Mit Ursula von der Leyen auf dem Lindener Marktplatz in Hannover — Erlebnisse eines Piraten

Alle Fotos in die­sem Arti­kel sind von Jorge-​Alberto Reich und CC-​BY-​SA-​lizenziert.

Am Sams­tag gab sich Frau von der Leyen die Ehre auf dem Linde­ner Markt­platz in Han­no­ver. Einige Han­no­ver­sche Pira­ten woll­ten sich nicht ent­ge­hen las­sen, das mal anzu­schauen und in geeig­ne­ter Form zu begleiten.

Los ging’s um zehn Uhr mor­gens. Alle wich­ti­gen Par­teien hat­ten rund um die Stra­ßen­kreu­zung neben dem Markt­platz ihre Info­stände auf­ge­baut. Alle? Nicht ganz. Die Pira­ten hat­ten zwar kei­nen eige­nen Info­stand, aber irgend­wie waren da plötz­lich zwölf Leute. Und die sind dann alle mal rüber zur CDU, als Ursula dort ein­traf. Und wir waren nicht mal die ein­zi­gen. Wei­tere poli­tisch inter­es­sierte Bür­ger gesell­ten sich zu uns, teil­weise pas­send mit „Zensursula”-T-Shirts bekleidet.

Piraten treffen beim CDU-Infostand ein

Pira­ten tref­fen beim CDU-​Infostand ein, Foto von Jorge-​Alberto Reich, CC-​BY-​SA

Wenig erfreut waren die etwa sie­ben loka­len CDU-​Leute am Stand. Sie hät­ten es wohl wesent­lich lie­ber gese­hen, wenn man sie in Ruhe und unwi­der­spro­chen ihre Unwahr­hei­tenInfor­ma­tio­nen unters Volk hätte brin­gen las­sen, aber immer­hin sollte das hier sowas wie ‚ne Bür­ger­sprech­stunde sein. Und Bür­ger sind ja nun mal auch wir.

Kai hat dann auch umge­hend das Gespräch gesucht. War aber nicht so ein­fach. Mit fun­dier­ten Gegen­mei­nun­gen kon­fron­tiert, wählt Frau von der Leyen wohl am liebs­ten die „Monologstrategie” — das heißt Kai wurde so lange zuge­tex­tet, bis alle Phra­sen abge­ar­bei­tet waren: „Natür­lich wol­len wir keine Zen­sur, die Netz­sper­ren sind die beste Lösung über­haupt, bla bla bla”. Ein­ge­hen auf Nach­fra­gen: Fehlanzeige.

Kai im Gespräch mit Frau von der Leyen

Kai im Gespräch mit Frau von der Leyen, Foto von Jorge-​Alberto Reich, Bear­bei­tung dh, CC-​BY-​SA

Die junge Dame auf dem Bild trug übri­gens ein Schild mit der Auf­schrift „Weg­schauen statt bekämp­fen? Sper­ren statt löschen?”. Sie wurde von Frau von der Leyen mit den Wor­ten begrüßt: „Sie sind also dafür, dass man sich im Inter­net Kin­der­por­nos anschauen kann?!” Da erüb­rigt sich jeder wei­tere Kom­men­tar. Die­je­ni­gen, die diese „Gesprä­che” live gehört hat­ten (ich stand lei­der etwas zu weit weg), haben spä­ter ein­hel­lig gemeint, Frau von der Leyen hätte sich voll­stän­dig merk­be­freit gezeigt. Es scheint so, die Frau glaube wirk­lich und gera­dezu fana­tisch daran, sie würde da etwas ganz Tol­les zu Wege brin­gen. In so einer Situa­tion sind ratio­nale Argu­mente lei­der völ­lig nutz­los und eigent­lich ist das ja einer der Gründe, warum Glaube und Fana­tis­mus in einer frei­heit­li­chen Demo­kra­tie nichts ver­lo­ren haben. Womit wir wie­der bei des Pudels Kern ange­kom­men sind, wenn es um Frau von der Leyen und ihr Ver­ständ­nis von Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­fra­struk­tu­ren geht…

Nach etwa zehn Minu­ten Zwiegesprä­chen neben dem CDU-​Stand ging es dann auf den Markt­platz. Und ob nun gleich ganz vorn…

Auf dem Marktplatz

Auf dem Markt­platz, Foto von Jorge-​Alberto Reich, CC-​BY-​SA

…beim Fisch­stand…

Am Fischstand

Am Fisch­stand, Foto von Jorge-​Alberto Reich, CC-​BY-​SA

…beim Kaf­fee– und Teestand…

Am Kaffee- und Teestand

Am Kaf­fee– und Tee­stand, Foto von Jorge-​Alberto Reich, CC-​BY-​SA

…oder bei all den ande­ren Stän­den, an denen Frau von der Leyen das Gespräch mit dem Wäh­ler suchte: Im Hin­ter­grund war immer ein knap­pes Dut­zend Men­schen, die mit Pla­ka­ten deut­lich mach­ten, dass sie mit der Poli­tik und den Ansich­ten von Frau von der Leyen nicht ein­ver­stan­den sind. All diese Men­schen waren die ganze Zeit über freund­lich und zurück­hal­tend: Alle sind immer brav hin­ter der CDU-​Entourage und Frau von der Ley­ens eige­nen Auf­pas­sern geblie­ben, nie­mand hat sich auch von den gele­gent­li­chen Remp­lern des einen oder ande­ren CDU­lers nur im gerings­ten pro­vo­zie­ren las­sen, nie­mand hat sich irgendwo in den Weg gestellt oder auch nur ein ein­zi­ges „Gespräch” zwi­schen Frau von der Leyen und den Bür­gern gestört.

