Archiv für die 'Fern seh’n' Kategorie

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Wat dem een sin von der Leyen is dem annern sin Supernanny

Die — noch — größte unter den Klein­par­teien (nein, nicht die Pira­ten) hat sich was Neues aus­ge­dacht: Katha­rina Saal­frank, bekannt als RTL-​„Supernanny”, soll den Wahl­kampf ankur­beln. Nicht nur der Spie­gel mut­maßt, dass diese Aktion auch ein Gegen­ge­wicht zur Zen­sur­sula aus der Rent­ner­par­tei ist.

Hm. Supernanny? Ursula von der Leyen? Da war doch mal was… Genau: Die geniale Switch-​Mannschaft sich hat schon 2007 auf Pro7 aus­ge­malt, wie ein Zusam­men­tref­fen von CDU-​Uschi und SPD-​Katia wohl ablau­fen könnte:

Ausschnitt aus "Switch": Supernanny bei Ursula von der Leyen

Das kann man ja jetzt irgend­wie fast schon als pro­phe­tisch bezeich­nen. Meine Lieb­lings­text­stelle und einer der All-​Time-​Switch-​Favourites ist ja: „Was, sie haben nur vier Kin­der? (Pause) Mögen Sie keine Kin­der?:-)

Wer sich’s mal selbst anschauen möchte: Es gibt noch wei­tere Ver­an­stal­tun­gen mit Frau Saal­frank im Juli. Und wer weiß, viel­leicht wird ihr Ein­fluss ja auch noch grö­ßer. Den Frank-​Walter, den könnte man dann mal in die Stille Ecke schi­cken. Und für Peer eine Wut­höhle bauen.

Nach­trag: Meine letzte Idee hat­ten auch andere.

Hin­weis: Einige der Links sind mitt­ler­weile nicht mehr ver­füg­bar. :-(

Unter Kühen — Uschi und das Märchen von den Inderpornos

Unsere Fami­li­en­mi­nis­te­rin hat sich höchst minis­tra­bel in einem Inter­view bei Radio Sput­nik produziert:

Das oberste Ziel muss sein, die Täter zu stel­len. Das ist Poli­zei­ar­beit. Und das zweite ent­schei­dende Ziel muss sein, die Quelle zu löschen auf dem Ser­ver, da, wo sie sind. Aber da gerät man an seine Gren­zen, wenn der Ser­ver z.B in Indien steht. Ein hoch­kom­pe­ten­tes Land, was Com­pu­ter­tech­ni­ken angeht, aber ein Land, das kei­ner­lei Form von Ächtung von Kin­der­por­no­gra­fie hat. Da kön­nen sie nicht mehr löschen.

Es ist frap­pie­rend, wie per­fide Frau von der Leyen hier mit unter­schwel­li­gen Res­sen­ti­ments arbei­tet: Indien, ein Land voll von Com­pu­ter­nerds, die nachts über ihren Nach­wuchs her­fal­len. Und die­sen Hor­den von Unhol­den sind wir quasi schutz­los aus­ge­lie­fert, da kön­nen wir gar nichts machen. Ver­rä­te­risch ist vor allem das Wort „Ächtung” — da schwingt ganz übel die Moral­keule mit, die hier auf den Sub­kon­ti­nent nie­der­saust: Sie tun nicht nur nichts gegen das Übel, es ist ihnen auch noch egal.

Dass Zen­sur­su­las Äuße­run­gen uner­träg­lich sind, wurde bereits an ver­schie­de­nen Stel­len im Web the­ma­ti­siert. Ich möchte aber noch etwas wei­ter gehen, denn auch hier sieht man wie­der, wie mit dem Tot­schlag­wort „Kin­der­por­no­gra­fie” gesell­schaft­li­che Fra­gen und Ent­wick­lun­gen in Tabusoße ertränkt werden.

Es gibt da näm­lich tat­säch­lich ein Pro­blem in Indien. Sci­ence Daily schreibt:

High Pre­va­lence Of Child Mar­riage In India Fuels Fer­ti­lity Risks

The study, […] found that nearly half of adult Indian women, aged 20 to 24, were mar­ried before the legal age of 18 […].

„The pre­va­lence of child mar­riage remains unac­cep­ta­bly high,” Dr. Raj and col­lea­gues wrote. „These results sug­gest that neit­her recent pro­gress in eco­no­mic and women’s deve­lop­ment, nor exis­ting policy or pro­gram­ma­tic efforts to prevent child mar­riage and pro­mote mater­nal and child health, have been suf­fi­ci­ent to reduce the pre­va­lence of child mar­riage in India to that of most other deve­lo­ping nations.”

