Der Blogautor und sein Opa, 1974

Hannover damals und heute: Die Macher


Der Blogautor und sein Opa, 1974

Der Blog­au­tor und sein Opa, 1974

Ich habe an den letz­ten 25 Tagen jeweils ein Foto aus Han­no­ver gezeigt, das mein Opa gemacht hat. Dazu muss man sagen: Mein Opa war gar kein gebür­ti­ger Han­no­ve­ra­ner. Er ist 1924 im schle­si­schen Lie­gnitz gebo­ren und hat eine die­ser gebro­che­nen Bio­gra­fi­en, die für sei­ne Jahr­gän­ge nicht unty­pisch sind. Blö­der­wei­se hat­te mein Opa genau das rich­ti­ge Alter, den gan­zen Nazi-Wahn­sinn ab 1933 live und in Far­be mit­ma­chen zu dür­fen. Inklu­si­ve not­dürf­ti­gem Schul­ab­schluss Anfang der 1940er Jah­re und post­wen­den­der Ver­frach­tung an die Ost­front, „Lebens­raum” schaf­fen.

Mein Opa hat mir – viel spä­ter – mal erzählt, dass er – und eigent­lich alle sei­ne Schul­ka­me­ra­den – den Nazis voll auf den Leim gegan­gen ist: „Wir fan­den es toll, dass wir end­lich in den Krieg zie­hen durf­ten!” Der Taten­drang bekam einen sehr abrup­ten und sehr nach­hal­ti­gen Dämp­fer, als nach dem ers­ten Gefecht mit der Roten Armee zwei ehe­ma­li­ge Schul­freun­de von ihm tot auf dem Geschütz­wa­gen ins Lager zurück­ge­fah­ren wur­den.

Mein Opa hat den Krieg über­lebt (logisch, sonst wär’s nicht mein Opa…). Nach dem Krieg hat es ihn erst nach Wolfs­burg ver­schla­gen und dann über Helm­stedt schließ­lich Ende der 1960er Jah­re nach Han­no­ver. Dort sind er und mei­ne Groß­mutter lan­ge Jah­re geblie­ben. 2003 sind sie noch­mal umge­zo­gen – erst nach Höx­ter ins Weser­berg­land und schließ­lich ins ost­frie­si­sche Mari­en­ha­fe. 2009, mit 85 Jah­ren, ist mein Opa schließ­lich gestor­ben. Lei­der hat­te er sich von einer Hüft­ope­ra­ti­on 2005 nie mehr ganz erholt, die begin­nen­de Demenz war von der Nar­ko­se mas­siv ver­schlim­mert wor­den. Und dass Opa Herz­pro­ble­me und Angi­na Pec­to­ris hat­te, bekam ich schon als Kind mit.

Der Blogautor und sein Opa, 2008

Der Blog­au­tor und sein Opa, 2008

Der Nach­lass mei­nes Opas hat kei­ne im mone­tä­ren Sin­ne „wert­vol­len” Din­ge ent­hal­ten. Das umfang­rei­che Foto­ar­chiv – vor allem mit dem über­durch­schnitt­li­chen Archi­vie­rungs­grad – hat aber einen sehr gro­ßen ide­el­len Wert. Opa hat Jahr­zehn­te Fami­li­en­ge­schich­te fest­ge­hal­ten. Gera­de die 1970er und 1980er Jah­re – mei­ne eige­ne Kind­heit und Jugend – sind beim Digi­ta­li­sie­ren für mich noch­mal leben­dig gewor­den. Es war mir eine gro­ße Freu­de, hier mal einen klei­nen Teil die­ses Archivs zu nut­zen und die Fotos zu zei­gen.

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