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Warum Spendenaktion und Konzept der Piratenpartei-​Bundes-​IT falsch sind — Und: Ein Lösungsvorschlag

Die Zuver­läs­sig­keit der IT-​Infrastruktur der Pira­ten­par­tei bie­tet noch Mög­lich­kei­ten zur Opti­mie­rung. Web­site und Wiki waren in der Ver­gan­gen­heit oft sehr lang­sam und mehr als ein­mal hat es Aus­fälle über Stun­den oder sogar Tage gege­ben. Die „Bundes-​IT” betreut für die Bereit­stel­lung der Dienste meh­rere Ser­ver und ruft momen­tan — auf der Web­site der Pira­ten­par­tei pro­mi­nent ver­linkt — zu Spen­den auf. 10.000 EUR Bud­get seien nicht genug, wenigs­tens wei­tere 50.000 EUR seien nötig, um die geplante Infra­struk­tur mit eige­nen Ser­vern, die in einem Rechen­zen­trum unter­ge­stellt wer­den, zu finanzieren.

IT-Infrastruktur der Piratenpartei (Symbolbild I): So...

IT-​Infrastruktur der Pira­ten­par­tei (Sym­bol­bild I): So…

Ich halte die­sen Ansatz für den völ­lig fal­schen Weg. Neben eini­gen tech­ni­schen Pro­ble­men, die zu einem nen­nens­wer­ten Teil auch Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­ble­men mit dem Hos­ter geschul­det sein dürf­ten (36 Stun­den bis mal einer den Reset-​Knopf am Rech­ner gedrückt hat…) ist das Haupt­pro­blem mei­nes Erach­tens, dass sich der gewünschte und nötige Grad an Aus­fall­si­cher­heit durch ein Team von Ehren­amt­li­chen auch bei größt­mög­li­chem Ein­satz nicht errei­chen lässt. Des­halb plä­diere ich ganz im Gegen­satz zu den Plä­nen der IT-​Verantwortlichen dafür, die von der Par­tei selbst zu erbrin­gen­den Leis­tun­gen zurück­zu­fah­ren und ver­stärkt auf externe, pro­fes­sio­nelle Dienst­leis­ter zu setzen.

Ein ent­spre­chen­des Kon­zept­pa­pier habe ich vor knapp zwei Wochen den Ver­ant­wort­li­chen der Bundes-​IT über­sandt. Ich doku­men­tiere die­ses Kon­zept jetzt noch­mals öffent­lich. Ich halte es für wich­tig zu zei­gen, dass sich die Pro­bleme der IT-​Infrastruktur der Pira­ten­par­tei auch anders lösen las­sen als dies momen­tan von den Ver­ant­wort­li­chen geplant ist — und das diese Lösun­gen mei­ner Mei­nung nach nach­hal­ti­ger sind.

Ser­ver­kon­zept Pira­ten­par­tei: Stei­ge­rung der Aus­fall­si­cher­heit durch exter­nern Dienstleister

Nach­dem ich letz­tens deut­li­che Kri­tik an der IT-​Infrastruktur der Pira­ten­par­tei geäu­ßert habe, wurde ich gebe­ten, mich an der Dis­kus­sion darum zu betei­li­gen, wie die Orga­ni­sa­tion in Zukunft bes­ser lau­fen könnte. Hier also einige Über­le­gun­gen und Lösungsvorschläge:

Mei­nes Erach­tens ist das Kern­pro­blem, dass wir einer­seits Dienste haben, deren Ver­füg­bar­keit extrem kri­tisch ist, für die wir aber ande­rer­seits keine Sys­tem­war­tung zur Ver­fü­gung stel­len kön­nen, die die­sem Hoch­ver­füg­bar­keits­an­spruch gerecht wird. Dafür gibt es — wie­derum mei­nes Erach­tens — zwei Gründe:

  1. Wir arbei­ten mit sehr kom­ple­xen Sys­tem­um­ge­bun­gen, die tech­nisch weit fort­ge­schrit­ten sind (Vir­tua­li­sie­rung, ver­teilte Ser­ver), aber einen erhöh­ten Ein­rich­tungs– und War­tungs­auf­wand benö­ti­gen und zudem von den Admi­nis­tra­to­ren viel Detailwissen.
  2. Das hete­ro­gene Admi­nis­tra­to­ren­team besteht aus­schließ­lich aus Ehren­amt­li­chen. Im Falle von aku­ten Schwie­rig­kei­ten muss des­halb zunächst der Zustän­dige ein Zeit­fens­ter für sich schaf­fen, um dann das Pro­blem anzu­ge­hen. Zudem muss viel Arbeit in Abend– und Nacht­stun­den stattfinden.

Ins­be­son­dere der zweite Punkt ist dabei aus­drück­lich keine nega­tive Kri­tik, son­dern eine Zustands­be­schrei­bung. Die Arbeit mit ehren­amt­li­chen Admi­nis­tra­to­ren war in der Ver­gan­gen­heit alter­na­tiv­los. Mitt­ler­weile ist durch das starke Wachs­tum und die viel­fäl­ti­gen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­dürf­nisse aber ein Punkt erreicht, wo die zwangs­läu­fi­gen Beschrän­kun­gen die­ses Ansat­zes in Sachen Ver­füg­bar­keit nicht mehr trag­bar sind.

IT-Infrastruktur der Piratenpartei (Symbolbild II): ...so...

IT-​Infrastruktur der Pira­ten­par­tei (Sym­bol­bild II): …so…

Mein Ansatz arbei­tet des­halb mit fol­gen­den Grundgedanken:

  • Iden­ti­fi­zie­rung der­je­ni­gen Dienste, die für die Kom­mu­ni­ka­tion die höchste Wich­tig­keit haben und auf Grund ihrer Kom­ple­xi­tät am kri­tischs­ten sind. Dies sind mei­ner Ein­schät­zung nach
  • Ver­wen­dung von mög­lichst ein­fa­chen Set­ups und Serverstrukturen.
  • Aus­la­ge­rung der grund­le­gen­den Sys­tem­ad­mi­nis­tra­tion die­ser Dienste an einen exter­nen Dienst­leis­ter, der auf Ver­trags­ba­sis die Ver­füg­bar­keit der Dienste sicherstellt.

