Tran­skript des In­ter­views von Ge­org Jäh­nig mit Lena Si­mon zur „Gen­der­de­batte“ in der Pi­ra­ten­par­tei

Seit et­was mehr als ei­ner Wo­che tobt eine laut­starke Dis­kus­sion in der Pi­ra­ten­par­tei. Es geht all­ge­mein um die Si­tua­tion von Frauen in der Par­tei, ins­be­son­dere aber um eine „Piratinnen“-Initiative von Lena Si­mon, die mit Pres­se­mit­tei­lung und Frauen-only-Mai­ling­liste ge­star­tet wurde.

Lena hat am Frei­tag ein halb­stün­di­ges In­ter­view mit Ge­org Jäh­nig ge­macht, das Ge­org als Au­dio­da­tei in sei­nem Blog ver­öf­fent­licht hat. Als Bei­trag zur De­batte ver­öf­fent­li­che ich hier jetzt zu­nächst mal ein kom­plet­tes Tran­skript die­ses In­ter­views. Ich finde es im­mer wich­tig, sich mit den Ur­he­bern ei­ner Idee zu be­schäf­ti­gen, be­vor man in wil­des De­bat­tie­ren aus­bricht. Und auf diese Weise wer­den die ak­tu­el­len Äu­ße­run­gen von Lena auch für sol­che Le­ser ver­füg­bar, die – wie ich – lie­ber ge­schrie­be­nem als ge­spro­che­nem Text fol­gen.

Das Tran­skript ist voll­stän­dig und un­kom­men­tiert. An ei­ni­gen Stel­len war der Wort­laut nicht ex­akt zu ver­ste­hen, diese sind ge­kenn­zeich­net. Ich habe ei­nige Schlen­ker oder gram­ma­ti­ka­li­sche Un­ge­nau­ig­kei­ten der wört­li­chen Rede im Tran­skript in sin­ner­hal­ten­der Weise ge­glät­tet. Und ich hoffe, ich habe Ge­org an al­len Stel­len kor­rekt von Jörg Büh­mann un­ter­schie­den, der bei dem In­ter­view eben­falls da­bei war.

Da mein Word­Press mit dem WP-Ty­po­gra­phy-Plugin das Zi­tie­ren teil­weise et­was schwie­rig macht, gibt es das Tran­skript auch als ein­fa­che Text­da­tei zum Down­load. An­sons­ten: Here we go:

Ge­org Jäh­nig in­ter­viewt Lena Si­mon und Jörg Büh­mann zur ak­tu­ell an­ge­sto­ße­nen Gen­der­de­batte

http://​ge​org​ja​eh​nig​.word​press​.com/​2​0​1​0​/​0​3​/​0​6​/​p​i​r​a​t​i​n​n​e​n​-​i​n​t​e​r​v​i​e​w​-​m​i​t​-​l​e​na/

Tran­skript von Dirk Hill­brecht, CC-BY-SA 3.0

0’00

Ge­org Jäh­nig: So, es ist jetzt Frei­tag, der 5. März, da­mit sie­ben Tage nach­dem Lena eine Pres­se­mit­te­lung her­aus­ge­bracht hat, mit der sie die Pi­ra­tin­nen an­ge­kün­digt hat. Eine In­itia­tive in­ner­halb der Pi­ra­ten­par­tei un­ter dem Schlag­wort „Klar­ma­chen zum Gen­dern“. Teil der In­itia­tive ist eine Mai­ling­liste, die nur Frauen vor­be­hal­ten ist. Lena sitzt jetzt ne­ben mir. Erst­mal hallo Lena.

Lena Si­mon: Ja, hallo.

Ge­org: Wo­her kennt man dich in der Pi­ra­ten­par­tei viel­leicht schon?

Lena: Naja, ich habe schon an ei­ni­gen Stel­len ak­tiv, hab sehr um­fang­reich in Bran­den­burg zum Bei­spiel noch Un­ter­schrif­ten ge­sam­melt und hab bei dem Mu­sik­vi­deo mit­ge­macht.

Ge­org: Die Pres­se­mit­tei­lung hat große Wel­len ge­schla­gen und die Dis­kus­sion die dann drum­rum lief, hat auch Jörg ver­folgt. Jörg sitzt auch ne­ben mir, ist Stu­dent aus Ber­lin und ist nicht Pi­rat, oder?

Jörg Büh­mann: Nein, ich bin kein Pi­rat. Ich bin zwar schon von An­fang an Sym­pa­thi­sant der Pi­ra­ten und hab die auch schon sehr lang ver­folgt, also die Grün­dung und die gan­zen Start­schwie­rig­kei­ten. Auch Netz­po­li­tik ist all­ge­mein et­was, was mich sehr in­ter­es­siert. Po­li­tik auch sonst ist für mich im­mer schon eine re­le­vante Ge­schichte ge­we­sen. Des­we­gen finde ich das, was jetzt hier die letz­ten Tage los­ge­bro­chen ist bei den Pi­ra­ten durch diese eine Pres­se­mit­tei­lung, äu­ßerst span­nend.

Ge­org: Ge­nau und dar­über un­ter­hal­ten wir uns jetzt. Ich stelle mich auch kurz vor: Ich bin Ge­org, bin Pi­rat seit ei­nem hal­ben Jahr, und ich habe auch die Dis­kus­sion ver­folgt. – Lena, warum hast du diese In­itia­tive ge­grün­det?

1’24

Lena: Ja, da kom­men wir gleich zum Haupt­thema. Zur Haupt­frage. Die Frage wie ste­hen Frauen in der Ge­sell­schaft, was ha­ben sie für eine Po­si­tion ist eine, die mich schon mein gan­zes Le­ben be­glei­tet. Und als ich in die Netz­po­li­tik kam, vor­ran­gig zur freien Soft­ware­ent­wick­lung, ist mir eine Sa­che sehr stark auf­ge­fal­len. Und zwar, dass diese ganze Ent­wick­lung mit In­ter­net, Com­pu­ter, Di­gi­ta­li­sie­rung, dass wir da ein un­glaub­lich gro­ßes Macht­werk­zeug ha­ben. Ein Macht­werk­zeug, mit dem wir jetzt uns noch gar nicht vor­stel­len kön­nen, was da al­les noch mög­lich sein wird. Das ist ja auch eine der Aus­sa­gen der Pi­ra­ten­par­tei, dass wir da jetzt auf­pas­sen müs­sen, in wel­cher Art und Weise wir die­ses Macht­werk­zeug ge­stal­ten.

2’21

Und ich habe fest­ge­stellt, ich habe ge­merkt, ir­gend­wie, die meis­ten Freun­din­nen, die meis­ten Frauen, die ich kenne, in­ter­es­sie­ren sich gar nicht da­für. Die in­ter­es­sie­ren sich nicht für Com­pu­ter, die nut­zen das zwar, aber die ken­nen sich nicht wirk­lich da­mit aus und wol­len das auch gar nicht. Ei­nes mei­ner Pro­bleme war im­mer die Über­le­gung: „Mensch, die ge­samte Eman­zi­pa­tion war, ja, fast für die Katz‘, wenn wir Frauen jetzt ein­fach frei­wil­lig dar­auf ver­zich­ten, an die­sem Macht­werk­zeug teil­zu­ha­ben und daran zu par­ti­zi­pie­ren.“ Und so in der Zeit, je mehr ich das fest­ge­stellt habe, was es da für Schwie­rig­kei­ten gibt, umso mehr wurde das ir­gend­wie zu ei­nem mei­ner The­men. Ich habe das auch schon häu­fi­ger ver­sucht, auch in der Pi­ra­ten­par­tei zu the­ma­ti­sie­ren. Und hatte im­mer ziem­li­che Schwie­rig­kei­ten da­mit.

Ge­org: Kurz ge­fragt: Du hat­test Schwie­rig­kei­ten da­mit, zu the­ma­ti­sie­ren, dass Frauen sich eben nicht da­für in­ter­es­sie­ren oder zu­min­dest nicht so prä­sent sind in der… Oder er­klär‘ das viel­leicht ge­nau selbst.

