Transkript des Interviews von Georg Jähnig mit Lena Simon zur „Genderdebatte” in der Piratenpartei

Seit etwas mehr als einer Woche tobt eine laut­starke Dis­kus­sion in der Pira­ten­par­tei. Es geht all­ge­mein um die Situa­tion von Frauen in der Par­tei, ins­be­son­dere aber um eine „Piratinnen”-Initiative von Lena Simon, die mit Pres­se­mit­tei­lung und Frauen-​only-​Mailingliste gestar­tet wurde.

Lena hat am Frei­tag ein halb­stün­di­ges Inter­view mit Georg Jäh­nig gemacht, das Georg als Audi­o­da­tei in sei­nem Blog ver­öf­fent­licht hat. Als Bei­trag zur Debatte ver­öf­fent­li­che ich hier jetzt zunächst mal ein kom­plet­tes Tran­skript die­ses Inter­views. Ich finde es immer wich­tig, sich mit den Urhe­bern einer Idee zu beschäf­ti­gen, bevor man in wil­des Debat­tie­ren aus­bricht. Und auf diese Weise wer­den die aktu­el­len Äuße­run­gen von Lena auch für sol­che Leser ver­füg­bar, die — wie ich — lie­ber geschrie­be­nem als gespro­che­nem Text folgen.

Das Tran­skript ist voll­stän­dig und unkom­men­tiert. An eini­gen Stel­len war der Wort­laut nicht exakt zu ver­ste­hen, diese sind gekenn­zeich­net. Ich habe einige Schlen­ker oder gram­ma­ti­ka­li­sche Unge­nau­ig­kei­ten der wört­li­chen Rede im Tran­skript in sin­ner­hal­ten­der Weise geglät­tet. Und ich hoffe, ich habe Georg an allen Stel­len kor­rekt von Jörg Büh­mann unter­schie­den, der bei dem Inter­view eben­falls dabei war.

Da mein Word­Press mit dem WP-​Typography-​Plugin das Zitie­ren teil­weise etwas schwie­rig macht, gibt es das Tran­skript auch als ein­fa­che Text­da­tei zum Down­load. Ansons­ten: Here we go:

Georg Jäh­nig inter­viewt Lena Simon und Jörg Büh­mann zur aktu­ell ange­sto­ße­nen Genderdebatte

http://​georg​jaeh​nig​.word​press​.com/​2​0​1​0​/​0​3​/​0​6​/​p​i​r​a​t​i​n​n​e​n​-​i​n​t​e​r​v​i​e​w​-​m​i​t​-​l​e​na/

Tran­skript von Dirk Hill­brecht, CC-​BY-​SA 3.0

0’00

Georg Jäh­nig: So, es ist jetzt Frei­tag, der 5. März, damit sie­ben Tage nach­dem Lena eine Pres­se­mit­te­lung her­aus­ge­bracht hat, mit der sie die Pira­tin­nen ange­kün­digt hat. Eine Initia­tive inner­halb der Pira­ten­par­tei unter dem Schlag­wort „Klar­ma­chen zum Gen­dern”. Teil der Initia­tive ist eine Mai­ling­liste, die nur Frauen vor­be­hal­ten ist. Lena sitzt jetzt neben mir. Erst­mal hallo Lena.

Lena Simon: Ja, hallo.

Georg: Woher kennt man dich in der Pira­ten­par­tei viel­leicht schon?

Lena: Naja, ich habe schon an eini­gen Stel­len aktiv, hab sehr umfang­reich in Bran­den­burg zum Bei­spiel noch Unter­schrif­ten gesam­melt und hab bei dem Musik­vi­deo mitgemacht.

Georg: Die Pres­se­mit­tei­lung hat große Wel­len geschla­gen und die Dis­kus­sion die dann drum­rum lief, hat auch Jörg ver­folgt. Jörg sitzt auch neben mir, ist Stu­dent aus Ber­lin und ist nicht Pirat, oder?

Jörg Büh­mann: Nein, ich bin kein Pirat. Ich bin zwar schon von Anfang an Sym­pa­thi­sant der Pira­ten und hab die auch schon sehr lang ver­folgt, also die Grün­dung und die gan­zen Start­schwie­rig­kei­ten. Auch Netz­po­li­tik ist all­ge­mein etwas, was mich sehr inter­es­siert. Poli­tik auch sonst ist für mich immer schon eine rele­vante Geschichte gewe­sen. Des­we­gen finde ich das, was jetzt hier die letz­ten Tage los­ge­bro­chen ist bei den Pira­ten durch diese eine Pres­se­mit­tei­lung, äußerst spannend.

Georg: Genau und dar­über unter­hal­ten wir uns jetzt. Ich stelle mich auch kurz vor: Ich bin Georg, bin Pirat seit einem hal­ben Jahr, und ich habe auch die Dis­kus­sion verfolgt. — Lena, warum hast du diese Initia­tive gegründet?

1’24

Lena: Ja, da kom­men wir gleich zum Haupt­thema. Zur Haupt­frage. Die Frage wie ste­hen Frauen in der Gesell­schaft, was haben sie für eine Posi­tion ist eine, die mich schon mein gan­zes Leben beglei­tet. Und als ich in die Netz­po­li­tik kam, vor­ran­gig zur freien Soft­ware­ent­wick­lung, ist mir eine Sache sehr stark auf­ge­fal­len. Und zwar, dass diese ganze Ent­wick­lung mit Inter­net, Com­pu­ter, Digi­ta­li­sie­rung, dass wir da ein unglaub­lich gro­ßes Macht­werk­zeug haben. Ein Macht­werk­zeug, mit dem wir jetzt uns noch gar nicht vor­stel­len kön­nen, was da alles noch mög­lich sein wird. Das ist ja auch eine der Aus­sa­gen der Pira­ten­par­tei, dass wir da jetzt auf­pas­sen müs­sen, in wel­cher Art und Weise wir die­ses Macht­werk­zeug gestalten.

2’21

Und ich habe fest­ge­stellt, ich habe gemerkt, irgend­wie, die meis­ten Freun­din­nen, die meis­ten Frauen, die ich kenne, inter­es­sie­ren sich gar nicht dafür. Die inter­es­sie­ren sich nicht für Com­pu­ter, die nut­zen das zwar, aber die ken­nen sich nicht wirk­lich damit aus und wol­len das auch gar nicht. Eines mei­ner Pro­bleme war immer die Über­le­gung: „Mensch, die gesamte Eman­zi­pa­tion war, ja, fast für die Katz’, wenn wir Frauen jetzt ein­fach frei­wil­lig dar­auf ver­zich­ten, an die­sem Macht­werk­zeug teil­zu­ha­ben und daran zu par­ti­zi­pie­ren.” Und so in der Zeit, je mehr ich das fest­ge­stellt habe, was es da für Schwie­rig­kei­ten gibt, umso mehr wurde das irgend­wie zu einem mei­ner The­men. Ich habe das auch schon häu­fi­ger ver­sucht, auch in der Pira­ten­par­tei zu the­ma­ti­sie­ren. Und hatte immer ziem­li­che Schwie­rig­kei­ten damit.

Georg: Kurz gefragt: Du hat­test Schwie­rig­kei­ten damit, zu the­ma­ti­sie­ren, dass Frauen sich eben nicht dafür inter­es­sie­ren oder zumin­dest nicht so prä­sent sind in der… Oder erklär’ das viel­leicht genau selbst.