Trotz­dem fin­gen die drei anwe­sen­den Poli­zis­ten nach etwa 15 Minu­ten an, von einem Groß­teil der anwe­sen­den Geg­ner die Per­so­na­lien auf­zu­neh­men. Die Begrün­dung war, es handle sich hier um „unan­ge­mel­dete Ver­samm­lung” und das wurde dann dann am Hoch­hal­ten der Pla­kate fest­ge­macht oder — bei denen, die keine Pla­kate dabei hat­ten — daran, dass sie halt „mit­lau­fen wür­den” und damit auch zu die­ser „Ver­samm­lung” gehörten.

Personalienaufnahme am Rande des Marktspaziergangs

Per­so­na­li­en­auf­nahme am Rande des Markt­spa­zier­gangs, Foto von Jorge-​Alberto Reich, CC-​BY-​SA

So eine Begrün­dung ent­behrt auf einem beleb­ten Markt­platz nicht einer gewis­sen Iro­nie. Ich weiß nicht, ob das jetzt ein Ein­schüch­te­rungs­ver­such war, eine pro­phy­lak­ti­sche Maß­nahme falls es zu Ran­dale käme oder ob die CDU gefor­dert hatte, da „müsse doch was getan wer­den gegen diese Stö­rer”. Ich weiß nur, dass kei­ner der betei­lig­ten Pro­tes­tie­rer sich davon beein­dru­cken ließ, alle Schil­der blie­ben oben und Frau von der Leyen blieb ihre Beglei­tung treu.

(Nach­trag: Beim Max fin­dest sich mitt­ler­weile ein Bericht, der eben­falls pro­tes­tiert hat und der „unan­ge­mel­den Ver­samm­lung” zuge­rech­net wurde, obwohl er, wie er betont, allein gekom­men ist und nichts mit der Pira­ten­par­tei zu tun hat.)

Übri­gens waren auch viele andere Gesprächs­part­ner nicht so recht von Frau von der Leyen über­zeugt. Auch bei ande­ren The­men wie Väter­rech­ten, Betreu­ungs­an­ge­bo­ten für Klein­kin­der oder finan­zi­el­ler Fami­li­en­un­ter­stüt­zung waren ihre Ein­las­sun­gen wohl häu­fig sehr schablonenartig.

Um punkt 11 Uhr war der SpukAuf­tritt dann auch schon vor­bei. Mit­samt ihrer Beglei­tung ent­schwebte Frau von der Leyen in ihrer schi­cken Limou­sine. Wir durf­ten uns dann noch ein wenig von einem CDU-​Menschen laut­stark angif­ten las­sen („Ihr soll­tet euch schä­men mit dem Tauss”), der nach der pas­sen­den Erwi­de­rung („Ach, gilt in Ihrer Par­tei das rechts­staat­li­che Prin­zip der Unschulds­ver­mu­tung nicht?”) erheb­lich aus­ge­bremst war. Ich per­sön­lich halte es da zudem mit der unver­gleich­li­chen Vera Drom­busch: „Wer schreit hat Unrecht.” Ansons­ten konn­ten wir noch viele Bür­ger über uns und unsere Ziele infor­mie­ren, viele Flyer ver­tei­len — und die Jungs, die plötz­lich die Sei­ten­scheibe ihres Autos run­ter­kur­bel­ten und quer über den Platz rie­fen: „Ihr seid klasse, ich werd’ euch wäh­len!” haben damit defi­ni­tiv auch nicht die CDU hin­ter uns gemeint. ;-)

Par­al­lel hatte der­weil eine zweite Akti­ven­gruppe den Info­stand in der Han­no­ver­schen Innen­stadt auf­ge­baut. Etli­che Pira­ten sind noch vom Linde­ner Markt­platz dort­hin gezo­gen und haben die dor­tige Gruppe ver­stärkt, was ange­sichts des hohen Bür­ger­in­ter­es­ses auch sehr sinn­voll war.

Infostand auf der Osterstraße

Info­stand auf der Oster­straße, Foto von Jorge-​Alberto Reich, CC-​BY-​SA

Zusam­men mit dem Rekord-​Stammtisch vom Frei­tag abend (42 Pira­ten und Inter­es­sen­ten) ein wahr­haft pira­ti­ges Wochenende!

Einen wei­te­ren Bericht vom Linde­ner Markt­platz mit wei­te­ren Fotos gibt’s übri­gens drü­ben in Jans hyper-​world.

Nach­trag, 2009-​09-​26: Auch im Por­tal „Han­no­ver ent­de­cken” gibt es zwi­schen­zeit­lich einen Bericht von Frau von der Ley­ens Besuch mit eini­gen erhel­len­den Details über den äußerst unhöf­li­chen Umgangs­ton von Frau von der Leyen und ihre CDU-​Mitstreiter.

Ver­brei­ten:
  • Print
  • PDF
  • Digg
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • MisterWong.DE
  • MySpace
  • Slashdot
  • Technorati
  • Twitter
  • Identi.ca
  • Wikio
  • Yigg

38 Antworten to “Mit Ursula von der Leyen auf dem Lindener Marktplatz in Hannover — Erlebnisse eines Piraten”


  • Ich war ja nun selbst einer der glück­li­chen die ihre Per­so­na­lien abge­ben durf­ten — natür­lich mit dem Hin­weise „ohne wei­tere Kon­se­quen­zen”… bla.

