Tags Archiv für 'Hannover'

Protokoll: „Region im Dialog” zur Hochflur-​/​Niederflurentscheidung auf der Stadtbahnstrecke „D” in Hannover

Ich war Zuhö­rer besag­ter Ver­an­stal­tung und habe flei­ßig mit­ge­schrie­ben. Hier also mein Pro­to­koll der Wort­bei­träge, ver­kürzt mit­ge­schrie­ben aber — so hoffe ich — ver­ständ­lich in den Aussagen.

Erläu­te­run­gen zu Abkür­zun­gen und Schreib­wei­sen: „HF” = Hoch­flur, „NF” = Nie­der­flur, „500k€”= 500.000 Euro, „1M€” = 1.000.000 Euro. Fra­ge­stel­ler, die ihren Namen nicht genannt haben, wer­den als „X” bezeichnet.

Beginn: 16:07

Eröff­nung durch Bernd Haase, Redak­teur HAZ, Bereich Nahverkehr

Stadt­bahn für Leute, die kein Auto, Fahr­rad etc. fah­ren. Also: Linie von A nach B. Ganz so ein­fach aber nicht: Wie fah­ren las­sen, Ein­schrän­kun­gen für andere Teil­neh­mer etc.

Begrü­ßung Regi­ons­prä­si­dent, Haus­herr und Chef der Behörde, die den Ver­kehr in der Region Han­no­ver orga­ni­sisert: Hauke Jagau

Jagau: Will­kom­men. Hoher Andrang. Thema bewegt Gemü­ter. Vor­stel­lung Ergeb­nisse Arbeits­er­geb­nisse, Letz­ter Schritt: Wie Lösung für not­wen­dige Änderungen?

Ent­schei­dun­gen für die nächs­ten 30 – 35 Jahre: Städ­te­bau, Nut­zen für All­ge­mein­heit, Bedeu­tung für Anrai­ner. Wie Kun­den zufrie­den stel­len? Wie Attrak­ti­vi­tät steigern?

Vor ein bis zwei Jah­ren Leit­li­nien beschlos­sen: Kli­ma­schutz und Stadt­ent­wick­lung im Demo­gra­fi­schen Wan­del. Immer mehr Men­schen, die am Indi­vi­dul­ver­kehr nicht teil­neh­men kön­nen oder wol­len. Dazu Energiekostenexplosion.

Letzte Jahre in Region gemein­sam: Aus­bau des ÖPNV vor­an­trei­ben. Isb. in Han­no­ver Hoch­bahn­st­eig­netz wei­ter aus­ge­baut, da bar­rie­re­freier Zugang per­spek­ti­visch immer wich­ti­ger wird. Nächste Gene­ra­tion Fahr­zeuge bestellt, diese ohne Stu­fen; also nur an Hoch­bahn­stei­gen ein­setz­bar. Des­halb müs­sen Linien voll­stän­dig aus­ge­baut sein.

Ergeb­nis der Arbeits­gruppe ist für sich schon ein Erfolg: Ent­wi­ckelte Lösun­gen sind erheb­li­che Ände­rung von Ursprungs­pla­nun­gen. Kön­nen heute zwei ziem­lich gute Lösun­gen prä­sen­tie­ren. Ziel: Sys­te­mentschei­dung im ers­ten Halb­jahr. Sonst Mög­lich­keit, dass Zeit­punkt ver­passt wird, und das, obwohl Linie so stark fre­quen­tiert sind

Dank an die­je­ni­gen, die sich in den ver­gan­ge­nen ein­ein­halb Jah­ren enga­giert haben. Dis­kus­sion war kon­struk­tiv, posi­tiv, Rie­sen­er­folg. Pro­zess war dyna­misch, trotz­dem fai­rer Umgang. Jetzt Vor­stel­lung der Ergeb­nisse. Muss gleich weg, kenne Ergeb­nisse aber schon.

Haase: Region im Dia­log. Vor Dia­log: Fak­ten. Zwei Vor­stel­lun­gen des bis­he­ri­gen Gesche­hens: (1) Infra: Infrastuk­tur­ge­sell­schaft der Region. Ste­fan Harke erläu­tert Planungsansätze

Harke und Fin­ken als Hel­fer bei der Präsentation.

Zeigt Über­sicht über die gesamte Stre­cke von Ahlem bis Haupt­bahn­hof und dann neu bis Rasch­platz über Posttunnel.

Geht vor allem um Lim­mer­straße, hier noch kein Kon­sens im run­den Tisch und dann um die Hal­te­stel­len in der Innenstadt.

Prä­sen­ta­tion. Ver­gleich Hoch-​/​Niederflur. NF 2,65m breit, HW tal­liert. NF 35 cm Boden­höhe, in Tür­be­rei­chen 30 cm, also Bahn­steig 25 cm für Bar­rie­re­frei­heit. => NF-​Haltestellen kön­nen nicht gleich­zei­tig von Bus­sen benutzt wer­den, weil Bord­stein nicht höher als 20 cm wei­ter sein kann.

Hoch­bahn­steig Unger­straße ein­fach wegen zurück­sprin­gen­der Bebau­ung. Nie­der­flur hin­ge­gen am Fuß­weg. Idee: Zufahr­ten zu Grund­stü­cken über Fußweg.

Lein­au­straße: Hoch­bahn­steig an Offen­stein­straße. „Bar­riere”, isb. Ein­fahr­ten Offen­stein­straße und Pfarr­land­straße. Bei Nie­der­flur­bahn­steig bes­ser, aber Rad­fahr­be­zie­hun­gen zum Köt­ner­holz­weg immer noch schwierig.

Lim­mer­straße: Ursprüng­lich 100-​Meter-​Bahnsteig. Unmut. Dann run­der Tisch. Aktu­elle Pla­nung vor­ab­ge­stimmt aber nicht beschlos­sen. Hoch­bahn­steig in Ram­pen­be­reich geht. Nie­der­flur in Straße. Pro­blem mit Lie­fer­ver­kehr, Fahr­zeuge kön­nen nicht mehr auf Geh­weg par­ken. Nie­der­flur bie­tet auch noch Problempotential

Prä­sen­ta­tion Videos

Jetzt Bereich Steintor

Hier: Hoch– und Nie­der­flur quasi kein Unter­schied. Hal­te­stelle Cle­ver­tor wird in bei­den Sze­na­rien auf­ge­ge­ben. Brei­ten sind iden­tisch bei bei­den Plänen.

Haupt­bahn­hof: Auch hier ähnlich. ACHTUNG! Pla­nun­gen nicht im Detail abge­stimmt, eher Mach­bar­keits­stu­dien. Bahn­steige kämen vor Stüt­zen­reihe der Brü­cke zum Lie­gen. KFZ-​Verkehr wei­ter­hin im Tun­nel. Fuß­weg könnte bei Hoch­bahn­steig leicht ange­ho­ben werden.

Rasch­platz: Mit­tel­bahn­steig in Sei­ten­lage am Rasch­platz. Bei Hoch­flur: Kehr­mög­lich­keit hin­ter der Hal­te­stelle, weil Linien 10 und 17 betrie­ben wer­den müs­sen. Ansons­ten auch Kreu­zungs­wei­che vor der Hal­te­stelle. Auto­ver­kehr an Bahn­steig vor­bei, Abriss der Hoch­straße nicht nötig, geht mit und ohne. Aller­dings: Über­bau­ung der dar­un­ter­lie­gen­den Berei­che nötig.

Dies Über­blick über pla­ne­ri­sche Tiefe. Andere Hal­te­stel­len als Prä­sen­ta­tion auf dem Rechner.

Haase: Tun­nel aus Kos­ten­grün­den auf­ge­ge­ben. Gret­chen­frage: Hoch– oder Nie­der­flur. Zwei­ter Vor­trag: Her­mann Meier, Lei­ter Fach­ab­tei­lung Ver­kehr der Region

Meier: Stelle Ergeb­nisse des Arbeits­pro­zes­ses vor. Arbeits­gruppe bestand aus Exper­ten und exter­nen Sachverständigen.

Wir spre­chen über Stadt­bahn Ahlem-​Raschplatz. Dies war Vor­aus­set­zung des aktu­el­len Prozesses.

Arbeits­gruppe: Stadt Han­no­ver, Region, üstra, Infra, Regio­Bus, Prof. Mey­fahrt (Kas­sel). Mey­fahrt: Nie­der­flur­ex­perte oder –papst. Denn: „Wir kön­nen nur Hoch­flur”, also Experte für Nie­der­flur nötig. Außer­dem: Pla­ner­stel­lun­gen und Kos­ten­ab­schä­tun­gen: Tran­sTec­Bau und Kos­ten­schät­zun­gen Umbau Werk­stät­ten, Fahr­zeuge, Schu­lun­gen etc: üstra

Arbeits­gruppe hat Unter­schiede zwi­schen Hoch– und Nie­der­flur als Kri­te­rien genom­men: Aus­baus­ten­dard, mone­täre Bewer­tung etc. Gesamt­schau der Kri­te­rien wird im Inter­net öffent­lich gemacht.

Ziel­fel­der:

Wirt­schaft­lich­keit

- Inves­ti­ti­ons­kos­ten
 – Betriebs­kos­ten
 – Kos­ten­saldo pro Jahe

=> Mehr­be­las­tung Nie­der­flur: 500k€ — 1M€ pro Jahr für die Region

Stadt­ver­träg­lich­keit

Kür­zere Zug­län­gen bes­sere städ­te­bau­li­che Integrierbarkeit

Hal­te­stel­len bes­ser in Stra­ßen­raum integriert

Wich­tig nicht Ästhe­tik, son­dern städ­te­bau­li­che Realisierbarkeit.

