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Quo vadis Urheberrecht? – Zur „Berliner Rede“ der Justizministerin, Teil 2

Fortsetzung des von Teil 1 vom Freitag

Betrachten wir vor dem Hintergrund der Rede der Justizministerin die gesamte Problematik nochmal aus einem anderen Blickwinkel:

Der Urheber eines Werkes ist ein Nichts, wenn sein Werk nicht verwendet bzw. rezipiert wird. Dies ist aber ein sozialer und interaktiver Prozess, den der Urheber (und auch eventuelle Vermittler wie z.B. Verleger) schlechterdings gar nicht vollständig kontrollieren kann. Die wie ein Mantra die ganze Rede durchziehende Aussage „Der Rechteinhaber entscheidet, was passiert“ ist letztlich eine Täuschung. Eigentlich entscheiden nämlich die Empfänger, ob ihnen ein Werk wichtig ist oder nicht und damit geht immer eine Beschäftigung mit dem Werk einher. Im Gesetz finden sich nicht umsonst die Schranken des Urheberrechts, das Zitatrecht oder die Panoramafreiheit.

Dass damit auch so manche Urheber ihre Probleme haben, zeigten übrigens die „einführenden Worte“ von Ulrich Wickert, der nicht nur erstaunlich alt geworden ist, sondern seine Rede auch recht schamlos als Werbeveranstaltung für irgendein von ihm geschriebenes neues Buch nutzte. Er erzählte entrüstet, wie ihm ein Leser nach Lektüre eines seiner vorangegangenen Werke ein alternatives Ende zuschickte. Das, so Wickert, sei anmaßend: „Mein Werk gehört mir.“ Ich finde diese Attitüde außerordentlich arrogant. Niemand fordert von Herrn Wickert, dass er seine Bücher umschreibt, aber derartig hingebungsvolle Leser dem Publikum als Störenfriede der eigenen Vollkommenheit zu präsentieren – das geht ja mal gar nicht.

Genau diese Denke ist es aber, die vielerorts im Urheberrecht vorherrscht. Immer will irgendjemand seine vermeintlichen persönlichen Ansprüche gesichert wissen. Dabei entsteht sämtlicher Wert eines literarischen, musischen oder anderweitigen nicht-materiellen Werkes erst durch die gesellschaftliche Aufnahme und Verwendung. So gesehen liegt es im ureigensten Interesse der Werkschaffenden, dass die Allgemeinheit seine Werke adäquat nutzen kann. Dass sich die Arten der Nutzung mit der galoppierenden technischen Entwicklung auch verändern, liegt in der Natur der Sache. Dies einerseits durchaus anzuerkennen, dann aber andererseits bei den entsprechenden Gesetzen vor einer angemessenen Umsetzung zurückzuzucken, bringt im Endeffekt gar nichts. Es ist sogar kontraproduktiv, wenn im Rahmen dieses Krebsganges am Ende Murksgesetze wie ein „Leistungsschutzrecht“ herauskommen.

Es gibt einen letzten Aspekt der „Berliner Rede zum Urheberrecht“, der mir wichtig erscheint: Frau Leutheusser-Schnarrenberger arbeitet immer wieder auf einen allgemeinen Gegensatz zwischen dem Urheberrecht und der „digitalen Welt“ hin. „Digital Natives“ werden da zu radikalen Gegnern urheberrechtlicher Regelungen, die einfach alles für alle freigeben und sich nicht um Gesetze scheren wollen. Dafür zitiert sie sogar – man höre und staune – die Piratenpartei, die „die Aufhebung künstlicher Verknappungen“ fordere und nimmt dies als Beleg für die generelle Ablehnung des Urheberrechts.

Mit Verlaub, Frau Leutheusser-Schnarrenberger, aber das ist Quark. Die „künstlichen Verknappungen“ sind das, was die Vermittler verzweifelt versuchen zu halten, um weiterhin eine Rolle spielen zu können. Ansonsten machen nicht nur wir, sondern alle Werkschaffenden in der digitalen Welt sich sehr viele Gedanken über das Urheberrecht. Nicht umsonst ist in den letzten 15 Jahren eine ganze Klasse neuer Lizenzmodelle entstanden und mehr als einmal hat es da Knatsch wegen widerrechtlicher Nutzung gegeben. Es ist nämlich auch eine Wahrheit, dass gerade die Verleger und Vermittler zwar laut schreien, wenn sie ihre überkommenen Privilegien in Gefahr sehen, es gleichzeitig aber mit den Rechten anderer nicht allzu genau nehmen. Berichte über nicht lizenzgerechte Übernahmen – man könnte schlicht „Abschreiben ohne Quellenangabe“ nennen – von Wikipediaartikeln oder anderen CC- oder GFDL-lizenzierten Werken sind längst Legion.

