Der zwei­te Tod des Lo­riot: Von der Bank­rott­er­klä­rung des Ur­he­ber­rechts 18


Am 22. Au­gust 2011 starb Vic­co von Bü­low, bes­ser be­kannt als Lo­riot. Von Bü­lows Ein­fluss auf die Po­pu­lär­kul­tur der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in den letz­ten 40 Jah­ren ist er­heb­li­ch: Be­grif­fe wie „Jo­del­di­plom“ oder Re­de­wen­dun­gen wie „Die Ente bleibt drau­ßen!“ sind in die deut­sche Um­gangs­spra­che ein­ge­gan­gen und sein fil­mi­sches und li­te­ra­ri­sches Werk sind wei­ten Tei­len der Be­völ­ke­rung ge­läu­fig.

Die­ser Ta­ge stirbt Lo­riot ei­nen zwei­ten Tod. Ab­zu­se­hen war dies be­reits vor ei­ni­gen Ta­gen, als Hei­se On­line ver­mel­de­te, die Lo­riot-Er­ben hät­ten die Wi­ki­pe­dia we­gen der Ab­bil­dung von Brief­mar­ken mit ty­pi­schen Lo­riot-Mo­ti­ven ver­klagt. Nun hat die Lin­küber­wa­chung mei­nes Blog bei mei­nem Link auf ei­ne Youtube-Ver­öf­fent­li­chung der „Weih­nach­ten bei Hop­pen­stedts“ zu­ge­schla­gen. Und in der Tat sieht der ge­neig­te Be­trach­ter nun nur no­ch dies:

Weihnachten bei Hoppenstedts: In die Röhre geschaut

Weih­nach­ten bei Hop­pen­stedts: In die Röh­re ge­schaut

Wir wer­den hier Zeu­ge der de­sas­trö­sen Aus­wir­kun­gen un­se­res ak­tu­el­len Ur­he­ber­rechts­re­gimes auf die kul­tu­rel­le Welt un­se­res Lan­des. Ein­zel­ne, am Ent­ste­hungs­pro­zess weit­ge­hend Un­be­tei­lig­te, ent­zie­hen der Ge­sell­schaft Grund­la­gen ih­res kul­tu­rel­len Wis­sens­schat­zes – le­gal und un­ter An­wen­dung äu­ßer­st re­strik­ti­ver ju­ris­ti­scher Werk­zeu­ge. Ich un­ter­stel­le mal, dass dies aus wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen ge­schieht. Und das macht die Sa­che völ­lig zur Far­ce. Denn: Dass ein wirt­schaft­li­ches In­ter­es­se an den in­kri­mi­nier­ten In­hal­ten be­steht, ist ja über­haupt nur eben­die­ser Ge­sell­schaft zu ver­dan­ken, die si­ch da­für in­ter­es­siert.

Schwie­rig zu ver­ste­hen? Ich ver­su­che es noch­mal an­ders her­um: Ein Künst­ler schafft ein Werk. Er macht dies öf­fent­li­ch, um In­ter­es­se zu we­cken und – üb­li­cher­wei­se – ei­nen wirt­schaft­li­chen Wert zu schaf­fen. Die­ser tritt ein, wenn es tat­säch­li­ch Men­schen gibt, die si­ch für das Werk in­ter­es­sie­ren. Dar­auf­hin ist es dem Künst­ler oder auch ei­nem be­rech­tig­ten Drit­ten mög­li­ch, der nun­mehr in­ter­es­sier­ten Öf­fent­lich­keit das Werk wie­der zu ent­zie­hen und mit ri­gi­des­ten Rechts­mit­teln ge­gen die wei­te­re Öf­fent­lich­keit des Wer­kes vor­zu­ge­hen. Und Lo­riot ist kein Ein­zel­fall: Wer er­in­nert si­ch no­ch an das in­fan­ti­le „Schnappi“-Krokodil? Wie war das mit den Har­ry-Pot­ter-Fans, die nach den sen­sa­tio­nel­len Ver­kaufs­er­fol­gen plötz­li­ch ju­ris­ti­schem Sperr­feu­er aus­ge­setzt wa­ren?

Fühlt si­ch hier no­ch wer für dumm ver­kauft?

