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Ein Bahn­steig an der Messe: Er­in­ne­run­gen an den Ce­BIT-Ver­kehr 1997 (2)

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Diese Ge­schichte zum Ce­BIT-Ver­kehr 1997 star­tete in Teil 1 mit ei­nem Be­helfs­bahn­steig am Mes­se­ge­lände.

Be­helfs­bahn­steig an der Mes­se­schleife in Han­no­ver, 9. März 1997

Die­ser er­mög­lichte es da­mals, klas­si­sche Stra­ßen­bahn­wa­gen für ei­nen Teil des Ce­BIT-An­rei­se­ver­kehrs ein­zu­set­zen. Nö­tig machte dies die an­ge­spannte Lage im üs­tra-Fuhr­park je­ner Tage: Die 256 ein­satz­be­rei­ten Stadt­bahn­wa­gen des Typs TW6000 reich­ten für den nor­ma­len Ver­kehr plus Mes­se­ver­kehr kaum aus.

TW500-U-Boot in der Mes­se­schleife, März 1997

So fuh­ren im mor­gend­li­chen Mes­se­ver­kehr der Ce­BIT 1997 bis zu drei TW500-Trieb­wa­gen den Zu­lauf­ver­kehr zwi­schen Pei­ner Straße und Mes­se­ge­lände, die so­ge­nann­ten „U-Boote“. Da sie an den Hoch­bahn­stei­gen nicht hal­ten konn­ten, blieb nur der kurze Be­helfs­bahn­steig im Wei­chen­be­reich süd­lich des Messe-Haus­bahn­steigs.

Ge­lenk­trieb­wa­gen bei der Ein­fahrt am Be­helfs­bahn­steig, März 1997

Und wie man auf den Fo­tos gut se­hen kann, wa­ren diese Züge wirk­lich nö­tig: Der Wa­gen ist sehr gut ge­füllt, und das ob­wohl er nur vier Sta­tio­nen an­ge­fah­ren hat.

An­kunft am Mes­se­ge­lände: Fahr­gäste von nur vier Sta­tio­nen auf dem Bahn­steig, März 1997

Ich weiß, dass ich mir das ganze da­mals mit ei­nem Kom­mi­li­to­nen zu­sam­men an­ge­schaut habe und dass wir an­schlie­ßend im (dann lee­ren) Stra­ßen­bahn­wa­gen zu­rück zur Pei­ner Straße ge­fah­ren sind. Das war vor al­lem des­halb sehr in­ter­es­sant, weil diese Trieb­fahr­zeuge noch über eine di­rekte Mo­tor­steue­rung ver­füg­ten. Ein gu­ter Fah­rer konnte mit die­sen Fahr­zeu­gen we­sent­lich ra­san­ter be­schleu­ni­gen als mit der elek­tro­nisch ge­re­gel­ten Ge­schwin­dig­keits­steue­rung der TW6000. Al­ler­dings dreh­ten auch schnel­ler die Rä­der durch und wenn man zu stark be­schleu­nigte und der Mo­tor zu viel Strom zog, un­ter­brach mit lau­tem Kra­chen der Si­che­rungs­au­to­mat die Strom­ver­sor­gung. Der Griff des Fah­rers ging dann im­mer di­rekt über sei­nen Kopf, wo die bei­den Dreh­griffe wa­ren, mit de­nen die Si­che­rung wie­der „rein­ge­dreht“ wer­den konnte.

U-Boot-Wen­de­ma­nö­ver an der Pei­ner Straße, März 1997

An der Pei­ner Straße wen­de­ten die Züge der U-Boot­li­nie über das Gleis­drei­eck in der Be­triebs­hof­zu­fahrt und fuh­ren von dort wie­der in die Hal­te­stelle Rich­tung Mes­se­ge­lände.

Ins­ge­samt war der Mes­se­zu­lauf­be­trieb je­ner Tage recht rus­ti­kal: Es be­durfte ei­nes ho­hen Per­so­nal­auf­wands um den Ver­kehr flüs­sig zu hal­ten. Und ge­rade in der zwei­ten Hälfte der 1990er Jahre führte der Ver­kehr zur Messe die Tech­nik auch mal über ihre Gren­zen hin­aus: Min­des­tens ein­mal in der Mes­se­wo­che fiel das Stell­werk am Ae­gi­dien­tor­platz aus und legte da­mit auch den Ver­kehr im ge­sam­ten U-Bahn­ab­schnitt nörd­lich von Döh­re­ner Turm über Stun­den lahm.