Wohin treibt nun das Urheberrecht? Die Veranstaltung am Montag war der Auftakt eines mehrmonatigen Prozesses, der verschiedene Anhörungen bringen wird und schließlich in einem Gesetzesentwurf für einen „Dritten Korb“ zur Änderung des Urheberrechts münden soll. Dass das aktuelle Urheberrecht mit seinen mittlerweile extremen Einschränkungen der Nutzbarkeit kultureller Werke stark verbesserungsbedürftig ist, steht außer Frage. Ich sehe allerdings die Gefahr, dass dieser Gesetzesprozess auch zu einem noch restriktiveren Recht führen kann, wenn er nicht geeignet begleitet wird. Frau Leutheusser-Schnarrenberger war mit den Inhalten ihrer Rede teilweise wie der vielzitierte Pudding, der sich nicht an die Wand nageln lässt. Im Zweifelsfall bedeutet das nichts Gutes, wenn es darum geht, den vielfältigen Lobbygruppen im Namen der Allgemeinheit entschieden entgegenzutreten. Genau das erwarte ich aber von einer Bundesministerin.

Quo vadis Urheberrecht? – Zur „Berliner Rede“ der Justizministerin, Teil 1

Da hat sie nun also ihre „Berliner Rede zum Urheberrecht“ gehalten, unsere Bundesjustizministerin. Den Redetext gibt es online und Kommentare und Zusammenfassungen dazu zum Beispiel bei Heise Online oder Telepolis. Auch ich habe am Montag in der Berlin-Brandenburgischen Akademie gesessen und ihren Ausführungen gelauscht.

Bei mir hinterlässt die Rede von Frau Leutheusser-Schnarrenberger einen sehr zwiespältigen, letztlich aber negativen Eindruck. Einerseits war die Rede gespickt mit Ausführungen, die so auch auf einem beliebigen Parteitag der Piratenpartei Szenenapplaus bekommen hätten. Die Ministerin hat das Internet als gesellschaftliche Revolution bezeichnet, Wissen und Information seien viel besser und schenller verfügbar, aber auch viel einfacher und direkter erzeugbar geworden. Der kreative Mensch muss im Mittelpunkt stehen, nicht der Verwerter. Bei der digitalen Revolution müssen wir die Chancen sehen und nicht immer nur auf die Risiken starren.

All dies sind Aussagen, die ich ohne wenn und aber unterstütze. Und es tat gut, das mal so klar und deutlich aus dem Mund eines Bundesministers zu hören. Aber was nützen die schönsten Worte, wenn sie nicht konsequent zu Ende gedacht werden? Und genau das passiert nicht! Stattdessen kommt es immer wieder zu argumentativen Hakenschlägen, die all die schönen Einsichten Makulatur werden lassen.

Da erwähnt die Ministerin mehrfach, dass sich die analoge Zeit nicht ins Digitale übertragen lässt. Da formuliert sie explizit, dass das Recht keine überholten Geschäftsmodelle schützen darf. Und jedes Mal denke ich mir: „Cool, wieder eine Breitseite gegen dieses idiotische ‚Leistungsschutzrecht‘.“ Und dann das: Wenn Vermittler Leistungen erbringen, dann muss diese Leistung geschützt werden, zum Beispiel Zeitungsverleger. Und explizit: „Die Frage ist nicht, ob es ein Leistungsschutzrecht für Verleger geben soll, sondern wie dieses aussieht.“

Das ist ausgesprochen übel. Bis heute gibt es keine einzige mir bekannte neutrale Instanz, die auch nur formulieren könnte, wie ein „ausgewogenes Leistungsschutzrecht“ aussehen könnte. Weil es ein solches schlicht nicht gibt! Der einzige etwas konkretere Text, jener Entwurf von seiten der Verleger, ist eine Ansammlung von tendenziösen Regeln, die der kleinen, in der heutigen Zeit zunehemend unwichtiger werdenden gesellschaftlichen Gruppe von Verlegern, ihre Pfründe auf Kosten der Allgemeinheit und der Werkschaffenden sichern und sie sogar ausbauen soll. Es ist der verzweifelte Versuch, überkommene Geschäftsmodelle gegen den Fortschritt zu verteidigen. Es ist die Text gewordene Antithese zu allem, was die Ministerin im Urheberrecht vorgeblich erreichen will.

