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Wer terrorisiert hier wen? Werner Gruber über Terrorprävention und Physik

Der öster­rei­chi­sche Phy­si­ker Wer­ner Gru­ber hat der Online­zeit­schrift Tele­po­lis ein Inter­view gege­ben. Unter der Über­schrift „Zum Glück ver­ste­hen Ter­ro­ris­ten nichts von Phy­sik” bilan­ziert er die Wirk­sam­keit der aktu­el­len „Anti-​Terror-​Maßnahmen” aus natur­wis­sen­schaft­li­cher Sicht. Fazit: Völ­lig nutz­los. Das Ver­spre­chen völ­li­ger Sicher­heit ist unein­lös­bar und die aktu­el­len „Sicher­heits­maß­nah­men” sind reine Augen­wi­sche­rei. Das ein­zige was uns schützt, so Gru­ber mit ironisch-​bitterem Unter­ton, ist, dass Ter­ro­ris­ten lie­ber beten als sich mit Grund­la­gen der Phy­sik zu beschäftigen.

Werner Gruber, Foto: Manfred Werner, CC-BY-SA 3.0

Wer­ner Gru­ber, Foto: Man­fred Wer­ner, CC-​BY-​SA 3.0

Die große Ter­ror­war­nung und das Ver­spre­chen von Sicher­heit, das ist doch Blöd­sinn. […] Wenn jemand gut ist, bringt er jeder­zeit ein Flug­zeug zum abstür­zen. Ich kann mich gegen Ter­ro­ris­mus, vor allem gegen Selbst­mord­at­ten­tä­ter, nicht schüt­zen. Wenn das jemand sagt, kann ich nur erwi­dern: Keine Chance! Sobald jemand bereit ist, sein Leben zu opfern, kann er ein Atten­tat durchführen.

Der Arti­kel ent­hält eigent­lich nichts wirk­lich Neues, aber es ist hier erfri­schend zusam­men­ge­schrie­ben und es tut ehr­lich gesagt gut, zwi­schen all dem Sicher­heits­ge­wäsch der Poli­tik wenigs­tens hin und wie­der mal jeman­den zu lesen, der sich mit Ver­stand und ohne das Hecheln nach sinn­lo­sem Aktio­nis­mus über das Ter­ro­ris­mus­pro­blem Gedan­ken macht. Zumal Gru­ber sogar eine Lösung beschreibt:

Der ein­zige Aus­weg ist eine poli­tisch sta­bile Lage, in der die Men­schen ihre Lebens­träume ver­wirk­li­chen kön­nen, und ein ruhi­ges und zivi­li­sier­tes Leben haben, ohne Furcht und ohne Angst. Das ist das Ein­zige, was wirk­lich etwas nützt. […] Wenn man das ganze Geld, das in Sicher­heits­tech­nik inves­tiert wird, wenn man diese gewal­ti­gen Sum­men in Schu­len und gute Aus­bil­dun­gen in den ent­spre­chen­den Län­dern inves­tie­ren würde – allein die Kos­ten für die vie­len Scan­ner auf allen Flug­hä­fen welt­weit und deren Betrieb – das wäre viel sinn­vol­ler. Ein­zelne Ver­rückte wird es immer geben, aber wenn man den Men­schen in einer Gesell­schaft ins­ge­samt eine posi­tive Zukunfts­aus­sicht gibt, dann trock­net das die Unter­stüt­zung für den Ter­ror aus.

Klingt blau­äu­gig, ich weiß. Aber alle­mal bes­ser als die schlei­chende Ein­füh­rung eines Prä­ven­ti­ons– und Über­wa­chungs­staa­tes. Erwähnte ich schon­mal, dass die Pira­ten­par­tei hier eine ihrer pro­gram­ma­ti­schen Grund­la­gen hat und in etwa das, was Gru­ber hier sagt, auch bereits seit Jah­ren in die poli­ti­sche Dis­kus­sion einbringt?

*Seufz* Ich glaube, ich muss in nächs­ter Zeit mal wie­der ein biss­chen mehr poli­ti­sche Inhalte hier im Blog brin­gen. Naja, ist ja momen­tan grad’ die Zeit für gute Vorsätze…

h1-​Interview zur Piratenpartei online

Die Sen­dung „0511/tv.lokal” des han­no­ver­schen Lokal­fern­seh­sen­ders „h1” vom 2009-​09-​23 ist jetzt auch online abruf­bar. Etwa ab Minute 1:00 fin­det sich der Bei­trag zur Piratenpartei.

