Archiv für die 'Kultur' Kategorie

Quatsch des Tages: Umbenennung des Ernst-August-Platzes

Den ehemaligen Vorsitzenden der Piraten-Ratsfraktion hat es in den Bezirksrat Mitte verschlagen. Dort hat er nun einen Antrag eingebracht, den hannoverschen „Ernst-August-Platz“ umzubenennen, weil Ernst August I. als Namensgeber nicht tragbar sei. Leider ist der Antrag in Form und Inhalt unsäglich:

Ernst-August-Platz mit Bahnhof im Januar 2010: Name nicht mehr gut genug?

Ernst-August-Platz mit Bahnhof im Januar 2010: Name nicht mehr gut genug?

  • Die Darstellung des Ernst August I. ist nicht vollständig. Es wird auf einen bestimmten Vorgang einer immerhin 14-jährigen Amtszeit und eines 80-jährigen Lebens abgehoben. Das ist derselbe Fehler, der momentan in der gesamten Diskussion um die Umbenennung von Straßen und Plätzen gemacht wird.
  • Es wird versucht, die damaligen Vorgänge nach heutigen Maßstäben zu messen. Das funktioniert aber nicht, da die Gesellschaftsstrukturen damals und heute überhaupt nicht vergleichbar sind. Allein innerhalb des Antragstextes ergibt sich ein Widerspruch in der Bezugnahme auf einen „Eid vor Gott“ oder die „Königshuldigung“ einerseits und die Zugrundelegung eines aufgeklärt-bürgerlichen Staatssystems andererseits.
  • Es werden mehrfach Behauptungen in den Raum gestellt, die unbelegt, falsch oder mit dem Vorgang nicht zusammenhängend sind:
    • Für die Beliebt- oder Unbeliebtheit des Herrschers damals werden keine Belege angeführt; es wird stattdessen dem inhaltsgleichen Wikipediasatz noch ein „sehr“ hinzugefügt und dort ebenfalls erwähnte „große Anteilnahme der Bevölkerung“ anlässlich der Beerdigung nicht weiter eingegangen. Zudem: Was spielt das für die heutige Zeit für eine Rolle?
    • Das Ernst-August-Denkmal wurde erst deutlich nach der Herrschaftszeit von Ernst August I. aufgestellt. Die Angaben zur Bezahlung sind unbelegte Behauptung.
    • Hannover im Zeitraum 1866-1966(!) als „Provinz“ zu bezeichnen, wie in dem Antrag formuliert, ist schlicht hanebüchen. Und für die Behauptung, dies hätte was mit Ernst August zu tun liefert der Text ebenfalls weder Beleg noch Quelle.
  • Vor allem aber: Dieser Antrag geht zwar umfänglich darauf ein, warum der bisherige Name schlecht ist, aber mit keinem ernsthaften Wort wird begründet, warum der vorgeschlagene neue Name gut oder wenigstens besser sei. Wie weiland Edmund Stoiber zum Münchener Flughafen-Transrapid: „Weil das ja klar ist“. Das ist in seiner Kritiklosigkeit und Banalität ja noch wesentlich schlimmer als das, was der Antragstext dem Prozess unterstellt, der zum aktuellen Namen des Platzes geführt hat.

Überhaupt keine Berücksichtigung findet zudem die Frage, welche Rolle die Bezeichnung des Platzes heutzutage als Landmal oder Identifizierung völlig losgelöst von seinem Namensträger hat. Immerhin ist der mittlerweile seit 164 Jahren tot. Diesen Namen zu ändern betrifft nämlich in erster Linie die Menschen, die *heute* leben und die auf Wirken des Namensgebers keinerlei Einfluss mehr haben können.

Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, dass von allen Menschen, die an einem beliebigen Tag den hannoverschen Bahnhofsplatz queren oder seinen Namen hören, nur eine verschwindende Minderheit überhaupt den historischen Hintergrund des Namensträger kennt. Und von dieser verschwindenden Minderheit werden keine zwei die damaligen Vorgänge gleich interpretieren. Eine Umbenennung im Sinne dieses Antrages läuft unmittelbar Gefahr, als von oben herab erlassen – gleichsam oktroyiert – zu erscheinen.

Und damit hätte dieser Antrag dann plötzlich wieder erstaunlich viel gemeinsam mit jenem König lang vergangener Tage, an dem er sich so umfänglich abarbeitet.

Prism und die Piratenpartei? Wo ist Bernd Schlömer?

Die Prismwellen schlagen immer noch hoch. Mit Kalkül – so vermute ich – werden alle 2-3 Tage neue Einzelheiten über die Späh- und Überwachungsstrukturen westlicher Geheimdienste gegen ihre eigenen Staaten bekannt. Und ich vermute weiter, dass da auch noch einiges kommt.

Und die Piratenpartei? Ich meine, wie war das? „Stärkung der Bürgerrechte„, „Freiheit im Internet„, vor allem aber „Transparenter Staat statt transparenter Bürger„??? Damit sind wir doch mal angetreten, oder? Damit haben wir uns gegen die Vorratsdatenspeicherung gestemmt, gegen Zensursula, gegen ACTA. Aber das ist doch alles nur Krümelkacke gegen das, was da momentan öffentlich wird. Westliche Geheimdienste schnüffeln westlichen Gesellschaften schrankenlos hinterher. Keiner weiß Genaues – es sind ja Geheim-Dienste. Ich sage: Das untergräbt die Bürgerrechte, das untergräbt die Freiheit im Internet und es ist das Sinnbild für „Transparenter Bürger statt transparentem Staat“. Es ist der exakte Gegenentwurf zu den politischen Zielen der Piratenpartei.

