Be­richt vom Par­tei­tag: Pi­ra­ten­par­tei Nie­der­sach­sen im März 2010 in Os­na­brück 5


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Ein­mal, so ge­gen Mit­tag des zwei­ten Ta­ges, da droh­te der Lan­des­par­tei­tag der nie­der­säch­si­schen Pi­ra­ten in den al­ten Trott zu ver­fal­len: Ir­gend­wel­che Sat­zungs­an­trä­ge stan­den da im Raum, mehr oder we­ni­ger gut vor­be­rei­tet. Die ei­ne Hälf­te der Ver­sam­mel­ten wuss­te nicht recht, um was es ging. Die an­de­re war sich nicht ei­nig, was die An­trä­ge be­deu­ten soll­ten. Al­le hat­ten ir­gend­wie das Ge­fühl, über et­was zu re­den, was schon The­ma ge­we­sen war. Die be­rühmt-be­rüch­tig­te Red­ner­lis­te für Ge­schäfts­ord­nungs­an­trä­ge schien aus der Ver­sen­kung auf­zu­tau­chen. Und der Ver­samm­lungs­lei­ter hat­te die Ver­an­stal­tung ir­gend­wie nicht so ganz voll­stän­dig im Griff. Zum Glück war dies nur ei­ne kur­ze Epi­so­de ei­ner an­sons­ten über­aus ge­lun­ge­nen Ver­an­stal­tung.

Start des Parteitages, Jens Schicke redet

Start des Par­tei­ta­ges, Jens Schi­cke re­det

Da­bei hat­te al­les so gut an­ge­fan­gen. Pünkt­lich ging’s am Sams­tag los und das Tem­po war ge­ra­de­zu un­heim­lich. Die AG Sat­zung hat­te sämt­li­che vor­lie­gen­den An­trä­ge zu Sat­zungs­än­de­run­gen und zur Ge­schäfts­ord­nung in ei­nem 61-sei­ti­gen Do­ku­ment auf­be­rei­tet und wie ge­wünscht hat­te sich ein gro­ßer Teil der Pi­ra­ten an­hand des­sen vor­be­rei­tet, wuss­te wor­um es ging und konn­te in der ein­stün­di­gen an­be­raum­ten Zeit zur Aus­spra­che so ge­zielt fra­gen, dass der Ver­samm­lungs­lei­ter meh­re­re Ma­le nach­ha­ken muss­te, ob denn noch Fra­gen sei­en.

Anwesende am Parteitag, Laptops als Kunstwerke

An­we­sen­de am Par­tei­tag, Lap­tops als Kunst­wer­ke

Die ei­gent­li­che Ab­stim­mung fand dann schrift­lich statt: Auf fünf Sei­ten wur­den sämt­li­che Sat­zungs­än­de­rungs­an­trä­ge zur Ab­stim­mung prä­sen­tiert, zu­sam­men mit der Fra­ge, ob nach Mei­nung des Ab­stim­men­den der Dis­kus­si­on Ge­nü­ge ge­tan sei. So schrumpf­te der bei ver­gan­ge­nen Par­tei­ta­gen so mons­trö­se Ta­ges­ord­nungs­punkt „Sat­zungs­än­de­rungs­an­trä­ge“ auf ei­ne knapp halb­stün­di­ge Pha­se des Aus­fül­lens und an­schlie­ßen­den Ab­ge­bens der Ab­stim­mungs­bö­gen. An­sons­ten muss­te sich vor­ran­gig ein Team von Wahl­hel­fern da­mit be­fas­sen, die vie­len Tau­send Kreu­ze zu zäh­len und zu­sam­men­zu­fas­sen.

Das Auszählen der Abstimmungszettel zu den Satzungsänderungsanträgen hat mehrere Stunden in Anspruch genommen.

Das Aus­zäh­len der Ab­stim­mungs­zet­tel zu den Sat­zungs­än­de­rungs­an­trä­gen hat meh­re­re Stun­den in An­spruch ge­nom­men.

