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Prism und die Piratenpartei? Wo ist Bernd Schlömer?

Die Pris­mwellen schla­gen immer noch hoch. Mit Kal­kül — so ver­mute ich — wer­den alle 2 – 3 Tage neue Ein­zel­hei­ten über die Späh– und Über­wa­chungs­struk­tu­ren west­li­cher Geheim­dienste gegen ihre eige­nen Staa­ten bekannt. Und ich ver­mute wei­ter, dass da auch noch eini­ges kommt.

Und die Pira­ten­par­tei? Ich meine, wie war das? „Stär­kung der Bür­ger­rechte”, „Frei­heit im Inter­net”, vor allem aber „Trans­pa­ren­ter Staat statt trans­pa­ren­ter Bür­ger”??? Damit sind wir doch mal ange­tre­ten, oder? Damit haben wir uns gegen die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung gestemmt, gegen Zen­sur­sula, gegen ACTA. Aber das ist doch alles nur Krü­mel­ka­cke gegen das, was da momen­tan öffent­lich wird. West­li­che Geheim­dienste schnüf­feln west­li­chen Gesell­schaf­ten schran­ken­los hin­ter­her. Kei­ner weiß Genaues — es sind ja Geheim–Dienste. Ich sage: Das unter­gräbt die Bür­ger­rechte, das unter­gräbt die Frei­heit im Inter­net und es ist das Sinn­bild für „Trans­pa­ren­ter Bür­ger statt trans­pa­ren­tem Staat”. Es ist der exakte Gegen­ent­wurf zu den poli­ti­schen Zie­len der Piratenpartei.

Und die Pira­ten­par­tei? Ok, die Demo am Sams­tag. 200 Teil­neh­mer. Und alle so: Yeah! Und sonst? Hm. Mal nach­den­ken. … (Stimme aus dem Off: „Streng dich an, Dirk!”) Hmm­m­mmm.… („Fes­ter!”) Öööööhhhmm­mmm… („Noch fes­ter!”) … Öffff. Ich weiß nicht. :-( Also, ok, wenn ich auf der Web­seite nach­schaue, dann lerne ich etwas von einem „6-​Punkte-​Plan” für ein freies Netz. Das kleine Pro­blem: Die­ser „6-​Punkte-​Plan” kommt auf Nicht-​Piraten-​Seiten nicht vor. Und wie heißt es so schön? „Pics or it didn’t happen.”

Dar­über hin­aus? Ich lehne mich mal aus dem Fens­ter: Nichts. Keine Ana­ly­sen, keine Kom­men­tare, keine For­de­run­gen. Keine Ankla­gen, keine Auf­rufe, kein Pro­test. Nichts. Jeden­falls nichts, was irgend­wie in die öffent­li­che Bericht­er­stat­tung durchdränge.

Pira­ten­par­tei und Prism: Rosa Ein­horn oder was?

Woran liegt’s? Nun, schauen wir mal weg von der Par­tei im Gan­zen hin zu ihren Mit­glie­dern. Zu den „Köp­fen”, denen, die es ein­fa­cher haben, in der Öffent­lich­keit wahr­ge­nom­men zu wer­den. Bernd Schlö­mer zum Bei­spiel. Er ist der Bun­des­vor­sit­zende. Und in der Tat — Bernd hat sich geäu­ßert. In einem Blo­g­ar­ti­kel mit dem schö­nen Titel: „Ver­lo­ren im #Neu­land”. Er beginnt mit

Es wirkt ein wenig belustigend

und endet mit

Liebe Bun­des­tags­par­teien, machen Sie ein­fach mal etwas und empö­ren Sie sich nicht andau­ernd. Ihre Poli­tik nervt langsam.

Schlö­mer! Mann! „Belus­ti­gend”??? Ich ver­rat’ dir jetzt mal ein Geheim­nis: Wir sind auch eine poli­ti­sche Par­tei. Wir machen das, weil die ande­ren das seit Jah­ren nicht hin­krie­gen. Wir wol­len das ändern. Und übri­gens wol­len wir auch in den Bundestag.

Du bist der Boss von dem Laden hier. Was ist das für ein Signal, wenn der Bun­des­vor­sit­zende der Pira­ten­par­tei die ande­ren Par­teien auf­for­dert, was „zu machen”? Ohne zu schrei­ben, was wir selbst machen und for­dern. Ich finde: Ein schlech­tes. Zumal wenn es um ur-​ur-​eigenste Pira­ten­pro­gram­ma­tik geht. Sozu­sa­gen die Kern­zone von #Neu­land. Und dann wir so: „Hey, das ist voll nich’ gut so, macht doch mal was, ihr anderen.”

???

Die ande­ren sind auch nicht ergie­bi­ger: Sebas­tian Nerz: 1 Blo­g­ar­ti­kel, 0 Kom­men­tare, seit 2013-​06-​22 nix. Mar­kus Baren­hoff: 1 Youtube-​Video. Ton­qua­li­tät wie in ‚ner Kon­ser­ven­dose. Erwäh­nun­gen in der Presse: Null. Das sind zumin­dest die Ergeb­nisse mei­ner (NSA-​überwachten?) Google-​Recherche. Wenn ich falsch liege, kor­ri­giert mich gerne.

Ok, Katta. Die Frau hält das Thema hoch, sie macht das gut. Aber ist es wirk­lich die Stra­te­gie des Bun­des­vor­stan­des, die gesamte Öffent­lich­keits­ar­beit in Sachen „Prism” bei Katha­rina Nocun abzu­la­den? Ja, sie ist poli­ti­sche Geschäfts­füh­re­rin. Aber mal ehr­lich: Angela Mer­kel schickt auch nicht Klaus Schü­ler vor, um die Prism-​Position der CDU unters Volk zu brin­gen. (Wobei: Viel schlech­ter könnte der es auch nicht machen…) Zudem: Kat­tas Thema ist der Daten­schutz. „Prism” ist aber mei­nes Erach­tens im Kern kein Daten­schutz­pro­blem, son­dern berührt unsere Gesell­schaft viel umfassender.

Also, lie­ber Bun­des­vor­stand, was soll diese wahr­ge­nom­mene Nicht­be­fas­sung mit dem Thema? Ich war auch mal Bun­des­vor­sit­zen­der, ein biss­chen kenne ich das Spiel: Die Jour­na­lie inter­es­siert immer, was der Boss sagt. Alle unter­halb des Bos­ses sind Bei­werk, egal wie gut sie fach­lich sind. Klingt komisch, is’ aber so. Warum sagt der Boss nichts?