3’28

Lena: Nein. Wenn ich es the­ma­ti­siert habe, dann wurde eigent­lich sehr offen begeg­net: „Ja, natür­lich, wir wol­len gerne mehr Frauen gewin­nen. Ist ja auch für eine Par­tei ziem­lich wich­tig. Frauen sind ja schließ­lich die Hälfte der Wahl­be­völ­ke­rung.” Da wurde sehr sehr posi­tiv drauf begeg­net. Nur wenn ich dann mit sol­chen Fra­gen der Gleich­be­rech­ti­gung und so wei­ter kam, wurde ich rela­tiv schnell abge­bü­gelt im Sinne von, also, mit dem Kom­men­tar: „Wir sind Post­fe­mi­ni­sus. Bei uns sind alle gleich. Wir machen kei­nen Unter­schied. Und des­halb wol­len wir da auch gar nicht drü­ber reden.”

Georg: Aber ist es nicht genau das Ziel, quasi kei­nen Unter­schied zu machen?

4’06

Lena: Es gibt einen Unter­schied zwi­schen Gleich­be­rech­ti­gung und Gleich­stel­lung. Den halte ich für sehr wich­tig. Und natür­lich ist es ein sehr, sehr löb­li­ches Ziel zu sagen: „Natür­lich, wir wol­len ein­fach gar kei­nen Unter­schied machen.” Nur solange wir die­ses Ziel noch nicht erreicht haben, hilft das auch nicht zu sagen: „Es ist so”, und dann ist es auch so. Also, allein zu behaup­ten, dass es so wäre, führt uns noch nicht dahin, dass es so ist. Dazu ist es wich­tig, sich dar­über bewusst zu sein, dass es eben noch nicht so ist, weil wenn man denkt, es gibt kein Pro­blem, mit dem umge­gan­gen wer­den muss, dann geht man auch nicht damit um, dann geht man auch nicht dar­auf ein und dann hat man über­haupt kein Bewusst­sein für das Thema. Und das halte ich für so gefähr­lich an der Aus­sage, wir seien Post­fe­mi­nis­mus. Ich wage zu behaup­ten, dass das ein­fach nicht der Fall ist.

5’05

Georg: Du hast ja in der Pres­se­mit­te­lung geschrie­ben, du willst einen Schutz­raum bie­ten, den Frauen… aber ein Schutz wovor. Hast du viel­leicht schon selbst Situa­tio­nen erlebt, in denen du einen Schutz­raum gehabt hät­test und der dir gefehlt hat in der Piratenpartei?

5’16

Lena: Darf ich noch ganz kurz zur Pres­se­mit­te­lung was sagen. Es gibt näm­lich hier eine große Kri­tik, dass ich eigen­stän­dig Sachen gemacht habe, dass Frauen sagen: Für mich spricht die gar nicht. Sie tut aber so, als würde sie das. Des­we­gen ist es mir ganz wich­tig, noch einen fet­ten Dis­clai­mer hier an der Stelle erst­mal zu posi­tio­nie­ren. Ich spre­che nicht für die Pira­ten­par­tei und ich spre­che nicht für alle Frauen in der Pira­ten­par­tei. Ich spre­che in ers­ter Linie für mich und wenn… Ich glaube aber, dass es auch ein paarr Frauen gibt in der Pira­ten­par­tei, die sich damit iden­ti­fi­zie­ren kön­nen. Das nur noch­mal, um das deut­lich zu machen.

Georg: Der Schutzraum…

5’56

Lena: Genau, die Schutz­räume. Ja, ich war schon­mal in so einer Situa­tion, in der ich mir gewünscht hätte, dass ich geschützt werde. Das bedeu­tet zum Bei­spiel, dass ich mir gewünscht hätte, dass mir zum Bei­spiel nicht eine andere Frau in den Rücken fällt, in dem Moment in dem ich ver­su­che, etwas zu thematisieren.

Georg: Kannst du das viel­leicht mal beschrei­ben? Ein biss­chen kon­kre­ter, wie das aus­sah, was das war?

Lena: Zu kon­kret möchte ich das auch gar nicht, weil es wird dann auch per­sön­lich und die Pira­ten haben ja auch das Schlag­wort „Pirat­sphäre” geprägt…

6’30

Georg: Aber das wir ein­fach eine Vor­stel­lung davon krie­gen, wie Frauen sich füh­len, wenn sie sich unwohl füh­len in dem Sinne, den du meinst.

Lena: Also was zum Bespiel eine große Schwie­rig­keit ist, ist, wenn ich ver­su­che, etwas zu the­ma­ti­sie­ren und zu sagen: „Hier gibt es eine Schwie­rig­keit damit, dass wir Män­ner und Frauen sind. Hier gibt es ein Pro­blem”. Und damit dann erst­mal abge­bü­gelt werde: „Das stimmt nicht.” Zwei­tens mal Augen­rol­len ernte, weil jeder ist ein­fach diese Dis­kus­sion leid. Kann ich auch gut ver­ste­hen (lacht). Die wurde auch ein­fach schon in Arten geführt, die ich auch sel­ber abso­lut nicht für rich­tig halte. Und das Dritte ist, dass Frauen die sagen, sie haben das­selbe nicht so erlebt, dann aber nicht in dem Moment sagen: „Ach ja, das ist ja inter­es­sant. Hab’ ich so noch nicht erlebt, aber erzähl doch­mal, was genau meinst du denn”, son­dern dass sie beson­ders laut sagen: „Also, ich habe sowas noch nie erlebt und das kommt über­haupt nicht vor und das ist Quatsch, was du sagst.” Und damit ent­steht eine ganz große Schwie­rig­keit und die­ses Phä­no­men, dass Frauen so hef­tig rea­gie­ren auf die­ses Thema habe ich einem rei­nen Frau­en­kreis noch nie erlebt. Diese Aus­sage, Frauen äußern sich anders außer­halb, also in getrenn­ten…, also unter­ein­an­der, ist über­haupt keine Kri­tik an den Män­nern, dass sie viel­leicht irgend­was falsch machen, das ist ein­fach nur eine Fest­stel­lung eines Phä­no­mens, das übri­gens auch nicht mehr jung ist. Und dem ich gerne mit die­sem Schutz­raum ent­ge­hen würde. Wo ich sagen würde: „Hier kön­nen wir auf eine andere Art und Weise kom­mu­ni­zie­ren.” Das ist alles.

8’20

Jörg: Ja, Frauen haben es in män­ner­ge­präg­ten Situa­tio­nen meis­tens ein biss­chen schwe­rer. Also das kennt man ja auch, wenn man jetzt so als typi­scher Nerd [unver­ständ­lich] auf Com­pu­ter­kon­gres­sen, wo es dann nur so eine Hand voll Frauen gibt oder irgend­wie auf der Rol­len­spiel­con­ven­tion, da sind’s dann auch nur drei. Und das sind in sol­chen Situa­tion, in denen Frauen die Min­der­hei­ten sind, kom­men ja nur die Frauen über­haupt an, die es schon all­ge­mein eini­ger­ma­ßen schaf­fen, sich durch­zu­set­zen gegen andere. Und trotz­dem sind sie in so einer Situa­tion dann die Min­der­heit. Und wenn man Teil einer Gruppe ist, aber Teil einer Min­der­heit in einer Gruppe, ist es natür­lich schwie­ri­ger, sich dann zu äußern, weil der Rück­halt in der Gruppe nicht so groß ist.

Georg: Also, das Zitat in der Pres­se­mit­tei­lung war ja auch, auch die lei­sen Stim­men unter den Frauen sol­len Gehör fin­den. Und ich würde gern wis­sen: Was unter­schei­det denn leise Stim­men unter den Frauen von lei­sen Stim­men unter den Männern?

Lena: Die einen wur­den von Frauen gespro­chen, die ande­ren von Män­nern. (lacht)

Georg: Sind das dann nicht die glei­chen Pro­bleme, die beide haben.

