Mit Ursula von der Leyen auf dem Lindener Marktplatz in Hannover – Erlebnisse eines Piraten 51


Alle Fotos in die­sem Arti­kel sind von Jor­ge-Alber­to Reich und CC-BY-SA-lizen­ziert.

Am Sams­tag gab sich Frau von der Ley­en die Ehre auf dem Lin­de­ner Markt­platz in Han­no­ver. Eini­ge Han­no­ver­sche Pira­ten woll­ten sich nicht ent­ge­hen las­sen, das mal anzu­schau­en und in geeig­ne­ter Form zu beglei­ten.

Los ging’s um zehn Uhr mor­gens. Alle wich­ti­gen Par­tei­en hat­ten rund um die Stra­ßen­kreu­zung neben dem Markt­platz ihre Info­stän­de auf­ge­baut. Alle? Nicht ganz. Die Pira­ten hat­ten zwar kei­nen eige­nen Info­stand, aber irgend­wie waren da plötz­lich zwölf Leu­te. Und die sind dann alle mal rüber zur CDU, als Ursu­la dort ein­traf. Und wir waren nicht mal die ein­zi­gen. Wei­te­re poli­tisch inter­es­sier­te Bür­ger gesell­ten sich zu uns, teil­wei­se pas­send mit „Zensursula”-T-Shirts beklei­det.

Piraten treffen beim CDU-Infostand ein

Pira­ten tref­fen beim CDU-Info­stand ein, Foto von Jor­ge-Alber­to Reich, CC-BY-SA

Wenig erfreut waren die etwa sie­ben loka­len CDU-Leu­te am Stand. Sie hät­ten es wohl wesent­lich lie­ber gese­hen, wenn man sie in Ruhe und unwi­der­spro­chen ihre Unwahr­hei­tenInfor­ma­tio­nen unters Volk hät­te brin­gen las­sen, aber immer­hin soll­te das hier sowas wie ’ne Bür­ger­sprech­stun­de sein. Und Bür­ger sind ja nun mal auch wir.

Kai hat dann auch umge­hend das Gespräch gesucht. War aber nicht so ein­fach. Mit fun­dier­ten Gegen­mei­nun­gen kon­fron­tiert, wählt Frau von der Ley­en wohl am liebs­ten die „Mono­logstra­te­gie” – das heißt Kai wur­de so lan­ge zuge­tex­tet, bis alle Phra­sen abge­ar­bei­tet waren: „Natür­lich wol­len wir kei­ne Zen­sur, die Netz­sper­ren sind die bes­te Lösung über­haupt, bla bla bla”. Ein­ge­hen auf Nach­fra­gen: Fehl­an­zei­ge.

Kai im Gespräch mit Frau von der Leyen

Kai im Gespräch mit Frau von der Ley­en, Foto von Jor­ge-Alber­to Reich, Bear­bei­tung dh, CC-BY-SA

Die jun­ge Dame auf dem Bild trug übri­gens ein Schild mit der Auf­schrift „Weg­schau­en statt bekämp­fen? Sper­ren statt löschen?”. Sie wur­de von Frau von der Ley­en mit den Wor­ten begrüßt: „Sie sind also dafür, dass man sich im Inter­net Kin­der­por­nos anschau­en kann?!” Da erüb­rigt sich jeder wei­te­re Kom­men­tar. Die­je­ni­gen, die die­se „Gesprä­che” live gehört hat­ten (ich stand lei­der etwas zu weit weg), haben spä­ter ein­hel­lig gemeint, Frau von der Ley­en hät­te sich voll­stän­dig merk­be­freit gezeigt. Es scheint so, die Frau glau­be wirk­lich und gera­de­zu fana­tisch dar­an, sie wür­de da etwas ganz Tol­les zu Wege brin­gen. In so einer Situa­ti­on sind ratio­na­le Argu­men­te lei­der völ­lig nutz­los und eigent­lich ist das ja einer der Grün­de, war­um Glau­be und Fana­tis­mus in einer frei­heit­li­chen Demo­kra­tie nichts ver­lo­ren haben. Womit wir wie­der bei des Pudels Kern ange­kom­men sind, wenn es um Frau von der Ley­en und ihr Ver­ständ­nis von Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­fra­struk­tu­ren geht…

Nach etwa zehn Minu­ten Zwiegesprä­chen neben dem CDU-Stand ging es dann auf den Markt­platz. Und ob nun gleich ganz vorn…

Auf dem Marktplatz

Auf dem Markt­platz, Foto von Jor­ge-Alber­to Reich, CC-BY-SA

…beim Fisch­stand…

Am Fischstand

Am Fisch­stand, Foto von Jor­ge-Alber­to Reich, CC-BY-SA

…beim Kaf­fee- und Tee­stand…

Am Kaffee- und Teestand

Am Kaf­fee- und Tee­stand, Foto von Jor­ge-Alber­to Reich, CC-BY-SA

…oder bei all den ande­ren Stän­den, an denen Frau von der Ley­en das Gespräch mit dem Wäh­ler such­te: Im Hin­ter­grund war immer ein knap­pes Dut­zend Men­schen, die mit Pla­ka­ten deut­lich mach­ten, dass sie mit der Poli­tik und den Ansich­ten von Frau von der Ley­en nicht ein­ver­stan­den sind. All die­se Men­schen waren die gan­ze Zeit über freund­lich und zurück­hal­tend: Alle sind immer brav hin­ter der CDU-Entou­ra­ge und Frau von der Ley­ens eige­nen Auf­pas­sern geblie­ben, nie­mand hat sich auch von den gele­gent­li­chen Remp­lern des einen oder ande­ren CDU­lers nur im gerings­ten pro­vo­zie­ren las­sen, nie­mand hat sich irgend­wo in den Weg gestellt oder auch nur ein ein­zi­ges „Gespräch” zwi­schen Frau von der Ley­en und den Bür­gern gestört.