    Was mich doch etwas erschüt­tert ist die Tat­sa­che, dass offen­sicht­lich so viele Men­schen einen Bogen um ihre, im Grund­ge­setz ste­hen­den, Rechte machen — bzw. Ein­schrän­kun­gen in der Ver­samm­lungs­frei­heit auch noch gut hei­ßen… hier liegt viel — SEHR viel Arbeit vor uns…

  • @36: Liebe „Dame mit Schild”, was soll sowas? _​Du_​bist am Sams­tag auf den Linde­ner Markt­platz gekom­men, _​du_​hast ein Schild mit poli­ti­schem Pro­test hoch­ge­hal­ten, _​du_​hast dich expo­niert. _​Du_​hast damit deine „Pri­vat­sphäre” ver­las­sen und dich zu einem Teil­neh­mer an einem zeit­ge­schicht­lich rele­van­ten Vor­gang gemacht. Wenn die­ser Vor­gang dann doku­men­tiert wird, dann ist das so. Ein wich­ti­ger Aspekt von poli­ti­schem Pro­test ist der _​Bericht_​dar­über, und des­halb ist es gut und rich­tig, dass in _​dieser Situation_​das „Recht am eige­nen Bild” eben _​nicht gilt_​. Das ist nicht nur die Rechts­lage, son­dern auch meine ganz per­sön­li­che Mei­nung. Poli­ti­scher Pro­test und poli­ti­sche Ein­fluss­nahme füh­ren dazu, dass man zu einer rela­ti­ven Per­son der Zeit­ge­schichte wird. Dar­über muss man sich im kla­ren sein, _​bevor_​man mit sol­chen Aktio­nen anfängt.

    Abge­se­hen davon _​habe ich_​auf dei­nen frü­he­ren Ein­wurf mit dei­nem „Aus­se­hen” rea­giert. Dein Gesicht _​ist_​ver­frem­det. Ich finde dein Vor­ge­hen aller­dings sehr pro­ble­ma­tisch: Du stehst nicht nur nicht zu dei­nem Pro­test, du stehst offen­sicht­lich nicht mal dazu, dass du nicht dazu stehst und flüch­test dich in irgend­wel­che Schein­gründe. Was willst du? Poli­ti­schen Pro­test äußern und deine Mei­nung sagen oder nicht? In ers­te­rem Fall: Steh’ auf und pro­tes­tiere und lebe damit, dass über dei­nen Pro­test berich­tet wird. In letz­te­rem Fall: Freue dich über dein „Recht am eige­nen Bild” und lasse das mit dem öffent­li­chen Pro­test blei­ben. Das eine ohne das andere geht nicht.

    @33: Von die­ser „all­ge­mein bekann­ten Fotografen-​Ethik” höre ich zum ers­ten Mal. Und wie gesagt: Im Rah­men von poli­ti­schen Pro­test­ak­tio­nen fin­det eine sol­che Selbst­zen­sur defi­ni­tiv nicht meine Zustimmung.

  • Dame mit Schild

    @umusazi
    Pirat oder nicht, er spielt Zen­sur­sula in die Pfo­ten. Das Schild hielt ich näm­lich anfangs auf Augen­höhe. Zen­sur­sula schob es weg mit der Bemer­kung, ich solle mich nicht so anstel­len. Der Foto­graf nutzte die­sen Moment, um das Bild zu machen. Hill­brecht und von der Leyen arbei­ten also Hand in Hand.
    Mehr dazu: http://​blogs​.mys​pace​.com/​i​n​d​e​x​.​c​f​m​?​f​u​s​e​a​c​t​i​o​n​=​b​l​o​g​.​v​i​e​w​&​a​m​p​;​f​r​i​e​n​d​I​d​=​1​0​1​3​7​6​2​2​5​&​a​m​p​;​b​l​o​g​I​d​=​5​1​1​1​4​6​507

  • @marcellus:

    eigent­lich wahr, was du schreibst.

    doch ist es schon ver­wun­der­lich, wie sehr sich ein expo­nier­ter ver­tre­ter der pira­ten­par­tei gegen per­sön­li­che höf­li­che bit­ten zwecks anony­mi­sie­rung der auf sei­nem blog ver­brei­te­ten bil­dern wehrt.

    keine ahnung, ob du das nach­voll­zie­hen könn­test, falls du sel­ber betrof­fen wärst, fami­lie, job und kin­der hät­test und dir berech­tigte oder unbe­rech­tigte sor­gen in die­sem zusam­men­hang in den sinn kommen.

    wo soll das hin­füh­ren, wenn man das einem piraten-​politiker in die­ser breite erklä­ren muss?

  • Mir erscheint es bezeich­nend, mit wie­viel Hin­gabe auf einem Neben­kriegs­schau­platz gestrit­ten wird, um vom Haupt­pro­blem abzu­len­ken, näm­lich der Igno­ranz und Unver­fro­ren­heit der Zensursula.

  • Schildträgerin

    Hallo Dirk,

    zur Fotografen-​Ethik:

    So wie es im Inter­net die Neti­quette gibt, hal­ten wir Foto­gra­fen uns an eine unge­schrie­bene Fotografen-​Ethik. Ein wich­ti­ger Punkt darin ist, dass man Men­schen­men­gen frei ablich­ten darf, Ein­zel­per­so­nen aber vor der Ver­öf­fent­li­chung fragt. Üblich ist, gleich nach dem Knip­sen einer Ein­zel­per­son diese zu fra­gen, ob man das Bild wei­ter­ge­ben darf. Dafür muss man sich auch mal trauen, fremde Men­schen anzusprechen.

    Aus­nah­men vom Rück­fra­ge­ge­bot sind nur:
     – Per­so­nen in grö­ße­ren Grup­pen, Stra­ßen­pan­orama etc.
     – Kaum erkenn­bare Per­so­nen im Bild­hin­ter­grund
     – Posie­rende bzw. mas­kierte Per­so­nen, z.B. Kos­tüm­trä­ger auf Demos

    Ob es dar­über ein Gesetz gibt, ist für mich per­sön­lich uner­heb­lich. Die all­ge­mein akzep­tierte Fotografen-​Ethik ist eigent­lich für die meis­ten _​privaten_​Kame­rabe­sit­zer selbstverständlich.

    Wenn ich auf eine öffent­li­che Ver­an­stal­tung gehe, ist schon klar, dass dort Fotos gemacht wer­den. Ich mache sel­ber auch oft Fotos von Demos und so wei­ter. Aber wenn ein­zelne, gut erkenn­bare Men­schen im Mit­tel­punkt ste­hen, die nicht offen­sicht­lich posie­ren, lan­det das Bild unver­öf­fent­licht im Archiv oder Müll.