Und die Piratenpartei? Ok, die Demo am Samstag. 200 Teilnehmer. Und alle so: Yeah! Und sonst? Hm. Mal nachdenken. … (Stimme aus dem Off: „Streng dich an, Dirk!“) Hmmmmmm…. („Fester!“) Öööööhhhmmmmm… („Noch fester!“) … Öffff. Ich weiß nicht. :-( Also, ok, wenn ich auf der Webseite nachschaue, dann lerne ich etwas von einem „6-Punkte-Plan“ für ein freies Netz. Das kleine Problem: Dieser „6-Punkte-Plan“ kommt auf Nicht-Piraten-Seiten nicht vor. Und wie heißt es so schön? „Pics or it didn’t happen.“

Darüber hinaus? Ich lehne mich mal aus dem Fenster: Nichts. Keine Analysen, keine Kommentare, keine Forderungen. Keine Anklagen, keine Aufrufe, kein Protest. Nichts. Jedenfalls nichts, was irgendwie in die öffentliche Berichterstattung durchdränge.

Piratenpartei und Prism: Rosa Einhorn oder was?

Woran liegt’s? Nun, schauen wir mal weg von der Partei im Ganzen hin zu ihren Mitgliedern. Zu den „Köpfen“, denen, die es einfacher haben, in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Bernd Schlömer zum Beispiel. Er ist der Bundesvorsitzende. Und in der Tat – Bernd hat sich geäußert. In einem Blogartikel mit dem schönen Titel: „Verloren im #Neuland„. Er beginnt mit

Es wirkt ein wenig belustigend

und endet mit

Liebe Bundestagsparteien, machen Sie einfach mal etwas und empören Sie sich nicht andauernd. Ihre Politik nervt langsam.

Schlömer! Mann! „Belustigend“??? Ich verrat‘ dir jetzt mal ein Geheimnis: Wir sind auch eine politische Partei. Wir machen das, weil die anderen das seit Jahren nicht hinkriegen. Wir wollen das ändern. Und übrigens wollen wir auch in den Bundestag.

Du bist der Boss von dem Laden hier. Was ist das für ein Signal, wenn der Bundesvorsitzende der Piratenpartei die anderen Parteien auffordert, was „zu machen“? Ohne zu schreiben, was wir selbst machen und fordern. Ich finde: Ein schlechtes. Zumal wenn es um ur-ur-eigenste Piratenprogrammatik geht. Sozusagen die Kernzone von #Neuland. Und dann wir so: „Hey, das ist voll nich‘ gut so, macht doch mal was, ihr anderen.“

???

Die anderen sind auch nicht ergiebiger: Sebastian Nerz: 1 Blogartikel, 0 Kommentare, seit 2013-06-22 nix. Markus Barenhoff: 1 Youtube-Video. Tonqualität wie in ’ner Konservendose. Erwähnungen in der Presse: Null. Das sind zumindest die Ergebnisse meiner (NSA-überwachten?) Google-Recherche. Wenn ich falsch liege, korrigiert mich gerne.

Ok, Katta. Die Frau hält das Thema hoch, sie macht das gut. Aber ist es wirklich die Strategie des Bundesvorstandes, die gesamte Öffentlichkeitsarbeit in Sachen „Prism“ bei Katharina Nocun abzuladen? Ja, sie ist politische Geschäftsführerin. Aber mal ehrlich: Angela Merkel schickt auch nicht Klaus Schüler vor, um die Prism-Position der CDU unters Volk zu bringen. (Wobei: Viel schlechter könnte der es auch nicht machen…) Zudem: Kattas Thema ist der Datenschutz. „Prism“ ist aber meines Erachtens im Kern kein Datenschutzproblem, sondern berührt unsere Gesellschaft viel umfassender.

Also, lieber Bundesvorstand, was soll diese wahrgenommene Nichtbefassung mit dem Thema? Ich war auch mal Bundesvorsitzender, ein bisschen kenne ich das Spiel: Die Journalie interessiert immer, was der Boss sagt. Alle unterhalb des Bosses sind Beiwerk, egal wie gut sie fachlich sind. Klingt komisch, is‘ aber so. Warum sagt der Boss nichts?

Prism betrifft gleich mehrere zentrale Anliegen der Piratenpartei. Alle anderen Parteien agieren gehemmt. Sie sind angesichts ihrer früheren Aktionen und Äußerungen nur so mittelglaubwürdig. Es ist Sommerloch. Es sind Wahlen. Wo ist die Piratenpartei? Wo ist Bernd Schlömer?

Tag des geistigen Eigentums 2009: Schülerindoktrination und überraschende Einlassungen

Nein, kein Tippfehler. Ich räume gerade umfangreich auf und da ist mir dieser Bericht der von mir besuchten Veranstaltung „Tag des geistigen Eigentums“ aus dem Jahr 2009 in die Hände gefallen, den ich hier gerne nochmal im Blog veröffentliche. Ich weiß nicht mehr, zu welchem Anlass ich das ursprünglich geschrieben hatte, bis auf die Links habe ich aber nichts verändert. Bitteschön:

Die Veranstaltung des BDI zum „Tag des geistigen Eigentums“ fand dieses Jahr [also 2009] am 24.4. statt, da der eigentlich von der WIPO ausgerufene 26.4. auf einen Sonntag fällt. Insgesamt barg die fünfstündige Veranstaltung wenig Neues. Kernthemen der Diskussionen und Vorträge waren vor allem Produktpiraterie, Pharmapatente und die Bestrebungen zur Einrichtung einer europäischen Patentgerichtsbarkeit. Das Thema „Softwarepatente“ wurde nicht direkt angeschnitten.

