dre­hen kön­nen. Und nun ist auch die Nach­be­ar­bei­tung fer­tig. Bitteschön:

Oder direkt bei Youtube.

Im Fernsehen

Nach län­ge­rem Mal wie­der ein Fern­seh­auf­tritt: Der han­no­ver­sche Lokal­sen­der h1 hat mich als Ver­tre­ter der Piraten-​Ratsfraktion zu einer Talk­runde gela­den: „Pres­se­club” heißt das ganze und wird heute um 19 Uhr aus­ge­strahlt — auch im Internet-​Livestream.

„Piraten unterwegs” zum 1. Mai am Klagesmarkt

Momen­tan pas­siert so viel und ich blogge so wenig. Ich nehme mir fest vor, dass das auch wie­der anders wird. Bis dahin — und weil drü­ben bei „Pira­ten unter­wegs” das Benach­rich­ti­gen über Twit­ter noch nicht so rich­tig funk­tio­niert — aber ein Hin­weis: Auf „Pira­ten unter­wegs” gibt es ein neues Video: Rei­ner und ich waren am 1. Mai beim Stand der Pira­ten­par­tei auf dem Kla­ges­markt beim „Tag der Arbeit”. Wir haben uns den Stand ange­schaut und mit ver­schie­de­nen Leu­ten gere­det, die dort waren. Ich finde das einen span­nen­den Bericht, weil er ziem­lich authen­tisch die Stim­mung auf dem Stand und auf der gan­zen Ver­an­stal­tung ein­ge­fan­gen hat…

Zum Bericht auf „Pira­ten unterwegs”

Filmtipp: „Russendisko”

Ich war ges­tern in der Vor­pre­miere des Films „Rus­sen­disko” von Oli­ver Zie­gen­balg. Der Film basiert auf dem gleich­na­mi­gen Buch von Wla­di­mir Kami­ner, der an dem Pro­jekt auch betei­ligt war (und zwei Cameo­auf­tritte hat).

Russendisko: Mischa, Andrej und Wladimir

Rus­sen­disko: Mischa, And­rej und Wladimir

Quelle: www​.rus​sen​disko​-der​film​.de, Para­mount Pictures

Kami­ners Buch ist als Epi­so­den­samm­lung ange­legt, was die Ver­fil­mung nicht ein­fach gemacht hat, dem Text auf der Film­web­seite nach gab es meh­rere Anläufe, bis das Dreh­buch fer­tig war. Die jet­zige Umset­zung durch­bricht den Epi­so­den­stil mit einer Gesamt­hand­lung, in die viele der Gescheh­nisse aus dem Buch ein­ge­baut sind.

Ich möchte jetzt hier nicht groß­ar­tig die Hand­lung wie­der­ge­ben, son­dern viel­mehr sagen: Rein­ge­hen lohnt sich! Die Bil­der rufen die Erin­ne­rung an die Zeit um 1990 wach: Trab­bis in den Stra­ßen, her­un­ter­ge­kom­mene Alt­bau­ten an den Stra­ßen und D-​Mark in den Geld­bör­sen. Das Luft­bild am Anfang ist zwar eher so um 1995/​1996 ent­stan­den (man sieht kurz, dass die Ber­li­ner Stadt­bahn gerade saniert wird), aber ansons­ten wirkt Ber­lin ziem­lich authen­tisch gealtert.

Kami­ners Geschich­ten und die immer leicht lako­ni­sche Erzähl­weise finde ich im Film gut wie­der­ge­ge­ben. Einige mei­ner Kol­le­gen mein­ten zwar, der „Sprach­witz” der Bücher wäre ver­lo­ren gegan­gen, aber einer­seits denke ich das nicht unbe­dingt und ande­rer­seits: Hey, dafür hat’s im Kino Bil­der. Gerade Mat­thias Schweig­hö­fer gibt den jun­gen Kami­ner stim­mig und mit genau der posi­ti­ven Grund­ein­stel­lung, die auch in den Büchern immer wie­der durchscheint.

Bleibt der Sound­track, der viel von dem typi­schen „Russendisko”-Sound ent­hält und ein­fach nur gute Laune ver­brei­tet. Ab 29. März bei Ama­zon als MP3-​Download erhält­lich. Ich werde ihn mir holen. Und für den Film kann ich nur emp­feh­len: Rein­ge­hen. Lei­der war diese Vor­pre­miere in Han­no­ver äußerst schwach besucht. Ich hoffe aber, der Film läuft trotz­dem ein paar Wochen in den gro­ßen Kinos.

Mein Tipp: Anschauen!

