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Berliner Piraten und die „Datenschutzpanne”: Von CC: und BCC:

Rumms! Da ist es pas­siert: Daten­schutz­panne in Ber­lin! Bei den Pira­ten! Aus­ge­rech­net bei die­sen Vor­rei­tern von Daten­si­cher­heit und Privatsphäre.

Im Rah­men des Bewer­bungs­pro­zes­ses für die dor­tige Frak­ti­ons­ge­schäfts­stelle wurde eine Rund-​E-​Mail an alle Bewer­ber ver­se­hent­lich so ver­schickt, dass jeder Emp­fän­ger die Adres­sen aller ande­ren Emp­fän­ger (also der Mit­be­wer­ber) in der E-​Mail sehen konnte. Tech­nisch gespro­chen: Die Emp­fän­ger wur­den nicht in das Feld für „Blind­ko­pien” („blind car­bon copy, BCC”) ein­ge­tra­gen, son­dern bei den „nor­ma­len” Kopien („car­bon copy, CC”).

Mir kom­men dazu drei Gedanken:

Ers­tens ist diese Panne zwei­fels­ohne ärger­lich und unnö­tig, aber sie ist nicht der Unter­gang des Abend­lan­des. Letzt­lich geht es um sehr ein­ge­schränkte Daten, die zudem bei wei­tem nicht in allen Fäl­len einer Per­son zuzu­ord­nen sein dürf­ten. Da die Bewer­ber jetzt zudem auch noch unter­ein­an­der Kon­takt auf­neh­men kön­nen, macht das ganze die Sache für die Frak­tion auch noch eher schwieriger.

Die Wahr­schein­lich­keit für einen sol­chen Feh­ler lässt sich, und das ist mein zwei­ter Gedanke, durch tech­ni­sche Maß­nah­men redu­zie­ren. Im Heise-​Artikel wird eine Begren­zung von Emp­fän­gern ange­spro­chen, die nun imple­men­tiert wer­den soll. Ich habe ja auch schon grö­ßere Rund­mails her­um­ge­schickt und die latente Gefahr der Fehl­be­die­nung ist mir sehr bewusst. Des­halb arbeite ich in sol­chen Fäl­len schon lange nicht mehr mit der Standard-​E-​Mail-​Kopiefunktion, son­dern mit einem klei­nen Skript, das aus einer Datei die E-​Mail und aus einer ande­ren die Emp­fän­ger­liste liest und dann an jeden Emp­fän­ger eine ein­zelne E-​Mail ver­sen­det. Denn auch der Rück­griff auf Blind­ko­pien („BCC”) ist nicht wirk­lich sicher, man ver­lässt sich hier dar­auf, dass Sys­teme, die nicht unter eige­ner Auf­sicht ste­hen, sich an die Regeln hal­ten. Kann sein, muss aber nicht.

Schließ­lich, und das mei­nes Erach­tens das Wich­tigste, ist dies auch ein Bei­trag zu einem Lern­pro­zess inner­halb der Pira­ten­par­tei selbst: Wo Men­schen arbei­ten, pas­sie­ren Feh­ler. Gerade in Sachen „Daten­schutz” gibt es einige Mei­nungs­ver­tre­ter, die von einem sehr hohen Ross argu­men­tie­ren, nichts außer der abso­lu­ten Maxi­mal­lö­sung gel­ten las­sen und soziale Pro­bleme mit tech­ni­schen Maß­nah­men lösen wol­len. Das funk­tio­niert nicht und wird auch nie funk­tio­nie­ren. Hier ist ein Feh­ler pas­siert und noch viele Feh­ler wer­den die­sem fol­gen. Es wäre jetzt nicht ziel­füh­rend, Mar­tin Delius oder wen auch immer „zur Ver­ant­wor­tung zie­hen” zu wol­len. In Sachen Daten­schutz und Daten­si­cher­heit müs­sen wir viel­mehr ein ins­ge­samt schlüs­si­ges Kon­zept ver­fol­gen, das einer­seits einen sorg­fäl­ti­gen Umgang mit Daten und Infor­ma­tio­nen sicher­stellt, ande­rer­seits aber auch von den Anwen­dern beherrsch­bar ist. Das wird man mit Maxi­mal­lö­sun­gen nicht erreichen.

Ich selbst bin zum Bei­spiel schon immer wie­der ange­nervt davon, dass das PGP-​Plugin mei­nes Thun­der­bird keine Mög­lich­keit vor­sieht, eine E-​Mail dau­er­haft zu ent­schlüs­seln. Was soll sowas? Hält die­ses Pro­gramm mich für unfä­hig, ver­trau­li­che Daten auf mei­nem Sys­tem ange­mes­sen zu schützen?

Also, liebe Pira­ten: Sehen wir die­sen Vor­fall als eine Nach­richt aus der „rich­ti­gen Welt”. Bauen wir mit unse­ren Pro­gramm­punk­ten und Ideen dar­auf auf, dass diese Welt so ist wie sie ist. Akzep­tie­ren wir, dass sich ein per­fek­ter Schutz nicht errei­chen lässt. Und dass der Ver­such, ihn zu errei­chen, so vie­les kaputt macht, dass man recht­zei­tig mit die­sem Stre­ben nach Per­fek­tion auf­hö­ren sollte.