Run­der Tisch war neue Erfah­rung für alle Betei­lig­ten. Kein ein­heit­li­ches Ergeb­nis, evtl. leichte Prä­fe­renz für Niederflur

=> Vor­teil Niederflur

Bar­rie­re­frei­heit und Komfort

Wich­tig: Hal­te­stelle und Fahr­zeug. Hal­te­stelle sepa­rat: Wie komme ich hin? Aber: Hoch­flur lei­ser und lauf­ruhi­ger. Außer­dem: Boden durch­gän­gig, anders als bei Niederflur.

=> Patt

Ver­kehr­li­che Kri­te­rien ÖPNV

Fle­xi­bi­li­tät im Netz nur bei Hoch­flur exis­tent, Nie­der­flur und Hoch­flur­ver­kehr kön­nen nicht auf glei­cher Trasse gemischt werden.

=> Vor­teil Hochflur

Rea­li­sie­rung

Grund­sätz­lich beide rea­li­sier­bar. In bei­den Fäl­len: Stre­cken­aus­bau auf 2,65-Meter-Fahrzeuge, auch NF würde so breit wer­den. Bei HF: Ab 2014 TW 2000 auf der Stre­cke, dann punk­tu­ell Hoch­bahn­steige, sodass schon vor 2017 neue bar­rie­re­freiee Baziehungen.

Bei Nie­der­flur: Neue Fahr­zeuge etc. Des­halb Nie­der­flur nicht vor 2017/​2018 bar­rie­re­frei am Start.

=> Leichte Vor­teile für Hochflur

Ins­ge­samt: Vor­teile für Hochflur

Fazit: Beide för­der­fä­hig, aber: Linie 17 evtl. nicht geneh­mi­gungs­fä­hig wegen Mischung von Hoch– und Nie­der­flur. Beide machbar.

** Arbeits­gruppe spricht sich für Bei­be­hal­tung des Hoch­flur­sys­tems aus. **

Ulf-​Birger Franz: Wie geht’s wei­ter? Region ist offen. Will Ent­schei­dung noch die­ses Jahr. Hoch­flur hat Vor­teile bei Kom­plet­tie­rung des Sys­tems. Nie­der­flur wäre Schritt für wei­tere Net­zer­wei­te­rung. 1. Halb­jahr Wei­chen­stel­lung in Sys­tem­frage. Freuen uns auf Diskussion.

Haase: Podium: üstra muss mit Sys­tem umge­hen, des­halb: Neiß. Wenn in Han­no­ver gebaut wird, dann: Bode­mann. Niederflurpapst/​-​fachmann: Mey­fahrt. [Außer­dem Franz, der bereits im Podium sitzt.]

Bitte an Dis­kus­sion: Wis­sen, dass es viele gibt, die sich ein­ge­fuchst haben. Dass viele dezi­dierte Inter­es­sen für Lösung da sind. Wis­sen dass Sie strei­ten wol­len. Aber bitte: Keine Ko-​Referate. Geht auf Zeit und Fairness.

Franz: Opti­mis­tisch auf Ergeb­nis, auch wenn Tun­nel­pla­nung nicht rea­li­siert. Bar­rie­re­frei­heit, moderne Fahr­zeuge — es muss was pas­sie­ren. Chance, attrak­ti­vere Gestal­tung vor­zu­neh­men. Wirt­schaft­lich beide Vari­an­ten deut­lich bes­ser als Sta­tus quo. Auch, da Hbf-​Aegi, „ver­län­gerte Wen­de­schleife” ohne viel Publi­kum, vom Netz genom­men wird.

Haase. Steintor-​Raschplatz: Wird eng, eige­ner Bahn­kör­per. Bode­mann, wie soll’s gehen?

Bode­mann: Mich treibt um, dass wir weg­kom­men vom Pla­nungs­grund­satz der 1980/​90er Jahre. Benö­ti­gen Gesamt­pla­nung, sodass wir wis­sen, wo es eng wird. Stadt muss bei Trasse an Qua­li­tät gewin­nen, geht nur bei überg­rei­fen­der Pla­nung. Bei­spiel Stein­tor. Kön­nen erst nach die­ser Pla­nung sagen, wo nun Autos fah­ren und wo nicht. Region muss mit Stadt und z.B. Gewerbe spre­chen, damit Pla­nung erfolg­reich wird.

Neiß: Prä­fe­renz der üstra ist deut­lich gewor­den. Freue mich über ein­deu­ti­ges Arbeits­grup­p­en­er­geb­nis für Hoch­flur. Gilt es zu akzep­tie­ren. Jetzt Tempo machen — anders als Bode­mann sagt. Es muss voran gehen, unsere Kun­den sind lei­di­ges War­ten satt. Sicht der Arbeits­gruppe ist auch Sicht der üstra.

Haase: Mey­fahrt, sie wis­sen was Nie­der­flur ist. Wür­den Sie empfehlen?

Mey­fahrt: Wir haben in Kas­sel kein NF ein­ge­führt, weil wir NF haben woll­ten, son­dern weil wir Bar­rie­re­frei­heit haben woll­ten. 1990 ange­fan­gen, nächs­tes Jahr fer­tig. Geht also schnel­ler. [?] Bin Stadt­pla­ner, nicht Schie­nen­pla­ner. Haben stadt­pla­ne­ri­sche Aspekte inten­siv dis­ku­tiert, Stu­die also weit mehr als Hal­te­stel­len. Im Grunde Ent­schei­dung vor 4 – 5 Jah­ren gefal­len, durch 150 neue Fz. Würde NF prä­fe­rie­ren, wenn freie Wahl wäre. Ob man das nun auf nur einer Stre­cke macht, ist eher schwie­rig. Auch zu betrach­ten, dass Netz evtl. aus­ge­baut wer­den kann. Bin aber skep­tisch wegen rück­ge­hen­der Fördermittel.

Nun Dis­kus­sion mit Fragen

Ulrich Östmann, Lim­mer­straße. Was sind das für „zusätz­li­che Stre­cken” auf der Schlussfolie?

Franz: Nie­der­flur andere Sicht­weise, wenn in kom­men­den Jah­ren neue Stre­cken kom­men und dann da NF gebaut wird. Wurde in Regi­ons­ver­wal­tung unter­sucht, aber nicht offen, weil nicht Bür­ger­schreck. Vor einem Jahr mal Sall­straße ange­spro­chen. Große Skep­sis in Poli­tik und Ver­wal­tung. Ansons­ten: nir­gends wirtschaftlich.

X: Franz, weil Region ver­ant­wort­lich. Wun­dere mich dar­über, dass NF teu­rer sei. Sind doch nur 5%? Außer­dem: Warum jetzt so dar­auf rum­rei­ten, wo doch vor­her Tun­nel­dis­kus­sion? Damals: Kos­ten keine Rolle. Jetzt: Was nun? Keine wei­te­ren Tun­nels? Warum jetzt auf den 5% so rumreiten?

Franz: Arbeits­gruppe hat Vor– und Nach­teile abge­wo­gen, Kos­ten wich­tig. Ob nu 5 oder 10% — 500k€-1M€ sind schon rele­vant. Halte Zah­len auch für plau­si­bel, weil Gruppe breit aufgestellt.

Neiß: Zu den 500k€-1M€ kom­men noch 4M€ Initi­al­kos­ten. Dazu Mehr­kos­ten Fahr­zeu­gen und Stre­cke — warum eigent­lich 5%, nir­gends gehört.

Jens Pilawa: (1) Alle Pläne zei­gen Ver­kehrs­an­la­gen, außer Post­tun­nel: 10000 Fz, 6000 Fuß­gän­ger, aber keine Ampeln? Was wenn Gut­ach­ten Pro­bleme macht. (2) Post­tun­nel zu klein für Sil­ber­pfeile. Kann Post­tun­nel umge­setzt werden?

Haase: Post­tun­nel war Machbarkeitsstudie

Bode­mann: Ver­kehrs­un­ter­su­chung steht aus. Drei Mög­lich­kei­ten: (1) Geht nicht. Dann: Alter­na­ti­ven nötig, Tun­nel wird rein ÖV. Leis­tungs­fä­hige Alter­na­ti­ven für Park­häu­ser nötig. (2) Funk­tio­niert, dann: Was wird mit der Kurt-​Schumacher-​Straße. (3) Misch­lö­sun­gen, z.B. Ein­bahn­straße. Fuß­gän­ger: Noch zu unter­su­chen. Z.B. Taxi­stände. Kön­nen Taxis z.B. über Schil­ler­straße erschlos­sen werden.

Franz: Bah­nen pas­sen durch Post­tun­nel. Infra + üstra haben das geprüft. Bahn kommt auch um die Ecke.

Karin Fell­ner: Danke für Mühe der Region und Betei­lig­ter und auch Ehren­amt­li­cher. Hat sich gelohnt. Mich inter­es­siert, Mey­fahrt, warum er glaubt, dass viele Kom­mu­nen NF wäh­len, wenn HF kos­ten­güns­ti­ger? Sind die dumm? [Applaus] (2) Wie­weit sind Netz­wer­wei­te­run­gen in Pla­nun­gen ein­be­zo­gen? Bshe­rige Aus­s­ga­gen nicht erschöp­fend genug. (3) Hoch­bahn­steige sind tech­ni­sche Bau­werke. Sanierungskosten?