Die Panelteilnehmer und Einzelreferenten iterierten wieder und wieder die sattsam bekannten Mantras: Nur der Schutz geistigen Eigentums fördert Innovation, illegales Downloaden von Musik und anderen Kulturwerken bringt die Künstler um ihren Lohn, Patente sind prima. Weitestgehend unwidersprochen blieb die in verschiedenen Worten mehrfach geäußerte Ansicht, das Patentwesen bzw. die Schutzrechtsysteme allgemein dienten ausschließlich den Rechteinhabern, sie seien die einzigen „Teilnehmer des Systems“.

Höhepunkt und Abschluss der Veranstaltung war die Verleihung der Preise an die Gewinner des Schülerwettbewerbs „Ideenliebe„. Unter der Schirmherrin Zypries (die – weil ich China – nicht anwesend war) hatte hier der BDI Schulklassen aufgerufen, sich darüber Gedanken zu machen, warum gestiges Eigentum schützenswert sei. Schon in der Anmoderation wurde klar, wie das zu verstehen ist: „Das Abschreiben von Hausaufgaben ist ja auch Verletzung geistigen Eigentums.“ So zeigten denn die fünf prämierten Beiträge auf verschiedene Weisen, wie böse Rechtsverletzer sich arme Ideen unter den Nagel rissen und die Rechteinhaber anschließend ideenfrei dastanden. Während der Gewinnerbeitrag das Szenario in einer pragmatischen Weise enden ließ („Ey, sorry Mann, tut mir Leid, war doof.“), wählte der drittplatzierte eine eher realistische Variante („887 Euro inklusive Anwaltskosten“).

Alles in allem hatte die Veranstaltung etwas surreales und war eher in der Tradition von „Margot Honecker prämiert die besten Gedichte an den Sozialismus“ denn von kritischer Beschäftigung mit der Sache. Allerdings gab es hier ja auch keine FDJ-Ehrennadeln zu gewinnen, sondern diverse Naturalien und Einkaufsgutscheine von Adidas, eine Adidas-Werksbesichtigung (mit Einkaufsgutscheinen) und als Hauptgewinn schicke weiße Fahrräder mit Abus-Schloss (sozusagen als Schutz ncht-geistigen Eigentums), leider überhaupt nicht StVO-konform.

Ich bezweifele zwar, dass solche Indoktrinationsmaßnahmen an Schülern nachhaltige Wirkung zeigen, trotzdem sollte man sich überlegen, hier mal passend gegenzusteuern und Alternativen zur „Geistiges Eigentum“-Mühle in die Schulen zu tragen.

Ansonsten sind bei mir eher so ein paar Details hängengeblieben, die aus der Masse der immer gleichen Einlassungen (siehe oben) herausragten:

In beiden Panels, die ich besucht hatte, wurden die Teilnehmer nicht müde zu betonen, dass ein europaweit einheitliches Schutzrechtsregime nötig ist, um die Reche auch tatsächlich effektiv durchsetzen zu können. Deshalb ist auch der Europäische Patentgerichtshof unbedingt nötig. Immer wieder wurde dabei aber auch gesagt, es gehe natürlich nur um die „guten“ Patente und die „echten“ Innovationen. Das Problem der Patenttrolle und Trivialpatente schwebte so immer wieder im Raum, freilich ohne dass man näher darauf einging, wie man denn nun Gutes von Schlechtem trennen wollte. Eines der Kernprobleme der ganzen europäischen Patentproblematik ist halt, dass man seit Jahren immer nur über den juristischen und administrativen Überbau des Patentwesens spricht, das substanzielle Patentrecht – die Frage, was denn eigentlich patentiert werden kann – aber kategorisch außen vor lässt.

Einziger kritischer Geist im Panel über die Patentgerichtsbarkeit war Prof. Harhoff. Nur von ihm gab es Aussagen, dass Patente eben nicht nur aus der Sicht der Patentinhaber betrachtet werden müssen, sondern dass man auch die „andere Seite“ berücksichtigen müsse und die Auswirkungen, die die Monopolansprüche auf Forschung und Gesellschaft allgemein haben. So ganz überzeugt schien er nicht von den Einlassungen, die geplante europäische Patentgerichtsbarkeit hätte ja ein klar definiertes Einspuchs- und Nichtigkeitsverfahrensrecht, aber in der Kürze der Zeit wurde das im Rahmen des Panels nicht weiter erörtert.

In verschiedenen Zusammenhängen gab es Sorge über eine Entwicklung, dass Streitigkeiten über geistige Eigentumsrechte zunehmend „privat“ unter Ausschluss der Öffentlichekeit verhandelt würden. Beispiele waren diverse Patentstreitigkeiten, die nicht mit einem Urteil endeten, sondern mit unveröffentlichten bilateralen Absprachen oder auch der momentan in den USA laufende Streit zwischen Google und diversen Verlegern über die Digitalisierung von Büchern. Bei letzterem läuft der Vorgang darauf hinaus, dass Google eine am Urheberrecht vorbei gehende Einigung mit den Verlegern erzielt und sich so quasi auf „privatem“ Wege und ohne dass Staat oder Öffentlichkeit eine Einflussmöglichkeit haben die Nutzungsrechte sichert.