Stadt­bahn­stre­cke auf der Hil­des­hei­mer Straße nörd­lich An der Wol­le­bahn: Viel Ver­kehr. März 1997

Auch die Strom­ver­sor­gung zickte rum. Im mor­gend­li­chen An­rei­se­ver­kehr am Er­öff­nungs­tag kam es zu ei­nem Kom­plett­aus­fall der Strom­ver­sor­gung auf der Stre­cke süd­lich von Döh­re­ner Turm:

Pünkt­lich um 9.37 Uhr gab es im Un­ter­werk Döh­ren ei­nen Dau­er­kurz­schluß. Nach 3 au­to­ma­ti­schen ver­geb­li­chen Ver­su­chen den Strom wie­der ein­zu­schal­ten muß in der Schalt­warte Groß­alarm aus­ge­löst wor­den sein.

Über Funk kam als ers­tes die Auf­for­de­rung an alle auf der B-Süd [in­terne Be­zeich­nung der Stre­cke], die Fahr­zeuge auf re­du­zierte Netz­last zu schal­ten. Als das nichts ge­bracht hatte, wurde die ver­schärfte Maß­nahme ein­ge­lei­tet: Bü­gel run­ter für alle! Auch das half nicht. Also wur­den alle Fah­rer auf­ge­for­dert, die vor ih­nen lie­gende Stre­cke auf Ober­lei­tungs­schä­den zu über­prü­fen; eben­falls er­folg­los.

Als nächs­tes wur­den die Schal­ter für die Ein­spei­sung aus dem Un­ter­werk Döh­ren ab­ge­schal­tet. Der Kurz­schluß war im­mer noch vor­han­den, mußte also im Be­reich zwi­schen Un­ter­werk und Stre­cken­ein­spei­sung zu su­chen sein. We­nigs­tens konnte man so ei­nen Ver­bin­dungs­schal­ter schlie­ßen, so daß das Un­ter­werk En­ge­sohde (Al­ten­be­ke­ner Damm) die Ver­sor­gung des Ab­schnitts mit über­ne­he­men konnte. Nach ca. 15 Mi­nu­ten konn­ten die Bah­nen die Bü­gel wie­der an­le­gen und die Fahrt fort­set­zen.

TW6000-Drei­wa­gen­zug im Mes­se­ver­kehr an der Pei­ner Straße mit ab­ge­senk­ten Strom­ab­neh­mern, März 1997

Ver­kehrs­ge­schicht­lich stellt das Jahr 1997 gleich in meh­rer­lei Hin­sicht eine Zä­sur für den Stadt­bahn­ver­kehr in Han­no­ver dar: Letzt­ma­lig wur­den in die­sem Jahr – und das auch nur im hier be­schrie­be­nen Ce­BIT-Mor­gen­ver­kehr – die klas­si­schen TW500-Ge­lenk­trieb­wa­gen-Stra­ßen­bahn­züge im Re­gel­ver­kehr ein­ge­setzt. Und letzt­ma­lig wa­ren bei die­ser Ce­BIT an­sons­ten nur Fahr­zeuge des Typs TW6000 ver­füg­bar. Schon bei der In­dus­trie­messe ei­nen gu­ten Mo­nat spä­ter wurde das erste Ex­em­plar des neuen Stadt­bahn­fahr­zeugs TW2000 der Öf­fent­lich­keit vor­ge­stellt.

TW2001 bei der ers­ten öf­fent­li­chen Prä­sen­ta­tion auf der Han­no­ver Messe, April 1997

Im Laufe des Som­mers 1997 ka­men die ers­ten TW2000 auf das han­no­ver­sche Netz und zur Ce­BIT 1998 wa­ren be­reits aus­rei­chend Fahr­zeuge ver­füg­bar, so­dass es dies­be­züg­lich keine Pro­bleme mehr gab. Pro­bleme mach­ten nur die TW2000 selbst, die we­gen un­zu­rei­chen­der Tests im Vor­feld in der Ein­füh­rungs­phase zahl­rei­che Kin­der­krank­hei­ten aus­ku­rie­ren muss­ten. Des­halb wur­den sie im Mes­se­ver­kehr 1998 vor al­lem auf an­de­ren Li­nien ein­ge­setzt und nur spo­ra­disch auf den Mes­se­li­nien.

