Der Nahverkehrs-Adventskalender (22): Karlsruhe, Karl-Friedrich-Straße, 2010


Karl-Friedrich-Straße in Richtung Marktplatz

Karl-Fried­rich-Stra­ße in Rich­tung Markt­platz

Nach­dem Karls­ru­he ja schon die eine oder ande­re Erwäh­nung in die­sem Advents­ka­len­der hat­te, stammt das heu­ti­ge Foto selbst von dort. Wir befin­den uns in der Innen­stadt und bli­cken die Karl-Fried­rich-Stra­ße ent­lang in Rich­tung Markt­platz. Vor­ne links fährt eine Stra­ßen­bahn der Linie 5 am Ron­del­l­platz gera­de um den Obe­lis­ken her­um. Im Hin­ter­grund ist ein Zug der S-Bahn­li­nie S1 in die zu sehen, der gleich die Hal­te­stel­le Markt­platz erreicht. Noch dahin­ter befin­det sich das Schloss, von dem aus­ge­hend sich der bekann­te Stra­ßen­fä­cher der Karls­ru­her Innen­stadt auf­spannt.

Karls­ru­he ist welt­wei­ter Vor­rei­ter für einen eng ver­knüpf­ten inner- und über­ört­li­chen Nah­ver­kehr. Seit Anfang der 1990er Jah­re wur­de suk­zes­si­ve eine gro­ße Anzahl von Regio­nal­stre­cken, seit­her auch hier „Stadt­bahn” genannt und mit dem S-Bahn-„S” abge­kürzt, direkt mit dem inner­städ­ti­schen Stra­ßen­bahn­netz ver­knüpft. Welt­weit erst­mals wur­den dazu Fahr­zeu­ge ein­ge­setzt, die sowohl als Eisen­bahn- als auch als Stra­ßen­bahn­fahr­zeu­ge ver­keh­ren kön­nen und unter ande­rem auch mit den unter­schied­li­chen Strom­sys­te­men bei­der Net­ze klar­kom­men. Das Sys­tem hat­te einen immensen Erfolg und die Attrak­ti­vi­tät des Nah­ver­kehrs in der gesam­ten Regi­on Karls­ru­he nach­hal­tig gestei­gert. Mitt­ler­wei­le berüh­ren die Außen­äs­te des Karls­ru­her Net­zes die Net­ze der Rhein-Neckar-Regi­on, Stutt­garts und sogar Frei­burgs.

Der Erfolg des Karls­ru­her Sys­tems hat auch dazu geführt, dass der Ver­kehr im Kern­be­reich des „klas­si­schen” Stra­ßen­bahn­net­zes enorm ange­stie­gen ist. Vor allem die zen­tra­le Ach­se längs der Kai­ser­stra­ße lei­det unter enor­mem Ver­kehrs­auf­kom­men, sodass hier mitt­ler­wei­le der kri­ti­sche Punkt für eine wei­te­re Ange­bots­stei­ge­rung liegt. Karls­ru­he des­halb seit die­sem Jahr an einer umfas­sen­den Umge­stal­tung des Innen­stadt­net­zes: In den nächs­ten zehn Jah­ren wird unter der Kai­ser­stra­ße ein Stra­ßen­bahn­tun­nel ent­ste­hen, der durch ober­ir­di­sche Stre­cken und eine völ­lig neue Stre­cke auf der par­al­lel ver­lau­fen­den Kriegs­stra­ße ergänzt wird. Im End­aus­bau­zu­stand wird dann der zen­tra­le Teil der Kai­ser­stra­ße und die mitt­le­re Ver­bin­dung vom Markt­platz zum Haupt­bahn­hof aus­schließ­lich unter­ir­disch erschlos­sen.

Und das ist der Grund, war­um das heu­ti­ge Foto in eini­gen Jah­ren mehr­fach his­to­risch sein wird: Zum einen wer­den die alten hoch­flu­ri­gen Stra­ßen­bahn­fahr­zeu­ge irgend­wann in den nächs­ten Jah­ren auch auf der Linie 5 in den Ruhe­stand geschickt wer­den, wobei das letz­te ver­blie­be­ne Pro­blem der Radi­us der Wen­de­schlei­fe am öst­li­chen End­punkt Rint­heim und der Gleis­ab­stand auf den letz­ten weni­gen hun­dert Metern dort­hin ist. Zum ande­ren wird es aber schlicht an die­ser Stel­le so gegen 2019 kei­ne Glei­se mehr geben, weil die ent­spre­chen­de Stre­cke dann unter­ir­disch ver­läuft. Bis es soweit ist wird man aber wei­ter­hin im Stop-and-Go-Ver­kehr über die Kai­ser­stra­ße und den Markt­platz gon­deln kön­nen.

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