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Happy Bir­th­day: 10 Jahre „Letzte Weis­hei­ten“

Geburtstagskuchen: Happy Birthday, Blog!

Ge­burts­tags­ku­chen: Happy Bir­th­day, Blog!

Vor ge­nau 10 Jah­ren ist in die­sem Blog der erste Ar­ti­kel er­schie­nen. Die Feier fällt eher be­schei­den aus – der feh­len­den Zeit ge­schul­det. Mo­men­tan be­fin­det sich die­ses Blog eher in ei­ner ru­hi­gen Phase sei­ner Exis­tenz. Ich äu­ßere mich mo­men­tan eher in den po­li­ti­schen Gre­mien der Stadt und ver­öf­fent­li­che hier meis­tens nur Re­de­bei­träge oder meine ei­ge­nen Ver­öf­fent­li­chun­gen oder An­träge.

Wer­fen wir ei­nen kur­zen Blick zu­rück in die Ge­schichte. 2006 auf ei­nem ei­ge­nen Rech­ner und als mehr oder we­ni­ger ein­zige all­ge­mein nach au­ßen wirk­same Ver­öf­fent­li­chungs­platt­form ge­star­tet, ist die­ses Blog heute ein­ge­rahmt von Twit­ter, Face­book und an­de­ren Platt­for­men – und wir be­trie­ben von je­man­dem, der sich dann häu­fig doch ent­schei­det, die­ses Mal nichts zu schrei­ben.

Tech­nisch hat sich auch ei­ni­ges ge­än­dert. Ge­star­tet mit Word­Press 2.0 wird mir aus­ge­rech­net heute zum Zehn­jäh­ri­gen das Up­date auf Word­Press 4.5 an­ge­bo­ten. Vor ei­ni­gen Jah­ren bin ich dann auch end­lich von der selbst be­trie­be­nen Hard­ware auf ei­nen Hos­ting­pro­vi­der um­ge­stie­gen – al­ler­dings auf ein An­ge­bot, bei dem ich we­nigs­tens Shell­zu­gang habe und so auch tie­fer ge­hende Ein­griffe vor­neh­men kann – je­den­falls theo­re­tisch. Prak­tisch hält sich mein Ex­pe­ri­men­tier­drang mitt­ler­weile in en­gen Gren­zen. Die Er­fah­rung zeigt, dass es oft am ef­fek­tivs­ten ist, im Zwei­fels­fall die 95%-Lösung für das ei­ge­nen Pro­blem zu neh­men, wenn diese da­für im Ge­gen­zug groß­flä­chig un­ter­stützt wird und be­kannt ist.

Aber ich finde es trotz­dem nach wie vor be­ru­hi­gend, im Zwei­fels­fall auch tief in das Sys­tem ein­grei­fen zu kön­nen. Und wenn ir­gend­wann mal je­mand Word­Press mit ei­nem git-ba­sier­ten Ba­ckend ver­bin­den würde – das wäre toll…

Das Schöne an ei­nem Blog – so wie ich es ver­stehe und be­treibe – ist ja sein Lang­mut. Es ist ihm egal, wenn mal eine Zeit lang kein neuer In­halt kommt, brav stellt es al­les Alte wei­ter­hin zur Ver­fü­gung. So gibt es hier im­mer noch mei­nen ÖPNV-Ad­vents­ka­len­der aus dem Jahr 2010, meine Laat­zener Brü­cken­ge­schichte oder die vie­len Pi­ra­ten­par­tei-Bei­träge aus dem Som­mer 2009 zum Nach­le­sen. Daran will ich auch nichts än­dern. Man­che Bei­träge ha­ben mitt­ler­weile auch eine ge­wisse Au­ßen­wir­kung ent­fal­tet: Wer nach dem Be­griff „Sock­fuß“ goo­gelt, be­kommt als ers­ten Tref­fen die­sen Ar­ti­kel aus dem Jahr 2007 an­ge­bo­ten, in dem ich mir über ge­nau die­ses Wort mal Ge­dan­ken ge­macht habe.

Zehn­jäh­rige Ju­bi­läen sind mei­ner Er­fah­rung nach durch­aus eine Zä­sur. Es ist der letzte „große“ Jah­res­tag, an dem man sich die ge­samte Ent­wick­lung von An­fang an noch ver­ge­gen­wär­ti­gen kann. Wenn die Zeit wei­ter vor­an­schrei­tet, ver­schwimmt die Ver­gan­gen­heit mehr und mehr und man­che äu­ße­ren Um­stände ha­ben sich so ge­än­dert, dass es schwer fällt, da­ma­lige Er­eig­nisse oder Kom­men­tare noch rich­tig ein­zu­ord­nen. Das ist dann der Mo­ment, an dem et­was vom Ta­ges­ge­sche­hen zur Zeit­ge­schichte wird. Neh­men wir mal die­sen Ar­ti­kel über Kauf­land am Rasch­platz, der mal rund um die Uhr ge­öff­net hatte – da­mals, nach­dem die La­den­schluss­ge­setz­ge­bung ge­än­dert wor­den war. Schon seit vie­len Jah­ren ist zwi­schen Mit­ter­nacht und sechs Uhr mor­gens wie­der Ein­kaufs­pause. Aber so war es mal – und hier kann man es nach­le­sen.

Ich bin sehr zu­ver­sicht­lich, dass sich mein Zeit­bud­get ir­gend­wann mal wie­der zu Guns­ten die­ses Blogs än­dert. Denn ei­gent­lich hätte ich ja durch­aus Ideen, mal wie­der mehr zu ma­chen. Auch das Lay­out müsste über­ar­bei­tet wer­den: Der ak­tu­elle Stil ist ja doch ziem­lich über­la­den. Aber zum Glück habe ich da­für ja keine zeit­li­chen Vor­ga­ben oder Not­wen­dig­kei­ten. Und das ist ein wirk­lich an­ge­neh­mer Un­ter­schied zu vie­len Din­gen, die ich sonst so ma­che bzw. ma­chen muss.

In die­sem Sinne blei­ben die „Letz­ten Weis­hei­ten“ so wie sie sind: Meine ganz per­sön­li­che öf­fent­li­che Platt­form, auf der ich Dinge schrei­ben kann, von de­nen ich hoffe, dass sie viel­leicht ir­gend­wen in­ter­es­sie­ren oder ir­gend­wem hel­fen – und sei es we­nigs­tens ich selbst.

Quatsch des Ta­ges: Um­be­nen­nung des Ernst-Au­gust-Plat­zes

Den ehe­ma­li­gen Vor­sit­zen­den der Pi­ra­ten-Rats­frak­tion hat es in den Be­zirks­rat Mitte ver­schla­gen. Dort hat er nun ei­nen An­trag ein­ge­bracht, den han­no­ver­schen „Ernst-Au­gust-Platz“ um­zu­be­nen­nen, weil Ernst Au­gust I. als Na­mens­ge­ber nicht trag­bar sei. Lei­der ist der An­trag in Form und In­halt un­säg­lich:

Ernst-August-Platz mit Bahnhof im Januar 2010: Name nicht mehr gut genug?

Ernst-Au­gust-Platz mit Bahn­hof im Ja­nuar 2010: Name nicht mehr gut ge­nug?

