Jakobistraße: Protest gegen dreiste und illegale Fußwegparker 7


Lei­der muss man es zual­ler­erst ein­mal beto­nen: Es ist ille­gal, sein Auto auf einem Fuß­weg zu par­ken. Nicht erlaubt. Ver­bo­ten. Il-le-gal. Trotz­dem wur­de und wird die­ses regel­wid­ri­ge Abstel­len von Kfz in Tei­len der Jako­bi­stra­ße in der List seit vie­len Jah­ren von Stadt und Poli­zei tole­riert – bzw. nicht hin­rei­chend sank­tio­niert. Auf der Stre­cke blei­ben dabei die eigent­li­chen Nut­zer die­ser Wege: Die Fuß­gän­ger. Sie müs­sen sich an den wild gepark­ten Autos vor­bei­quet­schen und stets auf Autos ach­ten, die hier ille­gal ein- und aus­ge­parkt wer­den – und deren Len­ker dabei auch gern mal ohne beson­de­re Rück­sicht vor­ge­hen.

Zumin­dest auf einem Teil der Stra­ße ist damit seit eini­ger Zeit Schluss: Die Stadt hat einen beson­ders übel zuge­park­ten Teil der Fuß­we­ge mit Pol­lern gegen ille­ga­les Befah­ren gesi­chert. Damit ist nach Jahr­zehn­ten das wie­der ent­stan­den, was hier eigent­lich schon immer sein soll­te: Platz für Men­schen! Vom Auto­ver­kehr unbe­hel­lig­tes Spa­zie­ren­ge­hen und Ver­wei­len, Kin­der­spie­le, pro­blem­lo­ser Zugang zur Bus­hal­te­stel­le – all die­se eigent­li­chen Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten sind end­lich wie­der mög­lich. Ein Gewinn und ein Schritt hin zu einer lebens­wer­ten Stadt!

Darum geht's: Die Stadt verhindet mit Pollern illegales Fußwegparken

Dar­um geht’s: Die Stadt ver­hin­det mit Pol­lern ille­ga­les Fuß­weg­par­ken

Lei­der sehen das nicht alle so. Ziem­lich schnell hat so eine Art wüten­des Gejau­le ein­ge­setzt von den­je­ni­gen, die aus der viel zu lan­gen Tole­rie­rung die­ses ille­ga­len Trei­bens so eine Art „Gewohn­heits­recht” ablei­ten und wei­ter­hin den Fuß­weg als Abstell­flä­che für ihr fahr­ba­res Blech nut­zen wol­len. Am Frei­tag haben sie sich an einem „Hot­spot” die­ser merk­wür­di­gen Rechts- und Gesell­schafts­auf­fas­sung getrof­fen, einem Piz­za­bring­dienst genau in dem Bereich, in dem die Fuß­gän­ger­rech­te wie­der durch­ge­setzt wer­den.

Dan­kens­wer­ter­wei­se hat Krzy­sztof vom Fuss e.V. dazu auf­ge­ru­fen, dass sich auch die Befür­wor­ter der neu­en – alten – Stra­ßen­auf­tei­lung ein­fin­den. So stan­den denn neben der erreg­ten Grup­pe von Men­schen, die ihre Autos wei­ter­hin wild und gefähr­dend abstel­len wol­len die­je­ni­gen, die gezeigt haben, dass es auch anders geht. Dass man sich auf frei­en Fuß­we­gen pri­ma ver­sam­meln kann. Dass sich dort die Nach­bar­schaft bei Kaf­fee und Kuchen trifft. Dass Kin­der plötz­lich wie­der Spiel­platz vor ihrer Haus­tür haben.