3’28

Lena: Nein. Wenn ich es the­ma­ti­siert habe, dann wurde ei­gent­lich sehr of­fen be­geg­net: „Ja, na­tür­lich, wir wol­len gerne mehr Frauen ge­win­nen. Ist ja auch für eine Par­tei ziem­lich wich­tig. Frauen sind ja schließ­lich die Hälfte der Wahl­be­völ­ke­rung.“ Da wurde sehr sehr po­si­tiv drauf be­geg­net. Nur wenn ich dann mit sol­chen Fra­gen der Gleich­be­rech­ti­gung und so wei­ter kam, wurde ich re­la­tiv schnell ab­ge­bü­gelt im Sinne von, also, mit dem Kom­men­tar: „Wir sind Post­fe­mi­nisus. Bei uns sind alle gleich. Wir ma­chen kei­nen Un­ter­schied. Und des­halb wol­len wir da auch gar nicht drü­ber re­den.“

Ge­org: Aber ist es nicht ge­nau das Ziel, quasi kei­nen Un­ter­schied zu ma­chen?

4’06

Lena: Es gibt ei­nen Un­ter­schied zwi­schen Gleich­be­rech­ti­gung und Gleich­stel­lung. Den halte ich für sehr wich­tig. Und na­tür­lich ist es ein sehr, sehr löb­li­ches Ziel zu sa­gen: „Na­tür­lich, wir wol­len ein­fach gar kei­nen Un­ter­schied ma­chen.“ Nur so­lange wir die­ses Ziel noch nicht er­reicht ha­ben, hilft das auch nicht zu sa­gen: „Es ist so“, und dann ist es auch so. Also, al­lein zu be­haup­ten, dass es so wäre, führt uns noch nicht da­hin, dass es so ist. Dazu ist es wich­tig, sich dar­über be­wusst zu sein, dass es eben noch nicht so ist, weil wenn man denkt, es gibt kein Pro­blem, mit dem um­ge­gan­gen wer­den muss, dann geht man auch nicht da­mit um, dann geht man auch nicht dar­auf ein und dann hat man über­haupt kein Be­wusst­sein für das Thema. Und das halte ich für so ge­fähr­lich an der Aus­sage, wir seien Post­fe­mi­nis­mus. Ich wage zu be­haup­ten, dass das ein­fach nicht der Fall ist.

5’05

Ge­org: Du hast ja in der Pres­se­mit­te­lung ge­schrie­ben, du willst ei­nen Schutz­raum bie­ten, den Frauen… aber ein Schutz wo­vor. Hast du viel­leicht schon selbst Si­tua­tio­nen er­lebt, in de­nen du ei­nen Schutz­raum ge­habt hät­test und der dir ge­fehlt hat in der Pi­ra­ten­par­tei?

5’16

Lena: Darf ich noch ganz kurz zur Pres­se­mit­te­lung was sa­gen. Es gibt näm­lich hier eine große Kri­tik, dass ich ei­gen­stän­dig Sa­chen ge­macht habe, dass Frauen sa­gen: Für mich spricht die gar nicht. Sie tut aber so, als würde sie das. Des­we­gen ist es mir ganz wich­tig, noch ei­nen fet­ten Dis­clai­mer hier an der Stelle erst­mal zu po­si­tio­nie­ren. Ich spre­che nicht für die Pi­ra­ten­par­tei und ich spre­che nicht für alle Frauen in der Pi­ra­ten­par­tei. Ich spre­che in ers­ter Li­nie für mich und wenn… Ich glaube aber, dass es auch ein paarr Frauen gibt in der Pi­ra­ten­par­tei, die sich da­mit iden­ti­fi­zie­ren kön­nen. Das nur noch­mal, um das deut­lich zu ma­chen.

Ge­org: Der Schutz­raum…

5’56

Lena: Ge­nau, die Schutz­räume. Ja, ich war schon­mal in so ei­ner Si­tua­tion, in der ich mir ge­wünscht hätte, dass ich ge­schützt werde. Das be­deu­tet zum Bei­spiel, dass ich mir ge­wünscht hätte, dass mir zum Bei­spiel nicht eine an­dere Frau in den Rü­cken fällt, in dem Mo­ment in dem ich ver­su­che, et­was zu the­ma­ti­sie­ren.

Ge­org: Kannst du das viel­leicht mal be­schrei­ben? Ein biss­chen kon­kre­ter, wie das aus­sah, was das war?

Lena: Zu kon­kret möchte ich das auch gar nicht, weil es wird dann auch per­sön­lich und die Pi­ra­ten ha­ben ja auch das Schlag­wort „Pi­ratsphäre“ ge­prägt…

6’30

Ge­org: Aber das wir ein­fach eine Vor­stel­lung da­von krie­gen, wie Frauen sich füh­len, wenn sie sich un­wohl füh­len in dem Sinne, den du meinst.

Lena: Also was zum Be­spiel eine große Schwie­rig­keit ist, ist, wenn ich ver­su­che, et­was zu the­ma­ti­sie­ren und zu sa­gen: „Hier gibt es eine Schwie­rig­keit da­mit, dass wir Män­ner und Frauen sind. Hier gibt es ein Pro­blem“. Und da­mit dann erst­mal ab­ge­bü­gelt werde: „Das stimmt nicht.“ Zwei­tens mal Au­gen­rol­len ernte, weil je­der ist ein­fach diese Dis­kus­sion leid. Kann ich auch gut ver­ste­hen (lacht). Die wurde auch ein­fach schon in Ar­ten ge­führt, die ich auch sel­ber ab­so­lut nicht für rich­tig halte. Und das Dritte ist, dass Frauen die sa­gen, sie ha­ben das­selbe nicht so er­lebt, dann aber nicht in dem Mo­ment sa­gen: „Ach ja, das ist ja in­ter­es­sant. Hab‘ ich so noch nicht er­lebt, aber er­zähl doch­mal, was ge­nau meinst du denn“, son­dern dass sie be­son­ders laut sa­gen: „Also, ich habe so­was noch nie er­lebt und das kommt über­haupt nicht vor und das ist Quatsch, was du sagst.“ Und da­mit ent­steht eine ganz große Schwie­rig­keit und die­ses Phä­no­men, dass Frauen so hef­tig re­agie­ren auf die­ses Thema habe ich ei­nem rei­nen Frau­en­kreis noch nie er­lebt. Diese Aus­sage, Frauen äu­ßern sich an­ders au­ßer­halb, also in ge­trenn­ten…, also un­ter­ein­an­der, ist über­haupt keine Kri­tik an den Män­nern, dass sie viel­leicht ir­gend­was falsch ma­chen, das ist ein­fach nur eine Fest­stel­lung ei­nes Phä­no­mens, das üb­ri­gens auch nicht mehr jung ist. Und dem ich gerne mit die­sem Schutz­raum ent­ge­hen würde. Wo ich sa­gen würde: „Hier kön­nen wir auf eine an­dere Art und Weise kom­mu­ni­zie­ren.“ Das ist al­les.

8’20

Jörg: Ja, Frauen ha­ben es in män­ner­ge­präg­ten Si­tua­tio­nen meis­tens ein biss­chen schwe­rer. Also das kennt man ja auch, wenn man jetzt so als ty­pi­scher Nerd [un­ver­ständ­lich] auf Com­pu­ter­kon­gres­sen, wo es dann nur so eine Hand voll Frauen gibt oder ir­gend­wie auf der Rol­len­spiel­con­ven­tion, da sind’s dann auch nur drei. Und das sind in sol­chen Si­tua­tion, in de­nen Frauen die Min­der­hei­ten sind, kom­men ja nur die Frauen über­haupt an, die es schon all­ge­mein ei­ni­ger­ma­ßen schaf­fen, sich durch­zu­set­zen ge­gen an­dere. Und trotz­dem sind sie in so ei­ner Si­tua­tion dann die Min­der­heit. Und wenn man Teil ei­ner Gruppe ist, aber Teil ei­ner Min­der­heit in ei­ner Gruppe, ist es na­tür­lich schwie­ri­ger, sich dann zu äu­ßern, weil der Rück­halt in der Gruppe nicht so groß ist.

Ge­org: Also, das Zi­tat in der Pres­se­mit­tei­lung war ja auch, auch die lei­sen Stim­men un­ter den Frauen sol­len Ge­hör fin­den. Und ich würde gern wis­sen: Was un­ter­schei­det denn leise Stim­men un­ter den Frauen von lei­sen Stim­men un­ter den Män­nern?

Lena: Die ei­nen wur­den von Frauen ge­spro­chen, die an­de­ren von Män­nern. (lacht)

Ge­org: Sind das dann nicht die glei­chen Pro­bleme, die beide ha­ben.

