Po­di­ums­dis­kus­si­on von „Platz­Da!“ zum Lin­de­ner Markt­platz: Ein Abend der ko­gni­ti­ven Dis­so­nanz 12


Kognitive Dissonanz ist der unangenehme Gefühlszustand, wenn ein Mensch mehrere Wahrnehmungen, Meinungen oder Wünsche hat, die nicht miteinander vereinbar sind. – Wikipedia, leicht gekürzt.

Stadtplanung und Nutzung des öffentlichen Raumes sind hochbrisante Themen. Hauptgrund: Die Resourcen sind strikt begrenzt, jeden Platz in einer Stadt gibt es schließlich nur einmal.

Lastenräder und Stadtmöbel auf dem Lindener Marktplatz: Keimzelle der Platz-Da-Initiative

Lastenräder und Stadtmöbel auf dem Lindener Marktplatz: Keimzelle der Platz-Da-Initiative

Wozu das führt, konnte man gestern sehr schön im Lindener Rathaus sehen. Im Gig-Saal hatte die Stadtteilinitiative „Platz Da!“ zur Podiumsdiskussion geladen: „Wie wollen wir leben in unseren Stadtteilen“ war das Motto. „Platz Da!“ hat im vergangenen Jahr einige subversive Umnutzungsaktionen auf dem Lindener Marktplatz veranstaltet und damit alternative Nutzungskonzepte für diesen sonst in großen Teilen als kostenlose Parkfläche verwendeten Stadtteilplatz aufgezeigt. Mit der Diskussionsveranstaltung sollte dieser Faden nun weitergesponnen werden.

Oliver Thiele eröffnet die Veranstaltung

Oliver Thiele eröffnet die Veranstaltung

Der Vortrag

Eine Einordnung versuchte zunächst Professor Heiner Monheim aus Trier. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Stadt- und Verkehrsplanung. Seine Grundthese ist einfach: Lebensraum in der Stadt kann nur entstehen, wenn man sich in ihm wohlfühlt, auch als Radfahrer oder Fußgänger. Stadtteilzentren wie der Lindener Markt leben zum allergrößten Teil von „Nahmobilität“ – und die wird zu Fuß zurückgelegt. Dafür sollte man Platz schaffen.

Prof. Heiner Monheim

Prof. Heiner Monheim

Spannend fand ich, dass Monheim etwas beklagte, das auch ich sehe: In Hannover hat sich die Stadtplanung von einer systematischen stadtweiten Gestaltung des öffentlichen Raumes hin zu einem Klein-klein entwickelt. Er wies auf den ehemaligen Stadtbaurat Hanns Adrian hin, der attraktive Hauptfußwegachsen wie die Lister Meile oder die Lange Laube beplant hatte und bedauerte, dass diese Konzepte nicht weiter verfolgt worden seien.

Auch Quartiersentwicklung müsse nach einem stadtweiten „Masterplan“ erfolgen – sonst besteht die Gefahr, dass nur einzelne Viertel aufgewertet werden und damit Verdrängungsprozesse, die sogenannte „Gentrifizierung“, in Gang gesetzt werden.

Schließlich sollte das Ergebnis von Verkehrsberuhigung nicht einfach nur „weniger Autoverkehr“ sein, sondern „schönere Orte“; nicht Barrieren, sondern für jeden erkennbar mehr Fläche. Monheim verwies hier auf die sehr erfolgreichen Konzepte in Kopenhagen:

Bauen wir nicht primär Ampeln, sondern Bäume, nicht primär Poller, sondern Sitzmöglichkeiten. – Heinrich Monheim über Verkehrsberuhigung.

Das Podium

Damit war die Grundlage für das Podium gelegt. Und es zeigte sich sehr schnell, dass die Bretter dick sind, die da gebohrt werden müssen.