Mey­fahrt: Fal­sche Wahr­neh­mung. Nicht all­ge­mein HF gegen NF ver­gli­chen. Spe­zi­fisch Han­no­ver: HF exi­si­tiert mit >200 Fz. Dann NF mit 25 Fahr­zeu­gen. Bei ganz­heit­li­chem Nie­der­flur­sys­tem Hal­te­stel­len ein­fa­cher und bil­li­ger gegen­ge­rech­net gegen höhe­ren Ver­schleiß. Han­no­ver aber mit ex. HF-​System, daher Mehr­kos­ten nennenswert.

Franz: Mehr­kos­ten für HF sind berücksichtigt.

X: Anstoß für HF/​NF-​Diskussion kam aus Lin­den. Nun zwei der drei Sta­tio­nen außer­halb der Fuß­gän­ger­zone. Dis­kus­sion bekommt Fetisch. Frage: Wie weit ist eigent­lich bei Bor­deaux oder Lille berück­sich­tigt wor­den, wie groß die Städte sind. Sind knapp halb so groß. …

Haase (unter­bricht): Frage also, ob NF/​HF von Stadt­größe anhängt?!

Mey­fahrt: Ist kein Kri­te­rium. Lon­don, Paris. Han­no­vers Sys­tem mit Tun­nels in Innen­stadt durch voll­stän­dige Tren­nung von ande­rem Ver­kehr sehr hohen Wert.

X: (1) Neiß: üstra möchte gerne, dass Bahn nicht mehr Hbf-​Aegi fährt. Wirt­schaft­li­cher, wenn Linde­ner zum Rasch­platz kom­men? (2) Bode­mann: Ver­kehr­li­che Gut­ach­ten müs­sen noch kom­men. Umbau ZOB. Nun dort am ZOB die Stadt­bahn­li­nien. Wie kann Ver­kehr lau­fen bei 10.000 Fahr­zeu­gen im Tun­nel. Wie geht das?

Neiß: Wäre froh über Haken am Thema HF. Stre­cken­ver­lauf: Andere Prä­fe­renz als am Ernst-​August-​Platz abzu­bie­gen. Alter­na­tiv Scheelhase-​Lösung: Linie 10 zur Hälfte in A-​Tunnel, schnelle Rea­li­sie­rung, geringe Kosten.

Bode­mann: ZOB. Wird noch unter­sucht, isb. was die Kehr­gleise betrifft. Durch libe­ra­le­ren Bus­fern­ver­kehr mehr Ver­kehr am ZOB. Des­halb: Gewisse Vari­an­ten aus­zu­schlie­ßen. Des­halb: Inte­grierte Pla­nung, die die Ent­schei­dun­gen rich­ti­ger machen.

Peter Del­le­mann, ehem. Stadt­pla­ner: Geht mir nicht nur um Stadt­ver­träg­lich­keit. Trasse passt nicht in Goethestraße/​Kurt-​Schumacher-​Straße. Man kann kei­nen Baum pflan­zen. Frage: Scheelhase-​Lösung (Scheel­hase sitzt neben mir) wei­ter­ge­hend unter­su­chen: Alle Fahr­zeuge über Hum­boldt­straße, damit Goethe-​/​Kurt-​Schumacher-​Straße als Alleen. Alte Laves-​Vision. Ist das unter­sucht wor­den? Ent­schei­dung über D-​Tunnel dann in nächste oder über­nächste Gene­ra­tion ver­scho­ben. A-​Tunnel mit neuer Rege­lungs­tech­nik wäre leis­tungs­fä­hi­ger als heutzutage.

Franz: Region ist skep­tisch. 3 Grund­prä­mis­sen des Vor­schlags: Keine Hem­min­gen­ver­län­ge­rung. Glau­ben wir nicht. Kein Stadt­bahn­netz­zu­wachs. Glau­ben wir auch nicht. Wenn Stadt­bahn nur 1 – 2% Wachs­tum pro Jahr, dann kön­nen wir uns vor­stel­len, was in den nächs­ten 20 Jah­ren pas­siert. Und: Nicht alle Stre­cken müs­sen bar­rie­re­frei sein. [?] Teile ich auch nicht. Wirt­schaft­li­cher Vor­teil durch HF-​Fahrzeuge.

Bode­mann: Neben­satz: Egal ob sepa­ra­ter Bahn­steig oder nicht. Das ist aber Schlüs­sel für Stadt­ver­träg­lich­keit. Bei eige­nen Gleis­kör­pern gar kein Spiel­raum für Umge­stal­tung. Plä­do­yer: Zwi­schen Cle­ver­tor und Bahn­hof kein eige­ner Gleiskörper!

Gül­den­berg: Frage zu Gewich­tung der Ziel­bün­del. Sind Gleich­wer­tig. Bode­mann, Stadt­ver­träg­lich­keit gleich den ande­ren Kri­te­rien — zufrie­den damit. Franz: NF in Fokus bei zusätz­li­chen Stre­cken. Ist das in Gewich­tung eingeflossen?

Franz: Arbeits­gruppe sollte keine neuen Stre­cken fin­den. Test­bal­lon Sall­straße wurde ein­hel­lig abge­lehnt in der Stadt­po­li­tik. Des­halb: Bei zusätz­li­chen Stre­cken offen aber grundskeptisch.

Bode­mann: Mein metho­di­sches Ver­ständ­nis die­ser Arbeit: Vor­ur­teils­frei. Arbeits­gruppe wollte nicht wich­ten, müs­sen Poli­tik und Ent­schei­der machen. Wenn wir fünf auf der Bühne gefragt wür­den, unter­schied­li­che Ergeb­nisse. Ich bin Nie­der­flur­ver­fech­ter! Muss aber abge­wo­gen wer­den mit der Sys­tem­lage. Vor­prä­gung durch bis­he­ri­ges Sys­tem, Bahn­steige, Tun­nels. Ist schwer, sich über wirt­schaft­li­che Kri­te­rien hin­weg­zu­set­zen. Für mich im Moment trotz ver­schie­den vie­ler posi­ti­ver Ein­schät­zun­gen in den unter­schied­li­chen Unter­su­chungs­ka­te­go­rien ein Foto­fi­nish. Sys­teme ste­hen für mich erst­mal weit­ge­hend gleich neben­ein­an­der. Habe als Städ­te­bauer Prio­ri­tä­ten, sehe aber die Gesamtsituation.

Haase: Alex­an­der hatte es mit dem gor­di­schen Kno­ten einfacher.

Rein­hard Hen­nig: Fahre jeden Mor­gen zum Water­loo, steige dort aus, werde nicht nass. Frage: Nach erfolg­rei­chem Stadt­bahn­bau der letz­ten 40 Jahre nun die Frage eines inkom­pa­ti­blen Zweit­sys­tems. Gebe zu beden­ken, dass jedes Jahr 800k€ bei 6km Stre­cken­länge. Wie schlägt sich die Syn­er­gie­ef­fekt­ver­nich­tung nieder?

Franz: Haben das im Rah­men der ver­kehr­li­chen Fle­xi­bi­li­tät unter­sucht. Ist nicht so inkom­pa­ti­bel wie es erscheint, siehe zum Bei­spiel Nürn­berg. Kos­ten­frage ist aber rich­tig beobachtet.

X: Warum Linie 700 nicht an Wunstor­fer Straße bre­chen? Warum nicht in der Überg­angs­zeit auf der 700 moderne NF-​Fahrzeuge?

Franz: 700 soll wei­ter durch­ge­führt wer­den, wegen hoher Attrak­ti­vi­tät. Fahr­gast­ver­lust bei Bre­chen. Stadt­bahn­ver­län­ge­rung nach Let­ter ist auch nicht wirt­schaft­lich. Bus­hal­te­stel­len wer­den gerade ertüch­tigt. Par­al­lel zu 100/​200 am Küchen­gar­ten bar­rie­re­freie Alter­na­ti­ven in die Innenstadt.

Mey­fahrt: Rela­tiv inten­siv unter­sucht. Busse und Bah­nen brau­chen unter­schied­li­che Hal­te­stel­len auch bei NF. Per­sön­li­che Mei­nung zu 700: Muss die denn par­al­lel zur Bahn durch die Lim­mer­straße fah­ren, wenn Stadt­bahn zukünf­tig alle 5 Minu­ten fährt. Man nehme ande­ren Lini­en­weg zum Haupt­bahn­hof. (Applaus)

X: Ket­ze­ri­sche Fra­gen. (1) Mode­ra­tor: Warum brem­sen Sie die Fra­ge­stel­ler aus? (2) An alle: Warum wer­den öffent­li­che Gel­der ver­schwen­det? ÖPNV so wenig Kos­ten wie möglich.

Franz: Seit Grün­dung Region Han­no­ver 2001 Fahr­gäste von 140 Mio auf 195 Mio erhöht bei Rück­gang der öffent­li­chen För­de­rung. (Applaus)

Andreas Dom­berg: Zum 5-​Minutentakt. Frage: Gilt das auch für NF? Und: Bei Sei­ten­bahn­stei­gen: Wei­ter 7.5-Minutentakt.

Franz: Brau­chen 5-​Minutentakt, weil Fahr­gast­zah­len gegen­über heute stei­gen werden.

Jörg Beil(?): Neiß: Bevor Bahn ober­ir­disch durch Stadt fährt, gar keine fah­ren las­sen. Was soll das? Frage doch HF oder NF? ???

Neiß: Ich ver­stehe die Frage nicht.