0511/tv.lokal vom 2009-09-23

0511/tv.lokal vom 2009-​09-​23

h1-​Bericht über die Piratenpartei vorgezogen auf JETZT

Mich hat vor­hin die Kunde erreicht, dass h1 den Bericht über die Pira­ten­par­tei vor­ge­zo­gen hat, und zwar auf heute, 18:45 Uhr. Also: Wen es inter­es­siert, rein­schauen!

Videointerview mit mir über Politik und Piratenpartei im Journal on Political Excellence

Nach lan­ger Zeit ist jetzt end­lich das Resul­tat eines der inter­es­san­tes­ten Ter­mine ver­füg­bar, den ich in der ziem­lich hek­ti­schen Zeit zwi­schen Euro­pa­wahl und Bun­des­par­tei­tag der Pira­ten hatte. Das Jour­nal on Poli­ti­cal Excel­lence hatte mit mir im Juni ein Inter­view geführt, in dem es nicht nur um die Pira­ten­par­tei, son­dern auch um all­ge­mei­nere poli­ti­sche Fra­gen und meine Ansich­ten dazu ging. Ich habe die­ses Inter­view vor allem des­halb in so guter Erin­ne­rung, weil ich mich hier zwar einer­seits als Par­tei­vor­sit­zen­der, aber ande­rer­seits auch ganz per­sön­lich zu eini­gen Grund­la­gen der Pira­ten­par­tei und der dahin­ter­ste­hen­den gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Ent­wick­lun­gen äußern konnte. Diese Über­le­gun­gen sind in den vie­len ande­ren Inter­views der Zeit damals mei­nes Erach­tens immer zu kurz gekommen.

JPoX ver­steht sich als inter­na­tio­na­les poli­ti­sches Maga­zin. Dem­ent­spre­chend sind die Bei­träge in Eng­lisch. Auch das Inter­view haben wir auf Eng­lisch geführt. Ange­sichts der kom­ple­xen Mate­rie und der Tat­sa­che, dass ich völ­lig frei gere­det habe, was das nicht ganz ein­fach. Ich denke aber, man kann mir trotz gele­gent­li­cher gram­ma­ti­ka­li­scher — nunja — Unschär­fen folgen.

Das Gesamt­in­ter­view ist in acht The­men­kom­plexe geglie­dert, die in jeweils sepa­ra­ten etwa drei­mi­nü­ti­gen Videos behan­delt wer­den. Im Ein­zel­nen geht es um fol­gende Fragen:

  • Was sind momen­tan die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen für Poli­ti­ker und das poli­ti­sche System?
  • Wel­che Ver­bin­dun­gen gibt es zwi­schen der Poli­tik und den neuen tech­ni­schen Möglichkeiten?
  • Wie kann das Inter­net in poli­ti­sche Pro­zesse ein­ge­bun­den werden?
  • Kann das Inter­net poli­ti­sche Pro­zesse und poli­ti­sche Kom­mu­ni­ka­tion verbessern?
  • Ist die Pira­ten­par­tei eine Ein-​Themen-​Partei?
  • Gibt es einen „digi­ta­len Spalt” zwi­schen den Gene­ra­tio­nen oder poli­ti­schen Akteu­ren und ihren Wählern?
  • Wel­che Fol­gen hat der „digi­tale Spalt” für die Gesell­schaft und das poli­ti­sche System?
  • Wenn man eine ein­zige Sache am poli­ti­schen Sys­tem ändern könnte, wel­che müsste das sein?

Meine Ant­wort zur letz­ten Frage („If you could change one sin­gle thing in regard to the poli­ti­cal sys­tem, which one would that be?”) gibt es hier gleich mal direkt, zu allen ande­ren The­men fin­den sich die Videos drü­ben bei JPoX:

Das gesamte Inter­view fin­det sich, wie gesagt, auf der Web­seite von JPoX.