Trotz­dem fin­gen die drei anwe­sen­den Poli­zis­ten nach etwa 15 Minu­ten an, von einem Groß­teil der anwe­sen­den Geg­ner die Per­so­na­li­en auf­zu­neh­men. Die Begrün­dung war, es hand­le sich hier um „unan­ge­mel­de­te Ver­samm­lung” und das wur­de dann dann am Hoch­hal­ten der Pla­ka­te fest­ge­macht oder – bei denen, die kei­ne Pla­ka­te dabei hat­ten – dar­an, dass sie halt „mit­lau­fen wür­den” und damit auch zu die­ser „Ver­samm­lung” gehör­ten.

Personalienaufnahme am Rande des Marktspaziergangs

Per­so­na­li­en­auf­nah­me am Ran­de des Markt­spa­zier­gangs, Foto von Jor­ge-Alber­to Reich, CC-BY-SA

So eine Begrün­dung ent­behrt auf einem beleb­ten Markt­platz nicht einer gewis­sen Iro­nie. Ich weiß nicht, ob das jetzt ein Ein­schüch­te­rungs­ver­such war, eine pro­phy­lak­ti­sche Maß­nah­me falls es zu Ran­da­le käme oder ob die CDU gefor­dert hat­te, da „müs­se doch was getan wer­den gegen die­se Stö­rer”. Ich weiß nur, dass kei­ner der betei­lig­ten Pro­tes­tie­rer sich davon beein­dru­cken ließ, alle Schil­der blie­ben oben und Frau von der Ley­en blieb ihre Beglei­tung treu.

(Nach­trag: Beim Max fin­dest sich mitt­ler­wei­le ein Bericht, der eben­falls pro­tes­tiert hat und der „unan­ge­mel­den Ver­samm­lung” zuge­rech­net wur­de, obwohl er, wie er betont, allein gekom­men ist und nichts mit der Pira­ten­par­tei zu tun hat.)

Übri­gens waren auch vie­le ande­re Gesprächs­part­ner nicht so recht von Frau von der Ley­en über­zeugt. Auch bei ande­ren The­men wie Väter­rech­ten, Betreu­ungs­an­ge­bo­ten für Klein­kin­der oder finan­zi­el­ler Fami­li­en­un­ter­stüt­zung waren ihre Ein­las­sun­gen wohl häu­fig sehr scha­blo­nen­ar­tig.

Um punkt 11 Uhr war der SpukAuf­tritt dann auch schon vor­bei. Mit­samt ihrer Beglei­tung ent­schweb­te Frau von der Ley­en in ihrer schi­cken Limou­si­ne. Wir durf­ten uns dann noch ein wenig von einem CDU-Men­schen laut­stark angif­ten las­sen („Ihr soll­tet euch schä­men mit dem Tauss”), der nach der pas­sen­den Erwi­de­rung („Ach, gilt in Ihrer Par­tei das rechts­staat­li­che Prin­zip der Unschulds­ver­mu­tung nicht?”) erheb­lich aus­ge­bremst war. Ich per­sön­lich hal­te es da zudem mit der unver­gleich­li­chen Vera Drom­busch: „Wer schreit hat Unrecht.” Ansons­ten konn­ten wir noch vie­le Bür­ger über uns und unse­re Zie­le infor­mie­ren, vie­le Fly­er ver­tei­len – und die Jungs, die plötz­lich die Sei­ten­schei­be ihres Autos run­ter­kur­bel­ten und quer über den Platz rie­fen: „Ihr seid klas­se, ich werd’ euch wäh­len!” haben damit defi­ni­tiv auch nicht die CDU hin­ter uns gemeint. 😉

Par­al­lel hat­te der­weil eine zwei­te Akti­ven­grup­pe den Info­stand in der Han­no­ver­schen Innen­stadt auf­ge­baut. Etli­che Pira­ten sind noch vom Lin­de­ner Markt­platz dort­hin gezo­gen und haben die dor­ti­ge Grup­pe ver­stärkt, was ange­sichts des hohen Bür­ger­inter­es­ses auch sehr sinn­voll war.

Infostand auf der Osterstraße

Info­stand auf der Oster­stra­ße, Foto von Jor­ge-Alber­to Reich, CC-BY-SA

Zusam­men mit dem Rekord-Stamm­tisch vom Frei­tag abend (42 Pira­ten und Inter­es­sen­ten) ein wahr­haft pira­ti­ges Wochen­en­de!

Einen wei­te­ren Bericht vom Lin­de­ner Markt­platz mit wei­te­ren Fotos gibt’s übri­gens drü­ben in Jans hyper-world.

Nach­trag, 2009-09-26: Auch im Por­tal „Han­no­ver ent­de­cken” gibt es zwi­schen­zeit­lich einen Bericht von Frau von der Ley­ens Besuch mit eini­gen erhel­len­den Details über den äußerst unhöf­li­chen Umgangs­ton von Frau von der Ley­en und ihre CDU-Mit­strei­ter.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

51 Gedanken zu “Mit Ursula von der Leyen auf dem Lindener Marktplatz in Hannover – Erlebnisse eines Piraten

  • Heucheleyen

    Ich war ja nun selbst einer der glück­li­chen die ihre Per­so­na­li­en abge­ben durf­ten – natür­lich mit dem Hin­wei­se „ohne wei­te­re Kon­se­quen­zen”… bla.

    Was mich doch etwas erschüt­tert ist die Tat­sa­che, dass offen­sicht­lich so vie­le Men­schen einen Bogen um ihre, im Grund­ge­setz ste­hen­den, Rech­te machen – bzw. Ein­schrän­kun­gen in der Ver­samm­lungs­frei­heit auch noch gut hei­ßen… hier liegt viel – SEHR viel Arbeit vor uns…

  • Dirk Hillbrecht Autor des Beitrags

    @36: Lie­be „Dame mit Schild”, was soll sowas? _Du_ bist am Sams­tag auf den Lin­de­ner Markt­platz gekom­men, _du_ hast ein Schild mit poli­ti­schem Pro­test hoch­ge­hal­ten, _du_ hast dich expo­niert. _Du_ hast damit dei­ne „Pri­vat­sphä­re” ver­las­sen und dich zu einem Teil­neh­mer an einem zeit­ge­schicht­lich rele­van­ten Vor­gang gemacht. Wenn die­ser Vor­gang dann doku­men­tiert wird, dann ist das so. Ein wich­ti­ger Aspekt von poli­ti­schem Pro­test ist der _Bericht_ dar­über, und des­halb ist es gut und rich­tig, dass in _dieser Situation_ das „Recht am eige­nen Bild” eben _nicht gilt_. Das ist nicht nur die Rechts­la­ge, son­dern auch mei­ne ganz per­sön­li­che Mei­nung. Poli­ti­scher Pro­test und poli­ti­sche Ein­fluss­nah­me füh­ren dazu, dass man zu einer rela­ti­ven Per­son der Zeit­ge­schich­te wird. Dar­über muss man sich im kla­ren sein, _bevor_ man mit sol­chen Aktio­nen anfängt.