Da war zum Beispiel Astrid Ries, Geschäftsführerin des Hutgeschäfts „Hut up“ direkt am Lindener Marktplatz. Prof. Monheim hatte gerade erst ausgeführt, dass vielfache Studien seit 30 Jahren nachweisen, dass der Stadtteil-Einzelhandel nur zu einem kleinen Teil mit dem Auto aufgesucht wird. 80-90% der Kunden kämen zu Fuß – aber die Einzelhändler und ihre Lobby halten bis heute an dem extremen Vorurteil fest, die Autofahrer würden den Hauptteil ihrer Kunden ausmachen, selbst wenn man ihnen das Gegenteil mit Zahlen nachweist. Monheim wörtlich: „Sie haben es nicht begriffen.“

Astrid Reis, Geschäftsführerin des Hutgeschäfts

Astrid Reis, Geschäftsführerin des Hutgeschäfts „Hut up“

Und wie zum Beweis erzählt dann Frau Ries, dass sie selbst in der Tat keinen Besucherrückgang während der mehrwöchigen Baustelle am Lindener Markt mit Sperrung für den Autoverkehr habe feststellen können, „andere aber schon“. Insofern wären nahe Parkplätze doch wichtig. Frage Monheim: „Ist Samstag Ihr bester Tag? Da sind die Parkplätze wegen des Wochenmarktes aber gar nicht da.“ Ries sieht keinen Zusammenhang: „Samstag ist doch für jedes Geschäft der beste Tag.“ Die Nachfrage von Monheim, ob sie in ihren Flyern angibt, wo Kunden parken können, erzeugt geradezu Fassungslosigkeit: „Nö. Natürlich nicht.“ Hier ist mir zum ersten Mal der Begriff „kognitive Dissonanz“ in den Sinn gekommen.

Dann Daniel Gardemin, Vorsitzender des Stadtverbandes der hannoverschen Grünen, Fraktionsvorsitzender im Bezirksrat und Ratsherr. Es klingt fast wie eine Entschuldigung, als er am Anfang erklärt, dass er ja befangen sei, weil er kein eigenes Auto habe und Carsharing machen würde. Und es klingt fast ein wenig resigniert, wenn er resumiert, dass in den letzten 25 Jahren schon mehrere Initiativen daran gescheitert seien, die „massiven Probleme“ mit dem Autoverkehr in Linden zu verringern. Trotz zugeparkter Ecken und gefährdeten Kindern. Eine Zuschauerin beschreibt später anschaulich, dass der 2 Kilometer lange Schulweg ihrer Tochter vor 15 Jahren quer durch die Südstadt ungefährlicher gewesen sei als die 200 Meter ihres Sohnes heute im Bereich des Lindener Marktplatzes.

Grünen-Ratsherr Daniel Gardemin

Grünen-Ratsherr Daniel Gardemin

Aber Gardemin versucht sich weiter am Ausgleich. Er berichtet von der Anwohnerumfrage der Grünen in Linden-Mitte. 60% der rückmeldenden Anwohner sagen: „Autos stören im Stadtbild.“ 50% der selben rückmeldenden Anwohner sagen: „Ich möchte auf meinen Parkplatz nicht verzichten.“ Gardemin nennt es „Konflikt“, ich denke mir ein weiteres Mal: „Wie halten die Lindener diese kognitive Dissonanz aus?“ Aus dem Publikum wird derweil bemerkenswert aggressiv die Aussagekraft der Ergebnisse angezweifelt, da die statistische Basis zu gering erscheint – trotz der Widersprüchlichkeiten in den Aussagen selbst. Gardemin muss die Einwürfe schließlich abblocken: „Ich führe hier jetzt keine Methodendiskussion.“

Stimmig das Gesamtbild der CDU-Regionsabgeordneten und -Ortsvorsitzenden Katrin Göllinger. Ihre Aussagen an diesem Abend auf dem Podium könnten in weiten Teilen einem Ratgeber „Die besten Vorurteile über CDU-Verkehrspolitik in beispielhaften Aussagen“ entnommen sein: Autos? Die sind halt da und die Leute müssen sie abstellen können. Plätze? Gibt es doch genug. Und überhaupt, der Küchengartenplatz ist ständig vermüllt. Stadtgrün? Gleich nebenan ist doch der Von-Alten-Garten, ein wunderschöner Park, viel schöner als der Lindener Marktplatz. Monheim dazu: „Jeder Jeck is‘ anders. Es gibt auch Menschen, die nicht in der Grünanlage sitzen wollen, sondern da wo Leben ist.“