  • Die Dar­stel­lung des Ernst Au­gust I. ist nicht voll­stän­dig. Es wird auf ei­nen be­stimm­ten Vor­gang ei­ner im­mer­hin 14-jäh­ri­gen Amts­zeit und ei­nes 80-jäh­ri­gen Le­bens ab­ge­ho­ben. Das ist der­selbe Feh­ler, der mo­men­tan in der ge­sam­ten Dis­kus­sion um die Um­be­nen­nung von Stra­ßen und Plät­zen ge­macht wird.
  • Es wird ver­sucht, die da­ma­li­gen Vor­gänge nach heu­ti­gen Maß­stä­ben zu mes­sen. Das funk­tio­niert aber nicht, da die Ge­sell­schafts­struk­tu­ren da­mals und heute über­haupt nicht ver­gleich­bar sind. Al­lein in­ner­halb des An­trags­tex­tes er­gibt sich ein Wi­der­spruch in der Be­zug­nahme auf ei­nen „Eid vor Gott“ oder die „Kö­nigs­hul­di­gung“ ei­ner­seits und die Zu­grun­de­le­gung ei­nes auf­ge­klärt-bür­ger­li­chen Staats­sys­tems an­de­rer­seits.
  • Es wer­den mehr­fach Be­haup­tun­gen in den Raum ge­stellt, die un­be­legt, falsch oder mit dem Vor­gang nicht zu­sam­men­hän­gend sind:
    • Für die Be­liebt- oder Un­be­liebt­heit des Herr­schers da­mals wer­den keine Be­lege an­ge­führt; es wird statt­des­sen dem in­halts­glei­chen Wi­ki­pe­di­a­satz noch ein „sehr“ hin­zu­ge­fügt und dort eben­falls er­wähnte „große An­teil­nahme der Be­völ­ke­rung“ an­läss­lich der Be­er­di­gung nicht wei­ter ein­ge­gan­gen. Zu­dem: Was spielt das für die heu­tige Zeit für eine Rolle?
    • Das Ernst-Au­gust-Denk­mal wurde erst deut­lich nach der Herr­schafts­zeit von Ernst Au­gust I. auf­ge­stellt. Die An­ga­ben zur Be­zah­lung sind un­be­legte Be­haup­tung.
    • Han­no­ver im Zeit­raum 1866-1966(!) als „Pro­vinz“ zu be­zeich­nen, wie in dem An­trag for­mu­liert, ist schlicht ha­ne­bü­chen. Und für die Be­haup­tung, dies hätte was mit Ernst Au­gust zu tun lie­fert der Text eben­falls we­der Be­leg noch Quelle.
  • Vor al­lem aber: Die­ser An­trag geht zwar um­fäng­lich dar­auf ein, warum der bis­he­rige Name schlecht ist, aber mit kei­nem ernst­haf­ten Wort wird be­grün­det, warum der vor­ge­schla­gene neue Name gut oder we­nigs­tens bes­ser sei. Wie wei­land Ed­mund Stoi­ber zum Mün­che­ner Flug­ha­fen-Trans­ra­pid: „Weil das ja klar ist“. Das ist in sei­ner Kri­tik­lo­sig­keit und Ba­na­li­tät ja noch we­sent­lich schlim­mer als das, was der An­trags­text dem Pro­zess un­ter­stellt, der zum ak­tu­el­len Na­men des Plat­zes ge­führt hat.

Über­haupt keine Be­rück­sich­ti­gung fin­det zu­dem die Frage, wel­che Rolle die Be­zeich­nung des Plat­zes heut­zu­tage als Land­mal oder Iden­ti­fi­zie­rung völ­lig los­ge­löst von sei­nem Na­mens­trä­ger hat. Im­mer­hin ist der mitt­ler­weile seit 164 Jah­ren tot. Die­sen Na­men zu än­dern be­trifft näm­lich in ers­ter Li­nie die Men­schen, die *heute* le­ben und die auf Wir­ken des Na­mens­ge­bers kei­ner­lei Ein­fluss mehr ha­ben kön­nen.

Ich lehne mich mal aus dem Fens­ter und be­haupte, dass von al­len Men­schen, die an ei­nem be­lie­bi­gen Tag den han­no­ver­schen Bahn­hofs­platz que­ren oder sei­nen Na­men hö­ren, nur eine ver­schwin­dende Min­der­heit über­haupt den his­to­ri­schen Hin­ter­grund des Na­mens­trä­ger kennt. Und von die­ser ver­schwin­den­den Min­der­heit wer­den keine zwei die da­ma­li­gen Vor­gänge gleich in­ter­pre­tie­ren. Eine Um­be­nen­nung im Sinne die­ses An­tra­ges läuft un­mit­tel­bar Ge­fahr, als von oben herab er­las­sen – gleich­sam ok­troy­iert – zu er­schei­nen.

Und da­mit hätte die­ser An­trag dann plötz­lich wie­der er­staun­lich viel ge­mein­sam mit je­nem Kö­nig lang ver­gan­ge­ner Tage, an dem er sich so um­fäng­lich ab­ar­bei­tet.

Prism und die Pi­ra­ten­par­tei? Wo ist Bernd Schlö­mer?

Die Pris­mwellen schla­gen im­mer noch hoch. Mit Kal­kül – so ver­mute ich – wer­den alle 2-3 Tage neue Ein­zel­hei­ten über die Späh- und Über­wa­chungs­struk­tu­ren west­li­cher Ge­heim­dienste ge­gen ihre ei­ge­nen Staa­ten be­kannt. Und ich ver­mute wei­ter, dass da auch noch ei­ni­ges kommt.

Und die Pi­ra­ten­par­tei? Ich meine, wie war das? „Stär­kung der Bür­ger­rechte„, „Frei­heit im In­ter­net„, vor al­lem aber „Trans­pa­ren­ter Staat statt trans­pa­ren­ter Bür­ger„??? Da­mit sind wir doch mal an­ge­tre­ten, oder? Da­mit ha­ben wir uns ge­gen die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung ge­stemmt, ge­gen Zen­sur­sula, ge­gen ACTA. Aber das ist doch al­les nur Krü­mel­ka­cke ge­gen das, was da mo­men­tan öf­fent­lich wird. West­li­che Ge­heim­dienste schnüf­feln west­li­chen Ge­sell­schaf­ten schran­ken­los hin­ter­her. Kei­ner weiß Ge­naues – es sind ja Ge­heim-Dienste. Ich sage: Das un­ter­gräbt die Bür­ger­rechte, das un­ter­gräbt die Frei­heit im In­ter­net und es ist das Sinn­bild für „Trans­pa­ren­ter Bür­ger statt trans­pa­ren­tem Staat“. Es ist der ex­akte Ge­gen­ent­wurf zu den po­li­ti­schen Zie­len der Pi­ra­ten­par­tei.

Und die Pi­ra­ten­par­tei? Ok, die Demo am Sams­tag. 200 Teil­neh­mer. Und alle so: Yeah! Und sonst? Hm. Mal nach­den­ken. … (Stimme aus dem Off: „Streng dich an, Dirk!“) Hmmmmmm…. („Fes­ter!“) Öööööhhhmmmmm… („Noch fes­ter!“) … Öffff. Ich weiß nicht. 🙁 Also, ok, wenn ich auf der Web­seite nach­schaue, dann lerne ich et­was von ei­nem „6-Punkte-Plan“ für ein freies Netz. Das kleine Pro­blem: Die­ser „6-Punkte-Plan“ kommt auf Nicht-Pi­ra­ten-Sei­ten nicht vor. Und wie heißt es so schön? „Pics or it didn’t hap­pen.“

Dar­über hin­aus? Ich lehne mich mal aus dem Fens­ter: Nichts. Keine Ana­ly­sen, keine Kom­men­tare, keine For­de­run­gen. Keine An­kla­gen, keine Auf­rufe, kein Pro­test. Nichts. Je­den­falls nichts, was ir­gend­wie in die öf­fent­li­che Be­richt­erstat­tung durch­dränge.

Pi­ra­ten­par­tei und Prism: Rosa Ein­horn oder was?

Woran liegt’s? Nun, schauen wir mal weg von der Par­tei im Gan­zen hin zu ih­ren Mit­glie­dern. Zu den „Köp­fen“, de­nen, die es ein­fa­cher ha­ben, in der Öf­fent­lich­keit wahr­ge­nom­men zu wer­den. Bernd Schlö­mer zum Bei­spiel. Er ist der Bun­des­vor­sit­zende. Und in der Tat – Bernd hat sich ge­äu­ßert. In ei­nem Blog­ar­ti­kel mit dem schö­nen Ti­tel: „Ver­lo­ren im #Neu­land„. Er be­ginnt mit

Es wirkt ein we­nig be­lus­ti­gend

und en­det mit

Liebe Bun­des­tags­par­teien, ma­chen Sie ein­fach mal et­was und em­pö­ren Sie sich nicht an­dau­ernd. Ihre Po­li­tik nervt lang­sam.