Heute er­in­nert nur noch we­nig an die Ver­hält­nisse Ende der 1990er Jahre: TW2000 und TW6000 sind längst gleich­be­rech­tigt im han­no­ver­schen Netz un­ter­wegs. Durch den brei­te­ren Wa­gen­kas­ten und die Mög­lich­keit, bis zu 100 Me­ter lange Vier­wa­gen­züge zu bil­den, er­höht der TW2000 zu­dem die Ka­pa­zi­tät ei­nes ein­zel­nen Zu­ges er­heb­lich. Und schließ­lich ist das Mes­se­ge­lände heute gleich von drei Sei­ten vom Schie­nen­ver­kehr er­schlos­sen.

Stadt­bahn- und S-Bahn­li­nien zum Mes­se­ge­lände im Jahr 2010

Ne­ben der An­bin­dung über Döh­ren und Mit­tel­feld gibt es seit der Expo 2000 noch eine wei­tere Stadt­bahn­stre­cke über Be­merode und den Krons­berg, die in der Nähe der ent­ge­gen­ge­setz­ten Ecke des Mes­se­ge­län­des en­det. Die bei­den Sta­tio­nen hei­ßen des­halb heute „Messe/​Nord“ und „Messe/​Ost“. Und dazu kommt noch das leis­tungs­fä­hige S-Bahn­netz, das Haupt­bahn­hof und Flug­ha­fen di­rekt mit dem Mes­se­ge­lände ver­bin­det und ei­nen Groß­teil des Ver­kehrs aus der Re­gion auf­nimmt. Im eben­falls zur Expo neu ge­bau­ten Fern­bahn­hof „Han­no­ver Messe/​Laatzen“ hal­ten zu­dem die Fern- und Re­gio­nal­züge der Nord-Süd-Fern­stre­cken. Trotz­dem stellt der Mes­se­ver­kehr auch heute noch eine Be­las­tungs­spitze des han­no­ver­schen Stadt­bahn­net­zes und ins­be­son­dere der Li­nien 8 und 18 dar.

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Un­ter­schied zwi­schen 1997 und 2010 ist, dass mitt­ler­weile sämt­li­che Bahn­steige zwi­schen der Tun­nel­aus­fahrt und dem Mes­se­ge­lände hoch­flu­rig sind. Das war auf die­ser Stre­cke be­son­ders auf­wän­dig, weil hier alle Bahn­steige für 100-Me­ter-Züge aus­ge­legt wur­den – und nicht für die sonst üb­li­chen 75 Me­ter ei­nes drei­wa­gi­gen TW2000-Zu­ges. Da­durch sind aber die Hal­te­stel­len­stops kür­zer ge­wor­den, weil zum ei­nen die Zeit zum Ein­fah­ren der Klapp­tritt­stu­fen nicht mehr nö­tig ist und zum an­de­ren die Fahr­gäste schnel­ler ein- und aus­stei­gen.

Platz des 1997er-Be­helfs­bahn­stei­ges 13 Jahre spä­ter: Nichts mehr zu se­hen. Fe­bruar 2010

Und der Be­helfs­bahn­steig an der Messe? Nun, auch der ist lange Ge­schichte. Heute fin­det sich hier ein Ober­lei­tungs­mast und ein Schalt­kas­ten. Au­ßer­dem ist der Hoch­bahn­steig ein paar Me­ter ver­län­gert wor­den, da­mit die 100 Me­ter lan­gen Vier-Wa­gen-TW2000-Züge dran­pas­sen. Die Stra­ßen­bahn­wa­gen sind ver­kauft oder ver­schrot­tet wor­den, mir ist nicht be­kannt, ob über­haupt ein sol­cher Brei­t­raum-Ge­lenk­trieb­wa­gen über­lebt hat. Bei der letz­ten gro­ßen üs­tra-Sause, dem Be­triebs­hof­fest an der Glock­see 2008, stand je­den­falls kei­ner in der Fahr­zeug­pa­rade auf dem Gleis­feld.

Fahr­zeug­pa­rade auf dem üs­tra-Be­triebs­hof­fest ohne TW400/500, Au­gust 2008

So schließt diese Rück­blende mit ei­nem letz­ten Foto aus dem Jahr 1997, das noch­mal das Wa­gen­ma­te­rial je­ner Zeit ge­mein­schaft­lich zeigt.