Sehr interessant war zudem eine Erläuterung über den weiteren Fahrplan für das europäische Patentgericht von (meine ich mich zu erinnern) Claude Rakovsky von der GD Wettbewerb der EU-Kommission. Momentan befinden sich die Vertragsentwürfe immer noch in den Verhandlungen, das Hauptproblem sind, wie schon seit Jahren, die Sprachen: Was passiert, wenn ein – sagen wir mal – deutscher Patentinhaber vor einem rumänischen Gericht verklagt und die Verhandlung auf rumänisch geführt wird? Sollte hier Einigkeit erzielt werden (aktuelle Überlegungen gehen in Richtung maschinelle Übersetzung), müsste der gesamte Vertragsentwurf allerdings erstmal dem Europäischen Gerichtshof vorgelegt werden, der dann prüft, ob die Einrichtung einer europaweiten Gerichtskammer auf der Grundlage eines zwischenstaatlichen Abkommens überhaupt rechtlich möglich und erlaubt ist. Man scheint sich in der EU-Kommission den Zeithorizont Ende 2010 gesetzt zu haben, d.h. dass das Projekt nach aktuellem Stand scheitert, wenn es nicht spätestens durch die belgische Ratspräsidentschaft in der 2. Hälfte 2010 auf den Weg gebracht wird.

Mein Highlight aber der Vortrag von Francis Gurry, immerhin Generaldirektor der WIPO. Sein Vortrag begann schon mit der klaren Aussage, dass das gesamte System des geistigen Eigentums momentan unter Druck von außen steht. Unter anderem in Bereich der Musik sieht er das Phänomen, dass es im Jahr 2008 einerseits 40 Milliarden „illegale“ Musikdownloads gegeben habe, die es ohne die neuen digitalen Datennetze und Techniken nicht gegeben hätte, andererseits die Musiker aber eben genau diese neuen Techniken selbst mit Begeisterung einsetzten. Eigentlich existiert hier also ein Markt. Die von ihm in den Raum gestellte Frage: Ist das ganze jetzt ein rein juristisches Problem, bei dem man die unerlaubten Downloads gerichtlich bekämpft, oder haben wir es hier mit einer fundamentalen Änderung zu tun, wie ein Kulturgut verbreitet wird und wie vor allem seine Produktion finanziert werden kann. Seine selbst gegebene Antwort weist klar auf die letztere Schlussfolgerung hin und sein Fazit in dieser Sache war, dass man wohl doch nochmal grundsätzlich über dieses Problem nachdenken muss.

Und das vom Generaldirektor der WIPO. Ich war beeindruckt.

Die Piratenpartei und das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE): War da was?

Gestern abend gab es in der Piraten-Geschäftsstelle in Hannover einen „BGE-Themenabend“. Geladen wurde zu einer „Diskussionsrunde“ und der Kernsatz der Einladung hätte mich warnen sollen: „Wir diskutieren darüber und schauen, was dabei herauskommt!“ Und so war es dann auch: Als ich – beruflich bedingt etwas verspätet – eintraf, war die Diskussion bereits im Gange. Darum, dass es verschiedene Modelle gibt (Grundeinkommen, Sockelbetrag, negative Einkommensteuer,…). Dass diese etwas kosten (800 Mio, 1,2 Mrd, 1,5 Mrd,…). Wieviel jeder bekommen soll (400 EUR, 800 EUR, 1200 EUR, 1500 EUR,…). Wer überhaupt (Alle Deutschen in Deutschland, alle Deutschen egal wo, alle in Deutschland,…). Ob jeder gleich viel bekommt (Kinder, Alte, Behinderte, Erwerbslose,…). Wie man das ganze finanziert (50% Mehrwertsteuer, 150% Mehrwertsteuer, Wegfall anderer Sozialleistungen,…). Die politischste Frage war noch, warum man das ganze überhaupt haben will: Geht es eher um die persönliche Freiheit des Einzelnen oder um die soziale Sicherung?

Kurz: Es war die gefühlt eintausendsiebenhundertachtundneunzigste Diskussion zu dem Thema, die genau so wie all die bisherigen ablief: Viele Allgemeinplätze, leuchtende Augen beim Beschreiben der Vorteile, die eine solche Grundsicherung böte, allgemeine Übereinstimmung, dass wir eine solche Umkrempelung der deutschen Gesellschaft voranbringen wollen – aber quasi keine belastbaren Zahlen oder Überlegungen zu einem in sich geschlossenen Konzept, was man denn nun gerne hätte.

Die meisten Anwesenden umtrieb, das war den Redebeiträgen zu entnehmen, vor allem die Abschaffung des Arbeitslosengeldes II („Hartz IV“). Mehrere Anwesende beschrieben eigene, wenig erfreuliche Erfahrungen mit diesem System. Ich kann hier nichts Eigenes besteuern und ich will nicht abstreiten, dass das ALG II („Hartz IV“) soziale Härtefälle und unerträgliche Eingriffe in Lebensentwürfe und persönliche Freiräume bedeutet, dass es das vielleicht sogar soll – aber das allein ist noch kein politisches Argument! Darüber hinaus wurde es aber sofort dünne mit belastbaren Aussagen. „Ich glaube“, „ich glaube nicht“, „ich habe gehört“, „es ist doch klar“ – so begannen die meisten Äußerungen in der Runde. Und aus diesem Glauben oder Hörensagen wurden dann irgendwelche Schlüsse gezogen: „Ich habe gehört, dass das Götz-Werner-Modell mit einer 150%-Mehrwertsteuer arbeitet.“ – „Nein, ich glaube, es sind nur 50%“ – „Ach so.“