Die­ses Vor­ge­hen hat mei­nes Erach­tens für alle Betei­ligte Vorteile:

  • Die Dienste „Web­site” und „Wiki” sind mit garan­tier­ter Ver­füg­bar­keit ver­se­hen, wir geben uns an die­sen neur­al­gischs­ten Punk­ten keine „Blöße” mehr.
  • Die hohe Betriebs­si­cher­heit die­ser Dienste führt zu gestei­ger­ter Attrak­ti­vi­tät der Platt­form für alle Par­tei­glie­de­run­gen — auch Lan­des– und andere Ver­bände kön­nen (end­lich) auf der Bun­des­in­fra­struk­tur auftreten.
  • Der externe Dienst­leis­ter kann nicht nur seine Infra­struk­tur in Sachen Rund-​um-​die-​Uhr-​Support nut­zen, son­dern auch das dort vor­han­dene Know-​How für eine per­for­mante Instal­la­tion der Softwarepakete.
  • Die Admins der Pira­ten­par­tei müs­sen sich nicht mehr mit so ermü­den­den Din­gen beschäf­ti­gen wie ein Media­wiki zu betüd­deln, son­dern kön­nen sich auf die „span­nen­den” Dienste kon­zen­trie­ren, bei denen spo­ra­di­sche und even­tu­ell auch etwas län­gere Aus­fälle nicht so dra­ma­tisch sind.

„Web­site” und „Wiki” sind zudem die­je­ni­gen Dienste, die mei­nes Erach­tens am wenigs­ten kri­tisch unter Daten­si­cher­heits­as­pek­ten sind, anders als zum Bei­spiel „E-​Mail” oder „Mai­ling­lis­ten”. Letz­tere haben sich zudem in der Ver­gan­gen­heit auch wesent­lich weni­ger als aus­fall­freu­dig dargestellt.

Gesucht ist also ein exter­ner Dienst­leis­ter, der eine Ser­ve­r­in­fra­struk­tur für die Web­site und das Wiki bereit­stellt, also eine Dru­pal– und eine Mediawiki-​Installation. Lei­der gibt es sol­che Dienst­leis­ter nicht „wie Sand am Meer”. Gefun­den habe ich den Hos­ting­dienst­leis­ter Mitt­wald, der genau das bie­tet was ich mir vorstelle:

  • Mana­ged Ser­ver mit instal­lier­tem Linux
  • Dru­pal und Media­wiki (und ein grö­ße­res Bün­del ande­rer Soft­ware) als instal­lier­bare Pakete mit vom Dienst­leis­ter bereit gestell­ten Updatepa­ke­ten, die sich über die Manage­ment­funk­tio­nen des Ser­vers ein­spie­len lassen
  • Diverse wei­tere Funk­tio­nen zur Auf­tei­lung von Zugrif­fen und Zustän­dig­kei­ten auf das Sys­tem („Agenturfunktionen”)
  • Dienst­leis­ter küm­mert sich um Hard­ware, Hard­ware­aus­fälle etc. mit 24-​Stunden-​Support
  • Dienst­leis­ter küm­mert sich um Soft­ware­up­dates, Betriebs­sys­tem etc.

Nach mei­ner letzt­lich nicht wirk­lich fun­dier­ten Ein­schät­zung wäre für uns das Paket „XL 5.0″ oder „XXL 5.0″ pas­send. Wich­tigste Beschrän­kung ist höchst­wahr­schein­lich das Trans­fer­vo­lu­men (2 TB bzw. 5 TB), hier könnte ich mir aber vor­stel­len, dass sich die Trans­fer­last auf dem Ser­ver mit­tels vor­ge­schal­te­ter Squids mas­siv sen­ken lässt. Mit einem pas­send ein­ge­rich­te­ten „XL”-Server kämen wir auf monat­li­che Kos­ten von etwa 200,- EUR, was 1/​4 des Bud­gets ent­spricht. Ein „XXL”-Server würde mit ca. 300,- EUR/​Monat etwa 1/​3 des Bud­gets der Tech­nik kosten.

IT-Infrastruktur der Piratenpartei (Symbolbild III): ...oder doch lieber so.

IT-​Infrastruktur der Pira­ten­par­tei (Sym­bol­bild III): …oder doch lie­ber so.

Bild­quelle: Wiki­pe­dia, Lizenz, CC-​BY-​SA 3.0/GNU-FDL-1.2

Ich halte die­sen Weg des Sys­tem­de­signs für den bes­ten, die wich­tigs­ten IT-​Dienste der Par­tei lang­fris­tig sicher bereit­ge­stellt zu bekom­men, ohne dass wir den bis­he­ri­gen ste­ti­gen Ver­schleiß an Per­so­nal haben, das sich im Span­nungs­feld von Erwar­tun­gen und Mög­li­chem auf­reibt. Aller­dings ist es sicher­lich ein erheb­li­cher Para­dig­men­wech­sel und vor wei­ter­ge­hen­den Über­le­gun­gen bezüg­lich der Umsetz­bar­keit müs­sen wir erst­mal klä­ren, ob die­ser Weg über­haupt gewünscht ist oder nicht. Ich denke aber, dies könnte ein Weg sein, erheb­li­chen Druck von der IT zu neh­men und dort den Kopf für andere Dinge freizubekommen.

So weit mein eige­ner klei­ner Bei­trag zu der wohl ewig wäh­ren­den Dis­kus­sion um die IT-​Infrastruktur der Piratenpartei.

Wer terrorisiert hier wen? Werner Gruber über Terrorprävention und Physik

Der öster­rei­chi­sche Phy­si­ker Wer­ner Gru­ber hat der Online­zeit­schrift Tele­po­lis ein Inter­view gege­ben. Unter der Über­schrift „Zum Glück ver­ste­hen Ter­ro­ris­ten nichts von Phy­sik” bilan­ziert er die Wirk­sam­keit der aktu­el­len „Anti-​Terror-​Maßnahmen” aus natur­wis­sen­schaft­li­cher Sicht. Fazit: Völ­lig nutz­los. Das Ver­spre­chen völ­li­ger Sicher­heit ist unein­lös­bar und die aktu­el­len „Sicher­heits­maß­nah­men” sind reine Augen­wi­sche­rei. Das ein­zige was uns schützt, so Gru­ber mit ironisch-​bitterem Unter­ton, ist, dass Ter­ro­ris­ten lie­ber beten als sich mit Grund­la­gen der Phy­sik zu beschäftigen.