Lena: Naja, also Jörg hat ja ge­rade eben von den un­ter­schied­li­chen Sor­ten von Min­der­hei­ten ge­spro­chen und die lei­sen Stim­men der Män­ner sind eine Min­der­heit der Mehr­heit. Von da­her gibt es da na­tür­lich – ist es nicht kom­plett gleich. Aber: Klar, es braucht na­tür­lich auch Mög­lich­kei­ten für die schüch­ter­nen oder lei­sen Män­ner, sich zu ar­ti­ku­lie­ren. Und da bin ich auch schon im Ge­spräch mit rka [An­dreas Baum], dem Lan­des­vor­sit­zen­den in Ber­lin, ge­nau hier­für auch Struk­tu­ren zu schaf­fen. Das ist völ­lig un­ab­hän­gig da­von, dass wir ein Kreis, also wir Pi­ra­tin­nen, ei­nen Kreis von nur Frauen grün­den wol­len.

Ge­org: Noch­mal die Frage: Das Ziel ist glaube ich, gar nicht so um­strit­ten. Die Frage ist ein­fach nur: Warum will man sich – wenn man schüch­terne Frauen hat und auch schüch­terne Män­ner, warum will man sich um die schüch­ter­nen Frauen trotz­dem ge­trennt von den schüch­ter­nen Män­nern küm­mern?

10’25

Lena: Weil das Thema nicht „Schüch­tern­heit“ ist, son­dern die Pro­ble­ma­tik, als Frau in die­ser Gruppe zu exis­tie­ren. Und das hier ein­fach na­tür­lich, hier sind Schwie­rig­kei­ten, die ha­ben mit Schüch­tern­heit nicht so viel zu tun, son­dern es ist auch eine sehr sehr sehr lange his­to­risch ge­wor­dene Si­tua­tion, dass Frauen seit Jahr­tau­sen­den be­nach­tei­ligt wur­den. Und nicht ernst ge­nom­men wur­den. Und wenn ich jetzt sa­gen möchte: „Ich fühle mich nicht ernst ge­nom­men“, in ei­ner Gruppe, in der ich Angst habe, nicht ernst ge­nom­men zu wer­den – weil aus ei­nem an­de­ren Grund würde ich ja nicht sa­gen wol­len, ich fühle mich nicht ernst ge­nom­men, dann habe ich eben die Angst, nicht ernst ge­nom­men zu wer­den. Und das heißt, ge­nau die The­ma­ti­sie­rung die­ses The­mas fällt un­glaub­lich schwer in dem Mo­ment, wo schon die Frage im Raum steht: Ist die­ses Thema re­le­vant.

Ge­org: Was sind denn so Bei­spiele für diese Pro­bleme mit Frauen, also die Frauen ha­ben, meine ich, in der Pi­ra­ten­par­tei. Was für Dis­kus­sio­nen gibt es denn auf der Mai­ling­liste, wo nur Frauen zu­min­dest dem Ti­tel nach mit­le­sen und mit­schrei­ben?

11’35

Lena: Ja, also, ich möchte na­tür­lich jetzt nicht zu viel dar­über sa­gen. An ei­ni­gen an­de­ren Stel­len sind ja auch schon Dinge ge­leakt. Man kann zum Bei­spiel das auch in der taz schön nach­le­sen. Keine Ah­nung wie die daran ge­kom­men ist.

Ge­org: Viel­leicht war das eine Frau?

Lena: Ja, das kannn gut sein, dass sie sich da ein­fach ein­ge­tra­gen hat als Frau.

Ge­org: Ja, das ist ja jetzt so ein biss­chen die Frage: Wenn du ei­nen Schutz­raum willst, und das ist die Mai­ling­liste, wie kon­trol­lierst du ei­gent­lich, dass erst­mal nur Frauen da teil­neh­men kön­nen und dann auch, dass die Dinge da ge­heim blei­ben. Geht das über­haupt?

12’04

Lena: So, jetzt hast du mich auch die erste Frage noch gar nicht ant­wor­ten las­sen. Aber jetzt ant­worte ich erst­mal dar­auf. Auf die­ser Liste kann ich das nicht fest­stel­len. Auf die­ser Liste ha­ben wir uns jetzt drauf ge­ei­nigt, zu sa­gen: „Ja Mensch, zu­min­dest müs­sen sich alle Män­ner hier als Frauen aus­ge­ben.“ Und da­mit ha­ben wir ja quasi et­was ge­schaf­fen, was ge­gen­tei­lig ist zu der Si­tua­tion, wie wir sie in der Pi­ra­ten­par­tei ha­ben, wo be­haup­tet wird, dass der Be­griff „Pi­rat“ ge­schlechts­neu­tral sei, was ich ehr­lich ge­sagt ziem­lich frech finde. Das heißt, an die­ser Stelle ha­ben wir zu­min­dest erst­mal den Spieß rum­ge­dreht (lacht) und… Si­cher­stel­len kann ich das nicht, das habe ich auch den Frauen in der Liste deut­lich ge­macht und ge­sagt – die sind sich da­drü­ber jetzt auch spä­tes­tens seit der taz be­wusst. Es soll noch eine zweite Mai­ling­liste ge­ben, die fange ich an, so­bald Be­darf an­ge­kün­digt wird, die so eine Art „Web of Trust“ ist. Also, das funk­tio­niert dann ähn­lich wie bei den „Häck­sen“. Die ma­chen das glei­che. Die hat­ten üb­ri­gens ei­nen ähn­li­chen Kampf am An­fang, sind heute to­tal eta­bliert und an­er­kannt und da­mit hat über­haupt kei­ner mehr ein Pro­blem.

Ge­org: Das sind die Frauen im CCC, nur als kurze Er­klä­rung.

13’15

Lena: Ge­nau, das sind die Frauen im CCC. Und es ha­ben sich auch ei­nige Häck­sen zum Bei­spiel ge­mel­det, um jetzt noch­mal auf den In­halt zu­rück­zu­ge­hen, die ge­sagt habe: „Ja, ich kenne die Dis­kus­sion. Halte durch, es ist al­les in Ord­nung. So lief das bei uns am An­fang auch.“

An­dere Sa­chen sind das Ziel, was ich mir ge­setzt hatte, mal ein of­fe­nes Ohr da­für zu ha­ben: Gibt es denn zum Bei­spiel Frauen, die aus dem Grund aus der Pi­ra­ten­par­tei schon wie­der aus­ge­tre­ten sind. Gibt es viel­leicht Män­ner, die aus dem Grund aus der Pi­ra­ten­par­tei wie­der aus­ge­tre­ten sind. Bei­des kann ich mitt­ler­weile be­ja­hen, denn es ha­ben sich Leute bei mir ge­mel­det.

13’55

Im Mo­ment sind so die – The­ma­tisch be­schäf­ti­gen wir uns da­mit, wie möch­ten wir uns dar­stel­len, was ist jetzt ge­nau ei­gent­lich un­ser Selbst­ver­ständ­nis. Wir dis­ku­tie­ren den Slo­gan „Klar­ma­chen zum Gen­dern“. Und was auch ein wich­ti­ges Thema ist, ge­rade, ist: Wie ge­hen wir mit den An­grif­fen um, die uns wi­der­fah­ren. Es gibt ei­nige Frauen, die sich auch deut­lich ein­ge­setzt ha­ben, deut­lich zum Bei­spiel in Blogs und so wei­ter deut­lich ge­macht ha­ben, dass sie das Thema wich­tig fin­den. Und die wer­den zum Teil hart at­ta­ckiert. Also, ich werde ja auch at­ta­ckiert, aber da­mit set­zen wir uns jetzt auch aus­ein­an­der.

14’40

Das heißt auch, dass die Frage ist: Sind wir über die­ses Thema hin­weg? Wenn ich die­ses Thema nicht an­spre­chen kann ohne be­fürch­ten zu müs­sen, dass ich der­art hef­tig an­ge­grif­fen werde, und zwar eben per­sön­lich, nicht in­halt­lich, per­sön­lich – un­glaub­lich emo­tio­na­li­siert – dann kann mir kei­ner er­zäh­len, dass wir über die­ses Thema schon hin­weg sind, denn dann müsste es ja theo­re­tisch ganz ein­fach mög­lich sein, auch an der Stelle eine an­dere Mei­nung zu ha­ben.

