Sockfuß 2


Eine Kol­le­gin, gebür­ti­ge Kie­le­rin, erzählt mir, wie ihr beim Schlitt­schuh­lau­fen die Stra­ßen­schu­he geklaut wur­den. Mut­ter brach­te dann Ersatz­schu­he, die aber so aus­ge­lutscht waren, dass sie – puber­tie­rend und von Freun­din­nen umge­ben – „am liebs­ten sock­fuß wei­ter­ge­gan­gen wäre”.

„Sock­fuß”. Ein span­nen­des Wort. Ich kann­te bis­lang nur den Aus­druck „auf Socken” dafür, dass man zwar nicht bar­fuß ist, aber auch kei­ne Schu­he anhat. Wir rät­sel­ten ein wenig, ob es sich dabei wohl um ein typi­sche nord­deut­sches Idi­om han­delt. So wie „krö­keln” ein typisch han­no­ver­sches Wort für Tisch­fuß­ball ist. So rich­tig zu einem Ergeb­nis kamen wir aber nicht.

Nun habe ich mal Goog­le befragt. Ergeb­nis: 313 Tref­fer (unge­fähr). „Auf Socken” bringt es auf 24.500. Vie­le Tref­fer sind einem gewis­sen Sock­fuss geschul­det, der auch bloggt und in Foren schreibt. Span­nen­der: Zum einen kommt der Begriff im „Ang­ler­fo­rum Schles­wig-Hol­stein vor und zum ande­ren im Titel eines (damals ver­füg­ba­ren) You­tube-Vide­os: Beschuht – Sock­fuß durch Nüts­chau. Wenn dort das Klos­ter Nüts­chau gemeint ist, dann deu­tet auch das auf Schles­wig-Hol­stein hin. Nicht wei­ter hilft übri­gens der Duden. Sei­ne ein­zi­ge Ein­las­sung: „Mein­ten Sie: ‚Zuck­fuß’?

Trotz­dem scheint es fast so, als wäre „sock­fuß” wirk­lich ein Begriff, den man vor allem nörd­lich von Ham­burg benutzt. Mei­ne Kol­le­gin hat mir aber ver­si­chert, zu noch stär­ker beklei­de­ten Füßen wür­den sie nicht „schuh­fuß” sagen.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

2 Gedanken zu “Sockfuß

  • Petra

    Ich kom­me aus Laboe und bin mit dem Begriff „sock­fuß” groß gewor­den. Ich war ganz über­rascht, als ich im Erwach­se­nen­al­ter fest­stell­te, dass nicht jeder Mensch die­ses Wort kennt – und der Duden schein­bar schon gar nicht. In mei­ner Kind- und Jugend­zeit in Schles­wig-Hol­stein kann­te es jeder. Scheint wohl wirk­lich ein nord-schle­wig-hol­stei­ni­scher Begriff zu sein – obwohl mei­ne Mut­ter ihn auch ver­wen­det hat, die ursprüng­lich aus Düs­sel­dorf stammt.

    • Karin

      Ich kom­me aus Kiel (deut­lich nörd­lich von HH und gar nicht so weit ent­fernt von Laboe!).
      Zufäl­li­ger­wei­se bin ich sogar Deutsch­leh­re­rin …
      ent­deck­te aber erst vor recht kur­zer Zeit, dass der Begriff „sock­fuß” nicht allen Men­schen geLÄU­Fig ist.
      Und das kam so: Mein gro­ßer Sohn (19) berich­te­te mir von sei­nem Erleb­nis mit dem „Wort”. Er hat­te es im Trai­nings­la­ger ver­wen­det – Rude­rer ver­las­sen ihre Boo­te meist „sock­fuß” – und damit gro­ße Hei­ter­keit erzeugt.
      Ich forsch­te wei­ter – in mei­ner nähe­ren und ent­fern­te­ren Umge­bung, bemüh­te natür­lich auch den Duden – sock­fuß ist sprach­li­ches Nie­mands­land. Dabei fin­de ich den Begriff für das Auf-Socken-Lau­fen per­fekt. Mei­nen Schü­lern wer­de ich ihn auch nicht vor­ent­hal­ten – viel­leicht fin­det er ja irgend­wann Ein­gang in den natio­na­len Wort­schatz! 🙂