Prism betrifft gleich meh­rere zen­trale Anlie­gen der Pira­ten­par­tei. Alle ande­ren Par­teien agie­ren gehemmt. Sie sind ange­sichts ihrer frü­he­ren Aktio­nen und Äuße­run­gen nur so mit­tel­glaub­wür­dig. Es ist Som­mer­loch. Es sind Wah­len. Wo ist die Pira­ten­par­tei? Wo ist Bernd Schlömer?

Tag des geistigen Eigentums 2009: Schülerindoktrination und überraschende Einlassungen

Nein, kein Tipp­feh­ler. Ich räume gerade umfang­reich auf und da ist mir die­ser Bericht der von mir besuch­ten Ver­an­stal­tung „Tag des geis­ti­gen Eigen­tums” aus dem Jahr 2009 in die Hände gefal­len, den ich hier gerne noch­mal im Blog ver­öf­fent­li­che. Ich weiß nicht mehr, zu wel­chem Anlass ich das ursprüng­lich geschrie­ben hatte, bis auf die Links habe ich aber nichts ver­än­dert. Bitteschön:

Die Ver­an­stal­tung des BDI zum „Tag des geis­ti­gen Eigen­tums” fand die­ses Jahr [also 2009] am 24.4. statt, da der eigent­lich von der WIPO aus­ge­ru­fene 26.4. auf einen Sonn­tag fällt. Ins­ge­samt barg die fünf­stün­dige Ver­an­stal­tung wenig Neues. Kern­the­men der Dis­kus­sio­nen und Vor­träge waren vor allem Pro­dukt­pi­ra­te­rie, Pharmapa­tente und die Bestre­bun­gen zur Ein­rich­tung einer euro­päi­schen Patent­ge­richts­bar­keit. Das Thema „Soft­ware­pa­tente” wurde nicht direkt angeschnitten.

Die Panel­teil­neh­mer und Ein­zel­re­fe­ren­ten ite­rier­ten wie­der und wie­der die satt­sam bekann­ten Man­tras: Nur der Schutz geis­ti­gen Eigen­tums för­dert Inno­va­tion, ille­ga­les Down­loa­den von Musik und ande­ren Kul­tur­wer­ken bringt die Künst­ler um ihren Lohn, Patente sind prima. Wei­test­ge­hend unwi­der­spro­chen blieb die in ver­schie­de­nen Wor­ten mehr­fach geäu­ßerte Ansicht, das Pat­ent­we­sen bzw. die Schutz­recht­sys­teme all­ge­mein dien­ten aus­schließ­lich den Rech­te­in­ha­bern, sie seien die ein­zi­gen „Teil­neh­mer des Systems”.

Höhe­punkt und Abschluss der Ver­an­stal­tung war die Ver­lei­hung der Preise an die Gewin­ner des Schü­ler­wett­be­werbs „Ide­en­liebe”. Unter der Schirm­her­rin Zypries (die — weil ich China — nicht anwe­send war) hatte hier der BDI Schul­klas­sen auf­ge­ru­fen, sich dar­über Gedan­ken zu machen, warum ges­ti­ges Eigen­tum schüt­zens­wert sei. Schon in der Anmo­de­ra­tion wurde klar, wie das zu ver­ste­hen ist: „Das Abschrei­ben von Haus­auf­ga­ben ist ja auch Ver­let­zung geis­ti­gen Eigen­tums.” So zeig­ten denn die fünf prä­mier­ten Bei­träge auf ver­schie­dene Wei­sen, wie böse Rechts­ver­let­zer sich arme Ideen unter den Nagel ris­sen und die Rech­te­in­ha­ber anschlie­ßend ide­en­frei dastan­den. Wäh­rend der Gewin­ner­bei­trag das Sze­na­rio in einer prag­ma­ti­schen Weise enden ließ („Ey, sorry Mann, tut mir Leid, war doof.”), wählte der dritt­plat­zierte eine eher rea­lis­ti­sche Vari­ante („887 Euro inklu­sive Anwaltskosten”).

Alles in allem hatte die Ver­an­stal­tung etwas sur­rea­les und war eher in der Tra­di­tion von „Mar­got Hone­cker prä­miert die bes­ten Gedichte an den Sozia­lis­mus” denn von kri­ti­scher Beschäf­ti­gung mit der Sache. Aller­dings gab es hier ja auch keine FDJ-​Ehrennadeln zu gewin­nen, son­dern diverse Natu­ra­lien und Ein­kaufs­gut­scheine von Adi­das, eine Adidas-​Werksbesichtigung (mit Ein­kaufs­gut­schei­nen) und als Haupt­ge­winn schi­cke weiße Fahr­rä­der mit Abus-​Schloss (sozu­sa­gen als Schutz ncht-​geistigen Eigen­tums), lei­der über­haupt nicht StVO-​konform.

Ich bezwei­fele zwar, dass sol­che Indok­tri­na­ti­ons­maß­nah­men an Schü­lern nach­hal­tige Wir­kung zei­gen, trotz­dem sollte man sich über­le­gen, hier mal pas­send gegen­zu­steu­ern und Alter­na­ti­ven zur „Geis­ti­ges Eigentum”-Mühle in die Schu­len zu tragen.

Ansons­ten sind bei mir eher so ein paar Details hän­gen­ge­blie­ben, die aus der Masse der immer glei­chen Ein­las­sun­gen (siehe oben) herausragten:

In bei­den Panels, die ich besucht hatte, wur­den die Teil­neh­mer nicht müde zu beto­nen, dass ein euro­pa­weit ein­heit­li­ches Schutz­rechts­re­gime nötig ist, um die Reche auch tat­säch­lich effek­tiv durch­set­zen zu kön­nen. Des­halb ist auch der Euro­päi­sche Patent­ge­richts­hof unbe­dingt nötig. Immer wie­der wurde dabei aber auch gesagt, es gehe natür­lich nur um die „guten” Patente und die „ech­ten” Inno­va­tio­nen. Das Pro­blem der Patent­trolle und Tri­vi­al­pa­tente schwebte so immer wie­der im Raum, frei­lich ohne dass man näher dar­auf ein­ging, wie man denn nun Gutes von Schlech­tem tren­nen wollte. Eines der Kern­pro­bleme der gan­zen euro­päi­schen Patent­pro­ble­ma­tik ist halt, dass man seit Jah­ren immer nur über den juris­ti­schen und admi­nis­tra­ti­ven Über­bau des Pat­ent­we­sens spricht, das sub­stan­zi­elle Patent­recht — die Frage, was denn eigent­lich paten­tiert wer­den kann — aber kate­go­risch außen vor lässt.