StopACTA-​Demonstration am 11. Februar 2012: Meine Rede

Am 11. Februar war welt­wei­ter ACTA-​Protesttag. Allein in Deutsch­land gin­gen über 30.000 Men­schen bei Minus­gra­den auf die Stra­ßen. In Han­no­ver war der Opern­platz voll, so 2000 – 3000 Teil­neh­mer dürfte die Demons­tra­tion gehabt haben.

Ich habe dort eine Rede gehal­ten — wenn ich das rich­tig über­bli­cke die bis­lang größte Men­schen­menge, vor der ich gere­det habe. Es hat gro­ßen Spaß gemacht, aber es war auch ziem­lich anstren­gend. Die Orga­ni­sa­tion war aber abso­lut prima — gro­ßes gro­ßes Lob! — und ich habe mich auch sehr gefreut, dass so gut wie alle akti­ven Pira­ten aus Han­no­ver auf dem Platz anwe­send waren. Und noch viele, viele Men­schen mehr, denn der ACTA-​Protest geht längst weit über die Pira­ten­par­tei oder über­haupt über die poli­ti­schen Grup­pen hinaus.

Im fol­gen­den Aus­schnitte aus mei­ner Rede:

Aus­schnitte aus mei­ner Rede auf der StopACTA-​Demo in Hannover

Und nun noch der Text der kom­plet­ten Rede:

(noch ein­zu­fü­gen)

Der zweite Tod des Loriot: Von der Bankrotterklärung des Urheberrechts

Am 22. August 2011 starb Vicco von Bülow, bes­ser bekannt als Loriot. Von Bülows Ein­fluss auf die Popu­lär­kul­tur der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in den letz­ten 40 Jah­ren ist erheb­lich: Begriffe wie „Jodel­di­plom” oder Rede­wen­dun­gen wie „Die Ente bleibt drau­ßen!” sind in die deut­sche Umgangs­spra­che ein­ge­gan­gen und sein fil­mi­sches und lite­ra­ri­sches Werk sind wei­ten Tei­len der Bevöl­ke­rung geläufig.

Die­ser Tage stirbt Loriot einen zwei­ten Tod. Abzu­se­hen war dies bereits vor eini­gen Tagen, als Heise Online ver­mel­dete, die Loriot-​Erben hät­ten die Wiki­pe­dia wegen der Abbil­dung von Brief­mar­ken mit typi­schen Loriot-​Motiven ver­klagt. Nun hat die Link­über­wa­chung mei­nes Blog bei mei­nem Link auf eine Youtube-​Veröffentlichung der „Weih­nach­ten bei Hop­pens­tedts” zuge­schla­gen. Und in der Tat sieht der geneigte Betrach­ter nun nur noch dies:

Weihnachten bei Hoppenstedts: In die Röhre geschaut

Weih­nach­ten bei Hop­pens­tedts: In die Röhre geschaut

Wir wer­den hier Zeuge der desas­trö­sen Aus­wir­kun­gen unse­res aktu­el­len Urhe­ber­rechts­re­gimes auf die kul­tu­relle Welt unse­res Lan­des. Ein­zelne, am Ent­ste­hungs­pro­zess weit­ge­hend Unbe­tei­ligte, ent­zie­hen der Gesell­schaft Grund­la­gen ihres kul­tu­rel­len Wis­sens­schat­zes — legal und unter Anwen­dung äußerst restrik­ti­ver juris­ti­scher Werk­zeuge. Ich unter­stelle mal, dass dies aus wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen geschieht. Und das macht die Sache völ­lig zur Farce. Denn: Dass ein wirt­schaft­li­ches Inter­esse an den inkri­mi­nier­ten Inhal­ten besteht, ist ja über­haupt nur eben­die­ser Gesell­schaft zu ver­dan­ken, die sich dafür interessiert.

Schwie­rig zu ver­ste­hen? Ich ver­su­che es noch­mal anders herum: Ein Künst­ler schafft ein Werk. Er macht dies öffent­lich, um Inter­esse zu wecken und — übli­cher­weise — einen wirt­schaft­li­chen Wert zu schaf­fen. Die­ser tritt ein, wenn es tat­säch­lich Men­schen gibt, die sich für das Werk inter­es­sie­ren. Dar­auf­hin ist es dem Künst­ler oder auch einem berech­tig­ten Drit­ten mög­lich, der nun­mehr inter­es­sier­ten Öffent­lich­keit das Werk wie­der zu ent­zie­hen und mit rigi­des­ten Rechts­mit­teln gegen die wei­tere Öffent­lich­keit des Wer­kes vor­zu­ge­hen. Und Loriot ist kein Ein­zel­fall: Wer erin­nert sich noch an das infan­tile „Schnappi”-Krokodil? Wie war das mit den Harry-​Potter-​Fans, die nach den sen­sa­tio­nel­len Ver­kaufs­er­fol­gen plötz­lich juris­ti­schem Sperr­feuer aus­ge­setzt waren?