Die an­schlie­ßen­den Wah­len zum Vor­stand, die die zwei­te Hälf­te des ers­ten Ta­ges in An­spruch nah­men, wa­ren eben­falls aus­ge­spro­chen ziel­stre­big. Nach dem über­stürz­ten Ab­bruch des letz­ten Par­tei­ta­ges in Lan­gen­ha­gen im No­vem­ber 2009 hat­te Nie­der­sach­sen nur ei­nen Rumpf­vor­stand, der nun wie­der auf die vol­le Grö­ße ge­bracht wer­den soll­te. Jens-Wolf­art Schi­cke und Ar­ne Lud­wig wur­den als Vor­sit­zen­der und Stell­ver­tre­ter be­stä­tigt, für den nicht mehr an­ge­tre­te­nen Ar­vid kam Mein­art als Schatz­meis­ter neu in den Vor­stand.

Der alte Vorstand: Arvid, Matthias, Jürgen, Arne, Dennis und Jens-Wolfart

Der al­te Vor­stand: Ar­vid, Mat­thi­as, Jür­gen, Ar­ne, Den­nis und Jens-Wolf­art

Vor den Wah­len zu den Bei­sit­zern gab es zu­dem ein Gruß­wort des am­tie­ren­den Bun­des­vor­sit­zen­den: Jens Sei­pen­busch war aus sei­ner Hei­mat­stadt Müns­ter nach Os­na­brück ge­kom­men. Er er­in­ner­te sich – und mich – dar­an, dass Nie­der­sach­sen ja ei­nes der ers­ten Län­der war, in dem es 2006 ei­ne ent­ste­hen­de Par­tei­ba­sis gab: Im De­zem­ber 2006 war er da­mals auf ei­nem der han­no­ver­schen bzw. nie­der­säch­si­schen Stamm­ti­sche. Zu fünft sa­ßen wir da­mals zu­sam­men – in­klu­si­ve Jens und sei­ner Frau. Dass dar­aus Ver­an­stal­tun­gen wie in Os­na­brück ge­wor­den sind, zeigt, welch wei­ten Weg die Pi­ra­ten­par­tei in den ver­gan­ge­nen drei­ein­halb Jah­ren zu­rück­ge­legt hat. Ich selbst bin zwar kein Grün­dungs­mit­glied, aber ich ha­be die An­fangs­zeit ja auch noch sehr gut mit­be­kom­men. Man ver­gisst leicht, wie klein und un­schein­bar das al­les da­mals im Ge­gen­satz zu heu­te war. Pi­ra­ten in Os­na­brück gab es da­mals noch über­haupt nicht.

Ein kurzes Grußwort vom amtierenden Bundesvorsitzenden Jens Seipenbusch

Ein kur­zes Gruß­wort vom am­tie­ren­den Bun­des­vor­sit­zen­den Jens Sei­pen­busch

Über­haupt – die Ta­gungs­räum­lich­kei­ten. Un­se­re Ver­bän­de in Os­na­brück hat­ten uns in ei­ner Schul­au­la un­ter­ge­bracht und ein fan­tas­ti­sches Um­feld ge­schaf­fen: Wir wa­ren dort kom­plett un­ter uns und hat­ten nicht nur den Ver­samm­lungs­raum, son­dern auch das Fo­rum da­vor zur frei­en Ver­fü­gung.

Lebhafte Diskussionen im Forum des Tagungsortes

Leb­haf­te Dis­kus­sio­nen im Fo­rum des Ta­gungs­or­tes

Die Tech­nik mit Netz­werk, WLAN und Akus­tik war nicht zu spü­ren, weil sie ein­fach funk­tio­nier­te. Fürs leib­li­che Wohl war durch Ki­nes Bröt­chen-Groß­ein­kauf und die flugs ge­grün­de­te AG-Nord­schnit­ten eben­falls ge­sorgt.

Die AG Nordschnitten bei der Arbeit

Die AG Nord­schnit­ten bei der Ar­beit

Wie schon letz­tes Mal in Lan­gen­ha­gen hat der Me­di­en­floh den Vi­deo­stream der ge­sam­ten Ver­an­stal­tung über­nom­men und in den Pau­sen durch In­ter­views und an­de­re Bei­trä­ge an­ge­rei­chert.