Schlö­mer! Mann! „Be­lus­ti­gend“??? Ich ver­rat‘ dir jetzt mal ein Ge­heim­nis: Wir sind auch eine po­li­ti­sche Par­tei. Wir ma­chen das, weil die an­de­ren das seit Jah­ren nicht hin­krie­gen. Wir wol­len das än­dern. Und üb­ri­gens wol­len wir auch in den Bun­des­tag.

Du bist der Boss von dem La­den hier. Was ist das für ein Si­gnal, wenn der Bun­des­vor­sit­zende der Pi­ra­ten­par­tei die an­de­ren Par­teien auf­for­dert, was „zu ma­chen“? Ohne zu schrei­ben, was wir selbst ma­chen und for­dern. Ich finde: Ein schlech­tes. Zu­mal wenn es um ur-ur-ei­genste Pi­ra­ten­pro­gram­ma­tik geht. So­zu­sa­gen die Kern­zone von #Neu­land. Und dann wir so: „Hey, das ist voll nich‘ gut so, macht doch mal was, ihr an­de­ren.“

???

Die an­de­ren sind auch nicht er­gie­bi­ger: Se­bas­tian Nerz: 1 Blog­ar­ti­kel, 0 Kom­men­tare, seit 2013-06-22 nix. Mar­kus Ba­ren­hoff: 1 Youtube-Vi­deo. Ton­qua­li­tät wie in ’ner Kon­ser­ven­dose. Er­wäh­nun­gen in der Presse: Null. Das sind zu­min­dest die Er­geb­nisse mei­ner (NSA-über­wach­ten?) Google-Re­cher­che. Wenn ich falsch liege, kor­ri­giert mich gerne.

Ok, Katta. Die Frau hält das Thema hoch, sie macht das gut. Aber ist es wirk­lich die Stra­te­gie des Bun­des­vor­stan­des, die ge­samte Öf­fent­lich­keits­ar­beit in Sa­chen „Prism“ bei Ka­tha­rina No­cun ab­zu­la­den? Ja, sie ist po­li­ti­sche Ge­schäfts­füh­re­rin. Aber mal ehr­lich: An­gela Mer­kel schickt auch nicht Klaus Schü­ler vor, um die Prism-Po­si­tion der CDU un­ters Volk zu brin­gen. (Wo­bei: Viel schlech­ter könnte der es auch nicht ma­chen…) Zu­dem: Kat­tas Thema ist der Daten­schutz. „Prism“ ist aber mei­nes Er­ach­tens im Kern kein Daten­schutz­pro­blem, son­dern be­rührt un­sere Ge­sell­schaft viel um­fas­sen­der.

Also, lie­ber Bun­des­vor­stand, was soll diese wahr­ge­nom­mene Nicht­be­fas­sung mit dem Thema? Ich war auch mal Bun­des­vor­sit­zen­der, ein biss­chen kenne ich das Spiel: Die Jour­na­lie in­ter­es­siert im­mer, was der Boss sagt. Alle un­ter­halb des Bos­ses sind Bei­werk, egal wie gut sie fach­lich sind. Klingt ko­misch, is‘ aber so. Warum sagt der Boss nichts?

Prism be­trifft gleich meh­rere zen­trale An­lie­gen der Pi­ra­ten­par­tei. Alle an­de­ren Par­teien agie­ren ge­hemmt. Sie sind an­ge­sichts ih­rer frü­he­ren Ak­tio­nen und Äu­ße­run­gen nur so mit­tel­glaub­wür­dig. Es ist Som­mer­loch. Es sind Wah­len. Wo ist die Pi­ra­ten­par­tei? Wo ist Bernd Schlö­mer?

Tag des geis­ti­gen Ei­gen­tums 2009: Schü­ler­in­dok­tri­na­tion und über­ra­schende Ein­las­sun­gen

Nein, kein Tipp­feh­ler. Ich räume ge­rade um­fang­reich auf und da ist mir die­ser Be­richt der von mir be­such­ten Ver­an­stal­tung „Tag des geis­ti­gen Ei­gen­tums“ aus dem Jahr 2009 in die Hände ge­fal­len, den ich hier gerne noch­mal im Blog ver­öf­fent­li­che. Ich weiß nicht mehr, zu wel­chem An­lass ich das ur­sprüng­lich ge­schrie­ben hatte, bis auf die Links habe ich aber nichts ver­än­dert. Bit­te­schön:

Die Ver­an­stal­tung des BDI zum „Tag des geis­ti­gen Ei­gen­tums“ fand die­ses Jahr [also 2009] am 24.4. statt, da der ei­gent­lich von der WIPO aus­ge­ru­fene 26.4. auf ei­nen Sonn­tag fällt. Ins­ge­samt barg die fünf­stün­dige Ver­an­stal­tung we­nig Neues. Kern­the­men der Dis­kus­sio­nen und Vor­träge wa­ren vor al­lem Pro­dukt­pi­ra­te­rie, Phar­mapa­tente und die Be­stre­bun­gen zur Ein­rich­tung ei­ner eu­ro­päi­schen Pa­tent­ge­richts­bar­keit. Das Thema „Soft­ware­pa­tente“ wurde nicht di­rekt an­ge­schnit­ten.

Die Pa­nel­teil­neh­mer und Ein­zel­re­fe­ren­ten ite­rier­ten wie­der und wie­der die satt­sam be­kann­ten Man­tras: Nur der Schutz geis­ti­gen Ei­gen­tums för­dert In­no­va­tion, il­le­ga­les Down­loa­den von Mu­sik und an­de­ren Kul­tur­wer­ken bringt die Künst­ler um ih­ren Lohn, Pa­tente sind prima. Wei­test­ge­hend un­wi­der­spro­chen blieb die in ver­schie­de­nen Wor­ten mehr­fach ge­äu­ßerte An­sicht, das Pat­ent­we­sen bzw. die Schutz­recht­sys­teme all­ge­mein dien­ten aus­schließ­lich den Rech­te­inha­bern, sie seien die ein­zi­gen „Teil­neh­mer des Sys­tems“.

Hö­he­punkt und Ab­schluss der Ver­an­stal­tung war die Ver­lei­hung der Preise an die Ge­win­ner des Schü­ler­wett­be­werbs „Ide­en­liebe„. Un­ter der Schirm­her­rin Zy­pries (die – weil ich China – nicht an­we­send war) hatte hier der BDI Schul­klas­sen auf­ge­ru­fen, sich dar­über Ge­dan­ken zu ma­chen, warum ges­ti­ges Ei­gen­tum schüt­zens­wert sei. Schon in der An­mo­de­ra­tion wurde klar, wie das zu ver­ste­hen ist: „Das Ab­schrei­ben von Haus­auf­ga­ben ist ja auch Ver­let­zung geis­ti­gen Ei­gen­tums.“ So zeig­ten denn die fünf prä­mier­ten Bei­träge auf ver­schie­dene Wei­sen, wie böse Rechts­ver­let­zer sich arme Ideen un­ter den Na­gel ris­sen und die Rech­te­inha­ber an­schlie­ßend ide­en­frei da­stan­den. Wäh­rend der Ge­win­ner­bei­trag das Sze­na­rio in ei­ner prag­ma­ti­schen Weise en­den ließ („Ey, sorry Mann, tut mir Leid, war doof.“), wählte der dritt­plat­zierte eine eher rea­lis­ti­sche Va­ri­ante („887 Euro in­klu­sive An­walts­kos­ten“).

Al­les in al­lem hatte die Ver­an­stal­tung et­was sur­rea­les und war eher in der Tra­di­tion von „Mar­got Hone­cker prä­miert die bes­ten Ge­dichte an den So­zia­lis­mus“ denn von kri­ti­scher Be­schäf­ti­gung mit der Sa­che. Al­ler­dings gab es hier ja auch keine FDJ-Eh­ren­na­deln zu ge­win­nen, son­dern di­verse Na­tu­ra­lien und Ein­kaufs­gut­scheine von Adi­das, eine Adi­das-Werks­be­sich­ti­gung (mit Ein­kaufs­gut­schei­nen) und als Haupt­ge­winn schi­cke weiße Fahr­rä­der mit Abus-Schloss (so­zu­sa­gen als Schutz ncht-geis­ti­gen Ei­gen­tums), lei­der über­haupt nicht StVO-kon­form.