Es mag vie­len von uns nicht be­wusst sein, aber die „west­li­che Welt“ hat in den ver­gan­ge­nen 50 Jah­ren ei­nes der re­pres­sivs­ten, öf­fent­lich­keits­feind­lichs­ten und ins­ge­samt kul­tur­schäd­lichs­ten Ur­he­ber­rechts- und Ver­wer­tungs­re­gime der Mensch­heits­ge­schich­te in­stal­liert. Nur so sind Me­cha­nis­men wie die oben ge­schil­der­ten durch­setz­bar – zum Scha­den al­ler Be­tei­lig­ten. Kul­tu­rel­le Wer­ke kön­nen auf Zu­ruf der Öf­fent­lich­keit ent­zo­gen wer­den, ein In­ter­es­sens­aus­gleich für eben die­se Öf­fent­lich­keit – die durch ihr In­ter­es­se ja über­haupt er­st ei­ne Grund­la­ge für die Re­le­vanz des Kul­tur­guts ge­schaf­fen hat – fin­det nicht statt. Er­staun­li­ch, dass der­lei Trei­ben so un­wi­der­spro­chen in Öf­fent­lich­keit und Po­li­tik bleibt.

Als Pi­rat (in der 2. Be­deu­tung des Wor­tes) wer­de ich häu­fi­ger auf un­se­re Po­si­tio­nen zum Ur­he­ber­recht an­ge­spro­chen. „Ihr wollt ja, dass al­le al­les ko­pie­ren kön­nen, wo­von sol­len die Künst­ler denn le­ben?“ be­kom­me ich dann mit leicht vor­wurfs­vol­lem Ton­fall zu hö­ren. Ich ant­wor­te dann stets, dass Pi­ra­tens eben nicht die völ­li­ge Ab­schaf­fung von Ur­he­ber­recht und Wert­schöp­fung for­dern. Aber die Waa­ge zwi­schen den ver­schie­de­nen An­sprü­chen muss neu aus­ta­riert wer­den. Der Ge­sell­schaft sind im mo­men­ta­nen Sys­tem al­le Rech­te an ih­ren ei­ge­nen kul­tu­rel­len Wur­zeln ge­nom­men. Das pas­siert des­halb, weil so­ge­nann­te Schutz­rech­te in völ­lig aus­geufer­ter Wei­se er­teilt und durch­ge­setzt wer­den. Ge­ra­de vor dem Hin­ter­grund der tech­ni­schen Ent­wick­lung der letz­ten 20 Jah­re muss es hier zu ei­ner Kor­rek­tur zu Las­ten der so­ge­nann­ten Rech­te­inha­ber zu Guns­ten der All­ge­mein­heit kom­men. Und das be­deu­tet:

  • Mas­si­ve Kür­zung von Schutz­fris­ten an kul­tu­rel­len Wer­ken
  • Schutz­zeitori­en­tie­rung am Ent­ste­hungs- oder Ver­öf­fent­lich­keits­zeit­punkt des Wer­kes, nicht am Tod des Werk­schaf­fen­den
  • Vor­zei­ti­ges Er­lö­schen von Schutz­rech­ten mit dem Tod des Werk­schaf­fen­den
  • Kei­ne Aus­wei­tung von Schutz­rechts­an­sprü­chen, zum Bei­spiel durch ein Leis­tungs­schutz­recht für Ver­le­ger
  • Un­ter­schei­dung von kom­mer­zi­el­ler und nicht-kom­mer­zi­el­ler Nut­zung ei­nes Wer­kes
  • Ab­schaf­fung von Be­weis­last­um­kehr­me­cha­nis­men wie der völ­lig über­hol­ten „GE­MA-Ver­mu­tung
  • All­ge­mei­ne För­de­rung von al­ter­na­ti­ven Li­zenz­mo­del­len wie „Crea­ti­ve Com­mons“ durch ver­stärk­te Nut­zung durch öf­fent­li­che Stel­len

Lo­riot ist tot. Für ihn ist der Hick-Hack um sein Werk nicht mehr re­le­vant. Wir als Ge­sell­schaft se­hen uns jetzt Ver­wer­ten sei­nes Wer­kes ge­gen­über, de­nen es – so stellt es si­ch für mi­ch dar – nicht um die Kul­tur, son­dern um ih­re Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen geht. Das kann man ih­nen, so fair muss man sein, gar nicht wirk­li­ch an­las­ten. Denn der Feh­ler liegt in ei­nem Sys­tem, das sol­ches Vor­ge­hen über­haupt er­st er­mög­licht.

Und das müs­sen wir än­dern!


