Tran­skript des In­ter­views von Ge­org Jäh­nig mit Lena Si­mon zur „Gen­der­de­bat­te“ in der Pi­ra­ten­par­tei

Seit et­was mehr als ei­ner Wo­che tobt ei­ne laut­star­ke Dis­kus­si­on in der Pi­ra­ten­par­tei. Es geht all­ge­mein um die Si­tua­ti­on von Frau­en in der Par­tei, ins­be­son­de­re aber um ei­ne „Piratinnen“-Initiative von Lena Si­mon, die mit Pres­se­mit­tei­lung und Frau­en-on­ly-Mai­ling­lis­te ge­star­tet wur­de.

Lena hat am Frei­tag ein halb­stün­di­ges In­ter­view mit Ge­org Jäh­nig ge­macht, das Ge­org als Au­dio­da­tei in sei­nem Blog ver­öf­fent­licht hat. Als Bei­trag zur De­bat­te ver­öf­fent­li­che ich hier jetzt zu­nächst mal ein kom­plet­tes Tran­skript die­ses In­ter­views. Ich fin­de es im­mer wich­tig, si­ch mit den Ur­he­bern ei­ner Idee zu be­schäf­ti­gen, be­vor man in wil­des De­bat­tie­ren aus­bricht. Und auf die­se Wei­se wer­den die ak­tu­el­len Äu­ße­run­gen von Lena auch für sol­che Le­ser ver­füg­bar, die – wie ich – lie­ber ge­schrie­be­nem als ge­spro­che­nem Text fol­gen.

Das Tran­skript ist voll­stän­dig und un­kom­men­tiert. An ei­ni­gen Stel­len war der Wort­laut nicht ex­akt zu ver­ste­hen, die­se sind ge­kenn­zeich­net. Ich ha­be ei­ni­ge Schlen­ker oder gram­ma­ti­ka­li­sche Un­ge­nau­ig­kei­ten der wört­li­chen Re­de im Tran­skript in sin­ner­hal­ten­der Wei­se ge­glät­tet. Und ich hof­fe, ich ha­be Ge­org an al­len Stel­len kor­rekt von Jörg Büh­mann un­ter­schie­den, der bei dem In­ter­view eben­falls da­bei war.

Da mein Word­Press mit dem WP-Ty­po­gra­phy-Plugin das Zi­tie­ren teil­wei­se et­was schwie­rig macht, gibt es das Tran­skript auch als ein­fa­che Text­da­tei zum Down­load. An­sons­ten: Here we go:

Ge­org Jäh­nig in­ter­viewt Lena Si­mon und Jörg Büh­mann zur ak­tu­ell an­ge­sto­ße­nen Gen­der­de­bat­te

http://​ge​org​ja​eh​nig​.word​press​.com/​2​0​1​0​/​0​3​/​0​6​/​p​i​r​a​t​i​n​n​e​n​-​i​n​t​e​r​v​i​e​w​-​m​i​t​-​l​e​na/

Tran­skript von Dirk Hill­brecht, CC-BY-SA 3.0

0’00

Ge­org Jäh­nig: So, es ist jetzt Frei­tag, der 5. März, da­mit sie­ben Ta­ge nach­dem Lena ei­ne Pres­se­mit­te­lung her­aus­ge­bracht hat, mit der sie die Pi­ra­tin­nen an­ge­kün­digt hat. Ei­ne In­itia­ti­ve in­ner­halb der Pi­ra­ten­par­tei un­ter dem Schlag­wort „Klar­ma­chen zum Gen­dern“. Teil der In­itia­ti­ve ist ei­ne Mai­ling­lis­te, die nur Frau­en vor­be­hal­ten ist. Lena sitzt jetzt ne­ben mir. Erst­mal hal­lo Lena.

Lena Si­mon: Ja, hal­lo.

Ge­org: Wo­her kennt man dich in der Pi­ra­ten­par­tei viel­leicht schon?

Lena: Na­ja, ich ha­be schon an ei­ni­gen Stel­len ak­tiv, hab sehr um­fang­reich in Bran­den­burg zum Bei­spiel no­ch Un­ter­schrif­ten ge­sam­melt und hab bei dem Mu­sik­vi­deo mit­ge­macht.

Ge­org: Die Pres­se­mit­tei­lung hat gro­ße Wel­len ge­schla­gen und die Dis­kus­si­on die dann drum­rum lief, hat auch Jörg ver­folgt. Jörg sitzt auch ne­ben mir, ist Stu­dent aus Ber­lin und ist nicht Pi­rat, oder?

Jörg Büh­mann: Nein, ich bin kein Pi­rat. Ich bin zwar schon von An­fang an Sym­pa­thi­sant der Pi­ra­ten und hab die auch schon sehr lang ver­folgt, al­so die Grün­dung und die gan­zen Start­schwie­rig­kei­ten. Auch Netz­po­li­tik ist all­ge­mein et­was, was mi­ch sehr in­ter­es­siert. Po­li­tik auch son­st ist für mi­ch im­mer schon ei­ne re­le­van­te Ge­schich­te ge­we­sen. Des­we­gen fin­de ich das, was jetzt hier die letz­ten Ta­ge los­ge­bro­chen ist bei den Pi­ra­ten durch die­se ei­ne Pres­se­mit­tei­lung, äu­ßer­st span­nend.

Ge­org: Ge­n­au und dar­über un­ter­hal­ten wir uns jetzt. Ich stel­le mi­ch auch kurz vor: Ich bin Ge­org, bin Pi­rat seit ei­nem hal­ben Jahr, und ich ha­be auch die Dis­kus­si­on ver­folgt. – Lena, war­um hast du die­se In­itia­ti­ve ge­grün­det?

1’24

Lena: Ja, da kom­men wir gleich zum Haupt­the­ma. Zur Haupt­fra­ge. Die Fra­ge wie ste­hen Frau­en in der Ge­sell­schaft, was ha­ben sie für ei­ne Po­si­ti­on ist ei­ne, die mi­ch schon mein gan­zes Le­ben be­glei­tet. Und als ich in die Netz­po­li­tik kam, vor­ran­gig zur frei­en Soft­ware­ent­wick­lung, ist mir ei­ne Sa­che sehr stark auf­ge­fal­len. Und zwar, dass die­se gan­ze Ent­wick­lung mit In­ter­net, Com­pu­ter, Di­gi­ta­li­sie­rung, dass wir da ein un­glaub­li­ch gro­ßes Macht­werk­zeug ha­ben. Ein Macht­werk­zeug, mit dem wir jetzt uns no­ch gar nicht vor­stel­len kön­nen, was da al­les no­ch mög­li­ch sein wird. Das ist ja auch ei­ne der Aus­sa­gen der Pi­ra­ten­par­tei, dass wir da jetzt auf­pas­sen müs­sen, in wel­cher Art und Wei­se wir die­ses Macht­werk­zeug ge­stal­ten.

2’21

Und ich ha­be fest­ge­stellt, ich ha­be ge­merkt, ir­gend­wie, die meis­ten Freun­din­nen, die meis­ten Frau­en, die ich ken­ne, in­ter­es­sie­ren si­ch gar nicht da­für. Die in­ter­es­sie­ren si­ch nicht für Com­pu­ter, die nut­zen das zwar, aber die ken­nen si­ch nicht wirk­li­ch da­mit aus und wol­len das auch gar nicht. Ei­nes mei­ner Pro­ble­me war im­mer die Über­le­gung: „Men­sch, die ge­sam­te Eman­zi­pa­ti­on war, ja, fast für die Katz‘, wenn wir Frau­en jetzt ein­fach frei­wil­lig dar­auf ver­zich­ten, an die­sem Macht­werk­zeug teil­zu­ha­ben und dar­an zu par­ti­zi­pie­ren.“ Und so in der Zeit, je mehr ich das fest­ge­stellt ha­be, was es da für Schwie­rig­kei­ten gibt, um­so mehr wur­de das ir­gend­wie zu ei­nem mei­ner The­men. Ich ha­be das auch schon häu­fi­ger ver­sucht, auch in der Pi­ra­ten­par­tei zu the­ma­ti­sie­ren. Und hat­te im­mer ziem­li­che Schwie­rig­kei­ten da­mit.

Ge­org: Kurz ge­fragt: Du hat­test Schwie­rig­kei­ten da­mit, zu the­ma­ti­sie­ren, dass Frau­en si­ch eben nicht da­für in­ter­es­sie­ren oder zu­min­dest nicht so prä­sent sind in der… Oder er­klär‘ das viel­leicht ge­n­au selbst.

3’28

Lena: Nein. Wenn ich es the­ma­ti­siert ha­be, dann wur­de ei­gent­li­ch sehr of­fen be­geg­net: „Ja, na­tür­li­ch, wir wol­len ger­ne mehr Frau­en ge­win­nen. Ist ja auch für ei­ne Par­tei ziem­li­ch wich­tig. Frau­en sind ja schließ­li­ch die Hälf­te der Wahl­be­völ­ke­rung.“ Da wur­de sehr sehr po­si­tiv drauf be­geg­net. Nur wenn ich dann mit sol­chen Fra­gen der Gleich­be­rech­ti­gung und so wei­ter kam, wur­de ich re­la­tiv schnell ab­ge­bü­gelt im Sin­ne von, al­so, mit dem Kom­men­tar: „Wir sind Post­fe­mi­nisus. Bei uns sind al­le gleich. Wir ma­chen kei­nen Un­ter­schied. Und des­halb wol­len wir da auch gar nicht drü­ber re­den.“

Ge­org: Aber ist es nicht ge­n­au das Ziel, qua­si kei­nen Un­ter­schied zu ma­chen?