    Des­halb bitte ich dich zum letz­ten­mal, mein Gesicht zu ver­pi­xeln, mit Bal­ken zu ver­se­hen oder was auch immer. Du hat­test näm­lich über eine Stunde lang Gele­gen­heit, dir bei mir das nötige OK zu holen. Weil jeder mal was ver­ges­sen kann, habe ich dich neu­lich nett darum gebe­ten. Weil du dar­auf­hin ähnlich pam­pig wie Zen­sur­sula wur­dest, machst du dir gerade Feinde. Tut mir leid für dich, aber es ist im End­ef­fekt deine eigene Schuld.

    ( Dies ist keine Dro­hung. Bitte locker neh­men und dei­nen Mist aus­bü­geln ;-) )

  • @Dirk 31 : Danke für die Klarstellung!

  • @30: Was ich meine: In einem demokratisch-​freiheitlichen Staat darf ein Poli­ti­ker an einer Sache nicht fest­hal­ten, weil er daran „glaubt”. Er muss sich viel­mehr auf nach­voll­zieh­bare Argu­mente bezie­hen. Und wenn die Schluss­fol­ge­run­gen sich als falsch her­aus­stel­len, dann muss er das zur Kennt­nis neh­men und die neuen Schlüsse ent­we­der ent­kräf­ten oder seine eigene Argu­men­ta­tion ändern.

    Genau das macht Frau von der Leyen aber nicht. Ihre Argu­men­ta­tion „Netz­sper­ren schüt­zen Kin­der” wurde viel­fach fun­diert wider­legt. Trotz­dem hält sie daran fest und nimmt die Gegen­ar­gu­mente nicht zur Kennt­nis. Sie „glaubt” an ihre Aus­sa­gen. Mit jeman­dem der „glaubt”, kann man aber nicht dis­ku­tie­ren, weil „Glaube” an etwas einen „Irr­tum” inhä­rent aus­schließt, die feh­lende Fal­si­fi­zier­bar­keit ist Kern jedes Glau­bens­sys­tems. Mit einem demo­kra­ti­schen Poli­ti­ker muss man aber dis­ku­tie­ren kön­nen, des­halb darf er eben nicht an seine Aus­sa­gen oder Pro­blem­lö­sun­gen „glauben”.

    Ein pri­vat oder gemein­schaft­lich geleb­ter Glau­ben (evan­ge­lisch, katho­lisch, bud­dhis­tisch, mus­li­misch,…) ist davon natür­lich unbe­ein­flusst. Er darf aber kei­nen pri­mä­ren Ein­fluss auf staat­li­che Ent­schei­dun­gen haben, son­dern höchs­tens die Basis für ein ethi­sches Wer­te­sys­tem des Ein­zel­nen sein — bei einem gläu­bi­gen Men­schen wird sich das auch nicht ver­mei­den lassen.

  • @budapi 26: Dirk schreibt „Glaube… habe in einer frei­heit­li­chen Demo­kra­tie nichts ver­lo­ren” Allein darum geht es mir. das kann ich nicht akzep­tie­ren — frei­heit­lich heisst eben FREI und den Aus­schluss — was soll ich sagen: sprach­los macht mich das.

    Was Du schreibst ist ja ok und gilt letzt­lich für alles — nciht nur für Glau­bens­fra­gen auch für Poli­ti­sche Umtriebe.…
    Aber das Grund­sätz­li­che: „Glaube passt nicht ins Sys­tem” hätte ich von Dirk gern mal erklärt, immer­hin wird er wohl auf mei­nem Wahl­zet­tel stehen!

  • ein Pirat, der dabei war

    Leute, treibt doch kei­nen Spalt­keil in die Bewe­gung. Das geht ja schon fast in Rich­tung »Judäi­sche Volks­front« vs. »Volks­front von Judäa«.

    Um mal But­ter bei die Fische zu geben: Die neben den Pira­ten ver­tre­te­nen »wei­te­ren poli­tisch inter­es­sier­ten Bür­ger« waren Leute vom C3H und vom AK Vor­rat. Das Lus­tige ist ja, dass da Leute in drei ver­schie­de­nen Zusam­men­hänge auf die glei­che Idee gekom­men sind und sich dadurch tat­säch­lich eine Spontan­demo erge­ben hat. Das war nicht geplant. Wir dach­ten, wir seien viel­leicht fünf Leute, es waren dann aber doch weit­aus mehr. Sehr lus­tig jeden­falls. Und dar­über soll­ten wir uns freuen, statt uns die Rübe einzuhauen.

  • hallo leute,

    1. if i remem­ber cor­rectly, ist es laut deut­schem ver­samm­lungs­ge­setz gewähr­leis­tet, an poli­ti­schen versammlungen/​aufzügen teil­neh­men zu kön­nen und eine kon­träre mei­nung zum ver­samm­lungs­te­nor zu arti­ku­lie­ren.
    das ist z.b. schon mehr­mals die juris­ti­sche basis eini­ger neonazi-​besuche auf ver­an­stal­tun­gen der antifa gewesen.

    2. teil­neh­mer von aufzügen/​versammlungen und der­glei­chen haben kein recht am eige­nen bild.
    das finde ich nur demo­kra­tisch, denn ent­we­der man steht zu den poli­ti­schen inhal­ten oder lässt es eben blei­ben.
    in zukunft wer­den fern­seh­be­richte, also auch sol­che über poli­ti­sche ereig­nisse, in hoch auf­lö­sen­den for­ma­ten publi­ziert wer­den.
    was wollt ihr den sen­dern denn dann sagen? „anony­mi­siert mich bitte vor der aus­strah­lung!”???
    das kann doch nicht der rich­tige weg sein.
    bewe­gun­gen müs­sen immer auch durch men­schen reprä­sen­tiert wer­den, je mehr, desto bes­ser.
    die wende in ost­eu­ropa hätte so nicht statt­ge­fun­den, wenn dort alle so gedacht hät­ten wie einige der kom­men­ta­to­ren hier.