Ich be­zwei­fele zwar, dass sol­che In­dok­tri­na­ti­ons­maß­nah­men an Schü­lern nach­hal­tige Wir­kung zei­gen, trotz­dem sollte man sich über­le­gen, hier mal pas­send ge­gen­zu­steu­ern und Al­ter­na­ti­ven zur „Geis­ti­ges Eigentum“-Mühle in die Schu­len zu tra­gen.

An­sons­ten sind bei mir eher so ein paar De­tails hän­gen­ge­blie­ben, die aus der Masse der im­mer glei­chen Ein­las­sun­gen (siehe oben) her­aus­rag­ten:

In bei­den Pa­nels, die ich be­sucht hatte, wur­den die Teil­neh­mer nicht müde zu be­to­nen, dass ein eu­ro­pa­weit ein­heit­li­ches Schutz­rechts­re­gime nö­tig ist, um die Re­che auch tat­säch­lich ef­fek­tiv durch­set­zen zu kön­nen. Des­halb ist auch der Eu­ro­päi­sche Pa­tent­ge­richts­hof un­be­dingt nö­tig. Im­mer wie­der wurde da­bei aber auch ge­sagt, es gehe na­tür­lich nur um die „gu­ten“ Pa­tente und die „ech­ten“ In­no­va­tio­nen. Das Pro­blem der Pa­tent­trolle und Tri­vi­al­pa­tente schwebte so im­mer wie­der im Raum, frei­lich ohne dass man nä­her dar­auf ein­ging, wie man denn nun Gu­tes von Schlech­tem tren­nen wollte. Ei­nes der Kern­pro­bleme der gan­zen eu­ro­päi­schen Pa­tent­pro­ble­ma­tik ist halt, dass man seit Jah­ren im­mer nur über den ju­ris­ti­schen und ad­mi­nis­tra­ti­ven Über­bau des Pat­ent­we­sens spricht, das sub­stan­zi­elle Pa­tent­recht – die Frage, was denn ei­gent­lich pa­ten­tiert wer­den kann – aber ka­te­go­risch au­ßen vor lässt.

Ein­zi­ger kri­ti­scher Geist im Pa­nel über die Pa­tent­ge­richts­bar­keit war Prof. Har­hoff. Nur von ihm gab es Aus­sa­gen, dass Pa­tente eben nicht nur aus der Sicht der Pa­tent­in­ha­ber be­trach­tet wer­den müs­sen, son­dern dass man auch die „an­dere Seite“ be­rück­sich­ti­gen müsse und die Aus­wir­kun­gen, die die Mo­no­pol­an­sprü­che auf For­schung und Ge­sell­schaft all­ge­mein ha­ben. So ganz über­zeugt schien er nicht von den Ein­las­sun­gen, die ge­plante eu­ro­päi­sche Pa­tent­ge­richts­bar­keit hätte ja ein klar de­fi­nier­tes Ein­spuchs- und Nich­tig­keits­ver­fah­rens­recht, aber in der Kürze der Zeit wurde das im Rah­men des Pa­nels nicht wei­ter er­ör­tert.

In ver­schie­de­nen Zu­sam­men­hän­gen gab es Sorge über eine Ent­wick­lung, dass Strei­tig­kei­ten über geis­tige Ei­gen­tums­rechte zu­neh­mend „pri­vat“ un­ter Aus­schluss der Öf­fent­li­che­keit ver­han­delt wür­den. Bei­spiele wa­ren di­verse Pa­tent­strei­tig­kei­ten, die nicht mit ei­nem Ur­teil en­de­ten, son­dern mit un­ver­öf­fent­lich­ten bi­la­te­ra­len Ab­spra­chen oder auch der mo­men­tan in den USA lau­fende Streit zwi­schen Google und di­ver­sen Ver­le­gern über die Di­gi­ta­li­sie­rung von Bü­chern. Bei letz­te­rem läuft der Vor­gang dar­auf hin­aus, dass Google eine am Ur­he­ber­recht vor­bei ge­hende Ei­ni­gung mit den Ver­le­gern er­zielt und sich so quasi auf „pri­va­tem“ Wege und ohne dass Staat oder Öf­fent­lich­keit eine Ein­fluss­mög­lich­keit ha­ben die Nut­zungs­rechte si­chert.

Sehr in­ter­es­sant war zu­dem eine Er­läu­te­rung über den wei­te­ren Fahr­plan für das eu­ro­päi­sche Pa­tent­ge­richt von (meine ich mich zu er­in­nern) Claude Ra­kovsky von der GD Wett­be­werb der EU-Kom­mis­sion. Mo­men­tan be­fin­den sich die Ver­trags­ent­würfe im­mer noch in den Ver­hand­lun­gen, das Haupt­pro­blem sind, wie schon seit Jah­ren, die Spra­chen: Was pas­siert, wenn ein – sa­gen wir mal – deut­scher Pa­tent­in­ha­ber vor ei­nem ru­mä­ni­schen Ge­richt ver­klagt und die Ver­hand­lung auf ru­mä­nisch ge­führt wird? Sollte hier Ei­nig­keit er­zielt wer­den (ak­tu­elle Über­le­gun­gen ge­hen in Rich­tung ma­schi­nelle Über­set­zung), müsste der ge­samte Ver­trags­ent­wurf al­ler­dings erst­mal dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof vor­ge­legt wer­den, der dann prüft, ob die Ein­rich­tung ei­ner eu­ro­pa­wei­ten Ge­richts­kam­mer auf der Grund­lage ei­nes zwi­schen­staat­li­chen Ab­kom­mens über­haupt recht­lich mög­lich und er­laubt ist. Man scheint sich in der EU-Kom­mis­sion den Zeit­ho­ri­zont Ende 2010 ge­setzt zu ha­ben, d.h. dass das Pro­jekt nach ak­tu­el­lem Stand schei­tert, wenn es nicht spä­tes­tens durch die bel­gi­sche Rats­prä­si­dent­schaft in der 2. Hälfte 2010 auf den Weg ge­bracht wird.

Mein High­light aber der Vor­trag von Fran­cis Gurry, im­mer­hin Ge­ne­ral­di­rek­tor der WIPO. Sein Vor­trag be­gann schon mit der kla­ren Aus­sage, dass das ge­samte Sys­tem des geis­ti­gen Ei­gen­tums mo­men­tan un­ter Druck von au­ßen steht. Un­ter an­de­rem in Be­reich der Mu­sik sieht er das Phä­no­men, dass es im Jahr 2008 ei­ner­seits 40 Mil­li­ar­den „il­le­gale“ Mu­sik­down­loads ge­ge­ben habe, die es ohne die neuen di­gi­ta­len Daten­netze und Tech­ni­ken nicht ge­ge­ben hätte, an­de­rer­seits die Mu­si­ker aber eben ge­nau diese neuen Tech­ni­ken selbst mit Be­geis­te­rung ein­setz­ten. Ei­gent­lich exis­tiert hier also ein Markt. Die von ihm in den Raum ge­stellte Frage: Ist das ganze jetzt ein rein ju­ris­ti­sches Pro­blem, bei dem man die un­er­laub­ten Down­loads ge­richt­lich be­kämpft, oder ha­ben wir es hier mit ei­ner fun­da­men­ta­len Än­de­rung zu tun, wie ein Kul­tur­gut ver­brei­tet wird und wie vor al­lem seine Pro­duk­tion fi­nan­ziert wer­den kann. Seine selbst ge­ge­bene Ant­wort weist klar auf die letz­tere Schluss­fol­ge­rung hin und sein Fa­zit in die­ser Sa­che war, dass man wohl doch noch­mal grund­sätz­lich über die­ses Pro­blem nach­den­ken muss.

Und das vom Ge­ne­ral­di­rek­tor der WIPO. Ich war be­ein­druckt.

