Er­mäch­ti­gungs­ge­setz ver­ab­schie­det

Heute abend ha­ben sie in na­ment­li­cher Ab­stim­mung tat­säch­lich ernst ge­macht. Un­ter ei­nem blöd­sin­ni­gen und letzt­lich ja auch ir­gend­wie ega­len Vor­wand, in dem ir­gendwo das Wort „Kin­der­por­no­gra­fie“ vor­kam, wur­den Mei­nungs­frei­heit, Zen­sur­frei­heit und der Grund­ge­danke ei­nes Staa­tes, der sich aus prin­zi­pi­el­len Er­wä­gun­gen in sei­nen Mit­teln be­schränkt, in den Wind ge­schrie­ben. Als im Ge­hei­men agie­rende Staats­po­li­zei sorgt sich das BKA in Zu­kunft um die Si­cher­heit im Staat. Das ganze der­art dreist mit fei­gen­blätt­ri­gen Be­ru­hi­gungs­pil­len aus­staf­fiert, dass ei­nem schlecht wird. Ich nenne es „Er­mäch­ti­gungs­ge­setz“, ganz in der Tra­di­tion sei­nes his­to­ri­schen Vor­bilds – bloß dass es da­mals zu­min­dest eine ge­wisse Par­tei trotz gro­ßen Dru­ckes nicht zu­ge­stimmt hat und zu­min­dest eine his­to­ri­sche Rede da­bei ab­ge­fal­len ist.

Für die Pi­ra­ten­par­tei hat die Ab­stim­mung üb­ri­gens ein grö­ße­res lo­gis­ti­sches Pro­blem ge­bracht: Trotz ei­ni­ger Red­un­danz und Last­ver­tei­lungs­maß­nah­men war Lö­schen Statt Sper­ren, die Ko­or­di­na­ti­ons­seite zu den De­mons­tra­tio­nen am 2009-06-20, etwa 90 Mi­nu­ten lang nur schwer er­reich­bar. Der An­sturm war so groß, dass der Ser­ver kaum hin­ter­her­kam, ob­wohl wir ge­rade erst Aus­bau­ten we­gen der Eu­ro­pa­wahl vor­ge­nom­men hat­ten, die auch ganz or­dent­lich funk­tio­niert ha­ben. Mitt­ler­weile (0:20 Uhr am Frei­tag) läuft al­les wie­der sta­bil.

Kommt zu den De­mos am 2009-06-20, je­weils um 12 Uhr auch in ei­ner Stadt in dei­ner Nähe!

Nun­denn, die Aus­ein­an­der­set­zung ist noch lange nicht be­en­det. Ins­be­son­dere den Ab­ge­ord­ne­ten der CDU – auch diese Par­tei möchte ich hier im Blog ja mal er­wäh­nen – lege ich fol­gende Worte ans Herz:

Der Drang des Men­schen, sein Le­ben in Würde, frei von Un­ter­drü­ckung und staat­li­cher Will­kür, zu füh­ren, Per­spek­ti­ven zu ha­ben und im Den­ken und Han­deln krea­tiv sein zu dür­fen, war auf Dauer stär­ker als ein staat­li­ches Un­ter­drü­ckungs­re­gime.

Wer das wohl ge­sagt hat…

8 Antworten to “Er­mäch­ti­gungs­ge­setz ver­ab­schie­det”


  • Der Be­griff Er­mäch­ti­gungs­ge­setz trifft es nicht so ganz, lei­der kann ich aber eine ge­wisse Wie­der­ho­lung von Din­gen nicht ganz so von mir wei­sen. Ich würde dies an­ge­sichts mei­ner Fa­mi­li­en­ge­schichte gerne.

    Die Na­zis wa­ren, wie an­dere Be­we­gun­gen auch, ziem­lich fun­da­men­ta­lis­tisch. Sie kann­ten kei­nen für de­mo­kra­ti­sche Ge­sell­schaf­ten üb­li­chen Aus­gleich der In­ter­es­sen, kein ernst­haf­tes Hin­ter­fra­gen der ei­ge­nen Ar­gu­mente, kein rin­gen um die beste Lö­sung für ein Pro­blem.

    Lei­der be­lehrt mich das Le­ben, daß die Frage der In­ter­net­sper­ren in ei­ner Art und Weise durch­ge­drückt wurde, die ich als pro­ble­ma­tisch an­sehe.