CDU-Regionsabgeordnete Katrin Göllinger

CDU-Regionsabgeordnete Katrin Göllinger

Geradezu grotesk wird es, als ein Zuschauer fordert, aus internationalen guten Beispielen zu lernen und den Parkraum massiv einzuschränken. Göllinger macht daraus eine „Verdrängung von Menschen“ und sagt: „Das finde ich nicht gut, einfach ‚Autos rausschmeißen‘ ist mir zu mager.“ Erst im Schlusswort relativiert sie das ein wenig und freut sich über jeden, der das Auto stehen lässt und Fahrrad fährt.

Das Plenum

An vielen Stellen bleibt der Abend im Ungefähren. Ja, sagt der anwesende Kontaktbeamte der Polizei, es wird viel falsch geparkt. Wenn dadurch Kinder auf dem Schulweg gefährdet werden, dann redet er mit den Besitzern. Aber Abschleppen? Das sei kompliziert.

Aufstehsoziogramm zu Beginn der Veranstaltung

Aufstehsoziogramm zu Beginn der Veranstaltung

Man müsse erstmal feststellen, so ein Zuschauer, woher die Menschen eigentlich kommen, die auf dem Lindener Marktplatz parkten, und wo sie hinwollten. Er selbst ist auf sein Auto angewiesen und zahlt 50 EUR/Monat für einen Parkplatz, weil der Lindener Marktplatz immer voll ist. Gleichzeitig berichtet der Geschäftsführer des Carsharing-Anbieters Stadtmobil von der Unmöglichkeit, Parkplätze im öffentlichen Raum zu bekommen, was ein Wachstum der Flotte in Linden massiv behindert. Und über allem schwebt irgendwann die mehrfach geäußerte Überlegung, die ganze Sache mit den Autos sei in Deutschland ja auch deshalb so wichtig, weil so viele Arbeitsplätze von der Autoindustrie abhängen.

Die Königin der kognitiven Dissonanz wird für mich aber die Rednerin aus dem Publikum, die ihre innere Zerissenheit auf den Punkt bringt: Eigentlich wären weniger Autos auf dem Lindener Marktplatz ja schön, damit man sich dort treffen kann. Aber sie hat halt selbst ein Auto, weil sie – des Arbeitsweges wegen – einfach nicht darauf verzichten kann.

Lastenräder auf dem Lindener Marktplatz. Ansonsten war das Fahrrad eher Randthema.

Lastenräder auf dem Lindener Marktplatz. Ansonsten war das Fahrrad eher Randthema.

Wesentlich stringenter werden die Beiträge aus dem Publikum, wenn es zum Thema „Fahrrad“ kommt. Verschiedene Benachteiligungen im Verkehrsraum und insbesondere an Verkehrsknoten werden genannt. Ein Zusammenhang wird hergestellt zwischen dieser Marginalisierung und zunehmenden Aggressionen, denen sich Radfahrer im Straßenverkehr ausgesetzt sehen. Eine Zuschauerin wird deutlich: „Politik und Zeitungen in Hannover sind autofreundlich und radfahrfeindlich.“ Insgesamt sind mehrere Wortmeldungen unzufrieden, dass die Diskussion diesen Abend sich zu einem derart großen Teil um den Autoverkehr und die Parkplatzproblematik dreht und den Radverkehr kaum thematisiert.

Mein Fazit

Der Abend war interessant als Veranstaltung zum allgemeinen Meinungs- und an vielen Stellen auch Wissensaustausch. Initiativen wie Platz Da! müssen darauf jetzt aber aufbauen und wirkliche Forderungen an Politik und Stadtgesellschaft formulieren. Ein „Weiter so“ bei der Autoverkehrspolitik ist nicht möglich, schon jetzt reicht der Platz kaum aus. Aber für ein lebenswertes Viertel für alle Einwohner muss mehr passieren: Der Autoverkehr wird einen Teil des von ihm seit Jahrzehnten blockierten öffentlichen Raumes abgeben müssen, damit andere Verkehrs- und Nutzungsformen wieder mehr Raum bekommen.