Fühlt sich hier noch wer für dumm verkauft?

Es mag vie­len von uns nicht bewusst sein, aber die „west­li­che Welt” hat in den ver­gan­ge­nen 50 Jah­ren eines der repres­sivs­ten, öffent­lich­keits­feind­lichs­ten und ins­ge­samt kul­tur­schäd­lichs­ten Urhe­ber­rechts– und Ver­wer­tungs­re­gime der Mensch­heits­ge­schichte instal­liert. Nur so sind Mecha­nis­men wie die oben geschil­der­ten durch­setz­bar — zum Scha­den aller Betei­lig­ten. Kul­tu­relle Werke kön­nen auf Zuruf der Öffent­lich­keit ent­zo­gen wer­den, ein Inter­es­sens­aus­gleich für eben diese Öffent­lich­keit — die durch ihr Inter­esse ja über­haupt erst eine Grund­lage für die Rele­vanz des Kul­tur­guts geschaf­fen hat — fin­det nicht statt. Erstaun­lich, dass der­lei Trei­ben so unwi­der­spro­chen in Öffent­lich­keit und Poli­tik bleibt.

Als Pirat (in der 2. Bedeu­tung des Wor­tes) werde ich häu­fi­ger auf unsere Posi­tio­nen zum Urhe­ber­recht ange­spro­chen. „Ihr wollt ja, dass alle alles kopie­ren kön­nen, wovon sol­len die Künst­ler denn leben?” bekomme ich dann mit leicht vor­wurfs­vol­lem Ton­fall zu hören. Ich ant­worte dann stets, dass Pira­tens eben nicht die völ­lige Abschaf­fung von Urhe­ber­recht und Wert­schöp­fung for­dern. Aber die Waage zwi­schen den ver­schie­de­nen Ansprü­chen muss neu aus­ta­riert wer­den. Der Gesell­schaft sind im momen­ta­nen Sys­tem alle Rechte an ihren eige­nen kul­tu­rel­len Wur­zeln genom­men. Das pas­siert des­halb, weil soge­nannte Schutz­rechte in völ­lig aus­geu­fer­ter Weise erteilt und durch­ge­setzt wer­den. Gerade vor dem Hin­ter­grund der tech­ni­schen Ent­wick­lung der letz­ten 20 Jahre muss es hier zu einer Kor­rek­tur zu Las­ten der soge­nann­ten Rech­te­in­ha­ber zu Guns­ten der All­ge­mein­heit kom­men. Und das bedeutet:

  • Mas­sive Kür­zung von Schutz­fris­ten an kul­tu­rel­len Werken
  • Schutz­zei­to­ri­en­tie­rung am Ent­ste­hungs– oder Ver­öf­fent­lich­keits­zeit­punkt des Wer­kes, nicht am Tod des Werkschaffenden
  • Vor­zei­ti­ges Erlö­schen von Schutz­rech­ten mit dem Tod des Werkschaffenden
  • Keine Aus­wei­tung von Schutz­rechts­an­sprü­chen, zum Bei­spiel durch ein Leis­tungs­schutz­recht für Verleger
  • Unter­schei­dung von kom­mer­zi­el­ler und nicht-​kommerzieller Nut­zung eines Werkes
  • Abschaf­fung von Beweis­last­um­kehr­me­cha­nis­men wie der völ­lig über­hol­ten „GEMA-​Vermutung
  • All­ge­meine För­de­rung von alter­na­ti­ven Lizenz­mo­del­len wie „Crea­tive Com­mons” durch ver­stärkte Nut­zung durch öffent­li­che Stellen

Loriot ist tot. Für ihn ist der Hick-​Hack um sein Werk nicht mehr rele­vant. Wir als Gesell­schaft sehen uns jetzt Ver­wer­ten sei­nes Wer­kes gegen­über, denen es — so stellt es sich für mich dar — nicht um die Kul­tur, son­dern um ihre Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen geht. Das kann man ihnen, so fair muss man sein, gar nicht wirk­lich anlas­ten. Denn der Feh­ler liegt in einem Sys­tem, das sol­ches Vor­ge­hen über­haupt erst ermöglicht.

Und das müs­sen wir ändern!

Berliner Piraten und die „Datenschutzpanne”: Von CC: und BCC:

Rumms! Da ist es pas­siert: Daten­schutz­panne in Ber­lin! Bei den Pira­ten! Aus­ge­rech­net bei die­sen Vor­rei­tern von Daten­si­cher­heit und Privatsphäre.