Ein Vergleich von sechs Grundeinkommens- bzw. Grundsicherungsmodellen ging herum, etwas altmodisch als einzelner Ausdruck auf Papier. Meinen sämtlichen Vorbetrachtern war die Fußzeile nicht aufgefallen: „Stand: April 2007“. Nachfrage meinerseits: „Ist das der Stand, auf den wir hier gerade aufbauen?“ – „Öhm, hm… Joah…“ – „Aber ist das nicht ein bisschen veraltet?“ – „Naja, so viel ist ja seitdem nicht passiert.“ – „Hat das mal wer nachgeprüft?“ – „Nö, warum?“

Warum??? Der April 2007 liegt mittlerweile über sechs Jahre zurück. Zwischenzeitlich gibt es eine weltweite Wirtschaftskrise, diverse Umwälzungen in verschiedenen Volkswirtschaften, massive Erosionserscheinungen der innereuropäischen Wirtschaft – nichts passiert??? Als Beispiel hier mal die Arbeitslosenzahlen:

Arbeitslosenquote in Deutschland - Jahresdurchschnittswerte bis 2013
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Da hat sich seit 2007 erhebliches geändert. Aber statt da mal drauf einzugehen oder zumindest ein Modell durchzurechnen und einen Realitätscheck zu machen, wird fröhlich irgendwas herbeigewünscht und mit „ich habe da mal gehört“ begründet.

Leute, so geht das nicht!

Wir wollen als politische Partei ein Thema besetzen. Seit dem Chemnitzer Parteitag 2010 sind Grundeinkommen und Grundsicherung auf der bundespolitischen Agenda der Piraten. Und seit 2010 hat sich an den (von mir wahrgenommenen) internen Diskussionen nichts geändert: Es werden verschiedene „Modelle“ mehr oder weniger kompetent vorgestellt, man redet mehr oder weniger engagiert darüber, welches warum besser oder schlechter ist – aber ist absolut kein Fortschritt in dieser Diskussion zu verzeichnen. Konkrete Zahlen? Präferenzen für bestimmte Systeme? Überhaupt mal Check, welches BGE-Modell eigentlich mit den politischen und gesellschaftlichen Grundsätzen der Piratenpartei vereinbar ist? Fehlanzeige!

Und so wollen wir Wähler überzeugen, dass sie uns wegen dieses Themas ihre Stimme geben sollen? Das überzeugt nicht mal mich!

Nun ist das etwas unfair von mir. Es ist ja nicht so, dass sich gar nichts getan hätte. Der Kaperbrief beschäftigt sich in einer ganzen Ausgabe mit dem BGE. Dort sind die Grundlagen der Diskussion vorzüglich dargestellt. Es gibt sogar ein Modell, dass aus der Piratenpartei selbst kommt: „Sozialstaat 3.0“ nennt sich das – etwas nerdig mit dem Namenszusatz „Version 1.2“.

Seit über zweieinhalb Jahren arbeitet sich die Piratenpartei jetzt an dem Thema „BGE“ ab. Ich halte es nicht für vermessen, dass wir langsam mal in die Strümpfe kommen und aus den Modellvergleichen und allgemeinen Überlegungen zu einer greifbaren Position kommen: Wie soll es unserer Meinung nach denn nun aussehen, das „BGE“? Oder: Welche Modelle haben welche Vor- und Nachteile? Dann können wir damit die politische Bühne „entern“, Wähler überzeugen und es passiert vielleicht nicht mehr so massiv, dass an Wahlständen von acht Piraten die Hälfte nicht weiß, was sie zum BGE sagen soll und in der anderen Hälfte jeder etwas anderes erzählt. Dafür wäre aber die Grundvoraussetzung, dass wir erstmal selbst anfangen, uns damit zu beschäftigen, was wir eigentlich konkret wollen.

Und da war die Veranstaltung gestern abend eher nicht so für geeignet…

Musik zum Wochenende: Dub FX

In der Version für große Bildschirme hat dieses Blog seit gestern eine neue Funktion: Ganz rechts finden sich jetzt bei jedem Seitenabruf Links auf drei zufällige Artikel. Lädt zu Stöbern ein…

Und nun zu etwas ganz anderem: Dub FX macht Straßenmusik. Mit Hilfe eines (bzw. wohl mehrerer) Loop-Recorders und Beat-Boxing schafft er es, ganz alleine einen komplexen Sound zu kreieren und sich selbst mit Melodie, Beat und Hintergrundstimmen zu begleiten. „Live-Looping“ heißt das, live und draußen. Auf dem Video hier kann man das alles sehr schön sehen: Die Bedienung des Recorders über die Fußpedale, das Aufnehmen und geeignete Einspielen der verschiedenen Tonspuren und auch die Umgebung: Menschen, die im Hintergrund stehen bleiben und zuhören, die zwei Jungs links, von denen einer losstapft und eine Dub-FX-CD kauft (die der andere dann einsteckt), den Fotografen, der sich von rechts ins Bild schiebt um ein Foto zu machen, der Kinderwagen, der durch Bild rollt, die Mädchengruppe hinten rechts – und dazu die Musik.

Das ist für mich große Kunst. Mehr davon auf Youtube.