    Abge­se­hen davon _habe ich_ auf dei­nen frü­he­ren Ein­wurf mit dei­nem „Aus­se­hen” reagiert. Dein Gesicht _ist_ ver­frem­det. Ich fin­de dein Vor­ge­hen aller­dings sehr pro­ble­ma­tisch: Du stehst nicht nur nicht zu dei­nem Pro­test, du stehst offen­sicht­lich nicht mal dazu, dass du nicht dazu stehst und flüch­test dich in irgend­wel­che Schein­grün­de. Was willst du? Poli­ti­schen Pro­test äußern und dei­ne Mei­nung sagen oder nicht? In ers­te­rem Fall: Steh’ auf und pro­tes­tie­re und lebe damit, dass über dei­nen Pro­test berich­tet wird. In letz­te­rem Fall: Freue dich über dein „Recht am eige­nen Bild” und las­se das mit dem öffent­li­chen Pro­test blei­ben. Das eine ohne das ande­re geht nicht.

    @33: Von die­ser „all­ge­mein bekann­ten Foto­gra­fen-Ethik” höre ich zum ers­ten Mal. Und wie gesagt: Im Rah­men von poli­ti­schen Pro­test­ak­tio­nen fin­det eine sol­che Selbst­zen­sur defi­ni­tiv nicht mei­ne Zustim­mung.

  • Dame mit Schild

    @umusazi
    Pirat oder nicht, er spielt Zens­ur­su­la in die Pfo­ten. Das Schild hielt ich näm­lich anfangs auf Augen­hö­he. Zens­ur­su­la schob es weg mit der Bemer­kung, ich sol­le mich nicht so anstel­len. Der Foto­graf nutz­te die­sen Moment, um das Bild zu machen. Hill­brecht und von der Ley­en arbei­ten also Hand in Hand.
    Mehr dazu: http://​blogs​.mys​pace​.com/​i​n​d​e​x​.​c​f​m​?​f​u​s​e​a​c​t​i​o​n​=​b​l​o​g​.​v​i​e​w​&​f​r​i​e​n​d​I​d​=​1​0​1​3​7​6​2​2​5​&​b​l​o​g​I​d​=​5​1​1​1​4​6​507

  • umusazi

    @marcellus:

    eigent­lich wahr, was du schreibst.

    doch ist es schon ver­wun­der­lich, wie sehr sich ein expo­nier­ter ver­tre­ter der pira­ten­par­tei gegen per­sön­li­che höf­li­che bit­ten zwecks anony­mi­sie­rung der auf sei­nem blog ver­brei­te­ten bil­dern wehrt.

    kei­ne ahnung, ob du das nach­voll­zie­hen könn­test, falls du sel­ber betrof­fen wärst, fami­lie, job und kin­der hät­test und dir berech­tig­te oder unbe­rech­tig­te sor­gen in die­sem zusam­men­hang in den sinn kom­men.

    wo soll das hin­füh­ren, wenn man das einem pira­ten-poli­ti­ker in die­ser brei­te erklä­ren muss?

  • Marcellus

    Mir erscheint es bezeich­nend, mit wie­viel Hin­ga­be auf einem Neben­kriegs­schau­platz gestrit­ten wird, um vom Haupt­pro­blem abzu­len­ken, näm­lich der Igno­ranz und Unver­fro­ren­heit der Zens­ur­su­la.

  • Schildträgerin

    Hal­lo Dirk,

    zur Foto­gra­fen-Ethik:

    So wie es im Inter­net die Neti­quet­te gibt, hal­ten wir Foto­gra­fen uns an eine unge­schrie­be­ne Foto­gra­fen-Ethik. Ein wich­ti­ger Punkt dar­in ist, dass man Men­schen­men­gen frei ablich­ten darf, Ein­zel­per­so­nen aber vor der Ver­öf­fent­li­chung fragt. Üblich ist, gleich nach dem Knip­sen einer Ein­zel­per­son die­se zu fra­gen, ob man das Bild wei­ter­ge­ben darf. Dafür muss man sich auch mal trau­en, frem­de Men­schen anzu­spre­chen.

    Aus­nah­men vom Rück­fra­ge­ge­bot sind nur:
    – Per­so­nen in grö­ße­ren Grup­pen, Stra­ßen­pan­ora­ma etc.
    – Kaum erkenn­ba­re Per­so­nen im Bild­hin­ter­grund
    – Posie­ren­de bzw. mas­kier­te Per­so­nen, z.B. Kos­tüm­trä­ger auf Demos

    Ob es dar­über ein Gesetz gibt, ist für mich per­sön­lich uner­heb­lich. Die all­ge­mein akzep­tier­te Foto­gra­fen-Ethik ist eigent­lich für die meis­ten _privaten_ Kame­ra­be­sit­zer selbst­ver­ständ­lich.

    Wenn ich auf eine öffent­li­che Ver­an­stal­tung gehe, ist schon klar, dass dort Fotos gemacht wer­den. Ich mache sel­ber auch oft Fotos von Demos und so wei­ter. Aber wenn ein­zel­ne, gut erkenn­ba­re Men­schen im Mit­tel­punkt ste­hen, die nicht offen­sicht­lich posie­ren, lan­det das Bild unver­öf­fent­licht im Archiv oder Müll.