The study found that 44.5 per­cent of women ages 22 to 24 were mar­ried before age 18. More than one in five – 22.6 per­cent – were mar­ried before age 16, while 2.6 per­cent were mar­ried before age 13.

Über­set­zung (von mir):

Hohe Ver­brei­tung von Kin­der­ehen in Indien erhöht Risi­ken für die Fruchtbarkeit

Ergeb­nis der Stu­die war, dass fast die Hälfte der erwach­se­nen indi­schen Frauen zwi­schen 20 und 24 Jah­ren bereits vor ihrem 18. Lebens­jahr und damit dem erlaub­ten Alter für Ehe­schlie­ßun­gen ver­hei­ra­tet wor­den waren.

„Die Ver­brei­tung der Kin­der­ehe bleibt inak­zep­ta­bel hoch,” schrie­ben Dr. Raj und ihr Team. „Diese Ergeb­nisse deu­ten an, dass weder die jüngs­ten Fort­schritte in der Wirt­schaft oder der Frau­en­för­de­rung, noch poli­zei­li­che Inter­ven­tion oder Auf­klä­rungs­pro­gramme über Gesund­heit von Mut­ter und Kind aus­rei­chend waren, diese Ver­brei­tung von Kin­der­ehen in Indien auf das Level in ande­ren Ent­wick­lungs­län­dern zu verringern.

Die Stu­die ergab, dass 44,5% der Frauen im Alter von 22 bis 24 ver­hei­ra­tet wur­den, bevor sie 18 Jahre alt waren. Mehr als eine von fünf — 22,6% — war bei der Hei­rat jün­ger als 16 und 2,6 hei­ra­te­ten vor Beginn ihres 13. Lebensjahres.

Das ist in der Tat ein gesell­schaft­li­ches Pro­blem, hier sind die Men­schen­rechte der ver­hei­ra­te­ten min­der­jäh­ri­gen Mäd­chen (was ist eigent­lich mit min­der­jäh­ri­gen Jun­gen?) nicht gewahrt. Wenn man nun mal für einen Moment unter­stellt, dass Frau von der Leyen sich auf genau diese gesell­schaft­li­chen Pro­bleme in Indien bezieht, wenn sie von „feh­len­der Ächtung” spricht, dann habe wir mal wie­der ein ent­hül­len­des Bei­spiel für den „Miss­brauch mit dem Miss­brauch”: Kin­der­ehen und die damit latent ein­her­ge­hende sexu­elle Aus­beu­tung von Min­der­jäh­ri­gen sind falsch und müs­sen ver­folgt wer­den. Das man „nichts machen könne” ist aber ein Mär­chen, denn das Pro­blem­be­wusst­sein in der indi­schen Poli­tik ist durch­aus vor­han­den und sogar leich­ter Rück­gang der Fall­zah­len fest­stell­bar, wie der Science-​Daily-​Artikel schreibt:

The aut­hors said that […] there had been a slight reduc­tion – 5 per­cent — in the rate of child mar­riage com­pa­red with natio­nal data from 1998 – 99[…]

Über­set­zung:

Die Auto­ren sagen, dass es eine leichte Ver­min­de­rung von 5% bei der Rate von Kin­der­ehen ver­glei­chen mit den Zah­len von 1998/​99 gege­ben hat.

Viel pro­ble­ma­ti­scher finde ich aller­dings, dass hier, sofern man die­sen Hin­ter­grund für Frau von der Ley­ens Aus­sa­gen annimmt, mal wie­der auf jede Situa­tion mit dem Begriff „Kin­der­por­no­gra­fie” ein­ge­dro­schen wird. Bei Kin­der­ehen geht eben nicht um Por­no­gra­phie. Viel­mehr wird irgend­ein Sze­na­rio, in dem Kin­der vor­kom­men und es irgend­wie um Sex geht, her­ge­nom­men, „Kin­der­porno” drauf­ge­schrie­ben und dann die Saudas Kuh durchs Dorf getrie­ben. Frau von der Leyen fiele kein Zacken aus der Krone, wenn sie wenigs­tens die Situa­tion kor­rekt beschriebe, bloß wäre das ganze dann lei­der kein Argu­ment mehr für die heiß ersehnte Inter­net­zen­sur. Die­ser Satz noch­mal zum Mit­mei­ßeln, damit es nicht heißt, ich würde irgend­was klein­re­den wol­len: Die Ver­hei­ra­tung von Min­der­jäh­ri­gen ist für mich kein hin­nehm­ba­res Gesell­schafts­mo­dell, aber sie taugt nicht als Argu­ment in der Dis­kus­sion um „Kinderpornografie”.