Facebook

Da habe ich nun etwas gemacht, das bei vie­len Men­schen in mei­nem Umfeld eine gewisse Fas­sungs­lo­sig­keit aus­ge­löst hat: Seit etwa einem Monat bin ich bei Face­book regis­triert. Genau: Das ist diese Daten­krake, der schon unsere extrem kom­pe­tente „Ver­brau­cher­schutz­mi­nis­te­rin” öffent­lich­keits­wirk­sam den Rücken kehrte, weil dort so unglaub­lich böse Dinge mit der Pri­vat­sphäre pas­sie­ren wür­den und die über­all rum­schnüf­feln und überhaupt…

Die Ver­brau­cher­schutz­mi­nis­te­rin gehört übri­gens der­je­ni­gen Par­tei an, die am lau­tes­ten nach Vor­rats­da­ten­spei­che­rung und Über­wa­chungs­staat schreit. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Ich gehöre zu den Men­schen, die über eine Sache am liebs­ten erst dann urtei­len, wenn sie sich selbst ein Bild machen konn­ten. Nach einem Monat bin ich nun lang­sam so weit, dass ich einen klei­nen Rea­li­tät­scheck wage, was diese Aus­sa­gen betrifft. Und des­sen Res­u­mée lau­tet: Es wird nichts so heiß geges­sen, wie es gekocht wird. Tat­säch­lich weiß Face­book von mir als Nut­zer nicht mehr als mei­nen Namen, meine E-​Mailadresse und meine Han­dy­num­mer. Letz­tere war für die Anmel­dung nötig, die bei­den ande­ren habe ich zwar mit mei­nem bür­gen­li­chen Namen hin­ter­legt, dies wäre aber nicht zwin­gend. Und in der Tat trei­ben sich in mei­ner Freun­des­liste so einige Men­schen herum, die mit einem Phan­ta­sie­na­men oder zumin­dest einem stark gekürz­ten Nach­na­men unter­wegs sind. Andere „harte Fak­ten” kennt das „soziale Netz­werk” von mir nicht.

Dann habe ich als erste Amts­tat mei­nem neu ange­leg­ten Pro­fil eine rela­tiv weit­ge­hende Ver­schwie­gen­heit ver­ord­net: Fast alle Inhalte sind nur von mei­nen „Freun­den” les­bar. Auch dies scheint eine recht ver­brei­tete Tak­tik zu sein, jeden­falls konnte ich auch bei vie­len mei­ner jet­zi­gen Kon­takte vor dem Knüp­fen der „Freund­schaft” im Pro­fil nichts oder nur wenig lesen.

Inso­fern ist das ganze zunächst mal ziem­lich dicht und ent­spricht mei­nen eige­nen Anfor­de­run­gen daran, wie ich von Inter­net­diens­ten erwarte, dass sie mit mei­nen Daten umge­hen. Aller­dings sind der eigent­li­che Daten­schatz bei Diens­ten wie Face­book ja gar nicht so sehr meine rea­len Daten, son­dern die Infor­ma­tio­nen im Sys­tem: Mit wem bin ich bekannt, wer ist bei mir Freund, auf wes­sen Seite lese ich, was mar­kiere ich mit „Gefällt mir”. Dar­aus lässt sich durch­aus ein gewis­ses Bild mei­ner Per­son zeich­nen. Aller­dings sind es nun­mal genau diese Infor­ma­tio­nen, die das „soziale Netz­werk” Face­book aus­ma­chen. Des­halb gehe ich die­sen Kom­pro­miss ein, gebe diese Daten in die Rech­ner des Face­book­sys­tems und bekomme dafür die Vernetzung.

Und die ist gar nicht schlecht. Es geht hier um das ein­fa­che In-​Kontakt-​Bleiben und den Aus­tausch von Infor­ma­tio­nen (unab­hän­gig von Gehalt und Niveau), und da hat Face­book in der Tat vie­les rich­tig gemacht. Ich kann kurze State­ments hin­ter­las­sen, die State­ments ande­rer Teil­neh­mer kom­men­tie­ren, schnell mal ein Bild, ein Video oder einen Link pos­ten und auch die wie­der kom­men­tie­ren las­sen oder an Andere wei­ter­schi­cken. Das alles mit weni­gen Klicks und ziem­lich intui­tiv. Das geht genau auf die rich­tige Art und Weise unkom­pli­ziert und im Vor­bei­ge­hen, sodass man es auch tat­säch­lich benutzt.

Und was hat man nun für „Freunde” auf Face­book? Naja, quer durch den Gar­ten. Bei mir sind’s viele Pira­ten (logisch), Kol­le­gen, „reale” Freunde (ja, sowas habe ich…) und Fami­lie. Ins­be­son­dere habe ich über Face­book mitt­ler­weile auch einige alte Schul­ka­me­ra­den wie­der­ge­fun­den bzw. habe hier die Mög­lich­keit, auf die bereits beschrie­bene unkom­pli­zierte Weise in Kon­takt zu blei­ben. Ja, ich gebe zu, es war ein durch­aus posi­ti­ver Zufall, dass aus­ge­rech­net in meine Facebook-​Einstiegsphase mein 20-​jähriges Abi-​Jubiläum fiel. Der Clou ist dabei weni­ger, dass ich alle diese Men­schen jetzt errei­chen könnte — bei den aller­meis­ten ging das auch vor­her schon -, son­dern dass ich sie auf Face­book ein­fach errei­chen kann. Und das scheint nicht nur mir so zu gehen: Kurze Nach­richt über das Nach­rich­ten­tool — kurze Ant­wort kommt häu­fig sehr schnell zurück. Ein­fa­cher als E-​Mails, län­ger als Twit­ter, zudem ggf. mit Bil­dern und Links auf­ge­peppt — Facebook-​Nachrichten bil­den mei­ner (zuge­ge­be­ner­ma­ßen kur­zen) Erfah­rung nach eine eigene Nuance im Kon­ti­nuum der text­ba­sier­ten Kommunikationswege.