    Des­halb bit­te ich dich zum letz­ten­mal, mein Gesicht zu ver­pi­xeln, mit Bal­ken zu ver­se­hen oder was auch immer. Du hat­test näm­lich über eine Stun­de lang Gele­gen­heit, dir bei mir das nöti­ge OK zu holen. Weil jeder mal was ver­ges­sen kann, habe ich dich neu­lich nett dar­um gebe­ten. Weil du dar­auf­hin ähn­lich pam­pig wie Zens­ur­su­la wur­dest, machst du dir gera­de Fein­de. Tut mir leid für dich, aber es ist im End­ef­fekt dei­ne eige­ne Schuld.

    ( Dies ist kei­ne Dro­hung. Bit­te locker neh­men und dei­nen Mist aus­bü­geln 😉 )

  • Dirk Hillbrecht Autor des Beitrags

    @30: Was ich mei­ne: In einem demo­kra­tisch-frei­heit­li­chen Staat darf ein Poli­ti­ker an einer Sache nicht fest­hal­ten, weil er dar­an „glaubt”. Er muss sich viel­mehr auf nach­voll­zieh­ba­re Argu­men­te bezie­hen. Und wenn die Schluss­fol­ge­run­gen sich als falsch her­aus­stel­len, dann muss er das zur Kennt­nis neh­men und die neu­en Schlüs­se ent­we­der ent­kräf­ten oder sei­ne eige­ne Argu­men­ta­ti­on ändern.

    Genau das macht Frau von der Ley­en aber nicht. Ihre Argu­men­ta­ti­on „Netz­sper­ren schüt­zen Kin­der” wur­de viel­fach fun­diert wider­legt. Trotz­dem hält sie dar­an fest und nimmt die Gegen­ar­gu­men­te nicht zur Kennt­nis. Sie „glaubt” an ihre Aus­sa­gen. Mit jeman­dem der „glaubt”, kann man aber nicht dis­ku­tie­ren, weil „Glau­be” an etwas einen „Irr­tum” inhä­rent aus­schließt, die feh­len­de Fal­si­fi­zier­bar­keit ist Kern jedes Glau­bens­sys­tems. Mit einem demo­kra­ti­schen Poli­ti­ker muss man aber dis­ku­tie­ren kön­nen, des­halb darf er eben nicht an sei­ne Aus­sa­gen oder Pro­blem­lö­sun­gen „glau­ben”.

    Ein pri­vat oder gemein­schaft­lich geleb­ter Glau­ben (evan­ge­lisch, katho­lisch, bud­dhis­tisch, mus­li­misch,…) ist davon natür­lich unbe­ein­flusst. Er darf aber kei­nen pri­mä­ren Ein­fluss auf staat­li­che Ent­schei­dun­gen haben, son­dern höchs­tens die Basis für ein ethi­sches Wer­te­sys­tem des Ein­zel­nen sein – bei einem gläu­bi­gen Men­schen wird sich das auch nicht ver­mei­den las­sen.

  • Uuups

    @budapi 26: Dirk schreibt „Glau­be… habe in einer frei­heit­li­chen Demo­kra­tie nichts ver­lo­ren” Allein dar­um geht es mir. das kann ich nicht akzep­tie­ren – frei­heit­lich heisst eben FREI und den Aus­schluss – was soll ich sagen: sprach­los macht mich das.

    Was Du schreibst ist ja ok und gilt letzt­lich für alles – nciht nur für Glau­bens­fra­gen auch für Poli­ti­sche Umtrie­be.…
    Aber das Grund­sätz­li­che: „Glau­be passt nicht ins Sys­tem” hät­te ich von Dirk gern mal erklärt, immer­hin wird er wohl auf mei­nem Wahl­zet­tel ste­hen!

  • ein Pirat, der dabei war

    Leu­te, treibt doch kei­nen Spalt­keil in die Bewe­gung. Das geht ja schon fast in Rich­tung »Judäi­sche Volks­front« vs. »Volks­front von Judäa«.

    Um mal But­ter bei die Fische zu geben: Die neben den Pira­ten ver­tre­te­nen »wei­te­ren poli­tisch inter­es­sier­ten Bür­ger« waren Leu­te vom C3H und vom AK Vor­rat. Das Lus­ti­ge ist ja, dass da Leu­te in drei ver­schie­de­nen Zusam­men­hän­ge auf die glei­che Idee gekom­men sind und sich dadurch tat­säch­lich eine Spon­tan­de­mo erge­ben hat. Das war nicht geplant. Wir dach­ten, wir sei­en viel­leicht fünf Leu­te, es waren dann aber doch weit­aus mehr. Sehr lus­tig jeden­falls. Und dar­über soll­ten wir uns freu­en, statt uns die Rübe ein­zu­hau­en.

  • recht sprech

    hal­lo leu­te,

    1. if i remem­ber cor­rec­t­ly, ist es laut deut­schem ver­samm­lungs­ge­setz gewähr­leis­tet, an poli­ti­schen versammlungen/aufzügen teil­neh­men zu kön­nen und eine kon­trä­re mei­nung zum ver­samm­lungs­te­nor zu arti­ku­lie­ren.
    das ist z.b. schon mehr­mals die juris­ti­sche basis eini­ger neo­na­zi-besu­che auf ver­an­stal­tun­gen der anti­fa gewe­sen.

    2. teil­neh­mer von aufzügen/versammlungen und der­glei­chen haben kein recht am eige­nen bild.
    das fin­de ich nur demo­kra­tisch, denn ent­we­der man steht zu den poli­ti­schen inhal­ten oder lässt es eben blei­ben.
    in zukunft wer­den fern­seh­be­rich­te, also auch sol­che über poli­ti­sche ereig­nis­se, in hoch auf­lö­sen­den for­ma­ten publi­ziert wer­den.
    was wollt ihr den sen­dern denn dann sagen? „anony­mi­siert mich bit­te vor der aus­strah­lung!”???
    das kann doch nicht der rich­ti­ge weg sein.
    bewe­gun­gen müs­sen immer auch durch men­schen reprä­sen­tiert wer­den, je mehr, des­to bes­ser.
    die wen­de in ost­eu­ro­pa hät­te so nicht statt­ge­fun­den, wenn dort alle so gedacht hät­ten wie eini­ge der kom­men­ta­to­ren hier.