Lena: Naja, also Jörg hat ja gerade eben von den unter­schied­li­chen Sor­ten von Min­der­hei­ten gespro­chen und die lei­sen Stim­men der Män­ner sind eine Min­der­heit der Mehr­heit. Von daher gibt es da natür­lich — ist es nicht kom­plett gleich. Aber: Klar, es braucht natür­lich auch Mög­lich­kei­ten für die schüch­ter­nen oder lei­sen Män­ner, sich zu arti­ku­lie­ren. Und da bin ich auch schon im Gespräch mit rka [Andreas Baum], dem Lan­des­vor­sit­zen­den in Ber­lin, genau hier­für auch Struk­tu­ren zu schaf­fen. Das ist völ­lig unab­hän­gig davon, dass wir ein Kreis, also wir Pira­tin­nen, einen Kreis von nur Frauen grün­den wollen.

Georg: Noch­mal die Frage: Das Ziel ist glaube ich, gar nicht so umstrit­ten. Die Frage ist ein­fach nur: Warum will man sich — wenn man schüch­terne Frauen hat und auch schüch­terne Män­ner, warum will man sich um die schüch­ter­nen Frauen trotz­dem getrennt von den schüch­ter­nen Män­nern kümmern?

10’25

Lena: Weil das Thema nicht „Schüch­tern­heit” ist, son­dern die Pro­ble­ma­tik, als Frau in die­ser Gruppe zu exis­tie­ren. Und das hier ein­fach natür­lich, hier sind Schwie­rig­kei­ten, die haben mit Schüch­tern­heit nicht so viel zu tun, son­dern es ist auch eine sehr sehr sehr lange his­to­risch gewor­dene Situa­tion, dass Frauen seit Jahr­tau­sen­den benach­tei­ligt wur­den. Und nicht ernst genom­men wur­den. Und wenn ich jetzt sagen möchte: „Ich fühle mich nicht ernst genom­men”, in einer Gruppe, in der ich Angst habe, nicht ernst genom­men zu wer­den — weil aus einem ande­ren Grund würde ich ja nicht sagen wol­len, ich fühle mich nicht ernst genom­men, dann habe ich eben die Angst, nicht ernst genom­men zu wer­den. Und das heißt, genau die The­ma­ti­sie­rung die­ses The­mas fällt unglaub­lich schwer in dem Moment, wo schon die Frage im Raum steht: Ist die­ses Thema relevant.

Georg: Was sind denn so Bei­spiele für diese Pro­bleme mit Frauen, also die Frauen haben, meine ich, in der Pira­ten­par­tei. Was für Dis­kus­sio­nen gibt es denn auf der Mai­ling­liste, wo nur Frauen zumin­dest dem Titel nach mit­le­sen und mitschreiben?

11’35

Lena: Ja, also, ich möchte natür­lich jetzt nicht zu viel dar­über sagen. An eini­gen ande­ren Stel­len sind ja auch schon Dinge gele­akt. Man kann zum Bei­spiel das auch in der taz schön nach­le­sen. Keine Ahnung wie die daran gekom­men ist.

Georg: Viel­leicht war das eine Frau?

Lena: Ja, das kannn gut sein, dass sie sich da ein­fach ein­ge­tra­gen hat als Frau.

Georg: Ja, das ist ja jetzt so ein biss­chen die Frage: Wenn du einen Schutz­raum willst, und das ist die Mai­ling­liste, wie kon­trol­lierst du eigent­lich, dass erst­mal nur Frauen da teil­neh­men kön­nen und dann auch, dass die Dinge da geheim blei­ben. Geht das überhaupt?

12’04

Lena: So, jetzt hast du mich auch die erste Frage noch gar nicht ant­wor­ten las­sen. Aber jetzt ant­worte ich erst­mal dar­auf. Auf die­ser Liste kann ich das nicht fest­stel­len. Auf die­ser Liste haben wir uns jetzt drauf geei­nigt, zu sagen: „Ja Mensch, zumin­dest müs­sen sich alle Män­ner hier als Frauen aus­ge­ben.” Und damit haben wir ja quasi etwas geschaf­fen, was gegen­tei­lig ist zu der Situa­tion, wie wir sie in der Pira­ten­par­tei haben, wo behaup­tet wird, dass der Begriff „Pirat” geschlechts­neu­tral sei, was ich ehr­lich gesagt ziem­lich frech finde. Das heißt, an die­ser Stelle haben wir zumin­dest erst­mal den Spieß rum­ge­dreht (lacht) und… Sicher­stel­len kann ich das nicht, das habe ich auch den Frauen in der Liste deut­lich gemacht und gesagt — die sind sich dadrü­ber jetzt auch spä­tes­tens seit der taz bewusst. Es soll noch eine zweite Mai­ling­liste geben, die fange ich an, sobald Bedarf ange­kün­digt wird, die so eine Art „Web of Trust” ist. Also, das funk­tio­niert dann ähnlich wie bei den „Häck­sen”. Die machen das glei­che. Die hat­ten übri­gens einen ähnli­chen Kampf am Anfang, sind heute total eta­bliert und aner­kannt und damit hat über­haupt kei­ner mehr ein Problem.

Georg: Das sind die Frauen im CCC, nur als kurze Erklärung.

13’15

Lena: Genau, das sind die Frauen im CCC. Und es haben sich auch einige Häck­sen zum Bei­spiel gemel­det, um jetzt noch­mal auf den Inhalt zurück­zu­ge­hen, die gesagt habe: „Ja, ich kenne die Dis­kus­sion. Halte durch, es ist alles in Ord­nung. So lief das bei uns am Anfang auch.”

Andere Sachen sind das Ziel, was ich mir gesetzt hatte, mal ein offe­nes Ohr dafür zu haben: Gibt es denn zum Bei­spiel Frauen, die aus dem Grund aus der Pira­ten­par­tei schon wie­der aus­ge­tre­ten sind. Gibt es viel­leicht Män­ner, die aus dem Grund aus der Pira­ten­par­tei wie­der aus­ge­tre­ten sind. Bei­des kann ich mitt­ler­weile beja­hen, denn es haben sich Leute bei mir gemeldet.

13’55

Im Moment sind so die — The­ma­tisch beschäf­ti­gen wir uns damit, wie möch­ten wir uns dar­stel­len, was ist jetzt genau eigent­lich unser Selbst­ver­ständ­nis. Wir dis­ku­tie­ren den Slo­gan „Klar­ma­chen zum Gen­dern”. Und was auch ein wich­ti­ges Thema ist, gerade, ist: Wie gehen wir mit den Angrif­fen um, die uns wider­fah­ren. Es gibt einige Frauen, die sich auch deut­lich ein­ge­setzt haben, deut­lich zum Bei­spiel in Blogs und so wei­ter deut­lich gemacht haben, dass sie das Thema wich­tig fin­den. Und die wer­den zum Teil hart atta­ckiert. Also, ich werde ja auch atta­ckiert, aber damit set­zen wir uns jetzt auch auseinander.

14’40

Das heißt auch, dass die Frage ist: Sind wir über die­ses Thema hin­weg? Wenn ich die­ses Thema nicht anspre­chen kann ohne befürch­ten zu müs­sen, dass ich der­art hef­tig ange­grif­fen werde, und zwar eben per­sön­lich, nicht inhalt­lich, per­sön­lich — unglaub­lich emo­tio­na­li­siert — dann kann mir kei­ner erzäh­len, dass wir über die­ses Thema schon hin­weg sind, denn dann müsste es ja theo­re­tisch ganz ein­fach mög­lich sein, auch an der Stelle eine andere Mei­nung zu haben.