Zudem geht das ganze auch ohne große Abstri­che übers Handy. Die Facebook-​Android-​App is’ zwar nich’ so dolle, aber zum kur­zen Che­cken „Hat wer was geschrie­ben?” oder „Was machen denn die ande­ren gerade?” reicht es vollkommen.

Inso­fern würde ich viele der Warn­rufe über die „gefähr­li­che Daten­krake” Face­book nicht unein­ge­schränkt tei­len. Sicher, man kann sich in einem sozia­len Netz­werk kom­plett nackig machen. Zumin­dest Face­book im Juni 2011 erzwingt dies aber kei­nes­wegs. Man muss halt — wie so häu­fig im Leben — wis­sen was man tut. Aber viel­leicht sieht man das auch etwas anders, wenn man in Wiki­pe­dia zu fin­den ist

Und über was redet man bei Face­book nun so? Naja, wie nicht anders zu erwar­ten: Immer nur über das Wichtigste…

Facebookkonversation, authentisches Beispiel

Face­book­kon­ver­sa­tion, authen­ti­sches Beispiel

Für die­ses Blog hat meine Facebook-​Anmeldung übri­gens auch zwei Kon­se­quen­zen: Zum einen sollte jeder neue Arti­kel hier ab sofort auf mei­ner Pinn­wand ange­kün­digt wer­den und zum ande­ren hat jeder Arti­kel hier jetzt einen „Gefällt mir”-Knopf, mit dem andere Face­booker auf ihn hin­wei­sen kön­nen. Für bei­des ver­wende ich das WordPress-​Plugin „Add Link to Face­book”. Mal sehen, ob das alles so funk­tio­niert wie die Anlei­tung sagt.

Wer verklagt wen? Patentdickicht als Grafik

Ich war ja ab 2003 sehr aktiv in der Anti-​Softwarepatentbewegung, habe die „Unter­neh­mer­in­itia­tive gegen Soft­ware­pa­tente” mit­be­grün­det und spä­ter „patent​frei​.de”. Ich nehme für diese Akti­ons­bünd­nisse in Anspruch, dass sie einen wich­ti­gen Anteil daran hat­ten, dass die „Soft­ware­patent­di­rek­tive” im Juli 2005 im Euro­päi­schen Par­la­ment abge­lehnt wurde. Ich bin auch wei­ter­hin in die­ser Sache aktiv — sei es im „Bun­des­ver­band Infor­ma­ti­ons– und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie” (BIKT) oder in der Pira­ten­par­tei.

Und nun zu etwas ganz ande­rem: Was ist das?

a) Minesweeper, b) Verwandtschaftsbeziehungen, c) Routenplaner, d) Patentklagen

a) Mines­weeper, b) Ver­wandt­schafts­be­zie­hun­gen, c) Rou­ten­pla­ner, d) Patentklagen

Rich­tig ist Ant­wort (d): Diese hüb­sche kleine Gra­fik zeigt, wel­ches Unter­neh­men gerade wel­ches andere wegen „Patent­ver­let­zun­gen” in der Mobil­funk­bran­che ver­klagt hat. Alle gro­ßen sind dabei: Micro­soft, Apple, HTC, Nokia… Der geneigte Leser möge kurz inne­hal­ten und über­le­gen, wer wohl wer ist, bevor er den Ori­gi­nal­ar­ti­kel anklickt und dort (auf Eng­lisch) die ganze Geschichte liest:

Tech­no­lo­gi­zer: Who’s Suing Who? A Cheat Sheet to the Mobile Patent Mess

Die aktu­el­len Patent­kriege in der Mobil­funk­bran­che sind maß­geb­lich der extre­men Anzahl von Paten­ten geschul­det, die die gefürch­te­ten „Patent­di­ckichte” bil­den: Nie­mand blickt mehr durch, wer über­haupt was paten­tiert hat, aber beim Arbei­ten in einem bestimm­ten Bran­chen­um­feld ist es quasi unmög­lich, ohne die Tech­ni­ken aus­zu­kom­men, um die sich das Dickicht gebil­det hat. So wird Fort­schritt dann zum Glücks­spiel und über die beste Tech­nik ent­schei­den nicht die Ent­wick­ler, son­dern die Anwälte — und die grö­ßere Brieftasche.

Schöne neue Welt.

Conditional Captcha gegen den Spam in diesem Blog

So, es ist mal wie­der an der Zeit auf­zu­rüs­ten. Bereits seit März 2007 sorgt Akis­met hier in die­sem Blog ja für Ruhe an der Spam­front. Aller­dings nur an der sicht­ba­ren. Im Hin­ter­grund exis­tie­ren die Spam­pos­tings wei­ter und mitt­ler­weile wird das so viel, dass die Durch­sicht der „Spam”-Kommentare kaum noch sinn­voll mög­lich ist.