Soweit meine Über­le­gun­gen dazu, woher Frau von der Ley­ens Aus­sa­gen kom­men könn­ten, wenn man einen wie auch immer gear­te­ten Rea­li­täts­be­zug her­zu­stel­len ver­sucht. Viel­leicht bin ich aber auch mal wie­der viel zu blau­äu­gig und „Indien” war in Wirk­lich­keit nur das­je­nige Land, des­sen Name ihr am schnells­ten ein­fiel. Sozu­sa­gen ihr „Uru­guay oder Para­guay”… Dafür sprä­che, auch das ist mitt­ler­weile an ande­rer Stelle aus­rei­chend erläu­tert, dass es in Indien nicht nur eine restrik­tive Gesetz­ge­bung zu Por­no­gra­fie all­ge­mein, son­dern seit Februar 2009 auch noch ergän­zend zu „Kin­der­por­no­gra­fie” im Beson­de­ren gibt.

Im sel­ben Inter­view ent­larvt sich Frau von der Leyen schließ­lich selbst, wenn Sie auf Rich­ter­vor­be­halt und damit Gewal­ten­tei­lung ange­spro­chen antwortet:

Na ja, über­le­gen Sie sich mal bei der Masse der Bil­der, also wir spre­chen von rund 1000 Sei­ten, die pro Tag inter­na­tio­nal aktiv gesperrt wer­den, wie Sie da über jede Seite einen “Rich­ter”, in Anfüh­rungs­stri­chen, wie Sie’s nen­nen, drü­ber­gu­cken las­sen woll­ten, dann ist das tech­nisch abso­lut unmög­lich, allein vom Zeit­auf­wand, wenn man sieht, wie Gerichte auch mit The­men beschäf­tigt sind, nicht mach­bar wäre.

Genau. Weil diese gan­zen „Rich­ter” ja sowieso alles mög­li­che andere zu tun haben und uns beim Sper­ren von 1000(!) Sei­ten täg­lich eh nur stö­ren wür­den, las­sen wir sie mal lie­ber damit in Ruhe. Und, so rege ich an, dann doch am bes­ten auch mit die­sem gan­zen ande­ren blö­den Gerichts­ver­hand­lungs– und Urteils­kram. Braucht man alles nicht, macht die Uschi selbst eh viel besser:

Meine Arbeit ist es, Kin­der zu schüt­zen und das will ich damit tun.

Ich würde mal sagen, es sind auch schon Poli­ti­ker für weni­ger wirre Äuße­run­gen vor die Tür gesetzt worden.

Deutschlandradio Kultur — Interview reloaded

Eigent­lich sollte ges­tern nach­mit­tag ein Inter­view mit mir über die Pira­ten­par­tei auf Deutsch­land­ra­dio Kul­tur lau­fen. Weil nun aber Michael Jack­sonPina Bausch ges­tern gestor­ben war, hatte Deutsch­land­ra­dio Kul­tur kurz­fris­tig sein Pro­gramm umge­stellt und den Bei­trag nicht ausgestrahlt.

Dafür gibt’s das Thema jetzt noch­mal: Am mor­gi­gen Don­ners­tag um kurz nach neun Uhr mor­gens geht’s — auch vor dem Hin­ter­grund des Pirate-​Bay-​Verkaufs — noch­mal um die Pira­ten. Ich bin wie­der zum Inter­view dazu­ge­schal­tet, dies­mal sogar live. Also: Am 2. Juli 2009, um 9:07 Uhr Deutsch­land­ra­dio Kul­tur einschalten.

Mitt­ler­weile gibt es das Inter­view auch im Audio­ar­chiv des Sen­ders, außer­dem hat Deutsch­land­ra­dio Kul­tur auf sei­ner Web­seite ein Wort­pro­to­koll veröffentlicht.

Interview Deutschlandradio Kultur

Heute um kurz nach dreivier (16:07 Uhr) bringt Deutsch­land­ra­dio Kul­tur ein zehn­mi­nü­ti­ges Inter­view mit mir. Es gibt einen Livestream im Inter­net und die Mög­lich­keit, den Bei­trag auch spä­ter noch anzu­hö­ren.