Wie ernst kann man vor dem Hintergrund die gesamten Ausführungen vom Montag nehmen? Wir sollen „mehr auf die Möglichkeiten als auf die Risiken schauen“? Ja, aber! Das Urheberrecht „schützt den Urheber“? Ja, aber! Keine „Schonräume für abgelaufene Geschäftsmodelle“? Ja, aber! All die heeren Grundsätze gelten offensichtlich nur, solange keine Lobbygruppe etwas anderes will.

Zu Recht zeiht Frau Leutheusser-Schnarrenberger das Urheberrecht überbordender Komplexität und zitiert dabei sogar Linus Torvalds. Aber dann zieht sie Leistungsschutzrechtskaninchen aus dem Zylinder, die irgendwie „die Verleger schützen“, gleichzeitig aber Link- und Zitatfreiheit erhalten sollen. Zum einen erhöht dies die Komplexität der sowieso schon komplexen Gesetzeslandschaft weiter und zum anderen steht dieser gesamte Ansatz in vollständigem Gegensatz zu dem, was die Ministerin immer wieder betont: Dass das Gesetz den Urheber schützen soll. Ein wie auch immer geartetes Leistungsschutzrecht wird aber genau diesen Schutz weiter aushebeln, es beschneidet die Möglichkeiten des Urhebers massiv zu Gunsten irgendwelcher Verleger und dass der Allgemeinheit anschließend auf eine verkrüppelte Weise sein Werk weiter zur Verfügung steht, nützt ihm, dem Urheber, auch nichts.

Weiter geht’s mit Teil 2 am Montag

Musik zum Sonntag: zero-project – Fairytale

Und hier, liebe Leser, ein wenig Musik zum Sonntag. CC-lizenziert und auf Jamendo zu finden: „zero-project“ mit seinem aktuellen Album „Fairytale„. Passt besonders gut, wenn man gerade wach wird, sich fragt, wo die Kopfschmerzen herkommen und sich dann wieder an die Promotionsfeier des Kommilionen vom Abend zuvor erinnert, auf der man irgendwann den Überblick über die Anzahl der Gläser Rotwein verloren hat…

Nicht hören sollten das die Jungs und Mädels von nomnomnom, die sich gerade in Stunde 17 ihres 24-Stunden-Fernsehmarathons mit Liveblogging befinden. Sonst ist da bald Stille im Blog… ?

Musik – zwo – drei – vier: Diablo Swing Orchestra bei Jamendo und Amazon

Ich weiß, ich bin in letzter Zeit ein wenig faul mit Blogbeiträgen. Aber wie heißt es so schön: Alles im Leben hat seine Zeit. Als Pausenfüller heute mal ein Verweis auf externen Content:

  

Das Diablo Swing Orchestra aus Schweden spielt eine reichlich einzigartige Mischung aus Gothic, Swing, Folk und diversen anderen Musikrichtungen, garniert mit dem Gesang einer ausgebildeten Sopranistin. Von den Bands, die ich so kenne, erinnert das ganze noch am ehesten an Within Temptation.

Anders als Within Temptation hat sich das Diablo Swing Orchestra aber für ein anderes Lizenzmodell für seine Musik entschieden: Das Album „The Butcher’s Ballroom“ ist unter Creative-Commons-Lizenz in der Ausprägung „BY-NC-ND“ zum freien, kostenlosen und legalen Download bei Jamendo verfügbar. Das heißt aber nicht, dass es nicht auch andere Vertriebswege gibt: Auf Amazon ist das Album „ganz normal“ käuflich erwerbbar.