100 Jahre Rathaus Hannover – Reden, Chöre, Silbermond

Am 2013-06-20 ist das hannoversche Rathaus 100 Jahre alt geworden. Ich war geladener Gast beim Festakt und habe mitgefeiert. Ein paar Eindrücke:

Das Rathaus hat Geburtstag…

…und die Gäste des Festaktes versammeln sich in der Rathaushalle.

Auf der Freitreppe sind Bühne und Rednerpult aufgebaut.

Alle warten auf das Festprogramm, das mit Chormusik und profunden Reden den festlichen Rahmen des Tages bieten soll.

Die Feier wurde vom Mädchenchor Hannover eröffnet. Der Gesang war brilliant und die Akustik der hohen Halle hat das sehr gut zur Geltung gebracht. Etwas schade fand ich bloß, dass alle Stücke sehr getragen waren. Wer auch immer für die Auswahl zuständig war und sein wird – das ist ein Geburtstag und keine Trauerfeier.

Den Anfang macht der Mädchenchor Hannover

Begrüßung und Grußwort kamen vom amtierenden Bürgermeister Bernd Strauch und dem ehemaligen Oberbürgermeister und aktuellen niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil. Strauch betonte die Offenheit und die Lebendigkeit des Rathauses, Weil („Zehn Jahre habe ich hier unter der Knute von Oberbürgermeister Schmalstieg gedient, sechs unter der von allen anderen.“) erzählte, dass er in all den Jahren immer wieder Neues an Architektur und Ausstattung entdecken konnte.

Bürgermeister Bernd Strauch begrüßt die Gäste

Der niedersächsische Ministerpräsident und frühere Oberbürgermeister Stephan Weil bei seinem Grußwort

Die Festrede hielt Prof. Dr. Carl-Hans Hauptmeyer vom Historischen Seminar der Universität. Unter dem Titel „Das Rathaus als Ort kommunaler Selbstbestimmung“ spannte er einen weiten Bogen der kommunalen Selbstverwaltung vom Mittelalter bis in die heutige Zeit. In dem sehr lebendigen Vortrag verdeutlichte er dabei, wie unterschiedlich diese Selbstverwaltung und Mitbestimmung früher und heute war und dass die gleichmäßige Beteiligung aller Bevölkerungsschichten Ergebnis eines jahrhundertelangen Prozesses war. Man müsse aufpassen, so Hauptmeyer, dass diese Errungenschaft nicht in einer Art konzern-zentrierten Postdemokratie wieder verloren ginge und das Mittel sei: Mehr Beteiligungswille von den Bürgern selbst. Eine Einschätzung, der ich mich gerne anschließe, zumal auf kommunaler Ebene Bürgerbeteiligung am ehesten handfeste Ergebnisse zeigen kann.

Prof. Dr. Carl-Hans Hauptmeyer referierte sehr lebendig über die Geschichte der kommunalen Selbstverwaltung

Die erste Reihe der geladenen Gäste während des Vortrags von Prof. Hauptmeyer.

Abgerundet wurden die Redebeiträge von Matthias Brodowy, der sich den Ausspruch „Alles bar bezahlt, Majestät“ als Leitmotiv seiner Betrachtungen setzte. Man stelle sich vor, das hannoversche Rathaus würde in der heutigen Zeit gebaut werden: Bürgerinitiativen gegen den Blickverbau, Umweltproteste gegen die Eichenpfähle im Moor und der Schrägfahrstuhl fiele einer EU-Verordnung zum Opfer. Eine um eine Rathaus-Geburtstags-Strophe ergänzte Version seines Hannover-Lieds „Stadt mit Keks“ rundete den „launigen Festvortrag“ ab.

Matthias Brodowy beim ebenfalls gelungenen „launigen Festvortrag“

Der Festakt selbst endete dann mit dem Knabenchor Hannover, der sich mit Mendelssohn Bartholdy und Bach auch nicht gerade Zeitgenossen des Rathauses ausgesucht hatte. Unter den kritischen Blicken ihrer Kolleginnen vom Veranstaltungsanfang – die Mädchen säumten die Emporen – haben aber auch die Jungs eine äußerst sehens- und hörenswerte Vorstellung abgeliefert.

Den Abschluss des Festaktes bildete der Knabenchor Hannover

Nach dem Festakt dann der Empfang mit Buffet für die geladenen Gäste im Gartensaal. Das Unwetter war mittlerweile über Hannover hinweggezogen – im Rathaus hat man davon quasi nichts mitbekommen – sodass man sich hervorragend sowohl im Gartensaal selbst als auch auf der Terrasse aufhalten konnte.

Empfang im Gartensaal

Währenddessen startete vor dem Rathaus die große Geburtstagssause mit dem Konzert von „Silbermond“. Der Trammplatz war voll, der Friedrichswall Richtung Aegi gesperrt und alle Beteiligten hatten großen Spaß an der Musik. Ich hatte die Möglichkeit, größere Teile der Veranstaltung vom Rathausbalkon aus verfolgen zu können und beende diesen kurzen Bericht mit ein paar Fotos von dort auf das Konzert.

Viele Tausend Besucher beim Konzert von Silbermond auf dem Trammplatz

Silbermond lieferte eine fast zweistündige Bühnenshow

Das Publikum ging begeistert mit

Zum Ende des Konzerts: Stagediving…

…und Erinnerungsfotos der Band selbst von ihren Fans

Neugestaltung Hohes Ufer – Wie die Bauarbeiten an der VHS nicht begannen

Stehempfang am Hohen Ufer unter freiem Himmel, drei Dezernenten, aber kein einziger Bagger – so haben am Montag die Umbauarbeiten der ehemaligen Schwerhörigenschule am Hohen Ufer zur neuen VHS begonnen.