Ger­hard Fleige: Lim­mer­straße ist toll, des­halb NF. Frage: Nach­teile der Hoch­bahn­steige für Unter­neh­men. Nicht nur üstra unterstützen!

Franz: Ist berück­sich­tigt wor­den. Hoch­flur attrak­ti­ver machen durch Hal­te­stel­len raus­neh­men? Dage­gen gewehrt, Lim­mer­straße braucht ÖPNV in der Straße selbst. Wer Hoch­flur will, muss den Mut haben, hier Hoch­bahn­steige in die Straße rein­zu­brin­gen. Gerade am Küchen­gar­ten sehr gute Lösung.

X: Inte­gra­ti­ves Sys­tem betrach­ten, wie Bode­mann sagt. Haben schö­nes Sys­tem gese­hen. Aus­wir­kun­gen auf Rest des Net­zes nicht berück­sich­tigt. Linie 17 plötz­lich ohne Betriebs­er­laub­nis. Ist aber gerade lang­fris­tig wich­tig wenn Hem­min­gen gebaut wird. Wie hier Diskussion?

Mey­fahrt: Aus­wir­kun­gen wur­den inten­siv dis­ku­tiert, haben dazu geführt, dass Netz­ent­wick­lungs­as­pekt pro Hoch­flur ist.

Fried­rich Zind­ler, Klee­feld: Möchte grund­sätz­li­ches Pro­blem aus der ober­ir­di­schen Lini­en­füh­rung anspre­chen. Lage­pläne der Sta­tio­nen gese­hen. Meine Über­zeu­gung: Es besteht Gefahr, dass Ver­kehr durch Hoch– oder Nie­der­flur­bahn­steige erheb­lich ver­hin­dert wird. Bin posi­tiv den­ken­der Mensch… [wird in sei­nem Mono­log unter­bro­chen] Frage: Würde man mir zustim­men, dass es ein Wider­spruch ist, wenn man sich Ziele zur CO2-​Minderung setzt und dann gleich­zei­tig dazu bei­trägt, dass durch Ver­kehrs­hin­der­nisse und Staus der CO2-​Ausstoß erhöht wird.

Franz: ÖPNV ist nicht Ursa­che, son­dern Lösung für Klimakatastrophe.

Menke: (1) Optio­nen offen­hal­ten ist wich­tig für Pla­nung. Ist es wirk­lich rich­tig, Thema so beschei­den wie bis­her zu berück­sich­ti­gen. (2) Wenn zwei Hal­te­stel­len aus wich­ti­gem Bereich raus­neh­men, ist auch Zei­chen. NF ist modern, wird Fahr­gäste anzie­hen. Bode­mann: Post­tun­nel muss doch heute schon von Autos befreit wer­den. Was soll das? Frage: Par­kende Autos in Goethestr./KSS schlim­mer als Bahn.

Neiß: Geht nicht um NF für Lim­mer­straße. Han­no­ver braucht Sys­tem­lö­sung. Vor­schlag ori­gi­nell aber nicht ziel­füh­rend. Außer­dem: HF sei nicht bar­rie­re­frei ist falsch. Mitt­ler­weile 70% fertig.

Bode­mann: Ver­drän­gung der einen Ver­kehrs­art durch eine andere ist immer ein­di­men­sio­nal. Autos müs­sen woan­ders fah­ren, wenn sie an der einen Stelle ver­drängt wer­den. Schließe aber nicht aus, dass jet­zige Ergeb­nisse dazu füh­ren kön­nen, dass Prä­fe­renz für Fuß­gän­ger, Rad­fah­rer, Bahn z.B. im Bereich Her­schel­straße — Ernst-​August-​Platz erkannt wird. Mal schauen, was dann pas­siert, müs­sen Ergeb­nisse der Unter­su­chun­gen abwarten.

Franz: Schluss­wort: Möchte allen für Dis­ku­si­son und Sach­lich­keit dan­ken. Habe im Zuge der Dis­kus­sion immer große Sach­lich­keit erlebt. Macht mich opti­mis­tisch, dass wir für Thema all­ge­mein akzep­tierte Lösung fin­den. Wol­len wei­ter im Dia­log vor­ge­hen, haben damit schon ange­fan­gen. Alle Infor­ma­tio­nen des heu­ti­gen Tages auf www​.han​no​ver​.de im Inter­net abruf­bar. Außer­dem Youtube-​Channel mit den gan­zen Videos vor­han­den, mit Diskussionsmöglichkeit.

Ende: 18:13 Uhr

Die Woche im Überblick — was kommt im Rat? (2012 – 01-​10 bis 2012-​01-​16)

Die Rats­win­ter­fe­rien sind vor­bei und der Sit­zungs­be­trieb geht wie­der los. Auch über die Rats­ar­beit hin­aus ste­hen diese Woche Ter­mine an. So sieht’s aus:

  • Am Mon­tag gleich zwei Sit­zun­gen: Aus­schuss für Umwelt und Grün­flä­chen sowie — in Ver­tre­tung für Jür­gen — der Sport­aus­schuss. Der „AUG” hat im Wesent­li­chen Bau­pro­jekte auf der Tages­ord­nung, der Sport­aus­schuss beschäf­tigt sich — neben dem Haus­halts­si­che­rungs­kon­zept (HSK) VIII auch mit dem Kio­s­kneu– bzw. –wie­der­auf­bau im Natur­bad Hain­holz. Der dor­tige Stadt­be­zirks­rat hatte in sei­ner Dezem­ber­sit­zung deut­li­che Kri­tik am Vor­ge­hen der Ver­wal­tung geübt, die ent­spre­chende Beschluss­vor­lage erst so spät im Jahr vorzulegen.
  • Am Diens­tag sind abends gleich drei Pira­ten­stamm­ti­sche ange­kün­digt: In der List im Fresko am Moltke­platz, par­al­lel in der Nord­stadt im Kaiser’s und schließ­lich in Garb­sen im „Helena” im Hal­len­bad am Pla­ne­ten­ring. Ich werde höchst­wahr­schein­lich in Garb­sen und in der Nord­stadt vorbeischauen.
  • Der Mitt­woch bringt für mich eine Ein­la­dung: In einem Gym­na­sium im Groß­raum Nien­burg bin ich gebe­ten wor­den, im Rah­men eines Refe­rats vor­bei­zu­kom­men, ein wenig über die Geschichte der Pira­ten­par­tei zu erzäh­len und für Fra­gen zur Ver­fü­gung zu ste­hen. Mache ich doch gerne. :-)
  • Don­ners­tag dann noch eine Ein­la­dung: Neu­jahrs­emp­fang der Stadt Han­no­ver. Anders als einige andere Emp­fänge und Ein­la­dun­gen der letz­ten Wochen habe ich mich hier ent­schlos­sen, hin­zu­ge­hen. Schwer­punkt ist die­ses Jahr ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment, sodass viele ehren­amt­lich Tätige ein­ge­la­den wur­den, außer­dem wer­den laut Ein­la­dungs­text jedes Jahr auch Bür­ger nach dem Zufalls­prin­zip ein­ge­la­den. Ich bin gespannt. Lei­der werde ich des­halb zumin­dest grö­ßere Teile des don­nerstäg­li­chen Aktiv­en­tref­fens verpassen.
  • Frei­tag zum Wochen­schluss: „Region im Dia­log”. Die Region Han­no­ver stellt die Ergeb­nisse eine Stu­die zur wei­te­ren Ent­wick­lung des Stadt­bahn­net­zes vor. Im Kern geht es darum, ob die Stadt­bahn­li­nie 10 wei­ter­hin mit den hoch­flu­ri­gen Stadt­bahn­fahr­zeu­gen der Serien TW6000, TW2000 und zukünf­tig TW3000 betrie­ben wer­den soll oder ob diese Stre­cke mit inkom­pa­ti­blen Nie­der­flur­fahr­zeu­gen betrie­ben wer­den soll. Auf diese Ver­an­stal­tung bin ich äußerst gespannt, weil sie für die Aus­rich­tung der Stadtbahn-​Verkehrspolitik in den nächs­ten Jah­ren wich­tige Impulse geben wird.

Wir ler­nen: Es gibt viel zu tun.

Verdammte Axt, ich bin im Rat!

0:15 Uhr.

Erst am 12. Sep­tem­ber um 0:15 Uhr gab es auf der Wahl­web­seite von han​no​ver​-stadt​.de die Liste mit den gewähl­ten Kan­di­da­ten für den Stadt­rat Han­no­ver. Und da stand dann plötz­lich mein Name drauf. Ich bin — als einer von zwei Pira­ten — in den han­no­ver­schen Stadt­rat gewählt worden.

Vorläufiges Endergebnis der hannoverschen Ratswahl: Ich bin drin.

Vor­läu­fi­ges End­er­geb­nis der han­no­ver­schen Rats­wahl: Ich bin drin.