15’10

Und was die­ses Thema sehr deut­lich aus­zeich­net ist, dass sehr schnell so ein Hebel umge­legt wird. Also, ich sage irgend­was wie „Femi­nis­mus” oder „Gleich­be­rech­ti­gung” und mir wird unglaub­lich viel in den Mund gelegt. Es geht sofort die Lampe an: „Ja, das ist so eine Alice Schwar­zer” und mir wer­den sämt­li­che Vor­ur­teile, die man von Eman­zen hat, in den Mund gelegt. Es gab ganz häu­fig den Vor­wurf: „Ja, ihr wollt eine Quote ein­füh­ren oder dan Binnen-‚I’.” Nichts davon — habe ich nie­mals gesagt, weise ich auch jetzt von mir. Das ist über­haupt nicht mein Ziel. Das wurde mir aber in den Mund gelegt und dage­gen wurde argu­men­tert. Was auf mei­ner Seite dann ins Leere ging, weil das hatte ich nie gesagt.

15’57

Im Gegen­teil, ich habe eine sehr große Kri­tik an die­sen über­trie­be­nen Eman­zen, wie man sie ja so schön nennt, die viel­leicht tat­säch­lich zum Ziel haben, jetzt den Spieß ein­fach kom­plett rum­zu­dre­hen. Ich möchte den Spieß nicht kom­plett rum­dre­hen. Ich möchte Gleich­be­rech­ti­gung. Ich möchte wirk­lich, dass es gleich ist. Und Leute, also Frauen, die dann sagen: „Oh, gibst du mir bitte mal die Salz­streue­rin”, denen könnte ich den Hals rum­dre­hen. Weil das dazu führt, das ein unglaub­lich wich­ti­ges Thema nicht mehr ernst genom­men wird.

16’31

Georg: Du hast ja im Tweet gesagt: „Wäre Gen­der schon wirk­lich post, dann würde anders rea­giert”. Ja, wie denn? Wie würde rea­giert, wenn wir wir­lich schon eine Post­gen­der­ge­sell­schaft hät­ten und jemand würde eine Mai­ling­liste grün­den, die nur Frauen vor­be­hal­ten ist.

16’42

Lena: Ja, so what. Also, wenn ich mir vor­stelle: „Ok, es ist alles ok, es ist alles in But­ter, es ist alles in Ord­nung” und es kommt jemand und sagt: „Für mich ist nicht alles in But­ter an der Stelle”, dann sage ich: „Oh, mein Gott, erzähl mehr. Was genau ist denn das Pro­blem?” Ich gehe auf die Per­son ein. Ich gehe auf sie zu und ich fange nicht an, wie ein wil­des Tier irgend­wie Sachen nach der Per­son zu schmei­ßen und zu sagen: „Du hast Unrecht und das ist total falsch alles.”

17’14

Georg. Also ich glaube auch eher, das Pro­blem ist auch eher gar nicht die The­ma­tik, son­dern die Wahl der Mit­tel. Näm­lich das Mit­tel sich zu iso­lie­ren, zu tren­nen von den ande­ren. Also, was du ja eben tust mit der Mai­ling­liste. Das ist auch so eine Frage: Die Mai­ling­liste ist nur für Frauen offen. Was ist mit Men­schen, die keine ein­deu­tige Geschlechts­zu­ord­nung haben, also Trans­gen­der? Kön­nen die auch mit drauf?

17’33

Lena: Wenn sie auf die Frau­en­toi­lette gehen. Das ist ja so eine freie Ent­schei­dung: Als was fühle ich mich. Ich finde, mit der Toi­let­ten­wahl ist das rela­tiv gut wie­der­ge­ge­ben. Wie gesagt…

Georg: Also es kön­nen auch Män­ner rauf, die auf Frau­en­toi­let­ten gerne gehen?

17’50

Lena: (lacht) Wenn sie da nicht raus­ge­wor­fen wer­den und sich da wohl­füh­len und sich als Frau aus­ge­ben… Das ist ja das Ding: Im Moment kommst du auf die Liste drauf, wenn du sagst: „Ich bin eine Frau.” Ich habe ein paar Leute abge­lehnt und denen gesagt: „Es ist nicht erkenn­bar, ob du eine Frau bist. Gib dich bitte als Frau zu erken­nen”. Dann haben die geant­wor­tet: „Ich bin eine Frau” und dann sind sie auf die Mai­ling­liste gekom­men. Das heißt, es ist schlicht und ergrei­fend die Aus­sage: Wenn ich mich als Frau iden­tif­ziere, dann komme ich auf diese Liste.

18’19

Die zweite erwähnte Liste, da müs­sen wir dann mal schauen, wie das funk­tio­niert mit einem Web of Trust. Das ist ja auch schwie­rig, gerade weil wir ja ziem­lich bun­des­weit ver­teilt sind. Da müs­sen wir das viel­leicht dann auch über Tele­fon und so wei­ter machen. Und da müs­sen wir das dann im Ein­zel­fall auch ein­fach mit der Gruppe entscheiden.

18’36

Jörg: Zur Abkap­se­lung würde ich noch sagen, es ist hier nicht so, dass Grup­pen­bil­dung oder sowas wie Anony­mi­sie­rung ja auch was ist, was den Pira­ten eigent­lich ein urei­ge­nes pira­ti­ges Thema ist. Ja? Es würde dir ja jetzt kein Pirat sagen: „Ja, wir müs­sen TOR abschaf­fen, weil da kön­nen ja Leute was mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren, ohne dass jemand mit­kriegt, wer das was sagt oder wer mit wem sagt oder über­haupt irgend­je­mand was sagt.” Und genau die­ses Prin­zip der abso­lu­ten Trans­pa­renz ist ein Dogma, das in der Pira­ten­piar­tei weit ver­brei­tet ist, was aber für eine Demo­kra­tie und eine freie Kom­mu­ni­ka­tion hin­der­lich ist. Weil dann näm­lich jeder, der was sagt, nicht anonym was sagen kann, nicht nur in einem begrenz­ten Teil was sagen kann, son­dern sofort mit sei­nem Namen und mit sei­ner Per­son in der Öffent­lich­keit steht. Das ist ja das, was Lena jetzt pas­siert ist. Sie geht mit einer Posi­tion in die Öffent­lich­keit, mit ihrem Namen und muss jetzt die gan­zen Angriffe aushalten.

19’37

Lena: Also, bei der Frage „Wir kap­seln uns ab”. Das ist ein­fach — natür­lich, bei Poli­tik ist die For­de­rung der Pira­ten: Es muss Trans­pa­renz geben. Es muss trans­pa­rent sein, wie Ent­schei­dun­gen getrof­fen wor­den sind und so wei­ter. Wir wol­len aber über­haupt keine Ent­schei­dun­gen tref­fen. Das Ziel der Pira­tin­nen ist nicht, die Auf­ga­ben der AGs zu über­neh­men. Es gibt die AGs und das ist was völ­lig ande­res. Des­halb sage ich auch immer auf die Frage: „Warum bist du denn nicht zu die­sen AGs gegan­gen”: Das ist was ande­res, das hat damit nichts zu tun.

20’12

Unsere Ziel­set­zung ist erst­mal die Pira­ten­par­tei für Frauen attrak­ti­ver zu machen. Das ist natür­lich auch die Ziel­set­zung der AGs. Nur wir wol­len eben auch den Blick nach innen mal wagen. Wir wol­len auf­merk­sam wer­den, falls es Pro­bleme gibt, dass die nicht ein­fach an den Pira­ten vor­bei­ge­hen. Dass die nicht unbe­merkt ein Pro­blem ein­fach an sich vor­bei­zie­hen las­sen, weil kei­ner davon über­haupt was mit­be­kom­men hat. Das heißt, es muss irgend­eine Anlauf­stelle geben, an die ich mich wen­den kann, um überhaupt… — die zusam­men­sam­melt, wo gibt es denn jetzt über­haupt die Schwie­rig­kei­ten zum Bei­spiel mit der Geschlechts­frage in der Piratenpartei.