4’06

Lena: Es gibt ei­nen Un­ter­schied zwi­schen Gleich­be­rech­ti­gung und Gleich­stel­lung. Den hal­te ich für sehr wich­tig. Und na­tür­li­ch ist es ein sehr, sehr löb­li­ches Ziel zu sa­gen: „Na­tür­li­ch, wir wol­len ein­fach gar kei­nen Un­ter­schied ma­chen.“ Nur so­lan­ge wir die­ses Ziel no­ch nicht er­reicht ha­ben, hilft das auch nicht zu sa­gen: „Es ist so“, und dann ist es auch so. Al­so, al­lein zu be­haup­ten, dass es so wä­re, führt uns no­ch nicht da­hin, dass es so ist. Da­zu ist es wich­tig, si­ch dar­über be­wusst zu sein, dass es eben no­ch nicht so ist, weil wenn man denkt, es gibt kein Pro­blem, mit dem um­ge­gan­gen wer­den muss, dann geht man auch nicht da­mit um, dann geht man auch nicht dar­auf ein und dann hat man über­haupt kein Be­wusst­sein für das The­ma. Und das hal­te ich für so ge­fähr­li­ch an der Aus­sa­ge, wir sei­en Post­fe­mi­nis­mus. Ich wa­ge zu be­haup­ten, dass das ein­fach nicht der Fall ist.

5’05

Ge­org: Du hast ja in der Pres­se­mit­te­lung ge­schrie­ben, du will­st ei­nen Schutz­raum bie­ten, den Frau­en… aber ein Schutz wo­vor. Hast du viel­leicht schon selbst Si­tua­tio­nen er­lebt, in de­nen du ei­nen Schutz­raum ge­habt hät­test und der dir ge­fehlt hat in der Pi­ra­ten­par­tei?

5’16

Lena: Darf ich no­ch ganz kurz zur Pres­se­mit­te­lung was sa­gen. Es gibt näm­li­ch hier ei­ne gro­ße Kri­tik, dass ich ei­gen­stän­dig Sa­chen ge­macht ha­be, dass Frau­en sa­gen: Für mi­ch spricht die gar nicht. Sie tut aber so, als wür­de sie das. Des­we­gen ist es mir ganz wich­tig, no­ch ei­nen fet­ten Dis­clai­mer hier an der Stel­le erst­mal zu po­si­tio­nie­ren. Ich spre­che nicht für die Pi­ra­ten­par­tei und ich spre­che nicht für al­le Frau­en in der Pi­ra­ten­par­tei. Ich spre­che in ers­ter Li­nie für mi­ch und wenn… Ich glau­be aber, dass es auch ein paarr Frau­en gibt in der Pi­ra­ten­par­tei, die si­ch da­mit iden­ti­fi­zie­ren kön­nen. Das nur noch­mal, um das deut­li­ch zu ma­chen.

Ge­org: Der Schutz­raum…

5’56

Lena: Ge­n­au, die Schutz­räu­me. Ja, ich war schon­mal in so ei­ner Si­tua­ti­on, in der ich mir ge­wünscht hät­te, dass ich ge­schützt wer­de. Das be­deu­tet zum Bei­spiel, dass ich mir ge­wünscht hät­te, dass mir zum Bei­spiel nicht ei­ne an­de­re Frau in den Rü­cken fällt, in dem Mo­ment in dem ich ver­su­che, et­was zu the­ma­ti­sie­ren.

Ge­org: Kann­st du das viel­leicht mal be­schrei­ben? Ein biss­chen kon­kre­ter, wie das aus­sah, was das war?

Lena: Zu kon­kret möch­te ich das auch gar nicht, weil es wird dann auch per­sön­li­ch und die Pi­ra­ten ha­ben ja auch das Schlag­wort „Pi­ratsphä­re“ ge­prägt…

6’30

Ge­org: Aber das wir ein­fach ei­ne Vor­stel­lung da­von krie­gen, wie Frau­en si­ch füh­len, wenn sie si­ch un­wohl füh­len in dem Sin­ne, den du mein­st.

Lena: Al­so was zum Be­spiel ei­ne gro­ße Schwie­rig­keit ist, ist, wenn ich ver­su­che, et­was zu the­ma­ti­sie­ren und zu sa­gen: „Hier gibt es ei­ne Schwie­rig­keit da­mit, dass wir Män­ner und Frau­en sind. Hier gibt es ein Pro­blem“. Und da­mit dann erst­mal ab­ge­bü­gelt wer­de: „Das stimmt nicht.“ Zwei­tens mal Au­gen­rol­len ern­te, weil je­der ist ein­fach die­se Dis­kus­si­on leid. Kann ich auch gut ver­ste­hen (lacht). Die wur­de auch ein­fach schon in Ar­ten ge­führt, die ich auch sel­ber ab­so­lut nicht für rich­tig hal­te. Und das Drit­te ist, dass Frau­en die sa­gen, sie ha­ben das­sel­be nicht so er­lebt, dann aber nicht in dem Mo­ment sa­gen: „Ach ja, das ist ja in­ter­es­sant. Hab‘ ich so no­ch nicht er­lebt, aber er­zähl doch­mal, was ge­n­au mein­st du denn“, son­dern dass sie be­son­ders laut sa­gen: „Al­so, ich ha­be so­was no­ch nie er­lebt und das kommt über­haupt nicht vor und das ist Quat­sch, was du sagst.“ Und da­mit ent­steht ei­ne ganz gro­ße Schwie­rig­keit und die­ses Phä­no­men, dass Frau­en so hef­tig re­agie­ren auf die­ses The­ma ha­be ich ei­nem rei­nen Frau­en­kreis no­ch nie er­lebt. Die­se Aus­sa­ge, Frau­en äu­ßern si­ch an­ders au­ßer­halb, al­so in ge­trenn­ten…, al­so un­ter­ein­an­der, ist über­haupt kei­ne Kri­tik an den Män­nern, dass sie viel­leicht ir­gend­was fal­sch ma­chen, das ist ein­fach nur ei­ne Fest­stel­lung ei­nes Phä­no­mens, das üb­ri­gens auch nicht mehr jung ist. Und dem ich ger­ne mit die­sem Schutz­raum ent­ge­hen wür­de. Wo ich sa­gen wür­de: „Hier kön­nen wir auf ei­ne an­de­re Art und Wei­se kom­mu­ni­zie­ren.“ Das ist al­les.

8’20

Jörg: Ja, Frau­en ha­ben es in män­ner­ge­präg­ten Si­tua­tio­nen meis­tens ein biss­chen schwe­rer. Al­so das kennt man ja auch, wenn man jetzt so als ty­pi­scher Nerd [un­ver­ständ­li­ch] auf Com­pu­ter­kon­gres­sen, wo es dann nur so ei­ne Hand voll Frau­en gibt oder ir­gend­wie auf der Rol­len­spiel­con­ven­ti­on, da sind’s dann auch nur drei. Und das sind in sol­chen Si­tua­ti­on, in de­nen Frau­en die Min­der­hei­ten sind, kom­men ja nur die Frau­en über­haupt an, die es schon all­ge­mein ei­ni­ger­ma­ßen schaf­fen, si­ch durch­zu­set­zen ge­gen an­de­re. Und trotz­dem sind sie in so ei­ner Si­tua­ti­on dann die Min­der­heit. Und wenn man Teil ei­ner Grup­pe ist, aber Teil ei­ner Min­der­heit in ei­ner Grup­pe, ist es na­tür­li­ch schwie­ri­ger, si­ch dann zu äu­ßern, weil der Rück­halt in der Grup­pe nicht so groß ist.

Ge­org: Al­so, das Zi­tat in der Pres­se­mit­tei­lung war ja auch, auch die lei­sen Stim­men un­ter den Frau­en sol­len Ge­hör fin­den. Und ich wür­de gern wis­sen: Was un­ter­schei­det denn lei­se Stim­men un­ter den Frau­en von lei­sen Stim­men un­ter den Män­nern?

Lena: Die ei­nen wur­den von Frau­en ge­spro­chen, die an­de­ren von Män­nern. (lacht)

Ge­org: Sind das dann nicht die glei­chen Pro­ble­me, die bei­de ha­ben.