Eine Stunde vor­her sah das noch ganz anders aus: Auf Grund der Pro­zent­zah­len in den Wahl­be­rei­chen, die sich nun lang­sam sta­bi­li­sier­ten, sah es nach vie­lem aus, aber nicht danach, dass aus­ge­rech­net ich in mei­nem Wahl­be­reich Süd­stadt es geschafft haben könnte. Die Pro­zent­zah­len haben eigent­lich ganz ein­deu­tig für Linden-​Limmer und Nord gespro­chen. Unser Kan­di­dat Tho­mas Hei­nen saß mit sicht­lich gemisch­ten Gefüh­len an sei­nem Tisch auf unse­rer Wahl­party — zu die­sem Zeit­punkt wähn­ten wir ihn „drin”. Das war auch, als ich mit Con­rad von Meding von der HAZ sprach und ihm diese Infor­ma­tion — nach bes­tem Wis­sen und Gewis­sen — durch­gab. Der fol­gende Feh­ler ist also sozu­sa­gen auf mei­nem Mist gewachsen:

Falscher Name in der HAZ: Mein Fehler

Fal­scher Name in der HAZ: Mein Fehler

Und nun ist also alles plötz­lich doch ganz anders und ich habe es geschafft: Ich bin wirk­lich und wahr­haf­tig gewählt wor­den. Nicht von der Par­tei, son­dern „vom Volk”. Ich bin gewähl­ter Ver­tre­ter im Rat der Stadt Han­no­ver. Das ist — toll! Das ist ein­fach abso­lut toll! Ich denke nicht, dass ich das schon voll rea­li­siert habe.

Aber nicht nur das ist toll. Wir Pira­ten haben, wie man so schön sagt, abge­räumt. Eigent­lich wur­den wir fast über­all dort, wo wir ange­tre­ten sind, auch gewählt: Stadt­rat Han­no­ver: Zwei Pira­ten. Regi­ons­ver­samm­lung: Zwei Pira­ten. Stadt­be­zirks­räte Mitte, List, Ander­ten, Süd­stadt, Döh­ren, Lin­den, Badens­tedt, Nord: Jeweils ein Pirat. Hem­min­gen: Ein Pirat. Laat­zen: Ein Pirat. Lehrte: Ein Pirat. Man­dels­loh: Ein Pirat. In der Region Han­no­ver wer­den ab dem­nächst 16 Pira­ten in den Räten sit­zen. Dafür, dass wir eine gerade mal fünf Jahre alte poli­ti­sche Par­tei sind, ist das ein wirk­lich tol­les Ergebnis.

Toll war auch der Abend. Unsere Wahl­party fand ja im Alexander’s in der han­no­ver­schen Innen­stadt statt. Von dort sind Ste­ven und ich dann so gegen 19:20 Uhr zu einer klei­nen Tour auf­ge­bro­chen: Ins Regi­ons­haus, wo noch nicht so rich­tig viel los war. Dann wei­ter ins Rat­haus, wo auch nicht viel los war, aber wo es einige Inter­views gab, unter ande­rem mit einem Fern­seh­team vom NDR. Und dann wie­der zur Region. Mitt­ler­weile war es 21 Uhr und dort star­tete die „Talk­runde” mit Ver­tre­tern der gewähl­ten Par­teien. Nach FDP und den „Han­no­ve­ra­nern” konnte ich als Ver­tre­ter der Pira­ten­par­tei dann auch ich ein paar Worte sagen. Zu dem Zeit­punkt ja noch ein wenig unver­bind­lich, weil noch nicht so rich­tig klar war, wer denn nun in wel­chen Gre­mien ver­tre­ten sein würde.

Wie­der zurück im Alexander’s tru­del­ten dann lang­sam die Ergeb­nisse ein. Neben­bei waren auch noch ein paar Jour­na­lis­ten da, sodass die Inter­views wei­ter­gin­gen. Die Resul­tate las­sen sich heute in den diver­sen Zei­tun­gen in der Region sehen.

Da das hier mein per­sön­li­ches Blog ist, kann ich hier ja erfreu­li­cher­weise ganz für mich selbst schrei­ben: Ich freue mich sehr über all diese Wahl­er­geb­nisse und natür­lich ins­be­son­dere dar­über, dass ich in den nächs­ten fünf Jah­ren die Poli­tik der Pira­ten­par­tei in Han­no­ver ver­tre­ten werde. Ich habe aber auch erheb­li­chen Respekt vor die­ser Auf­gabe. Es ist eine Sache, im Rah­men einer Par­tei poli­ti­sche Ziele zu ver­fol­gen, aber eine ganz andere Sache, als gewähl­ter Ver­tre­ter im Rat in poli­ti­scher Ver­ant­wor­tung zu ste­hen. Dies unter einen Hut zu brin­gen und dabei zu beste­hen und sei­nen Zie­len und sei­nen Idea­len treu zu blei­ben — das ist eine erheb­li­che Her­aus­for­de­rung. Ich werde mich ihr stel­len und ich bin zuver­sicht­lich, nicht allzu viele Feh­ler dabei zu machen.

Alles in allem war das jeden­falls heute ein hoch­er­freu­li­cher Tag. Und für mich per­sön­lich ändert sich in der nächs­ten Zeit eini­ges. Ich sage mal „Danke”! Zum einen an all die Pira­ten, die mich sei­ner­zeit in der Auf­stel­lungs­ver­samm­lung gewählt haben und zum ande­ren an all die Wäh­ler, die mir und den ande­ren Pira­ten ges­tern ihre Stimme gege­ben haben. Ich weiß um die Ver­ant­wor­tung, die damit ein­her geht. Und ich bin mir sicher, all den ande­ren Pira­ten geht es genauso.

Von Bildern, Parteien und Lizenzen. Heute: Die Linke und die Stadtbahn in Hannover

Es ist doch immer wie­der erhel­lend, im Inter­net zu sur­fen. Neh­men wir mal die „Rick­lin­ger Pla­kat­wand” des han­no­ver­schen loka­len Inter­net­ma­ga­zins „Ihme­bote”. Da fin­det sich (immer noch) ein Pla­kat einer Ver­an­stal­tung der Par­tei „Die Linke” aus dem April 2010:

Plakat für eine Diskussionsveranstaltung der Linken

Pla­kat für eine Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung der Linken

So weit, so gut. Ich bin aber an dem Motiv des Pla­kats hän­gen­ge­blie­ben. Die­ses Stadt­bahn­bild, hm, … irgend­wo­her kenne ich das. Und ich bin dann auch recht schnell drauf gekom­men: Es ist von mir.

Wikipediabild des hannoverschen Stadtbahnwagens TW2000

Wiki­pe­dia­bild des han­no­ver­schen Stadt­bahn­wa­gens TW2000

Im März 2001 habe ich die­ses Bild am Vah­ren­wal­der Platz foto­gra­fiert und im Juni 2005 in den Wikipedia-​Artikel über die han­no­ver­sche Stadt­bahn ein­ge­baut. So liegt es denn auf den Wiki­me­dia Com­mons und wird mitt­ler­weile in einer gan­zen Reihe von Arti­keln benutzt.

Und offen­sicht­lich auch hier auf die­sem Pla­kat der „Lin­ken”. Noch­mal beide Bil­der neben­ein­an­der­ge­stellt im Vergleich:

Wikipediabild und das Plakat im direkten Vergleich

Wiki­pe­dia­bild und das Pla­kat im direk­ten Vergleich

Ich freue mich ja immer, wenn meine Werke genutzt wer­den. Und ich mache das ja auch expli­zit mög­lich, indem ich sie unter einer geei­gen­ten Lizenz bereit­stelle. Ich ver­wende übli­cher­weise die jeweils aktu­elle CC-​BY-​SA-​Lizenz, das heißt, ich erlaube die Wei­ter­gabe unter Quel­len­an­gabe („BY”) und wenn das abge­lei­tete Werk unter die­selbe Lizenz gestellt wird („SA” für „same attri­bu­tion”, etwa „glei­che Bedin­gung”). Ich ver­zichte auf das Ver­bot abge­lei­te­ter Werke („ND”, „no deri­va­tes”, etwa „keine Ablei­tun­gen”) und auch auf das Ver­bot kom­mer­zi­el­ler Ver­wen­dung („NC”, „no com­mer­cial”, etwa „keine kom­mer­zi­elle Verwendung”).

Inso­fern hat „Die Linke” schon vie­les rich­tig gemacht: Sie dür­fen das Bild benut­zen, ohne mich zu fra­gen. Sie dür­fen es bear­bei­ten und als Bestand­teil ihres Pla­kats ver­wen­den. Und sie dür­fen die­ses Pla­kat belie­big ver­öf­fent­li­chen. Was sie aber lei­der ver­ges­sen haben ist, den Urhe­ber — näm­lich mich — geeig­net zu erwäh­nen. Zum Bei­spiel in einer klei­nen Fuß­zeile auf dem Pla­kat, in dem dann nicht nur die Bild­quelle, son­dern auch der Bear­bei­ter genannt wird. Und die Bild­quelle für den Stadt­bahn­plan im Hin­ter­grund. Ach ja, und dann müsste die­ses Pla­kat eigent­lich eben­falls unter CC-​BY-​SA-​Lizenz ste­hen, weil ja der Bild­be­stand­teil „TW2000-​Wagen” unter eben die­ser Lizenz steht. Es könnte aber sein, dass sich das dann wie­der mit der Lini­en­netz­plan­li­zenz beißt, denn soweit ich weiß, stellt die üstra ihre Pläne nicht unter eine CC-​Lizenz. Ich ver­mute aber mal, dar­über hat man sich auch nicht wirk­lich Gedan­ken gemacht.

