Der Nahverkehrs-?Adventskalender (4): Essen 2003


Essen Porscheplatz

Essen Por­sche­platz

Heu­te ver­schlägt es uns ins Ruhr­ge­biet. Essen hat, wie vie­le Städ­te dort, ein kom­bi­nier­tes Stra­ßen- und Stadt­bahn­netz, das sich in so einer Art „per­ma­nent gewor­de­nem Zwi­schen­zu­stand” befin­det. In den spä­ten 1960er-Jah­ren begann im gesam­ten Ruhr­ge­biet eine Umwand­lung des bis dahin flä­chen­de­cken­den Stra­ßen­bahn­net­zes in ein Schnell­bahn­netz, das im End­zu­stand eine qua­si voll­stän­dig nive­aufreie U-Bahn dar­stel­len soll­te. Dabei soll­te sich die Zug­ka­pa­zi­tät enorm erhö­hen, die Rei­se­ge­schwin­dig­keit auch und in den Innen­städ­ten soll­te das Netz voll­stän­dig in Tun­nels ver­legt wer­den.

Da die Gesamt­bau­zeit aber schon damals mit vie­len Jahr­zehn­ten pro­gnos­ti­ziert war, soll­ten, so die Idee, die neu geschaf­fe­nen U-Bahn­tun­nels zunächst wo mög­lich und sinn­voll von den bis­he­ri­gen Stra­ßen­bah­nen genutzt wer­den. Die dabei unter­schied­li­chen Fahr­zeug­pa­ra­me­ter, ins­be­son­de­re Spur­brei­te und Ein­stiegs­hö­he des Wagens, wür­den dabei durch pro­vi­so­ri­sche Bau­zu­stän­de in den Sta­tio­nen und bei den Glei­sen über­brückt.

Das Resul­tat sol­cher „Zwi­schen­zu­stän­de” kön­nen wir in Essen am Por­sche­platz bewun­dern. Die Sta­ti­on wur­de dem ursprüng­li­chen Kon­zept nach gebaut, um zwei die Stadt durch­kreu­zen­de Stadt­bahn­stre­cken zu ver­knüp­fen. Von bei­den Stre­cken exis­tiert bis heu­te nur ein Tor­so, der in alle Rich­tun­gen unweit des Por­sche­plat­zes endet und jedes der vier Enden an das Stra­ßen­bahn­netz Essens anknüpft.

So ver­keh­ren in der geplan­ten U-Bahn­sta­ti­on heu­te nie­der­flu­ri­ge Stra­ßen­bahn­fahr­zeu­ge auf Meter­spur­glei­sen. Die beson­ders gut ganz rechts am Gleis der Gegen­rich­tung zu sehen­den Schwel­len waren sei­ner­zeit bereits für die brei­te­re Nor­mal­spur (1435 mm statt 1000 mm Schie­nen­ab­stand) vor­ge­se­hen und soll­ten nur „bis zum Umbau” mit der Spur­wei­te der Stra­ßen­bahn aus­ge­rüs­tet wer­den. Trep­pen und Roll­trep­pen wer­den vom U-Bahn-Hoch­flur­ni­veau auf die wesent­lich nied­ri­ge­ren Stra­ßen­bahn­stei­ge mit­tels einer Ram­pe her­ab­ge­führt. Das ver­um­ständ­licht den Zugang zu den Fahr­zeu­gen noch zusätz­lich – und dabei sind die 100 Meter lan­gen U-Bahn­stei­ge schon völ­lig unpas­send dimen­sio­niert für die Stra­ßen­bahn­fahr­zeu­ge, die nur ein Drit­tel davon ein­neh­men.

Essen-Por­sche­platz wird nie wie ursprüng­lich geplant in Betrieb gehen: Die bei­den U-Bahn­stre­cken für Essen sol­len heu­te nicht mehr rea­li­siert wer­den. Man braucht heu­te auch kei­ne Hoch­flur­fahr­zeu­ge mehr für einen niveau­glei­chen Zugang – seit Ende der 1990er Jah­re ist die Nie­der­flur­tech­nik so weit, dass sich sol­che Fahr­zeu­ge ohne grö­ße­re Abstri­che an der Qua­li­tät kon­stru­ie­ren las­sen. Die­se Fahr­zeu­ge wer­den heu­te flä­chen­de­ckend in Stra­ßen­bahn­net­zen ein­ge­setzt, so auch im Ruhr­ge­biet, sodass die Stadt­bahn­pla­nun­gen in vie­len der dor­ti­gen Teil­net­ze heu­te nicht mehr wei­ter­ver­folgt wer­den.

Für die Nut­zung einer Sta­ti­on wie am Por­sche­platz brin­gen die somit dau­er­haft gewor­de­nen „Zwi­schen­lö­sun­gen” die oben beschrie­be­nen Nach­tei­le in der Nut­zung. Mei­nes Wis­sens hat sich hier seit 2003 nichts Wesent­li­ches geän­dert. In den nächs­ten 10 bis 15 Jah­ren müss­te die nächs­te Gene­ral­über­ho­lung der Sta­ti­on fäl­lig sein. Es wird inter­es­sant zu sehen, was dann pas­siert; ob alles so bleibt wie bis­her, ob man durch Neu­kon­struk­ti­on der Trep­pen und Roll­trep­pen eine bes­se­re Anpas­sung an die nie­der­flu­ri­gen Fahr­zeu­ge erreicht oder ob es sogar Über­le­gun­gen geben wird, die Nut­zung der unter­ir­di­schen Sta­ti­on ganz ein­zu­stel­len. Bis dahin jedoch wird man sie wei­ter benut­zen, die­se U-Bahn­sta­ti­on, die nie eine „ech­te” U-Bahn gese­hen hat.

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