Kundgebung für mehr Platz für Fußgänger

Kund­ge­bung für mehr Platz für Fuß­gän­ger

Krzy­sztof hat ver­sucht, all dies im Rah­men einer Anspra­che zu erklä­ren. Lei­der war schon dies wegen pene­tran­ter Zwi­schen­ru­fer nicht ganz ein­fach. Eini­ge der Wild­par­ker kamen mit erstaun­li­chem mis­sio­na­ri­schen Eifer. Bemer­kens­wert dabei die Dreis­tig­keit, mit der sie mit rhe­to­ri­schen Klau­en und Zäh­nen ver­su­chen, mög­lichst viel ihres ille­gal Tuns fort­set­zen zu kön­nen. Er ver­ste­he ja das Pro­blem, so ein Mann immer wie­der. Aber die Pol­ler soll­ten weg. Statt­des­sen wür­den sich die Anwoh­ner selbst dar­um küm­mern, dass dort tags­über zwi­schen 8 und 20 Uhr nie­mand par­ke. Das wäre doch für alle viel bes­ser.

Krzysztof redet

Krzy­sztof redet

Noch­mal, ganz deut­lich, damit es jeder ver­steht: Nein, ist es nicht! Ein Fuß­weg ist ein Fuß­weg. Da gibt es kei­ne Ver­hand­lung dar­über, man kön­ne doch viel­leicht wenigs­tens nachts dort ille­gal par­ken. Da haben schlicht kei­ne Autos zu ste­hen. Punkt. Und wenn so ein Fuß­weg zwölf Meter breit ist, dann ist das kei­ne Ein­la­dung, zwei Drit­tel zuzu­par­ken – es wäre ja „immer noch genug Platz da”. Das sind zwölf brei­te Meter Platz für Fuß­gän­ger!

Plakat

Pla­kat „Mehr Platz für Men­schen” an einem Stra­ßen­baum

Ich habe an die­sem Nach­mit­tag so vie­le „Argu­men­te” gehört, mit denen den Fuß­weg­par­kern die Pro­ble­me ihres Han­delns erläu­tert wur­den: Platz­man­gel, Gefähr­dung von Kin­dern, Gefähr­dung von ande­ren Men­schen. Sol­che Gesprä­che sind löb­lich, aber letzt­lich nutz­los. Die Auto­ab­stel­ler wol­len sie nicht hören, wie­geln ab („Wir sind vor­sich­tig!”) oder ver­fal­len letzt­lich auf das immer mög­li­che „Ja, aber wo sol­len wir denn par­ken?!” Sie sind aber auch nicht nötig: Das Abstel­len von Autos auf dem Fuß­weg war immer ille­gal, es ist heu­te ille­gal und es wird auch ille­gal blei­ben. Es muss nie­mand „über­zeugt” wer­den. Es muss ein­fach nur gel­ten­des Recht durch­ge­setzt wer­den.

Es ist erfreu­lich, dass die Ver­wal­tung hier end­lich ein Zei­chen gesetzt hat. Hät­te sie es 20 Jah­re frü­her getan, müss­ten wir heu­te die­se alber­nen Dis­kus­sio­nen mit Gewohn­heits­rechts­bre­chern nicht füh­ren. Und es ist umso erfreu­li­cher, dass auch die Poli­tik in Per­son der Bezirks­bür­ger­meis­te­rin, der stell­ver­tre­ten­den Bezirks­bür­ger­meis­te­rin und ande­rer anwe­sen­der Bezirks­rats­ver­tre­ter stand­haft bleibt.

Stadtverschönerung im Kleinen: Auf einer Baumscheibe werden Blumen gepflanzt

Stadt­ver­schö­ne­rung im Klei­nen: Auf einer Baum­schei­be wer­den Blu­men gepflanzt

Ich habe selbst 15 Jah­re in die­ser Gegend gewohnt. Ich war auch dann und wann mal mit dem Auto zu Hau­se. Ich weiß: Park­platz­su­che macht in der List – wie in jedem hoch ver­dich­te­ten Wohn­vier­tel – kei­nen Spaß. Ich bin trotz­dem nie auf die Idee gekom­men, mich ein­fach kack­dreist irgend­wo hin­zu­stel­len und ande­ren Bewoh­nern mei­nes Vier­tels ihren Platz und ihre Rech­te zu neh­men. Die längs­te Weg zum (lega­len) Park­platz waren mal 1,5 Kilo­me­ter bis zum Wel­fen­platz. So ist das halt, wenn man meint, ein Auto zu brau­chen. Klei­ner Tipp: Das Fahr­rad parkt stets vor der Haus­tür oder im Kel­ler. Die Bus­hal­te­stel­le ist direkt vor der Tür. Und jede Men­ge Car­sha­ring-Autos gibt es auch.