Lena: Na­ja, al­so Jörg hat ja ge­ra­de eben von den un­ter­schied­li­chen Sor­ten von Min­der­hei­ten ge­spro­chen und die lei­sen Stim­men der Män­ner sind ei­ne Min­der­heit der Mehr­heit. Von da­her gibt es da na­tür­li­ch – ist es nicht kom­plett gleich. Aber: Klar, es braucht na­tür­li­ch auch Mög­lich­kei­ten für die schüch­ter­nen oder lei­sen Män­ner, si­ch zu ar­ti­ku­lie­ren. Und da bin ich auch schon im Ge­spräch mit rka [An­dre­as Baum], dem Lan­des­vor­sit­zen­den in Ber­lin, ge­n­au hier­für auch Struk­tu­ren zu schaf­fen. Das ist völ­lig un­ab­hän­gig da­von, dass wir ein Kreis, al­so wir Pi­ra­tin­nen, ei­nen Kreis von nur Frau­en grün­den wol­len.

Ge­org: Noch­mal die Fra­ge: Das Ziel ist glau­be ich, gar nicht so um­strit­ten. Die Fra­ge ist ein­fach nur: War­um will man si­ch – wenn man schüch­ter­ne Frau­en hat und auch schüch­ter­ne Män­ner, war­um will man si­ch um die schüch­ter­nen Frau­en trotz­dem ge­trennt von den schüch­ter­nen Män­nern küm­mern?

10’25

Lena: Weil das The­ma nicht „Schüch­tern­heit“ ist, son­dern die Pro­ble­ma­tik, als Frau in die­ser Grup­pe zu exis­tie­ren. Und das hier ein­fach na­tür­li­ch, hier sind Schwie­rig­kei­ten, die ha­ben mit Schüch­tern­heit nicht so viel zu tun, son­dern es ist auch ei­ne sehr sehr sehr lan­ge his­to­ri­sch ge­wor­de­ne Si­tua­ti­on, dass Frau­en seit Jahr­tau­sen­den be­nach­tei­ligt wur­den. Und nicht ern­st ge­nom­men wur­den. Und wenn ich jetzt sa­gen möch­te: „Ich füh­le mi­ch nicht ern­st ge­nom­men“, in ei­ner Grup­pe, in der ich Angst ha­be, nicht ern­st ge­nom­men zu wer­den – weil aus ei­nem an­de­ren Grund wür­de ich ja nicht sa­gen wol­len, ich füh­le mi­ch nicht ern­st ge­nom­men, dann ha­be ich eben die Angst, nicht ern­st ge­nom­men zu wer­den. Und das heißt, ge­n­au die The­ma­ti­sie­rung die­ses The­mas fällt un­glaub­li­ch schwer in dem Mo­ment, wo schon die Fra­ge im Raum steht: Ist die­ses The­ma re­le­vant.

Ge­org: Was sind denn so Bei­spie­le für die­se Pro­ble­me mit Frau­en, al­so die Frau­en ha­ben, mei­ne ich, in der Pi­ra­ten­par­tei. Was für Dis­kus­sio­nen gibt es denn auf der Mai­ling­lis­te, wo nur Frau­en zu­min­dest dem Ti­tel nach mit­le­sen und mit­schrei­ben?

11’35

Lena: Ja, al­so, ich möch­te na­tür­li­ch jetzt nicht zu viel dar­über sa­gen. An ei­ni­gen an­de­ren Stel­len sind ja auch schon Din­ge ge­leakt. Man kann zum Bei­spiel das auch in der taz schön nach­le­sen. Kei­ne Ah­nung wie die dar­an ge­kom­men ist.

Ge­org: Viel­leicht war das ei­ne Frau?

Lena: Ja, das kannn gut sein, dass sie si­ch da ein­fach ein­ge­tra­gen hat als Frau.

Ge­org: Ja, das ist ja jetzt so ein biss­chen die Fra­ge: Wenn du ei­nen Schutz­raum will­st, und das ist die Mai­ling­lis­te, wie kon­trol­lier­st du ei­gent­li­ch, dass erst­mal nur Frau­en da teil­neh­men kön­nen und dann auch, dass die Din­ge da ge­heim blei­ben. Geht das über­haupt?

12’04

Lena: So, jetzt hast du mi­ch auch die er­s­te Fra­ge no­ch gar nicht ant­wor­ten las­sen. Aber jetzt ant­wor­te ich erst­mal dar­auf. Auf die­ser Lis­te kann ich das nicht fest­stel­len. Auf die­ser Lis­te ha­ben wir uns jetzt drauf ge­ei­nigt, zu sa­gen: „Ja Men­sch, zu­min­dest müs­sen si­ch al­le Män­ner hier als Frau­en aus­ge­ben.“ Und da­mit ha­ben wir ja qua­si et­was ge­schaf­fen, was ge­gen­tei­lig ist zu der Si­tua­ti­on, wie wir sie in der Pi­ra­ten­par­tei ha­ben, wo be­haup­tet wird, dass der Be­griff „Pi­rat“ ge­schlechts­neu­tral sei, was ich ehr­li­ch ge­sagt ziem­li­ch frech fin­de. Das heißt, an die­ser Stel­le ha­ben wir zu­min­dest erst­mal den Spieß rum­ge­dreht (lacht) und… Si­cher­stel­len kann ich das nicht, das ha­be ich auch den Frau­en in der Lis­te deut­li­ch ge­macht und ge­sagt – die sind si­ch da­drü­ber jetzt auch spä­tes­tens seit der taz be­wusst. Es soll no­ch ei­ne zwei­te Mai­ling­lis­te ge­ben, die fan­ge ich an, so­bald Be­darf an­ge­kün­digt wird, die so ei­ne Art „Web of Trust“ ist. Al­so, das funk­tio­niert dann ähn­li­ch wie bei den „Häck­sen“. Die ma­chen das glei­che. Die hat­ten üb­ri­gens ei­nen ähn­li­chen Kampf am An­fang, sind heu­te to­tal eta­bliert und an­er­kannt und da­mit hat über­haupt kei­ner mehr ein Pro­blem.

Ge­org: Das sind die Frau­en im CCC, nur als kur­ze Er­klä­rung.

13’15

Lena: Ge­n­au, das sind die Frau­en im CCC. Und es ha­ben si­ch auch ei­ni­ge Häck­sen zum Bei­spiel ge­mel­det, um jetzt noch­mal auf den In­halt zu­rück­zu­ge­hen, die ge­sagt ha­be: „Ja, ich ken­ne die Dis­kus­si­on. Hal­te durch, es ist al­les in Ord­nung. So lief das bei uns am An­fang auch.“

An­de­re Sa­chen sind das Ziel, was ich mir ge­setzt hat­te, mal ein of­fe­nes Ohr da­für zu ha­ben: Gibt es denn zum Bei­spiel Frau­en, die aus dem Grund aus der Pi­ra­ten­par­tei schon wie­der aus­ge­tre­ten sind. Gibt es viel­leicht Män­ner, die aus dem Grund aus der Pi­ra­ten­par­tei wie­der aus­ge­tre­ten sind. Bei­des kann ich mitt­ler­wei­le be­ja­hen, denn es ha­ben si­ch Leu­te bei mir ge­mel­det.

13’55

Im Mo­ment sind so die – The­ma­ti­sch be­schäf­ti­gen wir uns da­mit, wie möch­ten wir uns dar­stel­len, was ist jetzt ge­n­au ei­gent­li­ch un­ser Selbst­ver­ständ­nis. Wir dis­ku­tie­ren den Slo­gan „Klar­ma­chen zum Gen­dern“. Und was auch ein wich­ti­ges The­ma ist, ge­ra­de, ist: Wie ge­hen wir mit den An­grif­fen um, die uns wi­der­fah­ren. Es gibt ei­ni­ge Frau­en, die si­ch auch deut­li­ch ein­ge­setzt ha­ben, deut­li­ch zum Bei­spiel in Blogs und so wei­ter deut­li­ch ge­macht ha­ben, dass sie das The­ma wich­tig fin­den. Und die wer­den zum Teil hart at­ta­ckiert. Al­so, ich wer­de ja auch at­ta­ckiert, aber da­mit set­zen wir uns jetzt auch aus­ein­an­der.

14’40

Das heißt auch, dass die Fra­ge ist: Sind wir über die­ses The­ma hin­weg? Wenn ich die­ses The­ma nicht an­spre­chen kann oh­ne be­fürch­ten zu müs­sen, dass ich der­art hef­tig an­ge­grif­fen wer­de, und zwar eben per­sön­li­ch, nicht in­halt­li­ch, per­sön­li­ch – un­glaub­li­ch emo­tio­na­li­siert – dann kann mir kei­ner er­zäh­len, dass wir über die­ses The­ma schon hin­weg sind, denn dann müss­te es ja theo­re­ti­sch ganz ein­fach mög­li­ch sein, auch an der Stel­le ei­ne an­de­re Mei­nung zu ha­ben.

