Piratenpartei auf der Freiheit-statt-Angst-Demo: Alles in Orange 6


Hin­weis: Die Fotos in die­sem Arti­kel und noch viel mehr fin­den sich in mei­nem Online-Foto­al­bum.

Als am Sams­tag früh um 6:50 Uhr der Wecker geklin­gelt hat, habe ich kurz mit mir geha­dert: Jetzt auf­ste­hen? Nach Ber­lin fah­ren? Am Wochen­en­de??? Aber es ist ja „Frei­heit statt Angst ’09″. Also hab’s ich gemacht, saß um halb neun im Zug und war so gegen halb zwei am Pots­da­mer Platz.

Ich hätt’s bit­ter bereut, wär’ ich dort nicht gewe­sen.

Aus mei­nen Augen und den Augen vie­ler, vie­ler ande­rer Beob­ach­ter war die Pira­ten­par­tei mit ihren oran­ge­nen Fah­nen und T-Shirts optisch für die gesam­te Ver­an­stal­tung prä­gend. Wohin man auch blick­te, über­all weh­te es in der Piraten-„Hausfarbe”.

Kundgebungszug mit Piratenflaggen

Kund­ge­bungs­zug mit Pira­ten­flag­gen

Dazu kam, dass die Par­tei, nament­lich der Lan­des­band Nie­der­sach­sen und dort wie­der­um die Akti­ven­grup­pe Braun­schweig, kei­ne Kos­ten und Mühen gescheut und einen Truck mit Tech­no­um­zugs­qua­li­tä­ten geor­dert hat. Der auf­le­gen­de DJ Tanith hat dann wäh­rend der Demons­tra­ti­on das Lovepa­ra­de-Fee­ling per­fekt gemacht.

Piratenmobil und Demomobil einer anderen Partei

Pira­ten­mo­bil und Demo­mo­bil einer ande­ren Par­tei

Ich hat­te wäh­rend des Demons­tra­ti­ons­zu­ges einen Platz oben auf eben­die­sem Truck und inso­fern einen tol­len Aus­blick auf den gesam­ten Zug. Und von vorn bis hin­ten hat­te er vor allem einen Far­be: Oran­ge.

Demonstrationszug in der Hannah-Ahrend-Straße

Demons­tra­ti­ons­zug in der Han­nah-Ahrend-Stra­ße

Für einen poli­ti­schen Pro­test­um­zug und ins­be­son­de­re eine Par­tei­prä­senz inner­halb eines sol­chen war die Auf­tritts­form sicher­lich unge­wöhn­lich: Tech­no­beats statt ideo­lo­gisch gefes­tig­tem Kamp­fes­lied­gut und weit­ge­hen­der Ver­zicht auf Wort­bei­trä­ge. Aber:

  • Zum einen waren die gan­ze Zeit über flei­ßi­ge Hel­fer unter­wegs, die tau­sen­de von Fly­ern unters stau­nen­de Volk brach­ten (und Unter den Lin­den haben sie gestaunt…) und Schrift­li­ches ist viel bestän­di­ger als auf einer Demo schnell dahin­ge­sag­te Phra­sen.
  • Außer­dem kann man mit lau­ter Musik immer noch jede Men­ge Auf­merk­sam­keit erzie­len und schließ­lich macht sie Spaß.
  • Und wer sagt denn, dass Demons­trie­ren nicht auch Spaß machen soll? Eben!

Die Pira­ten sind jeden­falls kei­ne bleich­ge­sich­ti­gen Kel­ler­nerds mit Sozi­al­pho­bi­en, son­dern bei aller ernst­haf­ter Poli­tik­dis­kus­si­on ver­ste­hen sie auch zu Fei­ern! Anders sind die Kübel vol­ler Mist, die Schäub­le, Zypries und von der Ley­en über uns in Geset­zes­form aus­kip­pen, auch nicht zu ertra­gen. Ronald Becher hat mich übri­gens oben auf dem Truck per Foto ein­ge­fan­gen:

Der Blogautor auf dem Piraten-Truck. Foto von Ronald Becher, CC-BY-SA

Der Blog­au­tor auf dem Pira­ten-Truck. Foto von Ronald Becher, CC-BY-SA

Ich habe häu­fi­ger an die Frei­heit-statt-Angst-Demo 2007 zurück­ge­dacht. Damals waren so ein paar Dut­zend Pira­ten dabei, es gab 6 (in Wor­ten: Sechs) Flag­gen, um die anschlie­ßend unter den weni­gen bereits gegrün­de­ten Lan­des­ver­bän­den gerun­gen wur­de. Nie­der­sach­sen und Hes­sen waren gera­de im Wahl­kampf, des­halb hat­ten sie mehr als eine bekom­men… Nun, das war die­ses Jahr nicht so das Pro­blem.

Umzug am Werderschen Markt

Umzug am Wer­der­schen Markt

Die Umzugs­rou­te bot mit Ebertstra­ße, Unter den Lin­den und der Leip­zi­ger Stra­ße auch viel Öffent­lich­keit, die mal mehr, mal weni­ger infor­miert aber in gro­ßer Über­zahl sehr inter­es­siert dem bunt-oran­ge­nen Trei­ben zuschau­te.

Freiheit-statt-Angst-Demonstration auf der Leipziger Straße

Frei­heit-statt-Angst-Demons­tra­ti­on auf der Leip­zi­ger Stra­ße

Gene­rell hat­te die Demo in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung einen ganz ande­ren Stel­len­wert als noch 2007. Red­ner waren dies­mal unter ande­rem Thi­lo Wei­chert und Frank Bsirs­ke und in den Haupt­nach­rich­ten­sen­dun­gen kam die Demo nicht irgend­wo am Ende oder gar nicht, son­dern pro­mi­nent ganz am Anfang der Sen­dung vor, beim ZDF-„heute” sogar als einer der Head­li­ner.

Ein biss­chen scha­de ist, dass die hohe Prä­senz der Pira­ten in der Bild­be­richt­erstat­tung nicht so recht rüber­kommt – aber was soll’s.

Für mich klang der Abend dann wie für vie­le ande­re Pira­ten in der c-base aus, wo ich mich nicht nur mit unse­rer Regens­bur­ger Pira­ten-Direkt­kan­di­da­tin Suat Kasem unter­hal­ten konn­te, son­dern auch mit der bezau­bern­den For­schungs­tor­te, die genau so einen tol­len Musik­ge­schmack wie ich hat und auf deren Magis­ter­ar­beit ich wirk­lich schon sehr, sehr gespannt bin. Ins Bett bin ich jeden­falls erst um 4 Uhr mor­gens gefal­len, eini­ge Stun­den spä­ter als geplant.

War ein tol­ler Tag, des­sen poli­ti­sche Aus­wir­kun­gen sich in den nächs­ten Tagen noch zei­gen wer­den. Ein­mal mehr gilt das Mot­to, das ich von allen mit am gelun­gens­ten für unse­re noch jun­ge poli­ti­sche Bewe­gung hal­te: „Ihr wer­det euch noch wün­schen, wir wären poli­tik­ver­dros­sen!”


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