20’55

Und dafür braucht es natür­lich Ver­trau­ens­per­so­nen, von denen ich sicher sein kann, dass tröp­felt jetzt nicht mit mei­nem Namen und mei­ner gesam­ten Geschichte an die Öffent­lich­keit, son­dern die eine Zusam­men­fas­sung lie­fert: So-​und-​so viele Per­so­nen haben sich an mich gewen­det mit in-​etwa-​solchen Pro­ble­men. Das heißt: Natür­lich wer­den die Inahlte oder die Dinge, die bei uns in der Liste bespro­chen wer­den und hof­fent­lich auch spä­ter mit ande­ren Mög­lich­kei­ten als über eine Mai­ling­liste, natür­lich wer­den die an die Öffent­lich­keit gebracht. Das ist Ziel der Liste. Nur sie wer­den nicht oder hof­fent­lich bald nicht mehr, wenn es nicht mehr so leakt, per­sön­lich zitiert oder beim Namen genannt, son­dern es geht darum, das zusam­men­zu­fas­sen und das zu sehen.

21’38

Und da ist es ein­fach auch ein wei­ter wich­ti­ger Punkt das Bewusst­sein in der Pira­ten­par­tei auf die­ses Thema ein biss­chen zu len­ken. Und hier an der Stelle inner­halb der Pira­ten­par­tei auf das Bewusst­sein ein­zu­wir­ken, dass das hier sich ein ande­res Selbst­ver­ständ­nis ein­stellt. Weil das ist was, was drin­gend ist um wirk­lich attrak­tiv für Frauen zu sein. Und das ist keine pro­gram­ma­s­ti­sche Arbeit, das sind keine The­sen, das sind keine For­de­run­gen, die wir stel­len wür­den, son­dern das ist eigent­lich eine selbst­kri­ti­sche Arbeit, eine Arbeit mit sich selbst: Pro­bleme erken­nen und zu ver­su­chen, damit umzu­ge­hen. Und das ist ein­fach keine poli­ti­sche Arbeit und des­we­gen ist auch die Trans­pa­renz­for­de­rung an die­ser Stelle nicht angebracht.

22’30

Georg: Also das heißt vom Prin­zip hät­test du auch nichts dage­gen, wenn sich jetzt Män­ner in einer Mai­ling­liste zusam­men­fin­den und keine Frauen rein­las­sen. Das wäre in Ordnung?

Lena: Ja. [unver­ständ­lich] Solange sie pri­vat gepos­tet ist, sowieso. Was bin ich da jemand, der das ent­schei­den kann. Und auch auf dem Pira­ten­wiki hätte ich damit kein Pro­blem, nein.

22’48

Jörg: Und es ist ja auch noch nicht so, als würde sonst zwi­schen ein­zel­nen Pira­ten keine pri­vate Kom­mu­ni­ka­tion, die die ande­ren nicht mit­krie­gen, nicht beste­hen. Das ist ja immer der Fall, dass Men­schen mit­ein­an­der über E-​Mail und Instant Mes­sa­ging kom­mu­ni­zie­ren und es gibt natür­lich auch jede Menge infor­mel­ler Grup­pen, die sich zum Bier tref­fen. Es ist ja auch nicht so als wenn beim Pira­ten­stamm­tisch stän­dig alles auf Video auf­ge­nom­men würde. Was ja übri­gens, ne, auch gerade… — Kann man ja auch sagen: Ist intrans­pa­rent. Aber genau diese Art von geschütz­ter Umwelt, von einem geschütz­ten Raum ist was, was stän­dig genutzt wird und was auch extrem wich­tig ist.

23’34

Georg: Du hast vor­hin noch gemeint, du willst eigent­lich die Anrede, glaube ich, nicht ändern. Aber du hat­test glaube ich schon andere Vor­schläge gemacht, öffent­lich, also ob man sich jetzt „Pirat” nennt oder „Pira­tin”. Wie sieht das genau aus?

23’46

Lena: Also grund­sätz­lich: Ich bin ein­ge­stie­gen damals in die Ber­li­ner Mai­ling­liste, als es da gerade eine Dis­kus­sion sehr heiß am Lau­fen war zum Thema „Pirat oder Pira­tin”, und da war so am Ende die Lösung, auf die man sich geei­nigt hat: In offi­zi­el­len Tex­ten steht nur „Pirat” und jede Frau, die sich als „Pira­tin” bezeich­nen will, die darf das. Des­we­gen bin ich auch ein biss­chen über­rascht, warum das auch ein­mal jetzt nicht mehr sat­zungs­kon­form sein soll, wenn ich eine Gruppe auf­ma­che, die „Pira­tin­nen” heißt. Ich hatte in dem Moment damit eigent­lich gar kein so gro­ßes Pro­blem. Die Pira­ten­par­tei heißt nun­mal Pira­ten­par­tei und ich bin wirk­lich, wirk­lich gegen das Binnen-„I” und ich hätte es für ganz schreck­lich gefun­den, dar­aus die „Pira­tIn­nen­par­tei” zu machen. Und da sie nun­mal „Pira­ten­par­tei” heißt, fand ich das es an der Stelle sogar legi­tim ist, zu sagen: „Ok, das sind halt alles Piraten.”

24’44

Meine Schwie­rig­keit mit der Sache ist eben zum einen, was ich vor­hin erwähnt habe, dass dann frech in der Sat­zung steht, dass „Pirat” an der Stelle dann geschlechts­neu­tral sei. Das ver­kennt ein­fach das Pro­blem, wenn die­ses „geschlechts­neu­tral” ein­fach raus­ge­stri­chen würde, hätte ich mit die­sem Teil der Sat­zung eigent­lich gar nicht das Pro­blem. Das Pro­blem, was ich damit habe, ist das Selbst­ver­ständ­nis, das sich dar­aus ablei­tet. Dass sich dar­aus ablei­tet, dass Leute ver­su­chen, die­ses Wiki zu löschen, weil es nicht sat­zungs­kon­form sei. Dass…

Georg: Ent­schul­dige bitte, eine Web­seite meinst du im Wiki oder was genau?

25’22

Lena: Ja, das Wiki, genau, das Pira­ten­wiki [oder „Pira­ten­in­nen­wiki”, undeut­lich], also das Wiki auf der Pira­ten­par­tei­seite der Pira­ten. Mit dem Argu­ment, dass es nicht sat­zungs­kon­form ist, sich als Pira­tin­nen zu bezeich­nen. Dass dar­aus her­vor­geht, wir erwäh­nen die Frauen nie und nir­gendwo mit dazu, weil dar­auf haben wir uns ja geei­nigt, das steht ja so in der Sat­zung und das dar­aus her­vor­geht, wir sind Post­fe­mi­nis­mus. Und das sind Sachen, die wer­den dar­aus abge­lei­tet, die ich nicht unterschreibe.

25’50

Das heißt, ursprüng­lich mit der Eini­gung: „Wir nen­nen uns alle Pira­ten” hatte ich über­haupt kein Pro­blem, solange mir auch erlaubt wurde, mich sel­ber so zu bezeich­nen. Das Pro­blem ist nur, dar­aus folg­ten sehr viele Dinge. Zum Bei­spiel in der Schweiz wurde genau glei­che Art und Weise argu­men­tiert, warum es kein Frau­en­wahl­recht geben sollte bis 1971, weil im Grund­recht nur die Män­ner erwähnt wur­den, nur die Bür­ger sind das Volk, das die Demo­kra­tie hat. Und genau mit die­ser Argu­men­ta­tion wurde Frau­en­wahl­recht abge­lehnt. Und das ist genau das Pro­blem: Dass sich dar­aus etwas ablei­tet, womit ich ein gro­ßes Pro­blem habe.

26’37

Jörg: Also das heißt die Anrede „Pirat” und dass man in der Presse oder sonstwo in der Öffent­lich­keit nur „Pira­ten” schreibt, das fin­dest du schon in Ord­nung. Das kann so bleiben.