Da ich aber wei­ter­hin die „ech­ten” Kom­men­ta­to­ren nicht mit irgend­wel­chen Rät­seln beläs­ti­gen möchte, habe ich mich jetzt für eine mög­lichst wenig inva­sive Ergän­zung ent­schie­den: Das „Con­di­tio­nal Capt­cha”-Plu­gin fragt jetzt bei allen von Akis­met als „Spam” iden­ti­fi­zier­ten Kom­men­ta­ren — und nur bei die­sen — ein Capt­cha ab. Danach lan­den sie immer noch in der Spam­queue, die­je­ni­gen Kom­men­tare, bei denen die Ant­wort falsch ist, flie­gen aber gleich kom­plett raus.

Da bin ich ja mal gespannt, ob das den Spam­mern Ein­halt gebietet…

Musikkritik: paniq — Beyond Good And Evil

Ich habe ja schon das eine oder andere Mal über Musik geschrie­ben. Ich bin zwar durch­aus ein Main­stream­mensch, aber gerade in den letz­ten Jah­ren schaue ich auch viel nach „alter­na­ti­ver” Musik, ins­be­son­dere sol­cher, die abseits der von der Musikmafiaindus­trie eta­blier­ten Wege ver­trie­ben wird.

paniq: Beyond Good And Evil

paniq: Beyond Good And Evil

Eine Perle sol­chen Schaf­fens ist nun heute erschie­nen: Leo­nard Rit­ter hat als „paniq” sein elf­tes Album ver­öf­fent­licht: „Beyond Good And Evil” knüpft naht­los an das umfang­rei­che Schaf­fen des Künst­lers an: 13 Tracks elek­tro­ni­sche Musik, in der Mehr­zahl eher lang­same Num­mern, die Klang– und Rhyth­mustep­pi­che mit unge­wöhn­li­chen Beats und Har­mo­nien bil­den. Viele der Stü­cke sind für paniqs Werk eher melo­diös — und dan­kens­wer­ter Weise ver­kneift Rit­ter sich dies­mal den Griff zum Mikro­fon komplett.

paniqs Kom­po­si­ti­ons­stil ist seit jeher vom Sample-​basierten Arbei­ten geprägt: Acht bis sech­zehn Takte lange Sam­ples ver­schie­de­ner Rhyth­mus– oder Melo­die­li­nien ord­net er auf meh­re­ren Spu­ren sei­nes Sequen­cers an und ver­schiebt sie immer wie­der gegen­ein­an­der oder tauscht sie aus. Das klas­si­sche „Strophe-​Refrain-​Schema” tritt dabei eher in den Hin­ter­grund. Es ergibt sich so ein sehr typi­sches Klang­bild, das man, wenn man es denn wollte, am ehes­ten irgendwo in der Techno/​Trance-​Schublade unter­brin­gen würde. Das schöne an paniqs Kom­po­si­tio­nen ist aber, dass sie eben kein bil­li­ger Kir­me­s­techno sind, son­dern mit einem fei­nen Gefühl für Melo­dien und Har­mo­nien ange­ord­net wer­den. Bei „Beyond Good And Evil” gelingt ihm das viel­leicht bis­her am bes­ten: Jeder Track ent­wi­ckelt eine eigene Linie, die Instru­men­tie­rung ist abwechs­lungs­reich und das ganze Album fin­det sich trotz­dem unter einem gemein­sa­men Dach. Fein gemacht, unbe­dingt reinhören!

Die Musik ist aber auch des­halb bemer­kens­wert, weil sie eben außer­halb des übli­chen Musik­mark­tes ent­stan­den ist. Rit­ter — bzw. „paniq” — veröffentlicht seine Alben seit jeher als Creative-​Commons–Werke, und zwar unter der sehr frei­gie­bi­gen „cc-​by-​sa”-Vari­ante: Abge­wan­delte oder ver­wen­dende Werke müs­sen wie­der unter die­ser Lizenz ste­hen, weder Bear­bei­tung noch kom­mer­zi­elle Ver­wer­tung sind aber aus­ge­schlos­sen. Bei „Beyond Good And Evil” haben seine Freun­din und er aber zusätz­lich vor­her in der Com­mu­nity um Spen­den bzw. eine Finan­zie­rung gegen Nen­nung auf dem Plat­ten­co­ver bzw. Frei­ex­em­plare des fer­ti­gen Albums nach­ge­fragt. Sei­ner Web­seite nach hat das gut geklappt und das Album ist nun das Resul­tat der Arbeit.

„Beyond Good And Evil” kann man sich auf paniqs Home­page anhö­ren und direkt her­un­ter­la­den. Dabei fragt der Down­load­dia­log nach dem gewünsch­ten Geld­be­trag, den man für die Musik zah­len möchte. Ich halte das für psy­cho­lo­gisch außer­or­dent­lich geschickt, denn obwohl man hier wohl „0” ein­ge­ben kann (ich habe es nicht aus­pro­biert), hält man doch inne: Will ich die Arbeit des Künst­ler wirk­lich nicht hono­rie­ren? Die Zah­lungs­ab­wick­lung läuft über Pay­Pal und ist mei­nes Erach­tens unpro­ble­ma­tisch. Und: Das Geld kommt tat­säch­lich kom­plett beim Künst­ler an und bleibt nicht irgendwo in der Maschi­ne­rie der klas­si­schen Musik­ver­wer­tung hängen.