Leitete souverän die Veranstaltung: Felix Kostrzewa

Leitete souverän die Veranstaltung: Felix Kostrzewa

Nur auf dieser Grundlage sind die Ideen von Platz Da! letztlich umzusetzen. Und das täte Linden und dem Lindener Marktplatz gut. Es ist grotesk, eine zentrale Freifläche in einem dicht besiedelten Stadtteil als Parkplatz zu verschwenden. Zwar ist leider eine gesellschaftliche Realität, dass es auf die erwähnte Umfrage der Grünen auch Rückmeldungen gibt mit dem Tenor: „Lieber Autos als Kinder auf dem Platz, die machen keinen Krach.“ Aber dies kann nicht die Grundlage gesellschaftlichen Handelns sein. Und auch den wohl geplanten Antrag der Grünen im Bezirksrat, wenigstens einen Teil der Parkplätze auf dem Marktplatz zu streichen, halte ich höchstens für einen Schritt auf einem längeren Weg – zumal nicht klar ist, ob er angenommen wird und was dann von der Verwaltung umgesetzt wird.

Überhaupt, die Verwaltung. Auch bei dieser Veranstaltung fehlte sie mal wieder und auch bei dieser Veranstaltung kristallisierte sich heraus, dass mit ihrem Handeln ein Großteil innovativer Verkehrs- und Stadtentwicklungskonzepte steht und fällt. Politik und Stadtgesellschaft müssen sich hier deutlich positionieren, damit sich die Verwaltung hier endlich anfängt zu bewegen.

Größer als der Lindener Marktplatz aber autofrei und lebendig: Piazza Navona, Rom

Größer als der Lindener Marktplatz aber autofrei und lebendig: Piazza Navona, Rom

Platz Da! sollte sich in diesem Sinne sammeln und klare Forderungen stellen. Wenn hier im Sinne von Prof. Monheim die Attraktivität anderer Nutzungskonzepte genauso klar wird wie die Qualitätssteigerung, die damit für den Lindener Marktplatz und das ganze Viertel einhergehen, dann lässt sich meines Erachtens deutlich mehr erreichen ein paar weggepollerte Parkplätze. Aber Trommeln gehört zum Handwerk; und in diesem Fall muss das Trommeln vielleicht besonders laut sein. Sonst bleibt die kognitive Dissonanz bestehen, in der Menschen zwar das Auto irgendwie nicht gut finden, auf ihren liebgewonnen Parkplatz vor der Haustür aber auch nicht verzichten wollen. Am 2017-09-16 ist das nächste Treffen der Initiative.


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12 Gedanken zu “Po­di­ums­dis­kus­si­on von „Platz­Da!“ zum Lin­de­ner Markt­platz: Ein Abend der ko­gni­ti­ven Dis­so­nanz