TW6000 und TW500 auf der Hil­des­hei­mer Straße Höhe An der Wol­le­bahn, März 1997

Nach­trag: Das In­ter­net ist schon toll. In ei­ner Dis­kus­sion auf Dreh­scheibe On­line sind mitt­ler­weile ei­nige kleine Kor­rek­tu­ren zu mei­nen Aus­füh­run­gen auf­ge­taucht. Teil­weise fin­den sich sich auch in den Kom­men­ta­ren un­ten. So wa­ren anno 1997 nicht drei, son­dern fünf TW500 im „U-Boo­t­ein­satz“. Zu­dem hat es auch nach 1997 noch U-Boo­te­in­sätze mit den al­ten Stra­ßen­bahn­wa­gen ge­ge­ben, und zwar bis zum Jahr 2002. Ich denke aber, dass man 1997 trotz­dem als das Jahr der ei­gent­li­chen Zä­sur in die­ser Sa­che se­hen kann: Spä­ter wa­ren die al­ten Wa­gen nur noch sehr spo­ra­disch und eher un­ter „Lieb­ha­be­ras­pek­ten“ im Mes­se­ver­kehr un­ter­wegs. Im Jahr 1997 hin­ge­gen war der Ein­satz durch­gän­gig die ge­samte Messe über und maß­geb­lich der Wa­gen­knapp­heit ge­schul­det. Be­sag­ten Dreh­scheibe-Ar­ti­kel emp­fehle ich üb­ri­gens auch des­halb zur Lek­türe, weil sich dort ei­nige sehr schöne Fo­tos aus je­nen Ta­gen fin­den. TW400, TW6000 und TW2000 in ei­ner nicht ge­stell­ten Be­triebs­hof­si­tua­tion ne­ben­ein­an­der fin­det man wahr­lich nicht alle Tage…

Ein Bahn­steig an der Messe: Er­in­ne­run­gen an den Ce­BIT-Ver­kehr 1997 (1)

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Die­ser Ar­ti­kel so­wie alle ent­hal­te­nen Gra­fi­ken und Fo­tos ste­hen un­ter ei­ner Crea­tive Com­mons Na­mens­nen­nung-Wei­ter­gabe un­ter glei­chen Be­din­gun­gen 3.0 Deutsch­land Li­zenz. Über diese Li­zenz hin­aus­ge­hende Er­laub­nisse kön­nen Sie un­ter http://​blog​.hill​brecht​.de/​l​i​z​e​n​z​h​i​n​w​e​i​se/ er­hal­ten.

Heute gibt es den zwei­ten Bei­trag mei­ner klei­nen Blog­se­rie „In­ter­es­sante Ver­kehrs­bau­werke„. Das heu­tige Bau­werk ist we­sent­lich un­spek­ta­ku­lä­rer als die Brü­cke vom letz­ten Mal. Und es exis­tiert heute auch nicht mehr. Die Ge­schichte dazu er­zählt aber von ei­nem span­nen­den han­no­ver­schen Ver­kehrs­ka­pi­tel.

An­läss­lich des an­ste­hen­den Ce­BIT-Be­ginns blen­den wir zu­rück in das Jahr 1997. Da habe ich kurz vor Be­ginn der Ce­BIT ei­nen Bahn­steig fo­to­gra­fiert.

Be­helfs­bahn­steig an der Mes­se­schleife in Han­no­ver, 9. März 1997

Schon auf die­sem Foto lässt sich er­ah­nen, dass es sich hier um ein höchst pro­vi­so­ri­sches Bau­werk han­delt: Er ist le­dig­lich von Holz­plan­ken um­grenzt, passt „ge­rade noch so“ zwi­schen das Kur­ven­ende im Vor­der­grund und den Hoch­bahn­steig im Hin­ter­grund und liegt auch noch mit­ten in ei­nem Wei­chen­be­reich. Der ein­zige Zu­gang schließ­lich ist der Not­zu­gang zu be­sag­tem Hoch­bahn­steig im Hin­ter­grund rechts.