    Ich habe über Tauss ei­nige Stun­den im Netz re­cher­chiert. Mal ab­ge­se­hen von sei­ner per­sön­li­chen Schuld, für die ich ihn ver­ur­tei­len würde, wäre ich sein Rich­ter, war der Ver­käu­fer der Kin­der­por­nos of­fen­bar ein sel­ten blö­der Mensch oder ein V-mann des BKA bzw. ei­ner ähn­li­chen Be­hörde.

    Sa­scha H. aus Bre­mer­ha­ven (29, La­ger­ar­bei­ter) hat of­fen­bar zwi­schen sei­nen Ge­richts­ter­mi­nen ( er wurde Ende 2007 we­gen Be­sit­zes von Kin­der­por­nos zu 9 Mo­na­ten auf Be­wäh­rung ver­ur­teilt ) und ob­wohl ihm die Po­li­zei folg­lich für die­ses Ver­fah­ren die Com­pu­ter etc. be­schlag­nahmt hat, noch be­vor er rechts­kräf­tig ver­ur­teilt war, dies­mal an 51 Per­so­nen Kin­der­por­nos ver­trie­ben. Tauss zählte zu den 51 Per­so­nen.

    Dann fol­gen ei­nige Wun­der, die glatt als gött­li­che Wun­der durch­ge­hen wür­den. Aus­gangs­punkt ist wohl Pots­dam, wo zwar sonst Rech­ner über Mo­nate in der Aus­wer­tungs­war­te­schlange blei­ben, aber die StA Pots­dam hat ei­nen Zu­falls­fund auf ei­nem KiPO-PC, näm­lich ei­nen Dan­kes­brief an Sa­scha H. für eine Kin­der­porno-DVD. Die­ser Brief geht im Som­mer 2008 an die StA Bre­mer­ha­ven, die am Fol­ge­tag bei Sa­scha H. die zu­min­dest zweite Haus­su­chung durch­führt.

    Je­den­falls scheint die StA Bre­mer­ha­ven den Dan­kes­brief nicht der ers­ten Haus­su­chung (im Zh. mit der Ver­ur­tei­lung Ende 2007) zu­zu­ord­nen, son­dern er­kennt neue, noch un­be­kannte Ta­ten.

    Je­den­falls fin­det die zweite Haus­su­chung wohl er­neut KiPo-Ma­te­rial bei Sa­scha H.

    Hier ist nun klar, daß ver­mut­lich die Be­wäh­rung wi­der­ru­fen wer­den dürfte, also 9 Mo­nate Haft für Sa­scha H. an­ste­hen. Eine U-Haft we­gen Flucht­ge­fahr ver­zeich­net das In­ter­net aber nicht. Ge­mäß StA be­stehe keine Wie­der­ho­lungs­ge­fahr.

    Sa­scha H. ist ko­ope­ra­ti­ons­be­reit und be­nennt wohl die PIN für die Han­dies. Über die Te­le­fon­bü­cher der Han­dies wer­den 51 Per­so­nen er­mit­telt und an die ent­spre­chen­den StA ab­ge­ge­ben.

    Die StA Karls­ruhe muß den Fall Tauss also un­ge­fähr im Som­mer, Spät­som­mer oder Herbst 2008 er­hal­ten ha­ben.

    Neue Er­kennt­nisse in der Frage gab es lt. In­ter­view der Nord­see­zei­tung mit OStA Frank Schmitt von der StA Bre­mer­ha­ven of­fen­bar nicht, weil der zum In­ter­view­zeit­punkt, dem 6.3.09 oder 5.3.09,

    http://​www​.nord​see​-zei​tung​.de/​H​o​m​e​/​N​a​c​h​r​i​c​h​t​e​n​/​S​t​a​r​t​s​e​i​t​e​/​K​i​n​d​e​r​p​o​r​n​o​s​-​5​1​-​V​e​r​d​a​e​c​h​t​i​g​e​-​_​a​r​i​d​,​1​1​5​4​4​4​_​p​u​i​d​,​1​_​p​a​g​e​i​d​,​5​2​.​h​tml

    keine Aus­sa­gen tref­fen konnte.

