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Bericht vom Parteitag — #pptnds11 — Piraten Niedersachsen in Wolfenbüttel

Live­b­log­ging aus Wol­fen­büt­tel. Ich habe mich rela­tiv kurz­fris­tig ent­schlos­sen, heute hier zum Pro­gramm­par­tei­tag der nie­der­säch­si­schen Pira­ten­par­tei zu fah­ren. Da sit­zen wir nun mit etwa 30 Leu­ten und reden über die Anträge, die im Vor­feld ja auch im „Antrags­buch” zu lesen waren. Ich hatte bei all die­sen Anträ­gen von vorn­her­ein kein gutes Gefühl und habe schon vor eini­gen Tagen die Anmer­kun­gen von Jür­gen Stemke gele­sen — und konnte ihnen quasi voll­stän­dig zustimmen.

Lindenhalle in Wolfenbüttel: Ort des Parteitages

Lin­den­halle in Wol­fen­büt­tel: Ort des Parteitages

Diese Par­tei­tag steht unter kei­nem guten Stern: Der neue nie­der­säch­si­sche Vor­stand kommt, so wird es viel­fach gese­hen, nicht recht in Tritt. Im Vor­hin­ein gab es erheb­li­che Beden­ken gegen einen Par­tei­tag noch vor den Kom­mu­nal­wah­len und in der Tat: Die Akti­ven sind zu gro­ßer Zahl im Stra­ßen­wahl­kampf gebun­den. Die­ses Wochen­ende ist das letzte, an dem sich gut Unter­stüt­zungs­un­ter­schrif­ten für die Kom­mu­nal­wah­len sam­meln las­sen. Das hat nicht nur dazu geführt, dass rela­tiv wenige Mit­glie­der hier anwe­send sind, son­dern auch, dass es im Vor­feld keine große Dis­kus­sion über die Anträge gege­ben hat.

Und das rächt sich jetzt. Rei­hen­weise wer­den hier gerade Anträge mit gro­ßer Mehr­heit abge­lehnt oder noch wäh­rend der Dis­kus­sion zurück­ge­zo­gen. Der Grund: Die Anträge sind hand­werk­lich schlecht, stel­len punk­tu­ell poli­ti­sche For­de­run­gen auf und basie­ren auf Grund­la­gen, die in der Par­tei — bes­ten­falls — umstrit­ten sind.

Ich denke, dass das nicht einer wie auch immer gear­te­ten Unfä­hig­keit der Antrag­stel­ler anzu­las­ten ist. Das Pro­blem ist: Viele die­ser Anträge beschäf­ti­gen sich mit The­men aus der Sozi­al­po­li­tik. Hierzu hat die Pira­ten­par­tei bis­lang aber nur sehr wenig Pro­gram­ma­tik erar­bei­tet. Die Par­tei hat sich um die The­men­be­rei­che „Bür­ger­rechte” und das weite Feld von „Urhe­ber­recht” und damit ver­bun­dene The­men gebil­det. Sozi­al­the­men sind erst all­mäh­lich in den Fokus gerückt. Erst seit Novem­ber 2010 fin­det sich dazu ein Abschnitt im Grund­satz­pro­gramm und mei­nes Erach­tens braucht es noch einige Zeit, bis wir hier so weit vor­an­ge­kom­men sind, dass wir kon­kret Stel­lung zu Renten-​, Arbeits­markt– oder all­ge­mei­ner Sozi­al­po­li­tik neh­men können.

Plenum des Parteitages

Ple­num des Parteitages

Momen­tan fin­den sol­che Dis­kus­sio­nen in der Pira­ten­par­tei weit­ge­hend „im luft­lee­ren Raum” statt, und das führt dazu, das jeder mehr oder weni­ger „aus dem Bauch her­aus” ent­schei­det. Das betrifft sowohl Antrag­stel­ler, die Anträge vor­brin­gen, die sie per­sön­lich für wich­tig hal­ten, als auch das Audi­to­rium, das aus eben­sol­chen Erwä­gun­gen jeweils dafür oder dage­gen ist. So rich­tig kon­struk­tiv ist die Dis­kus­sion lei­der nicht, weil auf allen Sei­ten das Fak­ten­wis­sen fehlt.

Inso­fern bringt uns die­ser Par­tei­tag mei­nes Erach­tens nicht wirk­lich wei­ter. Er ist aber ein Hin­weis an die Gesamt­par­tei, dass Sozi­al­po­li­tik sehr vie­len Pira­ten auf dem Her­zen liegt und dass die Par­tei in den nächs­ten Mona­ten und Jah­ren hier eine Pro­gram­ma­tik auf allen Ebe­nen ent­wi­ckeln sollte.

Es kann nicht Sinn eines Par­tei­ta­ges sein, rei­hen­weise Anträge abzu­leh­nen. Neben den pro­gram­ma­ti­schen Pro­ble­men, die ich eben beschrie­ben habe, sehe ich auch das Pro­blem, dass es im Vor­feld viel zu wenig Dis­kus­sio­nen um die Anträge gege­ben hat. Das ist letzt­lich ein Pro­blem der gesam­ten Par­tei und zu einem nen­nens­wer­ten Anteil zwar auch der Arbeits­be­las­tung durch den Wahl­kampf geschul­det ist. Es ist aber auch so, dass die Debat­ten­kul­tur in der Pira­ten­par­tei sicher noch ver­bes­sert wer­den muss. Ich sehe das aber als Auf­gabe auch an mich selbst, diese Dis­kus­sion zum Bei­spiel in die Aktiv­en­tref­fen und Stamm­ti­sche hineinzutragen.

Dass das etwas bringt, konnte man übri­gens spä­ter am Nach­mit­tag ver­fol­gen. Die Ener­gie– und Atom­po­li­tik wird bereits län­ger par­tei­in­tern dis­ku­tiert, ein Kon­sens exis­tiert — die ent­spre­chen­den Anträge wur­den nach kur­zer Dis­kus­sion mit gro­ßen Mehr­hei­ten ange­nom­men. Das ist das Modell, an dem wir uns bei unse­ren Par­tei­ta­gen ori­en­tie­ren sollten.