Werner Gruber, Foto: Manfred Werner, CC-BY-SA 3.0

Wer­ner Gru­ber, Foto: Man­fred Wer­ner, CC-​BY-​SA 3.0

Die große Ter­ror­war­nung und das Ver­spre­chen von Sicher­heit, das ist doch Blöd­sinn. […] Wenn jemand gut ist, bringt er jeder­zeit ein Flug­zeug zum abstür­zen. Ich kann mich gegen Ter­ro­ris­mus, vor allem gegen Selbst­mord­at­ten­tä­ter, nicht schüt­zen. Wenn das jemand sagt, kann ich nur erwi­dern: Keine Chance! Sobald jemand bereit ist, sein Leben zu opfern, kann er ein Atten­tat durchführen.

Der Arti­kel ent­hält eigent­lich nichts wirk­lich Neues, aber es ist hier erfri­schend zusam­men­ge­schrie­ben und es tut ehr­lich gesagt gut, zwi­schen all dem Sicher­heits­ge­wäsch der Poli­tik wenigs­tens hin und wie­der mal jeman­den zu lesen, der sich mit Ver­stand und ohne das Hecheln nach sinn­lo­sem Aktio­nis­mus über das Ter­ro­ris­mus­pro­blem Gedan­ken macht. Zumal Gru­ber sogar eine Lösung beschreibt:

Der ein­zige Aus­weg ist eine poli­tisch sta­bile Lage, in der die Men­schen ihre Lebens­träume ver­wirk­li­chen kön­nen, und ein ruhi­ges und zivi­li­sier­tes Leben haben, ohne Furcht und ohne Angst. Das ist das Ein­zige, was wirk­lich etwas nützt. […] Wenn man das ganze Geld, das in Sicher­heits­tech­nik inves­tiert wird, wenn man diese gewal­ti­gen Sum­men in Schu­len und gute Aus­bil­dun­gen in den ent­spre­chen­den Län­dern inves­tie­ren würde – allein die Kos­ten für die vie­len Scan­ner auf allen Flug­hä­fen welt­weit und deren Betrieb – das wäre viel sinn­vol­ler. Ein­zelne Ver­rückte wird es immer geben, aber wenn man den Men­schen in einer Gesell­schaft ins­ge­samt eine posi­tive Zukunfts­aus­sicht gibt, dann trock­net das die Unter­stüt­zung für den Ter­ror aus.

Klingt blau­äu­gig, ich weiß. Aber alle­mal bes­ser als die schlei­chende Ein­füh­rung eines Prä­ven­ti­ons– und Über­wa­chungs­staa­tes. Erwähnte ich schon­mal, dass die Pira­ten­par­tei hier eine ihrer pro­gram­ma­ti­schen Grund­la­gen hat und in etwa das, was Gru­ber hier sagt, auch bereits seit Jah­ren in die poli­ti­sche Dis­kus­sion einbringt?

*Seufz* Ich glaube, ich muss in nächs­ter Zeit mal wie­der ein biss­chen mehr poli­ti­sche Inhalte hier im Blog brin­gen. Naja, ist ja momen­tan grad’ die Zeit für gute Vorsätze…

Oracle will Sun kaufen — Gefahr für MySQL? Jetzt Einwand an die EU-​Kommission schreiben!

Ora­cle ist gerade dabei, Sun zu kau­fen. Damit käme dann auch MySQL unter ihre Fit­ti­che. Das würde zu der durch­aus deli­ka­ten Situa­tion füh­ren, dass Ora­cle auch Besit­zer des wohl größ­ten Kon­kur­ren­ten ihres eige­nen Haupt­pro­duk­tes — näm­lich der Oracle-​Datenbank — ist.

Michael „Monty” Wide­nius, einer der ursprüng­li­chen MySQL-​Entwickler, betrach­tet die Situa­tion in sei­nem Blog. Einer der ent­schei­den­den Punkte sei, so schreibt er, dass Ora­cle damit ins­be­son­dere das Copy­right für MySQL bekommt. Das gibt Ora­cle einen sehr weit­rei­chen­den Ein­fluss auf das Pro­dukt, sodass trotz der Open-​Source-​Lizenz, unter der MySQL steht, Ora­cle die Ein­stel­lung von MySQL beschlie­ßen oder Teile von MySQL unter einer Closed-​Source-​Lizenz stel­len könnte.

Auch die EU-​Kommission hat gewisse Zwei­fel, ob der Kauf dem Pro­dukt MySQL lang­fris­tig so gut tun würde und des­halb zu einer Anhö­rung gela­den, auf deren Grund­lage sie ent­schei­den will, ob sie die Fir­men­fu­sion geneh­migt oder nicht. In die­sem Zusam­men­hang berich­tet Monty nun von einer Kam­pa­gne, in der grö­ßere Kun­den von Ora­cle zu einem Tele­fo­nat ein­ge­la­den und dann — nunja — zuge­tex­tet wer­den, sodass sie eine Ein­gabe in die­ses Ver­fah­ren machen, in dem sie die EU-​Kommission zur Geneh­mi­gung des Kaufs auf­for­dern. Eine Dar­stel­lung die­ses Vor­gangs hat mich mitt­ler­weile auch von einer wei­te­ren Seite erreicht — mit­samt dem Ein­la­dungs­schrei­ben zu einem sol­chen Telefonat.

Monty ruft nun in sei­nem Blog die Open-​Source-​Gemeinde auf, sich ebenso bei der EU-​Kommission zu Wort zu mel­den. Hier sein Auf­ruf in deut­scher Übersetzung:

„Da wir wol­len, dass die EU-​Kommission ein kor­rek­tes Bild der Situa­tion bekommt, möch­ten wir, dass ihr den obe­ren Teil des fol­gen­den E-​Mailvorschlags aus­füllt und dann den­je­ni­gen der vor­ge­schla­ge­nen Texte aus­wählt, der eurer Sicht am bes­ten ent­spricht. Fühlt euch frei, eige­nen Text oder wei­tere Infor­ma­tio­nen hin­zu­zu­fü­gen, wenn ihr denkt, dass dies der EU-​Kommission zu ver­ste­hen hilft, wie MySQL genutzt wird.