Ich bin ja ein großer Freund dieser neuen Vertriebsmodelle für kulturelle Werke. Insofern wünsche ich mir, dass noch viel mehr Künstler diesen Weg gehen und ihre Erzeugnisse sowohl kommerziell als auch nicht-kommerziell zur Verfügung stellen und so die Teilhabe am kulturellen Leben noch viel mehr Menschen als bisher möglich machen. Politisch lautet meine Forderung dabei vor allem, dass das gesetzlich unterstützte Quasi-Monopol der GEMA und ähnlicher Verwertungsgesellschaften vollständig beseitigt werden muss und vor allem eine werkweise sowie zeitlich und anlassbezogen begrenzte Abtretung der Verwertungsrechte unkompliziert und schnell möglich sein muss.

Aber dazu ein anderes Mal mehr. Jetzt wünsche ich viel Spaß beim Hören dieser – wie ich finde – außergewöhnlichen Musik.

„Delph‘ sans les pattes“ und „German Viewers Love Their Detectives“ – Fundstücke

Heute gibt’s mal zwei Links auf Fundstücke, die ich aus verschiedenen Gründen für erwähnenswert halte:

Delph' sans les pattes - Ze first cidi

Delph' sans les pattes - Ze first cidi

Da ist zunächst das Album „Ze first cidi“ der Strasbourger Gruppe „Delph‘ sans les pattes“. Mein Französisch ist zu schlecht, als dass ich mir mehr als nur ansatzweise zusammenreimen könnte, was der Bandname heißt und um was es in den Liedern geht. Wenn ich das richtig überblicke, dürfte das Album wohl in den USA einen „Parental Advise: Explicit lyrics“-Bapperl bekommen. Aber wir sind hier ja nun mal in Deutschland, der Text ist Französisch, und derart schönem Chanson vergibt man doch irgendwie alles, oder?

Und weil das ganze von Jamendo kommt, kann ich hier auch noch einfach mal direkt verlinken und zum Abspielen auffordern:

  

Und dann war da noch die New York Times, die ihren US-amerikanischen Lesern die Krimiserie „Tatort“ erklärt:

Verbrechen geschehen hier an so typisch deutschen Orten wie den innerstädischen „Schrebergarten“-Gartenanlagen, wo naturverliebte Deutsche ihre eigenen Tomaten ziehen und ihren merkwürdigen Geschmack für Plastikwichtel pflegen. Die Kölner „Tatort“-Kommissare machen ihre Pausen grundsätzlich an ihrem Lieblings-„Büdchen“, einem jener Bier- und Bratwurststände, die so typisch für das Rheinland sind. Selbst die düstere Ausleuchtung scheint bei so manchem Deutschen die eigenen vier Wände wiederzugeben. […]
Man muss sich diese Serie als einen Mikrokosmos der Bundesrepublik Deutschland vorstellen, so wird sie auch von den Produzenten immer wieder angepriesen. Jeder Tatort lässt seine regionalen Wurzeln erkennen, sei es, dass die Darsteller im lokalen Dialekt sprechen oder der Fall etwas mit regionalen Besonderheiten zu tun hat. Und die Deutschen sprechen über ihren Lieblingstatort in etwa so wie über die lokale Fußballmannschaft. Der Münsteraner Tatort hat grundsätzlich komische Elemente. Im grünen Konstanz geht es für die „Tatort“-Kommissare häufig um Fälle im Umweltbereich. Hamburg präsentiert einen rastlosen James-Bond-artigen Türken, der allein arbeitet; Hannover eine schöne und schlaue aber einzelgängerische Kommissarin.
Man könnte sagen, es ist ein wenig wie „CSI“ mit Lokalkolorit, aber es ist einfach zu „Deutsch“ um mit dieser amerikanischen Einheitsware verwechselt zu werden: Nicht so geleckt, viel unblutiger, dafür aber mit einem Händchen für brisante Geschichten. Vor einiger Zeit hat ein „Tatort“, in dem es um Inzest innerhalb der kurdischen und türkischen Alevitengemeinschaft ging, zu Protesten von zehntausenden Aleviten in Köln und Hamburg geführt. […]

Ich finde es immer besonders erhellend, wenn man mal einen Bericht über etwas liest, das man selbst schon lange kennt und das aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet wird. Deshalb habe ich die Lektüre des (englischsprachigen) Originalartikels auch sehr genossen und kann ihn nur weiterempfehlen.