So bleibt denn mei­ner­seits ein durch­aus ver­söhn­li­cher Gesamt­ein­druck die­ses Par­tei­ta­ges. Vor allem die Debat­ten­kul­tur in der Ver­an­stal­tung selbst hat sich bemer­kens­wert ver­bes­sert. Die Stim­mung war gut, es geht halt nichts über direkte Kom­mu­ni­ka­tion von Ange­sicht zu Ange­sicht. Außer­dem gab es hier eine ein­fa­che Mög­lich­keit, noch­mal ein paar Wahl­pla­kate für den Kom­mu­nal­wahl­kampf auf die Gebiets­ver­bände zu ver­tei­len — ich habe auch gut Gebrauch davon gemacht.

Plakatbasar auf dem Parkplatz: Futter für Wahlkämpfer

Pla­kat­ba­sar auf dem Park­platz: Fut­ter für Wahlkämpfer

#servergate – Warum die Piraten wichtig sind

„Solch ein unde­mo­kra­ti­scher Akt darf sich nie wie­der­ho­len“ wurde Sebas­tian Nerz ges­tern viel­fach zitiert. Gemeint ist die gest­rige Beschlag­nahme und stun­den­lange Abschal­tung der zen­tra­len Ser­ver der Pira­ten­par­tei durch die hes­si­sche Poli­zei auf Grund eines – ja, wes­we­gen eigent­lich? Da gab es die fran­zö­si­sche Staats­an­walt­schaft, die irgend­wel­che Infor­ma­tio­nen auf dem Ether­pad­ser­ver ver­mu­tete. Um an diese her­an­zu­kom­men, bat sie die deut­schen Ermitt­lungs­be­hör­den um Amts­hilfe – nein, Kor­rek­tur: star­tete sie eine Vor­an­frage auf ein Amts­hil­fe­er­su­chen. Und auf Grund die­ser Vor­an­frage lie­fen besagte deut­sche Ermitt­lungs­be­hör­den los und „sicher­ten Beweismittel“ – nicht ohne die sechst­größte deut­sche Par­tei weit­ge­hend vom Netz zu trennen.

Ich muss mich an die­ser Stelle gar nicht groß über die­ses Vor­ge­hen auf­re­gen. Das haben andere schon zu Genüge getan – und das viel fun­dier­ter als ich es könnte. In den Kom­men­ta­ren wird ein­hel­lig auf die völ­lige Unver­hält­nis­mä­ßig­keit der Aktion ver­wie­sen, ins­be­son­dere da die Pira­ten­par­tei als poli­ti­sche Par­tei unter beson­de­rem grund­ge­setz­li­chen Schutz steht und des­halb staat­li­che Ein­griffe – eigent­lich – beson­ders sorg­fäl­tig abzu­wä­gen sind.

Der deut­sche Staat hat es im kon­kre­ten Fall dann aber lie­ber mit Goe­thes Mephisto gehal­ten: „Grau mein Freund ist alle Theo­rie“. Wenn die Aktion vom Frei­tag das Ergeb­nis sorg­fäl­ti­ger Abwä­gun­gen war, dann möchte ich nicht in der Nähe sein, wenn die dafür Ver­ant­wort­li­chen mal „Gefahr im Ver­zug“ wit­tern. Womit wir – um noch­mal Goe­the zu zitie­ren – bei des Pudels Kern wären: Der Staat „Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land“ ist am Frei­tag auf eine Art und Weise mit sei­nen in der Pira­ten­par­tei orga­ni­sier­ten Bür­gern umge­sprun­gen, die mit sei­nen frei­heit­lich – demo­kra­ti­schen Grund­sät­zen nicht ver­ein­bar ist. Wenn man diese Werte ernst nimmt, ver­bie­tet sich ein sol­cher Ein­griff in die Struk­tu­ren der Par­tei von selbst. Noch dazu zwei Tage vor einer Land­tags­wahl, zu der die Par­tei antritt. Und erst recht bei den geschil­der­ten Rand­be­din­gun­gen (Vor­an­frage zu Amtshilfe…).

„Solch ein unde­mo­kra­ti­scher Akt darf sich nie wie­der­ho­len“ sagt Sebas­tian Nerz und fährt fort mit Plä­nen, in Zukunft mit einem inter­na­tio­na­len Ser­ver­ver­bund zu arbei­ten, der „Stö­run­gen“ die­ser Art abfan­gen kann. So sinn­voll diese Maß­nahme ist – das kann nicht die Lehre aus „Ser­ver­gate“ sein! Die Lehre ist, dass der Staat, und mit ihm auch seine Reprä­sen­tan­ten wie zum Bei­spiel Staats­an­wälte, sich eben nicht alles erlau­ben dür­fen, bloß „weil sie es kön­nen“. Dazu braucht es einer­seits Regeln – also Gesetze –, ande­rer­seits aber auch den Wil­len aller Betei­lig­ten, sich daran zu hal­ten. So eine „Staats­rä­son“ lässt sich maß­geb­lich errei­chen, indem staat­li­che Aktio­nen nach­voll­zieh­bar sind. Der Staat muss in sei­nem Tun trans­pa­rent sein. Und hier schließt sich der Kreis, denn genau das ist einer der zen­tra­len pro­gram­ma­ti­schen Punkte der Piratenpartei.

So wird die Abschal­tung der Par­tei­ser­ver vom Frei­tag zu einer nach­drück­li­chen Demons­tra­tion, warum die Pira­ten­par­tei in der deut­schen Poli­tik wich­tig ist und bleibt: Wir ste­hen dafür, dass der Staat sich – wie alle ande­ren – an die Regeln hält. Wir wol­len keine Schnüf­fel­ge­setze, wir wol­len keine „erwei­ter­ten Befug­nisse“ und wir wol­len auch nicht solch unter­schwel­li­gen Wahn­sinn, wie wir ihn am Frei­tag erle­ben konn­ten. Meine per­sön­li­che Kon­se­quenz aus „Ser­ver­gate“ ist, dass ich mich in Zukunft noch stär­ker zur Pira­ten­par­tei und ihren Zie­len beken­nen werde. Die Gesamt­si­tua­tion wird ja offen­sicht­lich nicht besser…

Schade finde ich übri­gens, dass ich von ande­ren Par­teien – mit weni­gen Aus­nah­men – bis­lang so gar nichts zu den Vor­gän­gen gehört habe. Jungs, Mädels: Die­ses Mal hat es uns getrof­fen, aber wer weiß, auf was für Ideen die Staats­an­walt­schaft bei euch um die Ecke kommt, soll­ten sich mal „ver­däch­tige Per­so­nen“ vor eurer Par­tei­zen­trale aufhalten…

Und plötzlich war’n die Server weg. Oder: Ermittlungsbehörden richten sich nicht gegen die Piratenpartei

Hin­weis: Infor­ma­tio­nen zum gesam­ten Vor­gang fin­den sich unter http://​wiki​.pira​ten​-thue​rin​gen​.de/​S​e​r​v​e​r​g​ate.