15’10

Und was die­ses Thema sehr deut­lich aus­zeich­net ist, dass sehr schnell so ein He­bel um­ge­legt wird. Also, ich sage ir­gend­was wie „Fe­mi­nis­mus“ oder „Gleich­be­rech­ti­gung“ und mir wird un­glaub­lich viel in den Mund ge­legt. Es geht so­fort die Lampe an: „Ja, das ist so eine Alice Schwar­zer“ und mir wer­den sämt­li­che Vor­ur­teile, die man von Eman­zen hat, in den Mund ge­legt. Es gab ganz häu­fig den Vor­wurf: „Ja, ihr wollt eine Quote ein­füh­ren oder dan Binnen-‚I‘.“ Nichts da­von – habe ich nie­mals ge­sagt, weise ich auch jetzt von mir. Das ist über­haupt nicht mein Ziel. Das wurde mir aber in den Mund ge­legt und da­ge­gen wurde ar­gu­men­tert. Was auf mei­ner Seite dann ins Leere ging, weil das hatte ich nie ge­sagt.

15’57

Im Ge­gen­teil, ich habe eine sehr große Kri­tik an die­sen über­trie­be­nen Eman­zen, wie man sie ja so schön nennt, die viel­leicht tat­säch­lich zum Ziel ha­ben, jetzt den Spieß ein­fach kom­plett rum­zu­dre­hen. Ich möchte den Spieß nicht kom­plett rum­dre­hen. Ich möchte Gleich­be­rech­ti­gung. Ich möchte wirk­lich, dass es gleich ist. Und Leute, also Frauen, die dann sa­gen: „Oh, gibst du mir bitte mal die Salz­streue­rin“, de­nen könnte ich den Hals rum­dre­hen. Weil das dazu führt, das ein un­glaub­lich wich­ti­ges Thema nicht mehr ernst ge­nom­men wird.

16’31

Ge­org: Du hast ja im Tweet ge­sagt: „Wäre Gen­der schon wirk­lich post, dann würde an­ders re­agiert“. Ja, wie denn? Wie würde re­agiert, wenn wir wir­lich schon eine Post­gen­der­ge­sell­schaft hät­ten und je­mand würde eine Mai­ling­liste grün­den, die nur Frauen vor­be­hal­ten ist.

16’42

Lena: Ja, so what. Also, wenn ich mir vor­stelle: „Ok, es ist al­les ok, es ist al­les in But­ter, es ist al­les in Ord­nung“ und es kommt je­mand und sagt: „Für mich ist nicht al­les in But­ter an der Stelle“, dann sage ich: „Oh, mein Gott, er­zähl mehr. Was ge­nau ist denn das Pro­blem?“ Ich gehe auf die Per­son ein. Ich gehe auf sie zu und ich fange nicht an, wie ein wil­des Tier ir­gend­wie Sa­chen nach der Per­son zu schmei­ßen und zu sa­gen: „Du hast Un­recht und das ist to­tal falsch al­les.“

17’14

Ge­org. Also ich glaube auch eher, das Pro­blem ist auch eher gar nicht die The­ma­tik, son­dern die Wahl der Mit­tel. Näm­lich das Mit­tel sich zu iso­lie­ren, zu tren­nen von den an­de­ren. Also, was du ja eben tust mit der Mai­ling­liste. Das ist auch so eine Frage: Die Mai­ling­liste ist nur für Frauen of­fen. Was ist mit Men­schen, die keine ein­deu­tige Ge­schlechts­zu­ord­nung ha­ben, also Trans­gen­der? Kön­nen die auch mit drauf?

17’33

Lena: Wenn sie auf die Frau­en­toi­lette ge­hen. Das ist ja so eine freie Ent­schei­dung: Als was fühle ich mich. Ich finde, mit der Toi­let­ten­wahl ist das re­la­tiv gut wie­der­ge­ge­ben. Wie ge­sagt…

Ge­org: Also es kön­nen auch Män­ner rauf, die auf Frau­en­toi­let­ten gerne ge­hen?

17’50

Lena: (lacht) Wenn sie da nicht raus­ge­wor­fen wer­den und sich da wohl­füh­len und sich als Frau aus­ge­ben… Das ist ja das Ding: Im Mo­ment kommst du auf die Liste drauf, wenn du sagst: „Ich bin eine Frau.“ Ich habe ein paar Leute ab­ge­lehnt und de­nen ge­sagt: „Es ist nicht er­kenn­bar, ob du eine Frau bist. Gib dich bitte als Frau zu er­ken­nen“. Dann ha­ben die ge­ant­wor­tet: „Ich bin eine Frau“ und dann sind sie auf die Mai­ling­liste ge­kom­men. Das heißt, es ist schlicht und er­grei­fend die Aus­sage: Wenn ich mich als Frau iden­tif­ziere, dann komme ich auf diese Liste.

18’19

Die zweite er­wähnte Liste, da müs­sen wir dann mal schauen, wie das funk­tio­niert mit ei­nem Web of Trust. Das ist ja auch schwie­rig, ge­rade weil wir ja ziem­lich bun­des­weit ver­teilt sind. Da müs­sen wir das viel­leicht dann auch über Te­le­fon und so wei­ter ma­chen. Und da müs­sen wir das dann im Ein­zel­fall auch ein­fach mit der Gruppe ent­schei­den.

18’36

Jörg: Zur Ab­kap­se­lung würde ich noch sa­gen, es ist hier nicht so, dass Grup­pen­bil­dung oder so­was wie An­ony­mi­sie­rung ja auch was ist, was den Pi­ra­ten ei­gent­lich ein ur­ei­ge­nes pi­ra­ti­ges Thema ist. Ja? Es würde dir ja jetzt kein Pi­rat sa­gen: „Ja, wir müs­sen TOR ab­schaf­fen, weil da kön­nen ja Leute was mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren, ohne dass je­mand mit­kriegt, wer das was sagt oder wer mit wem sagt oder über­haupt ir­gend­je­mand was sagt.“ Und ge­nau die­ses Prin­zip der ab­so­lu­ten Trans­pa­renz ist ein Dogma, das in der Pi­ra­ten­piar­tei weit ver­brei­tet ist, was aber für eine De­mo­kra­tie und eine freie Kom­mu­ni­ka­tion hin­der­lich ist. Weil dann näm­lich je­der, der was sagt, nicht an­onym was sa­gen kann, nicht nur in ei­nem be­grenz­ten Teil was sa­gen kann, son­dern so­fort mit sei­nem Na­men und mit sei­ner Per­son in der Öf­fent­lich­keit steht. Das ist ja das, was Lena jetzt pas­siert ist. Sie geht mit ei­ner Po­si­tion in die Öf­fent­lich­keit, mit ih­rem Na­men und muss jetzt die gan­zen An­griffe aus­hal­ten.

19’37

Lena: Also, bei der Frage „Wir kap­seln uns ab“. Das ist ein­fach – na­tür­lich, bei Po­li­tik ist die For­de­rung der Pi­ra­ten: Es muss Trans­pa­renz ge­ben. Es muss trans­pa­rent sein, wie Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen wor­den sind und so wei­ter. Wir wol­len aber über­haupt keine Ent­schei­dun­gen tref­fen. Das Ziel der Pi­ra­tin­nen ist nicht, die Auf­ga­ben der AGs zu über­neh­men. Es gibt die AGs und das ist was völ­lig an­de­res. Des­halb sage ich auch im­mer auf die Frage: „Warum bist du denn nicht zu die­sen AGs ge­gan­gen“: Das ist was an­de­res, das hat da­mit nichts zu tun.

20’12

Un­sere Ziel­set­zung ist erst­mal die Pi­ra­ten­par­tei für Frauen at­trak­ti­ver zu ma­chen. Das ist na­tür­lich auch die Ziel­set­zung der AGs. Nur wir wol­len eben auch den Blick nach in­nen mal wa­gen. Wir wol­len auf­merk­sam wer­den, falls es Pro­bleme gibt, dass die nicht ein­fach an den Pi­ra­ten vor­bei­ge­hen. Dass die nicht un­be­merkt ein Pro­blem ein­fach an sich vor­bei­zie­hen las­sen, weil kei­ner da­von über­haupt was mit­be­kom­men hat. Das heißt, es muss ir­gend­eine An­lauf­stelle ge­ben, an die ich mich wen­den kann, um über­haupt… – die zu­sam­men­sam­melt, wo gibt es denn jetzt über­haupt die Schwie­rig­kei­ten zum Bei­spiel mit der Ge­schlechts­frage in der Pi­ra­ten­par­tei.