Die Pi­ra­ten­par­tei und das Be­din­gungs­lose Grund­ein­kom­men (BGE): War da was?

Ges­tern abend gab es in der Pi­ra­ten-Ge­schäfts­stelle in Han­no­ver ei­nen „BGE-The­men­abend“. Ge­la­den wurde zu ei­ner „Dis­kus­si­ons­runde“ und der Kern­satz der Ein­la­dung hätte mich war­nen sol­len: „Wir dis­ku­tie­ren dar­über und schauen, was da­bei her­aus­kommt!“ Und so war es dann auch: Als ich – be­ruf­lich be­dingt et­was ver­spä­tet – ein­traf, war die Dis­kus­sion be­reits im Gange. Darum, dass es ver­schie­dene Mo­delle gibt (Grund­ein­kom­men, So­ckel­be­trag, ne­ga­tive Ein­kom­men­steuer,…). Dass diese et­was kos­ten (800 Mio, 1,2 Mrd, 1,5 Mrd,…). Wie­viel je­der be­kom­men soll (400 EUR, 800 EUR, 1200 EUR, 1500 EUR,…). Wer über­haupt (Alle Deut­schen in Deutsch­land, alle Deut­schen egal wo, alle in Deutsch­land,…). Ob je­der gleich viel be­kommt (Kin­der, Alte, Be­hin­derte, Er­werbs­lose,…). Wie man das ganze fi­nan­ziert (50% Mehr­wert­steuer, 150% Mehr­wert­steuer, Weg­fall an­de­rer So­zi­al­leis­tun­gen,…). Die po­li­tischste Frage war noch, warum man das ganze über­haupt ha­ben will: Geht es eher um die per­sön­li­che Frei­heit des Ein­zel­nen oder um die so­ziale Si­che­rung?

Kurz: Es war die ge­fühlt ein­tau­send­sie­ben­hun­dert­acht­und­neun­zigste Dis­kus­sion zu dem Thema, die ge­nau so wie all die bis­he­ri­gen ab­lief: Viele All­ge­mein­plätze, leuch­tende Au­gen beim Be­schrei­ben der Vor­teile, die eine sol­che Grund­si­che­rung böte, all­ge­meine Über­ein­stim­mung, dass wir eine sol­che Um­krem­pe­lung der deut­schen Ge­sell­schaft vor­an­brin­gen wol­len – aber quasi keine be­last­ba­ren Zah­len oder Über­le­gun­gen zu ei­nem in sich ge­schlos­se­nen Kon­zept, was man denn nun gerne hätte.

Die meis­ten An­we­sen­den um­trieb, das war den Re­de­bei­trä­gen zu ent­neh­men, vor al­lem die Ab­schaf­fung des Ar­beits­lo­sen­gel­des II („Hartz IV“). Meh­rere An­we­sende be­schrie­ben ei­gene, we­nig er­freu­li­che Er­fah­run­gen mit die­sem Sys­tem. Ich kann hier nichts Ei­ge­nes be­steu­ern und ich will nicht ab­strei­ten, dass das ALG II („Hartz IV“) so­ziale Här­te­fälle und un­er­träg­li­che Ein­griffe in Le­bens­ent­würfe und per­sön­li­che Frei­räume be­deu­tet, dass es das viel­leicht so­gar soll – aber das al­lein ist noch kein po­li­ti­sches Ar­gu­ment! Dar­über hin­aus wurde es aber so­fort dünne mit be­last­ba­ren Aus­sa­gen. „Ich glaube“, „ich glaube nicht“, „ich habe ge­hört“, „es ist doch klar“ – so be­gan­nen die meis­ten Äu­ße­run­gen in der Runde. Und aus die­sem Glau­ben oder Hö­ren­sa­gen wur­den dann ir­gend­wel­che Schlüsse ge­zo­gen: „Ich habe ge­hört, dass das Götz-Wer­ner-Mo­dell mit ei­ner 150%-Mehrwertsteuer ar­bei­tet.“ – „Nein, ich glaube, es sind nur 50%“ – „Ach so.“

Ein Ver­gleich von sechs Grund­ein­kom­mens- bzw. Grund­si­che­rungs­mo­del­len ging herum, et­was alt­mo­disch als ein­zel­ner Aus­druck auf Pa­pier. Mei­nen sämt­li­chen Vor­be­trach­tern war die Fuß­zeile nicht auf­ge­fal­len: „Stand: April 2007“. Nach­frage mei­ner­seits: „Ist das der Stand, auf den wir hier ge­rade auf­bauen?“ – „Öhm, hm… Joah…“ – „Aber ist das nicht ein biss­chen ver­al­tet?“ – „Naja, so viel ist ja seit­dem nicht pas­siert.“ – „Hat das mal wer nach­ge­prüft?“ – „Nö, warum?“

Warum??? Der April 2007 liegt mitt­ler­weile über sechs Jahre zu­rück. Zwi­schen­zeit­lich gibt es eine welt­weite Wirt­schafts­krise, di­verse Um­wäl­zun­gen in ver­schie­de­nen Volks­wirt­schaf­ten, mas­sive Ero­si­ons­er­schei­nun­gen der in­ner­eu­ro­päi­schen Wirt­schaft – nichts pas­siert??? Als Bei­spiel hier mal die Ar­beits­lo­sen­zah­len:

Arbeitslosenquote in Deutschland - Jahresdurchschnittswerte bis 2013
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Da hat sich seit 2007 er­heb­li­ches ge­än­dert. Aber statt da mal drauf ein­zu­ge­hen oder zu­min­dest ein Mo­dell durch­zu­rech­nen und ei­nen Rea­li­tät­scheck zu ma­chen, wird fröh­lich ir­gend­was her­bei­ge­wünscht und mit „ich habe da mal ge­hört“ be­grün­det.

Leute, so geht das nicht!

Wir wol­len als po­li­ti­sche Par­tei ein Thema be­set­zen. Seit dem Chem­nit­zer Par­tei­tag 2010 sind Grund­ein­kom­men und Grund­si­che­rung auf der bun­des­po­li­ti­schen Agenda der Pi­ra­ten. Und seit 2010 hat sich an den (von mir wahr­ge­nom­me­nen) in­ter­nen Dis­kus­sio­nen nichts ge­än­dert: Es wer­den ver­schie­dene „Mo­delle“ mehr oder we­ni­ger kom­pe­tent vor­ge­stellt, man re­det mehr oder we­ni­ger en­ga­giert dar­über, wel­ches warum bes­ser oder schlech­ter ist – aber ist ab­so­lut kein Fort­schritt in die­ser Dis­kus­sion zu ver­zeich­nen. Kon­krete Zah­len? Prä­fe­ren­zen für be­stimmte Sys­teme? Über­haupt mal Check, wel­ches BGE-Mo­dell ei­gent­lich mit den po­li­ti­schen und ge­sell­schaft­li­chen Grund­sät­zen der Pi­ra­ten­par­tei ver­ein­bar ist? Fehl­an­zeige!

Und so wol­len wir Wäh­ler über­zeu­gen, dass sie uns we­gen die­ses The­mas ihre Stimme ge­ben sol­len? Das über­zeugt nicht mal mich!

Nun ist das et­was un­fair von mir. Es ist ja nicht so, dass sich gar nichts ge­tan hätte. Der Ka­per­brief be­schäf­tigt sich in ei­ner gan­zen Aus­gabe mit dem BGE. Dort sind die Grund­la­gen der Dis­kus­sion vor­züg­lich dar­ge­stellt. Es gibt so­gar ein Mo­dell, dass aus der Pi­ra­ten­par­tei selbst kommt: „So­zi­al­staat 3.0“ nennt sich das – et­was ner­dig mit dem Na­mens­zu­satz „Ver­sion 1.2“.