Ich kann an die­ser Stelle eine klare „Emp­feh­lung zum Rein­hö­ren” geben. „Beyond Good And Evil” ist für mich das erste Album 2011, das zeigt, wel­che Qua­li­tät freie künst­le­ri­sche Arbeit in Zei­ten des Inter­nets errei­chen kann, wenn man sie nur lässt.

Autocasting in Java — An approach

I’m just wri­t­ing some Java code and for the thousand-​and-​first time there is some­thing like

public void someMethod(AnyType a) {
 if (a instanceof DerivateOfAnyType) {
  DerivateOfAnyType d=(DerivateOfAnyType)a;
  d.someMethodOfDerivate();
 }
}

Even though these-​days Java has Gene­rics, Anno­ta­ti­ons and that other cool stuff, you still have need for such casts, and I’m pretty sure that if you replace „Any­Type” with „Object”, you’ll find such occur­ren­ces also in your code (if you are a Java programmer).

Every time I write such stuff, I think for mys­elf: „Why does that Java com­pi­ler not per­form the cast on its own?” I mean: After suc­cess of an „instan­ceof” check, I can be sure that the object is an instance of the type in ques­tion. Why do I have to exp­li­citly name that again. The code would become much more rea­da­ble and not more con­fu­sing if it were chan­ged into


public void someMethod(AnyType a) {
 if (a instanceof DerivateOfAnyType) {
  a.someMethodOfDerivate(); // ((DerivateOfAnyType)a).someMethodOfDerivate();
 }
}

Sear­ching with google quickly lead me to blog entry of Ste­phen Cole­bourne who had pre­ci­sely this idea more than five years ago. The dis­cus­sion in the com­ments of that arti­cle showed two problems:

  1. It can be ambi­guous to call the auto-​derivated class by its old name („a” in the example). The pro­po­sed solu­tion was to define an exp­li­cit new name wit­hin the instan­ceof state­ment:

    public void someMethod(AnyType a) {
     if (a instanceof DerivateOfAnyType as d) {
      d.someMethodOfDerivate();
     }
    }
  2. Even using this syn­tax, there is more space for ambi­gui­ties. Exam­ples were
    boolean b=(a instanceof DerivateType as d);
    or
    if (a instanceof Type1 as t1 || a instanceof Type2 as t2).
    For this pro­blem, the dis­cus­sion ended inconclusively.

After having read that, I’ve ela­bo­ra­ted that auto-​casting stuff a bit. The exam­ples from above are a bit patho­lo­gic. Nor­mally, the whole instan­ceof stuff is only for one type and only wit­hin an if-​construct. So, it all comes down to a syntactic-​sugar thing preven­ting the only sen­si­ble cast from being writ­ten down exp­li­citly. Which brought me to this rule set:

  • The „instan­ceof” ope­ra­tor is exten­ded by an (optio­nal) „as” part. So, it is legal to write a instanceof TypeB as b.
  • An instan­ceof ope­ra­tor exten­ded this way crea­tes a new name „b” for the object instance refe­renced by „a” which refe­ren­ces the same instance auto­ma­gi­cally as being of class „TypeB”
  • The new name „b” is only avail­able wit­hin the block bound to the state­ment with the exten­ded instan­ceof declaration.
  • The exten­ded instan­ceof syn­tax is only allo­wed wit­hin a con­junc­tive non-​negating logi­cal expression.
  • Fur­ther­more, it is only allo­wed if it is the only „instan­ceof” state­ment wit­hin the logi­cal expression.

These defi­ni­ti­ons would make the auto-​casting unam­bi­gious by restric­ting it to the actual nee­ded case. Things like „if (a!=null && a instanceof B as b)” or „while (a instanceof B as b)” would still be pos­si­ble while „if (!(a instanceof B as b))” or „if (a instanceof B as b || a instanceof C as c)” would not. To me, it seems as if this defi­ni­tion of an exten­ded instan­ceof ope­ra­tor would solve the annoy­ing cas­ting syn­tax of these-​days Java in this case while avo­iding all the patho­lo­gi­cal cases descri­bed in the blog arti­cle and its dis­cus­sion men­tio­ned above. Futher­more, note that all the usual rules for cas­ting and assin­ging new con­tent to varia­ble names still apply. So, when wri­t­ing some­thing like „a=new TypeA()”, it would create a new object and leave „b” poin­ting to the old object. In the same way, b=new TypeB() would create a new object just as it would if „b” was decla­red in these-​days Java with the exp­li­cit cast at the begin­ning of the „if” block.

Of course, all of this only is true if I do not miss some­thing in my con­clu­si­ons. But if this works out, I think it would be a nice little exten­sion to the Java syn­tax which era­diac­tes a rather cum­ber­some short­co­m­ing in the syn­tax. And, of course, it is all compiler-​only. Anyone kno­wing how to write a JSR?

Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht — Mitmachen!