Gekommen waren etwa 40 Gäste, darunter eine Handvoll Ratsmitglieder und drei Dezernenten

Die Verwaltung hatte zu einem Mittagstermin eingeladen. Neben dem Ersten Stadtrat Hans Mönninghoff waren sowohl Kulturdezernentin Marlis Drevermann als auch Baudezernent Uwe Bodemann anwesend.

Kurze Rede des Ersten Stadtrates Hans Mönninghoff anlässlich des Baustarts für die VHS am Hohen Ufer

Um die Veranstaltung nicht unnötig in die Länge zu ziehen, hat nur Hans Mönninghoff geredet – und auch das keine 10 Minuten. Unter anderem musste er erklären, warum zum offiziellen Umbaustart kein einziges Baugerät zu sehen war: Im Rahmen des Vergabeverfahren muss noch ein Einspruch gerichtlich geklärt werden – so lange kann es nicht wirklich losgehen.

Das bisherige Schulgebäude wird komplett umgebaut und zur VHS mit angeschlossener Gastronomie

Immerhin wird ab Montag auf dem ehemaligen Schulhof mit den archäologischen Ausgrabungen begonnen – der Bereich am Hohen Ufer gehört zu den am längsten besiedelten Stellen in Hannover überhaupt. Der Umbau der Schule zur VHS ist nur eine von mehreren Baumaßnahmen, die die Landschaft am Hohen Ufer in den nächsten Jahren erheblich verändern werden.

Fotos von Dezernenten und Architekt für die Presse

Nach einigen Pressefotos mit Dezernenten und Architekten im Eingangsbereich der maroden Schule gab es noch Interviews für die zwei anwesenden Radiokorrespondenten.

Interviews von Hans Mönninghoff und Marlis Drevermann für die anwesenden Radiojournalisten

Und nach einer Stunde war die gesamte Veranstaltung auch schon wieder vorbei.

Umbau des Pavillon am Raschplatz in Hannover: Baustellenfest zur Halbzeit

Am Freitag, 2013-06-14, war Baustellenfest. Etwa zur Halbzeit der umfänglichen Umbauarbeiten am Kulturzentrum „Pavillon am Raschplatz“ lud der Trägerverein zum Baustellenfest. Direkt gegenüber dem im Wesentlichen im Rohbauzustand befindlichen Pavillon auf dem Weißekreuzplatz gab es einen Empfang mit Musik. Danach gab es die Möglichkeit, auf geführten Touren durch die Baustelle – bzw. im Wesentlichen drum herum – zu gehen und sich selbst ein Bild vom Baufortschritt zu machen.

Empfang zum Baustellenfest auf dem Weißekreuzplatz

Empfang zum Baustellenfest auf dem Weißekreuzplatz

In kurzen Redebeiträgen gaben Susanne Müller-Jantsch und Christoph Sure von der Pavillon-Geschäftsführung einen Überblick über den Baufortschritt und die Auswirkungen, die die ganzjährige Schließung des Hauses haben. So können diverse Veranstaltungen wie z.B. das Masala-Fest dieses Jahr nicht in gewohnter Weise stattfinden und für die Mitarbeiter mussten verschiedene Übergangslösungen gefunden werden. Nach der Fertigstellung hingegen werden sich die Möglichkeiten im Haus wesentlich verbessern – unter anderem durch die stark verbesserte akustische Abgrenzung der Veranstaltungssäle – und in Zusammenarbeit mit der Stadt Hannover künftig mehr Auszubildende beschäftigt werden können.

Susanne Müller-Jantsch und Christoph Sure

Susanne Müller-Jantsch und Christoph Sure

Seitens der Stadt waren etliche Vertreter anwesend, neben etlichen Rats- und Bezirksratsabgeordneten verschiedener Fraktionen insbesondere die Kulturdezernentin Marlis Drevermann und der Erste Stadtrat Hans Mönninghoff, der durch die Vakanz des Oberbürgermeisterpostens seit Ende Januar 2013 die Spitze der hannoverschen Verwaltung repräsentiert. Mönninghoff verbindet – wie viele Hannoveraner aus der 1970er- und 1980er-Szene – viele persönliche Erinnerungen mit dem Pavillon. Die Entscheidung der Stadt, das marode Gebäude nicht durch einen Neubau zu ersetzen, der dann z.B. auch die Volkshochschule hätte beherbergen können, ließ er vor diesem Hintergrund nochmals Revue passieren. Man müsse es sich, so Mönninghoff, unter solchen Umständen auch mal leisten, ein zentrales Innenstadtgrundstück nur einstöckig zu bebauen. In 50 oder 100 Jahren würde darüber dann vielleicht anders entschieden. Mit den 12,4 Mio. EUR Baukosten wird man wohl aber auskommen, so alle Redner des Tages. Und die einzelnen Abschnitte des „neuen“ Pavillons werden wohl noch dieses Jahr eröffnet, geplant ist zwischen August und November.