Zunächst bitte ich hier mal die „Bundes-​IT” der Pira­ten­par­tei um Ent­schul­di­gung. Als ich näm­lich heute mor­gen nicht auf das Pad zugrei­fen konnte, war mein ers­ter Gedanke: „Super, haben sie’s mal wie­der verbockt…”

Haben sie aber gar nicht. Ein gro­ßer Teil der Web­prä­senz der Pira­ten­par­tei ist seit heute mor­gen auf Grund „poli­zei­li­cher Maß­nah­men” abge­schal­tet. Nichts genaues weiß man nicht, aber es scheint um Inhalte zu gehen, die auf den Ser­vern viel­leicht lie­gen oder gele­gen haben. Und zwar nicht mal Inhalte, für die sich der deut­sche Staat inter­es­siert, son­dern um Dinge, die das Inter­esse fran­zö­si­scher Ermitt­lungs­be­hör­den geweckt haben.

Also noch­mal lang­sam: Einem fran­zö­si­schen Staats– oder sons­ti­gen Anwahl fal­len im Inter­net miss­lie­bige Inhalte auf. Diese befin­den sich — even­tu­ell — in einem der Dienste, die eine deut­sche poli­ti­sche Par­tei auf ihren in Deutsch­land gehos­te­ten Ser­vern bereit­stellt. Und dar­auf­hin wird der gesamte Inter­net­auf­tritt eben die­ser deut­schen Par­tei von deut­schen „Ermitt­lungs­be­hör­den” abgeschaltet.

Geht’s noch?

Es ist ja lei­der trau­rige Tat­sa­che, dass die Inter­net­kom­pe­tenz deut­scher „Ermitt­lungs­be­hör­den” viel­fach immer noch ähnlich gut aus­ge­prägt ist wie die Fein­füh­lig­keit eines Ele­fan­ten im Por­zel­lan­la­den. Und ebenso fein­füh­lig ist dann ja häu­fig auch das Tun und Las­sen besag­ter „Ermitt­lungs­be­hör­den”. Aber auf Grund aus­län­di­scher Befind­lich­kei­ten einer deut­schen Par­tei ein­fach kom­plett den Saft abzu­klem­men, das ist schon ‚ne Num­mer, die ich so eigent­lich bis­her nicht für mög­lich gehal­ten hätte.

Mag sein, dass sich besagte Ermitt­lun­gen — wie in der Pres­se­mit­tei­lung der Pira­ten­par­tei ver­laut­bart — „nicht gegen die Pira­ten­par­tei” rich­ten. Das Han­deln aber rich­tet sich gleich mit meh­re­ren Breit­sei­ten gegen die Pira­ten. Zwei Tage vor einer Land­tags­wahl auf die­ser Weise zu ver­su­chen, eine ganze Par­tei mund­tot zu machen, das ist schon ein star­kes Stück.

Ich nehme aus die­sem Vor­fall, gleich wie lang er noch andau­ern möge und unab­hän­gig davon, was da im ein­zel­nen pas­siert ist, zum Anlass, eine poli­ti­sche For­de­rung zu for­mu­lie­ren: Bei „Beschlag­nahme” oder „Durch­su­chun­gen” von Com­pu­tern, ins­be­son­dere öffent­lich zugäng­li­chen Ser­vern, muss grund­sätz­lich nach dem Grund­satz der Scha­dens­ver­mei­dung für den Ser­ver­be­sit­zer bzw. –nut­zer gehan­delt wer­den. Das heißt: Dienste und Ser­ver dür­fen nur abge­schal­tet wer­den, wenn dies für eine Daten­er­he­bung unbe­dingt erfor­der­lich ist, Dienste und Ser­ver müs­sen danach umge­hend wie­der online gebracht wer­den und kei­nes­falls dür­fen Rech­ner­sys­teme im Rah­men von Ermitt­lungs­vor­gän­gen abge­baut und von den Behör­den mit­ge­nom­men wer­den. Es geht in die­sen Fäl­len stets um vir­tu­elle Güter in Form von Daten, da ist es nur sach­ge­recht, wenn im Zuge der Ermitt­lun­gen eben­diese Daten zu Ermitt­lungs­zwe­cken ver­viel­fäl­tigt wer­den und die Ori­gi­nale ver­füg­bar bleiben.

Sowas wie das, was die „Ermitt­lungs­be­hör­den” da gerade beim Hos­ter der Pira­ten­par­tei abzie­hen ist jeden­falls eines freiheitlich-​demokratischen Rechts­staa­tes mehr als unwürdig.

Von Bildern, Parteien und Lizenzen. Heute: Die Linke und die Stadtbahn in Hannover

Es ist doch immer wie­der erhel­lend, im Inter­net zu sur­fen. Neh­men wir mal die „Rick­lin­ger Pla­kat­wand” des han­no­ver­schen loka­len Inter­net­ma­ga­zins „Ihme­bote”. Da fin­det sich (immer noch) ein Pla­kat einer Ver­an­stal­tung der Par­tei „Die Linke” aus dem April 2010:

Plakat für eine Diskussionsveranstaltung der Linken

Pla­kat für eine Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung der Linken

So weit, so gut. Ich bin aber an dem Motiv des Pla­kats hän­gen­ge­blie­ben. Die­ses Stadt­bahn­bild, hm, … irgend­wo­her kenne ich das. Und ich bin dann auch recht schnell drauf gekom­men: Es ist von mir.