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

18 Gedanken zu “Der zwei­te Tod des Lo­riot: Von der Bank­rott­er­klä­rung des Ur­he­ber­rechts

  • Hulla

    Er­ben ist und sind schlecht. Das be­trifft ne­ben ge­erb­ten „Rech­ten“ auch al­le Ar­ten von Wer­ten. Al­les, was über er­erb­te 250.000 EUR (will­kür­li­che Phan­ta­sie­zahl als Dis­kus­si­ons­grund­la­ge) hin­aus­geht, soll­te si­ch der Er­be durch ei­ne Leis­tung ver­die­nen. Son­st för­dern wir die fal­schen Leu­te.

  • meinewenigkeit

    ihr ver­sucht ein­fach nur je­man­den zu be­steh­len, der si­ch nicht be­steh­len las­sen will. wenn hier et­was zu ver­ur­teui­len ist, dann al­len­falls eu­re maß­lo­se gier und un­ver­schämt­heit im um­gang mit and­rer leu­te ei­gen­tum.

    • unseremehrheit

      Das letz­te Hemd hat kei­ne Ta­schen. Lo­riot ist tot, was soll man dem no­ch steh­len? Und über­haupt, seit wann ist es steh­len, wenn ich mir was an­schaue (auf Youtube)? Du mein­st, weil es auf Youtube steht, kauft kei­ner die DVDs mit Lo­riot drauf, al­so sti­elt der­je­ni­ge, der den Film auf Youtube stellt, die DVD? Wie, durch te­le­pa­thi­sche An­ni­hilati­on al­ler Ko­pi­en der DVD im Aus­lie­fe­rungs­la­ger? Und: hast Du über­haupt be­grif­fen, wor­um es beim Be­griff Kul­tur­gut geht?

      • meinewenigkeit

        hast du dei­ner­seits denn über­haupt be­grif­fen, wor­um es bei dem be­griff „geis­ti­ges ei­gen­tum“ geht?
        ich ver­su­ch dir das mit dem geis­ti­gen ei­gen­tum mal zu er­klä­ren, da­mit du das auch ver­stehst: ich zum bei­spiel schrei­be lus­ti­ge klei­ne sa­chen für zeit­schrif­ten und zei­tun­gen. ver­die­ne mir da­mit mei­nen le­bens­un­ter­halt. für mie­te, es­sen, all das zeug. und ir­gend­wann ent­wi­ckelt dann ein typ aus dem welt­netz, of­fen­bar ein gro­ßer fan von mir, die un­schö­ne an­ge­wohn­heit, mei­ne sa­chen ab­zu­tip­pen und auf sei­ne web­sei­te zu stel­len. ein­fach so. nun ist der dieb­stahl von tex­ten, die ich her­ge­stellt ha­be und von de­ren ver­kauf ich le­ben muss, nicht viel an­de­res, als wür­de man ei­nem schuh­ma­cher ei­ne kis­te schu­he aus der werk­statt klau­en.

        gut. al­so ich mai­le die knall­tü­te an, er­st nett, dann we­ni­ger nett. er sol­le doch bit­te mei­ne sa­chen von sei­ner web­sei­te neh­men.- nö, sieht er gar nicht ein. und ich sol­le mi­ch mal nicht so ha­ben. dann kün­di­ge ihm an, ihm ei­ne ho­no­rar­rech­nung zu schi­cken. – er ist be­lei­digt. ho­no­rar? geld? wie­so denn? ich sol­le doch froh sein, dass er mei­ne sa­chen so mag.
        als ich ihm dann mit ei­ner ab­mah­nung dro­he, löscht er endlcih mei­nen kram von sei­ner sei­te. ver­mut­li­ch hasst er mi­ch no­ch heu­te. wor­auf ich hin­aus­will ist, dass das be­s­te ar­gu­ment ge­gen „fans“ die ei­nen oh­ne je­des un­rechts­be­wusst­sein be­steh­len, im­mer­no­ch ein gu­ter an­walt ist. ich hof­fe, du hast das jetzt ver­stan­den, vor al­lem den teil mit dem schus­ter und der kis­te schu­he.

        • Mark

          „geis­ti­ges ei­gen­tum“ ist ei­ne Er­fin­dung. Nir­gends läßt si­ch das ab­lei­ten. Ei­ne Krü­cke der er­fun­den wur­de, Ei­gen­tums­rech­te auf im­ma­te­ri­el­le Gü­ter zu er­wei­tern.

