Um­ge­stal­tung „Am Mar­stall“: Än­de­rungs­an­trag zur Rad­ver­kehrs­füh­rung 4


Die Stadt will den Mar­stall um­ge­stal­ten. Seit letz­ter Wo­che liegt die Druck­sa­che vor. Lei­der hat die Stadt da­bei den Rad­ver­kehr völ­lig ver­ges­sen bzw. über­se­hen. Ich ha­be des­halb heu­te fol­gen­den Än­de­rungs­an­trag zu der Druck­sa­che ein­ge­bracht:

Än­de­rungs­an­trag zu Druck­sa­che Nr. 0689/2016 – Um­ge­stal­tung des Be­rei­ches Am Mar­stall

zur Sit­zung am 2016-04-20 in den Stadt­ent­wick­lungs- und Bau­aus­schuss

Der An­trags­text wird wie folgt er­gänzt:

Auf dem Mar­stall wird ab­wei­chend von An­la­ge 1 der Ur­sprungs­druck­sa­che ei­ne durch­ge­hen­de 2-Rich­tungs-Rad­ver­kehrs­an­la­ge in der Ach­se Mar­tin-Neuf­fer-Brü­cke – Hei­li­ger­stra­ße an­ge­legt. Im Ein­zel­nen:

  1. Zwi­schen Mar­tin-Neuf­fer-Brü­cke und Burg­stra­ße wird ein min­des­tens 2,5 m brei­ter 2-Rich­tungs-Rad­weg an­ge­legt.
  2. Zwi­schen Burg­stra­ße und Kno­chen­hau­er­stra­ße wird die Fahr­bahn­brei­te am süd­li­chen Mar­stall­platz auf min­des­tens 4 m, bes­ser 4,5 m er­höht und ei­ne 2-Rich­tungs-Rad­weg­füh­rung dar­ge­stellt. Die Ein­bahn­re­ge­lung für den Kfz-Ver­kehr bleibt da­von un­be­rührt.
  3. Zwi­schen Burg­stra­ße und Schmie­de­stra­ße wird der Stra­ßen­zug am süd­li­chen Mar­stall­platz als Fahr­rad­stra­ße aus­ge­schil­dert.
  4. Die ge­sam­te Rad­ver­kehrs­an­la­ge zwi­schen Mar­tin-Neuf­fer-Brü­cke und Schmie­de­stra­ße wird mit fahr­rad­freund­li­chem Asphalt­be­lag ver­se­hen.
Darum geht es: Durchgängige Radverkehrsführung am Marstall

Dar­um geht es: Durch­gän­gi­ge Rad­ver­kehrs­füh­rung am Mar­stall, Kar­ten­grund­la­ge: Open­Street­Map

Be­grün­dung

Der Mar­stall ist im Leit­bild Rad­ver­kehr zu Recht als Haupt­ver­bin­dung für den Rad­ver­kehr de­fi­niert. Bis­lang ist die Rad­ver­kehrs­füh­rung dort nur mä­ßig, zu­min­dest aber kom­men Rad­fah­rer in bei­de Rich­tun­gen auf der Fahr­bahn über den Platz. Vor dem Hin­ter­grund der all­ge­mei­nen Zu­nah­me des Rad­ver­kehrs so­wie im Be­son­de­ren der ab­neh­men­den At­trak­ti­vi­tät der Goe­the­s­tra­ße für den Rad­ver­kehr im Zu­ge der Stra­ßen­bahn-Um­bau­ten wird die Rad­ver­kehrs­men­ge auf dem Mar­stall zu­künf­tig eher zu­neh­men.

Lei­der wird in den Plä­nen zur Um­ge­stal­tung des Mar­stalls der Rad­ver­kehr nicht ent­spre­chend be­rück­sich­tigt: Die Fahr­bahn auf der Nord­sei­te ist mit 5,9 m Brei­te zu schmal für ei­ne ERA-kon­for­me Rad­ver­kehrs­füh­rung auf der Fahr­bahn, zu­mal bei dem durch die Um­lei­tung der Ver­kehrs­strö­me zur Goe­the­s­tra­ße zu er­war­ten­den Mehr­ver­kehr. Die ge­plan­te Ein­bahn-Eng­stel­le zwi­schen Reu­ter­stra­ße und Burg­stra­ße lässt zu­dem ei­ne ge­fahr­lo­se Füh­rung des Rad­ver­kehrs Rich­tung Am Ho­hen Ufer im Ein­bahn-Ge­gen­ver­kehr nicht zu. Das glei­che gilt für die Fahr­bahn auf der Süd­sei­te zwi­schen Burg­stra­ße und Kno­chen­hau­er­stra­ße. Zu­dem ist auf der ge­sam­ten Süd­sei­te ei­ne ge­pflas­ter­te Fahr­bah­no­ber­flä­che vor­ge­se­hen, die nicht rad­ver­kehrs­freund­li­ch ist.

Der Än­de­rungs­an­trag gibt dem Rad­ver­kehr ei­nen de­fi­nier­ten Ver­kehrs­raum. An­gel­punkt hier­für ist die Mar­tin-Neuf­fer-Brü­cke, die den Rad­ver­kehr auf der West­sei­te des Mar­stall in Rich­tung Leib­nizu­fer ab­lei­tet. In der Ver­län­ge­rung der Brü­cke wird ei­ne Rad­ver­kehrs­ach­se ge­stal­tet, die den Rad­ver­kehr in bei­de Rich­tun­gen auf­nimmt und den An­sprü­chen ei­ner mo­der­nen Rad­ver­kehrs­füh­rung ent­spre­chend über den Platz lei­tet. An der Schmie­de­stra­ße wird der Rad­ver­kehr so di­rekt an den Ci­ty-Rad-Ring an­ge­bun­den.