26’44

Lena: Mitt­ler­weile bin ich mir da mir nicht mehr so sicher, weil offen­sicht­lich hier ein gro­ßes Thema noch ist, und ich nicht glaube, dass alle in der Pira­ten­par­tei bei „Pirat” an den geschlechts­neu­tra­len Begriff, also an ein geschlechts­neu­tra­les Wesen, den­ken. Ich denke zum Bei­spiel, es — auch auf deine Frage noch­mal, wie würde man denn sagen, also, wenn man Post­fe­mi­nis­mus wäre, wenn man drü­ber stünde — dürf­ten ja theo­re­tisch nach der These die Pira­ten gar kein Pro­blem damit haben, ein­fach alle als „Pira­tin­nen” zu bezeich­nen. Das ist jetzt gar kein Vor­schlag, ich möchte das jetzt nicht vor­schla­gen, ich sage nur, damit haben eine Menge Leute ein Pro­blem. Da gibt es ziem­lich viel Wider­stand, immer wenn ich das mal so vor­schlage. Es dürfte doch eigent­lich kein Pro­blem sein, wir sind so viele Män­ner, es… — ich glaube, keine kommt auf die Idee, wenn über­all „Pira­tin­nen” steht, dass da nur Frauen gemeint sind. Dass da natür­lich auch eine Menge Män­ner dabei sind. Und von daher dürfte es eigent­lich, wenn man doch so drü­ber steht, gar kein Pro­blem sein…

27’45

Jörg: Es ist ein­fach kein Wort im Sprach­ge­brauch. Im Sprach­ge­brauch nutzt man, glaube ich, die Endung „-innen”, nur wenn es um Frauen geht.

27’52

Lena: Na, aber es wäre doch auch eine die­ser Arten, für die die Pira­ten sich doch auch einen Namen machen wol­len: Wir machen etwas anders. Und die ganze Gen­der­de­batte geht uns auf den Sen­kel, da haben wir kei­nen Bock drauf. Ja gut, wenn es sich nicht irgend­wie lösen lässt: Na gut, dann machen wir halt das jetzt mal so und ein Jahr lang sagen wir „Pira­tin­nen”, das nächste „Pira­ten” oder wie auch immer. Das würde zum Cha­rak­ter der Pira­ten auch sehr gut pas­sen. Ein­fach frech sagen: Wir haben kein Bock, da ewig lang drü­ber zu dis­ku­tie­ren und des­we­gen machen wir es jetzt halt ganz anders.

28’27

Ich möchte das jetzt nicht wirk­lich vor­schla­gen. Ich sage nur: So würde das für mich aus­se­hen, wenn wir wirk­lich „post­gen­der” wären. Wenn es wirk­lich ein­fach keine Rolle mehr spie­len würde. Aber an den Stel­len finde ich sieht man sehr deut­lich, dass das eben doch eine Rolle spielt.

28’42

Man sieht das übri­gens auch daran, dass ich unglaub­lich viele neue Twitter-​Follower habe. Das heißt nicht unbe­dingt, dass die mich auch alle unter­stüt­zen. Aber das Thema ist inter­es­sant. Und das finde ich zeigt schon, dass da wir da ein­fach noch nicht mit fer­tig sind. Auch wenn es viel­leicht lang­sam anstren­gend wird. Aber wenn wir mal auf­hö­ren, die ganze Zeit diese Ste­reo­ty­pen, die wir haben, von — die Per­son ist jetzt eman­zi­pa­to­risch unter­wegs, das heißt, sie ist eine Män­ner­has­se­rin und sie for­dert das Binnen-„I” und sie for­dert Quo­ten, wenn wir von die­sem ste­reo­ty­pen Den­ken mal run­ter­kom­men, dann kön­nen wir auch auf eine ganz andere Art dis­ku­tie­ren und alle, mit denen ich bis­her gere­det habe, bei denen ich es geschafft habe, im per­sön­li­chen Gespräch klar zu machen, dass es mir über­haupt nicht darum geht, und dass ich über­haupt keine von die­sen „Kampf­eman­zen” bin, mit denen hat auf ein­mal eine kom­plett andere Unter­hal­tung statt­fin­den können.

Georg: Das klang schon fast wie ein Schluss­wort. Willst du noch etwas anfü­gen? Oder du, Jörg?

29’42

Lena: Ja, eine Sache hätte ich noch. Also, wir sind eine Par­tei — und jetzt sage ich „wir” — die Pira­ten­par­tei, sind eine Par­tei, die eine sehr große Menge an Män­nern haben und das hat man eigent­lich immer, wenn man eine homo­gene Masse hat, dass die nicht sich nicht so gut ein­füh­len kann, das ist ein­fach Fakt. Wir sind halt alle sub­jek­tiv und da kann noch kei­ner draus aus­stei­gen; dass natür­lich Pro­bleme, die alle Mit­glie­der die­ser homo­ge­nen Menge nicht haben, schwie­rig ver­mit­tel­bar sind. Und dass die Pira­ten in der Gefahr sind, dadurch dass im Moment noch so wenige Frauen dabei sind — ich hoffe, es wer­den bald mehr — diese Pro­bleme zu über­se­hen. Und dass es unglaub­lich schwie­rig wird, sol­che Pro­bleme deut­lich zu machen, anzu­spre­chen, zu arti­ku­lie­ren, wenn sie so schnell abge­bü­gelt wer­den und so schnell gesagt wird: „Das ist kein Thema bei uns.” Und des­we­gen würde ich sehr daran appel­lie­ren, dass ein biss­chen grö­ße­res Ver­ständ­nis dafür ent­steht, dass es durch­aus Pro­bleme geben kann, die ich über­haupt nicht auf dem Schirm habe, von denen ich mir gar nicht vor­stel­len kann, dass sie über­haupt exis­tie­ren, und sie sind trotz­dem da und sie sind trotz­dem exis­tent und sie soll­ten die Pira­ten trotz­dem interessieren.

31’05

Jörg: Da möchte ich noch­mal ganz kurz nach­fra­gen: So ein Bei­spiel für ein Pro­blem, das die meis­ten Pira­ten eben nicht auf dem Schirm haben. Und was viel­leicht ganz viele Frauen oder poten­ti­elle Pira­tin­nen haben.

31’15

Lena: Das fängt an bei Sprü­chen, irgend­wel­che dum­men Sprü­che, irgend­wel­che Kom­men­tare, Anma­chen. Das kommt alles vor. Dar­auf hin­zu­wei­sen wird dann mit Geg­röhle noch­mal kom­men­tiert. Und dar­über hin­aus gibt es auch sehr gern so (seufzt) — das ist eigent­lich ist das lieb gemeint und eigent­lich ist das auch sehr süß — nur es ist ein biss­chen so her­ab­las­send, so von oben herab: „Ja, ne, Kleine, Süße, und du siehst ja auch super aus und ich find’s ja auch ganz toll, dass du da bist, aber damals als ich auf mei­nem C64 schon am Com­pu­ter saß, da hast du ja noch gar nichts damit zu tun gehabt.” Und ich sag: „Ja, ich bin viel­leicht gleich alt, aber du hat­test da einen pri­vi­le­gier­ten Lebens­lauf. Du hat­test Zugang zu sol­chen Gerä­ten. Ich hatte so einen Zugang nicht.”