15’10

Und was die­ses The­ma sehr deut­li­ch aus­zeich­net ist, dass sehr schnell so ein He­bel um­ge­legt wird. Al­so, ich sa­ge ir­gend­was wie „Fe­mi­nis­mus“ oder „Gleich­be­rech­ti­gung“ und mir wird un­glaub­li­ch viel in den Mund ge­legt. Es geht so­fort die Lam­pe an: „Ja, das ist so ei­ne Ali­ce Schwar­zer“ und mir wer­den sämt­li­che Vor­ur­tei­le, die man von Eman­zen hat, in den Mund ge­legt. Es gab ganz häu­fig den Vor­wurf: „Ja, ihr wollt ei­ne Quo­te ein­füh­ren oder dan Binnen-‚I‘.“ Nichts da­von – ha­be ich nie­mals ge­sagt, wei­se ich auch jetzt von mir. Das ist über­haupt nicht mein Ziel. Das wur­de mir aber in den Mund ge­legt und da­ge­gen wur­de ar­gu­men­tert. Was auf mei­ner Sei­te dann ins Lee­re ging, weil das hat­te ich nie ge­sagt.

15’57

Im Ge­gen­teil, ich ha­be ei­ne sehr gro­ße Kri­tik an die­sen über­trie­be­nen Eman­zen, wie man sie ja so schön nennt, die viel­leicht tat­säch­li­ch zum Ziel ha­ben, jetzt den Spieß ein­fach kom­plett rum­zu­dre­hen. Ich möch­te den Spieß nicht kom­plett rum­dre­hen. Ich möch­te Gleich­be­rech­ti­gung. Ich möch­te wirk­li­ch, dass es gleich ist. Und Leu­te, al­so Frau­en, die dann sa­gen: „Oh, gib­st du mir bit­te mal die Salz­streue­rin“, de­nen könn­te ich den Hals rum­dre­hen. Weil das da­zu führt, das ein un­glaub­li­ch wich­ti­ges The­ma nicht mehr ern­st ge­nom­men wird.

16’31

Ge­org: Du hast ja im Tweet ge­sagt: „Wä­re Gen­der schon wirk­li­ch post, dann wür­de an­ders re­agiert“. Ja, wie denn? Wie wür­de re­agiert, wenn wir wir­li­ch schon ei­ne Post­gen­der­ge­sell­schaft hät­ten und je­mand wür­de ei­ne Mai­ling­lis­te grün­den, die nur Frau­en vor­be­hal­ten ist.

16’42

Lena: Ja, so what. Al­so, wenn ich mir vor­stel­le: „Ok, es ist al­les ok, es ist al­les in But­ter, es ist al­les in Ord­nung“ und es kommt je­mand und sagt: „Für mi­ch ist nicht al­les in But­ter an der Stel­le“, dann sa­ge ich: „Oh, mein Gott, er­zähl mehr. Was ge­n­au ist denn das Pro­blem?“ Ich ge­he auf die Per­son ein. Ich ge­he auf sie zu und ich fan­ge nicht an, wie ein wil­des Tier ir­gend­wie Sa­chen nach der Per­son zu schmei­ßen und zu sa­gen: „Du hast Un­recht und das ist to­tal fal­sch al­les.“

17’14

Ge­org. Al­so ich glau­be auch eher, das Pro­blem ist auch eher gar nicht die The­ma­tik, son­dern die Wahl der Mit­tel. Näm­li­ch das Mit­tel si­ch zu iso­lie­ren, zu tren­nen von den an­de­ren. Al­so, was du ja eben tust mit der Mai­ling­lis­te. Das ist auch so ei­ne Fra­ge: Die Mai­ling­lis­te ist nur für Frau­en of­fen. Was ist mit Men­schen, die kei­ne ein­deu­ti­ge Ge­schlechts­zu­ord­nung ha­ben, al­so Trans­gen­der? Kön­nen die auch mit drauf?

17’33

Lena: Wenn sie auf die Frau­en­toi­let­te ge­hen. Das ist ja so ei­ne freie Ent­schei­dung: Als was füh­le ich mi­ch. Ich fin­de, mit der Toi­let­ten­wahl ist das re­la­tiv gut wie­der­ge­ge­ben. Wie ge­sagt…

Ge­org: Al­so es kön­nen auch Män­ner rauf, die auf Frau­en­toi­let­ten ger­ne ge­hen?

17’50

Lena: (lacht) Wenn sie da nicht raus­ge­wor­fen wer­den und si­ch da wohl­füh­len und si­ch als Frau aus­ge­ben… Das ist ja das Ding: Im Mo­ment kommst du auf die Lis­te drauf, wenn du sagst: „Ich bin ei­ne Frau.“ Ich ha­be ein paar Leu­te ab­ge­lehnt und de­nen ge­sagt: „Es ist nicht er­kenn­bar, ob du ei­ne Frau bist. Gib dich bit­te als Frau zu er­ken­nen“. Dann ha­ben die ge­ant­wor­tet: „Ich bin ei­ne Frau“ und dann sind sie auf die Mai­ling­lis­te ge­kom­men. Das heißt, es ist schlicht und er­grei­fend die Aus­sa­ge: Wenn ich mi­ch als Frau iden­tif­zie­re, dann kom­me ich auf die­se Lis­te.

18’19

Die zwei­te er­wähn­te Lis­te, da müs­sen wir dann mal schau­en, wie das funk­tio­niert mit ei­nem Web of Trust. Das ist ja auch schwie­rig, ge­ra­de weil wir ja ziem­li­ch bun­des­weit ver­teilt sind. Da müs­sen wir das viel­leicht dann auch über Te­le­fon und so wei­ter ma­chen. Und da müs­sen wir das dann im Ein­zel­fall auch ein­fach mit der Grup­pe ent­schei­den.

18’36

Jörg: Zur Ab­kap­se­lung wür­de ich no­ch sa­gen, es ist hier nicht so, dass Grup­pen­bil­dung oder so­was wie An­ony­mi­sie­rung ja auch was ist, was den Pi­ra­ten ei­gent­li­ch ein ur­ei­ge­nes pi­ra­ti­ges The­ma ist. Ja? Es wür­de dir ja jetzt kein Pi­rat sa­gen: „Ja, wir müs­sen TOR ab­schaf­fen, weil da kön­nen ja Leu­te was mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren, oh­ne dass je­mand mit­kriegt, wer das was sagt oder wer mit wem sagt oder über­haupt ir­gend­je­mand was sagt.“ Und ge­n­au die­ses Prin­zip der ab­so­lu­ten Trans­pa­renz ist ein Dog­ma, das in der Pi­ra­ten­piar­tei weit ver­brei­tet ist, was aber für ei­ne De­mo­kra­tie und ei­ne freie Kom­mu­ni­ka­ti­on hin­der­li­ch ist. Weil dann näm­li­ch je­der, der was sagt, nicht an­onym was sa­gen kann, nicht nur in ei­nem be­grenz­ten Teil was sa­gen kann, son­dern so­fort mit sei­nem Na­men und mit sei­ner Per­son in der Öf­fent­lich­keit steht. Das ist ja das, was Lena jetzt pas­siert ist. Sie geht mit ei­ner Po­si­ti­on in die Öf­fent­lich­keit, mit ih­rem Na­men und muss jetzt die gan­zen An­grif­fe aus­hal­ten.

19’37

Lena: Al­so, bei der Fra­ge „Wir kap­seln uns ab“. Das ist ein­fach – na­tür­li­ch, bei Po­li­tik ist die For­de­rung der Pi­ra­ten: Es muss Trans­pa­renz ge­ben. Es muss trans­pa­rent sein, wie Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen wor­den sind und so wei­ter. Wir wol­len aber über­haupt kei­ne Ent­schei­dun­gen tref­fen. Das Ziel der Pi­ra­tin­nen ist nicht, die Auf­ga­ben der AGs zu über­neh­men. Es gibt die AGs und das ist was völ­lig an­de­res. Des­halb sa­ge ich auch im­mer auf die Fra­ge: „War­um bist du denn nicht zu die­sen AGs ge­gan­gen“: Das ist was an­de­res, das hat da­mit nichts zu tun.

20’12

Un­se­re Ziel­set­zung ist erst­mal die Pi­ra­ten­par­tei für Frau­en at­trak­ti­ver zu ma­chen. Das ist na­tür­li­ch auch die Ziel­set­zung der AGs. Nur wir wol­len eben auch den Bli­ck nach in­nen mal wa­gen. Wir wol­len auf­merk­sam wer­den, falls es Pro­ble­me gibt, dass die nicht ein­fach an den Pi­ra­ten vor­bei­ge­hen. Dass die nicht un­be­merkt ein Pro­blem ein­fach an si­ch vor­bei­zie­hen las­sen, weil kei­ner da­von über­haupt was mit­be­kom­men hat. Das heißt, es muss ir­gend­ei­ne An­lauf­stel­le ge­ben, an die ich mi­ch wen­den kann, um über­haupt… – die zu­sam­men­sam­melt, wo gibt es denn jetzt über­haupt die Schwie­rig­kei­ten zum Bei­spiel mit der Ge­schlechts­fra­ge in der Pi­ra­ten­par­tei.