  • Ullie

    Auf­fäl­lig ist, das kei­ner in der Dis­kus­si­on es ge­wagt hat Krie­te­ri­en da­für auf­zu­stel­len, oder aber zu­min­dest ei­nen Krie­te­ri­en­ka­ta­log da­für ein­zu­for­dern, was drin­gend not­wen­di­ger Au­to­ver­kehr ist und wel­che Form von Au­to­ver­kehr ver­zicht­bar ist. Da­bei gibt es da­füer ei­ne be­reits vor Jahr­zehn­ten er­stell­tes Ras­ter:
    Wirt­schafts­ver­kehr (in­klu­si­ve ret­tungs­diens­te, Ver- und Ent­sor­gung) ist not­wen­dig.
    Ar­beit­stät­ten­zu­brin­ger­ver­kehr, Frei­zei­ot­stät­ten­zu­brin­ger­ver­kehr und Ein­kaufs­stät­ten­zu­brin­ger­ver­kehr ist ver­zicht­ba­rer Au­to­ver­kehr.
    Ent­spre­chend sind Be­rech­ti­gun­gen zu er­tei­len oder eben nicht zu er­tei­len da­für, wer ein Au­to in der Stadt be­nut­zen kann und wer nicht.
    Was hin­ge­gen gar nicht geht ist Ver­kehrs­po­li­tik, wie Hil­brecht sie be­treibt: Den Rück­bau des Kla­ges­mark­tes als Zer­stö­rung von Grün­flä­chen zu kri­ti­sie­ren, ob­wohl die Grün­flä­che im In­ne­ren des Krei­sels nie zu­gäng­li­ch war.
    Ei­ne Ver­dich­tung der Be­bau­ung zu kri­ti­sie­ren, ob­wol da­bei oft le­dig­li­ch Park­plät­ze be­baut wer­den, je­den­falls kei­ne wert­vol­len Plät­ze zer­stört wer­den.
    Und dann no­ch auf den Grü­nen rum­ha­cken mit dem Ar­gu­ment, sie sei­en ja ei­ne „Ver­bots­par­tei“ nur weil sie als ein­zi­ge im Par­tei­en­spek­trum es wa­gen dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es in der Ver­kehrs­po­li­tik ein „Wei­ter so“ nicht ge­ben darf.
    Und das Al­ler­letz­te kommt von der Pi­ra­ten­par­tei, die den ober­ir­di­schen Aus­bau der Li­nie 10/17 im Wahl­kampf po­pu­lis­ti­sch aus­ge­schlach­tet hat, ob­wohl ge­n­au das zu ei­ner Ver­kehrs­wen­de bei­trägt, wenn die Stadt­bahn nicht dem Au­to­ver­kehr zu Lie­be un­ter die Er­de ver­bannt wird.
    Man kann es na­tür­li­ch auch über den Preis re­geln, dann aber wer­den wir no­ch viel mehr Ge­me­cker à la Strat­zek zu hö­ren be­kom­men.

  • Stratzek

    „Auch Quar­tier­s­ent­wick­lung müs­se nach ei­nem stadt­wei­ten „Mas­ter­plan“ er­fol­gen – son­st be­steht die Ge­fahr, dass nur ein­zel­ne Vier­tel auf­ge­wer­tet wer­den und da­mit Ver­drän­gungs­pro­zes­se, die so­ge­nann­te „Gen­tri­fi­zie­rung“, in Gang ge­setzt wer­den.“

    Ge­n­au das wer­fe ich den Platz­da-Ak­ti­vis­ten vor. Den geht es no­ch nicht mal um den gan­zen Stadt­teil, son­dern nur um „ih­re“ Stra­ßen rund um den Lin­de­ner Markt­platz.

    Der Au­to­ver­kehr (ein­schließ­li­ch der Bus­li­nie) soll in die Stra­ßen Fal­ken­stra­ße, Schwar­zer Bär, Blu­me­n­au­er, Fös­se­str. ab­ge­drängt wer­den. Sie selbst wol­len aber nicht auf ih­ren PKW ver­zich­ten und for­dern An­woh­ner­stra­ßen und -park­plät­ze für si­ch. Es ist doch klar, dass ein so mit Pri­vat­stra­ßen ab­ge­grenz­tes Dorf no­ch mehr Bes­ser­ver­die­nen­de an­lockt und die Mie­ten wei­ter stei­gen. Wenn man üb­ri­gens die Lis­te mit den Platz­da-Un­ter­stüt­zern auf de­ren Blog durch­liest, ste­hen da fast nur Leu­te mit gu­ten Jobs. Auch mit Ei­gen­tums­woh­nun­gen? Das fällt doch auf.

    Ge­gen Lärm und Ab­ga­se muss stadt­weit vor­ge­gan­gen wer­den. 30km/​h auf al­len Stra­ßen, al­te Die­sel­s­tin­ker raus, ra­sche Ver­bes­se­rung der Fahr­ra­d­in­fra­struk­tur. Neue Park­plät­ze schaf­fen, wie von den Platz­Da-Leu­ten im Ih­me­zen­trum ge­for­dert, ist je­den­falls kei­ne Lö­sung.