Ein­zi­ger kri­ti­scher Geist im Panel über die Patent­ge­richts­bar­keit war Prof. Har­hoff. Nur von ihm gab es Aus­sa­gen, dass Patente eben nicht nur aus der Sicht der Patent­in­ha­ber betrach­tet wer­den müs­sen, son­dern dass man auch die „andere Seite” berück­sich­ti­gen müsse und die Aus­wir­kun­gen, die die Mono­pol­an­sprü­che auf For­schung und Gesell­schaft all­ge­mein haben. So ganz über­zeugt schien er nicht von den Ein­las­sun­gen, die geplante euro­päi­sche Patent­ge­richts­bar­keit hätte ja ein klar defi­nier­tes Ein­spuchs– und Nich­tig­keits­ver­fah­rens­recht, aber in der Kürze der Zeit wurde das im Rah­men des Panels nicht wei­ter erörtert.

In ver­schie­de­nen Zusam­men­hän­gen gab es Sorge über eine Ent­wick­lung, dass Strei­tig­kei­ten über geis­tige Eigen­tums­rechte zuneh­mend „pri­vat” unter Aus­schluss der Öffent­li­che­keit ver­han­delt wür­den. Bei­spiele waren diverse Patent­strei­tig­kei­ten, die nicht mit einem Urteil ende­ten, son­dern mit unver­öf­fent­lich­ten bila­te­ra­len Abspra­chen oder auch der momen­tan in den USA lau­fende Streit zwi­schen Google und diver­sen Ver­le­gern über die Digi­ta­li­sie­rung von Büchern. Bei letz­te­rem läuft der Vor­gang dar­auf hin­aus, dass Google eine am Urhe­ber­recht vor­bei gehende Eini­gung mit den Ver­le­gern erzielt und sich so quasi auf „pri­va­tem” Wege und ohne dass Staat oder Öffent­lich­keit eine Ein­fluss­mög­lich­keit haben die Nut­zungs­rechte sichert.

Sehr inter­es­sant war zudem eine Erläu­te­rung über den wei­te­ren Fahr­plan für das euro­päi­sche Patent­ge­richt von (meine ich mich zu erin­nern) Claude Rakovsky von der GD Wett­be­werb der EU-​Kommission. Momen­tan befin­den sich die Ver­trags­ent­würfe immer noch in den Ver­hand­lun­gen, das Haupt­pro­blem sind, wie schon seit Jah­ren, die Spra­chen: Was pas­siert, wenn ein — sagen wir mal — deut­scher Patent­in­ha­ber vor einem rumä­ni­schen Gericht ver­klagt und die Ver­hand­lung auf rumä­nisch geführt wird? Sollte hier Einig­keit erzielt wer­den (aktu­elle Über­le­gun­gen gehen in Rich­tung maschi­nelle Über­set­zung), müsste der gesamte Ver­trags­ent­wurf aller­dings erst­mal dem Euro­päi­schen Gerichts­hof vor­ge­legt wer­den, der dann prüft, ob die Ein­rich­tung einer euro­pa­wei­ten Gerichts­kam­mer auf der Grund­lage eines zwi­schen­staat­li­chen Abkom­mens über­haupt recht­lich mög­lich und erlaubt ist. Man scheint sich in der EU-​Kommission den Zeit­ho­ri­zont Ende 2010 gesetzt zu haben, d.h. dass das Pro­jekt nach aktu­el­lem Stand schei­tert, wenn es nicht spä­tes­tens durch die bel­gi­sche Rats­prä­si­dent­schaft in der 2. Hälfte 2010 auf den Weg gebracht wird.

Mein High­light aber der Vor­trag von Fran­cis Gurry, immer­hin Gene­ral­di­rek­tor der WIPO. Sein Vor­trag begann schon mit der kla­ren Aus­sage, dass das gesamte Sys­tem des geis­ti­gen Eigen­tums momen­tan unter Druck von außen steht. Unter ande­rem in Bereich der Musik sieht er das Phä­no­men, dass es im Jahr 2008 einer­seits 40 Mil­li­ar­den „ille­gale” Musik­down­loads gege­ben habe, die es ohne die neuen digi­ta­len Daten­netze und Tech­ni­ken nicht gege­ben hätte, ande­rer­seits die Musi­ker aber eben genau diese neuen Tech­ni­ken selbst mit Begeis­te­rung ein­setz­ten. Eigent­lich exis­tiert hier also ein Markt. Die von ihm in den Raum gestellte Frage: Ist das ganze jetzt ein rein juris­ti­sches Pro­blem, bei dem man die uner­laub­ten Down­loads gericht­lich bekämpft, oder haben wir es hier mit einer fun­da­men­ta­len Ände­rung zu tun, wie ein Kul­tur­gut ver­brei­tet wird und wie vor allem seine Pro­duk­tion finan­ziert wer­den kann. Seine selbst gege­bene Ant­wort weist klar auf die letz­tere Schluss­fol­ge­rung hin und sein Fazit in die­ser Sache war, dass man wohl doch noch­mal grund­sätz­lich über die­ses Pro­blem nach­den­ken muss.

Und das vom Gene­ral­di­rek­tor der WIPO. Ich war beeindruckt.

Die Piratenpartei und das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE): War da was?

Ges­tern abend gab es in der Piraten-​Geschäftsstelle in Han­no­ver einen „BGE-​Themenabend”. Gela­den wurde zu einer „Dis­kus­si­ons­runde” und der Kern­satz der Ein­la­dung hätte mich war­nen sol­len: „Wir dis­ku­tie­ren dar­über und schauen, was dabei her­aus­kommt!” Und so war es dann auch: Als ich — beruf­lich bedingt etwas ver­spä­tet — ein­traf, war die Dis­kus­sion bereits im Gange. Darum, dass es ver­schie­dene Modelle gibt (Grund­ein­kom­men, Sockel­be­trag, nega­tive Ein­kom­men­steuer,…). Dass diese etwas kos­ten (800 Mio, 1,2 Mrd, 1,5 Mrd,…). Wie­viel jeder bekom­men soll (400 EUR, 800 EUR, 1200 EUR, 1500 EUR,…). Wer über­haupt (Alle Deut­schen in Deutsch­land, alle Deut­schen egal wo, alle in Deutsch­land,…). Ob jeder gleich viel bekommt (Kin­der, Alte, Behin­derte, Erwerbs­lose,…). Wie man das ganze finan­ziert (50% Mehr­wert­steuer, 150% Mehr­wert­steuer, Weg­fall ande­rer Sozi­al­leis­tun­gen,…). Die poli­tischste Frage war noch, warum man das ganze über­haupt haben will: Geht es eher um die per­sön­li­che Frei­heit des Ein­zel­nen oder um die soziale Sicherung?