          Selbst wenn es so et­was ge­be so gilt dann auch das Grund­ge­setz: Ei­gen­tum ver­pflich­tet. Das blen­den die „geis­ti­gen Ei­gen­tü­mer“ ger­ne aus.

  • lifeday

    Ge­n­au die­se Fra­gen ha­be ich mir schon hun­dert­mal ge­stellt und ich bin eben­falls zum obi­gen Er­geb­nis ge­kom­men. Hier han­delt es si­ch nicht um ver­nünf­ti­ge Ver­wal­tung ei­nes Nach­las­ses hier han­delt es si­ch um rei­ne Geld­gier.
    Schau ich mir den Fall Erich Käst­ner an, könn­te ich heu­len. Die Aus­sa­ge­kraft sei­ner Ge­dich­te gel­ten heu­te no­ch ge­nauso, wie da­mals. Und sei­ne gie­ri­gen Nach­fah­ren ge­hen so­gar vor Ge­richt, wenn Erich Käst­ner in ei­nem Text zi­tiert wird. Schlim­mer gehts nim­mer.
    Da ver­schwin­den Künst­ler, Mu­si­ker, Sän­ger in der Ver­sen­kung, weil die Nach­kom­men nur ge­gen ba­res am wei­te­ren Ver­trieb in­ter­es­siert sind. Ja, da­durch wird uns ein wich­ti­ger Teil un­se­rer Kul­tur ge­nom­men.
    Ich hof­fe, dass es Kräf­te hier in die­sem Lan­de gibt, die bei der Neu­ge­stal­tung des Ur­he­ber­rechts nicht nur Dol­lar­zei­chen in den Au­gen ha­ben.

  • maik

    in ir­gend­ei­ner zei­tung stand auch an­läss­li­ch sei­nes to­des, dass si­ch lo­riot in sei­nen letz­ten le­bens­jah­ren sehr dar­über freu­te, dass die ju­gend sei­ne wer­ke auf youtube und auch auf dem han­dy an­sieht.

  • Hans Retep

    Lo­riot ist si­cher nicht ein zwei­tes Mal ge­stor­ben. Ich weiß nicht mehr wie vie­le Jah­re es her ist, aber es hat mal ein Ab­ster­ben von Fan­sei­ten ge­ge­ben, weil je­mand auf Ur­he­ber­rech­te ge­pocht hat.
    Dei­ne ers­ten drei „Lö­sungs­punk­te“ schwä­chen ganz si­cher die Po­si­ti­on der Kul­tur­schaf­fen­den bzw. der „so ge­nann­ten Rech­te­inha­ber“, wie du sie nenn­st. Sie stär­ken da­für die Po­si­ti­on der Dis­tri­bu­to­ren, da je­der mit den Wer­ken nach Ab­lauf der ver­kürz­ten Schutz­fris­ten Geld ver­die­nen darf. Es kommt halt nur no­ch auf die Ver­pa­ckung an, ob das ge­lingt.
    Ei­ne Lö­sung ha­be ich al­ler­dings auch nicht. Ich wär schon glück­li­ch, wenn die Leu­te, die Tex­te ko­pie­ren und wo­an­ders ver­öf­fent­li­chen, we­nigs­tens ei­nen Link zur Ori­gi­nal­quel­le setz­ten. Aber oft ge­nug wird selbst der Au­to­ren­na­me ein­fach „ver­ges­sen“.

  • Richard

    So­lan­ge si­ch ‚Er­ben‘ (wer ist das im Fal­le Lo­riot ei­gent­li­ch GE­N­AU?) hin­ter ei­ner Wand aus An­ony­mi­tät, sei es ein An­walt oder ir­gend­et­was an­de­res, ver­ber­gen kön­nen, wird si­ch dar­an nicht viel än­dern. Ich hat­te gern, dass si­ch ein ‚Er­be‘ Lo­ri­ots öf­fent­li­ch vor ei­ne Ka­me­ra stellt (stel­len muss) um der Ge­sell­schaft zu er­klä­ren, war­um er denn nun den Zu­gang nach dem Tod des Erb­las­sers re­gle­men­tiert bzw. ein­schränkt.