Wikipediabild des hannoverschen Stadtbahnwagens TW2000

Wiki­pe­dia­bild des han­no­ver­schen Stadt­bahn­wa­gens TW2000

Im März 2001 habe ich die­ses Bild am Vah­ren­wal­der Platz foto­gra­fiert und im Juni 2005 in den Wikipedia-​Artikel über die han­no­ver­sche Stadt­bahn ein­ge­baut. So liegt es denn auf den Wiki­me­dia Com­mons und wird mitt­ler­weile in einer gan­zen Reihe von Arti­keln benutzt.

Und offen­sicht­lich auch hier auf die­sem Pla­kat der „Lin­ken”. Noch­mal beide Bil­der neben­ein­an­der­ge­stellt im Vergleich:

Wikipediabild und das Plakat im direkten Vergleich

Wiki­pe­dia­bild und das Pla­kat im direk­ten Vergleich

Ich freue mich ja immer, wenn meine Werke genutzt wer­den. Und ich mache das ja auch expli­zit mög­lich, indem ich sie unter einer geei­gen­ten Lizenz bereit­stelle. Ich ver­wende übli­cher­weise die jeweils aktu­elle CC-​BY-​SA-​Lizenz, das heißt, ich erlaube die Wei­ter­gabe unter Quel­len­an­gabe („BY”) und wenn das abge­lei­tete Werk unter die­selbe Lizenz gestellt wird („SA” für „same attri­bu­tion”, etwa „glei­che Bedin­gung”). Ich ver­zichte auf das Ver­bot abge­lei­te­ter Werke („ND”, „no deri­va­tes”, etwa „keine Ablei­tun­gen”) und auch auf das Ver­bot kom­mer­zi­el­ler Ver­wen­dung („NC”, „no com­mer­cial”, etwa „keine kom­mer­zi­elle Verwendung”).

Inso­fern hat „Die Linke” schon vie­les rich­tig gemacht: Sie dür­fen das Bild benut­zen, ohne mich zu fra­gen. Sie dür­fen es bear­bei­ten und als Bestand­teil ihres Pla­kats ver­wen­den. Und sie dür­fen die­ses Pla­kat belie­big ver­öf­fent­li­chen. Was sie aber lei­der ver­ges­sen haben ist, den Urhe­ber — näm­lich mich — geeig­net zu erwäh­nen. Zum Bei­spiel in einer klei­nen Fuß­zeile auf dem Pla­kat, in dem dann nicht nur die Bild­quelle, son­dern auch der Bear­bei­ter genannt wird. Und die Bild­quelle für den Stadt­bahn­plan im Hin­ter­grund. Ach ja, und dann müsste die­ses Pla­kat eigent­lich eben­falls unter CC-​BY-​SA-​Lizenz ste­hen, weil ja der Bild­be­stand­teil „TW2000-​Wagen” unter eben die­ser Lizenz steht. Es könnte aber sein, dass sich das dann wie­der mit der Lini­en­netz­plan­li­zenz beißt, denn soweit ich weiß, stellt die üstra ihre Pläne nicht unter eine CC-​Lizenz. Ich ver­mute aber mal, dar­über hat man sich auch nicht wirk­lich Gedan­ken gemacht.

Und nun? Nein, ich werde jetzt nicht mit irgend­wel­chen juris­ti­schen Schar­müt­zeln anfan­gen. Der Drops ist lang gelutscht, die Ver­an­stal­tung war vor über einem Jahr und auch ansons­ten wäre mir das ein wenig zu blöd. Ich find’s aber schon schade, dass der Lizenz­text der Creative-​Commons-​Lizenz hier gerade von einer poli­ti­schen Par­tei nicht ernst genom­men wird. Sowas geht auch bes­ser. Liebe Linke, fragt im Zwei­fels­fall ein­fach mal bei den Pira­ten nach…

Ansons­ten: Schade eigent­lich, dass ich nicht bei­zei­ten auf die­sen Dis­kus­si­ons­abend auf­merk­sam gewor­den bin. Genau mein Thema

Wer verklagt wen? Patentdickicht als Grafik

Ich war ja ab 2003 sehr aktiv in der Anti-​Softwarepatentbewegung, habe die „Unter­neh­mer­in­itia­tive gegen Soft­ware­pa­tente” mit­be­grün­det und spä­ter „patent​frei​.de”. Ich nehme für diese Akti­ons­bünd­nisse in Anspruch, dass sie einen wich­ti­gen Anteil daran hat­ten, dass die „Soft­ware­patent­di­rek­tive” im Juli 2005 im Euro­päi­schen Par­la­ment abge­lehnt wurde. Ich bin auch wei­ter­hin in die­ser Sache aktiv — sei es im „Bun­des­ver­band Infor­ma­ti­ons– und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie” (BIKT) oder in der Pira­ten­par­tei.

Und nun zu etwas ganz ande­rem: Was ist das?

a) Minesweeper, b) Verwandtschaftsbeziehungen, c) Routenplaner, d) Patentklagen

a) Mines­weeper, b) Ver­wandt­schafts­be­zie­hun­gen, c) Rou­ten­pla­ner, d) Patentklagen

Rich­tig ist Ant­wort (d): Diese hüb­sche kleine Gra­fik zeigt, wel­ches Unter­neh­men gerade wel­ches andere wegen „Patent­ver­let­zun­gen” in der Mobil­funk­bran­che ver­klagt hat. Alle gro­ßen sind dabei: Micro­soft, Apple, HTC, Nokia… Der geneigte Leser möge kurz inne­hal­ten und über­le­gen, wer wohl wer ist, bevor er den Ori­gi­nal­ar­ti­kel anklickt und dort (auf Eng­lisch) die ganze Geschichte liest:

Tech­no­lo­gi­zer: Who’s Suing Who? A Cheat Sheet to the Mobile Patent Mess

Die aktu­el­len Patent­kriege in der Mobil­funk­bran­che sind maß­geb­lich der extre­men Anzahl von Paten­ten geschul­det, die die gefürch­te­ten „Patent­di­ckichte” bil­den: Nie­mand blickt mehr durch, wer über­haupt was paten­tiert hat, aber beim Arbei­ten in einem bestimm­ten Bran­chen­um­feld ist es quasi unmög­lich, ohne die Tech­ni­ken aus­zu­kom­men, um die sich das Dickicht gebil­det hat. So wird Fort­schritt dann zum Glücks­spiel und über die beste Tech­nik ent­schei­den nicht die Ent­wick­ler, son­dern die Anwälte — und die grö­ßere Brieftasche.