Wahr­lich eine in­ter­es­sante Kon­struk­tion. Und eine – wie ich finde – in­ter­es­sante Ge­schichte da­hin­ter. Die­ser Bahn­steig be­fand sich an der „Mes­se­schleife“ des Stadt­bahn­net­zes. Dies ist die süd­li­che End­sta­tion der Li­nie 8 und war bis zum Jahr 2000 die ein­zige Stadt­bahn­sta­tion, die das Mes­se­ge­lände er­schloss. Die Sta­tion dürfte die leis­tungs­fä­higste des ge­sam­ten Net­zes sein, so­wohl was Durch­satz als auch was die Mög­lich­kei­ten zum kurz­fris­ti­gen Ein- und Aus­set­zen so­wie Ab­stel­len von Zü­gen be­trifft. Schauen wir uns den – auch heute noch so vor­han­de­nen – Gleis­plan an:

Gleis­plan der Sta­tion Mes­se­ge­lände (heute Messe/​Nord) in Han­no­ver

An der End­sta­tion gibt es drei Bahn­steige. Der wich­tigste ist Bahn­steig B, weil er di­rekt ge­gen­über dem Ein­gang „Nord 1“ des Mes­se­ge­län­des liegt. Zu Mes­se­zei­ten wird er ent­we­der zur An­kunft oder zur Ab­fahrt be­nutzt. So er­gibt sich eine von der Haupt­lastrich­tung der Be­su­cher­ströme ab­hän­gige Nut­zung der Ge­samt­an­lage:

  • Im mor­gend­li­chen An­rei­se­ver­kehr fah­ren die Züge an Bahn­steig A durch und hal­ten zum Aus­stei­gen erst an Bahn­steig B. Ein­ge­stie­gen wird dann an Bahn­steig C.
  • Abends im Haupt­ab­rei­se­ver­kehr än­dert sich die Ab­fer­ti­gung: Jetzt ist Aus­stieg am Bahn­steig A und ein­ge­stie­gen wird an Bahn­steig B. Bahn­steig C bleibt un­ge­nutzt.

Haupt­zweck des ge­trenn­ten Ein- und Aus­stei­gens ist ne­ben der Ent­zer­rung der Fahr­gast­ströme vor al­lem, dass an­ge­kom­mene Bah­nen über die dop­pel­ten Gleis­ver­bin­dun­gen vor und hin­ter Bahn­steig B ein­fach auf die In­nen­schleife und in den Ab­stell­be­reich ge­zo­gen wer­den bzw. von dort ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Mit ei­nem ge­wis­sen Puf­fer an Zü­gen in den Ab- und Auf­stell­be­reich in der Schleife lässt sich so sehr fle­xi­bel auf Be­su­cher­spit­zen re­agie­ren, Wa­gen kön­nen an­ge­kup­pelt oder ent­fernt, Züge di­rekt ins De­pot ge­schickt oder von ein­ge­setzt wer­den.

Au­ßer­halb der Mes­se­zei­ten wird eben­falls an Bahn­steig B an­ge­kom­men und dann an C ab­ge­fah­ren, wo­bei die Züge di­rekt durch­fah­ren.

Das er­klärt aber noch kein Stück, was es mit dem Zu­satz­bahn­steig auf sich hat. Dazu müs­sen wir uns die Ge­samt­ver­kehrs­si­tua­tion zu Mes­se­zei­ten an­schauen: Bis in die 1990er Jahre war die Stadt­bahn­stre­cke zur Messe der ein­zige leis­tungs­fä­hige ÖPNV-An­schluss des Mes­se­ge­län­des. Ent­spre­chend nahm sie ei­nen Groß­teil des Ver­kehrs auf. Be­trach­ten wir hierzu eine Stre­cken­gra­fik.

üs­tra-Li­nien zum Ce­BIT-Ver­kehr 1997

Grund­lage des Mes­se­ver­kehrs ist die Stadt­bahn­li­nie 8, die als Durch­mes­ser­li­nie aus dem Nor­den Han­no­vers kommt und am Mes­se­ge­lände en­det. Ab Haupt­bahn­hof wird sie durch Ver­stär­kungs­züge er­gänzt, die die Li­ni­en­be­zeich­nun­gen „18“ oder „E“ tra­gen. Mit die­sen drei Li­nien wurde der Haupt­teil des Ver­kehrs aus der In­nen­stadt be­wäl­tigt.