Sen­det dann die E-​Mail an: comp-​merger-​registry@​ec.​europa.​eu

Wenn ihr die Zeit inves­tie­ren könnt, füllt das fol­gende aus, wenn nicht, geht ein­fach zum Haupt­text wei­ter [Anm.: Hm, Monty wider­spricht sich hier irgend­wie selbst. So wie ich’s ver­stehe, sind die Fir­men­an­ga­ben also nicht unbe­dingt nötig.]

Name:
Titel:
Firma:
Fir­men­größe:
Anzahl der MySQL-​Installationen:
Gesamt­menge der in MySQL gespei­cher­ten Daten (in Mega­byte):
Art der Anwen­dun­gen, für die MySQL benutzt wird:
Soll die EU-​Kommission diese E-​Mail ver­trau­lich behan­deln: Ja/​Nein

Nehmt dann einen der fol­gen­den Texte als Grund­lage für eure Antwort:

a)
Ich traue Ora­cle nicht zu, dass sie sich gut um MySQL küm­mern wer­den. MySQL sollte aus dem Kauf aus­ge­glie­dert und an eine andere Firma oder Ver­ei­ni­gung über­tra­gen wer­den, die von der Wei­ter­ent­wick­lung und Ver­brei­tung von MySQL unein­ge­schränkt pro­fi­tiert. Auch in Zukunft sollte es mög­lich sein, MySQL mit Closed-​Source-​Anwendungen zu kom­bi­nie­ren, ent­we­der als Aus­nah­me­re­ge­lung, durch eine frei­zü­gi­gere Lizenz oder über eine Dual­li­zen­zie­rung zu fai­ren Bedingungen.

b)
Ich denke, dass Ora­cle eine gute Umge­bung für MySQL sein kann, aber die EU-​Kommission muss dafür von Ora­cle recht­lich bin­dende Garan­tien ein­for­dern, dass:

  • MySQL ins­ge­samt auch in Zukunft voll­stän­dig Open-​Source-​/​Freie Soft­ware bleibt (keine Closed-​Source-​Module)
  • Die Wei­ter­ent­wick­lung auf Community-​freundliche Weise geschieht
  • Die Anlei­tun­gen unter einer frei­zü­gi­gen Lizenz ver­füg­bar sind, sodass von ihnen auf die­selbe Weise unab­hän­gige Eigen­ent­wick­lun­gen abge­spal­ten wer­den kön­nen wie dies auch für den Daten­bank­ser­ver der Fall ist
  • MySQL selbst unter einer frei­zü­gi­ge­ren Lizenz ver­öf­fent­licht wer­den sollte, sodass sicher­ge­stellt ist, dass unab­hän­gige Ent­wick­lun­gen MySQL als Basis für einen ech­ten Oracle-​Konkurrenten ver­wen­den kön­nen, für den Fall, dass Ora­cle sich doch nicht als eine so gute Hei­mat für MySQL herausstellt.

Alter­na­tiv:

  • Es muss immer mög­lich sein, preis­güns­tige kom­mer­zi­elle MySQL-​Lizenzen zu kaufen.

Es sollte auch einen Mecha­nis­mus geben, der sicher­stellt, dass von MySQL abge­spal­tene Pro­jekte mit Ora­cle kon­kur­rie­ren kön­nen, wenn Ora­cle sich anders als erwar­tet verhält.

c)
Ich ver­traue Ora­cle und schlage vor, dass die EU-​Kommission dem Ver­trag ohne Vor­be­halte zustimmt.”

Die­sem Auf­ruf von Monty schließe ich mich an! Nehmt ent­we­der das eng­lisch­spra­chige Ori­gi­nal oder die deut­sche Über­set­zung von oben und schickt den Brief als E-​Mail bis spä­tes­tens 2009-​12-​19 an die ange­ge­bene E-​Mailadresse. Auch wenn Monty es nicht expli­zit schreibt, so wird aus sei­nem Blog­bei­trag recht deut­lich, dass er die Zukunfts­per­spek­ti­ven für MySQL unter Ora­cles Fit­ti­chen eher kri­tisch sieht. Er fasst zusam­men, wie Ora­cle sich bis­lang so geäu­ßert hat:

Ora­cle hat (soweit ich weiß und jeden­falls defi­ni­tiv nicht recht­lich bin­dend) nicht zuge­sagt, dass:

  • MySQL (kom­plett) unter einer Open-​Source-​Lizenz bleibt
  • sie keine Closed-​Source-​Teile, –Module oder not­wen­dige Werk­zeuge hinzufügen
  • sie die MySQL-​Lizenz– oder –Sup­port­preise nicht erhöhen
  • regel­mä­ßig neue MySQL-​Version ver­öf­fent­licht werden
  • sie die Dop­pel­li­zen­zie­rungs­stra­te­gie fort­set­zen und auch wei­ter­hin preis­lich attrak­tive kom­mer­zi­elle MySQL-​Lizenzen für die­je­ni­gen anbie­ten, die sie benö­ti­gen (Spei­cher– und Anwen­dungs­ent­wick­ler) oder alter­na­tiv MySQL unter eine weni­ger ein­schrän­kende Lizenz stellen
  • MySQL als Open-​Source-​Projekt wei­ter­ent­wi­ckelt wird
  • sie aktiv mit der Com­mu­nity zusammenarbeiten
  • ein­ge­reichte Patches zügig inte­griert werden
  • keine Patches zurück­ge­wie­sen wer­den, die MySQL zu einem stär­ke­ren Kon­kur­ren­ten für Ora­cles andere Pro­dukte machen
  • sie sicher­stel­len, dass MySQL auch in sol­chen For­men wei­ter­ent­wi­ckelt wird, die es zu einem noch bes­se­ren Ersatz für Ora­cles Haupt­pro­dukt machen.