Schöne neue Welt.

Zensursulas Websperren sind weg — Ein Sieg für die Piratenpartei!

Das „Zugangs­sper­ren­ge­setz” wird beer­digt. Ges­tern von der Regie­rung beschlos­sen, dem­nächst dann im Par­la­ment unse­res (hof­fent­lich) gerings­ten Miss­trau­ens besie­gelt. Ein gro­ßer Tag! Für Deutsch­land, für die Mei­nungs­frei­heit aber auch und ins­be­son­dere für die Pira­ten­par­tei. Denn die Regie­rung setzt hier ganz klar und ganz ein­fach ein­seh­ba­rer­weise eine unse­rer Kern­for­de­run­gen um.

Der Kampf gegen die ver­nied­li­chend „Zugangs­sper­ren” genannte Inter­net­zen­sur ist eines der Kern­stü­cke des Selbst­ver­ständ­nis­ses der Pira­ten­par­tei und die­je­nige poli­ti­sche Frage, die wohl mit Abstand die meis­ten Mit­glie­der zu uns gebracht hat. Dass unsere For­de­rung „Keine Zugangs­sper­ren, keine Inter­net­zen­sur, Löschen statt Sper­ren” nun quasi 1:1 umge­setzt wird, dass diese von der Sache unbe­leckte und wohl in der Sache auch wei­test­ge­hend unin­ter­es­sierte Fami­li­en­mi­nis­ter­in­dar­stel­le­rin der ver­gan­ge­nen Legis­la­tur­pe­riode damit die „volle Packung” kas­siert, dass das größte Damo­kles­schwert über der Mei­nungs– und Rede­frei­heit im deut­schen Inter­net damit ent­schärft ist — das ist auch unser Sieg!

Wir täten gut daran, dies gebüh­rend zu wür­di­gen. Ich bin ja kein Freund stän­di­ger Pres­se­mit­tei­lun­gen, aber hier ist die schöne große PM mal ange­bracht, die heute die Pira­ten­home­page ziert. Und wir soll­ten durch­aus ein­mal durch­at­men, uns grin­send zurück­leh­nen und aus die­sem Sieg die Kraft schöp­fen, gegen all die neuen Her­aus­for­de­run­gen anzu­ge­hen, die seit­dem auf der Tages­ord­nung ste­hen. „In der Ruhe liegt die Kraft” — diesen durch­aus zutref­fen­den Sinn­spruch über­se­hen all die par­tei­in­ter­nen Kri­ti­ker, die jetzt mit „zu wenig, zu spät”-Äußerungen vor­pre­schen. Sie reden damit unse­ren Erfolg in die­ser Sache klein — und damit auch uns als Piratenpartei.

Ich halte die­ses Thema übri­gens des­halb für so außer­or­dent­lich wich­tig, weil wir damals damit wirk­lich die Leute auf die Straße bekom­men haben und Öffent­lich­keit erzeu­gen konn­ten. Ich hatte das damals selbst in die­sem Blog doku­men­tiert (boah, wat war ich damals pummelig…).

Jakob Augstein in Spiegel Online über die FDP — Piratenpartei als Alternative?

Spie­gel Online schrieb ges­tern über die FDP. Über deren Pro­bleme. Und dar­über, wie wenig diese Par­tei das Wort „Frei­heit” in ihrem Namen aus­füllt. In der Kolumne von Jakob Augs­tein heißt es unter anderem:

Nach den jüngs­ten Wah­len hat das große Mur­ren begon­nen, die Rest­li­be­ra­len Baum, Leutheusser-​Schnarrenberger, Ger­hardt for­dern Rück­be­sin­nung und Neu­an­fang. […] Die Par­tei des pein­li­chen Wes­ter­welle ist alles mög­li­che, aber nicht libe­ral. [… Die FDP ist] mit­nich­ten die Par­tei der Leis­tungs­trä­ger […], son­dern die der Selbst­be­die­ner. Sie zieht eben nicht ver­ant­wor­tungs­volle Bür­ger­li­che an, son­dern nur skru­pel­lose Kaltschnauzen. […]

Die Neo­li­be­ra­len haben die Idee des Libe­ra­lis­mus per­ver­tiert. […] Libe­ra­lis­mus han­delt von Frei­heit, nicht von Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit. […] Der Libe­rale glaubt, dass posi­tive Frei­heit auto­ma­tisch aus der nega­ti­ven folgt. Wenn die äuße­ren Beschrän­kun­gen weg­fal­len, wird der Mensch selbst­be­stimmt handeln. […]

Wir könn­ten auch eine Par­tei gut gebrau­chen, die sich aus einem Geist gesell­schaft­li­cher Ver­ant­wor­tung gegen die von Slo­ter­dijk soge­nannte „deut­sche Lethar­go­kra­tie” stellt — „immer der sozia­len End­for­mel ent­ge­gen: Urlaub, Umver­tei­lung, Adipositas.” […]

Wir könn­ten auch eine Par­tei der Muti­gen und der Opti­mis­ten gut gebrau­chen, die Wis­sen­schaft und Tech­nik und All­tag nicht unter dem Gesichts­punkt der Risi­ken betrach­tet, son­dern unter dem der Chancen.

„Mensch”, war da auf den Mai­ling­lis­ten der Pira­ten­par­tei zu lesen, „der redet ja von uns.” Denn wir sind ja die Par­tei des 21. Jahr­hun­derts, wir ste­hen für Frei­heits­rechte, für die Selbst­be­stim­mung des Ein­zel­nen, für den Fort­schritt, für eine freie Welt…

Halt! sage ich, halt’ ein mein Freund. Denn Augs­tein schreibt auch:

[Wir brau­chen] erst Recht eine Par­tei der Frei­heit, die sich gegen die Vor­sichts­ge­sell­schaft stellt, die Ver­bots­ge­sell­schaft, die Rest­ri­si­ko­ver­mei­dungs­ge­sell­schaft, die von der rot­leuch­ten­den Warn­weste im Kof­fer­raum bis zum „Sie-werden-eines-schrecklichen-Todes-sterben-wenn-Sie-rauchen”-Schild auf der Ziga­ret­ten­pa­ckung an alles denkt. Aber auch wirk­lich an alles.