Da sei­ner­zeit der Fern­bahn­hof Han­no­ver Messe/​Laatzen noch nicht exis­tierte und es auch noch keine S-Bahn gab, kam auch ein Groß­teil der Zug­rei­sen­den zur Messe am Haupt­bahn­hof an und musste dort in die Stadt­bahn um­stei­gen. In­fol­ge­des­sen wa­ren die Züge ge­rade in der mor­gend­li­chen Haupt­stoß­zeit schon bei der Ab­fahrt am Haupt­bahn­hof so voll, dass am Kröp­cke, spä­tes­tens aber am Ae­gi­dien­tor­platz, nicht mehr alle War­ten­den zu­stei­gen konn­ten. Des­halb gab es eine zweite Ver­stär­kungs­li­nie, die eben­falls mit „E“ be­zeich­net wurde und die am Kö­nigs­wort­her Platz ein­setzte. Diese Bah­nen hiel­ten am Kröp­cke und am Aegi auf an­de­ren Glei­sen als die Bah­nen aus Rich­tung Haupt­bahn­hof und konn­ten so den Ver­kehr ent­zer­ren.

Trotz­dem blieb die Lage beim mor­gend­li­chen An­rei­se­ver­kehr an­ge­spannt: Ne­ben dem Mes­se­ver­kehr gibt es auch die Stadt­bahn­li­nien 1 und 2 auf der Stre­cke zwi­schen Haupt­bahn­hof und Both­mer­straße. Zu­dem wol­len nicht alle Fahr­gäste zur Messe: Die Stre­cke führt durch die dicht be­sie­delte Süd­stadt und hat eine wich­tige Rolle im Schü­ler­ver­kehr für eine ganze Reihe von Schu­len rund um die Sta­tion Al­ten­be­ke­ner Damm. Schließ­lich setzt das recht un­fle­xi­ble han­no­ver­sche Si­gnal­sys­tem enge Gren­zen für die Stre­cken­ka­pa­zi­tät nörd­lich des Döh­re­ner Turms.

Das führte zu ei­ner gan­zen Reihe durch­aus ein­falls­rei­cher Be­triebs­kon­zepte für die Stre­cke. So hiel­ten die „E“-Züge in ei­ni­gen Jah­ren an kei­ner der Sta­tio­nen zwi­schen Ae­gi­dien­tor­platz und Both­mer­straße, teil­weise so­gar bis Mes­se­ge­lände. Ein an­de­res Kon­zept war das „al­ter­nie­rende Hal­ten“, das es so sonst wohl nur auf ei­nige hoch­be­las­te­ten Ab­schnit­ten der New Yor­ker U-Bahn gibt: Zwi­schen Ae­gi­dien­tor­platz und Both­mer­straße hiel­ten alle Züge zum Mes­se­ge­lände al­ter­nie­rend nur an je­der zwei­ten Sta­tion.

All dies än­derte aber nichts daran, dass sämt­li­che Züge zur Messe mor­gens spä­tes­tens am Pei­ner Straße so prop­pen­voll wa­ren, dass süd­lich da­von das Zu­stei­gen zum pu­ren Glücks­spiel wurde. Was ein Pro­blem war, denn zum ei­nen nah­men viele Aus­stel­ler und Be­su­cher gern in Döh­ren oder Mit­tel­feld und da­mit mes­se­nah Quar­tier und zum an­de­ren war (und ist) Both­mer­straße ein wich­ti­ger Um­stei­ge­punkt aus Rich­tung Laat­zen und Re­then.

Drei­wa­gen­zug TW6000 im Ce­BIT-Ver­kehr 1997 zwi­schen Seel­horst und Both­mer­straße

Des­halb gab es noch eine fünfte Li­nie zum Mes­se­ge­lände. Diese wurde vom Be­triebs­hof Döh­ren an der Pei­ner Straße aus ein­ge­setzt und fuhr dann le­dig­lich die re­la­tiv kurze Rest­stre­cke bis zum Mes­se­ge­lände. Da­mit wurde ge­nau der kri­tischste süd­li­che Ab­schnitt ab­ge­deckt. Be­schil­dert war auch diese Li­nie als „8“ oder „E“, üs­tra-in­tern sprach man bei die­sen Bah­nen gern von den „U-Boo­ten“: Die Li­nie er­reichte nicht den Tun­nel in der In­nen­stadt, es gab auch kei­nen ech­ten „Fahr­plan“, statt­des­sen wur­den die Züge so­zu­sa­gen auf Zu­ruf zwi­schen den üb­ri­gen Kur­sen ein­ge­setzt – wie U-Boote halt.