    • Dirk Hillbrecht Autor des Beitrags

      Mit dem Zi­tat am An­fang be­zieht si­ch Prof. Mon­heim al­ler­dings auf die Stadt­ver­wal­tung und -po­li­tik, nicht auf lo­ka­le In­itia­ti­ven. Es liegt in der Na­tur der Sa­che, dass die die Si­tua­ti­on vor der ei­ge­nen Haustür im Bli­ck ha­ben – des­halb ha­ben sie si­ch ja zu­sam­men­ge­fun­den.

      Vom „Ab­drän­gen des Au­to­ver­kehrs“ fin­de ich bei Platz­Da nichts, viel­mehr geht es um die Un­ter­bin­dung von _Durch­gangs_-Ver­kehr – und ei­ne men­schen­ge­rech­te­re Re­or­ga­ni­sa­ti­on des ru­hen­den Ver­kehrs. Ih­re Ein­las­sun­gen zu „Pri­vat­stra­ßen“ und Ih­re Ver­mu­tun­gen be­züg­li­ch Ein­kom­mens- und Ei­gen­tums­ver­hält­nis­sen über­schrei­ten m.E. die Gren­ze von der Kri­tik zur Po­le­mik.

      • Stratzek

        Al­so dann er­klä­ren Sie mal: Wo bleibt denn ihr „un­ter­bun­de­ner Durch­gangs­ver­kehr“? Lö­sen si­ch die Au­tos in Luft auf?

        Die platz­da-Ak­ti­vis­ten ma­chen kei­nen Hehl dar­aus, dass sie den Bus 100 in die Fal­ken­stra­ße um­lei­ten und die Au­tos in die Blu­me­n­au­er ab­schie­ben wol­len (sie­he de­ren Blog). Wenn die Park­plät­ze auf dem Lin­de­ner Markt­platz näm­li­ch oh­ne Er­satz auf­ge­ge­ben wer­den, par­ken die Au­tos die Geh- und Rad­we­ge zu. Wie man es jetzt schon oft in Lin­den sieht.

        Was mei­nen Sie? Ha­ben die An­woh­ner der Fal­ken­stra­ße, Blu­me­n­au­er­stra­ße, Fös­se­stra­ße kein An­recht auf Ver­kehrs­be­ru­hi­gung, auf gu­te Luft für si­ch und ih­re Kin­der?

        • Dirk Hillbrecht Autor des Beitrags

          Sie ver­knüp­fen Din­ge, die nichts mit­ein­an­der zu tun ha­ben, es geht hier um den Lin­de­ner Markt­platz und nicht um die Blu­me­n­au­er Stra­ße. Und Sie pos­tu­lie­ren Pro­ble­me, die kei­ne sind, denn Falsch­par­ker kann man ab­schlep­pen.

          Ab­ge­se­hen da­von: Ja, ei­ne gu­te Ver­kehrs- und Stadt­in­fra­struk­tur führt tat­säch­li­ch zu we­ni­ger Au­tos, da dann Men­schen ihr Au­to ab- bzw. nicht an­schaf­fen, son­dern auf al­ter­na­ti­ve Ver­kehrs­mit­tel (ÖPNV, Rad, Car­sha­ring) um­stei­gen. In­so­fern nüt­zen In­itia­ti­ven wie Platz­Da lang­fris­tig der gan­zen Stadt.

          • Stratzek

            Ih­re Aus­sa­ge ist fal­sch. Sie ken­nen die Zie­le der Platz­da-Ak­ti­vis­ten nicht und sie sind of­fen­bar mit der Ver­kehrs­si­tua­ti­on in Lin­den nicht ver­traut. Falsch­par­ker wer­den in Lin­den nur ab­ge­schleppt, wenn die Stra­ße blo­ckiert ist, z.B. Bus­se oder Stra­ßen­bah­nen nicht mehr durch­kom­men. Bei zu­ge­park­ten Rad- und Geh­we­gen pas­siert gar nichts. Sie zi­tie­ren doch in ih­rem ei­ge­nen Ar­ti­kel hier ei­nen Po­li­zei­be­am­ten der sagt, dass „Ab­schlep­pen kom­pli­ziert“ wä­re.