Genau da hat die Pira­ten­par­tei, in der ich nun seit bald fünf Jah­ren Mit­glied bin, ein nicht zu ver­ach­ten­des Pro­blem. Wenn ich die inter­nen und die öffent­li­chen Dis­kus­sio­nen in der Par­tei so ver­folge, gelange ich zu dem Schluss: Wir gerie­ren uns lei­der immer noch viel zu oft als Da-​bin-​ich-​jetzt-​aber-​mal-​aus-​Prinzip-​dagegen-​Partei, als Das-​könnte-​jetzt-​aber-​nicht-​erlaubt-​sein-​Partei oder (schlim­mer) als Das-​finde-​ich-​nicht-​gut-​und-​behaupte-​deshalb-​es-​ist-​verboten-​Partei, als Das-​muss-​jetzt-​alles-​erstmal-​im-​vorhinein-​geregelt-​werden-​Partei, als Bist-​du-​denn-​dafür-​legitimiert-​das-​zu-​tun-​was-​du-​tust-​Partei, als Gewählte-​Vertreter-​dürfen-​keine-​Meinung-​haben-​Partei, als Wer-​eine-​Aufgabe-​übernimmt-​ist-​schon-​verdächtig-​Partei und ganz gene­rell als vor­derste Speer­spitze selbst ernann­ter Beden­ken­trä­ger, die anstatt sich selbst eine Mei­nung zu bil­den lie­ber nach irgend­wel­chen Gre­mien schreien, die ihnen ihre Mei­nung vor­de­fi­nie­ren sol­len — bevor­zugt übri­gens den par­tei­in­ter­nen Schieds­ge­rich­ten oder irgend­wel­chen „Beauf­trag­ten”. Deren Legi­ti­ma­tion ist bei Lichte betrach­tet wesent­lich dün­ner als die eines gewähl­ten Ent­schei­dungs­gre­mi­ums wie zum Bei­spiel eines Vor­stan­des, nichts­des­to­trotz genie­ßen sie in eini­gen Par­tei­krei­sen eine gera­dezu kul­ti­sche Verehrung.

Aus­ge­rech­net in einem der Kern­the­men der Par­tei­pro­gram­ma­tik, dem Daten­schutz, ist diese quasi-​religiöse Hin­nahme der Aus­sa­gen von „Daten­schutz­be­auf­trag­ten” oder irgend­wel­chen „Juris­ten” aber mitt­ler­weile besorg­nis­er­re­gend. Ich habe ges­tern dar­über geschrie­ben. Sowas schreckt ganz kon­kret Aktive von der Mit­ar­beit ab und ver­grault sie.

Ok, eigent­lich tue ich der Par­tei mit die­sen Wor­ten unrecht. Es sind näm­lich bei wei­tem nicht alle so drauf. Es sind — viel­leicht — fünf Pro­zent, die so den­ken. Und zwar nicht 5 Pro­zent aller Mit­glie­der, son­dern nur der­je­ni­gen, die tat­säch­lich aktiv im Par­tei­le­ben agie­ren. Dazu kom­men dann aber so etwa 20 Pro­zent, die die­ses uner­sprieß­li­che
Über-​den-​eigenen-​Bauchnabel-​philosophieren zumin­dest inso­weit beför­dern, als dass sie auch noch über den abwe­gigs­ten Ein­wand dis­ku­tie­ren wol­len
und die Man-​darf-​doch-​niemanden-​aus-​der-​Diskussion-​ausschließen-​Schallplatte(*) auf­le­gen. Und damit schafft es diese Min­der­heit, die übri­gen 75+ Pro­zent
in ihrem Tun zu behin­dern, aus­zu­brem­sen, zu demo­ti­vie­ren und schließ­lich zum Rück­zug aus der akti­ven Par­tei­ar­beit zu bewe­gen. Wenn sie nicht
gleich ganz austreten.

Das Gegen­mit­tel ist eigent­lich ganz ein­fach: Wir brau­chen hier in die­ser Par­tei eine Füh­rung. Nicht in der Form, dass von oben Befehle kom­men und alle zu fol­gen haben. Son­dern eher als „Leucht­turm”, als Zei­chen: „Hier geht’s lang!” Als posi­tive Iden­ti­fi­ka­ti­ons­mög­lich­keit. Eine Par­tei­spitze, die aktiv und selbst­be­wusst im Sinne der Mehr­heit der Mit­glie­der han­delt, wird die Par­tei mit sich zie­hen — und die ewi­gen Beden­ken­trä­ger und Nein­sa­ger am Weges­rand in ihrer selbst­be­zo­ge­nen Welt zurücklassen.

Unsere Auf­gabe beim Bun­des­par­tei­tag im Mai wäre es, uns eine sol­che Par­tei­spitze zu wäh­len. Mit einem nach innen und außen sicht­ba­ren, nach vorne bli­cken­den und die Par­tei eini­gen­den Bun­des­vor­stand könn­ten wir tat­säch­lich das wer­den, was Augs­tein bei der FDP so schmerz­lich ver­misst: Ein Hort der Frei­heit, der den Ein­zel­nen mit mög­lichst weni­gen Regeln belegt und ihm dafür einen gro­ßen Ent­fal­tungs­raum lässt. Denn eine poli­ti­sche Kraft, die dies zur obers­ten Maxime ihres Han­delns erhebt und die dies auch für die Gesell­schaft ins­ge­samt anstrebt, die fehlt in Deutsch­land in der Tat.

Der Weg dahin, liebe Pira­ten, der ist aber noch weit.

(*) Ich weiß, Schall­plat­ten sind out und einige jün­gere Par­tei­mit­glie­der ken­nen sie viel­leicht gar nicht mehr aus eige­ner Erfah­rung. Aber mit „CD” oder „MP3-​Datei” wäre das Bild irgendwie — merkwürdig…

Die Piratenpartei und ihre IT — Von Prioritäten

Für einen Regi­ons­ver­band einer Par­tei, die die­ses Jahr zu Wah­len antritt, gibt es ver­schie­dene Her­aus­for­de­run­gen. Eine davon: Mit den etwa 50 Wahl­kan­di­da­ten in Kon­takt zu blei­ben, die wir für die ver­schie­de­nen Lis­ten auf­ge­stellt haben. Meine Idee: Eine Mai­ling­liste muss her. Für kurze Infos, Bit­ten um Infor­ma­tio­nen für die Wahl, Wei­ter­lei­tung von all­ge­mei­nen Infos. Längst nicht jeder unse­rer Kan­di­da­ten liest die par­tei­in­ter­nen Infor­ma­ti­ons­quel­len und es ist quasi unmög­lich, stän­dig einen Gesamt­über­blick zu behalten.