Und nun? Nein, ich werde jetzt nicht mit irgend­wel­chen juris­ti­schen Schar­müt­zeln anfan­gen. Der Drops ist lang gelutscht, die Ver­an­stal­tung war vor über einem Jahr und auch ansons­ten wäre mir das ein wenig zu blöd. Ich find’s aber schon schade, dass der Lizenz­text der Creative-​Commons-​Lizenz hier gerade von einer poli­ti­schen Par­tei nicht ernst genom­men wird. Sowas geht auch bes­ser. Liebe Linke, fragt im Zwei­fels­fall ein­fach mal bei den Pira­ten nach…

Ansons­ten: Schade eigent­lich, dass ich nicht bei­zei­ten auf die­sen Dis­kus­si­ons­abend auf­merk­sam gewor­den bin. Genau mein Thema

Kernkraftwerke: Irrsinn mit Methode

Manch­mal habe ich das Gefühl, ich bin zu gut­gläu­big für diese Welt. So auch jetzt. Dass man mit dem Inne­ren von Kern­kraft­wer­ken ein wenig vor­sich­tig sein muss, das war mir schon irgend­wie klar. Und das mit der Nach­zer­falls­wärme ist auch ein­leuch­tend. Aber das wird ja nicht soooo lange dau­ern. Ein paar Tage, maxi­mal wenige Wochen, dann geht von den ver­brauch­ten Kern­brenn­stä­ben keine Gefahr mehr aus.

Kernkraftwerk Brokdorf: Im Zweifelsfall strahlt's bis nach Hamburg

Kern­kraft­werk Brok­dorf: Im Zwei­fels­fall strahlt’s bis nach Hamburg

Bild­quelle: Alois Staudacher/​Neokortex, Wiki­me­dia Com­mons, CC-​BY-​SA 3.0

Denkste!

Nach­dem in Fukus­hima die ein­zel­nen Reak­to­ren in so eine Art Wett­streit um den größ­ten Knall ein­ge­tre­ten sind und dabei auch die zum Zeit­punkt von Beben und Tsu­nami abge­schal­te­ten Reak­to­ren 4 bis 6 fröh­lich mit­spie­len, habe ich meine dies­be­züg­li­che Wis­sens­lü­cke mal gefüllt. Wiki­pe­dia hilft: Bis zu 5 Jahre(!) bleibt so ein Kern­brenn­stab im Abkling­be­cken. Und eine nen­nens­werte Zeit davon muss er aktiv mit immer neuem Was­ser gekühlt wer­den, weil das Was­ser im Becken ansons­ten warm wird, ver­dampft, der Brenn­stab dann frei liegt, sich wei­ter auf­heizt und so uner­freu­li­che Dinge wie Kor­ro­sion, Zer­plat­zen oder gar Wie­der­auf­fla­ckern der Ket­ten­re­ak­tion ein­tre­ten können.

5 Jahre!

Sorry, aber: Sind die denn alle bescheu­ert?!? Ich meine: Mal ange­nom­men auf Grund einer Natur– oder ande­ren Kata­stro­phe kommt es zu einem groß­flä­chi­gen Aus­fall der Infra­struk­tur und damit zu einer Unter­bre­chung der — wie wir in den letz­ten Tagen ja ler­nen muss­ten — abso­lut not­wen­di­gen akti­ven Küh­lung der Kern­brenn­stäbe. Dann ist die ato­mare Kata­stro­phe nicht nur wahr­schein­lich, son­dern sicher. Und diese Gefahr geht nicht nur von einem akti­ven Kern­re­ak­tor aus, son­dern selbst von einem, der schon meh­rere Jahre abge­schal­tet ist.

Aus den USA kommt die Auf­for­de­rung an Ame­ri­ka­ner in Japan, zu dem Unglücks­re­ak­tor einen Sicher­heits­ab­stand von min­des­tens 80 km ein­zu­hal­ten. Wenn man mal annimmt, dass die­ser Hin­weis nicht völ­lig auf blauen Dunst erfolgt, dann kann man das auf Deutsch­land so umrech­nen: Bei einer ähnli­chen Situa­tion in den Kern­kraft­wer­ken Bruns­büt­tel, Brok­dorf oder Krüm­mel wäre Ham­burg locker in einer sol­chen 80-​km-​Zone, flöge das Kern­kraft­werk Groh­nde in die Luft, könnte ich mir über­le­gen, wohin ich von mei­nem Han­no­ver aus umzie­hen will.

Es bedarf wohl eines gerüt­telt Maß an Igno­ranz, eine Tech­nik mit der­art zer­stö­re­ri­schem Poten­tial über Jahr­zehnte zu pro­te­gie­ren. Nun bin ich in kei­ner Weise mit dem Bau oder Betrieb von Kern­kraft­wer­ken beschäf­tigt, aber mich würde schon mal inter­es­sie­ren, was sich wohl Inge­nieure den­ken, die genau in sol­chen Posi­tio­nen gear­bei­tet und dabei Jahr­zehnte lang das Man­tra von der „siche­ren Atom­en­er­gie” vor sich her­ge­tra­gen haben.

Es ist drin­gend an der Zeit, dass wir uns von die­sen ticken­den Zeit­bom­ben namens „Kern­kraft­werk” tren­nen. Die Ener­gie­po­li­tik muss — ich schrieb das bereits — auf nach­hal­tig arbei­tende, kleine, ver­teilte Anla­gen set­zen, die selbst bei einem Total­aus­fall und voll­stän­di­ger Zer­stö­rung nur ein lokal begrenz­tes Scha­den­s­po­ten­tial haben. Wenn ein Wind­rad umfällt, erschlägt es schlimms­ten­falls die Kuh auf der Wiese. Es ver­seucht aber nicht für viele Jahre alle Kühe, die in der Nähe sei­nes ursprüng­li­chen Stand­or­tes wei­den. Eine Bewer­tung von Tech­nik unter dem Aspekt ihres größ­ten Zer­stö­rungs­po­ten­ti­als im Feh­ler­falle ist über­fäl­lig — und die­ser Betrach­tung dürfte jed­wede Form der Nut­zung von „Kern­en­er­gie” zum Opfer fallen.

Am meis­ten aber erschüt­tert mich nach wie vor, dass es über einen der­art lan­gen Zeit­raum über­haupt mög­lich war, diese enor­men Risi­ken der Kern­kraft aus­zu­blen­den und auf diese Weise sol­che Anla­gen über­haupt erst zu errich­ten. Hier ist auch eine deut­li­che Ände­rung auf poli­ti­scher Ebene nötig — und zwar zügig und nachhaltig.

Piratenpartei Hannover: Kommunalwahlen, wir kommen!

Hannover: Piraten treten bei der Kommunalwahl an

Han­no­ver: Pira­ten tre­ten bei der Kom­mu­nal­wahl an

Ich hab’s ja ges­tern schon get­wit­tert, aber jetzt noch­mal etwas aus­führ­li­cher: In Han­no­ver hat es ges­tern zwei Ver­an­stal­tun­gen der Pira­ten­par­tei gege­ben: Zuerst die Auf­stel­lungs­ver­samm­lung für die anste­hen­den Kom­mu­nal­wah­len und dann die ordent­li­che Regi­ons­ver­samm­lung mit Neu­wahl des Vor­stan­des. Ich hatte mich rela­tiv kurz­fris­tig im Vor­feld ent­schlos­sen, mich auf einen „halb­wegs aus­sichts­rei­chen” Platz auf der Stadt­rats­liste zu bewer­ben. Raus­ge­kom­men ist dabei jetzt folgendes:

  • Ich stehe für den Stadt­rat auf Platz 1 der Liste für den Wahl­be­reich Südstadt-​Bult. Hier haben die Pira­ten bei der Bun­des­tags­wahl eines der han­no­ver­weit stärks­ten Ergeb­nisse ein­ge­fah­ren. Im Süden Han­no­vers auf­ge­wach­sen kenne ich den Stadt­teil recht gut: Meine Groß­el­tern haben lange Jahre am Gei­bel­platz gelebt, an den Bau der Stadt­bahn kann ich mich auch noch gut erin­nern. Viele Freunde und Kol­le­gen woh­nen über die ganze Süd­stadt ver­streut — und in einer klei­nen heute nicht mehr exis­tie­ren­den Schwimm­halle am Ein­tracht­weg in der Bult habe vor vie­len Jah­ren recht müh­se­lig das Schwim­men gelernt. Es freut mich, hier die Wäh­ler von uns als Pira­ten über­zeu­gen zu dürfen.
  • Wei­ter­hin bin ich auf Platz 2 der Liste für den Stadt­be­zirks­rat Vahrenwald/​List. Dies ist der ein­zige Wahl­kreis in Han­no­ver, in dem die Pira­ten­dichte so hoch ist, dass wir eine ernst zu neh­mende Liste für einen Bezirks­rat auf­stel­len konn­ten. Ich bin mir sicher, dass wir es auch hier schaf­fen zu punkten.
  • Und weil aller guten Dinge Drei sind, bin ich seit ges­tern auch noch Vor­sit­zen­der des Regi­ons­ver­ban­des. Das kam dann ein wenig über­ra­schend, aber letzt­lich freut mich gerade diese Wahl ganz außerordentlich.

Beim Regi­ons­vor­stand hat es einen deut­li­chen Wach­wech­sel gege­ben: Von den bis­he­ri­gen Mit­glie­dern sind nur noch zwei im neuen Vor­stand, sowohl ers­ter als auch stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der sind kom­plette Neu­be­set­zun­gen. Ich denke aber, dass wir da jetzt eine außer­or­dent­lich posi­tive Ent­wick­lung neh­men kön­nen. Hier noch­mal alle „neuen” Vor­stände für die Region Hannover:

  • Vor­sit­zen­der: Dirk Hill­brecht
  • Stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der: Kai Hal­ler
  • Schatz­meis­ter: Tilo Jerett
  • Bei­sit­zer (alpha­be­tisch): Guido Bautz, Jür­gen Hey, Michael Syl­ves­ter, Bodo Woja­kow­ski

Im letz­ten Jahr hat es einige Rei­bungs­ver­luste in der Region gege­ben. Das wer­den wir ver­su­chen, für die­ses Jahr (und mög­lichst auch dar­über hin­aus…) zu ver­mei­den. Damit möchte ich aber die Leis­tun­gen der bis­he­ri­gen Vor­stände kei­nes­wegs klein­re­den, ins­be­son­dere Jür­gen Jung­hä­nel hat als Vor­sit­zen­der wert­vollste Arbeit bei den gan­zen Vor­be­rei­tun­gen zur Kom­mu­nal­wahl geleis­tet. Nicht umsonst führt er die Stadt­rats­liste für den Wahl­be­reich Linden-​Limmer an.