  • Dirk Hillbrecht Autor des Beitrags

    @24: Ich habe eine Ver­frem­dung vor­ge­nom­men. Ich möch­te aber, auch ange­sichts ande­rer Kom­men­ta­re hier, anmer­ken, dass jemand, der sich im Rah­men einer Pro­test­ak­ti­on expo­niert, z.B. mit einem Schild, damit rech­nen muss, zum Gegen­stand von Bericht­erstat­tung zu wer­den. Und das schließt auch Fotos ein, die den Vor­gang wie­der­ge­ben. Wenn man also mit Schild pro­tes­tie­ren geht und gut aus­se­hen möch­te: Am bes­ten vor­her schmin­ken.

  • budapi

    @Uuups (#21)

    Es bleibt jedem selbst über­las­sen was er war­um glaubt und dar­aus fol­gend wie prak­ti­ziert. Vorraus­ge­setzt man bricht dabei kein Gesetz – das Recht auf ritu­el­le Men­schen­op­fer wird wohl nie­mand so schnell ein­for­dern.

    Pro­ble­me gibts erst dort, wo man in einer Posi­ti­on der Ver­ant­wor­tung Glau­ben ent­ge­gen alle Fak­ten als Ent­schei­dungs­grund­la­ge nutzt oder gar ande­ren auf­zwin­gen will.

  • Malte

    Auch dem Decks­jun­gen aus Bei­trag 23 noch mal ein gut­ge­mein­ter Rat­schlag: eig­ne dir erst ein­mal die Defi­ni­tio­nen der Begrif­fe an, mit denen du hier ober­klug um dich wirfst.

  • Dame mit Schild

    Dan­ke für den schö­nen Bericht. Ich hab mir erlaubt, ihn in mei­nem Blog-Ein­trag zu ver­lin­ken.

    Aber könn­test du bit­te das Mädel im Hin­ter­grund des Bil­des „Kai im Gespräch mit Frau von der Ley­en” ver­pi­xeln? Das bin näm­lich ich an einem mei­ner optisch schlech­tes­ten Tage. Muss wirk­lich nicht jeder erken­nen.

  • Decksjunge

    Also ihr lie­ben „Rechts­ex­per­ten” in Sachen Recht am eige­nen Bild… macht euch mal klar, daß IIRC Rechts­be­ra­tung in DE nur zuge­las­se­ne Anwäl­te geben dür­fen. Ich neh­me mal an, Ihr seid das…

  • Bretterfee

    Man kann gegen die Pira­ten sagen was man will, aber es ist die ein­zi­ge wähl­ba­re Par­tei, die sich die Bewah­rung der Neu­tra­li­tät des Inter­nets mit höchs­ter Prio­ri­tät auf die Fah­nen geschrie­ben hat.

    Gegen eine neu­tral ver­netz­te Gesell­schaft wird sich auf die Dau­er kei­ne noch so gut orga­ni­sier­te Hier­ar­chie durch­set­zen kön­nen, weil die Leu­te plötz­lich wie­der von­ein­an­der erfah­ren und dabei fest­stel­len, dass sie gar nicht so allein sind, wie sie sich bis­lang gefühlt haben.

    Über das Netz in sei­ner neu­tra­len Form las­sen sich außer­dem wun­der­bar Ide­en und Gedan­ken aus­tau­schen, deren Archi­vie­rung ist kein Pro­blem. Online-Pedi­tio­nen und „wiki­kra­ti­sche” Basis­de­mo­kra­tie-Struk­tu­ren wären eben­falls mög­lich.

    Mög­li­cher Miss­brauch ist kein Allein­stel­lungs­merk­mal von neu­tra­len Net­zen. Jede ande­re denk­ba­re Netz­struk­tur kann und wird miss­braucht wer­den – vor allem von den­je­ni­gen, die das Netz­werk und die Infor­ma­ti­ons­flüs­se kon­trol­lie­ren, ohne dass ihnen jemand über die Schul­ter schau­en darf, WAS SIE DA EIGENTLICH TUN!

    Mei­ner Mei­nung nach ist das gefähr­lich! Stand­recht­li­che Zen­sur nach CDU-Les­art ist kein erhe­ben­der Aus­blick.

    Die Pira­ten brau­chen in mei­nen Augen kein ande­res Pro­gramm als die Bewah­rung der Netz­neu­tra­li­tät und Kon­trol­le der Netz­wäch­ter durch die Gesell­schaft. Damit sind sie für mich 100% wähl­bar! Die Alter­na­ti­ve wäre näm­lich, dass die eta­blier­ten Par­tei­en so wei­ter­ma­chen wie bis­her. Und da geht der Trend ein­deu­tig zu mehr Repres­si­on im Namen der Sicher­heit.

    Die Pira­ten wären der Schlüs­sel für ande­re gesell­schaft­li­che Orga­ni­sa­ti­ons­for­men, die der gewach­se­nen Arbeits­pro­duk­ti­vi­tät und der Ver­knap­pung der Res­sour­ce „mensch­li­che Arbeits­kraft” Rech­nung tra­gen – wenn sie 20% oder mehr bekä­men. Da die Deut­schen aber poli­tisch eher lang­sam sind, wer­den zuwe­ni­ge Wäh­ler ihr CDU­SPDFDP­Grü­LiEtc-Votum auf­ge­ben – weil die­se Par­tei­en sich ja auch um die ande­ren The­men küm­mern.