Und eigent­lich ist es ja ganz ein­fach: Auf Bun­des­ebene haben wir ja ein hoch­am­bi­tio­nier­tes IT-​Team, das eine grö­ßere Menge Ser­ver ver­wal­tet und betreut und dar­auf expli­zit diverse Dienste anbie­tet. Unter ande­rem Mai­ling­lis­ten. Mein Ver­such, dort meine Kan­di­da­ten­mai­ling­liste ein­ge­rich­tet zu bekom­men, ver­lief folgendermaßen:

  1. Abschi­cken einer E-​Mail an den Help­desk: „Ich bräuchte eine Mai­ling­liste, damit ich die Kan­di­da­ten für die Kom­mu­nal­wahl gebün­delt errei­chen kann.”
  2. Sechs Wochen Funkstille.
  3. Ant­wort­mail: Wir brau­chen eine aktu­elle Daten­schutz­er­klä­rung von dir, bevor wir was frei­schal­ten. Link ins Wiki, darin Link auf PDF-​Datei
  4. In der PDF-​Datei: Fünf Sei­ten pseudo-​juristisches Geschwa­fel, was man alles tun und — vor allem — nicht tun darf, dass das total böse ist und man ganz ganz lange ins Gefäng­nis wan­dert, wenn man auch nur dar­über nach­denkt. Ins­ge­samt zwei­mal zu unter­schrei­ben und dann per Post („Eine Über­mitt­lung per Fax kön­nen wir nur noch vor­läu­fig akzep­tie­ren.”) an die „Bun­des­ge­schäfts­stelle” zu schi­cken. Adresse darf ich mir selbst raussuchen. — Aber immer­hin: Das Doku­ment ist in einem geschmack­vol­len Schrift­stil gesetzt, hat ein leicht stein­graues Pira­ten­logo als Hin­ter­grund­logo und einen wich­ti­gen Foo­ter: „DSV R-​Abt.” Da weiß jemand, wor­auf es ankommt.
  5. Mitt­ler­weile habe ich mei­nen eige­nen Mai­ling­lis­ten­ser­ver auf­ge­setzt und die Liste in Betrieb. Ich schreibe eine kurze Ant­wort­mail, in der ich mich bedanke und noch viel Spaß beim Papier­sor­tie­ren wünsche.
  6. Seit­dem schickt mir mein Mail­ser­ver regel­mä­ßig Info­mails, dass er meine E-​Mail lei­der noch nicht zustel­len konnte, weil die Gegen­seite nicht erreich­bar ist.

Das mit dem „eige­nen Mai­ling­lis­ten­ser­ver” ist übri­gens kein Witz. Ich habe glück­li­cher­weise das Know-​How und auch die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten, dies zu tun. Ich kann dafür sogar dedi­zierte Hard­ware hin­ter Fire­walls plat­zie­ren, sodass selbst das nötige tech­ni­sche und regu­la­to­ri­sche Maß an Sicher­heit in der Daten­ver­ar­bei­tung gewähr­leis­tet ist. Und ins­be­son­dere muss ich dafür kei­nen Papier­krieg vogo­ni­schen Aus­ma­ßes entfachen.

Es blei­ben mei­ner­seits eine Frage und eine Ein­sicht. Die Frage: Wie um alles in der Welt kommt man auf eine der­ar­tige Prio­ri­tä­ten­set­zung? Ich kann es mir nur so erklä­ren, dass da über Monate und Jahre immer wie­der irgend­je­mand „Wich­ti­ges” ange­schüs­selt gekom­men ist und rum­gen­ölt hat: „Nö, in der Daten­schutz­er­klä­rung muss aber noch dies-​und-​das ste­hen.” Und der nächste: „Nö, ihr braucht aber noch dieses-​und-​jenes.” Und der nächste: „Neinn­ein, per Fax geht ja gar nicht.” Und uni­ver­sell muss es natür­lich sein. Ob nun glo­bale Admin­rechte auf dem zen­tra­len Par­tei­ver­wal­tungs­ser­ver oder Ver­wal­ter einer loka­len Mai­ling­liste mit einer mitt­le­ren zwei­stel­li­gen Zahl von Mail­adres­sen: Vor dem gestren­gen Auge der ver­ei­nig­ten Juris­ten– und Daten­schutz­be­auf­trag­ten­pha­lanx ist das alles gleich. Und muss alles mit den glei­chen mar­tia­li­schen Para­gra­fen­wer­ken auf Linie gebracht werden.

Und die Ein­sicht? Nunja, jede Prio­ri­tä­ten­set­zung for­dert ihren Tri­but. Wenn man stän­dig damit beschäf­tigt ist, „Daten­schutz­er­klä­run­gen” zu erzeu­gen, zu ver­wal­ten, neue anzu­for­dern und Papier abzu­hef­ten, dann bleibt die Anfrage nach einem für den Wahl­kampf vor Ort wich­ti­gen Arbeits­mit­tel schon­mal sechs Wochen lie­gen — und ist dann wei­ter auf unbe­stimmte Zeit ver­zö­gert, weil ja erst Papier durch die Gegend geschickt wer­den muss. Und das Ticket­sys­tem nimmt Antwort-​E-​Mails halt nur spo­ra­disch an. Schade bloß, wenn das aktive Par­tei­mit­glied vor Ort sich nicht — so wie ich — selbst hel­fen kann, son­dern sich auf die Hilfe der IT-„Abteilung” ver­las­sen muss. Da bekommt das Wort „ver­las­sen” dann näm­lich eine ganz neue Bedeutung.