Fernsehen reloaded

So, zwei­ter Anlauf. Nach der Phoenix-​Talkshow am Mon­tag hat nun das ZDF einen Bei­trag für Ber­lin direkt gedreht. Am Don­ners­tag hat mich ein Team durch Ber­lin beglei­tet und bei ver­schie­de­nen Ter­mi­nen gefilmt. Finale war in der an dem Tag fei­er­lich eröff­ne­ten neuen Geschäfts­stelle des Ber­li­ner Lan­des­ver­ban­des. Ich bin ziem­lich gespannt, was dar­aus nun für ein Bei­trag ent­stan­den ist — und was bei dem anschlie­ßen­den Chat beim ZDF zum Thema „Pira­ten­par­tei” (mit Sascha Lobo) passiert.

Piratenbüro und Programmhinweise

Heute war ich den gan­zen Tag in Ber­lin. Zunächst zu einem Video­in­ter­view für das Inter­net­ma­ga­zin Jour­nal on Poli­ti­cal Excel­lence (JPoX), das in den nächs­ten Tagen auf deren Home­page ver­öf­fent­licht wird. Höhe­punkt des Tages war aber sicher die Eröff­nung des ers­ten „Pira­ten­bü­ros” in Deutsch­land. Der Ber­li­ner Lan­des­ver­band ist ab sofort auch total off­line in der Andre­as­straße 66 in Berlin-​Friedrichshain anzu­tref­fen. Die heu­tige fei­er­li­che Eröff­nung fand mit vie­len Pira­ten, ordent­lich Rum und eini­ger Medi­en­prä­senz statt. Die tolle Ent­wick­lung der Pira­ten­par­tei geht damit in die nächste Runde.

In den nächs­ten Tagen bin ich zwei­mal in Rund­funk und Fernsehen:

Komm’ ich jetzt ins Fernsehen?

Ich war heute bei Pho­enix und die Sen­dung wird am Mon­tag um 22:15 Uhr aus­ge­strahlt (Inter­net­stream für Win­dows). The­men waren die Pira­ten­par­tei, Urhe­ber­recht, Daten­schutz etc.

Uff! Nun habe ich es gese­hen. Zunächst: Ein total merk­wür­di­ges Gefühl, sich selbst im Fern­se­hen zu sehen und vor allem zu hören. Ich war, nunja, mäßig begeis­tert von mir selbst. Da ist noch Opti­mie­rungs­po­ten­tial. Voll ver­ratzt habe ich’s aber auch nicht. Kann man drauf auf­bauen. Dazu kommt noch, dass das Thema der Sen­dung nur grob umris­sen war. Die deut­li­che Bezug­nahme auf „geis­ti­ges Eigen­tum” kam erst sehr spät. In der Anfrage hieß das Thema noch „Kleine Par­teien — Wie ver­än­dert sich die Parteienlandschaft”.

Übri­gens habe ich mich bei der Auf­zeich­nung schon gewun­dert, wie Herr Scholz plötz­lich so ziel­si­cher auf das Zen­sur­ge­setz umge­schwenkt ist. Beim Anschauen fand ich das noch deut­li­cher, vor allem weil es dafür ja sogar den vor­be­rei­te­ten Zensursula-​Einspieler gab. Des­sen Melo­die hat übri­gens wirk­lich Ohr­wurm­qua­li­tä­ten — meh­rere Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­ter haben das nach Auf­zeich­nungs­ende noch die ganze Zeit vor sich gesungen.

Fern­se­hen ist jeden­falls span­nend — und wenn man da vor der Kamera sitzt, hat man einen völ­lig ande­ren Ein­druck als wenn man das dann spä­ter im Fern­se­hen sieht.

Rene Marik: Autschn!

im März hatte ich zum ers­ten Mal von Rene Marik gehört. Da wusste ich noch nicht, dass es um Rene Marik geht. Ich hatte nur einen Youtube-​Clip gesehen:

Ich hatte dann umge­hend zwei Kar­ten für die Maja und mich orga­ni­siert, was sich als sehr sinn­voll her­aus­ge­stellt hat, denn sowohl die gest­rige als auch die heu­tige Vor­stel­lung im Rasch­platz­pa­vil­lon in Han­no­ver waren rest­los aus­ver­kauft (und die ein­zige Vor­stel­lung in Ham­burg sowieso…). Wir hat­ten ja nun aber mal Kar­ten und einen sehr, sehr amü­san­ten Abend mit „Autschn! Ein Abend über die Liebe”.