  • Andreas Dorfer

    Dem et­was lang­fris­ti­ge­ren Be­tra­cher wird even­tu­ell auf­ge­fal­len sein, dass bei der Lö­schung von Lo­riot-Vi­deos auf den gän­gi­gen Plat­for­men (Youtube, My­Vi­deo…) be­reits so­et­was wie ei­ne „be­trieb­li­che Übung“ be­steht.
    Denn zu Leb­zei­t­en von Bü­lows hat es be­reits (min­des­tens) zwei sol­che „Wel­len“ ge­ge­ben.
    Im Ge­gen­zug gab es dann je­weils ir­gend­wel­che 30-60s-Teaser, die mit ei­nem klas­si­chen Cliff­han­ger statt der Poin­te ei­ne Re­kla­me für ei­ne Kauf-DVD samt Be­zugs­quel­len dem ge­neig­ten Be­trach­ter zeig­ten.

    Da­mals wur­de be­reits ge­unkt, dass von Bü­low schwer er­krankt sei und nun -im Ge­gen­satz zu sei­nen in frü­he­ren Jah­ren ge­äus­ser­ten Vor­stel­lun­gen zur All­ge­mein­ver­füg­bar­keit sei­ner Wer­ke und de­ren wei­test­ge­hend frei­er Ver­füg­bar­keit, vgl. z.B. In­ter­view von 2005- ein ak­tu­ter Geld­be­darf ein­ge­tre­ten sei, der nur über sol­che Ak­tio­nen zu de­cken ist.

    Ab­ge­se­hen da­von be­har­re ich auf mei­ner Mei­nung, dass die Wer­ke, die von Bü­low als Auf­trags­pro­duk­ti­on für „Ra­dio Bre­men“ (ARD-An­stalt des Lan­des Bre­men) in den 1970ern ge­schaf­fen hat, dass die­se Wer­ke be­reits durch den Fern­seh­ge­büh­ren­zah­ler (GEZ…) ab­ge­gol­ten wor­den sind.

    Die bri­ti­sche BBC stellt sol­che vom der All­ge­mein­heit be­zahl­ten Wer­ke (TV/​Radio) un­ter frei­er Crea­ti­ve-Com­mons-Li­zenz ins Netz.

  • filtercake

    der feh­ler liegt zur hälf­te im mo­men­ta­nen ur­he­ber­rechts-sys­tem, da hast du selbst­ver­ständ­li­ch völ­lig recht.

    er liegt zur an­de­ren hälf­te aber auch im in­dus­tri­el­len sys­tem der mas­se und wie es un­se­re ge­sell­schaft no­ch auf jahr­zehn­te im vor­aus durch­pro­gram­miert hat. ich ha­be ei­ni­ge jah­re lang ver­sucht, mit-mu­si­kern, be­freun­de­ten bands oder auch klei­nen la­bels sol­che din­ge wie cc-li­zen­zen, „das in­ter­net“ u.ä. über­haupt ins blick­feld zu rü­cken. das echo be­stand oft aus ei­ner kru­den mi­schung aus ar­ro­ganz, igno­ranz und des­in­ter­es­se. es ist kaum zu fas­sen, wie vie­le da drau­ßen im­mer no­ch der mär vom „groß raus­kom­men“ an­hän­gen — und das trifft ge­nauso auf au­to­ren, künst­ler, re­gis­seu­re etc wie auf mu­si­ker zu. die­ses „groß raus­kom­men“ ba­siert aber ge­n­au auf dem kru­den fun­da­ment aus künst­li­cher ver­knap­pung durch ver­triebs­kon­trol­le, dass auch die lo­riot-er­ben ge­ra­de ex­er­zie­ren. so­lan­ge auch nach­wuchs-künst­ler lie­ber ex­klu­siv-ver­trä­ge un­ter­schrei­ben, weil man das eben frü­her im­mer so ge­macht hat und ein chan­ce von 1:1 mil auf mas­sen­er­folg ga­ran­tiert, so­lan­ge wird al­les so blei­ben wie es ist.

    mei­ne fra­ge ist: wie­so kann man frei han­deln­den in­di­vi­du­en ih­re „par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen“ nicht vor­wer­fen?! und wie­so nenn­st du es über­haupt „par­ti­ku­lar­in­ter­es­se“ an­statt ein­fach „gier“, wenn du doch selbst von von fi­nan­zi­el­len in­ter­es­sen aus­gehst? das trifft auf die klei­ne band von ne­ben­an ge­nauso zu wie auf die lo­riot-er­ben.