Kurz: Es war die gefühlt ein­tau­send­sie­ben­hun­der­tacht­und­neun­zigste Dis­kus­sion zu dem Thema, die genau so wie all die bis­he­ri­gen ablief: Viele All­ge­mein­plätze, leuch­tende Augen beim Beschrei­ben der Vor­teile, die eine sol­che Grund­si­che­rung böte, all­ge­meine Über­ein­stim­mung, dass wir eine sol­che Umkrem­pe­lung der deut­schen Gesell­schaft vor­an­brin­gen wol­len — aber quasi keine belast­ba­ren Zah­len oder Über­le­gun­gen zu einem in sich geschlos­se­nen Kon­zept, was man denn nun gerne hätte.

Die meis­ten Anwe­sen­den umtrieb, das war den Rede­bei­trä­gen zu ent­neh­men, vor allem die Abschaf­fung des Arbeits­lo­sen­gel­des II („Hartz IV”). Meh­rere Anwe­sende beschrie­ben eigene, wenig erfreu­li­che Erfah­run­gen mit die­sem Sys­tem. Ich kann hier nichts Eige­nes besteu­ern und ich will nicht abstrei­ten, dass das ALG II („Hartz IV”) soziale Här­te­fälle und uner­träg­li­che Ein­griffe in Lebens­ent­würfe und per­sön­li­che Frei­räume bedeu­tet, dass es das viel­leicht sogar soll — aber das allein ist noch kein poli­ti­sches Argu­ment! Dar­über hin­aus wurde es aber sofort dünne mit belast­ba­ren Aus­sa­gen. „Ich glaube”, „ich glaube nicht”, „ich habe gehört”, „es ist doch klar” — so began­nen die meis­ten Äuße­run­gen in der Runde. Und aus die­sem Glau­ben oder Hören­sa­gen wur­den dann irgend­wel­che Schlüsse gezo­gen: „Ich habe gehört, dass das Götz-​Werner-​Modell mit einer 150%-Mehrwertsteuer arbei­tet.” — „Nein, ich glaube, es sind nur 50%” — „Ach so.”

Ein Ver­gleich von sechs Grund­ein­kom­mens– bzw. Grund­si­che­rungs­mo­del­len ging herum, etwas alt­mo­disch als ein­zel­ner Aus­druck auf Papier. Mei­nen sämt­li­chen Vor­be­trach­tern war die Fuß­zeile nicht auf­ge­fal­len: „Stand: April 2007″. Nach­frage mei­ner­seits: „Ist das der Stand, auf den wir hier gerade auf­bauen?” — „Öhm, hm… Joah…” — „Aber ist das nicht ein biss­chen ver­al­tet?” — „Naja, so viel ist ja seit­dem nicht pas­siert.” — „Hat das mal wer nach­ge­prüft?” — „Nö, warum?”

Warum??? Der April 2007 liegt mitt­ler­weile über sechs Jahre zurück. Zwi­schen­zeit­lich gibt es eine welt­weite Wirt­schafts­krise, diverse Umwäl­zun­gen in ver­schie­de­nen Volks­wirt­schaf­ten, mas­sive Ero­si­ons­er­schei­nun­gen der inner­eu­ro­päi­schen Wirt­schaft — nichts pas­siert??? Als Bei­spiel hier mal die Arbeitslosenzahlen:

Arbeitslosenquote in Deutschland - Jahresdurchschnittswerte bis 2013
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Da hat sich seit 2007 erheb­li­ches geän­dert. Aber statt da mal drauf ein­zu­ge­hen oder zumin­dest ein Modell durch­zu­rech­nen und einen Rea­li­tät­scheck zu machen, wird fröh­lich irgend­was her­bei­ge­wünscht und mit „ich habe da mal gehört” begründet.

Leute, so geht das nicht!

Wir wol­len als poli­ti­sche Par­tei ein Thema beset­zen. Seit dem Chem­nit­zer Par­tei­tag 2010 sind Grund­ein­kom­men und Grund­si­che­rung auf der bun­des­po­li­ti­schen Agenda der Pira­ten. Und seit 2010 hat sich an den (von mir wahr­ge­nom­me­nen) inter­nen Dis­kus­sio­nen nichts geän­dert: Es wer­den ver­schie­dene „Modelle” mehr oder weni­ger kom­pe­tent vor­ge­stellt, man redet mehr oder weni­ger enga­giert dar­über, wel­ches warum bes­ser oder schlech­ter ist — aber ist abso­lut kein Fort­schritt in die­ser Dis­kus­sion zu ver­zeich­nen. Kon­krete Zah­len? Prä­fe­ren­zen für bestimmte Sys­teme? Über­haupt mal Check, wel­ches BGE-​Modell eigent­lich mit den poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Grund­sät­zen der Pira­ten­par­tei ver­ein­bar ist? Fehl­an­zeige!

Und so wol­len wir Wäh­ler über­zeu­gen, dass sie uns wegen die­ses The­mas ihre Stimme geben sol­len? Das über­zeugt nicht mal mich!

Nun ist das etwas unfair von mir. Es ist ja nicht so, dass sich gar nichts getan hätte. Der Kaper­brief beschäf­tigt sich in einer gan­zen Aus­gabe mit dem BGE. Dort sind die Grund­la­gen der Dis­kus­sion vor­züg­lich dar­ge­stellt. Es gibt sogar ein Modell, dass aus der Pira­ten­par­tei selbst kommt: „Sozi­al­staat 3.0″ nennt sich das — etwas ner­dig mit dem Namens­zu­satz „Ver­sion 1.2″.