            Sie soll­ten si­ch schon die Mü­he ma­chen den Platz­da-Blog zu le­sen. Ich blei­be auch bei mei­ner Aus­sa­ge, dass mit ei­ner evtl. Um­set­zung de­rer Vi­sio­nen die Gen­tri­fi­zie­rung in Lin­den ge­för­dert wird.

            War­um nicht Ver­bes­se­run­gen schaf­fen, die nicht un­mit­tel­bar auf Kos­ten an­de­rer Stra­ßen ge­hen?

            Mit ei­ner Fahr­rad­stra­ße Eli­sen­stra­ße -Ste­pha­nus­stra­ße wä­re ich ein­ver­stan­den. 30 km/​h, auch auf Haupt­stra­ßen. Park­plät­ze nur schritt­wei­se ab­bau­en und nicht im Blo­ck, um Park­cha­os zu ver­mei­den.
            Kla­res Nein zu An­lie­ger­stra­ßen und -park­plät­zen!

        • Ullie

          Für die Bus­li­nie 100 ist ge­ra­de am Lin­de­ner Markt­platz die Bus­hal­te­stel­le aus­ge­baut wor­den, so dass jetzt an al­len drei Tü­ren ei­nes Ge­lenk­bus­ses ein- und aus­ge­stie­gen wer­den kann, oh­ne si­ch an par­ken­den Au­to ent­lang­zwän­gen zu müs­sen. Da will und wird kei­ner die Om­ni­bus­li­nie ver­le­gen. Und ja! Da­für sind ein bis zwei Park­plät­ze weg­ge­fal­len! Und das ist gut so, auch wenn Strat­zek dann viel­leicht ir­gend­wel­che wüs­ten Ver­schwö­rungs­theo­ri­en dar­über ent­wi­ckelt, wer da wen ver­drän­gen möch­te oder aber vor­gibt im all­ge­mei­nen In­ter­es­se zu han­deln, aber in Wirk­lich­keit an­geb­li­ch nur sei­ne ganz pri­va­ten ver­folgt.
          Das müss­test du Strat­zek doch an al­ler­ers­ter Stel­le all je­nen un­ter­stel­len, die si­ch für mehr Park­plät­ze im Stadt­teil stark ma­chen. Ver­fol­gen die ent­spre­chend dei­nem Denk­an­satz nicht zu­al­ler­er­st ihr ganz pri­va­tes In­ter­es­se an ei­nem kos­ten­frei­en Stell­platz für ihr Au­to?

          • Stratzek

            Tja Ull­rich,
            auch dir muss ich lei­der vor­hal­ten, dass du den Blog der platz­da-Ak­ti­vis­ten gar nicht ge­le­sen hast. Auf wel­cher Grund­la­ge wollt ihr ei­gent­li­ch mit mir dis­ku­tie­ren?

            Die Um­lei­tung der Bus­li­nie 100 ist er­klär­tes Ziel der Ak­ti­vis­ten.
            Und für mehr Park­plät­ze ma­che nicht ich mi­ch, son­dern die Ak­ti­vis­ten si­ch stark, in dem sie Stadt­teil­ga­ra­gen for­dern.

            Du wirst kei­nen Thre­ad mit mir fin­den, wo ich mehr Park­plät­ze for­de­re, egal ob kos­ten­pflich­tig oder gra­tis. Ich möch­te aber, dass die Plät­ze am Lin­de­ner Markt­platz zur­zeit no­ch er­hal­ten blei­ben, um Park­cha­os zu ver­mei­den. Denn ge­n­au die­ser wür­de dann zum An­lass ge­nom­men, den Ver­kehr in an­de­re Stra­ßen ab­zu­drän­gen.