Schade, dass sich die „IT-​Abteilung” so von den selbst ernann­ten Rechts– und Datenschutz-„Experten” an die Kan­dare neh­men lässt. Der unschönste Beige­schmack bei all­dem ist näm­lich das latente Miss­trauen, das einem durch sol­cher­lei Gebah­ren ent­ge­gen­schlägt: „Du bist dumm und unfä­hig, ordent­lich mit den Din­gen umzu­ge­hen. Des­halb set­zen wir dir jetzt hier haar­klein aus­ein­an­der, was du alles falsch machen kannst. Und wehe, du machst was falsch!” Da fühlt man sich so rich­tig wohl, in so einer Atmo­sphäre. Auch wenn das in die Gedan­ken­welt man­cher „Beauf­trag­ter” nicht passt: Der ganz über­wie­gende Teil der Akti­ven hier will keine Daten ver­wal­ten um etwas Böses mit ihnen anzu­stel­len. Die Leute haben eine Arbeit zu tun und müs­sen dafür ein paar Daten ver­wal­ten. Dafür braucht nicht stets und stän­dig den ganz gro­ßen Ham­mer rauszuholen.

Und die IT’ler? In der Pira­ten­par­tei würde ich am ehes­ten „Geeks with Awa­ren­ess” erwar­ten. Warum macht ihr diese Rabu­lis­tik mit? Was kommt als nächs­tes? Gewis­sens­test­zwang beim zustän­di­gen Glie­de­rungs­vor­sit­zen­den im per­sön­li­chen Gespräch? Steht dann von euch mal jemand auf und gebie­tet mal ein biss­chen Ein­halt? Und fragt mal nach, wozu die­ser ganze Zin­no­ber eigent­lich gut ist? Oder wird dann auch schön in Reih’ und Glied weitermarschiert?

Nee nee, Leute, „Denk selbst” geht anders.

P.S.: Und das aller­coolste: „Daten­schutz­er­klä­run­gen” sind über­flüs­si­ger Unfug in Voll­en­dung: Hoch­gra­dig ver­wal­tungs­in­ten­siv und dabei völ­lig nutz­los. Aber dar­über schreib’ ich ein ande­res Mal.

Piraten in Delmenhorst (II) — Neuer Vorstand gewählt

Der Par­tei­tag der Pira­ten Nie­der­sach­sen hat seine ers­ten wich­ti­gen Ergeb­nisse: Wir haben einen neuen Vorstand!

Neuer Vorstand der niedersächsischen Piraten: Jürgen, Max, Miriam, Lukas, zweimal Arne, Meinhart, Matthias, Kine, Mario, Michael

Neuer Vor­stand der nie­der­säch­si­schen Pira­ten: Jür­gen, Max, Miriam, Lukas, zwei­mal Arne, Mein­hart, Mat­thias, Kine, Mario, Michael

Als da wären (von links nach rechts): Die Bei­sit­zer Jür­gen Stemke, Max Rother, Miriam Hadj-​Hassine, Lukas Jacobs, der stell­ver­tre­tende Vor­sit­zende Arne Lud­wig, der Vor­sit­zende Arne Hat­ten­dorf, der Schatz­meis­ter Mein­hart Ramas­wamy sowie die wei­te­ren Bei­sit­zer Mat­thias Stoll, Kine Haas­ler, Mario Espen­schied und Michael Leu­kert.

Michael ist bereits Lan­des­pres­se­spre­cher, Kine und Jür­gen sind wich­tige Antia­tom­pi­ra­ten, Arne Hat­ten­dorf ist enga­giert in Bil­dungs­po­li­tik und Mat­thias zieht seit Jahr und Tag mit dem Pira­ten­mo­bil als mobi­ler Red­ner­platt­form durch die Lande. Arne Lud­wig, Mein­hart und Max waren bereits im vori­gen Vor­stand und auch ansons­ten zeigt diese Wahl, dass wir mitt­ler­weile über eine nen­nens­werte Zahl an wirk­lich guten Men­schen ver­fü­gen, die tra­gende Rol­len über­neh­men kön­nen. Prima!

Piraten in Delmenhorst (I) — Auftakt beim Landesparteitag Niedersachsen

Eingang zum Veranstaltungsgebäude in der "Nordwolle"

Ein­gang zum Ver­an­stal­tungs­ge­bäude in der „Nordwolle”

Ich bin mal wie­der unter­wegs. Dies­mal in Pira­ten­sa­chen. Live aus Del­men­horst nun ein ers­ter Ein­druck vom gerade lau­fen­den Lan­des­par­tei­tag der Pira­ten­par­tei Niedersachsen.

Der Versammlungsraum für den LPT in Delmenhorst

Der Ver­samm­lungs­raum für den LPT in Delmenhorst

Lan­des­par­tei­tage sind ja hier in Nie­der­sach­sen immer recht ent­spannte Ver­an­stal­tun­gen. Auch die­ser ist bis­lang keine Aus­nahme. Wir sit­zen hier in einer alten Indus­trie­halle, vorne sitzt noch der alte Vor­stand und wäh­rend ich diese Zei­len schreibe, gibt es gerade einen sehr unauf­ge­reg­ten Bericht der Kas­sen­prü­fer mit der Emp­feh­lung, den Vor­stand „unein­ge­schränkt” zu entlasten.

Meinhart beim Präsentieren der Finanzen

Mein­hart beim Prä­sen­tie­ren der Finanzen

Wie immer zeigt sich auch die aus­ge­spro­chene Tech­ni­kaf­fi­ni­tät der Pira­ten: Die Lap­topquote schätze ich mal auf etwa 80% und wenn man alle Smart­pho­nes dazu­zählt, sind hier höchst­wahr­schein­lich mehr Geräte ins Inter­net ein­ge­bucht als Per­so­nen in der Halle. Selbst beim Vor­stand auf der Bühne kom­men auf acht anwe­sende Pira­ten sie­ben Laptops.

Bisheriger Vorstand auf dem Podium: Gruppenbild mit Laptops

Bis­he­ri­ger Vor­stand auf dem Podium: Grup­pen­bild mit Laptops

So, und jetzt muss ich hier erst­mal wei­ter zuhö­ren und abstim­men. Gerade geht es um den Vor­stands­vor­sit­zen­den. Mein Tipp: Es wird ein „Arne”…

Grundversorgung für Piraten

Grund­ver­sor­gung für Piraten