Helga Christensen, 1. Vorsitzende der BI Raschplatz mit Erstem Stadtrat Hans Mönninghoff und Kulturdezernentin Marlis Drevermann

Müller-Jäntsch und Sure präsentierten dann noch einen rein elektrisch betriebenen neuen Firmenwagen, der dem Pavillon gestiftet worden ist. Auf die in diesem Zusammenhang vorgetragene Bitte, die Stadt möge die Aufstellung einer Ladesäule im öffentlichen Straßenraum am Pavillon fördern, reagierte Mönninghoff eher reserviert mit Bedenken bezüglich der vierrädrigen Elektromobilität und riet, man solle „erstmal aufs Elektrofahrrad umsteigen“.

Neues Fahrzeug mit rein elektrischem Antrieb

Neues Fahrzeug mit rein elektrischem Antrieb

Für musikalische Unterhaltung sorgte die gesamte Veranstaltung über „Brazzo Brazzone & the World Brass Ensemble“ mit schmissigen Blechbläseradaptionen bekannter Musikstücke.

Brasso Brazzone

Brasso Brazzone & the World Brass Ensemble

Besonders spannend waren dann natürlich die Touren über die Baustelle. Der Pavillon wird zwar dem Wortlaut nach saniert, tatsächlich ist die ganze Aktion aber an vielen Stellen eher ein Neubau mit gleichem Außengrundriss. Das alte Gebäude war 1972 eigentlich als Provisorium für ein Jahr geplant. Nun ist es seit mittlerweile 40 Jahren in Betrieb. Die Totalsanierung ermöglicht nun, moderne energetische Standards und eine zweckmäßigere Raumaufteilung umzusetzen.

Bibliotheksbereich, Südseite

Bibliotheksbereich, Südseite

Der Bibliotheksbereich auf der Südseite wird größer als bisher. Dach und Stützenkonstruktion werden hier, wie auch an vielen anderen Stellen, völlig neu aufgebaut. Die früher tragenden Wände werden dabei nicht mehr genutzt, selbst wenn sie vereinzelt stehen bleiben.

Straßenseite Lister Meile

Straßenseite Lister Meile

Zur Lister Meile hin ist gut zu sehen, dass auch die gesamte Fassade völlig neu aufgebaut wird. Lediglich das Fundament bleibt erhalten. Das Gebäude hat keinen Keller – auch, weil darunter die U-Bahn verläuft.

Großer Saal (Panorama)

Großer Saal (Panorama)

Herzstück des Pavillon ist der Große Saal, der völlig neu gestaltet und wesentlich größer als bisher wird. Die Decke ist hier zukünftig höher und der Saal wird bis zu 1200 Personen fassen. Durch die akustische Trennung werden zukünftig auch parallele Veranstaltungen zu – zum Beispiel – Konzerten möglich sein.

Obergeschoss, unsaniert

Obergeschoss, unsaniert

Von der Sanierung ausgespart bleibt allerdings das Obergeschoss, auf dem seit dem Jahr 2000 eine Solaranlage installiert ist. Dessen Sanierung, so Erster Stadtrat Mönninghoff, wäre zu teuer geworden und da seitens der Pavillonbetreiber auch keine Finanzierung möglich gewesen sei, wird es nun „versiegelt“ und wird wohl bis zu einer – prinzipiell möglichen aber zeitlich nicht abzusehenden – Sanierung in eine Art Dornröschenschlaf fallen.

Café Mezzo (Panorama)

Café Mezzo (Panorama)

Rohbaufertig sind mittlerweile auch die neuen Räumlichkeiten des Café Mezzo, die wie die meisten anderen Räume im Pavillon einen etwas anderen Zuschnitt erhalten. Wie bisher wird aber das Mezzo auch wieder einen Tresen im Foyer betreiben können.

Außenfassade an der Nordseite, Mezzo

Außenfassade an der Nordseite, Mezzo

Hier an der Nordseite des Gebäudes sind dann auch die ersten Anfänge der neuen Fassade sichtbar: Wie früher wird man hier wieder im Mezzo sitzen und nach draußen (oder von draußen hinein) schauen können.

Fazit: Eine schöne und informative Veranstaltung, eine beeindruckende Umbauleistung, ein ehrgeiziger Zeitplan. Ich mag nicht beurteilen, ob es wirklich sinnvoll war, das Pavillon-Provisorium bei dieser nicht ganz billigen Baumaßnahme quasi „wiederauferstehen“ zu lassen. Ein völlig neu konzipierter Neubau hätte wohl auch vielfältige Chancen geboten, die man nun nicht nutzt. Nichtsdestotrotz bin ich auch auf die Eröffnung gespannt.

Ziegen

Dem aktuellen Trend zu Google Lyrics folgend hier ein Ergebnis heutiger „Recherche“ meinerseits:

Ziegen

Meine Ziegen können fliegen
Wie alt können Ziegen werden?
Können Ziegen schwimmen?
Wie hoch können Ziegen springen?

Ich glaube, Kurt Schwitters würde Google gefallen. Sehr.

Bild: Armin Kübelbeck,
Bearbeitung: dh, CC-BY-SA 3.0

Wenn Satire wahr wird: Der Postillon, Heise Online und der Smartphone-Crash

Am schönsten ist Satire ja immer, wenn sie irgendwann mal wahr wird:

Der Postillon, 2012-11-24: Neue Smartphone-App warnt beim Gehen vor Kollisionen mit anderen Smartphone-Nutzern

Heise Online, 2013-05-14: Anti-Crash-System für Smartphone-Süchtige

Geradezu prophetisch vom Postillon – mit dessen Macher übrigens gerade ein sehr interessantes Interview erschienen ist…