  • @24: Ich habe eine Ver­frem­dung vor­ge­nom­men. Ich möchte aber, auch ange­sichts ande­rer Kom­men­tare hier, anmer­ken, dass jemand, der sich im Rah­men einer Pro­test­ak­tion expo­niert, z.B. mit einem Schild, damit rech­nen muss, zum Gegen­stand von Bericht­er­stat­tung zu wer­den. Und das schließt auch Fotos ein, die den Vor­gang wie­der­ge­ben. Wenn man also mit Schild pro­tes­tie­ren geht und gut aus­se­hen möchte: Am bes­ten vor­her schminken.

  • @Uuups (#21)

    Es bleibt jedem selbst über­las­sen was er warum glaubt und dar­aus fol­gend wie prak­ti­ziert. Vorraus­ge­setzt man bricht dabei kein Gesetz — das Recht auf ritu­elle Men­schen­op­fer wird wohl nie­mand so schnell einfordern.

    Pro­bleme gibts erst dort, wo man in einer Posi­tion der Ver­ant­wor­tung Glau­ben ent­ge­gen alle Fak­ten als Ent­schei­dungs­grund­lage nutzt oder gar ande­ren auf­zwin­gen will.

  • Auch dem Decks­jun­gen aus Bei­trag 23 noch mal ein gut­ge­mein­ter Rat­schlag: eigne dir erst ein­mal die Defi­ni­tio­nen der Begriffe an, mit denen du hier ober­klug um dich wirfst.

  • Dame mit Schild

    Danke für den schö­nen Bericht. Ich hab mir erlaubt, ihn in mei­nem Blog-​Eintrag zu verlinken.

    Aber könn­test du bitte das Mädel im Hin­ter­grund des Bil­des „Kai im Gespräch mit Frau von der Leyen” ver­pi­xeln? Das bin näm­lich ich an einem mei­ner optisch schlech­tes­ten Tage. Muss wirk­lich nicht jeder erkennen.

  • Also ihr lie­ben „Rechts­ex­per­ten” in Sachen Recht am eige­nen Bild… macht euch mal klar, daß IIRC Rechts­be­ra­tung in DE nur zuge­las­sene Anwälte geben dür­fen. Ich nehme mal an, Ihr seid das…

  • Man kann gegen die Pira­ten sagen was man will, aber es ist die ein­zige wähl­bare Par­tei, die sich die Bewah­rung der Neu­tra­li­tät des Inter­nets mit höchs­ter Prio­ri­tät auf die Fah­nen geschrie­ben hat.

    Gegen eine neu­tral ver­netzte Gesell­schaft wird sich auf die Dauer keine noch so gut orga­ni­sierte Hier­ar­chie durch­set­zen kön­nen, weil die Leute plötz­lich wie­der von­ein­an­der erfah­ren und dabei fest­stel­len, dass sie gar nicht so allein sind, wie sie sich bis­lang gefühlt haben.

    Über das Netz in sei­ner neu­tra­len Form las­sen sich außer­dem wun­der­bar Ideen und Gedan­ken aus­tau­schen, deren Archi­vie­rung ist kein Pro­blem. Online-​Peditionen und „wiki­kra­ti­sche” Basisdemokratie-​Strukturen wären eben­falls möglich.

    Mög­li­cher Miss­brauch ist kein Allein­stel­lungs­merk­mal von neu­tra­len Net­zen. Jede andere denk­bare Netz­struk­tur kann und wird miss­braucht wer­den — vor allem von den­je­ni­gen, die das Netz­werk und die Infor­ma­ti­ons­flüsse kon­trol­lie­ren, ohne dass ihnen jemand über die Schul­ter schauen darf, WAS SIE DA EIGENTLICH TUN!

    Mei­ner Mei­nung nach ist das gefähr­lich! Stand­recht­li­che Zen­sur nach CDU-​Lesart ist kein erhe­ben­der Ausblick.

    Die Pira­ten brau­chen in mei­nen Augen kein ande­res Pro­gramm als die Bewah­rung der Netz­neu­tra­li­tät und Kon­trolle der Netz­wäch­ter durch die Gesell­schaft. Damit sind sie für mich 100% wähl­bar! Die Alter­na­tive wäre näm­lich, dass die eta­blier­ten Par­teien so wei­ter­ma­chen wie bis­her. Und da geht der Trend ein­deu­tig zu mehr Repres­sion im Namen der Sicherheit.

    Die Pira­ten wären der Schlüs­sel für andere gesell­schaft­li­che Orga­ni­sa­ti­ons­for­men, die der gewach­se­nen Arbeits­pro­duk­ti­vi­tät und der Ver­knap­pung der Res­source „mensch­li­che Arbeits­kraft” Rech­nung tra­gen — wenn sie 20% oder mehr bekä­men. Da die Deut­schen aber poli­tisch eher lang­sam sind, wer­den zuwe­nige Wäh­ler ihr CDUSPDFDPGrüLiEtc-​Votum auf­ge­ben — weil diese Par­teien sich ja auch um die ande­ren The­men kümmern.