Holzrahmen in (kleiner) Autogröße: So viel Platz nahm ein Auto den Fußgängern hier weg. Illegal.

Holz­rah­men in (klei­ner) Auto­grö­ße: So viel Platz nahm ein Auto den Fuß­gän­gern hier weg. Ille­gal.

Es ist sehr gut, dass dem ille­ga­len Par­ken auf dem Fuß­weg hier der Rie­gel vor­ge­scho­ben wur­de. Lei­der ist das nur die hal­be Mie­te, denn auf der ande­ren Sei­te der Jako­bi­stra­ße wird die­ser Miss­brauch öffent­li­chen Rau­mes wei­ter­hin tole­riert. Auch dort müss­te mit Pol­lern oder ähn­li­chen Maß­nah­men dem Wild­par­ken ent­schie­den der Rie­gel vor­ge­scho­ben wer­den. Es ist dreist und frech, wie hier eini­ge weni­ge mei­nen, ihr ganz per­sön­li­ches Park­platz­pro­blem auf die All­ge­mein­heit abwäl­zen zu kön­nen.

Der Platz bleibt den Menschen: Abgepollerter Fußweg an der Jakobistraße

Der Platz bleibt den Men­schen: Abge­pol­ler­ter Fuß­weg an der Jako­bi­stra­ße


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7 Gedanken zu “Jakobistraße: Protest gegen dreiste und illegale Fußwegparker

  • Robert Kayser

    Ich war­te auf die ers­te Demo von Ein­bre­chern gegen Sicher­heits­tü­ren und Alarm­an­la­gen. Zwei gute Argu­men­te schon mal: „Ihr habt doch genug Sachen!” und „Dann bre­chen wir eben woan­ders ein. Denkt ihr auch an die armen Leu­te ohne Alarm­an­la­gen?”

  • Oliver Ritter

    Weil Sie, Herr Hill­brecht, in Ihrem Arti­kel von ille­ga­len Par­ken auf Geh­we­gen und somit Ver­kehrs­ver­stö­ßen schrei­ben, die mit einer Gefähr­dung von Fuß­gän­gern ein­her­ge­hen. Alles her­vor­ge­ru­fen von Auto­fah­rern und alles zu Las­ten der Ver­kehrs­si­cher­heit. Man soll­te aber mei­nes Erach­tens nicht zwi­schen „guten Ver­kehrs­ver­stö­ßen” (duch Rad­fah­rer) und „schlech­ten Ver­kehrs­ver­stö­ßen” (durch Auto­fah­rer) unter­schei­den. Bei­des ist buß­geld­be­währt und gefähr­det die Fuß­gän­ger. Ich war selbst vor Ort und habe gese­hen, wie eini­ge „Ihrer” Ver­samm­lungs­teil­neh­mer mit dem Radel auf dem Geh­weg zur Ver­samm­lung gefah­ren. Auf den Bil­dern kann man sogar die Fahr­rä­der sehen.
    Da habe ich mir doch gedacht: „Na schau mal an, Was­ser pre­di­gen und sel­ber Cham­pa­gner trin­ken”.

    • Dirk Hillbrecht Autor des Beitrags

      Net­ter Ver­such. Ich war auch vor Ort und habe das nicht gese­hen. Und nun? Bit­te beim The­ma blei­ben. Und nicht mir Din­ge unter­schie­ben, die ich gar nicht geschrie­ben habe, Stich­wort „gute Ver­kehrs­ver­stö­ße”. Dan­ke.

    • Führerscheininhaber

      Auf den Bil­dern kann ich kei­ne Fahr­rä­der erken­nen die ver­bots­wid­rig auf dem Geh­weg par­ken.