Seit über zwei­ein­halb Jah­ren ar­bei­tet sich die Pi­ra­ten­par­tei jetzt an dem Thema „BGE“ ab. Ich halte es nicht für ver­mes­sen, dass wir lang­sam mal in die Strümpfe kom­men und aus den Mo­dell­ver­glei­chen und all­ge­mei­nen Über­le­gun­gen zu ei­ner greif­ba­ren Po­si­tion kom­men: Wie soll es un­se­rer Mei­nung nach denn nun aus­se­hen, das „BGE“? Oder: Wel­che Mo­delle ha­ben wel­che Vor- und Nach­teile? Dann kön­nen wir da­mit die po­li­ti­sche Bühne „en­tern“, Wäh­ler über­zeu­gen und es pas­siert viel­leicht nicht mehr so mas­siv, dass an Wahl­stän­den von acht Pi­ra­ten die Hälfte nicht weiß, was sie zum BGE sa­gen soll und in der an­de­ren Hälfte je­der et­was an­de­res er­zählt. Da­für wäre aber die Grund­vor­aus­set­zung, dass wir erst­mal selbst an­fan­gen, uns da­mit zu be­schäf­ti­gen, was wir ei­gent­lich kon­kret wol­len.

Und da war die Ver­an­stal­tung ges­tern abend eher nicht so für ge­eig­net…

Mu­sik zum Wo­chen­ende: Dub FX

In der Ver­sion für große Bild­schirme hat die­ses Blog seit ges­tern eine neue Funk­tion: Ganz rechts fin­den sich jetzt bei je­dem Sei­ten­ab­ruf Links auf drei zu­fäl­lige Ar­ti­kel. Lädt zu Stö­bern ein…

Und nun zu et­was ganz an­de­rem: Dub FX macht Stra­ßen­mu­sik. Mit Hilfe ei­nes (bzw. wohl meh­re­rer) Loop-Re­cor­ders und Beat-Bo­xing schafft er es, ganz al­leine ei­nen kom­ple­xen Sound zu kre­ieren und sich selbst mit Me­lo­die, Beat und Hin­ter­grund­stim­men zu be­glei­ten. „Live-Loo­ping“ heißt das, live und drau­ßen. Auf dem Vi­deo hier kann man das al­les sehr schön se­hen: Die Be­die­nung des Re­cor­ders über die Fuß­pe­dale, das Auf­neh­men und ge­eig­nete Ein­spie­len der ver­schie­de­nen Ton­spu­ren und auch die Um­ge­bung: Men­schen, die im Hin­ter­grund ste­hen blei­ben und zu­hö­ren, die zwei Jungs links, von de­nen ei­ner loss­tapft und eine Dub-FX-CD kauft (die der an­dere dann ein­steckt), den Fo­to­gra­fen, der sich von rechts ins Bild schiebt um ein Foto zu ma­chen, der Kin­der­wa­gen, der durch Bild rollt, die Mäd­chen­gruppe hin­ten rechts – und dazu die Mu­sik.

Das ist für mich große Kunst. Mehr da­von auf Youtube.

100 Jahre Rat­haus Han­no­ver – Re­den, Chöre, Sil­ber­mond

Am 2013-06-20 ist das han­no­ver­sche Rat­haus 100 Jahre alt ge­wor­den. Ich war ge­la­de­ner Gast beim Fest­akt und habe mit­ge­fei­ert. Ein paar Ein­drü­cke:

Das Rat­haus hat Ge­burts­tag…

…und die Gäste des Fest­ak­tes ver­sam­meln sich in der Rat­haus­halle.

Auf der Frei­treppe sind Bühne und Red­ner­pult auf­ge­baut.

Alle war­ten auf das Fest­pro­gramm, das mit Chor­mu­sik und pro­fun­den Re­den den fest­li­chen Rah­men des Ta­ges bie­ten soll.

Die Feier wurde vom Mäd­chen­chor Han­no­ver er­öff­net. Der Ge­sang war bril­li­ant und die Akus­tik der ho­hen Halle hat das sehr gut zur Gel­tung ge­bracht. Et­was schade fand ich bloß, dass alle Stü­cke sehr ge­tra­gen wa­ren. Wer auch im­mer für die Aus­wahl zu­stän­dig war und sein wird – das ist ein Ge­burts­tag und keine Trau­er­feier.

Den An­fang macht der Mäd­chen­chor Han­no­ver

Be­grü­ßung und Gruß­wort ka­men vom am­tie­ren­den Bür­ger­meis­ter Bernd Strauch und dem ehe­ma­li­gen Ober­bür­ger­meis­ter und ak­tu­el­len nie­der­säch­si­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Ste­phan Weil. Strauch be­tonte die Of­fen­heit und die Le­ben­dig­keit des Rat­hau­ses, Weil („Zehn Jahre habe ich hier un­ter der Knute von Ober­bür­ger­meis­ter Schmal­stieg ge­dient, sechs un­ter der von al­len an­de­ren.“) er­zählte, dass er in all den Jah­ren im­mer wie­der Neues an Ar­chi­tek­tur und Aus­stat­tung ent­de­cken konnte.

Bür­ger­meis­ter Bernd Strauch be­grüßt die Gäste

Der nie­der­säch­si­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent und frü­here Ober­bür­ger­meis­ter Ste­phan Weil bei sei­nem Gruß­wort

Die Fest­rede hielt Prof. Dr. Carl-Hans Haupt­meyer vom His­to­ri­schen Se­mi­nar der Uni­ver­si­tät. Un­ter dem Ti­tel „Das Rat­haus als Ort kom­mu­na­ler Selbst­be­stim­mung“ spannte er ei­nen wei­ten Bo­gen der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung vom Mit­tel­al­ter bis in die heu­tige Zeit. In dem sehr le­ben­di­gen Vor­trag ver­deut­lichte er da­bei, wie un­ter­schied­lich diese Selbst­ver­wal­tung und Mit­be­stim­mung frü­her und heute war und dass die gleich­mä­ßige Be­tei­li­gung al­ler Be­völ­ke­rungs­schich­ten Er­geb­nis ei­nes jahr­hun­der­te­lan­gen Pro­zes­ses war. Man müsse auf­pas­sen, so Haupt­meyer, dass diese Er­run­gen­schaft nicht in ei­ner Art kon­zern-zen­trier­ten Post­de­mo­kra­tie wie­der ver­lo­ren ginge und das Mit­tel sei: Mehr Be­tei­li­gungs­wille von den Bür­gern selbst. Eine Ein­schät­zung, der ich mich gerne an­schließe, zu­mal auf kom­mu­na­ler Ebene Bür­ger­be­tei­li­gung am ehes­ten hand­feste Er­geb­nisse zei­gen kann.

Prof. Dr. Carl-Hans Haupt­meyer re­fe­rierte sehr le­ben­dig über die Ge­schichte der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung

Die erste Reihe der ge­la­de­nen Gäste wäh­rend des Vor­trags von Prof. Haupt­meyer.

Ab­ge­run­det wur­den die Re­de­bei­träge von Mat­thias Bro­dowy, der sich den Aus­spruch „Al­les bar be­zahlt, Ma­jes­tät“ als Leit­mo­tiv sei­ner Be­trach­tun­gen setzte. Man stelle sich vor, das han­no­ver­sche Rat­haus würde in der heu­ti­gen Zeit ge­baut wer­den: Bür­ger­initia­ti­ven ge­gen den Blick­ver­bau, Um­welt­pro­teste ge­gen die Ei­chen­pfähle im Moor und der Schräg­fahr­stuhl fiele ei­ner EU-Ver­ord­nung zum Op­fer. Eine um eine Rat­haus-Ge­burts­tags-Stro­phe er­gänzte Ver­sion sei­nes Han­no­ver-Lieds „Stadt mit Keks“ run­dete den „lau­ni­gen Fest­vor­trag“ ab.

Mat­thias Bro­dowy beim eben­falls ge­lun­ge­nen „lau­ni­gen Fest­vor­trag“

Der Fest­akt selbst en­dete dann mit dem Kna­ben­chor Han­no­ver, der sich mit Men­dels­sohn Bar­tholdy und Bach auch nicht ge­rade Zeit­ge­nos­sen des Rat­hau­ses aus­ge­sucht hatte. Un­ter den kri­ti­schen Bli­cken ih­rer Kol­le­gin­nen vom Ver­an­stal­tungs­an­fang – die Mäd­chen säum­ten die Em­po­ren – ha­ben aber auch die Jungs eine äu­ßerst se­hens- und hö­rens­werte Vor­stel­lung ab­ge­lie­fert.

