Sternenhimmel über der Ricklinger Masch mit Sternbild Orion, Hannover, Januar 2020

Google-Pixel-Kamera versus Canon-EOS-Spiegelreflex – Sternenhimmel mit Sternbild Orion, Hannover, 2020


Sternenhimmel über der Ricklinger Masch mit Sternbild Orion, Hannover, Januar 2020

Ster­nen­him­mel über der Rick­lin­ger Masch mit Stern­bild Ori­on, Han­no­ver, Janu­ar 2020

Die­sen Blick auf den ster­nen­kla­ren Nacht­him­mel habe ich ges­tern Abend auf­ge­nom­men. Ent­stan­den ist es mit dem bemer­kens­wer­ten Nacht­sicht-Modus der Kame­ra in einem Goog­le-Pixel-Han­dy der aktu­el­len Genera­ti­on. Ich habe das Han­dy mit der Hand auf dem Fahr­rad­ge­päck­trä­ger abge­stützt aber nicht voll­stän­dig fixiert. Es hat dann nach dem Aus­lö­sen so etwa 5 Sekun­den her­um­fo­to­gra­fiert und die dabei wohl auf­ge­nom­me­nen Bil­der zusam­men­ge­rech­net. Das Ergeb­nis fin­de ich bemerkenswert.

In der Bild­mit­te ist das Stern­bild Ori­on zu sehen – mit­samt Betei­geu­ze. Unten die Bäu­me von Rick­lin­ger Masch und Lei­ne­aue. Der Ster­nen­him­mel ist aus­neh­mend gut zu erken­nen, auch wenn im Hin­ter­grund das Streu­licht aus Döh­ren, Wülfel und Laat­zen den Him­mel erhellt.

Goog­le hält ja aus­ge­spro­chen gro­ße Stü­cke auf sei­ne – nun­ja – „com­pu­ter­ge­stütz­te Han­dy­ka­me­ra” und ins­be­son­de­re die­sen „Astro­mo­dus”. Bekommt man mit einer „rich­ti­gen” Kame­ra trotz­dem bes­se­re Fotos?

Mein Archiv lie­fert Mate­ri­al: Im Sep­tem­ber 2010 habe ich mit mei­ner damals noch sehr neu­en ers­ten „ech­ten” Spie­gel­re­flex­ka­me­ra, einer Canon EOS 550D, auch den Nacht­him­mel foto­gra­fiert. Und span­nen­der­wei­se auch mit dem Ori­on im Mittelpunkt. 

Sternenhimmel über dem Kronsberg mit Sternbild Orion, September 2010

Ster­nen­him­mel über dem Krons­berg mit Stern­bild Ori­on, Sep­tem­ber 2010

Nun ist die­ses Bild nicht in der Rick­lin­ger Masch, son­dern auf dem Krons­berg ent­stan­den. Und auch nicht um halb sie­ben Uhr abends, son­dern um vier Uhr mor­gens; aus irgend­ei­nem Grund war ich damals spät Nachts mit dem Auto unter­wegs, hat­te die Kame­ra dabei und mir gedacht: „Mensch, fahr’ ich doch mal auf den Krons­berg und foto­gra­fie­re den Ster­nen­him­mel” – was man halt so macht…

Man erkennt aber sofort, dass auf die­sem 10 Jah­re frü­her auf­ge­nom­me­nen Bild, mit einer Aus­rüs­tung, die noch viel Luft nach oben lässt, wesent­lich mehr Ster­ne sicht­bar sind als auf dem Han­dy­fo­to. Ich habe mir erlaubt, hier sogar mal den glei­chen Him­mels­aus­schnitt aus bei­den Fotos in etwa der­sel­ben Grö­ße aus­zu­schnei­den und nebeneinanderzustellen.

Bildvergleich: Canon EOS 550D vs. Google Pixel 4

Bild­ver­gleich: Canon EOS 550D vs. Goog­le Pixel 4

Man erkennt hier zwei­er­lei: Tat­säch­lich ist das Bild der Spie­gel­re­flex­ka­me­ra deut­lich detail­lier­ter, neben den bei­den hells­ten Ster­nen ist noch ein gutes Dut­zend wei­te­rer Ster­ne in dem Aus­schnitt zu erken­nen. Die feh­len in dem Han­dy­ka­me­ra­bild komplett.

Aller­dings ist auch das Bild der EOS nicht per­fekt. Vor allem sind die Ster­ne nicht kreis­för­mig, son­dern klei­ne Stri­che. Das liegt nicht an der Kame­ra, son­dern an der Erd­dre­hung: Ich habe das Bild 25 Sekun­den lang belich­tet; das ist so lan­ge, dass die Ster­ne sich bereits um eine sicht­ba­re Stre­cke rela­tiv zur Erde wei­ter­be­wegt haben. Und die sieht man hier im Bild.

Ich weiß, dass ich damals wegen die­ses Fotos die Erkennt­nis hat­te, dass ernst­haf­te Astro­fo­to­gra­fie ab die­ser Stu­fe nicht ohne eine mecha­ni­sche Nach­füh­rung der Kame­ra wäh­rend der Lang­zeit­be­lich­tung aus­kommt, die die Erd­ro­ta­ti­on aus­gleicht. Das hat die Men­ge mei­ner wei­te­ren Astro­fo­to­ex­pe­ri­men­te stark reduziert.

Nun ist die­ser Ver­gleich inso­fern nicht völ­lig fair, dass die Bedin­gun­gen für die Canon EOS damals ins­ge­samt eher bes­ser waren als für das Goog­le Pixel ges­tern abend, ins­be­son­de­re das Streu­licht betref­fend. Ande­rer­seits ist die 550D halt auch eine 10 Jah­re alte Kame­ra – und als Objek­tiv hat­te ich damals nur die 18/55-er Ein­stei­ger­lin­se von Canon. Ins­ge­samt ist ein Ver­gleich aber eigent­lich nur wirk­lich aus­sa­ge­kräf­tig, wenn die Rand­be­din­gun­gen für alle Betei­lig­ten so ähn­lich wie mög­lich sind.

Des­halb reicht es jetzt nur zu einem Zwi­schen­fa­zit: Die Stär­ke der Goog­le-Pixel-Kame­ra im Astro­be­reich liegt nicht in der abso­lu­ten Bild­qua­li­tät – das bekommt schon eine etwas ambi­tio­nier­te­re jah­re­al­te Ein­stei­ger­ka­me­ra deut­lich bes­ser hin. Das Goog­le-Foto besticht in sei­nem Ergeb­nis aber durch den viel gerin­ge­ren Auf­wand, den man trei­ben muss: Es ist ein­fach auf dem Nach-Hau­se-Weg ent­stan­den, das Han­dy zwar abge­stützt aber nicht mit irgend­wel­chem Equip­ment bom­ben­fest fixiert. Die Canon hat­te ich natür­lich auf einem Sta­tiv, mit Fern­aus­lö­ser bedient und dann 25 Sekun­den manu­ell belich­tet. Das ist vom Auf­wand her schon eine deut­lich ande­re Num­mer. Und viel ein­fa­cher ist es auch mit aktu­ells­ter Kame­ra­hard­ware nicht. Damit hat die Goog­le-Kame­ra schon den Vor­teil einer deut­lich ein­fa­che­ren Bedienung.

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