Seit heute nacht ziert mein Blog ein neues Logo: Ich ver­weise auf „IGEL”, die „Initia­tive gegen ein Leis­tungs­schutz­recht”. Unter dem Begriff „Leis­tungs­schutz­recht” ver­sucht ein grö­ße­rer Teil der deut­schen Ver­lage seit etwa einem Jahr, die Poli­tik zu einem spe­zi­el­len Schutz­recht für online ver­öf­fent­lichte Ver­lags­in­halte zu tra­gen. Die Wie­der­gabe von Ver­lags­in­hal­ten im Inter­net soll dabei stark ein­ge­schränkt und von Gebüh­ren­zah­lun­gen abhän­gig gemacht wer­den. Wie diese Pläne mit dem Urhe­ber­recht der Auto­ren, vor allem aber mit so fun­da­men­ta­len Din­gen wie dem Zitat­recht ein Ein­klang gebracht wer­den sol­len — auf diese Fra­gen blei­ben die Befür­wor­ter bis­lang eine schlüs­sige Ant­wort schul­dig. Ich halte diese Ideen für eine grö­ßere Gefahr für unsere Mei­nungs– und Pres­se­frei­heit als Vor­rats­da­ten und Zen­sur­sula zusam­men. Ich habe mir fest vor­ge­nom­men, dazu auch noch­mal mehr zu schrei­ben. Im Moment bleibt es erst­mal bei dem Ver­weis auf die Web­seite der Initia­tive und bei dem Auf­ruf: Macht mit! Stellt das Ban­ner auf eure Sei­ten. Zeigt Flagge!

In eigener Sache: Blogupdate

Ich habe mal wie­der upge­da­tet: Seit heute wer­kelt hier Word­Press 3.0.1. Außer­dem habe ich das Feed2Tweet-​Plugin raus­ge­schmis­sen; eigent­lich sollte es nach jedem neuen Arti­kel hier im Blog einen Tweet abset­zen. Unei­gent­lich machte es das aber nicht mehr. Ich ver­mute eine Unver­träg­lich­keit mit der Twitter-​API und der voll­stän­di­gen Ände­rung zur OAuth-​basierten Anmel­dung, die Feed2Tweet, so wie ich es gese­hen habe, wohl nicht unterstützt.

Des­halb teste ich jetzt „Yourls — Word­Press on Twit­ter” als Twee­ter für mein Blog. Ich ver­wende aber auch hier wei­ter „is​.gd” als URL-​Verkürzer. Die­ses Pos­ting ist dahin­ge­hend auch ein Test, ob die neue Twitter-​Anbindung funk­tio­niert. Das ent­schul­digt hof­fent­lich auch sei­nen eher gerin­gen Inhalt…

Quo vadis Urheberrecht? — Zur „Berliner Rede” der Justizministerin, Teil 2

Fort­set­zung des von Teil 1 vom Freitag

Betrach­ten wir vor dem Hin­ter­grund der Rede der Jus­tiz­mi­nis­te­rin die gesamte Pro­ble­ma­tik noch­mal aus einem ande­ren Blickwinkel:

Der Urhe­ber eines Wer­kes ist ein Nichts, wenn sein Werk nicht ver­wen­det bzw. rezi­piert wird. Dies ist aber ein sozia­ler und inter­ak­ti­ver Pro­zess, den der Urhe­ber (und auch even­tu­elle Ver­mitt­ler wie z.B. Ver­le­ger) schlech­ter­dings gar nicht voll­stän­dig kon­trol­lie­ren kann. Die wie ein Man­tra die ganze Rede durch­zie­hende Aus­sage „Der Rech­te­in­ha­ber ent­schei­det, was pas­siert” ist letzt­lich eine Täu­schung. Eigent­lich ent­schei­den näm­lich die Emp­fän­ger, ob ihnen ein Werk wich­tig ist oder nicht und damit geht immer eine Beschäf­ti­gung mit dem Werk ein­her. Im Gesetz fin­den sich nicht umsonst die Schran­ken des Urhe­ber­rechts, das Zitat­recht oder die Pan­ora­ma­f­rei­heit.

Dass damit auch so man­che Urhe­ber ihre Pro­bleme haben, zeig­ten übri­gens die „ein­füh­ren­den Worte” von Ulrich Wickert, der nicht nur erstaun­lich alt gewor­den ist, son­dern seine Rede auch recht scham­los als Wer­be­ver­an­stal­tung für irgend­ein von ihm geschrie­be­nes neues Buch nutzte. Er erzählte ent­rüs­tet, wie ihm ein Leser nach Lek­türe eines sei­ner vor­an­ge­gan­ge­nen Werke ein alter­na­ti­ves Ende zuschickte. Das, so Wickert, sei anma­ßend: „Mein Werk gehört mir.” Ich finde diese Atti­tüde außer­or­dent­lich arro­gant. Nie­mand for­dert von Herrn Wickert, dass er seine Bücher umschreibt, aber der­ar­tig hin­ge­bungs­volle Leser dem Publi­kum als Stö­ren­friede der eige­nen Voll­kom­men­heit zu prä­sen­tie­ren — das geht ja mal gar nicht.