    Je­den­falls schläft die Sa­che ohne Er­mitt­lungs­ver­fah­ren in der StA Karls­ruhe vor sich hin. Plötz­lich, ver­mut­lich durch gött­li­ches Wir­ken, eine Vi­sion, eine Er­leuch­tung lei­tet die StA Karls­ruhe Ende Fe­bruar 2008 ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ge­gen Tauss ein und in­for­miert folg­lich pflicht­ge­mäß min­des­tens 48 Stun­den vor­her den Prä­si­den­ten des dt. Bun­des­ta­ges.

    Am 5.3.09 ha­ben sich die Er­kennt­nisse so ver­dich­tet, daß das AG Karls­ruhe ei­nen Durch­su­chungs­be­schluß er­läßt und der Im­mu­ni­täts­aus­schuß des BT am 5.3.09 um 12:43 Uhr die Durch­su­chung ge­stat­tet.

    Tat­sach­lich fin­det die Po­li­zei Ki­Po_­Ma­te­rial, wel­ches Tauss lt. sei­ner ei­ge­nen Aus­sage (Er­klä­rung vom 11.3.09) nach dem Ende sei­ner Er­mitt­lun­gen in ei­nen Kof­fer ver­packt hat. Hier liegt dann auch seine Schuld, denn die wei­tere Auf­be­wah­rung „für alle Fälle“, mag zwar der schwä­bi­schen Spar­sankeit gut an­ste­hen, ist aber als Be­sitz straf­bar.

    Je­den­falls sieht der Fall nach ei­ner simp­len Netz­re­cher­che über­ei­nige Stun­den von all­ge­mein zu­gäng­li­chen Me­dien so aus, als könne er be­rech­tigt in ei­ner Reihe mit dem Cel­ler Loch ( wel­ches wir dem Va­ter von Frau von der Leyen, Ernst Al­brecht ver­dan­ken ) und auch dem Fall Glei­witz ge­nannt wer­den.

    Ich hoffe doch, daß sich ir­gend­eine Zei­tung die­ser Fra­gen im Ti­ming an­nimmt. ich selbst bin kein Jour­na­list.

    Ja, rich­tig Er­mäch­ti­gungs­ge­setz trifft die Sa­che un­ge­nau.

    Wenn ich bei der Sa­che nicht den Lü­gen ei­ner Menge Jour­na­lis­ten auf­ge­ses­sen bin, die to­ta­len Mist ver­öf­ent­licht ha­ben, dann sind die Pro­bleme er­heb­lich grö­ßer als nur das Wort Er­mäch­ti­gungs­ge­setz.

    Mit Quel­len: http://​pe​ti​ti​ons​fo​rum​.de/​v​i​e​w​t​o​p​i​c​.​p​h​p​?​p​i​d​=​3​2​9​8​#​p​3​298

  • Dass ich das noch mal er­le­ben werde, hätte ich nicht ge­dacht: aus dem In­ter­net her­aus ent­wi­ckelt sich eine breite, au­ßer­par­la­men­ta­ri­sche Pro­test­be­we­gung, die mit den Zen­sur­ge­setz nicht ein­ver­stande ist.

    Jetzt kann es nur heis­sen, wei­ter so!!!

  • Ich habe den Be­griff „Er­mäch­ti­gungs­ge­setz“ durch­aus mit Be­dacht ge­wählt. Das „Ge­setz zur Be­he­bung der Not von Volk und Reich“ war der Schlüs­sel zur Ab­schaf­fung der De­mo­kra­tie in Deutsch­land im Jahr 1933. Es hatte ei­nen ver­schlei­ern­den Na­men, es be­zog sich auf ei­nen kon­stru­ier­ten An­lass und es wurde von ei­ner Mehr­heit des Reichs­ta­ges an­ge­nom­men, ob­wohl viele Ab­ge­ord­nete es nicht gut hie­ßen.

    All diese Punkte er­kenne ich beim „Zu­gangs­er­schwer­nis­ge­setz“ wie­der. Die Zu­kunft wird zei­gen, ob und wie es auf an­ti­de­mo­kra­ti­sche Weise ein­ge­setzt wird, aber von al­len ge­fähr­li­chen Ge­set­zen, die in den letz­ten Jah­ren in Deutsch­land ver­ab­schie­det wur­den, ist dies aber das ge­fähr­lichste. Auch ist es das­je­nige, das – wie das Ge­setz von 1933 – am ehes­ten Grund­lage für an­dere, noch wei­ter von ei­nem de­mo­kra­ti­schen Staat weg­füh­rende Ge­setze sein kann.