Jetzt müs­sen wir auf ein an­de­res De­tail der Si­tua­tion der üs­tra im Jahr 1997 schauen: Den Fuhr­park. Sei­ner­zeit wur­den alle Stadt­bahn­li­nien aus­schließ­lich mit den grü­nen Bah­nen der Bau­reihe TW6000 be­trie­ben. 260 Fahr­zeuge gab es, die letzte Se­rie von 10 Wa­gen war erst 1993 aus­ge­lie­fert wor­den. Trotz­dem war es knapp: Der Ce­BIT-Ver­kehr be­nö­tigte so viele Fahr­zeuge, dass ei­gent­lich alle 260 Trieb­wa­gen ge­braucht wur­den. Lei­der stan­den diese nicht zur Ver­fü­gung: Durch meh­rere Un­fälle Ende 1996 und An­fang 1997 wa­ren ins­ge­samt vier Fahr­zeuge schad­haft ab­ge­stellt. Und da­mit wurde es eng: Ich er­in­nere mich, dass ich am ers­ten Mes­se­tag am Bahn­steig mei­ner Haus­sta­tion „Se­dan­straße“ stand und mit­ten im mor­gend­li­chen Be­rufs­ver­kehr mein Zug der Li­nie 3 als (völ­lig über­füll­ter) Ein­zel­wa­gen fuhr. Die­ses Schick­sal teil­ten auch an­dere Li­nien – nicht wirk­lich zur Freude der Fahr­gäste. Bei die­sem knap­pen Fuhr­park war die De­vise klar: Es muss­ten so viele TW6000 wie mög­lich ein­ge­spart wer­den.

Und da bo­ten ge­nau die be­schrie­be­nen U-Boot­ver­kehre eine Mög­lich­keit: Im Sep­tem­ber 1996 war die letzte „echte“ Stra­ßen­bahn­li­nie in Han­no­ver ein­ge­stellt wor­den: Die 16 fuhr vom Kla­ges­markt über Stein­tor, Ernst-Au­gust-Platz, Kö­nig­straße und Zoo zum Na­cken­berg. Seit In­be­trieb­nahme der U-Bahn un­ter dem En­gel­bo­s­te­ler Damm 1993 wurde diese Li­nie wie­der durch­gän­gig mit den letz­ten „al­ten“ Stra­ßen­bahn­wa­gen der Bau­reihe TW500, den so­ge­nann­ten „Ge­lenk­trieb­wa­gen“ be­fah­ren. Nach der Ein­stel­lung der Li­nie wur­den drei Wa­gen zu­nächst be­triebs­fä­hig ge­hal­ten, um näm­lich ge­nau mit die­sen be­sag­ten U-Boot­ver­kehr wäh­rend der Ce­BIT durch­zu­füh­ren.

TW503 auf der Li­nie 16 in der ehe­ma­li­gen Kehr­schleife Na­cken­berg, 25. Sep­tem­ber 1996

An­ders als die Stadt­bahn­wa­gen, die mit ih­ren Klapp­tritt­stu­fen so­wohl an Hoch- als auch an Nied­rig­bahn­stei­gen hal­ten kön­nen, sind die al­ten Stra­ßen­bahn­wa­gen mit ih­ren fest ein­ge­bau­ten Tritt­stu­fen auf nied­rige Bahn­steige an­ge­wie­sen. Diese gab es 1997 noch an al­len für den U-Boot­ver­kehr re­le­van­ten Hal­te­stel­len – mit ei­ner Aus­nahme: Mes­se­ge­lände. Dort war als letz­ter der Bahn­steig A im Som­mer 1996 als Hoch­bahn­steig um­ge­baut wor­den.

Und da­mit fügt die Ge­schichte sich end­lich zu­sam­men: Um mit den we­gen des TW6000-Man­gels als U-Boote ein­ge­setz­ten al­ten TW500-Stra­ßen­bahn­wa­gen am Mes­se­ge­lände hal­ten zu kön­nen, be­durfte es dort ei­nes pro­vi­so­ri­schen nied­ri­gen Bahn­steigs. Und ge­nau den baute man kurz vor der Ce­BIT di­rekt süd­lich des Bahn­steigs B.

Da­mit en­det Teil 1 die­ser Ge­schichte rund um den Ce­BIT-Ver­kehr ver­gan­ge­ner Tage. Teil 2 folgt.