    Na aber hal­lo!
    Die wer­den sich auch dar­um küm­mern wol­len, wenn 20% Pira­ten wäh­len! =)

  • Uuups

    Ins­ge­samt begrüs­se ich „Eure” (wer auch immer) Akti­on! Und die Minis­te­rin ist wirk­lich scha­blo­nen­haft. Was mich an Dei­nem Arti­kel stört ist die Auf­fas­sung „..eigent­lich ist das ja einer der Grün­de, war­um Glau­be und Fana­tis­mus in einer frei­heit­li­chen Demo­kratie nichts ver­lo­ren haben.” Ist das Dei­ne Ein­zel­mei­nung – oder Par­tei­li­nie? Über Fana­tis­mus müs­sen wir uns nicht aus­ein­an­der­set­zen. Mich inter­es­siert, ob die Pira­ten der Auf­fas­sung sind, das Glau­be in einer Demo­kra­tie nix zu suchen hat?
    Auf Ant­wort hof­fend…
    Der Ernst

  • Egal

    Zu #8: Daten­spar­sam­keit ist rich­tig und wich­tig. Auch ver­bind­lich.. für Behör­den! Das ist teil­wei­se sogar extra fach­recht­lich ver­an­kert zb. im Sozi­al­recht. Dar­aus aber einen Kri­tik­punkt an einen pri­va­ten Bür­ger zu stri­cken mit dem Unter­ton der Faul­heit ist absurd. Recht­lich wird sich hier kei­ne Anony­mi­sie­rungs­pflicht an den Foto­gra­phen her­lei­ten las­sen.. viel­leicht aber eine mora­li­sche Selbst­ver­pflich­tung..

    Ihr „Akti­vis­ten” soll­tet euch gut über­le­gen, was es u.U. für Kon­se­quen­zen für den zufäl­lig mit abge­lich­te­ten und erkenn­ba­ren Bür­ger haben könn­te.. das müs­sen nicht immer nur recht­li­che sein. Bei­spiel­haft ein Kol­le­ge oder Arbeit­ge­ber der Fan von der Ley­en ist..
    Soll­ten nach sol­chen Über­le­gun­gen irgend wel­che Zwei­fel auf­kom­men, so ist die frei­wil­li­ge Anony­mi­sie­rung vor der Ver­öf­fent­li­chung im Inter­net über jeden Zwei­fel erha­ben..

  • Guido

    Obwohl es evt. etwas schief ist die Pira­ten in den Mit­tel­punkt der „Gegen­ak­tio­nen” zu stel­len fin­de ich es aus meh­re­ren Gru­en­den gut:

    - wol­len Pri­vat­per­so­nen oder ande­re Grup­pen ueber­haupt genannt wer­den?
    – poli­tisch wird mehr erreicht, wenn die waehl­ba­re Pira­ten­par­tei im Vor­der­grund steht und dadurch Auf­merk­sam­keit und ggf. Stim­men erha­elt.
    Es geht ja um die Sache, und nicht so sehr dar­um wer sich enga­giert, oder?

    PS: ich gehoe­re -bis­her- weder den Pira­ten, noch einer ande­ren Grup­pe an.

  • Maddin

    Ach und noch­was: Ich sehe es auch so, dass Per­so­nen auf den Bilern anony­mi­siert gehö­ren. Alles ande­re ist unpi­ra­tisch.

  • Maddin

    „Aber das haben die Pira­ten schon drauf: bei flickr und co wirkt auch die fsa09 wie eine Par­tei­ver­an­stal­tung.”

    Jetzt gönnt den pira­ten doch mal das biss­chen Erfolg! Fehl­te uns ja noch, dass jetzt wie­der irgend­wel­che Spin­ner kom­men und die gan­ze Bür­ger­rechts­be­we­gung spal­ten. Dann brauch man sich über Schwarz-Gel­be Mehr­hei­ten nicht zu wun­dern!

    Und im Übri­gen waren die Pira­ten neben den Grü­nen die stärks­te Kraft auf der Frei­heit-statt-Angst-Demo.

    Ich ver­ste­he manch­mal nicht, war­um man­che Leu­te so gegen die Pira­ten wet­tern müs­sen und dann noch ohne ver­nünf­ti­ge Argu­men­te. Die Pira­ten sind für vie­le Men­schen im Land die ein­zi­ge und letz­te Hoff­nung, dass sich noch irgend­was ändert.

  • Bundesbedenkenträger

    Man könn­te der Freund­lich­keit die Kro­ne auf­set­zen: Den Leib­wäch­tern n Bier mit­brin­gen, die haben sicher nen har­ten Job, weil in ner Mas­se eben immer was pas­sie­ren kann. Damit hät­te man sie auch posi­tiv gestimmt und ärgern kann sich nur noch der unver­bes­ser­li­che Uni­ons­an­hän­ger. Dem ist aber eh nicht mehr zu hel­fen…

  • Adrian Lang

    Darf ich euch mal wie­der naiv nen­nen? Klar war das eine Ver­samm­lung, und zwar eine unan­ge­mel­de­te, da gibt es nun mal Pro­ble­me. Genau­so wie Poli­zei­bru­ta­li­tät, das den­ken wir uns nicht aus, das ist Rea­li­tät. Aber ihr glaub halt nix bevor ihr es nicht selbst gese­hen habt.

  • Basian

    Frau von der Ley­en kommt auf den Linde­ner Markt­platz in Han­no­ver.
    …und alle so „yeaahh”

    Ich arbei­te an einer Tank­stel­le und habe dort sehr vie­le Men­schen die ich dar­über „auf­klä­re” das die Zens­ur­su­la eine „Spin­ne­rin” ist.
    Fly­er der Pira­ten wer­den ange­nom­men und man­che habe ich sogar zum nach­den­ken ange­regt. Wie­der­rum ande­re wäh­len jetzt kei­ne CDU mehr.

    Es ist wirk­lich erschüt­ternd wie die Frau immer wie­der den glei­chen Mist erzäh­len kann. Alles was sie erzählt wur­de doch qua­si wider­legt. Und doch geht es wei­ter .…bla­bla­bla­blub

  • Malte

    @Malte:

    „Daten­schutz beginnt mit Daten­spar­sam­keit. Hier wer­den Bil­der von Per­so­nen ver­öf­fent­licht ohne deren Zustim­mung. Das geschieht mut­maß­lich aus Bequem­lich­keit, zumin­dest aber ist es nach­läs­sig.“

    Lies dir erst­mal die Defi­ni­tio­nen der Begrif­fe durch, mit denen du hier han­tierst, auf einem Bild auf­zu­tau­chen hat näm­lich mit Daten­schutz nichts zu tun. Und dass ver­mut­lich kei­ne Zustim­mung ein­ge­holt wur­de, geschah nicht aus Bequem­lich­keit, son­dern weil es gar nicht not­wen­dig ist.