Nun könnte man sagen, dass all diese Punkte bei Sun auch nicht immer opti­mal gelau­fen sind (und wie das noch frü­her bei MySQL A.B. war, ent­zieht sich kom­plett mei­ner Kennt­nis), aber es gibt zwei wich­tige Unterschiede:

  1. Anders als Sun hat Ora­cle ein mit MySQL direkt im Wett­be­werb ste­hen­des Pro­dukt — näm­lich die Oracle-​Datenbank. Und das ist nicht nur irgend­ein Pro­dukt, son­dern der Hauptgeldbringer.
  2. Ora­cle ist bereits im MySQL-​Umfeld aktiv gewor­den, indem sie die Her­stel­ler­firma der „InnoDB”-Storageengine auf­ge­kauft haben.

„InnoDB” ist wohl der wich­tigste Bau­stein, der MySQL von einem schnel­len schlan­ken Web-​Datenbanksystem zu einer all­ge­mein ein­setz­ba­ren leis­tungs­fä­hi­gen Daten­bank in pro­fes­sio­nel­len und Hoch­ver­füg­bar­keits­um­ge­bun­gen gemacht hat. Auch hier fasst Monty zusam­men, wie sich die Situa­tion nach dem Oracle-​Aufkauf darstellt:

Die Art und Weise wie Ora­cle mit dem InnoDB-​Aufkauf umge­gan­gen ist, lässt mich nicht hof­fen, dass Ora­cle irgend­et­was von dem oben Geschrie­be­nen macht, wenn sie nicht dazu ver­pflich­tet werden.

Bei InnoDB sieht es so aus:

  • Es gibt Bug­fi­xes (aber hier gab es auch eine ver­trag­li­che Verpflichtung)
  • Neue Funk­tio­nen, wie zum Bei­spiel die vor dem Auf­kauf ange­kün­digte Kom­pres­sion, haben drei Jahre für die Umset­zung gebraucht
  • Es gibt keine Zeit­pläne und kei­nen Ein­blick in die Entwicklung
  • Die Com­mu­nity konnte nicht an der Ent­wick­lung mitarbeiten
  • Von Benut­zern (z.B. Google) ein­ge­brachte Patches, die die Per­for­mance gestei­gert hät­ten, wur­den erst implementiert/​veröffentlicht, nach­dem Ora­cle den Kauf von Sun bekannt­ge­ge­ben hatte
  • Ora­cle hat die Ent­wick­lung von „InnoDB+” begon­nen, einer ver­bes­ser­ten Closed-​Source-​Version von InnoDB
  • Letzt­lich musste Sun eine eigene InnoDB-​Version abspal­ten, nur um die Geschwin­dig­keit des Codes zu verbessern.

Monty schreibt nicht ganz zu unrecht, dass es jetzt dar­auf ankommt, ein Gegen­ge­wicht zu den von Ora­cle ani­mier­ten Ein­ga­ben an die EU-​Kommission zu schaf­fen. 2003 bis 2005 war ich sehr aktiv in der Bewe­gung gegen die Soft­ware­patent­di­rek­tive der EU. Dort führte der mas­sive Pro­test letzt­lich zum Erfolg. Also: Ver­brei­tet diese Nach­richt wei­ter und wen­det euch auf die oben beschrie­bene Weise an die EU-​Kommission.

OpenSuSE 11.2: Kein Glück mit ATI-​Grafik

Heute ist Open­SuSE 11.2 raus­ge­kom­men. Wir haben in der Firma ein Abo und bekom­men immer die aktu­elle DVD zuge­schickt. Die lan­det dann umge­hend im Netz­werk und für­da­hin kön­nen wir quasi belie­big viele Rech­ner par­al­lel instal­lie­ren. Heute haben wir dann gleich mal ver­sucht, zwei Work­sta­tions test­weise umzu­stel­len. Beide sind mit etwas älte­ren ATI-​Grafikkarten mit zwei DVI-​Ausgängen bestückt. Und auf bei­den ließ sich die Gra­fik nicht ver­nünf­tig ansteuern:

  • Beim Kol­le­gen war der gesamte Desk­top schnarch­lahm und die 3D-​Unterstützung nicht akti­vier­bar. Der Ver­such, aktu­elle Trei­ber von ATI zu instal­lie­ren, schei­terte und die Trei­ber lie­ßen sich trotz gegen­tei­li­ger Behaup­tun­gen im README nicht der SuSE-​Kernelversion verknüpfen.
  • Bei mir war die 3D-​Unterstützung zwar aktiv, jed­we­der Ver­such, OpenGL oder Com­po­siting zu benut­zen, hat die Ober­flä­che aber so kom­plett ein­ge­fro­ren, dass nur noch ein Hard­ware­re­set(!) half — die Kiste ließ sich nicht mal mehr von außen per „reboot” neu starten.

Dazu kommt noch, dass ganz offen­sicht­lich etli­che KDE4-​Programme immer noch nicht die gan­zen klei­nen Details ihrer KDE3-​Pendants beherr­schen. So gibt es im Gwen­view anschei­nend wei­ter­hin nicht das sehr ele­gante Anti­alia­sing, das die KDE3-​Version noch konnte und das KPa­nel (bzw. sein KDE4-​Pendant) lässt sich nicht über zwei Moni­tore im Xinerama-​Betrieb verteilen.

Nach die­sen Erfah­run­gen haben jetzt beide erst­mal wie­der das bis­he­rige SuSE 11.1 als Default im Boot­ma­na­ger ein­ge­stellt und war­ten mal min­des­tens ab, bis es ein ATI-​Repository mit funk­tio­nie­ren­den Gra­fik­trei­bern gibt. Kom­plet­tes Ein­frie­ren geht irgend­wie gar nicht.

Fai­rer­weise muss man aller­dings sagen:

  • Die Instal­la­tion ist noch­mal glat­ter als die schon sehr, sehr glatte Ver­sion bei der 11.1 und mein Kol­lege, der zu Hause Kubuntu benutzt, war immer wie­der erstaunt, wie viele Kon­fi­gu­ra­ti­ons­ni­cke­lig­kei­ten mit YaST aus­ge­bü­gelt werden.
  • Auf mei­nem Acer-​Travelmate-​8371-​Laptop funk­tio­niert die 11.2-rc1 fast per­fekt. Hier nervt nur, dass sie kein Suspend-​To-​RAM beherrscht — beim Wie­der­auf­wa­chen boo­tet der Rech­ner neu. Das kann man aber wei­test­ge­hend weg­kon­fi­gu­rie­ren und ansons­ten wird die Hard­ware mit Aus­nahme des Fin­ger­ab­druck­sen­sors voll­stän­dig unter­stützt. Das war bei der 11.1 noch ganz anders.