Genau diese Denke ist es aber, die vie­ler­orts im Urhe­ber­recht vor­herrscht. Immer will irgend­je­mand seine ver­meint­li­chen per­sön­li­chen Ansprü­che gesi­chert wis­sen. Dabei ent­steht sämt­li­cher Wert eines lite­ra­ri­schen, musi­schen oder ander­wei­ti­gen nicht-​materiellen Wer­kes erst durch die gesell­schaft­li­che Auf­nahme und Ver­wen­dung. So gese­hen liegt es im urei­gens­ten Inter­esse der Werk­schaf­fen­den, dass die All­ge­mein­heit seine Werke adäquat nut­zen kann. Dass sich die Arten der Nut­zung mit der galop­pie­ren­den tech­ni­schen Ent­wick­lung auch ver­än­dern, liegt in der Natur der Sache. Dies einer­seits durch­aus anzu­er­ken­nen, dann aber ande­rer­seits bei den ent­spre­chen­den Geset­zen vor einer ange­mes­se­nen Umset­zung zurück­zu­zu­cken, bringt im End­ef­fekt gar nichts. Es ist sogar kon­tra­pro­duk­tiv, wenn im Rah­men die­ses Krebs­gan­ges am Ende Murks­ge­setze wie ein „Leis­tungs­schutz­recht” her­aus­kom­men.

Es gibt einen letz­ten Aspekt der „Ber­li­ner Rede zum Urhe­ber­recht”, der mir wich­tig erscheint: Frau Leutheusser-​Schnarrenberger arbei­tet immer wie­der auf einen all­ge­mei­nen Gegen­satz zwi­schen dem Urhe­ber­recht und der „digi­ta­len Welt” hin. „Digi­tal Nati­ves” wer­den da zu radi­ka­len Geg­nern urhe­ber­recht­li­cher Rege­lun­gen, die ein­fach alles für alle frei­ge­ben und sich nicht um Gesetze sche­ren wol­len. Dafür zitiert sie sogar — man höre und staune — die Pira­ten­par­tei, die „die Auf­he­bung künst­li­cher Ver­knap­pun­gen” for­dere und nimmt dies als Beleg für die gene­relle Ableh­nung des Urheberrechts.

Mit Ver­laub, Frau Leutheusser-​Schnarrenberger, aber das ist Quark. Die „künst­li­chen Ver­knap­pun­gen” sind das, was die Ver­mitt­ler ver­zwei­felt ver­su­chen zu hal­ten, um wei­ter­hin eine Rolle spie­len zu kön­nen. Ansons­ten machen nicht nur wir, son­dern alle Werk­schaf­fen­den in der digi­ta­len Welt sich sehr viele Gedan­ken über das Urhe­ber­recht. Nicht umsonst ist in den letz­ten 15 Jah­ren eine ganze Klasse neuer Lizenz­mo­delle ent­stan­den und mehr als ein­mal hat es da Knatsch wegen wider­recht­li­cher Nut­zung gege­ben. Es ist näm­lich auch eine Wahr­heit, dass gerade die Ver­le­ger und Ver­mitt­ler zwar laut schreien, wenn sie ihre über­kom­me­nen Pri­vi­le­gien in Gefahr sehen, es gleich­zei­tig aber mit den Rech­ten ande­rer nicht allzu genau neh­men. Berichte über nicht lizenz­ge­rechte Über­nah­men — man könnte schlicht „Abschrei­ben ohne Quel­len­an­gabe” nen­nen — von Wiki­pe­diaar­ti­keln oder ande­ren CC– oder GFDL-​lizenzierten Wer­ken sind längst Legion.

Wohin treibt nun das Urhe­ber­recht? Die Ver­an­stal­tung am Mon­tag war der Auf­takt eines mehr­mo­na­ti­gen Pro­zes­ses, der ver­schie­dene Anhö­run­gen brin­gen wird und schließ­lich in einem Geset­zes­ent­wurf für einen „Drit­ten Korb” zur Ände­rung des Urhe­ber­rechts mün­den soll. Dass das aktu­elle Urhe­ber­recht mit sei­nen mitt­ler­weile extre­men Ein­schrän­kun­gen der Nutz­bar­keit kul­tu­rel­ler Werke stark ver­bes­se­rungs­be­dürf­tig ist, steht außer Frage. Ich sehe aller­dings die Gefahr, dass die­ser Geset­zes­pro­zess auch zu einem noch restrik­ti­ve­ren Recht füh­ren kann, wenn er nicht geeig­net beglei­tet wird. Frau Leutheusser-​Schnarrenberger war mit den Inhal­ten ihrer Rede teil­weise wie der viel­zi­tierte Pud­ding, der sich nicht an die Wand nageln lässt. Im Zwei­fels­fall bedeu­tet das nichts Gutes, wenn es darum geht, den viel­fäl­ti­gen Lob­by­grup­pen im Namen der All­ge­mein­heit ent­schie­den ent­ge­gen­zu­tre­ten. Genau das erwarte ich aber von einer Bundesministerin.

Quo vadis Urheberrecht? — Zur „Berliner Rede” der Justizministerin, Teil 1

Da hat sie nun also ihre „Ber­li­ner Rede zum Urhe­ber­recht” gehal­ten, unsere Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin. Den Rede­text gibt es online und Kom­men­tare und Zusam­men­fas­sun­gen dazu zum Bei­spiel bei Heise Online oder Tele­po­lis. Auch ich habe am Mon­tag in der Berlin-​Brandenburgischen Aka­de­mie geses­sen und ihren Aus­füh­run­gen gelauscht.