20’55

Und da­für braucht es na­tür­lich Ver­trau­ens­per­so­nen, von de­nen ich si­cher sein kann, dass tröp­felt jetzt nicht mit mei­nem Na­men und mei­ner ge­sam­ten Ge­schichte an die Öf­fent­lich­keit, son­dern die eine Zu­sam­men­fas­sung lie­fert: So-und-so viele Per­so­nen ha­ben sich an mich ge­wen­det mit in-etwa-sol­chen Pro­ble­men. Das heißt: Na­tür­lich wer­den die Inahlte oder die Dinge, die bei uns in der Liste be­spro­chen wer­den und hof­fent­lich auch spä­ter mit an­de­ren Mög­lich­kei­ten als über eine Mai­ling­liste, na­tür­lich wer­den die an die Öf­fent­lich­keit ge­bracht. Das ist Ziel der Liste. Nur sie wer­den nicht oder hof­fent­lich bald nicht mehr, wenn es nicht mehr so leakt, per­sön­lich zi­tiert oder beim Na­men ge­nannt, son­dern es geht darum, das zu­sam­men­zu­fas­sen und das zu se­hen.

21’38

Und da ist es ein­fach auch ein wei­ter wich­ti­ger Punkt das Be­wusst­sein in der Pi­ra­ten­par­tei auf die­ses Thema ein biss­chen zu len­ken. Und hier an der Stelle in­ner­halb der Pi­ra­ten­par­tei auf das Be­wusst­sein ein­zu­wir­ken, dass das hier sich ein an­de­res Selbst­ver­ständ­nis ein­stellt. Weil das ist was, was drin­gend ist um wirk­lich at­trak­tiv für Frauen zu sein. Und das ist keine pro­gram­mas­ti­sche Ar­beit, das sind keine The­sen, das sind keine For­de­run­gen, die wir stel­len wür­den, son­dern das ist ei­gent­lich eine selbst­kri­ti­sche Ar­beit, eine Ar­beit mit sich selbst: Pro­bleme er­ken­nen und zu ver­su­chen, da­mit um­zu­ge­hen. Und das ist ein­fach keine po­li­ti­sche Ar­beit und des­we­gen ist auch die Trans­pa­renz­for­de­rung an die­ser Stelle nicht an­ge­bracht.

22’30

Ge­org: Also das heißt vom Prin­zip hät­test du auch nichts da­ge­gen, wenn sich jetzt Män­ner in ei­ner Mai­ling­liste zu­sam­men­fin­den und keine Frauen rein­las­sen. Das wäre in Ord­nung?

Lena: Ja. [un­ver­ständ­lich] So­lange sie pri­vat ge­pos­tet ist, so­wieso. Was bin ich da je­mand, der das ent­schei­den kann. Und auch auf dem Pi­ra­ten­wiki hätte ich da­mit kein Pro­blem, nein.

22’48

Jörg: Und es ist ja auch noch nicht so, als würde sonst zwi­schen ein­zel­nen Pi­ra­ten keine pri­vate Kom­mu­ni­ka­tion, die die an­de­ren nicht mit­krie­gen, nicht be­stehen. Das ist ja im­mer der Fall, dass Men­schen mit­ein­an­der über E-Mail und In­stant Mes­sa­ging kom­mu­ni­zie­ren und es gibt na­tür­lich auch jede Menge in­for­mel­ler Grup­pen, die sich zum Bier tref­fen. Es ist ja auch nicht so als wenn beim Pi­ra­ten­stamm­tisch stän­dig al­les auf Vi­deo auf­ge­nom­men würde. Was ja üb­ri­gens, ne, auch ge­rade… – Kann man ja auch sa­gen: Ist in­trans­pa­rent. Aber ge­nau diese Art von ge­schütz­ter Um­welt, von ei­nem ge­schütz­ten Raum ist was, was stän­dig ge­nutzt wird und was auch ex­trem wich­tig ist.

23’34

Ge­org: Du hast vor­hin noch ge­meint, du willst ei­gent­lich die An­rede, glaube ich, nicht än­dern. Aber du hat­test glaube ich schon an­dere Vor­schläge ge­macht, öf­fent­lich, also ob man sich jetzt „Pi­rat“ nennt oder „Pi­ra­tin“. Wie sieht das ge­nau aus?

23’46

Lena: Also grund­sätz­lich: Ich bin ein­ge­stie­gen da­mals in die Ber­li­ner Mai­ling­liste, als es da ge­rade eine Dis­kus­sion sehr heiß am Lau­fen war zum Thema „Pi­rat oder Pi­ra­tin“, und da war so am Ende die Lö­sung, auf die man sich ge­ei­nigt hat: In of­fi­zi­el­len Tex­ten steht nur „Pi­rat“ und jede Frau, die sich als „Pi­ra­tin“ be­zeich­nen will, die darf das. Des­we­gen bin ich auch ein biss­chen über­rascht, warum das auch ein­mal jetzt nicht mehr sat­zungs­kon­form sein soll, wenn ich eine Gruppe auf­ma­che, die „Pi­ra­tin­nen“ heißt. Ich hatte in dem Mo­ment da­mit ei­gent­lich gar kein so gro­ßes Pro­blem. Die Pi­ra­ten­par­tei heißt nun­mal Pi­ra­ten­par­tei und ich bin wirk­lich, wirk­lich ge­gen das Binnen-„I“ und ich hätte es für ganz schreck­lich ge­fun­den, dar­aus die „Pi­ra­tIn­nen­par­tei“ zu ma­chen. Und da sie nun­mal „Pi­ra­ten­par­tei“ heißt, fand ich das es an der Stelle so­gar le­gi­tim ist, zu sa­gen: „Ok, das sind halt al­les Pi­ra­ten.“

24’44

Meine Schwie­rig­keit mit der Sa­che ist eben zum ei­nen, was ich vor­hin er­wähnt habe, dass dann frech in der Sat­zung steht, dass „Pi­rat“ an der Stelle dann ge­schlechts­neu­tral sei. Das ver­kennt ein­fach das Pro­blem, wenn die­ses „ge­schlechts­neu­tral“ ein­fach raus­ge­stri­chen würde, hätte ich mit die­sem Teil der Sat­zung ei­gent­lich gar nicht das Pro­blem. Das Pro­blem, was ich da­mit habe, ist das Selbst­ver­ständ­nis, das sich dar­aus ab­lei­tet. Dass sich dar­aus ab­lei­tet, dass Leute ver­su­chen, die­ses Wiki zu lö­schen, weil es nicht sat­zungs­kon­form sei. Dass…

Ge­org: Ent­schul­dige bitte, eine Web­seite meinst du im Wiki oder was ge­nau?

25’22

Lena: Ja, das Wiki, ge­nau, das Pi­ra­ten­wiki [oder „Pi­ra­ten­in­nen­wiki“, un­deut­lich], also das Wiki auf der Pi­ra­ten­par­tei­seite der Pi­ra­ten. Mit dem Ar­gu­ment, dass es nicht sat­zungs­kon­form ist, sich als Pi­ra­tin­nen zu be­zeich­nen. Dass dar­aus her­vor­geht, wir er­wäh­nen die Frauen nie und nir­gendwo mit dazu, weil dar­auf ha­ben wir uns ja ge­ei­nigt, das steht ja so in der Sat­zung und das dar­aus her­vor­geht, wir sind Post­fe­mi­nis­mus. Und das sind Sa­chen, die wer­den dar­aus ab­ge­lei­tet, die ich nicht un­ter­schreibe.

25’50

Das heißt, ur­sprüng­lich mit der Ei­ni­gung: „Wir nen­nen uns alle Pi­ra­ten“ hatte ich über­haupt kein Pro­blem, so­lange mir auch er­laubt wurde, mich sel­ber so zu be­zeich­nen. Das Pro­blem ist nur, dar­aus folg­ten sehr viele Dinge. Zum Bei­spiel in der Schweiz wurde ge­nau glei­che Art und Weise ar­gu­men­tiert, warum es kein Frau­en­wahl­recht ge­ben sollte bis 1971, weil im Grund­recht nur die Män­ner er­wähnt wur­den, nur die Bür­ger sind das Volk, das die De­mo­kra­tie hat. Und ge­nau mit die­ser Ar­gu­men­ta­tion wurde Frau­en­wahl­recht ab­ge­lehnt. Und das ist ge­nau das Pro­blem: Dass sich dar­aus et­was ab­lei­tet, wo­mit ich ein gro­ßes Pro­blem habe.

26’37

Jörg: Also das heißt die An­rede „Pi­rat“ und dass man in der Presse oder sonstwo in der Öf­fent­lich­keit nur „Pi­ra­ten“ schreibt, das fin­dest du schon in Ord­nung. Das kann so blei­ben.