Schauen wir mal, wie sich die Trei­ber­ver­füg­bar­keit in den nächs­ten Tagen und Wochen ent­wi­ckelt. Ich muss aber geste­hen, dass mir immer noch nicht wohl bei der Vor­stel­lung ist, mei­nen wirk­lich gut funk­tio­nie­ren­den KDE-​3-​Desktop gegen die KDE-​4-​Version ein­zu­tau­schen. Ich glaube, da gibt es immer noch eine erheb­li­che Menge an Ecken und Kanten.

10 Jahre Dipl.-Math.

Damit ich es nicht ver­gesse: Vor genau 10 Jah­ren, am 1999-​07-​22, habe ich meine letzte Diplom­prü­fung erfolg­reich abge­legt. Seit zehn Jah­ren bin ich jetzt also schon kein Stu­dent mehr. Als zeit­ge­schicht­li­ches Doku­ment hier meine E-​Mail, die ich damals kurz nach der Prü­fung an Freunde und Bekannte schickte (in der Fami­lie hatte noch nie­mand die­ses „Internet”…):


Hallo aller­seits,
[Adres­sa­ten befin­den sich im BCC-​Feld (=unsicht­bare Kopie), des­halb siehst du nur mich als Emp­fän­ger. Die eMail geht aber an viele Leute gleichzeitig.]

habe soeben meine letzte münd­li­che Diplom­prü­fung erfolg­reich hin­ter mich gebracht. Bin also dem­nächst wirk­lich und wahr­haf­tig mit einem aka­de­mi­schen Titel ver­se­hen. :-)

Ciao, Dirk


Dirk Hill­brecht, Han­no­ver — City of the Expo 2000, Ger­many
dirk@​hillbrecht.​de — http://​www​.hill​brecht​.de
I don’t speak for anyone else but me, mys­elf, and I.
„Win­dows kann abstürzen” — Heise Newsti­cker, 2.3.1999

Ja, das waren noch Zei­ten. Da musste man den Emp­fän­gern noch erklä­ren, was es mit „BCC” auf sich hat. Heute muss man Angst haben, dass eine E-​Mail wegen sowas im Spam­fil­ter lan­det. Man beachte auch die Usenet-​kompatible Signa­tur mit necki­schem Spruch, coo­lem Zitat und dezen­tem Hin­weis auf damals noch in der Zukunft lie­gende Groß­ver­an­stal­tung in Han­no­ver, deren Über­reste seit nun­mehr fast neun Jah­ren im Süd­os­ten des Stadt­ge­biets vor sich hin rot­ten. Der eigent­li­che Inhalt dage­gen ist eher kurz gehal­ten. Ich erin­nere mich, dass ich die Prü­fung, es war „Infor­ma­tik”, mit der Note 1,7 abge­schlos­sen habe und mein Diplom die Gesamt­note „Gut” hat. Inter­es­siert hat sich dafür seit mei­nem Abschluss aber kei­ner. Trotz­dem — war schon sinn­voll, das Stu­dium abzu­schlie­ßen und nicht irgend­wann mit­ten­drin abzu­bre­chen und ohne Abschluss in die Wirt­schaft zu gehen, wie einige Kom­mi­li­to­nen das damals in den wil­den 1990er Jah­ren gemacht haben.

Jython memory leak/​Out Of Memory problem

Note: This arti­cle has been unpublis­hed for quite some time. It’s main parts date back to Decem­ber 2007. The­re­fore, if some ver­sion num­ber seem to be out­da­ted — I am refer­ring to the state it had back those days.

We have a Java app­li­ca­tion with embed­ded Jython script­ing engine. The Jython scripts do mass com­pu­ta­ti­ons on data sets. So far, we had 3000 – 4000 data sets in one chunk maxi­mum. Now, a new cust­o­mer starts and will have 8000 and more data sets.

„No big deal,” I thought. And star­ted the test run one day before our cust­o­mer will have the whole thing run­ning on the pro­duc­tion sys­tem for the first time. Com­pu­ta­tion starts: 1000… 2000… 3000… 4000… 5000… bang „Out of memory. You should try to increase heap size”. The ser­ver app­li­ca­tion halts com­ple­tely and wit­hout any fur­ther warning.

I’m a bit sho­cked. The big pro­blems always arise at place where one would defi­ni­tely not expect them. I start cir­cum­ven­tion attempts: Split­ting the run into smal­ler chunks — does not work. Reinitia­li­zing the Jython environ­ment perio­di­cally — makes things worse. Repla­c­ing our rather out­da­ted (but other­wise func­tio­nal) Jython 2.1 with the then-​current Jython 2.2.1 — does not mat­ter. I do not seem to have a chance to cycle more than about 5200 times through the script before I catch an „Out of memory” situa­tion — or have to restart the whole ser­ver process.

Weird. What should I tell the cust­o­mer? „Well, you can­not run your com­pu­ta­ti­ons in one step. Start with the first half, then call us, we will restart the ser­ver, then do the second half.” ??? Not a really pro­fes­sio­nal way of doing things. Even more sur­pri­sing, loo­king at the memory situa­tion with Runtime.freeMemory() and fri­ends shows that there is no shor­tage of memory at all. Actually, when the app­li­ca­tion cras­hes, it has used not more than 600 MB out of 2048 MB heap space and more than 50 MB are mar­ked as „free”. This is not pre­ci­sely what I would sum­ma­rize as „out of memory”…

Finally, poking Google once more brings the solu­tion. I find an arti­cle about just a simi­lar pro­blem. For­t­u­na­tely, it has a solu­tion and even explains what’s going on: Jython has an inter­nal map­ping of PyXXX wrap­pers to Java objects. The default con­fi­gu­ra­tion uses nor­mal refe­ren­ces which makes these map­pings resis­tant to gar­bage collec­tion. Due to mecha­nisms I do not fully under­stand, this leads to enor­mous growth of the map­ping set and finally an out-​of-​memory-​situation with the inter­nal resource management.