Seit über zwei­ein­halb Jah­ren arbei­tet sich die Pira­ten­par­tei jetzt an dem Thema „BGE” ab. Ich halte es nicht für ver­mes­sen, dass wir lang­sam mal in die Strümpfe kom­men und aus den Modell­ver­glei­chen und all­ge­mei­nen Über­le­gun­gen zu einer greif­ba­ren Posi­tion kom­men: Wie soll es unse­rer Mei­nung nach denn nun aus­se­hen, das „BGE”? Oder: Wel­che Modelle haben wel­che Vor– und Nach­teile? Dann kön­nen wir damit die poli­ti­sche Bühne „entern”, Wäh­ler über­zeu­gen und es pas­siert viel­leicht nicht mehr so mas­siv, dass an Wahl­stän­den von acht Pira­ten die Hälfte nicht weiß, was sie zum BGE sagen soll und in der ande­ren Hälfte jeder etwas ande­res erzählt. Dafür wäre aber die Grund­vor­aus­set­zung, dass wir erst­mal selbst anfan­gen, uns damit zu beschäf­ti­gen, was wir eigent­lich kon­kret wollen.

Und da war die Ver­an­stal­tung ges­tern abend eher nicht so für geeignet…

Musik zum Wochenende: Dub FX

In der Ver­sion für große Bild­schirme hat die­ses Blog seit ges­tern eine neue Funk­tion: Ganz rechts fin­den sich jetzt bei jedem Sei­ten­ab­ruf Links auf drei zufäl­lige Arti­kel. Lädt zu Stö­bern ein…

Und nun zu etwas ganz ande­rem: Dub FX macht Stra­ßen­mu­sik. Mit Hilfe eines (bzw. wohl meh­re­rer) Loop-​Recorders und Beat-​Boxing schafft er es, ganz alleine einen kom­ple­xen Sound zu kre­ie­ren und sich selbst mit Melo­die, Beat und Hin­ter­grund­stim­men zu beglei­ten. „Live-​Looping” heißt das, live und drau­ßen. Auf dem Video hier kann man das alles sehr schön sehen: Die Bedie­nung des Recor­ders über die Fuß­pe­dale, das Auf­neh­men und geeig­nete Ein­spie­len der ver­schie­de­nen Ton­spu­ren und auch die Umge­bung: Men­schen, die im Hin­ter­grund ste­hen blei­ben und zuhö­ren, die zwei Jungs links, von denen einer losstapft und eine Dub-​FX-​CD kauft (die der andere dann ein­steckt), den Foto­gra­fen, der sich von rechts ins Bild schiebt um ein Foto zu machen, der Kin­der­wa­gen, der durch Bild rollt, die Mäd­chen­gruppe hin­ten rechts — und dazu die Musik.

Das ist für mich große Kunst. Mehr davon auf Youtube.

100 Jahre Rathaus Hannover — Reden, Chöre, Silbermond

Am 2013-​06-​20 ist das han­no­ver­sche Rat­haus 100 Jahre alt gewor­den. Ich war gela­de­ner Gast beim Fest­akt und habe mit­ge­fei­ert. Ein paar Eindrücke:

Das Rat­haus hat Geburtstag…

…und die Gäste des Fest­ak­tes ver­sam­meln sich in der Rathaushalle.

Auf der Frei­treppe sind Bühne und Red­ner­pult aufgebaut.

Alle war­ten auf das Fest­pro­gramm, das mit Chor­mu­sik und pro­fun­den Reden den fest­li­chen Rah­men des Tages bie­ten soll.

Die Feier wurde vom Mäd­chen­chor Han­no­ver eröff­net. Der Gesang war bril­li­ant und die Akus­tik der hohen Halle hat das sehr gut zur Gel­tung gebracht. Etwas schade fand ich bloß, dass alle Stü­cke sehr getra­gen waren. Wer auch immer für die Aus­wahl zustän­dig war und sein wird — das ist ein Geburts­tag und keine Trauerfeier.

Den Anfang macht der Mäd­chen­chor Hannover

Begrü­ßung und Gruß­wort kamen vom amtie­ren­den Bür­ger­meis­ter Bernd Strauch und dem ehe­ma­li­gen Ober­bür­ger­meis­ter und aktu­el­len nie­der­säch­si­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Ste­phan Weil. Strauch betonte die Offen­heit und die Leben­dig­keit des Rat­hau­ses, Weil („Zehn Jahre habe ich hier unter der Knute von Ober­bür­ger­meis­ter Schmal­stieg gedient, sechs unter der von allen ande­ren.”) erzählte, dass er in all den Jah­ren immer wie­der Neues an Archi­tek­tur und Aus­stat­tung ent­de­cken konnte.

Bür­ger­meis­ter Bernd Strauch begrüßt die Gäste

Der nie­der­säch­si­sche Minis­ter­prä­si­dent und frü­here Ober­bür­ger­meis­ter Ste­phan Weil bei sei­nem Grußwort

Die Fest­rede hielt Prof. Dr. Carl-​Hans Haupt­meyer vom His­to­ri­schen Semi­nar der Uni­ver­si­tät. Unter dem Titel „Das Rat­haus als Ort kom­mu­na­ler Selbst­be­stim­mung” spannte er einen wei­ten Bogen der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung vom Mit­tel­al­ter bis in die heu­tige Zeit. In dem sehr leben­di­gen Vor­trag ver­deut­lichte er dabei, wie unter­schied­lich diese Selbst­ver­wal­tung und Mit­be­stim­mung frü­her und heute war und dass die gleich­mä­ßige Betei­li­gung aller Bevöl­ke­rungs­schich­ten Ergeb­nis eines jahr­hun­der­te­lan­gen Pro­zes­ses war. Man müsse auf­pas­sen, so Haupt­meyer, dass diese Errun­gen­schaft nicht in einer Art konzern-​zentrierten Post­de­mo­kra­tie wie­der ver­lo­ren ginge und das Mit­tel sei: Mehr Betei­li­gungs­wille von den Bür­gern selbst. Eine Ein­schät­zung, der ich mich gerne anschließe, zumal auf kom­mu­na­ler Ebene Bür­ger­be­tei­li­gung am ehes­ten hand­feste Ergeb­nisse zei­gen kann.

Prof. Dr. Carl-​Hans Haupt­meyer refe­rierte sehr leben­dig über die Geschichte der kom­mu­na­len Selbstverwaltung

Die erste Reihe der gela­de­nen Gäste wäh­rend des Vor­trags von Prof. Hauptmeyer.