20’55

Und da­für braucht es na­tür­li­ch Ver­trau­ens­per­so­nen, von de­nen ich si­cher sein kann, dass tröp­felt jetzt nicht mit mei­nem Na­men und mei­ner ge­sam­ten Ge­schich­te an die Öf­fent­lich­keit, son­dern die ei­ne Zu­sam­men­fas­sung lie­fert: So-und-so vie­le Per­so­nen ha­ben si­ch an mi­ch ge­wen­det mit in-et­wa-sol­chen Pro­ble­men. Das heißt: Na­tür­li­ch wer­den die Inahl­te oder die Din­ge, die bei uns in der Lis­te be­spro­chen wer­den und hof­fent­li­ch auch spä­ter mit an­de­ren Mög­lich­kei­ten als über ei­ne Mai­ling­lis­te, na­tür­li­ch wer­den die an die Öf­fent­lich­keit ge­bracht. Das ist Ziel der Lis­te. Nur sie wer­den nicht oder hof­fent­li­ch bald nicht mehr, wenn es nicht mehr so leakt, per­sön­li­ch zi­tiert oder beim Na­men ge­nannt, son­dern es geht dar­um, das zu­sam­men­zu­fas­sen und das zu se­hen.

21’38

Und da ist es ein­fach auch ein wei­ter wich­ti­ger Punkt das Be­wusst­sein in der Pi­ra­ten­par­tei auf die­ses The­ma ein biss­chen zu len­ken. Und hier an der Stel­le in­ner­halb der Pi­ra­ten­par­tei auf das Be­wusst­sein ein­zu­wir­ken, dass das hier si­ch ein an­de­res Selbst­ver­ständ­nis ein­stellt. Weil das ist was, was drin­gend ist um wirk­li­ch at­trak­tiv für Frau­en zu sein. Und das ist kei­ne pro­gram­mas­ti­sche Ar­beit, das sind kei­ne The­sen, das sind kei­ne For­de­run­gen, die wir stel­len wür­den, son­dern das ist ei­gent­li­ch ei­ne selbst­kri­ti­sche Ar­beit, ei­ne Ar­beit mit si­ch selbst: Pro­ble­me er­ken­nen und zu ver­su­chen, da­mit um­zu­ge­hen. Und das ist ein­fach kei­ne po­li­ti­sche Ar­beit und des­we­gen ist auch die Trans­pa­renz­for­de­rung an die­ser Stel­le nicht an­ge­bracht.

22’30

Ge­org: Al­so das heißt vom Prin­zip hät­test du auch nichts da­ge­gen, wenn si­ch jetzt Män­ner in ei­ner Mai­ling­lis­te zu­sam­men­fin­den und kei­ne Frau­en rein­las­sen. Das wä­re in Ord­nung?

Lena: Ja. [un­ver­ständ­li­ch] So­lan­ge sie pri­vat ge­pos­tet ist, so­wie­so. Was bin ich da je­mand, der das ent­schei­den kann. Und auch auf dem Pi­ra­ten­wi­ki hät­te ich da­mit kein Pro­blem, nein.

22’48

Jörg: Und es ist ja auch no­ch nicht so, als wür­de son­st zwi­schen ein­zel­nen Pi­ra­ten kei­ne pri­va­te Kom­mu­ni­ka­ti­on, die die an­de­ren nicht mit­krie­gen, nicht be­stehen. Das ist ja im­mer der Fall, dass Men­schen mit­ein­an­der über E-Mail und In­stant Mes­sa­ging kom­mu­ni­zie­ren und es gibt na­tür­li­ch auch je­de Men­ge in­for­mel­ler Grup­pen, die si­ch zum Bier tref­fen. Es ist ja auch nicht so als wenn beim Pi­ra­ten­stamm­tisch stän­dig al­les auf Vi­deo auf­ge­nom­men wür­de. Was ja üb­ri­gens, ne, auch ge­ra­de… – Kann man ja auch sa­gen: Ist in­trans­pa­rent. Aber ge­n­au die­se Art von ge­schütz­ter Um­welt, von ei­nem ge­schütz­ten Raum ist was, was stän­dig ge­nutzt wird und was auch ex­trem wich­tig ist.

23’34

Ge­org: Du hast vor­hin no­ch ge­meint, du will­st ei­gent­li­ch die An­re­de, glau­be ich, nicht än­dern. Aber du hat­test glau­be ich schon an­de­re Vor­schlä­ge ge­macht, öf­fent­li­ch, al­so ob man si­ch jetzt „Pi­rat“ nennt oder „Pi­ra­tin“. Wie sieht das ge­n­au aus?

23’46

Lena: Al­so grund­sätz­li­ch: Ich bin ein­ge­stie­gen da­mals in die Ber­li­ner Mai­ling­lis­te, als es da ge­ra­de ei­ne Dis­kus­si­on sehr heiß am Lau­fen war zum The­ma „Pi­rat oder Pi­ra­tin“, und da war so am En­de die Lö­sung, auf die man si­ch ge­ei­nigt hat: In of­fi­zi­el­len Tex­ten steht nur „Pi­rat“ und je­de Frau, die si­ch als „Pi­ra­tin“ be­zeich­nen will, die darf das. Des­we­gen bin ich auch ein biss­chen über­rascht, war­um das auch ein­mal jetzt nicht mehr sat­zungs­kon­form sein soll, wenn ich ei­ne Grup­pe auf­ma­che, die „Pi­ra­tin­nen“ heißt. Ich hat­te in dem Mo­ment da­mit ei­gent­li­ch gar kein so gro­ßes Pro­blem. Die Pi­ra­ten­par­tei heißt nun­mal Pi­ra­ten­par­tei und ich bin wirk­li­ch, wirk­li­ch ge­gen das Binnen-„I“ und ich hät­te es für ganz schreck­li­ch ge­fun­den, dar­aus die „Pi­ra­tIn­nen­par­tei“ zu ma­chen. Und da sie nun­mal „Pi­ra­ten­par­tei“ heißt, fand ich das es an der Stel­le so­gar le­gi­tim ist, zu sa­gen: „Ok, das sind halt al­les Pi­ra­ten.“

24’44

Mei­ne Schwie­rig­keit mit der Sa­che ist eben zum ei­nen, was ich vor­hin er­wähnt ha­be, dass dann frech in der Sat­zung steht, dass „Pi­rat“ an der Stel­le dann ge­schlechts­neu­tral sei. Das ver­kennt ein­fach das Pro­blem, wenn die­ses „ge­schlechts­neu­tral“ ein­fach raus­ge­stri­chen wür­de, hät­te ich mit die­sem Teil der Sat­zung ei­gent­li­ch gar nicht das Pro­blem. Das Pro­blem, was ich da­mit ha­be, ist das Selbst­ver­ständ­nis, das si­ch dar­aus ab­lei­tet. Dass si­ch dar­aus ab­lei­tet, dass Leu­te ver­su­chen, die­ses Wi­ki zu lö­schen, weil es nicht sat­zungs­kon­form sei. Dass…

Ge­org: Ent­schul­di­ge bit­te, ei­ne Web­sei­te mein­st du im Wi­ki oder was ge­n­au?

25’22

Lena: Ja, das Wi­ki, ge­n­au, das Pi­ra­ten­wi­ki [oder „Pi­ra­ten­in­nen­wi­ki“, un­deut­li­ch], al­so das Wi­ki auf der Pi­ra­ten­par­tei­sei­te der Pi­ra­ten. Mit dem Ar­gu­ment, dass es nicht sat­zungs­kon­form ist, si­ch als Pi­ra­tin­nen zu be­zeich­nen. Dass dar­aus her­vor­geht, wir er­wäh­nen die Frau­en nie und nir­gend­wo mit da­zu, weil dar­auf ha­ben wir uns ja ge­ei­nigt, das steht ja so in der Sat­zung und das dar­aus her­vor­geht, wir sind Post­fe­mi­nis­mus. Und das sind Sa­chen, die wer­den dar­aus ab­ge­lei­tet, die ich nicht un­ter­schrei­be.

25’50

Das heißt, ur­sprüng­li­ch mit der Ei­ni­gung: „Wir nen­nen uns al­le Pi­ra­ten“ hat­te ich über­haupt kein Pro­blem, so­lan­ge mir auch er­laubt wur­de, mi­ch sel­ber so zu be­zeich­nen. Das Pro­blem ist nur, dar­aus folg­ten sehr vie­le Din­ge. Zum Bei­spiel in der Schweiz wur­de ge­n­au glei­che Art und Wei­se ar­gu­men­tiert, war­um es kein Frau­en­wahl­recht ge­ben soll­te bis 1971, weil im Grund­recht nur die Män­ner er­wähnt wur­den, nur die Bür­ger sind das Volk, das die De­mo­kra­tie hat. Und ge­n­au mit die­ser Ar­gu­men­ta­ti­on wur­de Frau­en­wahl­recht ab­ge­lehnt. Und das ist ge­n­au das Pro­blem: Dass si­ch dar­aus et­was ab­lei­tet, wo­mit ich ein gro­ßes Pro­blem ha­be.

26’37

Jörg: Al­so das heißt die An­re­de „Pi­rat“ und dass man in der Pres­se oder sonst­wo in der Öf­fent­lich­keit nur „Pi­ra­ten“ schreibt, das fin­dest du schon in Ord­nung. Das kann so blei­ben.