26’44

Lena: Mitt­ler­weile bin ich mir da mir nicht mehr so si­cher, weil of­fen­sicht­lich hier ein gro­ßes Thema noch ist, und ich nicht glaube, dass alle in der Pi­ra­ten­par­tei bei „Pi­rat“ an den ge­schlechts­neu­tra­len Be­griff, also an ein ge­schlechts­neu­tra­les We­sen, den­ken. Ich denke zum Bei­spiel, es – auch auf deine Frage noch­mal, wie würde man denn sa­gen, also, wenn man Post­fe­mi­nis­mus wäre, wenn man drü­ber stünde – dürf­ten ja theo­re­tisch nach der These die Pi­ra­ten gar kein Pro­blem da­mit ha­ben, ein­fach alle als „Pi­ra­tin­nen“ zu be­zeich­nen. Das ist jetzt gar kein Vor­schlag, ich möchte das jetzt nicht vor­schla­gen, ich sage nur, da­mit ha­ben eine Menge Leute ein Pro­blem. Da gibt es ziem­lich viel Wi­der­stand, im­mer wenn ich das mal so vor­schlage. Es dürfte doch ei­gent­lich kein Pro­blem sein, wir sind so viele Män­ner, es… – ich glaube, keine kommt auf die Idee, wenn über­all „Pi­ra­tin­nen“ steht, dass da nur Frauen ge­meint sind. Dass da na­tür­lich auch eine Menge Män­ner da­bei sind. Und von da­her dürfte es ei­gent­lich, wenn man doch so drü­ber steht, gar kein Pro­blem sein…

27’45

Jörg: Es ist ein­fach kein Wort im Sprach­ge­brauch. Im Sprach­ge­brauch nutzt man, glaube ich, die En­dung „-in­nen“, nur wenn es um Frauen geht.

27’52

Lena: Na, aber es wäre doch auch eine die­ser Ar­ten, für die die Pi­ra­ten sich doch auch ei­nen Na­men ma­chen wol­len: Wir ma­chen et­was an­ders. Und die ganze Gen­der­de­batte geht uns auf den Sen­kel, da ha­ben wir kei­nen Bock drauf. Ja gut, wenn es sich nicht ir­gend­wie lö­sen lässt: Na gut, dann ma­chen wir halt das jetzt mal so und ein Jahr lang sa­gen wir „Pi­ra­tin­nen“, das nächste „Pi­ra­ten“ oder wie auch im­mer. Das würde zum Cha­rak­ter der Pi­ra­ten auch sehr gut pas­sen. Ein­fach frech sa­gen: Wir ha­ben kein Bock, da ewig lang drü­ber zu dis­ku­tie­ren und des­we­gen ma­chen wir es jetzt halt ganz an­ders.

28’27

Ich möchte das jetzt nicht wirk­lich vor­schla­gen. Ich sage nur: So würde das für mich aus­se­hen, wenn wir wirk­lich „post­gen­der“ wä­ren. Wenn es wirk­lich ein­fach keine Rolle mehr spie­len würde. Aber an den Stel­len finde ich sieht man sehr deut­lich, dass das eben doch eine Rolle spielt.

28’42

Man sieht das üb­ri­gens auch daran, dass ich un­glaub­lich viele neue Twit­ter-Fol­lo­wer habe. Das heißt nicht un­be­dingt, dass die mich auch alle un­ter­stüt­zen. Aber das Thema ist in­ter­es­sant. Und das finde ich zeigt schon, dass da wir da ein­fach noch nicht mit fer­tig sind. Auch wenn es viel­leicht lang­sam an­stren­gend wird. Aber wenn wir mal auf­hö­ren, die ganze Zeit diese Ste­reo­ty­pen, die wir ha­ben, von – die Per­son ist jetzt eman­zi­pa­to­risch un­ter­wegs, das heißt, sie ist eine Män­ner­has­se­rin und sie for­dert das Binnen-„I“ und sie for­dert Quo­ten, wenn wir von die­sem ste­reo­ty­pen Den­ken mal run­ter­kom­men, dann kön­nen wir auch auf eine ganz an­dere Art dis­ku­tie­ren und alle, mit de­nen ich bis­her ge­re­det habe, bei de­nen ich es ge­schafft habe, im per­sön­li­chen Ge­spräch klar zu ma­chen, dass es mir über­haupt nicht darum geht, und dass ich über­haupt keine von die­sen „Kampf­eman­zen“ bin, mit de­nen hat auf ein­mal eine kom­plett an­dere Un­ter­hal­tung statt­fin­den kön­nen.

Ge­org: Das klang schon fast wie ein Schluss­wort. Willst du noch et­was an­fü­gen? Oder du, Jörg?

29’42

Lena: Ja, eine Sa­che hätte ich noch. Also, wir sind eine Par­tei – und jetzt sage ich „wir“ – die Pi­ra­ten­par­tei, sind eine Par­tei, die eine sehr große Menge an Män­nern ha­ben und das hat man ei­gent­lich im­mer, wenn man eine ho­mo­gene Masse hat, dass die nicht sich nicht so gut ein­füh­len kann, das ist ein­fach Fakt. Wir sind halt alle sub­jek­tiv und da kann noch kei­ner draus aus­stei­gen; dass na­tür­lich Pro­bleme, die alle Mit­glie­der die­ser ho­mo­ge­nen Menge nicht ha­ben, schwie­rig ver­mit­tel­bar sind. Und dass die Pi­ra­ten in der Ge­fahr sind, da­durch dass im Mo­ment noch so we­nige Frauen da­bei sind – ich hoffe, es wer­den bald mehr – diese Pro­bleme zu über­se­hen. Und dass es un­glaub­lich schwie­rig wird, sol­che Pro­bleme deut­lich zu ma­chen, an­zu­spre­chen, zu ar­ti­ku­lie­ren, wenn sie so schnell ab­ge­bü­gelt wer­den und so schnell ge­sagt wird: „Das ist kein Thema bei uns.“ Und des­we­gen würde ich sehr daran ap­pel­lie­ren, dass ein biss­chen grö­ße­res Ver­ständ­nis da­für ent­steht, dass es durch­aus Pro­bleme ge­ben kann, die ich über­haupt nicht auf dem Schirm habe, von de­nen ich mir gar nicht vor­stel­len kann, dass sie über­haupt exis­tie­ren, und sie sind trotz­dem da und sie sind trotz­dem exis­tent und sie soll­ten die Pi­ra­ten trotz­dem in­ter­es­sie­ren.

31’05

Jörg: Da möchte ich noch­mal ganz kurz nach­fra­gen: So ein Bei­spiel für ein Pro­blem, das die meis­ten Pi­ra­ten eben nicht auf dem Schirm ha­ben. Und was viel­leicht ganz viele Frauen oder po­ten­ti­elle Pi­ra­tin­nen ha­ben.

31’15

Lena: Das fängt an bei Sprü­chen, ir­gend­wel­che dum­men Sprü­che, ir­gend­wel­che Kom­men­tare, An­ma­chen. Das kommt al­les vor. Dar­auf hin­zu­wei­sen wird dann mit Geg­röhle noch­mal kom­men­tiert. Und dar­über hin­aus gibt es auch sehr gern so (seufzt) – das ist ei­gent­lich ist das lieb ge­meint und ei­gent­lich ist das auch sehr süß – nur es ist ein biss­chen so her­ab­las­send, so von oben herab: „Ja, ne, Kleine, Süße, und du siehst ja auch su­per aus und ich find’s ja auch ganz toll, dass du da bist, aber da­mals als ich auf mei­nem C64 schon am Com­pu­ter saß, da hast du ja noch gar nichts da­mit zu tun ge­habt.“ Und ich sag: „Ja, ich bin viel­leicht gleich alt, aber du hat­test da ei­nen pri­vi­le­gier­ten Le­bens­lauf. Du hat­test Zu­gang zu sol­chen Ge­rä­ten. Ich hatte so ei­nen Zu­gang nicht.“