Interview mit dem Medienfloh

In­ter­view mit dem Me­di­en­floh

Neu da­bei war zu­dem Den­nis Schul­ze mit dem Pi­ra­ten­ra­dio, der, wenn ich das rich­tig ge­se­hen ha­be, die gan­ze Zeit live vom Par­tei­tag ge­sen­det hat und di­ver­se In­ter­views und Fea­tures pro­du­ziert. Auch ich bin so mal wie­der in den Ge­nuss ei­nes In­ter­views ge­kom­men, in letz­ter Zeit ja eher ein sel­te­nes Ver­gnü­gen.

Dennis Schulze mit dem Piratenradio war auch live vor Ort

Den­nis Schul­ze mit dem Pi­ra­ten­ra­dio war auch live vor Ort

Die Bei­sit­zer­wah­len hät­ten durch­aus grö­ße­res Cha­os ver­ur­sa­chen kön­nen: Bis zu acht Pos­ten konn­ten be­setzt wer­den und 14 Be­wer­ber stan­den zur Wahl. Aber al­le Be­tei­lig­ten wa­ren vor­bild­lich dis­zi­pli­niert: Die Kan­di­da­ten ha­ben sich kurz und knapp vor­ge­stellt, die An­zahl Fra­gen hielt sich in Gren­zen. Ein­zig das Aus­zäh­len war bei den vie­len Kan­di­da­ten und Kreuz­chen et­was an­stren­gend.

Kandidaten für die Beisitzerposten

Kan­di­da­ten für die Bei­sit­zer­pos­ten

Erst­mals wur­de bei die­sem Par­tei­tag durch­gän­gig nach dem Zu­stim­mungs­ver­fah­ren ab­ge­stimmt: Für je­de der Al­ter­na­ti­ven bei Ab­stim­mun­gen und auch bei Wah­len kann man „Ja“, „Nein“ oder „Ent­hal­tung“ an­kreu­zen, es ge­winnt die­je­ni­ge Al­ter­na­ti­ve mit den ver­hält­nis­mä­ßig meis­ten Ja-Stim­men. Ich war ja bis­lang die­sem Ver­fah­ren ge­gen­über eher kri­tisch ein­ge­stellt, muss aber sa­gen, dass es sich in mei­nen Au­gen be­währt hat: Die Ent­schei­dun­gen sind trans­pa­rent und vor al­lem muss man als Ab­stim­men­der nur ein Ver­fah­ren ver­stan­den ha­ben. Viel­leicht soll­te man noch ein we­nig an der Be­deu­tung der Al­ter­na­ti­ven „Nein“ und „Ent­hal­tung“ fei­len, aber im gro­ßen und gan­zen hal­te ich die­ses Wahl­ver­fah­ren für das Bes­te, das ich bis­her in der Pi­ra­ten­par­tei (und dar­über hin­aus) ken­nen ge­lernt ha­be. Auch wenn es na­tür­lich et­was Vor­be­rei­tung bei grö­ße­ren Ab­stim­mun­gen be­darf…

Arbeitsplatz des Blogautors zum LPT: Unterlagen, Laptop, Wasser, Nervennahrung

Ar­beits­platz des Blog­au­tors zum LPT: Un­ter­la­gen, Lap­top, Was­ser, Ner­ven­nah­rung

An­ge­sichts der ex­tre­men Lap­top­dich­te auf dem Par­tei­tag ha­be ich mehr als ein­mal ge­fragt, ob man bei ei­nem der nächs­ten Ma­le nicht ver­su­chen soll­te, Ab­stim­mun­gen und Wah­len und vor al­lem de­ren Aus­zäh­lung stär­ker zu au­to­ma­ti­sie­ren. Teil­wei­se war mehr als ein Dut­zend Pi­ra­ten gleich­zei­tig mit Aus­zäh­len be­schäf­tigt und die ent­spre­chen­den Pau­sen ha­ben die Ver­an­stal­tung meh­re­re Ma­le nen­nens­wert auf­ge­hal­ten.

Das Ver­hält­nis von Lap­tops zu Teil­neh­mern, das ja stets na­he bei 1:1 liegt, war seit je­her ei­ne Spe­zia­li­tät der Pi­ra­ten, mit der sie sich wohl von al­len an­de­ren Par­tei­en un­ter­schei­den dürf­te. Ich fin­de das im­mer sehr an­ge­nehm, weil man mit sei­ner Af­fi­ni­tät zur Tech­nik eben nicht et­was Be­son­de­res, son­dern schlicht so wie al­le an­de­ren auch ist.