Die Stadt Han­no­ver räumt der För­de­rung des Rad­ver­kehrs ei­nen ho­hen Stel­len­wert ein. Bei um­fang­rei­chen Um­ge­stal­tungs­pro­jek­ten wie hier am Mar­stall muss das zu ei­ner ge­eig­ne­ten Be­rück­sich­ti­gung der Be­lan­ge des Rad­ver­kehrs füh­ren. Die­ser Än­de­rungs­an­trag schließt die dies­züg­li­che Lü­cke der Ur­sprungs­druck­sa­che.

Da­zu gibt es auch ei­ne Pres­se­mit­tei­lung:

„Frust auf Fahr­rad statt Lust auf Fahr­rad?“

Um­ge­stal­tungs­plä­ne Am Mar­stall – Rad­ver­kehr ver­ges­sen

Die von der Stadt vor­ge­stell­ten Um­ge­stal­tungs­plä­ne für den Mar­stall ha­ben er­heb­li­chen Über­ar­bei­tungs­be­darf in Be­zug auf die Rad­ver­kehrs­füh­rung. Pi­ra­ten-Rats­herr Dirk Hill­brecht kri­ti­siert: „Der Mar­stall ist ei­ne wich­ti­ge Rad­ver­kehrs­rou­te in die In­nen­stadt. Im Leit­bild Rad­ver­kehr ist er zu Recht als Haupt­rou­te ein­ge­zeich­net, in den Um­ge­stal­tungs­plä­nen fin­det si­ch aber kein Wort und kei­ne Zeich­nung zur Rad­ver­kehrs­füh­rung.“

Ins­be­son­de­re die An­bin­dung der Rad­ver­kehrs­ach­se von der Mar­tin-Neuf­fer-Brü­cke zum Mar­stall ist in den Plä­nen voll­kom­men un­klar. Hill­brecht er­läu­tert: „Auf der Nord­sei­te des Plat­zes wird der Ver­kehr durch die Ab­lei­tung aus der Goe­the­s­tra­ße zu­künf­tig deut­li­ch un­über­sicht­li­cher. Auf der Süd­sei­te wird ei­ne ver­eng­te Fahr­bahn mit für Rad­ver­kehr un­ge­eig­ne­ter Pflas­te­rung ge­baut und auf bei­den Sei­ten müss­ten Rad­fah­rer in Rich­tung Leib­nizu­fer zu­künf­tig ei­nen Teil der Stre­cke im Ein­bahn­stra­ßen-Ge­gen­ver­kehr zu­rück­le­gen. Da­für sind die 3,5 m brei­ten Fahr­bah­nen aber zu eng, un­an­ge­neh­me Ge­fah­ren­si­tua­tio­nen wer­den da­mit ge­ra­de­zu pro­vo­ziert.“

Hill­brecht schlägt vor, statt­des­sen auf der Süd­sei­te ei­ne vom Au­to­d­urch­gangs­ver­kehr un­ab­hän­gig ge­führ­te Fahr­rad­tras­se an­zu­le­gen: „Von der Mar­tin-Neuf­fer-Brü­cke bis zur Hei­li­ger­stra­ße wird ei­ne min­des­tens vier Me­ter brei­te asphal­tier­te Rad­weg­tras­se für den Rad­ver­kehr in bei­de Rich­tun­gen an­ge­legt, die zwi­schen Burg­stra­ße und Schmie­de­stra­ße als Fahr­rad­stra­ße aus­ge­schil­dert wird. Die Ein­bahn­re­ge­lun­gen für den Au­to­ver­kehr blei­ben da­von un­be­rührt.“

Die Stadt Han­no­ver hat si­ch zu Recht die För­de­rung des Rad­ver­kehrs auf die Fah­nen ge­schrie­ben. Hill­brecht for­dert: „Es muss selbst­ver­ständ­li­ch sein, dass bei der­art zen­tra­len Um­ge­stal­tun­gen wie hier am Mar­stall für den Rad­ver­kehr ein den selbst for­mu­lier­ten An­sprü­chen ent­spre­chen­der Ver­kehrs­raum ein­ge­rich­tet wird. In den bis­he­ri­gen Pla­nun­gen ist da­von lei­der nichts zu se­hen“. Mit Bli­ck auf die ge­ra­de ge­star­te­te Wer­be­kam­pa­gne „Lust auf Fahr­rad“ warnt er: „Den schö­nen Wer­be­wor­ten müs­sen dann aber auch bau­li­che Ta­ten fol­gen. Son­st wird aus der ‚Lust auf Fahr­rad‘ ganz schnell ein ‚Frust auf Fahr­rad‘.“

…und nun bin ich mal ge­spannt, ob die viel be­schwo­re­ne „För­de­rung des Rad­ver­kehrs“, die si­ch Han­no­ver ja so gern auf die Fah­nen schreibt, tat­säch­li­ch auch mal um­ge­setzt wird, wenn die Mög­lich­keit da­zu be­steht.


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4 Gedanken zu “Um­ge­stal­tung „Am Mar­stall“: Än­de­rungs­an­trag zur Rad­ver­kehrs­füh­rung