Im Rah­men des Bewer­bungs­pro­zes­ses für die dor­tige Frak­ti­ons­ge­schäfts­stelle wurde eine Rund-​E-​Mail an alle Bewer­ber ver­se­hent­lich so ver­schickt, dass jeder Emp­fän­ger die Adres­sen aller ande­ren Emp­fän­ger (also der Mit­be­wer­ber) in der E-​Mail sehen konnte. Tech­nisch gespro­chen: Die Emp­fän­ger wur­den nicht in das Feld für „Blind­ko­pien” („blind car­bon copy, BCC”) ein­ge­tra­gen, son­dern bei den „nor­ma­len” Kopien („car­bon copy, CC”).

Mir kom­men dazu drei Gedanken:

Ers­tens ist diese Panne zwei­fels­ohne ärger­lich und unnö­tig, aber sie ist nicht der Unter­gang des Abend­lan­des. Letzt­lich geht es um sehr ein­ge­schränkte Daten, die zudem bei wei­tem nicht in allen Fäl­len einer Per­son zuzu­ord­nen sein dürf­ten. Da die Bewer­ber jetzt zudem auch noch unter­ein­an­der Kon­takt auf­neh­men kön­nen, macht das ganze die Sache für die Frak­tion auch noch eher schwieriger.

Die Wahr­schein­lich­keit für einen sol­chen Feh­ler lässt sich, und das ist mein zwei­ter Gedanke, durch tech­ni­sche Maß­nah­men redu­zie­ren. Im Heise-​Artikel wird eine Begren­zung von Emp­fän­gern ange­spro­chen, die nun imple­men­tiert wer­den soll. Ich habe ja auch schon grö­ßere Rund­mails her­um­ge­schickt und die latente Gefahr der Fehl­be­die­nung ist mir sehr bewusst. Des­halb arbeite ich in sol­chen Fäl­len schon lange nicht mehr mit der Standard-​E-​Mail-​Kopiefunktion, son­dern mit einem klei­nen Skript, das aus einer Datei die E-​Mail und aus einer ande­ren die Emp­fän­ger­liste liest und dann an jeden Emp­fän­ger eine ein­zelne E-​Mail ver­sen­det. Denn auch der Rück­griff auf Blind­ko­pien („BCC”) ist nicht wirk­lich sicher, man ver­lässt sich hier dar­auf, dass Sys­teme, die nicht unter eige­ner Auf­sicht ste­hen, sich an die Regeln hal­ten. Kann sein, muss aber nicht.

Schließ­lich, und das mei­nes Erach­tens das Wich­tigste, ist dies auch ein Bei­trag zu einem Lern­pro­zess inner­halb der Pira­ten­par­tei selbst: Wo Men­schen arbei­ten, pas­sie­ren Feh­ler. Gerade in Sachen „Daten­schutz” gibt es einige Mei­nungs­ver­tre­ter, die von einem sehr hohen Ross argu­men­tie­ren, nichts außer der abso­lu­ten Maxi­mal­lö­sung gel­ten las­sen und soziale Pro­bleme mit tech­ni­schen Maß­nah­men lösen wol­len. Das funk­tio­niert nicht und wird auch nie funk­tio­nie­ren. Hier ist ein Feh­ler pas­siert und noch viele Feh­ler wer­den die­sem fol­gen. Es wäre jetzt nicht ziel­füh­rend, Mar­tin Delius oder wen auch immer „zur Ver­ant­wor­tung zie­hen” zu wol­len. In Sachen Daten­schutz und Daten­si­cher­heit müs­sen wir viel­mehr ein ins­ge­samt schlüs­si­ges Kon­zept ver­fol­gen, das einer­seits einen sorg­fäl­ti­gen Umgang mit Daten und Infor­ma­tio­nen sicher­stellt, ande­rer­seits aber auch von den Anwen­dern beherrsch­bar ist. Das wird man mit Maxi­mal­lö­sun­gen nicht erreichen.

Ich selbst bin zum Bei­spiel schon immer wie­der ange­nervt davon, dass das PGP-​Plugin mei­nes Thun­der­bird keine Mög­lich­keit vor­sieht, eine E-​Mail dau­er­haft zu ent­schlüs­seln. Was soll sowas? Hält die­ses Pro­gramm mich für unfä­hig, ver­trau­li­che Daten auf mei­nem Sys­tem ange­mes­sen zu schützen?

Also, liebe Pira­ten: Sehen wir die­sen Vor­fall als eine Nach­richt aus der „rich­ti­gen Welt”. Bauen wir mit unse­ren Pro­gramm­punk­ten und Ideen dar­auf auf, dass diese Welt so ist wie sie ist. Akzep­tie­ren wir, dass sich ein per­fek­ter Schutz nicht errei­chen lässt. Und dass der Ver­such, ihn zu errei­chen, so vie­les kaputt macht, dass man recht­zei­tig mit die­sem Stre­ben nach Per­fek­tion auf­hö­ren sollte.