Fast jeder Anwesende hatte einen Laptop dabei. Ein für den Parteitag augenscheinlich besonders wichtiges Programm: Mah-Jongg

Fast je­der An­we­sen­de hat­te ei­nen Lap­top da­bei. Ein für den Par­tei­tag au­gen­schein­lich be­son­ders wich­ti­ges Pro­gramm: Mah-Jongg

Die di­ver­sen Wah­len für Kas­sen­prü­fer, Schieds­ge­richt so­wie die je­wei­li­gen Er­satz­per­so­na­le zo­gen sich über den spä­ten Sams­tag und den frü­hen Sonn­tag mor­gen. All die­se Wah­len sind wich­tig und nö­tig, viel­leicht soll­te aber auch hier noch­mal am Pro­ze­de­re ge­ar­bei­tet wer­den: Müs­sen die Er­satz­schieds­rich­ter wirk­lich in ei­ner se­pa­ra­ten Wahl be­stimmt wer­den? Und müs­sen Kas­sen­prü­fer wirk­lich ge­heim ge­wählt wer­den? Ich den­ke, dass man auch hier noch die Ef­fi­zi­enz stei­gern könn­te, oh­ne dass an­de­re Qua­li­tä­ten der mo­men­ta­nen Ver­fah­ren ver­lo­ren ge­hen.

Der alte und neue Vorsitzende Jens-Wolfart Schicke im bekannten Multitaskingbetrieb

Der al­te und neue Vor­sit­zen­de Jens-Wolf­art Schi­cke im be­kann­ten Mul­ti­tas­king­be­trieb

Nach­dem dann end­lich al­le Per­so­nen­wah­len ab­ge­schlos­sen wa­ren, kam es zur Be­kannt­ga­be der Er­geb­nis­se der Ab­stim­mun­gen zu den Sat­zungs­än­de­run­gen. Be­mer­kens­wert fin­de ich da­bei, dass bei kei­nem der An­trä­ge wei­te­rer Dis­kus­si­ons­be­darf an­ge­mel­det wor­den war, so­dass sämt­li­che der schrift­li­chen Ab­stim­mungs­er­geb­nis­se zu­nächst gül­tig wa­ren.

Die jungen Piraten stellen sich vor

Die jun­gen Pi­ra­ten stel­len sich vor

Nicht ver­ges­sen möch­te ich die „Jun­gen Pi­ra­ten“, von de­nen zwei die nie­der­säch­si­sche Sek­ti­on vor­stell­ten und zum Mit­ma­chen und zu Un­ter­stüt­zung auf­rie­fen. Die „Jun­gen Pi­ra­ten“ sind mei­nes Er­ach­tens ein wich­ti­ges Mit­tel der Nach­wuchs­för­de­rung: Hier or­ga­ni­sie­ren sich Ju­gend­li­che, Schü­ler und Stu­den­ten zu po­li­ti­scher Ar­beit. Es kann der Par­tei nur gut tun, wenn sie spä­ter sol­che Mit­glie­der be­kommt, die be­reits er­fah­ren sind im Um­gang mit po­li­ti­schen Pro­zes­sen. Es liegt im ur­ei­ge­nen In­ter­es­se der Pi­ra­ten­par­tei, wenn sie die „Ju­pis“ ent­spre­chend un­ter­stützt, för­dert und ih­nen zur Sei­te steht.

Auch ei­nen „Fo­toevent“ hat es ge­ge­ben: Ne­ben et­li­chen Fo­tos vom neu­en Vor­stand, wich­tig für die Pres­se­map­pe, ha­ben wir auch ein Grup­pen­fo­to al­ler An­we­sen­den pro­du­ziert. Mir kam die Eh­re zu, die­ses Fo­to zu schie­ßen und ich hof­fe, es ist ein gu­tes da­bei her­aus­ge­kom­men, ob­wohl ich nicht mit mei­ner ei­ge­nen Ka­me­ra ge­ar­bei­tet ha­be (en­ga­gier­ter Pi­rat sucht Spon­sor für neue Ka­me­ra zur pri­va­ten, be­ruf­li­chen und po­li­ti­schen Ver­wen­dung… 😉 ). Hier mal ein Fo­to, dass mich „bei der Ar­beit“ zeigt.