    „Und das hat gar nichts mit vor­aus­sei­len­der Gehor­sam zu tun, son­dern es ist schlicht eine Miß­ach­tung der Per­sön­lich­keits­rech­te und Pri­vatsspäh­re? — ?für die die Pira­ten­par­tei ja angeb­lich ein­tritt. Also bit­te schön mit gutem Bei­spiel vor­ran­ge­hen.“

    Nein, eine Miss­ach­tung der Per­sön­lich­keits­rech­te liegt hier nicht vor. Ich wie­der­ho­le es noch ein­mal: wer sich in der Öffent­lich­keit bewegt, muss grund­sätz­lich damit rech­nen, foto­gra­fiert zu wer­den.

    Damit ist nicht gemeint, dass dir der nächst­bes­te Tou­rist sei­ne Kame­ra ins Gesicht hal­ten darf, denn dann wärest du Haupt­mo­tiv sei­nes Fotos und damit wäre eine Ver­öf­fent­li­chung nur mit dei­ner Zustim­mung mög­lich. Wenn ich aber ein Ein­kaufs­zen­trum foto­gra­fie­re, in dem sich dut­zen­de Men­schen tum­meln, brau­che ich selbst­ver­ständ­lich nicht die Ein­wil­li­gung der abge­bil­de­ten Per­so­nen, ganz egal, ob sie wie­der­erkenn­bar wären oder nicht (okay, ganz so ein­fach ist das auch wie­der nicht, aber ich bre­che es mal auf die­sen Sach­ver­halt her­un­ter).

    Soweit, so gut. Nun ist also Ursu­la von der Ley­en mit Anhang auf dem Markt­platz. Wenn ich das weiß, dann kann ich mir auch den­ken, dass nicht nur der Foto­graf der ört­li­chen Lokal­zei­tung dort her­um­lau­fen wird, son­dern auf­grund von von der Ley­ens Stopp­schuld-Plä­nen auch genü­gend Pri­vat­per­so­nen mit Kame­ras anwe­send sein wer­den. Und wenn ich nun trotz­dem mei­ne, direkt neben Frau von der Ley­en her­um­lau­fen zu müs­sen, dann muss ich eben auch damit leben, wenn ich am nächs­ten Tag in der Lokal­zei­tung und in ver­schie­de­nen Web­logs auf­tau­che.

    Etwas ande­res wäre es, wenn Jor­ge-Alber­to Reich einen Demons­tran­ten ein­zeln auf­ge­nom­men hät­te, denn dann wäre die­ser wie­der Haupt­mo­tiv. Wie­der­um etwas ande­res könn­te es sein, wenn der Demons­trant ein aus­ge­spro­chen krea­ti­ves Pla­kat trägt und damit qua­si um Auf­merk­sam­keit ringt — aber das sind lei­der noch immer recht unge­klär­te Spe­zi­al­fäl­le.

  • Cherubim

    Sehr schö­ner Bericht.

    Erin­nert mich übri­gens auch sehr stark an den Schäub­le­be­such in Lud­wigs­ha­fen am Rhein. Hier wur­den von „Unbe­kann­ten” Pla­ka­te der Pira­ten ent­wen­det und von einem der zwei anwe­sen­den Pira­ten die Per­so­na­li­en auf­ge­nom­men, da es sich ja um eine unan­ge­mel­de­te Ver­samm­lung etc. han­deln kön­ne. Den hier betrof­fe­nen Pira­ten sei übri­gens noch die AG Recht der Pira­ten­par­tei ans Herz gelegt, die sich auch mit sol­chen The­men befasst.

    Zurück zur CDU: Anschei­nend hat die CDU nur lee­re Wort­hül­sen und viel hei­ße Luft zu bie­ten. Zumin­dest ist sich die CDU des­sen in unse­ren Brei­ten bewusst und ver­zich­tet auf Info­stän­de etc. und beschränkt sich auf Pla­ka­tie­ren vor dem ent­spre­chend geneh­mig­ten Zeit­raum, hängt Ampeln zu etc. die Pla­ka­te ohne jeg­li­chen Inhalt, nur mit dem Gesicht, der orts­an­säs­si­gen CDU Ver­tre­te­rin ver­stär­ken den Ein­druck der Plan- und Hilfs­lo­sig­keit unge­mein.

    Wen es inter­es­siert, Link zum Schäub­le­be­suchs­blog: http://​sup​pen​kel​le​.word​press​.com/​2​0​0​9​/​0​8​/​2​9​/​s​c​h​a​e​u​b​le/

  • L. Brodersen

    Ist doch nur rich­tig dass da die Poli­zei geru­fen wur­de. Die Geset­ze zur Ver­samm­lungs­frei­heit haben schon ihren Sinn.
    Stellt euch mal vor eure Ver­an­stal­tun­gen wur­den regel­mä­ßig von Leu­ten heim­ge­sucht, die Wahl­emp­feh­lun­gen für, sagen wir mal, die REP geben. Da wür­det ihr auch die Poli­zei bit­ten, eurer Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung zu wah­ren. Dass das nun im öffent­li­chen Raum statt­fin­det hat damit nichts zu tun.

  • anonym

    @Malte: Daten­schutz beginnt mit Daten­spar­sam­keit. Hier wer­den Bil­der von Per­so­nen ver­öf­fent­licht ohne deren Zustim­mung. Das geschieht mut­maß­lich aus Bequem­lich­keit, zumin­dest aber ist es nach­läs­sig.

    Und das hat gar nichts mit vor­aus­sei­len­der Gehor­sam zu tun, son­dern es ist schlicht eine Miß­ach­tung der Per­sön­lich­keits­rech­te und Pri­vatsspäh­re – für die die Pira­ten­par­tei ja angeb­lich ein­tritt. Also bit­te­schön mit gutem Bei­spiel vor­ran­ge­hen.

    Zudem sind zahl­rei­che der gezeig­ten Per­so­nen kei­ne Mit­glie­der oder Anhän­ger der Pira­ten­par­tei. Die Fotos wer­den also sogar miß­bräuch­lich zur Selbst­dar­stel­lung ver­wen­det. Das ist eine Frech­heit.