Bei mir hin­ter­lässt die Rede von Frau Leutheusser-​Schnarrenberger einen sehr zwie­späl­ti­gen, letzt­lich aber nega­ti­ven Ein­druck. Einer­seits war die Rede gespickt mit Aus­füh­run­gen, die so auch auf einem belie­bi­gen Par­tei­tag der Pira­ten­par­tei Sze­nen­ap­plaus bekom­men hät­ten. Die Minis­te­rin hat das Inter­net als gesell­schaft­li­che Revo­lu­tion bezeich­net, Wis­sen und Infor­ma­tion seien viel bes­ser und schen­l­ler ver­füg­bar, aber auch viel ein­fa­cher und direk­ter erzeug­bar gewor­den. Der krea­tive Mensch muss im Mit­tel­punkt ste­hen, nicht der Ver­wer­ter. Bei der digi­ta­len Revo­lu­tion müs­sen wir die Chan­cen sehen und nicht immer nur auf die Risi­ken starren.

All dies sind Aus­sa­gen, die ich ohne wenn und aber unter­stütze. Und es tat gut, das mal so klar und deut­lich aus dem Mund eines Bun­des­mi­nis­ters zu hören. Aber was nüt­zen die schöns­ten Worte, wenn sie nicht kon­se­quent zu Ende gedacht wer­den? Und genau das pas­siert nicht! Statt­des­sen kommt es immer wie­der zu argu­men­ta­ti­ven Haken­schlä­gen, die all die schö­nen Ein­sich­ten Maku­la­tur wer­den lassen.

Da erwähnt die Minis­te­rin mehr­fach, dass sich die ana­loge Zeit nicht ins Digi­tale über­tra­gen lässt. Da for­mu­liert sie expli­zit, dass das Recht keine über­hol­ten Geschäfts­mo­delle schüt­zen darf. Und jedes Mal denke ich mir: „Cool, wie­der eine Breit­seite gegen die­ses idio­ti­sche ‚Leis­tungs­schutz­recht’.” Und dann das: Wenn Ver­mitt­ler Leis­tun­gen erbrin­gen, dann muss diese Leis­tung geschützt wer­den, zum Bei­spiel Zei­tungs­ver­le­ger. Und expli­zit: „Die Frage ist nicht, ob es ein Leis­tungs­schutz­recht für Ver­le­ger geben soll, son­dern wie die­ses aussieht.”

Das ist aus­ge­spro­chen übel. Bis heute gibt es keine ein­zige mir bekannte neu­trale Instanz, die auch nur for­mu­lie­ren könnte, wie ein „aus­ge­wo­ge­nes Leis­tungs­schutz­recht” aus­se­hen könnte. Weil es ein sol­ches schlicht nicht gibt! Der ein­zige etwas kon­kre­tere Text, jener Ent­wurf von sei­ten der Ver­le­ger, ist eine Ansamm­lung von ten­den­ziö­sen Regeln, die der klei­nen, in der heu­ti­gen Zeit zun­ehe­mend unwich­ti­ger wer­den­den gesell­schaft­li­chen Gruppe von Ver­le­gern, ihre Pfründe auf Kos­ten der All­ge­mein­heit und der Werk­schaf­fen­den sichern und sie sogar aus­bauen soll. Es ist der ver­zwei­felte Ver­such, über­kom­mene Geschäfts­mo­delle gegen den Fort­schritt zu ver­tei­di­gen. Es ist die Text gewor­dene Anti­these zu allem, was die Minis­te­rin im Urhe­ber­recht vor­geb­lich errei­chen will.

Wie ernst kann man vor dem Hin­ter­grund die gesam­ten Aus­füh­run­gen vom Mon­tag neh­men? Wir sol­len „mehr auf die Mög­lich­kei­ten als auf die Risi­ken schauen”? Ja, aber! Das Urhe­ber­recht „schützt den Urhe­ber”? Ja, aber! Keine „Schon­räume für abge­lau­fene Geschäfts­mo­delle”? Ja, aber! All die hee­ren Grund­sätze gel­ten offen­sicht­lich nur, solange keine Lob­by­gruppe etwas ande­res will.

Zu Recht zeiht Frau Leutheusser-​Schnarrenberger das Urhe­ber­recht über­bor­den­der Kom­ple­xi­tät und zitiert dabei sogar Linus Tor­valds. Aber dann zieht sie Leis­tungs­schutz­rechts­ka­nin­chen aus dem Zylin­der, die irgend­wie „die Ver­le­ger schüt­zen”, gleich­zei­tig aber Link– und Zitat­frei­heit erhal­ten sol­len. Zum einen erhöht dies die Kom­ple­xi­tät der sowieso schon kom­ple­xen Geset­zes­land­schaft wei­ter und zum ande­ren steht die­ser gesamte Ansatz in voll­stän­di­gem Gegen­satz zu dem, was die Minis­te­rin immer wie­der betont: Dass das Gesetz den Urhe­ber schüt­zen soll. Ein wie auch immer gear­te­tes Leis­tungs­schutz­recht wird aber genau die­sen Schutz wei­ter aus­he­beln, es beschnei­det die Mög­lich­kei­ten des Urhe­bers mas­siv zu Guns­ten irgend­wel­cher Ver­le­ger und dass der All­ge­mein­heit anschlie­ßend auf eine ver­krüp­pelte Weise sein Werk wei­ter zur Ver­fü­gung steht, nützt ihm, dem Urhe­ber, auch nichts.

Wei­ter geht’s mit Teil 2 am Montag