Abge­run­det wur­den die Rede­bei­träge von Mat­thias Bro­dowy, der sich den Aus­spruch „Alles bar bezahlt, Majes­tät” als Leit­mo­tiv sei­ner Betrach­tun­gen setzte. Man stelle sich vor, das han­no­ver­sche Rat­haus würde in der heu­ti­gen Zeit gebaut wer­den: Bür­ger­in­itia­ti­ven gegen den Blick­ver­bau, Umwelt­pro­teste gegen die Eichen­pfähle im Moor und der Schräg­fahr­stuhl fiele einer EU-​Verordnung zum Opfer. Eine um eine Rathaus-​Geburtstags-​Strophe ergänzte Ver­sion sei­nes Hannover-​Lieds „Stadt mit Keks” run­dete den „lau­ni­gen Fest­vor­trag” ab.

Mat­thias Bro­dowy beim eben­falls gelun­ge­nen „lau­ni­gen Festvortrag”

Der Fest­akt selbst endete dann mit dem Kna­ben­chor Han­no­ver, der sich mit Men­dels­sohn Bar­tholdy und Bach auch nicht gerade Zeit­ge­nos­sen des Rat­hau­ses aus­ge­sucht hatte. Unter den kri­ti­schen Bli­cken ihrer Kol­le­gin­nen vom Ver­an­stal­tungs­an­fang — die Mäd­chen säum­ten die Empo­ren — haben aber auch die Jungs eine äußerst sehens– und hörens­werte Vor­stel­lung abgeliefert.

Den Abschluss des Fest­ak­tes bil­dete der Kna­ben­chor Hannover

Nach dem Fest­akt dann der Emp­fang mit Buf­fet für die gela­de­nen Gäste im Gar­ten­saal. Das Unwet­ter war mitt­ler­weile über Han­no­ver hin­weg­ge­zo­gen — im Rat­haus hat man davon quasi nichts mit­be­kom­men — sodass man sich her­vor­ra­gend sowohl im Gar­ten­saal selbst als auch auf der Ter­rasse auf­hal­ten konnte.

Emp­fang im Gartensaal

Wäh­rend­des­sen star­tete vor dem Rat­haus die große Geburts­tags­sause mit dem Kon­zert von „Sil­ber­mond”. Der Tramm­platz war voll, der Fried­richs­wall Rich­tung Aegi gesperrt und alle Betei­lig­ten hat­ten gro­ßen Spaß an der Musik. Ich hatte die Mög­lich­keit, grö­ßere Teile der Ver­an­stal­tung vom Rat­haus­bal­kon aus ver­fol­gen zu kön­nen und beende die­sen kur­zen Bericht mit ein paar Fotos von dort auf das Konzert.

Viele Tau­send Besu­cher beim Kon­zert von Sil­ber­mond auf dem Trammplatz

Sil­ber­mond lie­ferte eine fast zwei­stün­dige Bühnenshow

Das Publi­kum ging begeis­tert mit

Zum Ende des Kon­zerts: Stagediving…

…und Erin­ne­rungs­fo­tos der Band selbst von ihren Fans

Neugestaltung Hohes Ufer — Wie die Bauarbeiten an der VHS nicht begannen

Steh­emp­fang am Hohen Ufer unter freiem Him­mel, drei Dezer­nen­ten, aber kein ein­zi­ger Bag­ger — so haben am Mon­tag die Umbau­ar­bei­ten der ehe­ma­li­gen Schwer­hö­ri­gen­schule am Hohen Ufer zur neuen VHS begonnen.

Gekom­men waren etwa 40 Gäste, dar­un­ter eine Hand­voll Rats­mit­glie­der und drei Dezernenten

Die Ver­wal­tung hatte zu einem Mit­tags­ter­min ein­ge­la­den. Neben dem Ers­ten Stadt­rat Hans Mön­ning­hoff waren sowohl Kul­tur­de­zer­nen­tin Mar­lis Dre­ver­mann als auch Bau­de­zer­nent Uwe Bode­mann anwesend.

Kurze Rede des Ers­ten Stadt­ra­tes Hans Mön­ning­hoff anläss­lich des Bau­starts für die VHS am Hohen Ufer

Um die Ver­an­stal­tung nicht unnö­tig in die Länge zu zie­hen, hat nur Hans Mön­ning­hoff gere­det — und auch das keine 10 Minu­ten. Unter ande­rem musste er erklä­ren, warum zum offi­zi­el­len Umbau­start kein ein­zi­ges Bau­ge­rät zu sehen war: Im Rah­men des Ver­ga­be­ver­fah­ren muss noch ein Ein­spruch gericht­lich geklärt wer­den — so lange kann es nicht wirk­lich losgehen.

Das bis­he­rige Schul­ge­bäude wird kom­plett umge­baut und zur VHS mit ange­schlos­se­ner Gastronomie

Immer­hin wird ab Mon­tag auf dem ehe­ma­li­gen Schul­hof mit den archäo­lo­gi­schen Aus­gra­bun­gen begon­nen — der Bereich am Hohen Ufer gehört zu den am längs­ten besie­del­ten Stel­len in Han­no­ver über­haupt. Der Umbau der Schule zur VHS ist nur eine von meh­re­ren Bau­maß­nah­men, die die Land­schaft am Hohen Ufer in den nächs­ten Jah­ren erheb­lich ver­än­dern werden.

Fotos von Dezer­nen­ten und Archi­tekt für die Presse

Nach eini­gen Pres­se­fo­tos mit Dezer­nen­ten und Archi­tek­ten im Ein­gangs­be­reich der maro­den Schule gab es noch Inter­views für die zwei anwe­sen­den Radiokorrespondenten.

Inter­views von Hans Mön­ning­hoff und Mar­lis Dre­ver­mann für die anwe­sen­den Radiojournalisten

Und nach einer Stunde war die gesamte Ver­an­stal­tung auch schon wie­der vorbei.

Umbau des Pavillon am Raschplatz in Hannover: Baustellenfest zur Halbzeit

Am Frei­tag, 2013-​06-​14, war Bau­stel­len­fest. Etwa zur Halb­zeit der umfäng­li­chen Umbau­ar­bei­ten am Kul­tur­zen­trum „Pavil­lon am Rasch­platz” lud der Trä­ger­ver­ein zum Bau­stel­len­fest. Direkt gegen­über dem im Wesent­li­chen im Roh­bau­zu­stand befind­li­chen Pavil­lon auf dem Wei­ße­kreuz­platz gab es einen Emp­fang mit Musik. Danach gab es die Mög­lich­keit, auf geführ­ten Tou­ren durch die Bau­stelle — bzw. im Wesent­li­chen drum herum — zu gehen und sich selbst ein Bild vom Bau­fort­schritt zu machen.