Piratenpartei wird 3 Jahre alt: Herzlichen Glückwunsch

Vor exakt drei Jah­ren wurde die Pira­ten­par­tei gegründet:

Deut­sche Pira­ten­par­tei kämpft für die freie Wissensgesellschaft

So lau­tete die Über­schrift des Heise-​Online-​Artikels, der die Grün­dungs­ver­samm­lung vom 10. Sep­tem­ber 2006 beschrieb. Also übri­gens nicht im August 2006, wie ich und andere in letz­ter Zeit immer mal wie­der gegen­über der Presse erzählt haben. So ent­ste­hen Gründungsmythen…

Am Kern der Par­tei hat sich in den letz­ten drei Jah­ren nichts geän­dert, hier einige Zitate aus dem Heise-​Artikel:

Als Haupt­ziel der neuen poli­ti­schen Ver­ei­ni­gung bezeich­nete ihr frisch gewähl­ter Vor­sit­zen­der, Chris­tof Leng, gegen­über heise online, „die Kern­fra­gen der Wis­sens­ge­sell­schaft” anzu­ge­hen. Die­sen Anspruch könne man auf zwei For­meln run­ter­bre­chen: „Wir sind gegen geis­tige Mono­pole und wol­len den glä­ser­nen Staat statt den glä­ser­nen Bür­ger”. Der The­men­kom­plex strahle in alle Gesell­schafts­be­rei­che und die Wirt­schaft aus, umfasse Berei­che wie Bil­dung, Wis­sen und Innovation.

Und auch bestimmte Pro­bleme und Vor­ur­teile sind gleich geblieben:

Unter den 53 Ver­sam­mel­ten und den bis­he­ri­gen Unter­stüt­zern seien viele „Nerds”, gab Leng zu. Aber mit sol­chen Kli­schees müsse man leben. Im Prin­zip gebe es kaum noch Jugend­li­che, die man nicht so bezeich­nen könne, da für Her­an­wach­sende SMS, Inter­net, File­sha­ring oder LAN-​Partys keine Fremd­worte mehr dar­stel­len wür­den. Frauen stan­den für die Vor­stands­wahl nicht zur Ver­fü­gung. Man wolle Ver­tre­ter des weib­li­chen Geschlechts aber für die beacker­ten The­men begeis­tern, erklärte Leng. Frauen hät­ten einen ande­ren Zugang zu Pro­blem­lö­sun­gen, wür­den weni­ger tech­nisch als viel­mehr prag­ma­tisch vorgehen.

Wobei — mitt­ler­weile ist der Vor­stand ja gemischtgeschlechtlich.

Im Wiki der Par­tei fin­det sich auch noch die Vor­be­rei­tungs­seite zur Grün­dungs­ver­samm­lung. Und man machte sich schon damals Gedan­ken über ver­schie­dene Punkte des Ablaufes:

Datum, Dauer und Ablauf

- Sonn­tag 10:00 — 14:00: Offi­zi­elle Gründung […]

- Sonn­tag ab 14:00: Direkt im Anschluss an die Grün­dung (14:00) soll eine kurze Pres­se­kon­fe­renz offen geblie­ben Fra­gen klä­ren und zur Vor­stel­lung des Vor­stan­des nach außen dienen. […]

Der momen­tane Vor­schlag ist opti­miert für Mit­glie­der, die einen wei­te­ren Anrei­se­weg haben, damit sich diese Hürde als mög­lichst nied­rig erweist. Es wird dabei davon aus­ge­gan­gen, dass die Anrei­sen­den eine Über­nach­tung (von Sams­tag zu Sonn­tag) in Ber­lin pla­nen, wäh­rend des Sams­ta­ges anrei­sen und Sonn­tag spät Abends wie­der irgendwo in Deutsch­land zu Hause sein wol­len. Des­we­gen ist eine frühe Abreise mög­lich zu machen, ohne das Abstim­mun­gen der Ver­samm­lung wg Abreise ver­passt wer­den. Zusätz­lich sollte das Grün­dungs­tref­fen zeit­lich nicht völ­lig wider all­ge­mei­ner Pres­se­ge­pflo­gen­hei­ten situ­iert wer­den, damit wir unsere Chance auf breite Bericht­er­stat­tung am Mon­tag nicht verkappen. […]

An-​/​abschließende Aktionen

[…] Falls uns nichts bes­se­res ein­fällt und wir Zeit über­brü­cken müs­sen (Pres­se­kon­fe­renz ?) könn­ten wir auch spon­tan demons­trie­ren .. dazu wer­den wir aber wahr­schein­lich zu wenige sein.