Den Ab­schluss des Fest­ak­tes bil­dete der Kna­ben­chor Han­no­ver

Nach dem Fest­akt dann der Emp­fang mit Buf­fet für die ge­la­de­nen Gäste im Gar­ten­saal. Das Un­wet­ter war mitt­ler­weile über Han­no­ver hin­weg­ge­zo­gen – im Rat­haus hat man da­von quasi nichts mit­be­kom­men – so­dass man sich her­vor­ra­gend so­wohl im Gar­ten­saal selbst als auch auf der Ter­rasse auf­hal­ten konnte.

Emp­fang im Gar­ten­saal

Wäh­rend­des­sen star­tete vor dem Rat­haus die große Ge­burts­tags­sause mit dem Kon­zert von „Sil­ber­mond“. Der Tramm­platz war voll, der Fried­richs­wall Rich­tung Aegi ge­sperrt und alle Be­tei­lig­ten hat­ten gro­ßen Spaß an der Mu­sik. Ich hatte die Mög­lich­keit, grö­ßere Teile der Ver­an­stal­tung vom Rat­haus­bal­kon aus ver­fol­gen zu kön­nen und be­ende die­sen kur­zen Be­richt mit ein paar Fo­tos von dort auf das Kon­zert.

Viele Tau­send Be­su­cher beim Kon­zert von Sil­ber­mond auf dem Tramm­platz

Sil­ber­mond lie­ferte eine fast zwei­stün­dige Büh­nen­show

Das Pu­bli­kum ging be­geis­tert mit

Zum Ende des Kon­zerts: Sta­ge­di­ving…

…und Er­in­ne­rungs­fo­tos der Band selbst von ih­ren Fans

Neu­ge­stal­tung Ho­hes Ufer – Wie die Bau­ar­bei­ten an der VHS nicht be­gan­nen

Steh­emp­fang am Ho­hen Ufer un­ter freiem Him­mel, drei De­zer­nen­ten, aber kein ein­zi­ger Bag­ger – so ha­ben am Mon­tag die Um­bau­ar­bei­ten der ehe­ma­li­gen Schwer­hö­ri­gen­schule am Ho­hen Ufer zur neuen VHS be­gon­nen.

Ge­kom­men wa­ren etwa 40 Gäste, dar­un­ter eine Hand­voll Rats­mit­glie­der und drei De­zer­nen­ten

Die Ver­wal­tung hatte zu ei­nem Mit­tags­ter­min ein­ge­la­den. Ne­ben dem Ers­ten Stadt­rat Hans Mön­ninghoff wa­ren so­wohl Kul­tur­de­zer­nen­tin Mar­lis Dre­ver­mann als auch Bau­de­zer­nent Uwe Bo­de­mann an­we­send.

Kurze Rede des Ers­ten Stadt­ra­tes Hans Mön­ninghoff an­läss­lich des Bau­starts für die VHS am Ho­hen Ufer

Um die Ver­an­stal­tung nicht un­nö­tig in die Länge zu zie­hen, hat nur Hans Mön­ninghoff ge­re­det – und auch das keine 10 Mi­nu­ten. Un­ter an­de­rem musste er er­klä­ren, warum zum of­fi­zi­el­len Um­bau­start kein ein­zi­ges Bau­ge­rät zu se­hen war: Im Rah­men des Ver­ga­be­ver­fah­ren muss noch ein Ein­spruch ge­richt­lich ge­klärt wer­den – so lange kann es nicht wirk­lich los­ge­hen.

Das bis­he­rige Schul­ge­bäude wird kom­plett um­ge­baut und zur VHS mit an­ge­schlos­se­ner Gas­tro­no­mie

Im­mer­hin wird ab Mon­tag auf dem ehe­ma­li­gen Schul­hof mit den ar­chäo­lo­gi­schen Aus­gra­bun­gen be­gon­nen – der Be­reich am Ho­hen Ufer ge­hört zu den am längs­ten be­sie­del­ten Stel­len in Han­no­ver über­haupt. Der Um­bau der Schule zur VHS ist nur eine von meh­re­ren Bau­maß­nah­men, die die Land­schaft am Ho­hen Ufer in den nächs­ten Jah­ren er­heb­lich ver­än­dern wer­den.

Fo­tos von De­zer­nen­ten und Ar­chi­tekt für die Presse

Nach ei­ni­gen Pres­se­fo­tos mit De­zer­nen­ten und Ar­chi­tek­ten im Ein­gangs­be­reich der ma­ro­den Schule gab es noch In­ter­views für die zwei an­we­sen­den Ra­dio­kor­re­spon­den­ten.

In­ter­views von Hans Mön­ninghoff und Mar­lis Dre­ver­mann für die an­we­sen­den Ra­dio­jour­na­lis­ten

Und nach ei­ner Stunde war die ge­samte Ver­an­stal­tung auch schon wie­der vor­bei.

Um­bau des Pa­vil­lon am Rasch­platz in Han­no­ver: Bau­stel­len­fest zur Halb­zeit

Am Frei­tag, 2013-06-14, war Bau­stel­len­fest. Etwa zur Halb­zeit der um­fäng­li­chen Um­bau­ar­bei­ten am Kul­tur­zen­trum „Pa­vil­lon am Rasch­platz“ lud der Trä­ger­ver­ein zum Bau­stel­len­fest. Di­rekt ge­gen­über dem im We­sent­li­chen im Roh­bau­zu­stand be­find­li­chen Pa­vil­lon auf dem Wei­ße­kreuz­platz gab es ei­nen Emp­fang mit Mu­sik. Da­nach gab es die Mög­lich­keit, auf ge­führ­ten Tou­ren durch die Bau­stelle – bzw. im We­sent­li­chen drum herum – zu ge­hen und sich selbst ein Bild vom Bau­fort­schritt zu ma­chen.

Empfang zum Baustellenfest auf dem Weißekreuzplatz

Emp­fang zum Bau­stel­len­fest auf dem Wei­ße­kreuz­platz

In kur­zen Re­de­bei­trä­gen ga­ben Su­sanne Mül­ler-Jantsch und Chris­toph Sure von der Pa­vil­lon-Ge­schäfts­füh­rung ei­nen Über­blick über den Bau­fort­schritt und die Aus­wir­kun­gen, die die ganz­jäh­rige Schlie­ßung des Hau­ses ha­ben. So kön­nen di­verse Ver­an­stal­tun­gen wie z.B. das Ma­sala-Fest die­ses Jahr nicht in ge­wohn­ter Weise statt­fin­den und für die Mit­ar­bei­ter muss­ten ver­schie­dene Über­gangs­lö­sun­gen ge­fun­den wer­den. Nach der Fer­tig­stel­lung hin­ge­gen wer­den sich die Mög­lich­kei­ten im Haus we­sent­lich ver­bes­sern – un­ter an­de­rem durch die stark ver­bes­serte akus­ti­sche Ab­gren­zung der Ver­an­stal­tungs­säle – und in Zu­sam­men­ar­beit mit der Stadt Han­no­ver künf­tig mehr Aus­zu­bil­dende be­schäf­tigt wer­den kön­nen.