Empfang zum Baustellenfest auf dem Weißekreuzplatz

Emp­fang zum Bau­stel­len­fest auf dem Weißekreuzplatz

In kur­zen Rede­bei­trä­gen gaben Susanne Müller-​Jantsch und Chris­toph Sure von der Pavillon-​Geschäftsführung einen Über­blick über den Bau­fort­schritt und die Aus­wir­kun­gen, die die ganz­jäh­rige Schlie­ßung des Hau­ses haben. So kön­nen diverse Ver­an­stal­tun­gen wie z.B. das Masala-​Fest die­ses Jahr nicht in gewohn­ter Weise statt­fin­den und für die Mit­ar­bei­ter muss­ten ver­schie­dene Über­gangs­lö­sun­gen gefun­den wer­den. Nach der Fer­tig­stel­lung hin­ge­gen wer­den sich die Mög­lich­kei­ten im Haus wesent­lich ver­bes­sern — unter ande­rem durch die stark ver­bes­serte akus­ti­sche Abgren­zung der Ver­an­stal­tungs­säle — und in Zusam­men­ar­beit mit der Stadt Han­no­ver künf­tig mehr Aus­zu­bil­dende beschäf­tigt wer­den können.

Susanne Müller-Jantsch und Christoph Sure

Susanne Müller-​Jantsch und Chris­toph Sure

Sei­tens der Stadt waren etli­che Ver­tre­ter anwe­send, neben etli­chen Rats– und Bezirks­rats­ab­ge­ord­ne­ten ver­schie­de­ner Frak­tio­nen ins­be­son­dere die Kul­tur­de­zer­nen­tin Mar­lis Dre­ver­mann und der Erste Stadt­rat Hans Mön­ning­hoff, der durch die Vakanz des Ober­bür­ger­meis­ter­pos­tens seit Ende Januar 2013 die Spitze der han­no­ver­schen Ver­wal­tung reprä­sen­tiert. Mön­ning­hoff ver­bin­det — wie viele Han­no­ve­ra­ner aus der 1970er– und 1980er-​Szene — viele per­sön­li­che Erin­ne­run­gen mit dem Pavil­lon. Die Ent­schei­dung der Stadt, das marode Gebäude nicht durch einen Neu­bau zu erset­zen, der dann z.B. auch die Volks­hoch­schule hätte beher­ber­gen kön­nen, ließ er vor die­sem Hin­ter­grund noch­mals Revue pas­sie­ren. Man müsse es sich, so Mön­ning­hoff, unter sol­chen Umstän­den auch mal leis­ten, ein zen­tra­les Innen­stadt­grund­stück nur ein­stö­ckig zu bebauen. In 50 oder 100 Jah­ren würde dar­über dann viel­leicht anders ent­schie­den. Mit den 12,4 Mio. EUR Bau­kos­ten wird man wohl aber aus­kom­men, so alle Red­ner des Tages. Und die ein­zel­nen Abschnitte des „neuen” Pavil­lons wer­den wohl noch die­ses Jahr eröff­net, geplant ist zwi­schen August und November.

Helga Chris­ten­sen, 1. Vor­sit­zende der BI Rasch­platz mit Ers­tem Stadt­rat Hans Mön­ning­hoff und Kul­tur­de­zer­nen­tin Mar­lis Drevermann

Müller-​Jäntsch und Sure prä­sen­tier­ten dann noch einen rein elek­trisch betrie­be­nen neuen Fir­men­wa­gen, der dem Pavil­lon gestif­tet wor­den ist. Auf die in die­sem Zusam­men­hang vor­ge­tra­gene Bitte, die Stadt möge die Auf­stel­lung einer Lade­säule im öffent­li­chen Stra­ßen­raum am Pavil­lon för­dern, rea­gierte Mön­ning­hoff eher reser­viert mit Beden­ken bezüg­lich der vier­räd­ri­gen Elek­tro­mo­bi­li­tät und riet, man solle „erst­mal aufs Elek­tro­fahr­rad umsteigen”.

Neues Fahrzeug mit rein elektrischem Antrieb

Neues Fahr­zeug mit rein elek­tri­schem Antrieb

Für musi­ka­li­sche Unter­hal­tung sorgte die gesamte Ver­an­stal­tung über „Brazzo Braz­zone & the World Brass Ensem­ble” mit schmis­si­gen Blech­blä­ser­ad­ap­tio­nen bekann­ter Musikstücke.

Brasso Brazzone

Brasso Braz­zone & the World Brass Ensemble

Beson­ders span­nend waren dann natür­lich die Tou­ren über die Bau­stelle. Der Pavil­lon wird zwar dem Wort­laut nach saniert, tat­säch­lich ist die ganze Aktion aber an vie­len Stel­len eher ein Neu­bau mit glei­chem Außen­grund­riss. Das alte Gebäude war 1972 eigent­lich als Pro­vi­so­rium für ein Jahr geplant. Nun ist es seit mitt­ler­weile 40 Jah­ren in Betrieb. Die Total­sa­nie­rung ermög­licht nun, moderne ener­ge­ti­sche Stan­dards und eine zweck­mä­ßi­gere Raum­auf­tei­lung umzusetzen.

Bibliotheksbereich, Südseite

Biblio­theks­be­reich, Südseite

Der Biblio­theks­be­reich auf der Süd­seite wird grö­ßer als bis­her. Dach und Stüt­zen­kon­struk­tion wer­den hier, wie auch an vie­len ande­ren Stel­len, völ­lig neu auf­ge­baut. Die frü­her tra­gen­den Wände wer­den dabei nicht mehr genutzt, selbst wenn sie ver­ein­zelt ste­hen bleiben.

Straßenseite Lister Meile

Stra­ßen­seite Lis­ter Meile

Zur Lis­ter Meile hin ist gut zu sehen, dass auch die gesamte Fas­sade völ­lig neu auf­ge­baut wird. Ledig­lich das Fun­da­ment bleibt erhal­ten. Das Gebäude hat kei­nen Kel­ler — auch, weil dar­un­ter die U-​Bahn verläuft.