Making-Of des Gruppenfotos - Der Blogautor in Aktion

Ma­king-Of des Grup­pen­fo­tos - Der Blog­au­tor in Ak­ti­on

Die an­schlie­ßen­de Dis­kus­si­on um §2.2 der Sat­zung war eben­so en­ga­giert wie nö­tig und en­de­te mit ei­nem Er­geb­nis, das An­we­sen­de und Kom­men­ta­to­ren zwi­schen „über­ra­schend“ und „his­to­risch“ ein­ord­ne­ten. Da­zu muss ich mich noch­mal ge­son­dert äu­ßern.

Da­nach je­den­falls ging der Par­tei­tag mit ei­ner wei­te­ren Dis­kus­si­on und Ab­stim­mung um Än­de­rungs­an­trä­ge rund um §8.7, der ähn­lich wie §2.2 Aus­kunfts­er­su­chen an Kan­di­da­ten und Mit­ar­bei­ter stellt, al­ler­dings nicht auf po­li­ti­scher, son­dern auf fi­nan­zi­el­ler Ebe­ne. Auch mit die­sen Re­geln sind vie­le Pi­ra­ten un­zu­frie­den, zu ei­ner Än­de­rung der Be­stim­mun­gen fand sich aber an kei­ner Stel­le ei­ne Zwei­drit­tel­mehr­heit. So bleibt hier erst­mal al­les beim Al­ten und das The­ma dürf­te beim nächs­ten Par­tei­tag wie­der auf die Ta­ges­ord­nung kom­men.

Die beiden jüngsten Teilnehmer beim Landesparteitag

Die bei­den jüngs­ten Teil­neh­mer beim Lan­des­par­tei­tag

Durch die­se Dis­kus­si­on am En­de ist dann lei­der der Ta­ges­ord­nungs­punkt „Les­sons Lear­ned“ nicht mehr be­han­delt wor­den. Wir hat­ten auf die­sem Par­tei­tag ja gleich meh­re­re or­ga­ni­sa­to­ri­sche Pre­mie­ren und es ist durch­aus sinn­voll, die­se mal zu re­ka­pi­tu­lie­ren. Ne­ben dem oben be­reits be­han­del­ten Ab­stim­mungs­ver­fah­ren war das vor al­lem die schift­li­che Ab­stim­mung der Sat­zungs­än­de­rungs­an­trä­ge. Ich hal­te dies für ei­nen gro­ßen Ge­winn, da die Dis­kus­si­on viel dis­zi­pli­nier­ter lief als bei den letz­ten Par­tei­ta­gen und das gan­ze zeit­lich viel bes­ser steu­er­bar war. Wir soll­ten die­ses Ver­fah­ren un­be­dingt bei­be­hal­ten. Be­rück­sich­tigt wer­den muss da­bei al­ler­dings, dass es zum ei­nen ei­ne Sat­zungs­kom­mis­si­on (oder „AG Sat­zung“) ge­ben muss, die die ge­sam­mel­ten An­trä­ge auf­be­rei­tet und das Do­ku­ment er­stellt und zum an­de­ren, dass ei­ne der­art um­fang­rei­che Ab­stim­mung wie die dies­ma­li­ge auch für die Wahl­hel­fer ei­ne er­heb­li­che Be­las­tungs­pro­be be­deu­tet.

Diskussionen überall. Aber: Geraucht werden durfte nur draußen

Dis­kus­sio­nen über­all. Aber: Ge­raucht wer­den durf­te nur drau­ßen

An­sons­ten sind Par­tei­ta­ge, ins­be­son­de­re so har­mo­ni­sche wie die­ser hier, im­mer ei­ne her­vor­ra­gen­de Mög­lich­keit, mal wie­der an­de­re Pi­ra­ten zu tref­fen, sich zu un­ter­hal­ten, her­um­zu­phi­lo­so­phie­ren und ein­fach ei­ne tol­le Zeit zu ha­ben. Die Or­ga­ni­sa­ti­on der Os­na­brü­cker Pi­ra­ten kann ei­gent­lich gar nicht hoch ge­nug ge­lobt wer­den: Nicht nur der Ver­an­stal­tungs­ort und die auf die Bei­ne ge­stell­te Ver­pfle­gung wa­ren erst­klas­sig, auch die Par­ty am Sams­tag abend im „Cup & Cups“ war toll. Ent­spannt und fröh­lich fei­er­ten wir mit ex­tra für uns kre­ierten Cock­tails bis ins Mor­gen­grau­en – und dass ge­gen halb zwei der Rum leer­ge­trun­ken war, hat der her­vor­ra­gen­den Stim­mung kei­nen Ab­bruch ge­tan.