32’08

Und das ist na­tür­lich – keine Ah­nung, ich weiß es nicht, ob ich die Mög­lich­keit ge­habt hätte, wenn ich mich mit Hän­den und Fü­ßen ge­wehrt hätte, ir­gend­wie an so ein Ge­rät ran­zu­kom­men. Aber mir hat das über­haupt nie­mand vor­ge­schla­gen oder mir die Idee un­ter­brei­tet, du könn­test dich mit Com­pu­tern be­schäf­ti­gen. Die meis­ten der Frauen, die ich kenne, ha­ben mit 16, 17, ih­ren ers­ten Rech­ner ge­habt. Also, ich war mit 16 ein Uni­kum, dass ich mei­nen ei­ge­nen Rech­ner hatte. Und das sich klar zu ma­chen, dass es keine Über­le­gen­heit – also, na­tür­lich ist eine Über­le­gen­heit – aber dass es nichts ist, auf was man stolz sein sollte, und was man den Leu­ten noch un­ter die Nase rei­ben sollte, son­dern wo klar ist, dass das ein Pri­vi­leg für dich ist; sei mal froh darum und be­denke das, wenn du das das nächste Mal zu mir sagst: „Ja, du hat­test das ja nicht.“

32’57

Jörg: Ich kann dazu noch was All­ge­mei­ne­res zu sa­gen. Und zwar: Die Pi­ra­ten le­ben ja nicht ei­nem Va­kuum. Sie tun ja im­mer gerne so, sie schnei­den sich da ir­gend­wie ihr klei­nes Po­li­tik­feld raus und sa­gen ir­gend­wie: Wir wol­len ir­gend­wie an­de­res Ur­he­ber­recht und so ein biss­chen ge­gen Über­wa­chung, aber kei­ner kann in ei­nem po­li­ti­schen Va­kuum exis­tie­ren. Es ist ja so: Trotz­dem sind wir alle Teil der sel­ben Ge­sell­schaft und es ist nun­mal kein Ge­heim­nis, dass in Deutsch­land Frauen für die glei­che Ar­beit we­ni­ger ver­die­nen als Män­ner, dass Frauen all­ge­mein… – Das liegt nicht nur daran, dass sie so­zu­sa­gen schlech­ter be­zahlte Jobs ha­ben, son­dern dass Frauen in tech­ni­schen Be­ru­fen un­ter­re­prä­sen­tiert sind und so wei­ter und so wei­ter. Das ist ja jetzt nichts Neues.

33’36

Und ge­nau das glei­che pas­siert na­tür­lich in der Pi­ra­ten­par­tei auch. Das heißt: Alle ge­sell­schaft­li­chen po­li­ti­schen Pro­beme, die drau­ßen in der Ge­sell­schaft sind, die tre­ten in der Pi­ra­ten­par­tei auch wie­der auf, da sie ja Teil die­ser Ge­sell­schaft sind. Und das ist, glaube ich, die große Her­aus­for­de­rung für die Pi­ra­ten, auch sich dem zu stel­len und auch das wird nicht nur das erste Pol­tik­feld sein, son­dern in an­de­ren wird sich das auch ent­wi­ckeln, dass die Pi­ra­ten sich mit sich selbst und mit ih­rer ei­ge­nen wie sie selbst funk­tio­nie­ren und wie sie Teil der Ge­sell­schaft sind, das noch ein biss­chen bes­ser re­flek­tie­ren ler­nen.

34’12

Ge­org: Ok, ich be­danke mich sehr bei euch bei­den und ich wün­sche mir auch, dass die Dis­kus­sion viel­leicht ein biss­chen mehr an Ruhe ge­winnt und an Kon­struk­ti­vi­tät. Ok, danke.

15 Antworten to “Tran­skript des In­ter­views von Ge­org Jäh­nig mit Lena Si­mon zur „Gen­der­de­batte“ in der Pi­ra­ten­par­tei”


  • Internetausdrucker

    Die Frau ei­nes gu­ten Freun­des, sie an­ge­spro­chen auf die Exis­tenz der Pi­ra­ten­par­tei, meinte einst „Ja sind denn da auch Frauen da­bei?“ und wei­gerte sich vor In­ter­net­re­cher­che mit po­si­ti­ver Be­ant­wor­tung die­ser Frage ri­go­ros, schon­mal vorab ei­nen flu­ech­ti­gen Blick ins Par­tei­pro­gramm zu wer­fen…

    Muss man die Exis­tenz ei­ner „Min­dest­menge weib­li­cher Per­so­nen in­ner­halb der Par­tei“ viel­leicht als ge­nau den „Schutz­raum“ be­grei­fen, der von [man­chen] Frauen zwin­gend be­noe­tigt wird, um der Par­tei ue­ber­haupt bei­zu­tre­ten oder vor­han­dene Ent­fal­tungs­rae­ume aus­zu­nut­zen?

    So na­em­lich dann diese ’not­wen­dige Min­dest­menge‘ nicht vom Him­mel fa­ellt, ent­steht sie ent­we­der gar nicht, oder nur durch Zu­tun von Frauen, die eben ge­nau die­sen Schutz­raum nicht fuer ini­zi­ell not­wen­dig er­ach­ten oder vor­han­dene Rae­ume als zu­min­dest vor­erst aus­rei­chend ak­zep­tie­ren und dort vor­an­zu­schrei­ten be­gin­nen.

    Sol­cher­lei Vor­an­schrei­ten­den erst­mal mei­nen per­so­en­li­chen Dank vorab!

    Ich un­ter­stelle ein­mal, dass ich, Mann, per­so­en­lich we­ni­ger Wert auf „das Ge­fu­ehl“ im All­ge­mei­nen lege, als manch an­dere Per­son.

    Es ent­steht bei mir bei­spiels­weise nicht der per­so­en­lich „ge­fu­ehlte Wunsch“ nach ei­nem „mit Ro­sen­blaet­tern be­rei­te­tem Him­mel­bett“, nur weil’s viel­leicht ‚ku­sche­li­ger‘ waere, als ein as­ke­ti­sches Bett­ge­stell mit or­dent­li­cher Ma­tratze und sau­be­ren La­ken. Ent­spre­chend gehe ich ers­te­rem nicht nach und bin mit rein funk­tio­na­ler Schlaf­statt i.A. per­so­en­lich ab­so­lut zu­frie­den.

    Nun stelle man sich vor, dass not­wen­dige Be­din­gung des be­sucht wer­dens mei­ner Per­son durch di­verse Ga­este waere, dass ich Him­mel­bett mit Ro­sen­blue­ten an­bie­ten ko­ennte! „Du musst Ro­sen­blue­ten im Schlaf­zim­mern ver­streuen und hier und da noch eine Duft­kerze an­zu­en­den!“ kla­en­gen viel­leicht die Hin­weise von di­ver­sen Sei­ten.

    Doch kann es wirk­lich mein Ziel sein, mit Ef­fekt­ha­sche­rei und den­noch recht pri­mi­ti­ven Lock­mit­teln den Be­such an­zu­lo­cken? Den Be­such, dem ich be­reits bei Ein­la­dung di­rekt und [un]bekannterweise auch eine Beziehung/​Wohngemeinschaft „Auge in Auge“ an­ge­bo­ten habe – mit den da­mit ver­bun­de­nen Rech­ten, das ge­mein­sam zu be­wirt­schaf­tende Haus nach ei­ge­nem Gut­du­en­ken mit­zu­ge­stal­ten?

    Wie­viele Be­su­cher kann ich un­ge­schol­ten nach­ein­an­der mit Duft halb ae­ther­trun­ken ins Haus hin­ein­lo­cken, be­vor sie mer­ken, dass auf die­sem Weg al­les nur auf ei­ner bil­li­gen sinn­li­chen Be­toe­rung ba­siert – und nicht auf ei­ner wil­lent­li­chen lo­gi­schen Ent­schei­dung, wel­che ja in Folge viel frucht­ba­rer sein ko­ennte?! Will frau wirk­lich von der Pi­ra­ten­par­tei den oran­ge­nen Tep­pich aus­ge­rollt be­kom­men und mit Hand­kuss ge­schmei­chelt wer­den?

    Stel­len wir uns nun ei­nen Gast vor, der di­rekt nach aus­ge­spro­che­ner freund­li­cher Ein­la­dung eine For­de­run­gen an die Gast­ge­ber rich­tet, wel­che durch ih­ren Oh­ren als Er­pres­sungs­ver­such emp­fan­gen wer­den ko­ennte. Ala „Ich will na­tu­er­lich auch ge­dimm­tes Licht und Pra­li­nen, oder ich komme nicht!“. Wu­er­den die Gast­ge­ben­den die Ein­la­dung ge­nau die­ses Gas­tes mit Freu­den wie­der­ho­len?

    Wu­en­schens­wert ist eine Zeit der Un­ge­zwun­gen­heit, in der ein Gast das, was ihm fehlt, ggf. auch sel­ber ein­bringt. Sei es das ei­gene Suepp­chen oder das Schnu­ckel­tuch fuer unter’s Kopf­kis­sen.

