Der Dreck muss raus aus dem Netz: Bri­git­te Zy­pries ver­steht den Rechts­staat falsch 11


Un­se­re Jus­tiz­mi­nis­te­rin wird heu­te in ver­schie­de­nen Zei­tun­gen mit dem schö­nen Spruch „Der Dreck muss raus aus dem Netz“ zi­tiert. Zum Bei­spiel bei der Welt.

Hier wird Frau Zy­pries un­ter an­de­rem zum Zen­sur­ge­setz und zur Pi­ra­ten­par­tei be­fragt. Und es ist in­ter­es­sant, wie sie die Ge­schich­te des Zu­gangs­er­schwer­nis­ge­set­zes um­deu­tet:

An­ders als es die Pi­ra­ten­par­tei glau­ben ma­chen will, ha­ben wir ja nicht mit dem Ge­setz ge­gen die Ver­brei­tung von Kin­der­por­no­gra­fie den Teu­fel aus der Fla­sche ge­las­sen. De­ren Ver­tre­ter rea­li­sie­ren über­haupt nicht, dass oh­ne Ge­setz die von Frau von der Ley­en mit den Pro­vi­dern ge­schlos­se­nen Ver­trä­ge zur An­wen­dung ge­kom­men wä­ren – mit viel we­ni­ger rechts­staat­li­chen Si­che­run­gen für die In­ter­net-User.

Das ist schon ei­ni­ger­ma­ßen dreist. Wir er­in­nern uns: Die­se „Ver­trä­ge“ wa­ren der ers­te Ver­such, die In­ter­net­zen­sur in Deutsch­land ein­zu­füh­ren. Das hat halt bloß nicht so recht ge­klappt, weil vie­le Pro­vi­der aus ei­ner Mi­schung von Angst vor Haf­tungs­ri­si­ken und Res­ten rechts­staat­li­chen Den­kens trotz al­len Drän­gens nicht mit­zie­hen woll­ten. Dann erst be­gann der Ei­er­tanz um das Sperr­ge­setz. Und das ist dann ge­gen al­le rechts­staat­li­chen Ein­wän­de in Re­kord­zeit durch­ge­peitscht wor­den. Da­bei war dann selbst der Weg der Ver­ab­schie­dung noch ver­fas­sungs­wid­rig.

Wenn man Frau Zy­pries For­mu­lie­rung üb­ri­gens ge­nau liest, dann be­zeich­net selbst sie hier das „Ge­setz ge­gen die Ver­brei­tung von Kin­der­por­no­gra­fie“ – das üb­ri­gens nicht die­sen Na­men trägt, son­dern viel schwam­mi­ger „Zu­gangs­er­schwer­nis­ge­setz“ heißt, aber das nur ne­ben­bei, Frau Jus­tiz­mi­nis­te­rin – als „Teu­fel aus der Fla­sche“. Es ist aber auch wirk­lich schwer, ein ver­fas­sungs­wid­ri­ges und un­lo­gi­sches Ge­setz auf kon­sis­ten­te Wei­se ver­ar­gu­men­tie­ren zu wol­len.

Das üb­li­che Ba­shing der Zen­sur­geg­ner darf na­tür­lich auch nicht feh­len:

Vie­le An­hän­ger der Pi­ra­ten wol­len auch kei­ne De­bat­te füh­ren, son­dern sa­gen nur: Das ist übel, was ihr macht, wir re­den nicht mehr mit euch. So funk­tio­niert De­mo­kra­tie aber nicht.

Ei­ne fei­ne Dia­lek­tik: Erst Ge­sprä­che ver­wei­gern und Ar­gu­men­ten nicht zu­hö­ren und dann den Geg­nern vor­wer­fen, sie wür­den „kei­ne De­bat­te füh­ren“ wol­len.

Die schöns­te frei­heit­li­che De­mo­kra­tie ver­kommt, wenn sich nie­mand an ih­re Grund­sät­ze hält. Bei der deut­schen Re­gie­rung hat die­se De­ge­ne­ra­ti­on mitt­ler­wei­le ein be­sorg­nis­er­re­gen­des Ni­veau er­reicht. Je län­ger ich das mit­be­kom­me, des­to mehr den­ke ich: Wir brau­chen nicht die al­ten Po­li­ti­ker mit mehr Ver­ste­hen. Wir brau­chen neue Po­li­ti­ker. Des­halb: Am 27. Sep­tem­ber Pi­ra­ten­par­tei wäh­len.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

11 Gedanken zu “Der Dreck muss raus aus dem Netz: Bri­git­te Zy­pries ver­steht den Rechts­staat falsch

  • Guido Strunck

    Man kann so von Schäub­le, Zy­pries, von der Ley­en und all den an­de­ren Kost­gän­gern des Steu­er­zah­lers ei­gent­lich nur noch ei­nes for­dern: Bit­te ganz schnell ab­tre­ten und in Ren­te ge­hen!

  • DrebinX

    Sehr ge­ehr­te Frau Zy­pries,

    zu­nächst: WIR WA­REN UND SIND GE­SPRÄCHS­BE­REIT !