Auch die Regi­ons­ver­samm­lung wird unter Pira­ten­be­tei­li­gung zur Wahl ste­hen. Ralf Kleyer steht auf Platz 1 der Liste für den „pira­ten­star­ken” Wahl­be­reich Linden-​Ricklingen. Ralf tritt eben­falls an für den Stadt­rat Hemmingen-​Arnum. Dort tritt auch Ste­ven Maaß an, der sich eben­falls für die Region zur Wahl stellt, und zwar auf Platz 1 der Liste im Wahl­be­reich Mitte-​Süd.

Und wem das jetzt alles zu viele Namen, Lis­ten und Berei­che sind, der merkt sich ein­fach nur: Wir haben jede Menge fan­tas­ti­scher Kan­di­da­ten für die Kom­mu­nal­wahl auf­ge­stellt und es wird sich auf alle Fälle loh­nen, seine Kreuze bei den Pira­ten zu machen!

Ich muss auch noch­mal die Ver­samm­lun­gen selbst ges­tern erwäh­nen: Die waren toll! Wir haben kon­zen­triert nach vorn gear­bei­tet und sämt­li­che Wah­len zügig und gleich­zei­tig mit der gebo­te­nen Kon­zen­tra­tion über die Bühne gebracht. Es gab keine Quer­schüsse, keine unnö­ti­gen Ver­zö­ge­run­gen — es gibt ein­fach alles total erfreu­lich über die Bühne. So darf das gerne öfter sein.

Han­no­ver­sche Pira­ten, ihr rockt!

Piratenstammtisch Hannover: Zur Handelsbörse am Klagesmarkt

Pira­ten­stamm­tisch Han­no­ver: Zur Han­dels­börse am Klagesmarkt

Kar­ten­grund­lage: Open­Street­Map, CC-​BY-​SA

Zum Beschnup­pern des Regi­ons­vor­stan­des gibt es in den nächs­ten Wochen und Mona­ten sicher­lich reich­lich Gele­gen­hei­ten. Die erste zum Bei­spiel nächs­ten Don­ners­tag, 2011-​02-​03, ab 19:00 Uhr auf dem Stamm­tisch in der Gast­stätte „Zur Han­dels­börse” am Kla­ges­markt in Hannover.

Die Pünktlichkeit der Bahn am aktuellen Beispiel

Vor lan­ger Zeit hatte ich schon­mal was zur Pünkt­lich­keit der Bahn geschrie­ben. Heute ist es mal wie­der soweit. Wir sehen: Die Abfahrt­s­ta­fel des Haupt­bahn­ho­fes Han­no­ver heute abend:

Abfahrtstafel in Hannover am 2010-12-17

Abfahrt­s­ta­fel in Han­no­ver am 2010-​12-​17

Wir sehen: Es ist eigent­lich gar nichts pünkt­lich. Unter 30 Minu­ten Ver­spä­tung macht es der Fern­ver­kehr mit kei­nem ein­zi­gen Zug. Fast die ganze linke Seite der Tafel ist von Zügen belegt, die eigent­lich schon längst weg sein soll­ten. IC2377 ganz oben ist gleich mal „unbe­stimmt ver­spä­tet” (zum Zeit­punkt der Auf­nahme war seine Abfahrt 74 Minu­ten her), ICE 786 nach Ham­burg kommt eine Stunde spä­ter. ICE 1185 nach Mün­chen ist zwar nur 40 Minu­ten ver­spä­tet, ver­kehrt aber heute nur mit einem Zug­teil und ist des­halb „stark über­be­legt”. Die Hin­weis­ta­fel schlägt gleich eine „Ersatz­fahr­mög­lich­keit” vor. Eine erheb­li­che Zug­an­zahl ver­kehrt in „umge­kehr­ter Wagen­rei­hung”, was auf grö­ße­res Chaos in der Betriebs­füh­rung schlie­ßen lässt — sei es wegen ein­ge­fro­re­ner Wei­chen oder wegen defek­ter Triebköpfe.

Was bin ich froh, dass ich momen­tan nicht Bahn fah­ren muss…

Der Nahverkehrs-​Adventskalender (5): Hannover 2004 – 2006

Auf unse­rer advent­li­chen Rund­reise durch den Nah­ver­kehr machen wir heute Sta­tion in mei­ner Hei­mat­stadt Han­no­ver. Und weil Sonn­tag ist, gibt’s heute mal mehr als ein Foto und eine Geschichte, die sich über zwei­ein­halb Jahre spannt.

Eisenbahnbrücke Ricklinger Stadtweg im Januar 2004

Eisen­bahn­brü­cke Rick­lin­ger Stadt­weg im Januar 2004

Auf dem Foto sehen wir den Rick­lin­ger Stadt­weg am nörd­li­chen Ende an der Grenze des Stadt­tei­les Rick­lin­gen. Es ist sozu­sa­gen ein Bild mei­ner Kind­heit und Jugend: Ich bin ich Rick­lin­gen auf­ge­wach­sen und bin unter die­ser Brü­cke etli­che Tau­send Male mit allen mög­li­chen Ver­kehrs­mit­teln auf dem Weg in die Innen­stadt, zur Schule oder zu Freun­den her­ge­fah­ren. Hier kreuzt die Eisen­bahn­stre­cke Hannover-​Altenbeken sowie die Güter­um­ge­hungs­bahn die Straße auf einer gemein­sa­men Brü­cke. Unten ver­läuft die Stadt­bahn­stre­cke Rich­tung Wett­ber­gen. Im Jahr 2004 steht hier noch eine Brü­cke aus den 1920er Jah­ren, die zwei Nach­teile hat: Zum einen ist die Spann­breite viel zu klein für den heute wesent­lich brei­te­ren Rick­lin­ger Stadt­weg: Bahn und Autos müs­sen sich die Fahr­bahn tei­len und für die Fuß­gän­ger bleibt nur ein sehr schma­ler Strei­fen. Zum ande­ren erlaubt das Bau­werk keine Ver­knüp­fung der Bahn­stre­cke oben mit der Stadt­bahn unten. Und das ist vor allem des­halb schade, weil hier mitt­ler­weile eine moderne S-​Bahn in die süd­west­li­chen Stadt­teile, das Nah­er­ho­lungs­ge­biet Deis­ter, nach Hameln und sogar bis nach Pader­born fährt. Diese böte sich außer­or­dent­lich gut an, mit der Stadt­bahn ver­knüpft zu wer­den. His­to­risch bedingt liegt der dazu nötige Bahn­hof aber lei­der ein gan­zes Stück abseits (und warum das so ist, dar­über ließe sich eine ganz eigene Arti­kel­se­rie schrei­ben…). Die Situa­tion schreit also nach Ver­än­de­rung — und genau das passiert.

In den fol­gen­den zwei­ein­halb Jah­ren wird an der hier abge­bil­de­ten Über­füh­rung der moderne Ver­knüp­fungs­bahn­hof „Hannover-​Linden/​Fischerhof” von S-​Bahn und Stadt­bahn errich­tet: Die gesamte Brü­cke wird dafür völ­lig neu gebaut. Oben ist auf dem neuen Bau­werk der S-​Bahnsteig, unten direkt unter der Brü­cke ein brei­ter Stadt­bahn­steig. Beide sind über Treppe und Fahr­stuhl direkt mit­ein­an­der verbunden.

Bauarbeiten am Ricklinger Stadtweg im August 2005

Bau­ar­bei­ten am Rick­lin­ger Stadt­weg im August 2005

Beson­ders nach­hal­tig hat sich die­ser Bereich dadurch ver­än­dert, dass die neue Brü­cke viel brei­ter als die alte ist. Stell­ver­tre­tend für die zwei­ein­halb­jäh­rige Bau­phase sei hier ein Foto vom August 2005 gezeigt. An die­sem Wochen­ende wurde die wohl spek­ta­ku­lärste Ein­zel­bau­maß­nahme durch­ge­führt: Die alte, zuletzt bereits arg gerupfte, Brü­cke wurde voll­stän­dig ent­fernt und die neue Brü­cke an ihre Stelle gescho­ben. Auf dem Bild steht dies kurz bevor. Gerade wer­den noch die alten Brü­cken­wi­der­la­ger mit dem gro­ßen Bohr­ham­mer ent­fernt. Man sieht sehr schön, dass das neue Brü­cken­wi­der­la­ger wesent­lich wei­ter außen liegt. Auf der ande­ren Seite der Brü­cke ist die Situa­tion ähnlich.