    Eine „ge­schlos­sene Mai­ling­liste fuer Frauen“ finde ich so in­ter­es­sant, wie eine zu ei­ner Feier mit­ge­brachte Fla­sche Wein. Erst nach der Ent­kor­kung wird man letzt­lich fest­stel­len ko­en­nen, wie­viele gute Schop­pen darin ent­hal­ten sind.

  • „es ist nun­mal kein Geheim­nis, dass in Deutsch­land Frauen für die glei­che Ar­beit weni­ger ver­die­nen als Män­ner“

    Nein, das ist nicht nur kein Ge­heim­nis, son­dern eine glatte Lüge…

  • Das ist mitt­ler­weile al­les so der­mas­sen gro­tesk, dass man das nur noch auf die Spitze trei­ben kann

    Recht so:

    http://wiki.piratenpartei.de/Berlin/Crews/Fliegende_Luftbr%C3%BCcke/CPS/14032010

  • Weil Frauen, ei­ner nicht selbst er­leb­ten Er­fah­rung an­de­rer
    Frauen ge­gen­über ske­tisch sind, aber nur wenn „Män­ner“ an­we­send sind, ihre Skep­sis sich aber in Wohl­ge­fal­len auf­löst, wenn sie un­ter sich sind,brauchen sie „Schutz­räume“.
    Sie brau­chen also Schutz­räume, um sich vor Frauen zu
    Schüt­zen, schuld sind aber die „Män­ner“!
    Wenn Män­ner in der Min­der­heit sind, sind sie trotz­dem in der Mehr­heit, um­ge­kehr­tes gilt für Frauen!

    DAS IST DOCH NICHT EUER ERNST………ODER?????

    Ich habe ein rich­ti­ges Kom­men­tar ver­mie­den, denn das geht
    nur noch als Sa­tire, ohne sich lä­cher­lich zu ma­chen!!

    mfg Mas

  • Okay, Lena Si­mon hebt also eine se­xis­ti­sche Mai­ling­liste aus der Taufe, und in meh­re­ren Me­di­en­bei­trä­gen wirkt es rein zu­fäl­lig so, als würde Lena für die Mehr­heit der weib­li­chen Pi­ra­ten spre­chen, die von frau­en­feind­li­chen Ker­len un­ter­drückt wer­den. In Wahr­heit be­zieht die über­große Mehr­heit die­ser Frauen ge­gen Le­nas Vor­ge­hen Stel­lung. So­weit habe ich diese Stra­te­gie be­grif­fen, und Lena hat es da­mit ja auch ge­schafft, dass ihr Name ganz groß im Ge­spräch ist.

    Was ich aber noch nicht ver­stan­den habe: Auf die­ser Mai­ling­liste tau­schen sich jetzt seit Wo­chen meh­rere Frauen ganz ohne den stö­ren­den Ein­fluss von Män­nern aus. Da muss es doch schon zu ers­ten Er­geb­nis­sen ge­kom­men sein. Wel­che Pro­bleme wol­len die „Pi­ra­tin­nen“ denn kon­kret auf wel­che Weise an­ge­hen? Wel­che frau­en­dis­kri­mi­nie­ren­den Struk­tu­ren in der Pi­ra­ten­par­tei sol­len denn über­wun­den wer­den?

    Warum wur­den denn diese ganz kon­kre­ten Fra­gen nach Zie­len und An­lie­gen die­ser Mai­ling­liste nicht ge­stellt? Die „AG Män­ner“ in der Pi­ra­ten­par­tei kann diese Ziele und An­lie­gen nen­nen. Die „AG frauen“ liegt seit über ei­nem Mo­nat brach, nach­dem sie von der zu­stän­di­gen Mo­de­ra­to­rin an die Wand ge­fah­ren wurde. Lena Si­mon hat sich in kei­ner der mitt­ler­weile vier (!) Ge­schlech­ter-AGs en­ga­giert. Und jetzt gibt es von ihr ein wei­te­res In­ter­view, in dem sie end­los schwa­felt, ohne ir­gend­et­was Kon­kre­tes zu sa­gen. Wir er­fah­ren, was sie nicht will (das Bin­nen-I), aber fast nichts dar­über, was sie und ihre Un­ter­stüt­ze­rin­nen wol­len. Eine Liste von Wün­schen und For­de­run­gen („Wir wol­len ers­tens, zwei­tens, drit­tens …“) wäre in­zwi­schen mal ganz nett. An­dern­falls ge­langt man zu dem Ein­schluss, es han­dele sich um eine reine Luft­num­mer aus Grün­den der Selbst­dar­stel­lung, weil sich taz & Co. be­geis­tert auf al­les stür­zen, was sich mit dem La­bel „fe­mi­nis­tisch“ be­wirbt.

  • @Dirk
    Danke für den Text. Du hast mei­nen Re­spekt da­für das auch noch auf­zu­schrei­ben 🙂

  • 5’56

    Lena: Ge­nau, die Schutz­räume. Ja, ich war schon­mal in so ei­ner Situa­tion, in der ich mir ge­wünscht hätte, dass ich ge­schützt werde. Das bedeu­tet zum Bei­spiel, dass ich mir ge­wünscht hätte, dass mir zum Bei­spiel nicht eine an­dere Frau in den Rü­cken fällt, in dem Mo­ment in dem ich ver­su­che, et­was zu the­ma­ti­sie­ren.
    —-

    Sehr sin­nig, sie for­dert also den Schutz­raum ohne Män­ner, weil ihr an­dere Frauen in den Rü­cken ge­fal­len sind. Muss man, glaube ich, als ei­ni­ger­mas­sen lo­gisch den­ken­der Mensch wohl nicht ver­ste­hen …

    Ro­bert

  • Das ganze „Post-„Diskriminierungs-Phenomen
    ist mal su­per bei South Park be­han­delt wor­den.

    http://​www​.south​park​.de/​c​l​i​p​s​/​s​p​_​v​i​d​_​1​0​3​4​52/

    Lena moechte ich ein­fach nur ant­wor­ten:
    Denk mal dar­über nach!

  • Klingt ja al­les schön und gut und würde ich auch zu 99% un­ter­schrei­ben, was Lena da sagt. Es passt aber ir­gend­wie nicht zu http://​pi​ra​ten​frau​.net/​?​p​=​218

  • Hand­werk­lich und zeit­lich ist diese Diskussion/​Pressemitteilung eine Ka­ta­stro­phe für die Par­tei und be­schä­digt ih­ren Ruf. Lena da­mit ha­ben sie Ih­rer Par­tei ei­nen wah­ren Bä­ren­dienst er­wie­sen.

    In­halt­lich gebe ich Lena zu­min­dest teil­weise recht.

  • in min. 25’50 ist dir ein link in den text ge­rutscht ,)

  • Danke für’s Tran­skri­bie­ren; bin im­mer sehr dank­bar, weil ich nur 768 kb/​s kann.

  • Welch ein Sturm im Was­ser­glas? Lasst die Lena doch ihr Ding ein­fach ma­chen, ist doch nicht schlimm. Erst wenn’s aus­ar­ten sollte, kann man ja mal höf­lich in­ter­ve­nie­ren. Ab­ge­se­hen da­von gibt es si­cher­lich wich­ti­gere Dinge, wo­mit sich die Pi­ra­ten­par­tei be­schäf­ti­gen sollte, an­statt in den ei­ge­nen Rei­hen ei­nen Ge­schlech­ter­kampf aus­zu­tra­gen, den keine Seite je ge­win­nen kann. Der ganze Sach­ver­halt ist so kin­disch, dass man glau­ben könnte, im Sand­kas­ten tobt der Vor­schul­krieg um die Plas­tik­schau­fel. Wie wär’s denn zur Ab­wechs­lung mit ei­nem an­de­ren Thema: Vor­rats­da­ten­spei­che­rung – Prä­ko­gni­tion der längs­ten Pra­line der Welt(www.guedesweiler.wordpress.com)

  • Gert-Rainer Mantwill

    Nun muss ich ge­ste­hen, dass ich das ganze über­haupt nicht ver­stehe. Ich be­schwere mich aber nicht dar­über, das nicht zu ver­te­hen, ma­che An­de­ren aber kei­nen Vor­wurf, dass sie mir beim Nicht­ver­ste­hen nicht den Rü­cken stär­ken.

    Herz­li­che Grüße aus Tostedt
    von DAS Pi­rat
    Gert-Rai­ner MAnt­will

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