      Fahr­rä­der dür­fen wie alle Fahr­zeu­ge auf der Fahr­bahn par­ken, bei Dun­kel­heit müs­sen sie aber beleuch­tet wer­den.

      Fahr­rä­der dür­fen auf Geh­we­gen par­ken, Kraft­fahr­zeu­ge hin­ge­gen nicht.

      Soll­te der Füh­rer­schein­in­ha­ber doch wis­sen was in der StVO und StVZO steht ?

  • Olaf

    Ich kann die Aus­sa­gen des Arti­kels nur unter­stüt­zen – dan­ke dafür, und dan­ke an die Fuss e.V. für die „Gegen-Demo”.
    Wir haben selbst ein Auto und ja – ich geste­he – schon mal auf den Fuß­we­gen geparkt. Mit der Zeit ist aber die Erkennt­nis gereift: So geht das nicht. Ein Fuß­weg ist ein Fuß­weg und kein Park­platz. Es gibt schlicht kein Anrecht dar­auf, die eige­nen 1,2 Ton­nen Blech gemüt­lich vor der Haus­tür abzu­stel­len, nur weil da ein brei­ter Fuß­weg ist. Und dass bei so vie­len Men­schen in einem Vier­tel nicht jeder sei­ne Blech­kis­te vor die Tür stel­len kann, ist doch irgend­wie logisch. Ich begrü­ße es daher außer­or­dent­lich, dass die Pol­ler auf­ge­stellt wor­den sind, und wür­de mich freu­en, wenn auch die ande­re Sei­te (die jetzt noch inten­si­ver zuge­parkt wird und dabei noch schma­ler ist..) eben­falls gesperrt wird. Jeder hat sein Auto in der Stadt vor der Tür – das hat mei­nes Erach­tens kei­ne Zukunft mehr.

    Noch schö­ner wäre es, die Jako­bi­stra­ße durch­gän­gig zur 30-Zone zu erklä­ren (denn mal ehr­lich: da sind so vie­le Men­schen, spe­zi­ell Kin­der, unter­wegs – war­um müs­sen die SUV-Mons­tren da mit über 50 km/h durch­bal­lern?). Aber das ist ein neu­es The­ma …

  • Oliver Ritter

    Die Ein­hal­tung der Ver­kehrs­re­geln fin­de ich super. Das muss aber für alle Ver­kehrs­teil­neh­mer gel­ten, nicht nur für Auto­fah­rer. Ich den­ke z.B. an die vie­len Rad­fah­rer in der Lis­ter Mei­le, die dort in der Fuß­gän­ger­zo­ne zwi­schen 9 und 19 Uhr mit dem Rad fah­ren und Fuß­gän­ger gefähr­den. Ich den­ke an die Wochen­märk­te Mol­te­platz oder Lis­ter Mei­le, wo Rad­fah­rer trotz ein­deu­ti­ger Beschil­de­rung sich durch die Mie­schen­mas­sen quet­schen. Ich den­ke an die roten Ampeln, die von Rad­fah­ren über­fah­ren wer­den, obwohl das schon mitt­ler­wei­le sogar 1 Punkt in Flens­burg kos­tet. Ich den­ke auch an die Rad­fah­rer, die trotz Rad­we­ge, mit einer Selbst­ver­ständ­lich­keit auf Geh­we­gen fah­ren, dass jeden geset­zes­treu­en Lis­ter und Vah­ren­wal­der die Haa­re zu ber­ge ste­hen müss­te, wenn man hier die glei­chen Maß­stä­be anset­zen wür­de. Am schlimms­ten aber fin­de ich dann die Kom­men­ta­re und Lege­tima­tio­nen der Rad­fah­rer. Auf den Ver­stoß hin­ge­wie­sen, wird man als Fuß­gän­ger regel­recht durch­be­lei­digt.
    Die Ein­hal­tung der Ver­kehrs­re­geln ist kei­ne Ein­bahn­stra­ße, sie gilt für alle Ver­kehrs­teil­neh­mer, nicht nur für Auto­fah­rer und dient letzt­end­lich der Ver­kehrs­si­cher­heit.