Auf der Seite ist auch das Grün­dungs­pro­to­koll mit­samt der Ergeb­nisse der ers­ten Vor­stands­wah­len ver­linkt. Es besteht als PDF-​Dokument aus ein­ge­scann­ten Kopien des Papier­aus­drucks. Ich wollte an die­ser Stelle erst was zum Thema „Inter­net­aus­dru­cker” schrei­ben, aber dann ist mir klar gewor­den, dass diese Form der Ver­öf­fent­li­chung einer­seits die Namen der Betei­lig­ten nicht such­bar macht und ande­rer­seits nur so die Unter­schrif­ten unter das Pro­to­koll halb­wegs authen­tisch wie­der­ge­ge­ben wer­den kön­nen. Oh, a pro­pos „Vorstandswahlen” — davon gibt’s sogar ein Foto:

Wahl zum ersten Bundesvorstand der Piratenpartei, September 2006

Wahl zum ers­ten Bun­des­vor­stand der Pira­ten­par­tei, Sep­tem­ber 2006

Wie man sehen kann, musste die Grün­dungs­ver­samm­lung damals noch auf Flag­gen zurück­grei­fen, die nicht dem Par­tei­de­sign ent­spre­chen. In der Zwi­schen­zeit hat sich das ja geändert.

Videos von der Grün­dung sind mir nicht bekannt. Aber um hier nun auch ein biss­chen „beweg­ten Con­tent” ein­zu­brin­gen, ver­weise ich auf das immer noch aktu­elle erste grö­ßere Video­in­ter­view im elek­tri­schen Repor­ter. Am 17. Sep­tem­ber 2007, also ziem­lich genau ein Jahr nach der Grün­dung, steht der dama­lige Bun­des­vor­sit­zende Jens Sei­pen­busch — der auch jetzt wie­der Bun­des­vor­sit­zen­der ist — Rede und Ant­wort über die Her­kunft und die Ziele der Pira­ten­par­tei. Immer noch sehenswert.

Jens Seipenbusch 2007 im elektrischen Reporter über die Piratenpartei

Jens Sei­pen­busch 2007 im elek­tri­schen Repor­ter über die Piratenpartei

Die­ser Blick ins Archiv zeigt mei­nes Erach­tens deut­lich, was für einen wei­ten Weg die Pira­ten­par­tei seit die­ser Grün­dung bereits erfolg­reich zurück­ge­legt hat. Und in zwei­ein­halb Wochen haben wir den bis­her wohl wich­tigs­ten Grad­mes­ser, wie weit wir auf unse­rem Weg ins­ge­samt schon vor­an­ge­kom­men sind.

Deutschlandradio Kultur — Interview reloaded

Eigent­lich sollte ges­tern nach­mit­tag ein Inter­view mit mir über die Pira­ten­par­tei auf Deutsch­land­ra­dio Kul­tur lau­fen. Weil nun aber Michael Jack­sonPina Bausch ges­tern gestor­ben war, hatte Deutsch­land­ra­dio Kul­tur kurz­fris­tig sein Pro­gramm umge­stellt und den Bei­trag nicht ausgestrahlt.

Dafür gibt’s das Thema jetzt noch­mal: Am mor­gi­gen Don­ners­tag um kurz nach neun Uhr mor­gens geht’s — auch vor dem Hin­ter­grund des Pirate-​Bay-​Verkaufs — noch­mal um die Pira­ten. Ich bin wie­der zum Inter­view dazu­ge­schal­tet, dies­mal sogar live. Also: Am 2. Juli 2009, um 9:07 Uhr Deutsch­land­ra­dio Kul­tur einschalten.

Mitt­ler­weile gibt es das Inter­view auch im Audio­ar­chiv des Sen­ders, außer­dem hat Deutsch­land­ra­dio Kul­tur auf sei­ner Web­seite ein Wort­pro­to­koll veröffentlicht.

Interview Deutschlandradio Kultur

Heute um kurz nach dreivier (16:07 Uhr) bringt Deutsch­land­ra­dio Kul­tur ein zehn­mi­nü­ti­ges Inter­view mit mir. Es gibt einen Livestream im Inter­net und die Mög­lich­keit, den Bei­trag auch spä­ter noch anzu­hö­ren.