32’08

Und das ist natür­lich — keine Ahnung, ich weiß es nicht, ob ich die Mög­lich­keit gehabt hätte, wenn ich mich mit Hän­den und Füßen gewehrt hätte, irgend­wie an so ein Gerät ran­zu­kom­men. Aber mir hat das über­haupt nie­mand vor­ge­schla­gen oder mir die Idee unter­brei­tet, du könn­test dich mit Com­pu­tern beschäf­ti­gen. Die meis­ten der Frauen, die ich kenne, haben mit 16, 17, ihren ers­ten Rech­ner gehabt. Also, ich war mit 16 ein Uni­kum, dass ich mei­nen eige­nen Rech­ner hatte. Und das sich klar zu machen, dass es keine Über­le­gen­heit — also, natür­lich ist eine Über­le­gen­heit — aber dass es nichts ist, auf was man stolz sein sollte, und was man den Leu­ten noch unter die Nase rei­ben sollte, son­dern wo klar ist, dass das ein Pri­vi­leg für dich ist; sei mal froh darum und bedenke das, wenn du das das nächste Mal zu mir sagst: „Ja, du hat­test das ja nicht.”

32’57

Jörg: Ich kann dazu noch was All­ge­mei­ne­res zu sagen. Und zwar: Die Pira­ten leben ja nicht einem Vakuum. Sie tun ja immer gerne so, sie schnei­den sich da irgend­wie ihr klei­nes Poli­tik­feld raus und sagen irgend­wie: Wir wol­len irgend­wie ande­res Urhe­ber­recht und so ein biss­chen gegen Über­wa­chung, aber kei­ner kann in einem poli­ti­schen Vakuum exis­tie­ren. Es ist ja so: Trotz­dem sind wir alle Teil der sel­ben Gesell­schaft und es ist nun­mal kein Geheim­nis, dass in Deutsch­land Frauen für die glei­che Arbeit weni­ger ver­die­nen als Män­ner, dass Frauen allgemein… — Das liegt nicht nur daran, dass sie sozu­sa­gen schlech­ter bezahlte Jobs haben, son­dern dass Frauen in tech­ni­schen Beru­fen unter­re­prä­sen­tiert sind und so wei­ter und so wei­ter. Das ist ja jetzt nichts Neues.

33’36

Und genau das glei­che pas­siert natür­lich in der Pira­ten­par­tei auch. Das heißt: Alle gesell­schaft­li­chen poli­ti­schen Pro­beme, die drau­ßen in der Gesell­schaft sind, die tre­ten in der Pira­ten­par­tei auch wie­der auf, da sie ja Teil die­ser Gesell­schaft sind. Und das ist, glaube ich, die große Her­aus­for­de­rung für die Pira­ten, auch sich dem zu stel­len und auch das wird nicht nur das erste Pol­tik­feld sein, son­dern in ande­ren wird sich das auch ent­wi­ckeln, dass die Pira­ten sich mit sich selbst und mit ihrer eige­nen wie sie selbst funk­tio­nie­ren und wie sie Teil der Gesell­schaft sind, das noch ein biss­chen bes­ser reflek­tie­ren lernen.

34’12

Georg: Ok, ich bedanke mich sehr bei euch bei­den und ich wün­sche mir auch, dass die Dis­kus­sion viel­leicht ein biss­chen mehr an Ruhe gewinnt und an Kon­struk­ti­vi­tät. Ok, danke.

15 Antworten to “Transkript des Interviews von Georg Jähnig mit Lena Simon zur „Genderdebatte” in der Piratenpartei”


  • Internetausdrucker

    Die Frau eines guten Freun­des, sie ange­spro­chen auf die Exis­tenz der Pira­ten­par­tei, meinte einst „Ja sind denn da auch Frauen dabei?” und wei­gerte sich vor Inter­net­re­cher­che mit posi­ti­ver Beant­wor­tung die­ser Frage rigo­ros, schon­mal vorab einen flu­ech­ti­gen Blick ins Par­tei­pro­gramm zu werfen…

    Muss man die Exis­tenz einer „Min­dest­menge weib­li­cher Per­so­nen inner­halb der Par­tei” viel­leicht als genau den „Schutz­raum” begrei­fen, der von [man­chen] Frauen zwin­gend benoe­tigt wird, um der Par­tei ueber­haupt bei­zu­tre­ten oder vor­han­dene Ent­fal­tungs­raeume auszunutzen?

    So naem­lich dann diese ‚not­wen­dige Min­dest­menge’ nicht vom Him­mel faellt, ent­steht sie ent­we­der gar nicht, oder nur durch Zutun von Frauen, die eben genau die­sen Schutz­raum nicht fuer ini­zi­ell not­wen­dig erach­ten oder vor­han­dene Raeume als zumin­dest vor­erst aus­rei­chend akzep­tie­ren und dort vor­an­zu­schrei­ten beginnen.

    Sol­cher­lei Vor­an­schrei­ten­den erst­mal mei­nen per­so­en­li­chen Dank vorab!

    Ich unter­stelle ein­mal, dass ich, Mann, per­so­en­lich weni­ger Wert auf „das Gefu­ehl” im All­ge­mei­nen lege, als manch andere Person.

    Es ent­steht bei mir bei­spiels­weise nicht der per­so­en­lich „gefu­ehlte Wunsch” nach einem „mit Rosen­blaet­tern berei­te­tem Him­mel­bett”, nur weil’s viel­leicht ‚kusche­li­ger’ waere, als ein aske­ti­sches Bett­ge­stell mit ordent­li­cher Matratze und sau­be­ren Laken. Ent­spre­chend gehe ich ers­te­rem nicht nach und bin mit rein funk­tio­na­ler Schlaf­statt i.A. per­so­en­lich abso­lut zufrieden.

    Nun stelle man sich vor, dass not­wen­dige Bedin­gung des besucht wer­dens mei­ner Per­son durch diverse Gaeste waere, dass ich Him­mel­bett mit Rosen­blue­ten anbie­ten koennte! „Du musst Rosen­blue­ten im Schlaf­zim­mern ver­streuen und hier und da noch eine Duft­kerze anzu­en­den!” kla­en­gen viel­leicht die Hin­weise von diver­sen Seiten.

    Doch kann es wirk­lich mein Ziel sein, mit Effekt­ha­sche­rei und den­noch recht pri­mi­ti­ven Lock­mit­teln den Besuch anzu­lo­cken? Den Besuch, dem ich bereits bei Ein­la­dung direkt und [un]bekannterweise auch eine Beziehung/​Wohngemeinschaft „Auge in Auge” ange­bo­ten habe — mit den damit ver­bun­de­nen Rech­ten, das gemein­sam zu bewirt­schaf­tende Haus nach eige­nem Gut­du­en­ken mitzugestalten?

    Wie­viele Besu­cher kann ich unge­schol­ten nach­ein­an­der mit Duft halb aether­trun­ken ins Haus hin­ein­lo­cken, bevor sie mer­ken, dass auf die­sem Weg alles nur auf einer bil­li­gen sinn­li­chen Betoerung basiert — und nicht auf einer wil­lent­li­chen logi­schen Ent­schei­dung, wel­che ja in Folge viel frucht­ba­rer sein koennte?! Will frau wirk­lich von der Pira­ten­par­tei den oran­ge­nen Tep­pich aus­ge­rollt bekom­men und mit Hand­kuss geschmei­chelt werden?

    Stel­len wir uns nun einen Gast vor, der direkt nach aus­ge­spro­che­ner freund­li­cher Ein­la­dung eine For­de­run­gen an die Gast­ge­ber rich­tet, wel­che durch ihren Ohren als Erpres­sungs­ver­such emp­fan­gen wer­den koennte. Ala „Ich will natu­er­lich auch gedimm­tes Licht und Pra­li­nen, oder ich komme nicht!”. Wuer­den die Gast­ge­ben­den die Ein­la­dung genau die­ses Gas­tes mit Freu­den wiederholen?

    Wuen­schens­wert ist eine Zeit der Unge­zwun­gen­heit, in der ein Gast das, was ihm fehlt, ggf. auch sel­ber ein­bringt. Sei es das eigene Suepp­chen oder das Schnu­ckel­tuch fuer unter’s Kopfkissen.