26’44

Lena: Mitt­ler­wei­le bin ich mir da mir nicht mehr so si­cher, weil of­fen­sicht­li­ch hier ein gro­ßes The­ma no­ch ist, und ich nicht glau­be, dass al­le in der Pi­ra­ten­par­tei bei „Pi­rat“ an den ge­schlechts­neu­tra­len Be­griff, al­so an ein ge­schlechts­neu­tra­les We­sen, den­ken. Ich den­ke zum Bei­spiel, es – auch auf dei­ne Fra­ge noch­mal, wie wür­de man denn sa­gen, al­so, wenn man Post­fe­mi­nis­mus wä­re, wenn man drü­ber stün­de – dürf­ten ja theo­re­ti­sch nach der The­se die Pi­ra­ten gar kein Pro­blem da­mit ha­ben, ein­fach al­le als „Pi­ra­tin­nen“ zu be­zeich­nen. Das ist jetzt gar kein Vor­schlag, ich möch­te das jetzt nicht vor­schla­gen, ich sa­ge nur, da­mit ha­ben ei­ne Men­ge Leu­te ein Pro­blem. Da gibt es ziem­li­ch viel Wi­der­stand, im­mer wenn ich das mal so vor­schla­ge. Es dürf­te doch ei­gent­li­ch kein Pro­blem sein, wir sind so vie­le Män­ner, es… – ich glau­be, kei­ne kommt auf die Idee, wenn über­all „Pi­ra­tin­nen“ steht, dass da nur Frau­en ge­meint sind. Dass da na­tür­li­ch auch ei­ne Men­ge Män­ner da­bei sind. Und von da­her dürf­te es ei­gent­li­ch, wenn man doch so drü­ber steht, gar kein Pro­blem sein…

27’45

Jörg: Es ist ein­fach kein Wort im Sprach­ge­brauch. Im Sprach­ge­brauch nutzt man, glau­be ich, die En­dung „-in­nen“, nur wenn es um Frau­en geht.

27’52

Lena: Na, aber es wä­re doch auch ei­ne die­ser Ar­ten, für die die Pi­ra­ten si­ch doch auch ei­nen Na­men ma­chen wol­len: Wir ma­chen et­was an­ders. Und die gan­ze Gen­der­de­bat­te geht uns auf den Sen­kel, da ha­ben wir kei­nen Bock drauf. Ja gut, wenn es si­ch nicht ir­gend­wie lö­sen lässt: Na gut, dann ma­chen wir halt das jetzt mal so und ein Jahr lang sa­gen wir „Pi­ra­tin­nen“, das nächs­te „Pi­ra­ten“ oder wie auch im­mer. Das wür­de zum Cha­rak­ter der Pi­ra­ten auch sehr gut pas­sen. Ein­fach frech sa­gen: Wir ha­ben kein Bock, da ewig lang drü­ber zu dis­ku­tie­ren und des­we­gen ma­chen wir es jetzt halt ganz an­ders.

28’27

Ich möch­te das jetzt nicht wirk­li­ch vor­schla­gen. Ich sa­ge nur: So wür­de das für mi­ch aus­se­hen, wenn wir wirk­li­ch „post­gen­der“ wä­ren. Wenn es wirk­li­ch ein­fach kei­ne Rol­le mehr spie­len wür­de. Aber an den Stel­len fin­de ich sieht man sehr deut­li­ch, dass das eben doch ei­ne Rol­le spielt.

28’42

Man sieht das üb­ri­gens auch dar­an, dass ich un­glaub­li­ch vie­le neue Twit­ter-Fol­lo­wer ha­be. Das heißt nicht un­be­dingt, dass die mi­ch auch al­le un­ter­stüt­zen. Aber das The­ma ist in­ter­es­sant. Und das fin­de ich zeigt schon, dass da wir da ein­fach no­ch nicht mit fer­tig sind. Auch wenn es viel­leicht lang­sam an­stren­gend wird. Aber wenn wir mal auf­hö­ren, die gan­ze Zeit die­se Ste­reo­ty­pen, die wir ha­ben, von – die Per­son ist jetzt eman­zi­pa­to­ri­sch un­ter­wegs, das heißt, sie ist ei­ne Män­ner­has­se­rin und sie for­dert das Binnen-„I“ und sie for­dert Quo­ten, wenn wir von die­sem ste­reo­ty­pen Den­ken mal run­ter­kom­men, dann kön­nen wir auch auf ei­ne ganz an­de­re Art dis­ku­tie­ren und al­le, mit de­nen ich bis­her ge­re­det ha­be, bei de­nen ich es ge­schafft ha­be, im per­sön­li­chen Ge­spräch klar zu ma­chen, dass es mir über­haupt nicht dar­um geht, und dass ich über­haupt kei­ne von die­sen „Kampf­eman­zen“ bin, mit de­nen hat auf ein­mal ei­ne kom­plett an­de­re Un­ter­hal­tung statt­fin­den kön­nen.

Ge­org: Das klang schon fast wie ein Schluss­wort. Will­st du no­ch et­was an­fü­gen? Oder du, Jörg?

29’42

Lena: Ja, ei­ne Sa­che hät­te ich no­ch. Al­so, wir sind ei­ne Par­tei – und jetzt sa­ge ich „wir“ – die Pi­ra­ten­par­tei, sind ei­ne Par­tei, die ei­ne sehr gro­ße Men­ge an Män­nern ha­ben und das hat man ei­gent­li­ch im­mer, wenn man ei­ne ho­mo­ge­ne Mas­se hat, dass die nicht si­ch nicht so gut ein­füh­len kann, das ist ein­fach Fakt. Wir sind halt al­le sub­jek­tiv und da kann no­ch kei­ner draus aus­stei­gen; dass na­tür­li­ch Pro­ble­me, die al­le Mit­glie­der die­ser ho­mo­ge­nen Men­ge nicht ha­ben, schwie­rig ver­mit­tel­bar sind. Und dass die Pi­ra­ten in der Ge­fahr sind, da­durch dass im Mo­ment no­ch so we­ni­ge Frau­en da­bei sind – ich hof­fe, es wer­den bald mehr – die­se Pro­ble­me zu über­se­hen. Und dass es un­glaub­li­ch schwie­rig wird, sol­che Pro­ble­me deut­li­ch zu ma­chen, an­zu­spre­chen, zu ar­ti­ku­lie­ren, wenn sie so schnell ab­ge­bü­gelt wer­den und so schnell ge­sagt wird: „Das ist kein The­ma bei uns.“ Und des­we­gen wür­de ich sehr dar­an ap­pel­lie­ren, dass ein biss­chen grö­ße­res Ver­ständ­nis da­für ent­steht, dass es durch­aus Pro­ble­me ge­ben kann, die ich über­haupt nicht auf dem Schirm ha­be, von de­nen ich mir gar nicht vor­stel­len kann, dass sie über­haupt exis­tie­ren, und sie sind trotz­dem da und sie sind trotz­dem exis­tent und sie soll­ten die Pi­ra­ten trotz­dem in­ter­es­sie­ren.

31’05

Jörg: Da möch­te ich noch­mal ganz kurz nach­fra­gen: So ein Bei­spiel für ein Pro­blem, das die meis­ten Pi­ra­ten eben nicht auf dem Schirm ha­ben. Und was viel­leicht ganz vie­le Frau­en oder po­ten­ti­el­le Pi­ra­tin­nen ha­ben.

31’15

Lena: Das fängt an bei Sprü­chen, ir­gend­wel­che dum­men Sprü­che, ir­gend­wel­che Kom­men­ta­re, An­ma­chen. Das kommt al­les vor. Dar­auf hin­zu­wei­sen wird dann mit Geg­röh­le noch­mal kom­men­tiert. Und dar­über hin­aus gibt es auch sehr gern so (seufzt) – das ist ei­gent­li­ch ist das lieb ge­meint und ei­gent­li­ch ist das auch sehr süß – nur es ist ein biss­chen so her­ab­las­send, so von oben her­ab: „Ja, ne, Klei­ne, Sü­ße, und du siehst ja auch su­per aus und ich find’s ja auch ganz toll, dass du da bist, aber da­mals als ich auf mei­nem C64 schon am Com­pu­ter saß, da hast du ja no­ch gar nichts da­mit zu tun ge­habt.“ Und ich sag: „Ja, ich bin viel­leicht gleich alt, aber du hat­test da ei­nen pri­vi­le­gier­ten Le­bens­lauf. Du hat­test Zu­gang zu sol­chen Ge­rä­ten. Ich hat­te so ei­nen Zu­gang nicht.“

32’08

Und das ist na­tür­li­ch – kei­ne Ah­nung, ich weiß es nicht, ob ich die Mög­lich­keit ge­habt hät­te, wenn ich mi­ch mit Hän­den und Fü­ßen ge­wehrt hät­te, ir­gend­wie an so ein Ge­rät ran­zu­kom­men. Aber mir hat das über­haupt nie­mand vor­ge­schla­gen oder mir die Idee un­ter­brei­tet, du könn­test dich mit Com­pu­tern be­schäf­ti­gen. Die meis­ten der Frau­en, die ich ken­ne, ha­ben mit 16, 17, ih­ren ers­ten Rech­ner ge­habt. Al­so, ich war mit 16 ein Uni­kum, dass ich mei­nen ei­ge­nen Rech­ner hat­te. Und das si­ch klar zu ma­chen, dass es kei­ne Über­le­gen­heit – al­so, na­tür­li­ch ist ei­ne Über­le­gen­heit – aber dass es nichts ist, auf was man stolz sein soll­te, und was man den Leu­ten no­ch un­ter die Na­se rei­ben soll­te, son­dern wo klar ist, dass das ein Pri­vi­leg für dich ist; sei mal froh dar­um und be­den­ke das, wenn du das das nächs­te Mal zu mir sagst: „Ja, du hat­test das ja nicht.“