Susanne Müller-Jantsch und Christoph Sure

Su­sanne Mül­ler-Jantsch und Chris­toph Sure

Sei­tens der Stadt wa­ren et­li­che Ver­tre­ter an­we­send, ne­ben et­li­chen Rats- und Be­zirks­rats­ab­ge­ord­ne­ten ver­schie­de­ner Frak­tio­nen ins­be­son­dere die Kul­tur­de­zer­nen­tin Mar­lis Dre­ver­mann und der Erste Stadt­rat Hans Mön­ninghoff, der durch die Va­kanz des Ober­bür­ger­meis­ter­pos­tens seit Ende Ja­nuar 2013 die Spitze der han­no­ver­schen Ver­wal­tung re­prä­sen­tiert. Mön­ninghoff ver­bin­det – wie viele Han­no­ve­ra­ner aus der 1970er- und 1980er-Szene – viele per­sön­li­che Er­in­ne­run­gen mit dem Pa­vil­lon. Die Ent­schei­dung der Stadt, das ma­rode Ge­bäude nicht durch ei­nen Neu­bau zu er­set­zen, der dann z.B. auch die Volks­hoch­schule hätte be­her­ber­gen kön­nen, ließ er vor die­sem Hin­ter­grund noch­mals Re­vue pas­sie­ren. Man müsse es sich, so Mön­ninghoff, un­ter sol­chen Um­stän­den auch mal leis­ten, ein zen­tra­les In­nen­stadt­grund­stück nur ein­stö­ckig zu be­bauen. In 50 oder 100 Jah­ren würde dar­über dann viel­leicht an­ders ent­schie­den. Mit den 12,4 Mio. EUR Bau­kos­ten wird man wohl aber aus­kom­men, so alle Red­ner des Ta­ges. Und die ein­zel­nen Ab­schnitte des „neuen“ Pa­vil­lons wer­den wohl noch die­ses Jahr er­öff­net, ge­plant ist zwi­schen Au­gust und No­vem­ber.

Helga Chris­ten­sen, 1. Vor­sit­zende der BI Rasch­platz mit Ers­tem Stadt­rat Hans Mön­ninghoff und Kul­tur­de­zer­nen­tin Mar­lis Dre­ver­mann

Mül­ler-Jäntsch und Sure prä­sen­tier­ten dann noch ei­nen rein elek­trisch be­trie­be­nen neuen Fir­men­wa­gen, der dem Pa­vil­lon ge­stif­tet wor­den ist. Auf die in die­sem Zu­sam­men­hang vor­ge­tra­gene Bitte, die Stadt möge die Auf­stel­lung ei­ner La­de­säule im öf­fent­li­chen Stra­ßen­raum am Pa­vil­lon för­dern, re­agierte Mön­ninghoff eher re­ser­viert mit Be­den­ken be­züg­lich der vier­räd­ri­gen Elek­tro­mo­bi­li­tät und riet, man solle „erst­mal aufs Elek­tro­fahr­rad um­stei­gen“.

Neues Fahrzeug mit rein elektrischem Antrieb

Neues Fahr­zeug mit rein elek­tri­schem An­trieb

Für mu­si­ka­li­sche Un­ter­hal­tung sorgte die ge­samte Ver­an­stal­tung über „Brazzo Braz­zone & the World Brass En­sem­ble“ mit schmis­si­gen Blech­blä­ser­ad­ap­tio­nen be­kann­ter Mu­sik­stü­cke.

Brasso Brazzone

Brasso Braz­zone & the World Brass En­sem­ble

Be­son­ders span­nend wa­ren dann na­tür­lich die Tou­ren über die Bau­stelle. Der Pa­vil­lon wird zwar dem Wort­laut nach sa­niert, tat­säch­lich ist die ganze Ak­tion aber an vie­len Stel­len eher ein Neu­bau mit glei­chem Au­ßen­grund­riss. Das alte Ge­bäude war 1972 ei­gent­lich als Pro­vi­so­rium für ein Jahr ge­plant. Nun ist es seit mitt­ler­weile 40 Jah­ren in Be­trieb. Die To­tal­sa­nie­rung er­mög­licht nun, mo­derne en­er­ge­ti­sche Stan­dards und eine zweck­mä­ßi­gere Raum­auf­tei­lung um­zu­set­zen.

Bibliotheksbereich, Südseite

Bi­blio­theks­be­reich, Süd­seite

Der Bi­blio­theks­be­reich auf der Süd­seite wird grö­ßer als bis­her. Dach und Stüt­zen­kon­struk­tion wer­den hier, wie auch an vie­len an­de­ren Stel­len, völ­lig neu auf­ge­baut. Die frü­her tra­gen­den Wände wer­den da­bei nicht mehr ge­nutzt, selbst wenn sie ver­ein­zelt ste­hen blei­ben.

Straßenseite Lister Meile

Stra­ßen­seite Lis­ter Meile

Zur Lis­ter Meile hin ist gut zu se­hen, dass auch die ge­samte Fas­sade völ­lig neu auf­ge­baut wird. Le­dig­lich das Fun­da­ment bleibt er­hal­ten. Das Ge­bäude hat kei­nen Kel­ler – auch, weil dar­un­ter die U-Bahn ver­läuft.

Großer Saal (Panorama)

Gro­ßer Saal (Pan­orama)

Herz­stück des Pa­vil­lon ist der Große Saal, der völ­lig neu ge­stal­tet und we­sent­lich grö­ßer als bis­her wird. Die De­cke ist hier zu­künf­tig hö­her und der Saal wird bis zu 1200 Per­so­nen fas­sen. Durch die akus­ti­sche Tren­nung wer­den zu­künf­tig auch par­al­lele Ver­an­stal­tun­gen zu – zum Bei­spiel – Kon­zer­ten mög­lich sein.

Obergeschoss, unsaniert

Ober­ge­schoss, un­sa­niert

Von der Sa­nie­rung aus­ge­spart bleibt al­ler­dings das Ober­ge­schoss, auf dem seit dem Jahr 2000 eine So­lar­an­lage in­stal­liert ist. Des­sen Sa­nie­rung, so Ers­ter Stadt­rat Mön­ninghoff, wäre zu teuer ge­wor­den und da sei­tens der Pa­vil­lon­be­trei­ber auch keine Fi­nan­zie­rung mög­lich ge­we­sen sei, wird es nun „ver­sie­gelt“ und wird wohl bis zu ei­ner – prin­zi­pi­ell mög­li­chen aber zeit­lich nicht ab­zu­se­hen­den – Sa­nie­rung in eine Art Dorn­rös­chen­schlaf fal­len.

Café Mezzo (Panorama)

Café Mezzo (Pan­orama)

Roh­bau­fer­tig sind mitt­ler­weile auch die neuen Räum­lich­kei­ten des Café Mezzo, die wie die meis­ten an­de­ren Räume im Pa­vil­lon ei­nen et­was an­de­ren Zu­schnitt er­hal­ten. Wie bis­her wird aber das Mezzo auch wie­der ei­nen Tre­sen im Foyer be­trei­ben kön­nen.

Außenfassade an der Nordseite, Mezzo

Au­ßen­fas­sade an der Nord­seite, Mezzo

Hier an der Nord­seite des Ge­bäu­des sind dann auch die ers­ten An­fänge der neuen Fas­sade sicht­bar: Wie frü­her wird man hier wie­der im Mezzo sit­zen und nach drau­ßen (oder von drau­ßen hin­ein) schauen kön­nen.

Fa­zit: Eine schöne und in­for­ma­tive Ver­an­stal­tung, eine be­ein­dru­ckende Um­bau­leis­tung, ein ehr­gei­zi­ger Zeit­plan. Ich mag nicht be­ur­tei­len, ob es wirk­lich sinn­voll war, das Pa­vil­lon-Pro­vi­so­rium bei die­ser nicht ganz bil­li­gen Bau­maß­nahme quasi „wie­der­auf­er­ste­hen“ zu las­sen. Ein völ­lig neu kon­zi­pier­ter Neu­bau hätte wohl auch viel­fäl­tige Chan­cen ge­bo­ten, die man nun nicht nutzt. Nichts­des­to­trotz bin ich auch auf die Er­öff­nung ge­spannt.

Zie­gen

Dem ak­tu­el­len Trend zu Google Ly­rics fol­gend hier ein Er­geb­nis heu­ti­ger „Re­cher­che“ mei­ner­seits:

Zie­gen

Meine Zie­gen kön­nen flie­gen
Wie alt kön­nen Zie­gen wer­den?
Kön­nen Zie­gen schwim­men?
Wie hoch kön­nen Zie­gen sprin­gen?

Ich glaube, Kurt Schwit­ters würde Google ge­fal­len. Sehr.

Bild: Ar­min Kü­bel­beck,
Be­ar­bei­tung: dh, CC-BY-SA 3.0