    Bezeich­nend fin­de ich auch, dass die Kri­tik an der inhalt­lich dürf­ti­gen Vor­stel­lung der Pira­ten in den bis­he­ri­gen Kom­men­ta­ren ein­fach unter­schla­gen wird. Offen­sicht­lich ist eine sach­li­che Aus­ein­an­der­set­zung nicht mög­lich?

  • Malte

    @ Cars­ten: „Zu den nicht ano­ny mi sier ten Bil dern viel leicht noch der Hin weis, dass nicht alles was mit gül ti gem Recht ver ein bar ist auch gemacht wer den muss.“

    Von vor­aus­ei­len­dem Gehor­sam hal­te ich nicht viel. Wer bei einer sol­chen Ver­an­stal­tung nicht foto­gra­fiert wer­den möch­te, soll­te zu Hau­se blei­ben oder sich wenigs­tens nicht direkt neben von der Ley­en her­um­drän­geln. Wer es doch tut, muss dann eben damit rech­nen, dass er zwi­schen fünf bis zehn ande­ren Per­so­nen auf den Fotos auf­taucht.

    „(Hier von einer ‘öffent li chen Ver an stal tung’ zu spre chen, wür­de übri gens der Poli zei ak tion ganz neben bei auch noch ihre Legi ti ma tion ver­lei­hen)“

    Der Besuch der Minis­te­rin war doch zwei­fel­los öffent­lich.

  • blubb

    Schö­ner Bericht.

    In der HAZ steht heu­te (Sei­te 11, ers­te Sei­te des Han­no­ver-Teils, rech­te Spal­te), die Poli­zei wür­de gegen 15 Anhän­ger der Pira­ten­par­tei wegen Ver­sto­ßes gegen das Ver­samm­lungs­ge­setz ermit­teln. Ich hof­fe, das hat kei­ne wei­te­ren Kon­se­quen­zen.

  • Turtle

    „Übri­gens waren auch vie­le ande­re Gesprächs­part­ner nicht so recht von Frau von der Ley­en über­zeugt.”

    Die gan­ze Welt besteht nicht nur aus Pira­ten, das steht aber auch in dem Arti­kel. Einem Pira­ten vor­zu­wer­fen, dass er in sei­nem (pri­va­ten) Web­log pri­mär auf die Pira­ten fixiert ist wäh­rend er sei­nen sub­jek­ti­ven Ein­druck von Ursu­las Besuch schil­dert, fin­de ich fast schon lus­tig. Das ist hier schließ­lich kein Nach­rich­ten­ma­ga­zin.

  • Carsten

    Die For­mu­lie­rung „Wei­tere poli­tisch inter­es­sierte Bür­ger gesell­ten sich zu uns” fin­de ich in soweit unpas­send, weil (nach mei­nem Emp­fin­den) die Pira­ten deut­lich in der Min­der­heit zu den ‚inter­es­sier­ten Bür­gern’ waren.
    Aber das haben die Pira­ten schon drauf: bei flickr und co wirkt auch die fsa09 wie eine Par­tei­ver­an­stal­tung.

    Zu den nicht anony­mi­sier­ten Bil­dern viel­leicht noch der Hin­weis, dass nicht alles was mit gül­ti­gem Recht ver­ein­bar ist auch gemacht wer­den muss.
    (Hier von einer ‚öffent­li­chen Ver­an­stal­tung’ zu spre­chen, wür­de übri­gens der Poli­zei­ak­ti­on ganz neben­bei auch noch ihre Legi­ti­ma­ti­on ver­lei­hen)

  • Stephan Schwarz

    Das scheint mir bei den Pira­ten fast Sys­tem zu haben. Alles was irgend­wie ankommt, wird im Nach­hin­ein als „von uns” ver­kauft. Man könn­te fast mei­nen, die gesam­te Repu­blik bestün­de nur noch aus Pira­ten. Da bin ich mal gespannt, ob sich das dann auch tat­säch­lich im Wahl­er­geb­nis nie­der­schlägt. ICH wer­de die­se komi­sche Trup­pe jeden­falls nicht unter­stüt­zen!

  • Malte

    @ Anonym: „Außer dem hal­te ich es bedenk lich, dass hier Bil der von Per so nen gezeigt wer­den, ohne deren Zustim mung und ohne eine hin rei chen­de Anony­mi­sie­rung.“

    Was fin­dest du dar­an bedenk­lich? Wer sich auf öffent­li­chem Gelän­de wäh­rend einer öffent­li­chen Ver­an­stal­tung auf­hält, muss mit Fotos rech­nen, gera­de wenn er sich stän­dig neben einer Bekannt­heit wie Ursu­la von der Ley­en auf­hält; inso­fern ist das aus recht­li­cher Sicht ein­wand­frei.

    Außer­dem ist mei­nes Erach­tens in den meis­ten Fäl­len in die­sem Bei­trag die Anony­mi­tät durch die ver­klei­ner­te Bild­grö­ße und die schlech­ten Licht­ver­hält­nis­se aus­rei­chend gewahrt.

  • Anonym

    Es ist ein­fach pein­lich, wie die Akti­on am Sams­tag in die­sem Bei­trag aus­schließ­lich der Pira­ten­par­tei zuge­ord­net wird. Denn das ist ein­fach so nicht rich­tig, hier wird sich ein­fach mal mit frem­den Federn geschmückt. So weit ich das über­bli­cken konn­te, waren auch zahl­rei­che Pri­vat­per­so­nen vor Ort, die sich indi­vi­du­ell und krea­tiv geäu­ßert haben. Die Pla­ka­te die­ser Leu­te waren grö­ßer, bun­ter und hat­ten deut­lich mehr inhalt­li­che Aus­sa­ge, als die der Pira­ten!
    Außer­dem hal­te ich es bedenk­lich, dass hier Bil­der von Per­so­nen gezeigt wer­den, ohne deren Zustim­mung und ohne eine hin­rei­chen­de Anony­mi­sie­rung.