Der nächs­te Par­tei­tag in Nie­der­sach­sen fin­det im Spät­som­mer in Wol­fen­büt­tel statt. Dann wird es vor al­lem um das Pro­gramm ge­hen. Ich kann schon jetzt je­dem in­ter­es­sier­ten Pi­ra­ten nur emp­feh­len, ei­ne Teil­nah­me zu pla­nen. Kein vir­tu­el­les Me­di­um der Welt kann ein rea­les Tref­fen er­set­zen!


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5 Gedanken zu “Be­richt vom Par­tei­tag: Pi­ra­ten­par­tei Nie­der­sach­sen im März 2010 in Os­na­brück

  • Sophia

    @Tim: Ja dar­über ha­ben wir Wahl­hel­fer schon nach­ge­dacht. Ech­te Stimm­zet­tel, die aber von Ma­schi­nen ge­zählt wer­den kön­nen, wür­den die Ar­beit für die Wahl­hel­fer doch er­heb­lich er­leich­tern, oh­ne ei­nen Si­cher­heits­ver­lust dar­zu­stel­len, denn das Er­geb­nis kann je­der­zeit per Hand nach­ge­zählt wer­den.

    Dies­mal war es lei­der so, dass die Wahl­hel­fer vie­le in­ter­es­san­te Bei­trä­ge (z.B. die Re­de von Jens Sei­pen­busch, die Kan­di­da­ten­vor­stel­lun­gen etc) gar nicht mit­krieg­ten, weil sie am Zäh­len wa­ren.

  • Tim

    „Ange­sichts der extre­men Lap­top­dichte auf dem Par­tei­tag ha­be ich mehr als ein­mal ge­fragt, ob man bei ei­nem der nächs­ten Ma­le nicht ver­su­chen soll­te, Abstim­mun­gen und Wah­len und vor al­lem de­ren Aus­zäh­lung stär­ker zu auto­ma­ti­sie­ren.“

    Wur­de schon mal über E-Coun­ting, al­so das rech­ner­ge­stütz­te Aus­zäh­len der Stimm­zet­tel nach­ge­dacht?

  • Jürgen Stemke

    Dan­ke für den gu­ten, aus­fühl­ri­chen Be­richt, bei dem man wirk­lich ei­nen gu­ten Ein­druck ge­win­nen kann.

    Ich möch­te Dei­ne Fra­ge ger­ne be­ant­wor­ten:
    „Müs­sen die Ersatz­schieds­rich­ter wirk­lich in ei­ner sepa­ra­ten Wahl be­stimmt wer­den? Und müs­sen Kas­sen­prü­fer wirk­lich ge­heim ge­wählt wer­den? Ich den­ke, dass man auch hier noch die Effi­zi­enz stei­gern könn­te, oh­ne dass an­de­re Qua­li­tä­ten der momen­ta­nen Ver­fah­ren ver­lo­ren ge­hen.“

    Man könn­te al­le Wah­len ge­fahr­los kom­plett in ei­nem Wahl­gang mit ei­nem (mehr­sei­ti­gen) Stimm­zet­tel ana­log zu den Sat­zungs­än­de­rungs­an­trä­gen ab­stim­men.

    Per­so­nen, die da­bei in ei­ner frü­he­ren Äm­ter-Grup­pe ge­wählt wer­den fal­len dann in den wei­te­ren Grup­pen ein­fach raus. Durch das ver­wen­de­te Zu­stim­mungs-Wahl­ver­fah­ren (und rich­ti­ge An­wen­dung des­sel­ben durch die Wäh­ler) ge­hen aber den­noch kei­ne Stim­men ver­lo­ren und das Er­geb­nis wird da­durch nicht ver­fälscht.