32’57

Jörg: Ich kann da­zu no­ch was All­ge­mei­ne­res zu sa­gen. Und zwar: Die Pi­ra­ten le­ben ja nicht ei­nem Va­ku­um. Sie tun ja im­mer ger­ne so, sie schnei­den si­ch da ir­gend­wie ihr klei­nes Po­li­tik­feld raus und sa­gen ir­gend­wie: Wir wol­len ir­gend­wie an­de­res Ur­he­ber­recht und so ein biss­chen ge­gen Über­wa­chung, aber kei­ner kann in ei­nem po­li­ti­schen Va­ku­um exis­tie­ren. Es ist ja so: Trotz­dem sind wir al­le Teil der sel­ben Ge­sell­schaft und es ist nun­mal kein Ge­heim­nis, dass in Deutsch­land Frau­en für die glei­che Ar­beit we­ni­ger ver­die­nen als Män­ner, dass Frau­en all­ge­mein… – Das liegt nicht nur dar­an, dass sie so­zu­sa­gen schlech­ter be­zahl­te Jobs ha­ben, son­dern dass Frau­en in tech­ni­schen Be­ru­fen un­ter­re­prä­sen­tiert sind und so wei­ter und so wei­ter. Das ist ja jetzt nichts Neu­es.

33’36

Und ge­n­au das glei­che pas­siert na­tür­li­ch in der Pi­ra­ten­par­tei auch. Das heißt: Al­le ge­sell­schaft­li­chen po­li­ti­schen Pro­be­me, die drau­ßen in der Ge­sell­schaft sind, die tre­ten in der Pi­ra­ten­par­tei auch wie­der auf, da sie ja Teil die­ser Ge­sell­schaft sind. Und das ist, glau­be ich, die gro­ße Her­aus­for­de­rung für die Pi­ra­ten, auch si­ch dem zu stel­len und auch das wird nicht nur das er­s­te Pol­tik­feld sein, son­dern in an­de­ren wird si­ch das auch ent­wi­ckeln, dass die Pi­ra­ten si­ch mit si­ch selbst und mit ih­rer ei­ge­nen wie sie selbst funk­tio­nie­ren und wie sie Teil der Ge­sell­schaft sind, das no­ch ein biss­chen bes­ser re­flek­tie­ren ler­nen.

34’12

Ge­org: Ok, ich be­dan­ke mi­ch sehr bei eu­ch bei­den und ich wün­sche mir auch, dass die Dis­kus­si­on viel­leicht ein biss­chen mehr an Ru­he ge­winnt und an Kon­struk­ti­vi­tät. Ok, dan­ke.

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18 Kommentare zu Tran­skript des In­ter­views von Ge­org Jäh­nig mit Lena Si­mon zur „Gen­der­de­bat­te“ in der Pi­ra­ten­par­tei

  1. Internetausdrucker sagt:

    Die Frau ei­nes gu­ten Freun­des, sie an­ge­spro­chen auf die Exis­tenz der Pi­ra­ten­par­tei, mein­te ein­st „Ja sind denn da auch Frau­en da­bei?“ und wei­ger­te si­ch vor In­ter­net­re­cher­che mit po­si­ti­ver Be­ant­wor­tung die­ser Fra­ge ri­go­ros, schon­mal vor­ab ei­nen flu­ech­ti­gen Bli­ck ins Par­tei­pro­gramm zu wer­fen…

    Muss man die Exis­tenz ei­ner „Min­dest­men­ge weib­li­cher Per­so­nen in­ner­halb der Par­tei“ viel­leicht als ge­n­au den „Schutz­raum“ be­grei­fen, der von [man­chen] Frau­en zwin­gend be­noe­tigt wird, um der Par­tei ue­ber­haupt bei­zu­tre­ten oder vor­han­de­ne Ent­fal­tungs­rae­u­me aus­zu­nut­zen?

    So na­em­li­ch dann die­se ’not­wen­di­ge Min­dest­men­ge‘ nicht vom Him­mel fa­ellt, ent­steht sie ent­we­der gar nicht, oder nur durch Zu­tun von Frau­en, die eben ge­n­au die­sen Schutz­raum nicht fu­er ini­zi­ell not­wen­dig er­ach­ten oder vor­han­de­ne Rae­u­me als zu­min­dest vor­er­st aus­rei­chend ak­zep­tie­ren und dort vor­an­zu­schrei­ten be­gin­nen.

    Sol­cher­lei Vor­an­schrei­ten­den erst­mal mei­nen per­so­en­li­chen Dank vor­ab!

    Ich un­ter­stel­le ein­mal, dass ich, Mann, per­so­en­li­ch we­ni­ger Wert auf „das Ge­fu­ehl“ im All­ge­mei­nen le­ge, als man­ch an­de­re Per­son.

    Es ent­steht bei mir bei­spiels­wei­se nicht der per­so­en­li­ch „ge­fu­ehl­te Wunsch“ nach ei­nem „mit Ro­sen­blaet­tern be­rei­te­tem Him­mel­bett“, nur weil’s viel­leicht ‚ku­sche­li­ger‘ wa­e­re, als ein as­ke­ti­sches Bett­ge­stell mit or­dent­li­cher Ma­trat­ze und sau­be­ren La­ken. Ent­spre­chend ge­he ich ers­te­rem nicht nach und bin mit rein funk­tio­na­ler Schlaf­statt i.A. per­so­en­li­ch ab­so­lut zu­frie­den.

    Nun stel­le man si­ch vor, dass not­wen­di­ge Be­din­gung des be­sucht wer­dens mei­ner Per­son durch di­ver­se Ga­es­te wa­e­re, dass ich Him­mel­bett mit Ro­sen­blue­ten an­bie­ten ko­enn­te! „Du mus­st Ro­sen­blue­ten im Schlaf­zim­mern ver­streu­en und hier und da no­ch ei­ne Duft­ker­ze an­zu­en­den!“ kla­en­gen viel­leicht die Hin­wei­se von di­ver­sen Sei­ten.

    Doch kann es wirk­li­ch mein Ziel sein, mit Ef­fekt­ha­sche­rei und den­no­ch recht pri­mi­ti­ven Lock­mit­teln den Be­su­ch an­zu­lo­cken? Den Be­su­ch, dem ich be­reits bei Ein­la­dung di­rekt und [un]bekannterweise auch ei­ne Beziehung/​Wohngemeinschaft „Au­ge in Au­ge“ an­ge­bo­ten ha­be – mit den da­mit ver­bun­de­nen Rech­ten, das ge­mein­sam zu be­wirt­schaf­ten­de Haus nach ei­ge­nem Gut­du­en­ken mit­zu­ge­stal­ten?

    Wie­vie­le Be­su­cher kann ich un­ge­schol­ten nach­ein­an­der mit Duft halb ae­ther­trun­ken ins Haus hin­ein­lo­cken, be­vor sie mer­ken, dass auf die­sem Weg al­les nur auf ei­ner bil­li­gen sinn­li­chen Be­toe­rung ba­siert – und nicht auf ei­ner wil­lent­li­chen lo­gi­schen Ent­schei­dung, wel­che ja in Fol­ge viel frucht­ba­rer sein ko­enn­te?! Will frau wirk­li­ch von der Pi­ra­ten­par­tei den oran­ge­nen Tep­pich aus­ge­rollt be­kom­men und mit Hand­kuss ge­schmei­chelt wer­den?

    Stel­len wir uns nun ei­nen Gast vor, der di­rekt nach aus­ge­spro­che­ner freund­li­cher Ein­la­dung ei­ne For­de­run­gen an die Gast­ge­ber rich­tet, wel­che durch ih­ren Oh­ren als Er­pres­sungs­ver­su­ch emp­fan­gen wer­den ko­enn­te. Ala „Ich will na­tu­er­li­ch auch ge­dimm­tes Licht und Pra­li­nen, oder ich kom­me nicht!“. Wu­er­den die Gast­ge­ben­den die Ein­la­dung ge­n­au die­ses Gas­tes mit Freu­den wie­der­ho­len?

    Wu­en­schens­wert ist ei­ne Zeit der Un­ge­zwun­gen­heit, in der ein Gast das, was ihm fehlt, ggf. auch sel­ber ein­bringt. Sei es das ei­ge­ne Suepp­chen oder das Schnu­ckel­tuch fu­er unter’s Kopf­kis­sen.