Free Music Contest – Einsendeschluss für Musiker naht

Als Ersatzveranstaltung für den „Open Music Contest“ veranstaltet der frisch gegründete Verein „Musikpiraten“ dieses Jahr den „Free! Music! Contest„. Der Wettbewerb zeigt, wie vielfältig freie Musik ist. Außerdem winkt den teilnehmenden Bands ein Platz auf dem geplanten CD-Sampler oder sogar ein Auftritt beim Livekonzert am 2009-10-03 – ja, genau, das ist der Tag der Deutschen Einheit.

F!M!C Logo

Mitmachen kann jeder Musiker, der nicht bei der Gema oder einer vergleichbaren Verwertungsgesellschaft – auch im Ausland – gemeldet ist. Bei Bands muss diese Voraussetzung für alle Mitglieder gelten. Der Wettbewerb richtet sich eben gerade an freie Musik, bei der zentrale Verwerter keine Rolle spielen. Es muss aber schnell gehen: Beiträge können nur noch bis zum kommenden Freitag, 2009-07-31, eingereicht werden!

Die frisch gegründeten Musikpiraten suchen auch noch Spender und Sponsoren für den Wettbewerb, die CD-Produktion und das Abschlusskonzert. Anmeldungen hierfür sind noch den ganzen August über möglich. Freunde freier Musik sollten über eine Beteiligung nachdenken, nur wenn genug Geld zusammenkommt, kann der Sampler als „echte“ CD produziert werden. Und je mehr Geld für das Event am 3.10. da ist, desto mehr Bands können live auftreten. Also: Spendet!

Ich finde, freie Musik ist eine der besten Möglichkeiten, der Musikindustrie ihre eigene Überflüssigkeit zu demonstrieren. Anders als bei den hanebüchenen Gema-Verteilungsschlüsseln steht der Künstler hier direkt mit dem Zuhörer in Kontakt. Zudem sind bei Konzerten oder Auftritten keine Zahlungen an die Gema fällig, von denen der Künstler im Zweifelsfall nur einen Bruchteil wiedersieht. Freie Musik und der Free! Music! Contest sind so Vorreiter eines neuen Umgangs mit Musik und ein wichtiger Beitrag zur Musikkultur insgesamt.

Für freie Musik ist unter anderen Jamendo eine reichhaltige und professionelle Quelle. Als Beispiel bringe ich hier mal die deutsche Band „pornophonique„, die mit Gesang, Gitarre und (Achtung!) Gameboy sehr hörenswerte Tracks produziert. Die Jungs sollen vor allem live ein Erlebnis sein, hier mal als Appetizer „Game over“ aus dem Album „8-bit lagerfeuer„:

  

Die Musikpiraten sind personell und konzeptionell eng mit der Piratenpartei verbunden. Das Portal „musik.klarmachen-zum-aendern.de“ lief lange Zeit beim hessischen Landesverband der Piratenpartei und ist mittlerweile auf die Musikpiraten übergegangen. Solche Spin-Offs sind – denke ich – ein sicheres Zeichen dafür, wie sich die Ideen der Piratenpartei immer weiter verbreiten.

Cool!

Die Raubkopierer sind mal wieder an allem Schuld: Heise-Online-Bericht zum Musikmarkt

Vorgestern brachte Heise eine Geschichte über das Verschwinden der Plattenläden. Darin zitiert wird mehrfach ein gewisser Daniel Knöll, der in nicht näher benannter Weise mit dem Bundesverband der Musikindustrie verbandelt ist.

Herr Knöll ist mal wieder mit den Platt-Versionen der üblichen Musikindustriesprüche über „Raubkopierer“ am Start:

  • Warum hat sich der Anteil Plattenläden und Co. am Einzelhandel innerhalb von sechs Jahren mehr als halbiert? Ganz klar: „Dafür gibt es Gründe: Einer ist das Unverständnis der Verbraucher, für Musik zu bezahlen“. Dass es mit Amazon, iTunes oder Saturn mittlerweile auch große Internet-Verkaufsportale für Musik gibt – nein, daran wird das sicher nicht liegen.
  • Wieso wird heute dreimal so lange pro Tag Musik gehört als in den 1990er Jahren (45 statt 14 Minuten pro Tag)? Einfache Begründung: „Es wird mehr Musik gehört, aber weniger gekauft. Das liegt daran, dass die Musik sehr oft illegal aus dem Internet bezogen wird“. Na klar! Dass die als Datenstrom vorliegende Musik viel einfacher zu konsumieren ist als die an einen Tonträger gebundene, dass MP3-Spieler, iPods und Musikhandys heute ubiquitär und viel leistungsfähiger als Weiland die Cassetten-Walkmans sind – das hat bestimmt überhaupt keinen Einfluss.

