Lo­gis­tik­zen­trum am Krons­berg, Bür­ger­infor­ma­ti­on, Pro­log 1


Heute abend werde ich bei der Bürgerinformationsveranstaltung zum „Logistikzentrum am Kronsberg“ vorbeischauen.

Vor drei Wochen wurde publik, dass ein „großes Internet-Versandhandelshaus“ ein neues Logistikzentrum in Norddeutschland errichten will. In der engeren Wahl: Messe- bzw. ehemalige Expo-Parkplätze in Hannover am Kronsberg. Die Parkplätze wurden zur Expo angelegt, liegen heute aber quasi durchgängig brach. Die Verkehrsanbindung hingegen ist sehr gut, das Gelände liegt direkt an der drei- bis vierspurigen Ringstraße um das Messegelände herum und in Steinwurfentfernung zum seit der Expo ebenfalls hervorragend ausgebauten Messeschnellweg. Zudem ist das Gelände ans Stadtbahnnetz angeschlossen: Die auch zur Expo gebaute Stadtbahnstrecke nach Bemerode und zum Kronsberg führt direkt daran vorbei, eine Haltestelle existiert bereits.

Die Ansiedlung wäre, so heißt es aus der Verwaltung, eine der größten, die es Hannover in den letzten 20 Jahren gegeben hätte. 1000 Dauerarbeitsplätze, dazu saisonal bis zu 1500 zusätzliche Jobs. Das Problem: Bislang ist der Bau eines „Logistikzentrums“ – der Unternehmensname wird bislang nicht genannt, eine vergleichbare Einrichtung in einer anderen deutschen Stadt liegt aber an der „Amazonstraße“ – an dem Standort baurechtlich nicht möglich. Dazu ist eine Änderung des Flächennutzungsplanes („F-Plan“) nötig.

Bauplatz für das Logistikzentrum, der Gebiet beginnt jenseits der durch das Bild verlaufenden Straße

Als zukünftiger Ratsabgeordneter mit großem Faible für Stadtentwicklung ist das natürlich eine Sache, die mich sehr interessiert. Zumal nicht alle mit der Ansiedlung einverstanden sind: Die Anwohner der einige hundert Meter vom möglichen Standort entfernt liegenden Seelhorst-Siedlung fürchten, dass der starke LKW-Verkehr des rein per Straße angebundenen Umschlagplatzes bis zu ihnen vor die Haustür reichen wird und finden auch die Vorstellung einer 14 Meter hohen Halle nicht wirklich attraktiv.

Östlicher Teil des Baugebietes von Norden gesehen. Das leicht ansteigende Gelände ist der Kronsberg

Heute abend nun ist eine „Bürgerinformationsveranstaltung“ angesetzt. Alle wichtigen Leute aus der Verwaltung sind da. Bürger werden sicher auch da sein. Und ich, ja, ich will mir das auch nicht entgehen lassen. Ich habe mich dahingehend vorbereitet, dass ich mir die Örtlichkeit von ein paar Tagen schonmal angeschaut habe. Hier die Resultate:

Plan

Planskizze des Baugebietes, Kartengrundlage: OpenStreetMap

Planskizze des Baugebietes, Kartengrundlage: OpenStreetMap

Schauen wir uns zunächst die Gesamtsituation an: Der Bauplatz liegt westlich des Messegeländes in unmittelbarer Nähe des Messeschnellwegs. Im Südosten liegt die Stadtbahnstation „Stockholmer Allee“. Nördlich grenzt an die Fläche die Emmy-Noether-Allee, die dreispurig gebaut und mit Verkehrslenkungssystemen ausgestattet ist. Diese mündet direkt in die Auffahrt Messe/Nord des Messeschnellweges. So ist der Platz quasi unmittelbar an das überörtliche Fernstraßennetz angebunden, da der Messeschnellweg seit der Expo komplett kreuzungsfrei und im Norden und Süden an die Autobahnen A2 und A7 angebunden ist.

Im Südosten der Baufläche ist die Stastbahnhaltestelle „Stockholmer Allee“. Die Stadtbahnstrecke wurde ebenfalls zur Expo gebaut und ist deshalb gerade in diesem Teil ausgesprochen großzügig trassiert. So verläuft zum Beispiel die Querung der Emmy-Noether-Allee im Einschnitt und die Endhaltestelle ist auf Zugfolgezeiten von zweieinhalb Minuten ausgelegt. Momentan fährt hier eine Linie im 10-Minutentakt.

Unterführung der Stadtbahn unter der Emmy-Noether-Allee, Blick Richtung Süden

Die Haltestelle Stockholmer Allee liegt momentan fast auf freiem Feld

Nördlich des Logistikzentrums und der Emmy-Noether-Allee liegt der Kattenbrook. Das ist ein – relativ kleines – Naherholungsgebiet, das aber vor allem im westlichen Teil eines ist: erhöht. Die mehrere Meter hohen Hügel sind von Wegen durchzogen und an der Kreuzung Laatzener Straße/Emmy-Noether-Allee befindet sich eine Aussichtsplattform.

Kattenbrook mit Aussichtsplattform, Blick Richtung Nordwesten

Die durchaus nennenswerte Höhe des Kattenbrook sieht man auch von der Siedlung Seelhorst aus recht gut.

Kattenbrook vom Sohrenkamp aus gesehen, Blick Richtung Süden

All dies führt dazu, dass ich aus eigener Anschauung heraus die Vorbehalte gegen die Ansiedlung seitens der Einwohner der Siedlung Seelhorst nicht nachvollziehen kann: Der Bauplatz liegt mehrere hundert Meter entfernt, dazwischen ist ein Hügel und viel näher als geplante Logistikhalle ist der Messeschnellweg, auf dem täglich mehrere Zehntausend Fahrzeuge an der Siedlung vorbeifahren.

Vor diesem Hintergrund bin ich mal gespannt, was heute in der Bürgerinformation passiert…


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Ein Gedanke zu “Lo­gis­tik­zen­trum am Krons­berg, Bür­ger­infor­ma­ti­on, Pro­log

  • Thomas Mayer

    Gu­ten Tag Herr Hillbrecht,hallo Dirk,

    im­mer­hin, Sie ha­ben si­ch viel Mü­he ge­macht – schon mal gu­te Vor­aus­set­zun­gen für Ihr neu­es Amt.
    Zur Sied­lung Seel­hor­st möch­te ich Ih­nen sa­gen, dass si­ch die Be­den­ken we­ni­ger ge­gen den nor­ma­len, vor­bei­fah­ren­den Ver­kehr rich­ten, der si­ch wunsch­ge­mäß ver­hält, son­dern ge­gen den, der si­ch dann häu­fi­ger we­gen ver­kehr­li­cher Pro­ble­me durch die Stra­ßen der Sied­lung quält.
    Wir ken­nen das aus lan­ger Er­fah­rung.
    Und auch Sie ha­ben über­se­hen, dass es auch um den Krons­berg (Kat­ten­brook­trif) geht, der den Aus­weich­ver­kehr über Wülfe­ro­de auf­ne­he­men muss, und nicht nur um die Sied­lung. Aber ich den­ke, dass kön­nen Sie nach­ho­len. Gern tref­fe ich mi­ch auch mit Ih­nen – auch wenn Sie ein Pi­rat sind.

    Vie­le Grü­ße
    Die May­ers