    Na aber hallo!
    Die wer­den sich auch darum küm­mern wol­len, wenn 20% Pira­ten wählen! =)

  • Ins­ge­samt begrüsse ich „Eure” (wer auch immer) Aktion! Und die Minis­te­rin ist wirk­lich scha­blo­nen­haft. Was mich an Dei­nem Arti­kel stört ist die Auf­fas­sung „..eigent­lich ist das ja einer der Gründe, warum Glaube und Fana­tis­mus in einer frei­heit­li­chen Demo­kratie nichts ver­lo­ren haben.” Ist das Deine Ein­zel­mei­nung — oder Par­tei­li­nie? Über Fana­tis­mus müs­sen wir uns nicht aus­ein­an­der­set­zen. Mich inter­es­siert, ob die Pira­ten der Auf­fas­sung sind, das Glaube in einer Demo­kra­tie nix zu suchen hat?
    Auf Ant­wort hof­fend…
    Der Ernst

  • Zu #8: Daten­spar­sam­keit ist rich­tig und wich­tig. Auch ver­bind­lich.. für Behör­den! Das ist teil­weise sogar extra fach­recht­lich ver­an­kert zb. im Sozi­al­recht. Dar­aus aber einen Kri­tik­punkt an einen pri­va­ten Bür­ger zu stri­cken mit dem Unter­ton der Faul­heit ist absurd. Recht­lich wird sich hier keine Anony­mi­sie­rungs­pflicht an den Foto­gra­phen her­lei­ten las­sen.. viel­leicht aber eine mora­li­sche Selbstverpflichtung..

    Ihr „Akti­vis­ten” soll­tet euch gut über­le­gen, was es u.U. für Kon­se­quen­zen für den zufäl­lig mit abge­lich­te­ten und erkenn­ba­ren Bür­ger haben könnte.. das müs­sen nicht immer nur recht­li­che sein. Bei­spiel­haft ein Kol­lege oder Arbeit­ge­ber der Fan von der Leyen ist..
    Soll­ten nach sol­chen Über­le­gun­gen irgend wel­che Zwei­fel auf­kom­men, so ist die frei­wil­lige Anony­mi­sie­rung vor der Ver­öf­fent­li­chung im Inter­net über jeden Zwei­fel erhaben..

  • Obwohl es evt. etwas schief ist die Pira­ten in den Mit­tel­punkt der „Gegen­ak­tio­nen” zu stel­len finde ich es aus meh­re­ren Gru­en­den gut:

    - wol­len Pri­vat­per­so­nen oder andere Grup­pen ueber­haupt genannt wer­den?
     – poli­tisch wird mehr erreicht, wenn die waehl­bare Pira­ten­par­tei im Vor­der­grund steht und dadurch Auf­merk­sam­keit und ggf. Stim­men erha­elt.
    Es geht ja um die Sache, und nicht so sehr darum wer sich enga­giert, oder?

    PS: ich gehoere –bis­her– weder den Pira­ten, noch einer ande­ren Gruppe an.

  • CDU SCHREIBERLING

    Macht euch nichts draus, die ers­ten paar Ein­träge hab ich geschrie­ben :)

  • Ach und noch­was: Ich sehe es auch so, dass Per­so­nen auf den Bilern anony­mi­siert gehö­ren. Alles andere ist unpiratisch.

  • „Aber das haben die Pira­ten schon drauf: bei flickr und co wirkt auch die fsa09 wie eine Parteiveranstaltung.”

    Jetzt gönnt den pira­ten doch mal das biss­chen Erfolg! Fehlte uns ja noch, dass jetzt wie­der irgend­wel­che Spin­ner kom­men und die ganze Bür­ger­rechts­be­we­gung spal­ten. Dann brauch man sich über Schwarz-​Gelbe Mehr­hei­ten nicht zu wundern!

    Und im Übri­gen waren die Pira­ten neben den Grü­nen die stärkste Kraft auf der Freiheit-​statt-​Angst-​Demo.

    Ich ver­stehe manch­mal nicht, warum man­che Leute so gegen die Pira­ten wet­tern müs­sen und dann noch ohne ver­nünf­tige Argu­mente. Die Pira­ten sind für viele Men­schen im Land die ein­zige und letzte Hoff­nung, dass sich noch irgend­was ändert.

  • Bundesbedenkenträger

    Man könnte der Freund­lich­keit die Krone auf­set­zen: Den Leib­wäch­tern n Bier mit­brin­gen, die haben sicher nen har­ten Job, weil in ner Masse eben immer was pas­sie­ren kann. Damit hätte man sie auch posi­tiv gestimmt und ärgern kann sich nur noch der unver­bes­ser­li­che Uni­ons­an­hän­ger. Dem ist aber eh nicht mehr zu helfen…

  • Darf ich euch mal wie­der naiv nen­nen? Klar war das eine Ver­samm­lung, und zwar eine unan­ge­mel­dete, da gibt es nun mal Pro­bleme. Genauso wie Poli­zei­bru­ta­li­tät, das den­ken wir uns nicht aus, das ist Rea­li­tät. Aber ihr glaub halt nix bevor ihr es nicht selbst gese­hen habt.

  • Frau von der Leyen kommt auf den Linde­ner Markt­platz in Han­no­ver.
    …und alle so „yeaahh”

    Ich arbeite an einer Tank­stelle und habe dort sehr viele Men­schen die ich dar­über „auf­kläre” das die Zen­sur­sula eine „Spin­ne­rin” ist.
    Flyer der Pira­ten wer­den ange­nom­men und man­che habe ich sogar zum nach­den­ken ange­regt. Wie­der­rum andere wäh­len jetzt keine CDU mehr.

    Es ist wirk­lich erschüt­ternd wie die Frau immer wie­der den glei­chen Mist erzäh­len kann. Alles was sie erzählt wurde doch quasi wider­legt. Und doch geht es wei­ter .…blablablablub

  • @Malte:

    „Daten­schutz beginnt mit Daten­spar­sam­keit. Hier wer­den Bil­der von Per­so­nen ver­öf­fent­licht ohne deren Zustim­mung. Das geschieht mut­maß­lich aus Bequem­lich­keit, zumin­dest aber ist es nachlässig.“

    Lies dir erst­mal die Defi­ni­tio­nen der Begriffe durch, mit denen du hier han­tierst, auf einem Bild auf­zu­tau­chen hat näm­lich mit Daten­schutz nichts zu tun. Und dass ver­mut­lich keine Zustim­mung ein­ge­holt wurde, geschah nicht aus Bequem­lich­keit, son­dern weil es gar nicht not­wen­dig ist.