Großer Saal (Panorama)

Gro­ßer Saal (Panorama)

Herz­stück des Pavil­lon ist der Große Saal, der völ­lig neu gestal­tet und wesent­lich grö­ßer als bis­her wird. Die Decke ist hier zukünf­tig höher und der Saal wird bis zu 1200 Per­so­nen fas­sen. Durch die akus­ti­sche Tren­nung wer­den zukünf­tig auch par­al­lele Ver­an­stal­tun­gen zu — zum Bei­spiel — Kon­zer­ten mög­lich sein.

Obergeschoss, unsaniert

Ober­ge­schoss, unsaniert

Von der Sanie­rung aus­ge­spart bleibt aller­dings das Ober­ge­schoss, auf dem seit dem Jahr 2000 eine Solar­an­lage instal­liert ist. Des­sen Sanie­rung, so Ers­ter Stadt­rat Mön­ning­hoff, wäre zu teuer gewor­den und da sei­tens der Pavil­lon­be­trei­ber auch keine Finan­zie­rung mög­lich gewe­sen sei, wird es nun „ver­sie­gelt” und wird wohl bis zu einer — prin­zi­pi­ell mög­li­chen aber zeit­lich nicht abzu­se­hen­den — Sanie­rung in eine Art Dorn­rös­chen­schlaf fallen.

Café Mezzo (Panorama)

Café Mezzo (Panorama)

Roh­bau­fer­tig sind mitt­ler­weile auch die neuen Räum­lich­kei­ten des Café Mezzo, die wie die meis­ten ande­ren Räume im Pavil­lon einen etwas ande­ren Zuschnitt erhal­ten. Wie bis­her wird aber das Mezzo auch wie­der einen Tre­sen im Foyer betrei­ben können.

Außenfassade an der Nordseite, Mezzo

Außen­fas­sade an der Nord­seite, Mezzo

Hier an der Nord­seite des Gebäu­des sind dann auch die ers­ten Anfänge der neuen Fas­sade sicht­bar: Wie frü­her wird man hier wie­der im Mezzo sit­zen und nach drau­ßen (oder von drau­ßen hin­ein) schauen können.

Fazit: Eine schöne und infor­ma­tive Ver­an­stal­tung, eine beein­dru­ckende Umbau­leis­tung, ein ehr­gei­zi­ger Zeit­plan. Ich mag nicht beur­tei­len, ob es wirk­lich sinn­voll war, das Pavillon-​Provisorium bei die­ser nicht ganz bil­li­gen Bau­maß­nahme quasi „wie­der­auf­er­ste­hen” zu las­sen. Ein völ­lig neu kon­zi­pier­ter Neu­bau hätte wohl auch viel­fäl­tige Chan­cen gebo­ten, die man nun nicht nutzt. Nichts­des­to­trotz bin ich auch auf die Eröff­nung gespannt.

Ziegen

Dem aktu­el­len Trend zu Google Lyrics fol­gend hier ein Ergeb­nis heu­ti­ger „Recher­che” meinerseits:

Zie­gen

Meine Zie­gen kön­nen flie­gen
Wie alt kön­nen Zie­gen wer­den?
Kön­nen Zie­gen schwim­men?
Wie hoch kön­nen Zie­gen springen?

Ich glaube, Kurt Schwit­ters würde Google gefal­len. Sehr.

Bild: Armin Kübel­beck,
Bear­bei­tung: dh, CC-​BY-​SA 3.0

Wenn Satire wahr wird: Der Postillon, Heise Online und der Smartphone-​Crash

Am schöns­ten ist Satire ja immer, wenn sie irgend­wann mal wahr wird:

Der Pos­til­lon, 2012-​11-​24: Neue Smartphone-​App warnt beim Gehen vor Kol­li­sio­nen mit ande­ren Smartphone-​Nutzern

Heise Online, 2013-​05-​14: Anti-​Crash-​System für Smartphone-​Süchtige

Gera­dezu pro­phe­tisch vom Pos­til­lon — mit des­sen Macher übri­gens gerade ein sehr inter­es­san­tes Inter­view erschie­nen ist…

Bye-​bye, Sevenload

Ges­tern habe ich eine E-​Mail bekom­men. Das Video­por­tal Seven­load — bzw. des­sen Admi­nis­tra­to­ren — schrie­ben mir. Sie wür­den ihr Por­tal umstel­len und in dem Zusam­men­hang den „User Gene­ra­ted Con­tent” ent­fer­nen. Statt­des­sen gäbe es zukünf­tig jede Menge tol­ler „aus­ge­such­ter Inhalte”.

Nun könnte mir das rela­tiv egal sein, hätte ich nicht selbst einige Videos in den „User Gene­ra­ted Con­tent” hoch­ge­la­den. Dort lagen sie nun fast vier Jahre lang und wur­den in die­ser Zeit meh­rere Tau­send Mal ange­klickt: Meine Rede zum Zensursula-​Gesetz 2009 und einen Bericht von einer Modell­bahn­ver­an­stal­tung. Ich hatte damals bewusst Seven­load statt Youtube aus­ge­sucht: Das eine Video ist län­ger als 10 Minu­ten, was damals noch die Ober­grenze bei Youtube war und bei den bei­den ande­ren wusste ich halt schon, wie das mit dem Upload und der Ver­lin­kung bei Seven­load funk­tio­niert. Aber jetzt die Videos ein­fach so dem digi­ta­len Müll­ei­mer über­ant­wor­ten? Nein!

Dan­kens­wer­ter­weise war die Lösung ein­fach: Seven­load bie­tet an, die eige­nen Videos von der Seite her­un­ter­zu­la­den. Genau das habe ich gemacht — und sie bei Youtube wie­der hoch­ge­la­den — die 10-​Minuten-​Grenze ist ja schon seit län­ge­rem gefal­len. Dort habe ich zudem mitt­ler­weile auch schon viele Videos ver­öf­fent­licht, nur diese drei Früh­werke bis­lang halt nicht. Aber jetzt ist auf mei­nem Kanal bei Youtube meine kom­plette „Video­kar­riere” bei­sam­men und ich kann der Abschal­tung bei Seven­load beru­higt ent­ge­gen­se­hen. Die Links hier im Blog sind geän­dert. Ich hoffe, es gibt nicht allzu viele andere externe Links auf die Videos dort.

Bye-​bye, Sevenload