    Aus heu­ti­ger Sicht und un­ter Be­rück­sich­ti­gung der un­ter­schied­li­chen Um­stände der je­wei­li­gen Zei­ten halte ich den Ver­gleich (wohl­be­merkt: nicht die Gleich­set­zung) für ge­recht­fer­tigt.

  • Ich stimme Thilo zu. Mit Na­zi­ver­glei­chen er­reicht man nur, dass man sich ar­gu­men­ta­tiv in die Enge drängt. Jede Dis­kus­sion kann mit ei­nem Na­zi­ver­gleich ab­ge­bro­chen wer­den. Das ha­ben wir denke ich nicht nö­tig. Es gibt ge­nug ein­leuch­tende Gründe ge­gen Zen­sur etc, auch ohne un­sere dunkle Ge­schichte zu be­mü­hen.

  • Bei al­ler be­rech­tig­ten Em­pö­rung über die Ver­ab­schie­dung des Zu­gangs­er­schwe­rungs­ge­set­zes ist der Ver­gleich mit dem Er­mäch­ti­gungs­ge­setz ab­so­lut un­an­ge­mes­sen. Ein Über­den­ken der ent­spre­chen­den For­mu­lie­run­gen ist aus mei­ner Sicht drin­gend ge­bo­ten.

  • Auch wenn ich ver­ste­hen kann, wieso hier der Be­griff „Er­mäch­ti­gungs­ge­setz“ ver­wen­det wird (er be­schwört Vi­sio­nen ei­ner düs­te­ren Zu­kunft), emp­finde ich das als äu­ßerst un­pas­send. In Deutsch­land ist es zwar fast schon nor­mal, zu be­lie­bi­gen The­men ei­nen Nazi-Ver­gleich zu zie­hen, aber das sollte dann bitte mit Au­gen­maß er­fol­gen. So schlimm die Ein­füh­rung von Netz­sper­ren auch ist – an die Trag­weite des Er­mäch­ti­gungs­ge­set­zes kommt sie bei wei­tem noch nicht heran. In der ak­tu­el­len Dis­kus­sion kann ein über­spitz­ter Ver­gleich zu­dem eher schäd­lich sein, da da­durch Glaub­wür­dig­keit ver­lo­ren geht.

  • Das Ge­setz „Er­mäch­ti­gungs­ge­setz“ zu nen­nen ist denk­bar ge­schichts­los. Bei al­lem sons­ti­gen in­halt­li­chen Ein­ver­ständ­nis ist meine Emp­feh­lung an viele Leute in der In­ter­net-Szene sich mit leicht­fer­ti­gen Nazi-Ver­glei­chen zu­rück­zu­hal­ten. Der Ver­such da­mit ei­nen Punkt deut­li­cher zu ma­chen kann leicht zum Boo­me­rang wer­den.

  • Das Ge­setz zur In­ter­net­zen­sur fügt sich naht­los ein in eine lange His­to­rie von Ge­set­zen zum Ab­bau von Bür­ger­rech­ten und De­mo­kra­tie in Deutsch­land. Ver­fas­sungs­feinde und Grund­ge­setz­ge­fähr­der sit­zen heute in Mi­nis­ter­äm­tern.

    Doch die sog. „Volks­par­teien“ tref­fen zu­neh­mend auf Kri­tik und Wi­der­stand. Die „Ge­ne­ra­tion C64 (Spie­gel) be­ginnt ge­rade erst, sich als re­le­vante Wäh­ler­grup­pie­rung zu er­he­ben. Je­der von ih­nen, der bei Wah­len ge­gen CDUC­SUSPDFDP­GRÜNE stimmt, ent­zieht die­sen Sys­tem­par­teien Macht und Geld in Form von Ver­lus­ten an Man­da­ten und Staats­geld für die Par­tei­kasse.

Hinterlasse eine Nachricht

Mit dem Absenden des Kommentars willigen Sie ein, dass der angegebene Name, Ihre E-Mail-Adresse und die IP-Adresse Ihres Zugangs im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar gespeichert werden. E-Mail- und IP-Adresse werden nicht veröffentlicht oder weitergegeben. Siehe Datenschutzhinweise.