    Wenn ich „wir“ sa­ge spre­che ich von mehr als 130.000 Bür­gern wel­che die Kur­ra­ge hat­ten Ih­ren Na­men öf­fent­lich un­ter Ihr Ge­such nach Bür­ger­rech­ten zu set­zen und von noch weit­aus mehr Per­so­nen die die­ses An­lie­gen un­ter­stüt­zen aber Ih­ren Na­men nicht nen­nen wol­len oder kön­nen.

    Ich möch­te Sie höff­lich dar­an er­in­nern, daß es IHR Herr Mün­te­fe­ring war der das The­ma Websp­rer­ren als „me­di­al un­er­wünscht“ de­kla­riert hat und so den Dia­log ab­bre­chen liess.

    Es war wei­ter­hin IH­RE Par­tei die es ver­schul­det hat das der On­line Bei­rat schließ­lich auf­ge­ge­ben hat wei­ter ei­nen Mo­no­log zu füh­ren, da von Ih­rer Sei­te kein bi­schen Ent­ge­gen­kom­men in der Da­ten­schutz Dis­kus­si­on er­folg­te.

    Wenn Sie jetzt in die Zu­kunft schau­en und Sper­ren von Mu­sik und Li­tara­tur ins Ge­spräch brin­gen, soll­ten sie sich bes­ser schnell mit Herrn Mün­te­fer­ring ab­stim­men, den die­ser schrieb am 18.06. in sei­nem Twit­ter Pro­fil: „Es geht nur um Kin­der­por­no und nicht um Zen­sur. #Zen­sur ist mit der #SPD nicht zu ma­chen.“ Und Sie wis­sen ja das Netz ver­gisst nichts.

    Das wird Ih­nen aber ver­mut­lich ent­gan­gen sein, da Sie Twit­ter ja nicht nut­zen.

    Ich ma­che Ih­nen das An­ge­bot Sie in Ber­lin zu be­su­chen um Ih­nen aus­führ­lich zu er­klä­ren war­um Websper­ren nach Mei­nung der Mehr­heit al­ler Ex­per­ten der fal­sche Weg sind und was für bes­se­re Al­ter­na­ti­ven es gibt. Auch kann ich Ih­nen an­hand des Bei­spiels Iran er­klä­ren war­um Vor­rat­da­ten­spei­che­rung ei­ne ex­tre­me Ge­fahr für ei­ne De­mo­kra­tie dar­stellt.

    Wenn Sie, so wie sie es sa­gen spre­chen wol­len, ste­he ich Ih­nen je­der­zeit ger­ne zur Ver­fü­gung. Es liegt nun an Ih­nen zu be­wei­sen wo es an Ge­sprächs­be­reit­schaft man­gelt.

    Freund­lich
    Dre­binX

  • Capri

    Seid froh, dass es Ge­setz ist, sonst hät­ten wir es an­ders durch­ge­setzt…? Was für ein Ver­ständ­nis von De­mo­kra­tie ist das denn?

  • Sprechsucht

    „De­ren Ver­tre­ter rea­li­sie­ren über­haupt nicht, dass oh­ne Ge­setz die von Frau von der Ley­en mit den Pro­vi­dern geschlos­se­nen Ver­träge zur Anwen­dung gekom­men wären?—?mit viel weni­ger rechts­staat­li­chen Siche­run­gen für die Internet-??User.“

    über­setzt:
    Seid froh, dass wir das rechts­staat­lich pro­ble­ma­ti­sche Ge­setz ha­ben, sonst hät­ten wir rechts­staat­lich noch viel pro­ble­ma­ti­sche­re Ver­trä­ge.

    Ent­we­der Ge­setz oder Ver­trä­ge.
    Klingt nach Er­pres­sung.

    Das wird wohl wie­der raus­ge­holt, wenn das Ge­setz in Karls­ru­he Sta­ti­on macht.

  • mar

    Die Zy­pries weiß doch nicht mal was ein brow­ser ist! Und die will uns vor­schrei­ben, wie wir im In­ter­net zu sur­fen ha­ben…

  • ketzerisch

    Hal­lo Dirk,

    wirk­lich er­staun­lich mit wel­cher Chuz­pe Frau Zy­pries be­haup­tet, die Netz­ge­mein­de wür­de den Dia­log ver­wei­gern. Seit Mo­na­ten su­chen die schließ­lich nichts an­de­res als ge­nau das.

    Er­schre­ckend auch, dass Frau Zy­pries ganz of­fen­bar den Un­ter­schied zwi­schen „Zen­sur“, „Da­ten­schutz“ und „In­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung“ nicht kennt.

    http://​ver​lo​re​ne​ge​ne​ra​ti​on​.de/​2​0​0​9​/​0​7​/​1​9​/​z​y​p​r​i​e​s​-​i​m​-​i​n​t​e​r​v​i​e​w​-​z​u​-​n​e​t​z​s​p​e​r​r​en/

    BG
    ket­ze­risch

  • Peter

    “ Das ist übel, was ihr macht, wir re­den nicht mehr mit euch. So funk­tio­niert De­mo kra­tie aber nicht.“ In­ter­es­sant wie de­ren Auf­fas­sung nach De­mo­kra­tie nicht funk­tio­niert… Wir sind aber doch der Mei­nung das De­mo­kra­tie auch mit Zen­sur bzw. Ein­schrän­kung der Bür­ger­rech­te nicht funk­tio­niert – was sagt die denn da­zu?