    „Und das hat gar nichts mit vor­aus­sei­len­der Gehor­sam zu tun, son­dern es ist schlicht eine Miß­ach­tung der Per­sön­lich­keits­rechte und Pri­vats­spähre — für die die Pira­ten­par­tei ja angeb­lich ein­tritt. Also bitte schön mit gutem Bei­spiel vorrangehen.“

    Nein, eine Miss­ach­tung der Per­sön­lich­keits­rechte liegt hier nicht vor. Ich wie­der­hole es noch ein­mal: wer sich in der Öffent­lich­keit bewegt, muss grund­sätz­lich damit rech­nen, foto­gra­fiert zu werden.

    Damit ist nicht gemeint, dass dir der nächst­beste Tou­rist seine Kamera ins Gesicht hal­ten darf, denn dann wärest du Haupt­mo­tiv sei­nes Fotos und damit wäre eine Ver­öf­fent­li­chung nur mit dei­ner Zustim­mung mög­lich. Wenn ich aber ein Ein­kaufs­zen­trum foto­gra­fiere, in dem sich dut­zende Men­schen tum­meln, brau­che ich selbst­ver­ständ­lich nicht die Ein­wil­li­gung der abge­bil­de­ten Per­so­nen, ganz egal, ob sie wie­der­er­kenn­bar wären oder nicht (okay, ganz so ein­fach ist das auch wie­der nicht, aber ich bre­che es mal auf die­sen Sach­ver­halt herunter).

    Soweit, so gut. Nun ist also Ursula von der Leyen mit Anhang auf dem Markt­platz. Wenn ich das weiß, dann kann ich mir auch den­ken, dass nicht nur der Foto­graf der örtli­chen Lokal­zei­tung dort her­um­lau­fen wird, son­dern auf­grund von von der Ley­ens Stoppschuld-​Plänen auch genü­gend Pri­vat­per­so­nen mit Kame­ras anwe­send sein wer­den. Und wenn ich nun trotz­dem meine, direkt neben Frau von der Leyen her­um­lau­fen zu müs­sen, dann muss ich eben auch damit leben, wenn ich am nächs­ten Tag in der Lokal­zei­tung und in ver­schie­de­nen Web­logs auftauche.

    Etwas ande­res wäre es, wenn Jorge-​Alberto Reich einen Demons­tran­ten ein­zeln auf­ge­nom­men hätte, denn dann wäre die­ser wie­der Haupt­mo­tiv. Wie­derum etwas ande­res könnte es sein, wenn der Demons­trant ein aus­ge­spro­chen krea­ti­ves Pla­kat trägt und damit quasi um Auf­merk­sam­keit ringt — aber das sind lei­der noch immer recht unge­klärte Spezialfälle.

  • Sehr schö­ner Bericht.

    Erin­nert mich übri­gens auch sehr stark an den Schäu­b­le­be­such in Lud­wigs­ha­fen am Rhein. Hier wur­den von „Unbe­kann­ten” Pla­kate der Pira­ten ent­wen­det und von einem der zwei anwe­sen­den Pira­ten die Per­so­na­lien auf­ge­nom­men, da es sich ja um eine unan­ge­mel­dete Ver­samm­lung etc. han­deln könne. Den hier betrof­fe­nen Pira­ten sei übri­gens noch die AG Recht der Pira­ten­par­tei ans Herz gelegt, die sich auch mit sol­chen The­men befasst.

    Zurück zur CDU: Anschei­nend hat die CDU nur leere Wort­hül­sen und viel heiße Luft zu bie­ten. Zumin­dest ist sich die CDU des­sen in unse­ren Brei­ten bewusst und ver­zich­tet auf Info­stände etc. und beschränkt sich auf Pla­ka­tie­ren vor dem ent­spre­chend geneh­mig­ten Zeit­raum, hängt Ampeln zu etc. die Pla­kate ohne jeg­li­chen Inhalt, nur mit dem Gesicht, der orts­an­säs­si­gen CDU Ver­tre­te­rin ver­stär­ken den Ein­druck der Plan– und Hilfs­lo­sig­keit ungemein.

    Wen es inter­es­siert, Link zum Schäu­b­le­be­suchs­blog: http://​sup​pen​kelle​.word​press​.com/​2​0​0​9​/​0​8​/​2​9​/​s​c​h​a​e​u​b​le/

  • Ist doch nur rich­tig dass da die Poli­zei geru­fen wurde. Die Gesetze zur Ver­samm­lungs­frei­heit haben schon ihren Sinn.
    Stellt euch mal vor eure Ver­an­stal­tun­gen wur­den regel­mä­ßig von Leu­ten heim­ge­sucht, die Wahl­emp­feh­lun­gen für, sagen wir mal, die REP geben. Da wür­det ihr auch die Poli­zei bit­ten, eurer Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung zu wah­ren. Dass das nun im öffent­li­chen Raum statt­fin­det hat damit nichts zu tun.

  • Sehr geil ;)

    auf auf — in den Bun­des­tag #pira­ten+ FTW mit 5% + x

  • @Malte: Daten­schutz beginnt mit Daten­spar­sam­keit. Hier wer­den Bil­der von Per­so­nen ver­öf­fent­licht ohne deren Zustim­mung. Das geschieht mut­maß­lich aus Bequem­lich­keit, zumin­dest aber ist es nachlässig.

    Und das hat gar nichts mit vor­aus­sei­len­der Gehor­sam zu tun, son­dern es ist schlicht eine Miß­ach­tung der Per­sön­lich­keits­rechte und Pri­vats­spähre — für die die Pira­ten­par­tei ja angeb­lich ein­tritt. Also bit­te­schön mit gutem Bei­spiel vorrangehen.

    Zudem sind zahl­rei­che der gezeig­ten Per­so­nen keine Mit­glie­der oder Anhän­ger der Pira­ten­par­tei. Die Fotos wer­den also sogar miß­bräuch­lich zur Selbst­dar­stel­lung ver­wen­det. Das ist eine Frechheit.