For­t­u­na­tely, the solu­tion is as sim­ple as put­ting a

System.setProperty(„python.options.internalTablesImpl”,„weak”);

some­where in the code before the Jython sub­sys­tem is initia­li­zed. Then, the inter­nal table is built with weak refe­ren­ces and sud­denly, ever­y­thing runs smoothly. The 8000 data sets are no pro­blem any more and I can deli­ver the app­li­ca­tion as expec­ted. Lucky me.

There is only one ques­tion remai­ning: What kind of para­psy­cho­lo­gi­cal abi­li­ties are deve­l­o­pers expec­ted to have to find such a solu­tion wit­hout having the luck to find an arti­cle descri­bing this. And: Why the heck does Jython not use weak refe­ren­ces as default? I could not find any pro­blems or even speed penalties.

WLAN mit Linux II

In einem frü­he­ren Arti­kel habe ich ja schon von einer etwas zähen WLAN-​Installation auf einem ent­fern­ten Rech­ner geschrie­ben. Heute abend bekomme ich wie­der einen Anruf: „Der Rech­ner geht nicht mehr ins Inter­net.” Mit­tels Remote Hands mache ich mich auf die Suche. „rcnet­work sta­tus” fällt zum Thema wlan0-​Device nur ein wenig erhel­len­des „dead” ein. /​var/​log/​messages bringt auch nicht so rich­tig eine Erleuch­tung. Erst bei „uname –a” werde ich hell­hö­rig: Der Ker­nel ist vom 31.3., hat eine höhere Ver­si­ons­num­mer als mei­ner und der Upda­ter auf mei­nem eige­nen Rech­ner bie­tet mir ein Kernel-​Update an.

Aha! Kernel-​Update, neues /​lib/​firmware-​Unterverzeichnis, und was fehlt? Natür­lich: Die hän­disch ins alte Ver­zeich­nis kopierte Datei. Ich sage mei­nen Remote Hands (erneut jemand, der in der Windows-​Welt zu Hause ist) die Kopier­be­fehle an. Ein­mal Raus– und wie­der Ein­ste­cken des USB-​WLAN-​Sticks stellt die Ver­bin­dung wie­der her. Alle sind glück­lich und ich werde wohl dem­nächst mal ein klei­nes Skript auf dem Rech­ner instal­lie­ren, das bei jedem Hoch­fah­ren prüft, ob die Trei­ber­da­tei im rich­ti­gen Firm­ware­ver­zeich­nis liegt. Etwa so:

rsync –a /​etc/​neededfirmware/​/lib/firmware/‚uname –r‚

Das würde dann sogar uni­ver­sell für andere Firmware-​Blobs funk­tio­nie­ren. ACHTUNG! Der Befehl oben ist einst­wei­len unge­tes­tet! Im Zwei­fels­fall erst­mal testen!

WLAN mit Linux

Gerade habe ich einen USB-​WLAN-​Stick unter Linux kon­fi­gu­riert. Pro­blem: Ich hier, der Rech­ner 200 km ent­fernt. Ein Schau­spiel in drei Akten.

1. Akt: Beim Mit­tag­es­sen bekomme ich einen Anruf: „Du, mein Rech­ner soll jetzt per WLAN ins Inter­net. Wir ste­hen hier gerade im Media-​Markt, was nimmt man denn da? Auf den Packun­gen steht immer nur Win­dows und Mac OS.” Ich gebe auf gut Glück „wlan dlink linux” bei Google ein und finde einen Blog­post. Fein. Ich frage also: „Ist das ein D-​Link DWL-​G122 mit Hard­ware C1 und Firm­ware 3.0?” Ich glaube ja selbst nicht daran, dass das so genau auf der Ver­pa­ckung steht, aber über­ra­schen­der­weise lau­tet die Ant­wort: „Ja, steht da so drauf.” Freude macht sich breit, zumal die läng­li­che Trei­ber­in­stal­la­ti­ons­an­lei­tung auf der Web­seite seit Ker­nel 2.6.24 Geschichte ist — der Trei­ber ist seit­dem inte­griert.

2. Akt: Etwa eine Stunde spä­ter wie­der ein Anruf: „Geht nicht.” Nun, das war ja zu erwar­ten. Ich spiele fern­münd­lich ein wenig an den Netz­werkein­stel­lun­gen herum. Der Rech­ner ist von mir selbst ein­ge­rich­tet, top­ak­tu­elle Hard­ware und mit einer voll durch­ak­tua­li­sier­ten SuSE 11.1 aus­ge­stat­tet. Mein Mit­strei­ter ist zum Glück com­pu­te­raf­fin, aller­dings in der Win­dows­welt zu Hause. Trotz­dem gelingt es uns zunächst nicht, den WLAN-​Stick zu irgend­ei­ner Zusam­men­ar­beit zu bewe­gen. Erst als er bei­läu­fig erwähnt, da wäre beim ers­ten Ein­ste­cken so eine Mel­dung gekom­men mit einem nöti­gen Paket oder so, fällt bei mir der Gro­schen: Der Stick braucht eine Firm­ware! Und die ist bei SuSE stan­dard­mä­ßig nicht dabei. Argh!

3. Akt: /​var/​log/​messages ver­rät den Namen der Firm­ware­da­tei: rt73.bin. Wir fin­den sie beide etwa gleich­zei­tig an ver­schie­de­nen Stel­len im Inter­net. Per USB-​Stick kön­nen wir sie auf den Rech­ner ver­frach­ten und ein­mal raus– und rein­ste­cken des Sticks lässt die Sonne auf­ge­hen. Plötz­lich blinkt er und ver­bin­det sich mit dem WPA-​WLAN, als hätte er nie etwas ande­res gemacht. Nach Raus­schmiss der bis­he­ri­gen eth0-​Verbindung aus der Kon­fi­gu­ra­tion funk­tio­niert dann auch das Rou­ting und alle sind glück­lich. Kom­men­tar: „Warum ist das bei euch unter Linux immer so umständlich?”

Tja, warum eigent­lich? Warum ist die Firm­ware nicht von vorn­her­ein auf der SuSE-​CD? Alter­na­tiv: Warum ist die Datei nicht auf der CD, die beim WLAN-​Stick dabei ist? Alter­na­tiv: Warum fin­det sie sich nicht auf Web­seite? Es könnte alles so ein­fach sein — und bei mei­nem Centrino-​Chipsatz im Lap­top ist es das auch schon seit Jahren…

Naja, ich bin ja ein posi­tiv den­ken­der Mensch. Ich glaube, in nicht allzu fer­ner Zukunft wer­den sich Her­stel­ler sol­che Igno­ranz schlicht nicht mehr leis­ten kön­nen. DLink habe ich dies­be­züg­lich mal gefragt, wie sie das so sehen. Bin mal gespannt, ob ich eine Ant­wort bekomme.