    Eine „geschlos­sene Mai­ling­liste fuer Frauen” finde ich so inter­es­sant, wie eine zu einer Feier mit­ge­brachte Fla­sche Wein. Erst nach der Ent­kor­kung wird man letzt­lich fest­stel­len koen­nen, wie­viele gute Schop­pen darin ent­hal­ten sind.

  • „es ist nun­mal kein Geheim­nis, dass in Deutsch­land Frauen für die glei­che Arbeit weni­ger ver­die­nen als Männer”

    Nein, das ist nicht nur kein Geheim­nis, son­dern eine glatte Lüge…

  • Das ist mitt­ler­weile alles so der­mas­sen gro­tesk, dass man das nur noch auf die Spitze trei­ben kann

    Recht so:

    http://wiki.piratenpartei.de/Berlin/Crews/Fliegende_Luftbr%C3%BCcke/CPS/14032010

  • Weil Frauen, einer nicht selbst erleb­ten Erfah­rung ande­rer
    Frauen gegen­über ske­tisch sind, aber nur wenn „Män­ner” anwe­send sind, ihre Skep­sis sich aber in Wohl­ge­fal­len auf­löst, wenn sie unter sich sind,brauchen sie „Schutz­räume”.
    Sie brau­chen also Schutz­räume, um sich vor Frauen zu
    Schüt­zen, schuld sind aber die „Män­ner”!
    Wenn Män­ner in der Min­der­heit sind, sind sie trotz­dem in der Mehr­heit, umge­kehr­tes gilt für Frauen!

    DAS IST DOCH NICHT EUER ERNST.….….ODER?????

    Ich habe ein rich­ti­ges Kom­men­tar ver­mie­den, denn das geht
    nur noch als Satire, ohne sich lächer­lich zu machen!!

    mfg Mas

  • Okay, Lena Simon hebt also eine sexis­ti­sche Mai­ling­liste aus der Taufe, und in meh­re­ren Medi­en­bei­trä­gen wirkt es rein zufäl­lig so, als würde Lena für die Mehr­heit der weib­li­chen Pira­ten spre­chen, die von frau­en­feind­li­chen Ker­len unter­drückt wer­den. In Wahr­heit bezieht die übergroße Mehr­heit die­ser Frauen gegen Lenas Vor­ge­hen Stel­lung. Soweit habe ich diese Stra­te­gie begrif­fen, und Lena hat es damit ja auch geschafft, dass ihr Name ganz groß im Gespräch ist.

    Was ich aber noch nicht ver­stan­den habe: Auf die­ser Mai­ling­liste tau­schen sich jetzt seit Wochen meh­rere Frauen ganz ohne den stö­ren­den Ein­fluss von Män­nern aus. Da muss es doch schon zu ers­ten Ergeb­nis­sen gekom­men sein. Wel­che Pro­bleme wol­len die „Pira­tin­nen” denn kon­kret auf wel­che Weise ange­hen? Wel­che frau­en­dis­kri­mi­nie­ren­den Struk­tu­ren in der Pira­ten­par­tei sol­len denn über­wun­den werden?

    Warum wur­den denn diese ganz kon­kre­ten Fra­gen nach Zie­len und Anlie­gen die­ser Mai­ling­liste nicht gestellt? Die „AG Män­ner” in der Pira­ten­par­tei kann diese Ziele und Anlie­gen nen­nen. Die „AG frauen” liegt seit über einem Monat brach, nach­dem sie von der zustän­di­gen Mode­ra­to­rin an die Wand gefah­ren wurde. Lena Simon hat sich in kei­ner der mitt­ler­weile vier (!) Geschlechter-​AGs enga­giert. Und jetzt gibt es von ihr ein wei­te­res Inter­view, in dem sie end­los schwa­felt, ohne irgend­et­was Kon­kre­tes zu sagen. Wir erfah­ren, was sie nicht will (das Binnen-​I), aber fast nichts dar­über, was sie und ihre Unter­stüt­ze­rin­nen wol­len. Eine Liste von Wün­schen und For­de­run­gen („Wir wol­len ers­tens, zwei­tens, drit­tens …”) wäre inzwi­schen mal ganz nett. Andern­falls gelangt man zu dem Ein­schluss, es han­dele sich um eine reine Luft­num­mer aus Grün­den der Selbst­dar­stel­lung, weil sich taz & Co. begeis­tert auf alles stür­zen, was sich mit dem Label „femi­nis­tisch” bewirbt.

  • @Dirk
    Danke für den Text. Du hast mei­nen Respekt dafür das auch noch auf­zu­schrei­ben :)

  • 5’56

    Lena: Genau, die Schutz­räume. Ja, ich war schon­mal in so einer Situa­tion, in der ich mir gewünscht hätte, dass ich geschützt werde. Das bedeu­tet zum Bei­spiel, dass ich mir gewünscht hätte, dass mir zum Bei­spiel nicht eine andere Frau in den Rücken fällt, in dem Moment in dem ich ver­su­che, etwas zu the­ma­ti­sie­ren.
    —-

    Sehr sin­nig, sie for­dert also den Schutz­raum ohne Män­ner, weil ihr andere Frauen in den Rücken gefal­len sind. Muss man, glaube ich, als eini­ger­mas­sen logisch den­ken­der Mensch wohl nicht verstehen …

    Robert

  • Das ganze „Post-„Diskriminierungs-Phenomen
    ist mal super bei South Park behan­delt worden.

    http://​www​.south​park​.de/​c​l​i​p​s​/​s​p​_​v​i​d​_​1​0​3​4​52/

    Lena moechte ich ein­fach nur ant­wor­ten:
    Denk mal dar­über nach!

  • Klingt ja alles schön und gut und würde ich auch zu 99% unter­schrei­ben, was Lena da sagt. Es passt aber irgend­wie nicht zu http://​pira​ten​frau​.net/​?​p​=​218

  • Hand­werk­lich und zeit­lich ist diese Diskussion/​Pressemitteilung eine Kata­stro­phe für die Par­tei und beschä­digt ihren Ruf. Lena damit haben sie Ihrer Par­tei einen wah­ren Bären­dienst erwiesen.

    Inhalt­lich gebe ich Lena zumin­dest teil­weise recht.

  • in min. 25’50 ist dir ein link in den text gerutscht ‚)

  • Danke für’s Tran­skri­bie­ren; bin immer sehr dank­bar, weil ich nur 768 kb/​s kann.

  • Welch ein Sturm im Was­ser­glas? Lasst die Lena doch ihr Ding ein­fach machen, ist doch nicht schlimm. Erst wenn’s aus­ar­ten sollte, kann man ja mal höf­lich inter­ve­nie­ren. Abge­se­hen davon gibt es sicher­lich wich­ti­gere Dinge, womit sich die Pira­ten­par­tei beschäf­ti­gen sollte, anstatt in den eige­nen Rei­hen einen Geschlech­ter­kampf aus­zu­tra­gen, den keine Seite je gewin­nen kann. Der ganze Sach­ver­halt ist so kin­disch, dass man glau­ben könnte, im Sand­kas­ten tobt der Vor­schul­krieg um die Plas­tik­schau­fel. Wie wär’s denn zur Abwechs­lung mit einem ande­ren Thema: Vor­rats­da­ten­spei­che­rung — Prä­ko­gni­tion der längs­ten Pra­line der Welt(www.guedesweiler.wordpress.com)

  • Gert-Rainer Mantwill

    Nun muss ich geste­hen, dass ich das ganze über­haupt nicht ver­stehe. Ich beschwere mich aber nicht dar­über, das nicht zu ver­te­hen, mache Ande­ren aber kei­nen Vor­wurf, dass sie mir beim Nicht­ver­ste­hen nicht den Rücken stärken.

    Herz­li­che Grüße aus Tos­tedt
    von DAS Pirat
    Gert-​Rainer MAntwill

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