    Bezeich­nend finde ich auch, dass die Kri­tik an der inhalt­lich dürf­ti­gen Vor­stel­lung der Pira­ten in den bis­he­ri­gen Kom­men­ta­ren ein­fach unter­schla­gen wird. Offen­sicht­lich ist eine sach­li­che Aus­ein­an­der­set­zung nicht möglich?

  • @ Cars­ten: „Zu den nicht anony mi sier ten Bil dern viel leicht noch der Hin weis, dass nicht alles was mit gül ti gem Recht ver ein bar ist auch gemacht wer den muss.“

    Von vor­aus­ei­len­dem Gehor­sam halte ich nicht viel. Wer bei einer sol­chen Ver­an­stal­tung nicht foto­gra­fiert wer­den möchte, sollte zu Hause blei­ben oder sich wenigs­tens nicht direkt neben von der Leyen her­um­drän­geln. Wer es doch tut, muss dann eben damit rech­nen, dass er zwi­schen fünf bis zehn ande­ren Per­so­nen auf den Fotos auftaucht.

    „(Hier von einer ‘öffent li chen Ver an stal tung’ zu spre chen, würde übri gens der Poli zei ak tion ganz neben bei auch noch ihre Legi ti ma tion verleihen)“

    Der Besuch der Minis­te­rin war doch zwei­fel­los öffentlich.

  • Schö­ner Bericht.

    In der HAZ steht heute (Seite 11, erste Seite des Hannover-​Teils, rechte Spalte), die Poli­zei würde gegen 15 Anhän­ger der Pira­ten­par­tei wegen Ver­sto­ßes gegen das Ver­samm­lungs­ge­setz ermit­teln. Ich hoffe, das hat keine wei­te­ren Konsequenzen.

  • „Übri­gens waren auch viele andere Gesprächs­part­ner nicht so recht von Frau von der Leyen überzeugt.”

    Die ganze Welt besteht nicht nur aus Pira­ten, das steht aber auch in dem Arti­kel. Einem Pira­ten vor­zu­wer­fen, dass er in sei­nem (pri­va­ten) Web­log pri­mär auf die Pira­ten fixiert ist wäh­rend er sei­nen sub­jek­ti­ven Ein­druck von Ursu­las Besuch schil­dert, finde ich fast schon lus­tig. Das ist hier schließ­lich kein Nachrichtenmagazin.

  • Die For­mu­lie­rung „Wei­tere poli­tisch inter­es­sierte Bür­ger gesell­ten sich zu uns” finde ich in soweit unpas­send, weil (nach mei­nem Emp­fin­den) die Pira­ten deut­lich in der Min­der­heit zu den ‚inter­es­sier­ten Bür­gern’ waren.
    Aber das haben die Pira­ten schon drauf: bei flickr und co wirkt auch die fsa09 wie eine Parteiveranstaltung.

    Zu den nicht anony­mi­sier­ten Bil­dern viel­leicht noch der Hin­weis, dass nicht alles was mit gül­ti­gem Recht ver­ein­bar ist auch gemacht wer­den muss.
    (Hier von einer ‚öffent­li­chen Ver­an­stal­tung’ zu spre­chen, würde übri­gens der Poli­zei­ak­tion ganz neben­bei auch noch ihre Legi­ti­ma­tion verleihen)

  • Stephan Schwarz

    Das scheint mir bei den Pira­ten fast Sys­tem zu haben. Alles was irgend­wie ankommt, wird im Nach­hin­ein als „von uns” ver­kauft. Man könnte fast mei­nen, die gesamte Repu­blik bestünde nur noch aus Pira­ten. Da bin ich mal gespannt, ob sich das dann auch tat­säch­lich im Wahl­er­geb­nis nie­der­schlägt. ICH werde diese komi­sche Truppe jeden­falls nicht unterstützen!

  • @ Anonym: „Außer dem halte ich es bedenk lich, dass hier Bil der von Per so nen gezeigt wer­den, ohne deren Zustim mung und ohne eine hin rei chende Anonymisierung.“

    Was fin­dest du daran bedenk­lich? Wer sich auf öffent­li­chem Gelände wäh­rend einer öffent­li­chen Ver­an­stal­tung auf­hält, muss mit Fotos rech­nen, gerade wenn er sich stän­dig neben einer Bekannt­heit wie Ursula von der Leyen auf­hält; inso­fern ist das aus recht­li­cher Sicht einwandfrei.

    Außer­dem ist mei­nes Erach­tens in den meis­ten Fäl­len in die­sem Bei­trag die Anony­mi­tät durch die ver­klei­nerte Bild­größe und die schlech­ten Licht­ver­hält­nisse aus­rei­chend gewahrt.

  • Es ist ein­fach pein­lich, wie die Aktion am Sams­tag in die­sem Bei­trag aus­schließ­lich der Pira­ten­par­tei zuge­ord­net wird. Denn das ist ein­fach so nicht rich­tig, hier wird sich ein­fach mal mit frem­den Federn geschmückt. So weit ich das über­bli­cken konnte, waren auch zahl­rei­che Pri­vat­per­so­nen vor Ort, die sich indi­vi­du­ell und krea­tiv geäu­ßert haben. Die Pla­kate die­ser Leute waren grö­ßer, bun­ter und hat­ten deut­lich mehr inhalt­li­che Aus­sage, als die der Pira­ten!
    Außer­dem halte ich es bedenk­lich, dass hier Bil­der von Per­so­nen gezeigt wer­den, ohne deren Zustim­mung und ohne eine hin­rei­chende Anonymisierung.

Hinterlasse eine Nachricht

Mit dem Absenden des Kommentars willigen Sie ein, dass der angegebene Name, Ihre E-Mail-Adresse und die IP-Adresse Ihres Zugangs im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar gespeichert werden. E-Mail- und IP-Adresse werden nicht veröffentlicht oder weitergegeben. Siehe Datenschutzhinweise.