    • Werner Nieke

      Du triffst für mi­ch den Nagel/​die Nä­gel auf den Kopf! Es ist die­se wi­der­wär­ti­ge Sup­pe aus Igno­ranz (al­so i.S.v. Nicht­wis­sen, das – wie ich im­mer wie­der be­ob­ach­ten muss – ein­fach der Faul­heit ent­springt, die In­for­ma­tio­nen sind al­le­samt da und frei ab­ruf­bar!) und Kon­ve­ni­enz, al­so Gewohnheits“recht“. Und die Werk­schaf­fen­den, al­so Künst­ler, wür­de ich da als er­s­te Adres­se be­nen­nen, die die­se Mi­schung aus ri­gi­dem Ver­wer­tungs­sys­tem und ver­zerr­ter Wahr­neh­mung sei­tens der Kon­su­men­ten wei­ter an­trei­ben! So­lan­ge si­ch Künst­ler ih­rer Rech­te und auch Pflich­ten nicht be­wußt sind, kön­nen sie sie we­der wahr­neh­men und durch­set­zen, ge­schwei­ge denn än­dern!

      Als ich 2008 wie­der Mu­sik zu ma­chen be­gann, mit be­schei­de­nen Mit­teln und kom­plett im „Ho­me Stu­dio“, al­so oh­ne Zeit-, Bud­get- oder ein­fach „Wich­tig­ma­cher­druck“ war ich im sieb­ten Him­mel in Be­zug auf mei­nen krea­ti­ven Aus­druck! Kei­ner, der mir sagt, was ich wie und wann zu ma­chen hät­te! Voll­stän­di­ge Frei­heit, auch bei der Wahl der Plat­zie­rung mei­nes bis­her be­schei­de­nen Out­puts von vier Sin­gles. Als ich par­al­lel da­zu be­gann, mi­ch zu Mu­sik­recht, Co­py­rights etc. zu in­for­mie­ren, woll­te ich auch ei­nen Dis­kurs un­ter mei­nen Fans und on­line-Freun­den an­re­gen. Fehl­an­zei­ge! To­tals­aus­fall! Schlim­mer no­ch: „Wo kann man Dei­ne CD kau­fen?“ Wie­so CD?!!! Pro­duk­ti­ons­kos­ten, Ver­triebs­kos­ten, Ver­tei­lungs­lo­gis­tik…

      Zu­rück zu Lo­riot: Den BBC-An­satz fin­de ich sehr gut. Im Mo­ment schrau­ben aber ge­ra­de die USA ja wie­der dran, die­sen Ver­wer­tungs­chutz auf Le­bens­zeit Au­tor + 70 Jah­re (ur­sprüng­li­ch Le­bens­zeit + 50) aus­zu­deh­nen. Al­so, dass si­cher­ge­stellt ist, dass die Wer­ke ei­nes Künst­lers nach sei­nem Da­hin­schei­den no­ch min­des­tens ei­ne wei­te­re Ge­ne­ra­ti­on lang ex­klu­siv ver­hö­kert wer­den kön­nen! Ich sag nur: Mi­cha­el Jack­son… das war kein Un­fall… In­for­ma­ti­ons­ver­tei­lung und recht laut schrei­en, so­lang, bis si­ch auch im lang­sams­ten Kopf was be­wegt hat… das wird wohl bis auf Wei­te­res die ein­zi­ge Maß­nah­me sein kön­nen… In­so­fern dan­ke für die­sen Blog­ein­trag!

      • Peter

        > Lebens­zeit Au­tor + 70 Jah­re (ursprüng­lich Lebens­zeit + 50) … no­ch min­des­tens ei­ne wei­tere Gene­ra­tion

        Beim Al­ter der Frau­en die in un­se­rer Zeit zum 1. Mal Mut­ter wer­den, sind 70 Jah­re min­des­tens 2 Ge­ne­ra­tio­nen. Und das ist ein­deu­tig zu lang. Ich fin­de den BCC-An­satz auch an­stre­bens­wert und bin der Mei­nung, dass nach dem Tod des Künst­lers des­sen Er­ben kei­ne wei­te­ren Rech­te er­hal­ten, au­ßer dem, ein Teil der Ein­nah­men aus der Ver­wer­tung zu be­kom­men. Kunst se­he ich im­mer als Teil der Ge­sell­schaft, die Ge­sell­schaft soll­te nach dem Tod des Künst­lers be­stim­men kön­nen, was mit die­ser Kunst ge­schieht.