Rene Marik zeigt ein viel­sei­ti­ges Pro­gramm: Er singt Lie­bes­bal­la­den aus den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten und beglei­tet sich dabei teil­weise selbst auf der E-​Gitarre. Er rezi­tiert Kurt Schwit­ters’ dada­is­ti­sches Lie­bes­ge­dicht „An Anna Blume” genauso wie die gru­se­li­gen Werke einer gewis­sen Els­beth Bel­l­artz, die in den 1980er Jah­ren zur meist­ver­kauf­ten Lyrik in Deutsch­land gehört haben sol­len. Deren Buch lan­det nach jedem zitier­ten Werk in hohem Bogen auf dem Bühnenboden.

Die eigent­li­chen Stars des Abends sind aber die Hand­pup­pen, die Marik über Kopf in einer Art Kas­per­le­thea­ter zum Leben erweckt. Sie kennt man auch aus den Youtube-​Clips, aber live ist es doch noch­mal was ande­res. Neben Eis­bär Kalle, den lie­bes­tol­len Wasch­lap­pen und dem ille­gi­ti­men Kermit-​Zwillingsbruder Fal­ken­horst ist es natür­lich vor allem der Maul­wurf, der mit lau­tem Jubel im Publi­kum begrüßt wird. Es ist fas­zi­nie­rend zu sehen, wie Rene Marik hier mit ein­fachs­ten Requi­si­ten (Pup­pen­ge­schirr, Plas­tik­fla­sche ohne Boden oder einer Papp­ta­fel mit der Auf­schrift „A9”) und einer Hand­puppe mit Sprach­feh­ler („Jemand ze Hage?” — „Autschn, autschn, Hungi, Hunger” — „Rapante, Rapante, late haade datte”) sur­reale Sze­nen ent­wirft, die neben all der Tra­gik, die die Figur des Maul­wurfs in sich ver­eint, vor allem eines sind: Brül­lend komisch.

Marik bezeich­net sich selbst als Come­dian. Ich finde aber, dass zwi­schen ihm und vie­len ande­ren, die sich eben­falls mit die­ser Tätig­keits­be­zeich­nung schmü­cken, Klas­sen lie­gen. Wo ein Mario Barth zwei Stun­den über die Macken sei­ner Freun­din her­zieht oder Cindy aus Mar­zahn die Voll­pro­le­tin gibt, ist Rene Marik gera­dezu poe­tisch. Der schmach­tende Maul­wurf, der „Schnee­wante kussn” darf, nur damit sie anschlie­ßend zu einem „Froschn” im Bikini mutiert, nimmt sich hier wie der Uhr­ma­cher­schrau­ben­zie­her neben der Was­ser­pum­pen­zange aus. Marik hat einen ganz ande­ren Anspruch und wohl auch ein deut­lich ande­res Publi­kum. Höchst­wahr­schein­lich wird er nie das Ber­li­ner Olym­pia­sta­dion fül­len, aber wenn er dafür sei­ner Art der Comedy treu bleibt, dann soll er das auch gar nicht.

Der erste Teil des Pro­gram­mes besteht aus viel Fal­ken­horst, Maul­wurf, Els­beths Gedich­ten und eini­gen Gesangs­ein­la­gen. Nach der Pause kommt dann Horst Kal­li­kow­ski, zunächst mit der abge­dreh­ten Story von sei­ner Arbeits­agen­tur­be­treue­rin Frau Schi­brul­ski und Cat­wo­man, dann per ein­ge­spiel­tem Video als Tou­ris­ten­schreck an der Sie­ges­säule. Anschlie­ßend kom­men die rest­li­chen Pro­tar­go­nis­ten des Pro­gram­mes: Eis­bär Kalle, das Lie­bes­le­ben der Wasch­lap­pen, Gedichte (jetzt auch Schwit­ters’ Anna), Lie­der und natür­lich auch wie­der Fal­ken­horst und der tra­gisch endende Maul­wurf. Den bei­den gehört nach rie­si­gem Applaus auch die zweite Zugabe mit einem der Stü­cke, die das Zeug zum Klas­si­ker haben:

Fazit: Ein höchst ver­gnüg­li­cher Abend, der Lust auf Mehr macht. Maja und ich waren rest­los begeis­tert. Wer über die Marik-​Youtube-​Clips lachen kann, wird voll auf seine Kos­ten kommen!