Nach­trag: Mitt­ler­weile sehe ich, dass wohl ein einfaches

zyp­per install ralink-​firmware

das Pro­blem eben­falls gelöst hätte. Aber warum macht das Yast nicht automatisch?

KDE 4.1: Noch nicht brauchbar

Mit Ein­tref­fen der SuSE-11.1-DVD habe ich mei­nem Lap­top mal wie­der eine Neu­in­stal­la­tion gegönnt. Bis­lang war noch SuSE 10.3 in Ein­satz und ich wollte doch mal schauen, ob die eine oder andere Schrulle viel­leicht weg ist.

Eine der Neue­run­gen ist, dass SuSE 11.1 das neue KDE 4 als Stan­dard­desk­top anbie­tet. KDE 3 ist zwar noch ent­hal­ten, aber unter „fer­ner lie­fen”. Mit­ge­lie­fert wird das aller­ak­tu­ellste KDE 4.1.3, in das zudem noch KDE-4.2-Backports inte­griert wur­den. Ich habe das also mal als Stan­dard­desk­top installiert.

Über­zeu­gen konnte mich das alles aber noch nicht. Um es mal kurz zu machen:

  • DPMS funk­tio­niert nicht, bei mei­nem Lap­top bleibt das Back­light an, wenn ich län­ger nichts mache. Das ist natür­lich schon­mal ganz prima…
  • Ich habe es nicht hin­be­kom­men, die gra­fi­sche Umge­bung von root auf etwas ande­res als Eng­lisch ein­zu­stel­len. Nicht dass ich’s oft bräuchte, aber ner­vig ist’s schon…
  • Kon­queror ist lang­sam. Es dau­ert gefühlte Ewig­kei­ten, bis eine Seite dar­ge­stellt wird, dabei erfreuen sich Netz und Anbin­dung bes­ter Gesundheit.
  • Die Icons der lau­fen­den Pro­gramme in der Start­leiste ver­hal­ten sich komisch. Sie wer­den nicht ein­ge­blen­det wie die Leiste selbst, erschei­nen dafür aber häu­fig (nicht immer) mit teil­weise (nicht voll­stän­dig) schwar­zem Hintergrund.
  • Bei mei­ner bevor­zug­ten Arbeits­weise, viele vir­tu­elle Ober­flä­chen, auf denen viele Shells und andere Pro­gramme zu Beginn gestar­tet wer­den, ist die Fens­ter­liste in der Start­leiste völ­lig unbrauch­bar. Win­zigste Icons ohne jeden Text dane­ben sind ein­fach weder aus­sa­ge­kräf­tig noch bedien­bar. Da braucht es noch der mehr­zei­li­gen Anzeige und der Grup­pie­rung vom KDE-​3-​Desktop.
  • In mei­nem „Die Start­leiste soll nor­ma­ler­weise aus­ge­blen­det sein”-Arbeitsmodus ver­has­pelt sie sich gerne mal und bleibt dann auf einem der vir­tu­el­len Bild­schirme hän­gen. Dann kann man auf die Suche gehen, weil sie näm­lich auf den ande­ren vir­tu­el­len Bild­schir­men nicht mehr her­vor­hol­bar ist.
  • Durch die Unzu­läng­lich­kei­ten von Fens­ter­liste und Start­leiste ist der Compositing-​Zoom zum Über­blick über alle Arbeits­flä­chen auf ein­mal unab­ding­bar. Lei­der habe ich mir damit die Ober­flä­che aber in zwei Tagen drei­mal gecrasht. Und das ist dann schließ­lich das Knock-​Out-​Kriterium, denn nichts macht die Pro­duk­ti­vi­tät mehr zu Nichte als eine abstür­zende Ober­flä­che, die nur noch einen har­ten Reset zulässt.

Ich habe jetzt erst­mal wie­der KDE 3.5.10 par­al­lel auf das Lap­top gepackt. Da ist jetzt erst­mal alles wie­der am gewohn­ten Platz und funk­tio­niert so wie es soll, ins­be­son­dere die Fens­ter­leiste und — ganz wich­tig — DPMS. Wei­tere Expe­ri­mente kön­nen gerne fol­gen, aber erst­mal muss es wohl noch ein paar SuSE-11.1-Updates zum KDE geben…

Xen, Deviceänderungen und „Hotplug scripts not working”

Xen-​Dom0, Ker­ne­lup­date, Reboot und… Röhre. :-( Die DomUs fah­ren nicht mehr hoch und hän­di­sches Hoch­fah­ren bringt die Feh­ler­mel­dung „Device 768 (vbd) could not be con­nec­ted. Hot­plug scripts not working.” WTF?!? Suchen im Inter­net för­dert schließ­lich einen (heute nicht mehr ver­füg­ba­ren) Arti­kel zu Tage. Die lus­tige Feh­ler­mel­dung will sagen, dass das Fest­plat­ten­de­vice nicht gefun­den wer­den konnte. Hm. Prü­fen: In der Tat: aus /​dev/​sda ist jetzt plötz­lich /​dev/​sdc gewor­den. Und auf der jetzt neu als /​dev/​sda fir­mie­ren­den Platte gibt’s keine Par­ti­tion 11. Ein Glück…

Ich habe jetzt den Gerä­te­ein­trag in der Xen-​Beschreibungsdatei geän­dert von

disk=[ 'phy:/dev/sda11,hda,w', ]

auf

disk=[ 'phy:/dev/disk/by-id/scsi-SATA_SAMSUNG_HD250HJS0URJ9DPC62609-part11,hda,w', ]

das sollte vor wei­te­ren unlieb­sa­men Über­ra­schun­gen schüt­zen. Wie in dem refe­ren­zier­ten Blog-​Eintrag aber auch schon geschrie­ben, dies ist ein schö­nes Bei­spiel dafür, wie Feh­ler­mel­dun­gen nicht gestal­tet sein sollten.