Zwar beschreibt der Artikel durchaus umfassend, wie sich der Musikmarkt ändert und dass die allgemeine Bewegung für Musikaufzeichnungen weg von phsikalischen Tonträgern und hin zum reinen „Datenpaket“ verläuft. Unterschwellig wird aber auch hier wieder die böse Raubkopierchimäre positioniert: Plattenläden sterben, weil die Leute sich die Musik kostenlos im Internet besorgen. Leider ist diese Schlussfolgerung mindestens genauso platt wie die Vinylscheiben – immerhin werden im Artikel diverse gesellschaftliche Änderungen beschrieben, die dieses Phänomen verursachen und die samt und sonders nichts mit der nichtkommerziellen Weitergabe von Musikdateien zu tun haben: Generell kleiner werdende Zeitbudgets der potentiellen Käufer, bessere Informationsmöglichkeiten im Internet und schlicht die Verdrängung der (analogen) Schallplatte vom Massenmarkt. Ich erinnere mich an meine eigene letzte Erinnerung zum Thema Technikladengeschäft – auch sowas treibt die Kunden aus den Läden und hin zum verbraucherfreundlicheren Internet.

Stefan Niggemeier hat gerade erst in einem lesenswerten Beitrag Dieter Gorny zerpflückt. Daniel Knöll gehört meines Erachtens in dieselbe Kategorie, auch wenn seine Eloquenz wesentlich begrenzter zu sein scheint. Ich empfehle, einfach mal häufiger weder beim Gorny noch beim Knöll noch bei irgendeinem anderen Musikindustrieladen vorbeizuschauen, sondern stattdessen bei denjenigen Künstlern vorbeizuschauen, die ihre Musik tatsächlich kostenlos weitergeben wollen – es lohnt sich! Wo und wie das geht habe ich ja in diesem Blog bereits geschrieben.

Amokläufe

In Baden-Württemberg hat es einen Amoklauf gegeben, dem 16 Menschen zum Opfer fielen, darunter der Amokläufer selbst. So weit, so schlecht. In der Folge ist es allerdings zu einem weiteren Amoklauf gekommen, dem diverser deutscher Medien nämlich, die auf Grund fehlender Neuigkeiten in eine Art kollektives Hyperventilieren verfielen und über das Thema in einer Weise berichtet haben müssen, die bei einem halbwegs verständigen Menschen nur fassungsloses Kopfschütteln auslöst.

Ich schreibe „haben müssen“, weil ich mir selbst kein richtiges Bild gemacht habe. Ich bin kein militanter Fernsehverweigerer, aber seit Dienstag abend habe ich das Gerät nicht mehr angehabt. Auch bei der lokalen Zeitung hat es in den letzten Tagen nur zum Lokalteil gereicht. Trotzdem fühle ich mich gut und durchaus angemessen informiert. Telepolis (1,2,3,4), Heise online, der Blog von Stefan Niggemeier (1,2) sowie ausgewählte Artikel auf Spiegel Online reichen da völlig.

Und wenn ich im Bildblog (1,2) und insbesondere in dem brillant geschriebenen Artikel im Blog von Hanno Zulla lese, was ich anderswo so verpasst habe, dann entspricht das irgendwie exakt meinen Erwartungen. Ich denke, ich werde das mit den Informationsquellen auch in Zukunft so halten.

Nachtrag: Über die Kommentare bin ich auf ein (mittlerweile unter http://daniel.mail-empire.de/blog/2009/03/14/krautchannet-betreiber-tsaryu-zum-amoklauf-von-winnenden nicht mehr verfügbares) Interview auf nachgeblogt.de hingewiesen worden, das die Hintergründe zu der Falschmeldung von der Internet-Amoklaufankündigung auf krautchan.net nochmal näher beleuchtet. Wie Journalisten oder Ermittler da ernsthaft von „Recherche“ oder „Fahnungsergebnissen“ sprechen können, ist mir absolut unverständlich. Immer feste vom Web 2.0 reden, aber im Zweifelsfalle vollständige Unfähigkeit an den Tag legen – vielen Dank für diese eindrucksvolle Demonstration…