    Ei­ne „ge­schlos­se­ne Mai­ling­lis­te fu­er Frau­en“ fin­de ich so in­ter­es­sant, wie ei­ne zu ei­ner Fei­er mit­ge­brach­te Fla­sche Wein. Er­st nach der Ent­kor­kung wird man letzt­li­ch fest­stel­len ko­en­nen, wie­vie­le gu­te Schop­pen dar­in ent­hal­ten sind.

  2. Eviathan sagt:

    „es ist nun­mal kein Geheim­nis, dass in Deutsch­land Frau­en für die glei­che Ar­beit weni­ger ver­die­nen als Män­ner“

    Nein, das ist nicht nur kein Ge­heim­nis, son­dern ei­ne glat­te Lü­ge…

  3. gobelin sagt:

    Das ist mitt­ler­wei­le al­les so der­mas­sen gro­tesk, dass man das nur no­ch auf die Spit­ze trei­ben kann

    Recht so:

    http://wiki.piratenpartei.de/Berlin/Crews/Fliegende_Luftbr%C3%BCcke/CPS/14032010

  4. Mas sagt:

    Weil Frau­en, ei­ner nicht selbst er­leb­ten Er­fah­rung an­de­rer
    Frau­en ge­gen­über ske­ti­sch sind, aber nur wenn „Män­ner“ an­we­send sind, ih­re Skep­sis si­ch aber in Wohl­ge­fal­len auf­löst, wenn sie un­ter si­ch sind,brauchen sie „Schutz­räu­me“.
    Sie brau­chen al­so Schutz­räu­me, um si­ch vor Frau­en zu
    Schüt­zen, schuld sind aber die „Män­ner“!
    Wenn Män­ner in der Min­der­heit sind, sind sie trotz­dem in der Mehr­heit, um­ge­kehr­tes gilt für Frau­en!

    DAS IST DOCH NICHT EU­ER ERNST………ODER?????

    Ich ha­be ein rich­ti­ges Kom­men­tar ver­mie­den, denn das geht
    nur no­ch als Sa­ti­re, oh­ne si­ch lä­cher­li­ch zu ma­chen!!

    mfg Mas

  5. Uli sagt:

    Okay, Lena Si­mon hebt al­so ei­ne se­xis­ti­sche Mai­ling­lis­te aus der Tau­fe, und in meh­re­ren Me­di­en­bei­trä­gen wirkt es rein zu­fäl­lig so, als wür­de Lena für die Mehr­heit der weib­li­chen Pi­ra­ten spre­chen, die von frau­en­feind­li­chen Ker­len un­ter­drückt wer­den. In Wahr­heit be­zieht die über­gro­ße Mehr­heit die­ser Frau­en ge­gen Le­n­as Vor­ge­hen Stel­lung. So­weit ha­be ich die­se Stra­te­gie be­grif­fen, und Lena hat es da­mit ja auch ge­schafft, dass ihr Na­me ganz groß im Ge­spräch ist.

    Was ich aber no­ch nicht ver­stan­den ha­be: Auf die­ser Mai­ling­lis­te tau­schen si­ch jetzt seit Wo­chen meh­re­re Frau­en ganz oh­ne den stö­ren­den Ein­fluss von Män­nern aus. Da muss es doch schon zu ers­ten Er­geb­nis­sen ge­kom­men sein. Wel­che Pro­ble­me wol­len die „Pi­ra­tin­nen“ denn kon­kret auf wel­che Wei­se an­ge­hen? Wel­che frau­en­dis­kri­mi­nie­ren­den Struk­tu­ren in der Pi­ra­ten­par­tei sol­len denn über­wun­den wer­den?

    War­um wur­den denn die­se ganz kon­kre­ten Fra­gen nach Zie­len und An­lie­gen die­ser Mai­ling­lis­te nicht ge­stellt? Die „AG Män­ner“ in der Pi­ra­ten­par­tei kann die­se Zie­le und An­lie­gen nen­nen. Die „AG frau­en“ liegt seit über ei­nem Mo­nat brach, nach­dem sie von der zu­stän­di­gen Mo­de­ra­to­rin an die Wand ge­fah­ren wur­de. Lena Si­mon hat si­ch in kei­ner der mitt­ler­wei­le vier (!) Ge­schlech­ter-AGs en­ga­giert. Und jetzt gibt es von ihr ein wei­te­res In­ter­view, in dem sie end­los schwa­felt, oh­ne ir­gend­et­was Kon­kre­tes zu sa­gen. Wir er­fah­ren, was sie nicht will (das Bin­nen-I), aber fast nichts dar­über, was sie und ih­re Un­ter­stüt­ze­rin­nen wol­len. Ei­ne Lis­te von Wün­schen und For­de­run­gen („Wir wol­len ers­tens, zwei­tens, drit­tens …“) wä­re in­zwi­schen mal ganz nett. An­dern­falls ge­langt man zu dem Ein­schluss, es han­de­le si­ch um ei­ne rei­ne Luft­num­mer aus Grün­den der Selbst­dar­stel­lung, weil si­ch taz & Co. be­geis­tert auf al­les stür­zen, was si­ch mit dem La­bel „fe­mi­nis­ti­sch“ be­wirbt.

  6. Goofos sagt:

    @Dirk
    Dan­ke für den Text. Du hast mei­nen Re­spekt da­für das auch no­ch auf­zu­schrei­ben 🙂

  7. Robert sagt:

    5’56

    Lena: Ge­n­au, die Schutz­räume. Ja, ich war schon­mal in so ei­ner Situa­tion, in der ich mir ge­wünscht hät­te, dass ich ge­schützt wer­de. Das bedeu­tet zum Bei­spiel, dass ich mir ge­wünscht hät­te, dass mir zum Bei­spiel nicht ei­ne an­de­re Frau in den Rü­cken fällt, in dem Mo­ment in dem ich ver­su­che, et­was zu the­ma­ti­sie­ren.
    —-

    Sehr sin­nig, sie for­dert al­so den Schutz­raum oh­ne Män­ner, weil ihr an­de­re Frau­en in den Rü­cken ge­fal­len sind. Muss man, glau­be ich, als ei­ni­ger­mas­sen lo­gi­sch den­ken­der Men­sch wohl nicht ver­ste­hen …

    Ro­bert

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  10. Flexi sagt:

    Das gan­ze „Post-„Diskriminierungs-Phenomen
    ist mal su­per bei Sou­th Park be­han­delt wor­den.

    http://​www​.south​park​.de/​c​l​i​p​s​/​s​p​_​v​i​d​_​1​0​3​4​52/

    Lena moech­te ich ein­fach nur ant­wor­ten:
    Denk mal dar­über nach!

  11. Enno sagt:

    Klingt ja al­les schön und gut und wür­de ich auch zu 99% un­ter­schrei­ben, was Lena da sagt. Es passt aber ir­gend­wie nicht zu http://​pi​ra​ten​frau​.net/​?​p​=​218

  12. Anon sagt:

    Hand­werk­li­ch und zeit­li­ch ist die­se Diskussion/​Pressemitteilung ei­ne Ka­ta­stro­phe für die Par­tei und be­schä­digt ih­ren Ruf. Lena da­mit ha­ben sie Ih­rer Par­tei ei­nen wah­ren Bä­ren­dienst er­wie­sen.

    In­halt­li­ch ge­be ich Lena zu­min­dest teil­wei­se recht.

  13. vera sagt:

    in min. 25’50 ist dir ein link in den text ge­rutscht ,)

  14. vera sagt:

    Dan­ke für’s Tran­skri­bie­ren; bin im­mer sehr dank­bar, weil ich nur 768 kb/​s kann.

  15. Wel­ch ein Sturm im Was­ser­glas? Lasst die Lena doch ihr Ding ein­fach ma­chen, ist doch nicht schlimm. Er­st wenn’s aus­ar­ten soll­te, kann man ja mal höf­li­ch in­ter­ve­nie­ren. Ab­ge­se­hen da­von gibt es si­cher­li­ch wich­ti­ge­re Din­ge, wo­mit si­ch die Pi­ra­ten­par­tei be­schäf­ti­gen soll­te, an­statt in den ei­ge­nen Rei­hen ei­nen Ge­schlech­ter­kampf aus­zu­tra­gen, den kei­ne Sei­te je ge­win­nen kann. Der gan­ze Sach­ver­halt ist so kin­di­sch, dass man glau­ben könn­te, im Sand­kas­ten tobt der Vor­schul­krieg um die Plas­tik­schau­fel. Wie wär’s denn zur Ab­wechs­lung mit ei­nem an­de­ren The­ma: Vor­rats­da­ten­spei­che­rung – Prä­ko­gni­ti­on der längs­ten Pra­li­ne der Welt(www.guedesweiler.wordpress.com)

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  17. Gert-Rainer Mantwill sagt:

    Nun muss ich ge­ste­hen, dass ich das gan­ze über­haupt nicht ver­ste­he. Ich be­schwe­re mi­ch aber nicht dar­über, das nicht zu ver­te­hen, ma­che An­de­ren aber kei­nen Vor­wurf, dass sie mir beim Nicht­ver­ste­hen nicht den Rü­cken stär­ken.

    Herz­li­che Grü­ße aus Tostedt
    von DAS Pi­rat
    Gert-Rai­ner MAnt­will

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