Carsharing im russischen Fernsehen

Im März war ein Film­team in Deutsch­land, das für den rus­si­schen Fern­seh­sen­der „HTB” unter ande­rem einen Film­be­richt über das deut­sche Car­sha­ring gedreht hat. Am Bei­spiel eines Kun­den von Stadt­mo­bil Ber­lin wurde gezeigt, wie das so funk­tio­niert mit der Buchung im Inter­net, den Fahr­zeug­stand­or­ten und den Bord­com­pu­tern. Auch ich habe einen (kur­zen) Auftritt.

Im Mit­tel­teil des Berichts ist dem Repor­ter ein gewis­ses Erstau­nen selbst ohne Sprach­kennt­nisse anzu­mer­ken, dass aus­ge­rech­net in „Ger­mani” mit der gro­ßen Auto­in­dus­trie Men­schen sich Autos tei­len. Laut mei­ner rus­sisch­spra­chi­gen Mit­ar­bei­te­rin ist der Bei­trag aber alles in allem posi­tiv und schließt mit der rus­si­schen Ver­sion des alten deut­schen Sprich­wor­tes: „Wer den Pfen­nig nicht ehrt, ist den Taler nicht wert.”

Im Inter­net ist der 2:57-Minuten-Bericht zu fin­den unter

http://​news​.ntv​.ru/​1​5​2​195

Amokläufe

In Baden-​Württemberg hat es einen Amok­lauf gege­ben, dem 16 Men­schen zum Opfer fie­len, dar­un­ter der Amok­läu­fer selbst. So weit, so schlecht. In der Folge ist es aller­dings zu einem wei­te­ren Amok­lauf gekom­men, dem diver­ser deut­scher Medien näm­lich, die auf Grund feh­len­der Neu­ig­kei­ten in eine Art kol­lek­ti­ves Hyper­ven­ti­lie­ren ver­fie­len und über das Thema in einer Weise berich­tet haben müs­sen, die bei einem halb­wegs ver­stän­di­gen Men­schen nur fas­sungs­lo­ses Kopf­schüt­teln auslöst.

Ich schreibe „haben müs­sen”, weil ich mir selbst kein rich­ti­ges Bild gemacht habe. Ich bin kein mili­tan­ter Fern­seh­ver­wei­ge­rer, aber seit Diens­tag abend habe ich das Gerät nicht mehr ange­habt. Auch bei der loka­len Zei­tung hat es in den letz­ten Tagen nur zum Lokal­teil gereicht. Trotz­dem fühle ich mich gut und durch­aus ange­mes­sen infor­miert. Tele­po­lis (1,2,3,4), Heise online, der Blog von Ste­fan Nig­ge­meier (1,2) sowie aus­ge­wählte Arti­kel auf Spie­gel Online rei­chen da völlig.

Und wenn ich im Bild­blog (1,2) und ins­be­son­dere in dem bril­lant geschrie­be­nen Arti­kel im Blog von Hanno Zulla lese, was ich anderswo so ver­passt habe, dann ent­spricht das irgend­wie exakt mei­nen Erwar­tun­gen. Ich denke, ich werde das mit den Infor­ma­ti­ons­quel­len auch in Zukunft so halten.

Nach­trag: Über die Kom­men­tare bin ich auf ein (mitt­ler­weile unter http://​daniel​.mail​-empire​.de/​b​l​o​g​/​2​0​0​9​/​0​3​/​1​4​/​k​r​a​u​t​c​h​a​n​n​e​t​-​b​e​t​r​e​i​b​e​r​-​t​s​a​r​y​u​-​z​u​m​-​a​m​o​k​l​a​u​f​-​v​o​n​-​w​i​n​n​e​n​den nicht mehr ver­füg­ba­res) Inter­view auf nach​ge​b​logt​.de hin­ge­wie­sen wor­den, das die Hin­ter­gründe zu der Falsch­mel­dung von der Internet-​Amoklaufankündigung auf kraut​chan​.net noch­mal näher beleuch­tet. Wie Jour­na­lis­ten oder Ermitt­ler da ernst­haft von „Recher­che” oder „Fah­nungs­er­geb­nis­sen” spre­chen kön­nen, ist mir abso­lut unver­ständ­lich. Immer feste vom Web 2.0 reden, aber im Zwei­fels­falle voll­stän­dige Unfä­hig­keit an den Tag legen — vie­len Dank für diese ein­drucks­volle Demonstration…