Fahrkarten kaufen am Automaten in Hamburg Hauptbahnhof


Vor ein paar Tagen kam ich abends am Ham­bur­ger Haupt­bahn­hof an und woll­te mir noch ein Ticket kau­fen. Dank der Auto­ma­ten ja heut­zu­ta­ge kein Pro­blem, dach­te ich. In Han­no­ver steht das Rei­se­zen­trum ja voll mit den Din­gern, dach­te ich. Da wird das in Ham­burg wohl auch so sein.

Dach­te ich.

Also rein ins Rei­se­zen­trum. Hm. von den bekann­ten grau­en Käs­ten mit Moni­tor und roter Kopf­ban­de­ro­le ist nichts zu sehen. Statt­des­sen steht in der Ecke alles voll mit irgend­wie ande­ren Auto­ma­ten. Die gro­ßen sehen zwar so aus wie sonst über­all, bloß kann man da kei­ne Rou­ten ein­ge­ben. Und die ande­ren sind irgend­wie nur halb­hoch und erin­nern ent­fernt an eine Hälf­te von Scot­tys Beam­kon­so­le auf dem Raum­schiff Enter­pri­se. Steht aber unmiss­ver­ständ­lich „Fahr­plan­aus­kunft” drauf, also nix mit Kar­ten kau­fen.

Ich bin ver­wirrt. Dann schwarnt es mir: Willst du eine Fahr­kar­te kau­fen, brauchst du bei­de Auto­ma­ten. So läuft das ab:

  • Erst mal an die Beam­kon­so­le. Da kann man, wie üblich, sei­nen Fahrt­wunsch ein­ge­ben: Express­kauf, Han­no­ver, 2. Klas­se, Bahn­card, kei­ne Reser­vie­rung.
  • Jetzt schiebt man aber nicht etwa sei­ne Bahn- oder EC-Kar­te in den Kar­ten­schlitz, son­dern drückt „Dru­cken”.
  • Im Inne­ren des Gerä­tes beginnt es zu rumo­ren. Hm. Das wird doch nicht wirk­lich eine Beam­kon­so­le sein, die einen jetzt kur­zer­hand nach Han­no­ver trans­por­tiert?
  • Nein. Ein DIN A5 gro­ßer Zet­tel wird aus­ge­spuckt, auf dem sich die nicht son­der­lich kom­ple­xe Ver­bin­dung Ham­burg-Han­no­ver ein wenig ver­liert.
  • Mit die­sem Zet­tel geht’s nun an den ande­ren Auto­ma­ten. Oben links hat der Ther­mo­trans­fer­dru­cker näm­lich eine Bar­code auf das Papier – nun­ja – gedruckt trifft’s nicht so rich­tig. Gehaucht passt viel­leicht bes­ser. Die­sen Bar­code hält man nun dem gro­ßen Auto­ma­ten­bru­der unter sei­nen Seh­schlitz.
  • Der Auto­mat liest den Bar­code und wie von Geis­ter­hand weiß er, wel­cher Vor­gang gemeint ist. Nun darf man hier end­lich mit sei­nen Kärt­chen wei­ter­ma­chen und erhält schließ­lich die Fahr­kar­te aus­ge­druckt.

Soweit die Theo­rie. In Pra­xi läuft das dann so ab:

  • Man ver­steht erst­mal über­haupt nicht, was man an der Auto­ma­ten­pha­lanx tun soll.
  • Der Dru­cker in dem Aus­kunfts­au­to­ma­ten ist nerv­tö­tend lang­sam, ver­schwen­det Papier ohne Ende und hat eine üble Druck­qua­li­tät. Er muss sich beschimp­fen las­sen.
  • Die „Kas­sen­au­to­ma­ten” sind alle besetzt.
  • Der ers­te Kas­sen­au­to­mat kann den Bar­code nicht lesen.
  • Der zwei­te Kas­sen­au­to­mat liest ihn wider­wil­ligst und sagt dann „Vor­gangs­num­mer nicht bekannt.”
  • Der drit­te Kas­sen­au­to­mat kann den Bar­code nicht lesen und wird stum­mer Emp­fän­ger des nächs­ten Aus­bruchs des ange­stau­ten Frus­tes.
  • Ein ande­res leid­ge­plag­tes Opfer der Blech­de­struk­to­ren erklärt end­lich, dass man den über den Bar­code gedruck­ten Pfeil auf dem Aus­druck vom ers­ten Auto­ma­ten tun­lichst gaaaaa­anz genau unter den ent­spre­chen­de Pfeil am Scan­ner hal­ten muss. Gaaaaa­anz genau. Und das Blatt nicht zu schief. Und still hal­ten. Soooooo. *Piep*
  • Das Bezah­len ist dann vom drit­ten Wut­aus­bruch beglei­tet.

Lie­be Bahn-AG, was soll die­ser Schwach­sinn?!? Wenn ich in einem Rei­se­zen­trum eine Fahr­kar­te kau­fen will, dann möch­te ich das mög­lichst schnör­kel­los und zügig über die Büh­ne brin­gen. Ich bin dann eigent­lich nicht gewillt, zur Belus­ti­gung eini­ger zusam­men­ge­rot­te­ter Möch­te­gern-Fahr­kar­ten­au­to­ma­ten einen mitt­le­ren Papier­krieg vom Zau­ne zu bre­chen.

Ein guter Rat von jeman­dem, den die Din­ger durch­aus häu­fi­ger nutzt: Lasst das! Stellt ein­fach die schö­nen, gut bedien­ba­ren All-Inklu­si­ve-Gerä­te auf, an denen man bin­nen einer Minu­te ein­fach nur eine Fahr­kar­te zie­hen kann. Inklu­si­ve bar­geld­lo­sem Bezah­len mit der EC-Kar­te und Punk­te­sam­meln mit der Bahn­card. Die­ses Ham­burg­kon­zept in Quark. Und kommt mir jetzt nicht mit „Aber vie­le Leu­te wol­len doch nur ‚ne Aus­kunft.” Ers­tens stimmt das nicht und zwei­tens – seit wann muss ich für eine Fahr­plan­aus­kunft ange­ben, ob ich eine Sitz­platz­re­ser­vie­rung will?!?

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