Auf dem Bild fährt gerade eine S-​Bahn ent­lang, obwohl die Bau­ar­bei­ten an der frisch ein­ge­scho­be­nen Brü­cke noch gar nicht abge­schlos­sen sind. Das liegt daran, dass die neue Über­füh­rung über den Rick­lin­ger Stadt­weg eigent­lich aus zwei Brü­cken besteht: Das nörd­li­che S-​Bahngleis kommt wegen des neuen Bahn­stei­ges deut­lich wei­ter außen zu lie­gen. Für die­ses Gleis konnte des­halb in einem frü­he­ren Bau­ab­schnitt die neue end­gül­tige Brü­cke bereits sepa­rat errich­tet wer­den. Wäh­rend dann die alte Brü­cke durch ihren Nach­fol­ger ersetzt wurde, war es mög­lich, über die­ses vierte Gleis die bei­den Eisen­bahn­stre­cken wei­ter zu betrei­ben — zwar mit erheb­lich ver­rin­ger­ter Kapa­zi­tät, aber immer­hin. Die­ser „Trick” wurde wäh­rend der Bau­ar­bei­ten häu­fi­ger ange­wen­det. Der Rick­lin­ger Stadt­weg war wäh­rend der Bau­ar­bei­ten an die­ser Stelle Ein­bahn­straße Rich­tung Nor­den und an meh­re­ren Wochen­en­den voll für Autos und die Stadt­bahn gesperrt. Das Wochen­ende der Brü­cken­ver­schie­bung war jedoch die ein­zige zwei­tä­gige Kom­plett­sper­rung auch für Fuß­gän­ger und Rad­fah­rer. Ein meh­rere hun­dert Meter lan­ger Umweg über die Stam­me­straße war aber aus­ge­schil­dert. Dort ver­kehrte auch der Schienenersatzverkehr.

Eisenbahnbrücke Ricklinger Stadtweg im Mai 2006

Eisen­bahn­brü­cke Rick­lin­ger Stadt­weg im Mai 2006

Ein Drei­vier­tel­jahr spä­ter sind die Bau­ar­bei­ten abge­schlos­sen. Auf die­sem Bild, das an etwa der glei­chen Stelle wie das erste Bild auf­ge­nom­men wurde, sieht man die kom­plette neue Brü­cke mit dem Mit­tel­hoch­bahn­steig für die Stadt­bahn und einem gerade aus Rich­tung Haupt­bahn­hof ein­fah­ren­den S-​Bahnzug. Die S-​Bahn hat durch die neue Posi­tion des Bahn­ho­fes enorm gewon­nen, da sie sich jetzt mit­ten in der umlie­gen­den Bebau­ung befin­det — und nicht mehr abseits. Und die Stadt­bahn hält nun nicht nur einen Hoch­bahn­steig; dadurch, dass die zwei bis­he­ri­gen Hal­te­stel­len jeweils 100 Meter vor und nach der Brü­cke zu einer Hal­te­stelle zusam­men­ge­legt wur­den, ver­kürzt sich auch die Fahr­zeit auf der Linie. Der neue Bahn­hof ist nicht ganz zufäl­lig im Mai 2006 in Betrieb gegan­gen: Er liegt fuß­läu­fig zum Han­no­ver­schen Fuß­ball­sta­dion, in dem einen hal­ben Monat spä­ter einige Spiele der Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft stattfanden.

Mit Inbe­trieb­nahme der neuen Sta­tion an die­ser Stelle sind auch die sil­ber­nen TW2000-​Stadtbahnwagen erst­mals auf die Stadt­bahn­trasse A in Han­no­ver im Plan­be­trieb gekom­men. Heute kön­nen zwei der drei hier ver­keh­ren­den Linien mit die­sen moder­nen Zügen, teil­weise in 75 Meter lan­ger Drei­facht­rak­tion, gefah­ren wer­den. In den nächs­ten fünf bis zehn Jah­ren wird aller Vor­aus­sicht nach ein Stadt­bahn­zweig nach Hem­min­gen und Arnum wei­ter süd­lich von die­ser Stre­cke abzwei­gen und damit die Bedeu­tung des Bahn­ho­fes „Linden/​Fischerhof” als Umstei­ge­kno­ten im süd­west­li­chen Han­no­ver wei­ter steigern.

Ähnli­che Situa­tio­nen gibt es in Han­no­ver auch an der Hil­des­hei­mer Straße im nörd­li­chen Döh­ren und am Braun­schwei­ger Platz. Im Gegen­satz zu Lin­den wur­den die dor­ti­gen Stra­ßen­über­füh­run­gen aber noch nicht umge­baut und mit S-​Bahnhaltepunkten versehen.

Lena Meyer-​Landrut in Hannover: Fotogalerie vom Empfang vor dem Rathaus

Ich schrieb ja ges­tern schon vom Stand­ort­vor­teil, den man als Han­no­ve­ra­ner beim dies­jäh­ri­gen Euro­vi­sion Song Con­test hat: Die deut­sche Teil­neh­me­ne­rin und Gewin­ne­rin Lena Meyer-​Landrut kommt ja nun mal von hier. Und so fand auch der Emp­fang am Tag nach ihrem Sieg hier in Han­no­ver statt. Das ließ ich mir nicht ent­ge­hen, habe aber — anders als am Vor­tag — dies­mal die Kamera mit vors Rat­haus genom­men. Viele Fotos, die ich auf die­sem Event gemacht habe, fin­den sich unter

http://​lena​-in​-han​no​ver​.hill​brecht​.de

Der Tramm­platz war bes­tens gefüllt als Punkt 17:00 Uhr die USFO-​Moderatoren Sabine Hein­rich und Mat­thias Opden­hö­vel auf der Bühne erschie­nen und „eine total unge­plante Livesa­che” ankündigten.

Sabine Heinrich und Matthias Opdenhövel eröffnen die Veranstaltung

Sabine Hein­rich und Mat­thias Opden­hö­vel eröff­nen die Veranstaltung

Mit Beginn der Live­über­tra­gung auf ARD und Pro7 erschie­nen dann Ste­fan Raab und eine gut gelaunte Lena Meyer-​Landrut und wur­den aus­gie­big vom Publi­kum gefeiert.

Stefan Raab und Lena Meyer-Landrut

Ste­fan Raab und Lena Meyer-​Landrut

Höhe­punkt der Ver­an­stal­tung war wohl eine wei­tere Liveper­for­mance von „Satel­lite” durch Lena. Ich möchte nicht wis­sen, wie oft sie die­ses Lied in den ver­gan­ge­nen zwei Mona­ten gesun­gen hat.

Lena singt ein weiteres Mal Satellite - live und mit lauter Unterstützung durchs Publikum

Lena singt ein wei­te­res Mal Satel­lite — live und mit lau­ter Unter­stüt­zung durchs Publikum

Das Publi­kum jeden­falls war begeis­tert, sang aus vol­ler Kehle mit und fei­erte ansons­ten aus­gie­big die „Stars aus Oslo”.

Der Trammplatz war die ganze Zeit voll von Zuschauern

Der Tramm­platz war die ganze Zeit voll von Zuschauern

Mein Fazit: Sowas erlebt man nicht alle Tage. Viele wei­tere Fotos von der Ver­an­stal­tung, wie bereits geschrie­ben, unter

http://​lena​-in​-han​no​ver​.hill​brecht​.de

Ein Bahnsteig an der Messe: Erinnerungen an den CeBIT-​Verkehr 1997 (2)

Creative Commons License
Die­ser Arti­kel sowie alle ent­hal­te­nen Gra­fi­ken und Fotos ste­hen unter einer Crea­tive Com­mons Namensnennung-​Weitergabe unter glei­chen Bedin­gun­gen 3.0 Deutsch­land Lizenz. Über diese Lizenz hin­aus­ge­hende Erlaub­nisse kön­nen Sie unter http://​blog​.hill​brecht​.de/​l​i​z​e​n​z​h​i​n​w​e​i​se/ erhalten.

Diese Geschichte zum CeBIT-​Verkehr 1997 star­tete in Teil 1 mit einem Behelfs­bahn­steig am Messegelände.

Behelfs­bahn­steig an der Mes­se­schleife in Han­no­ver, 9. März 1997

Die­ser ermög­lichte es damals, klas­si­sche Stra­ßen­bahn­wa­gen für einen Teil des CeBIT–Anrei­se­ver­kehrs ein­zu­set­zen. Nötig machte dies die ange­spannte Lage im üstra-​Fuhrpark jener Tage: Die 256 ein­satz­be­rei­ten Stadt­bahn­wa­gen des Typs TW6000 reich­ten für den nor­ma­len Ver­kehr plus Mes­se­ver­kehr kaum aus.

TW500-​U-​Boot in der Mes­se­schleife, März 1997

So fuh­ren im mor­gend­li­chen Mes­se­ver­kehr der CeBIT 1997 bis zu drei TW500-​Triebwagen den Zulauf­ver­kehr zwi­schen Pei­ner Straße und Mes­se­ge­lände, die soge­nann­ten „U-​Boote”. Da sie an den Hoch­bahn­stei­gen nicht hal­ten konn­ten, blieb nur der kurze Behelfs­bahn­steig im Wei­chen­be­reich süd­lich des Messe-​Hausbahnsteigs.

Gelenk­trieb­wa­gen bei der Ein­fahrt am Behelfs­bahn­steig, März 1997

Und wie man auf den Fotos gut sehen kann, waren diese Züge wirk­lich nötig: Der Wagen ist sehr gut gefüllt, und das obwohl er nur vier Sta­tio­nen ange­fah­ren hat.

Ankunft am Mes­se­ge­lände: Fahr­gäste von nur vier Sta­tio­nen auf dem Bahn­steig, März 1997

Ich weiß, dass ich mir das ganze damals mit einem Kom­mi­li­to­nen zusam­men ange­schaut habe und dass wir anschlie­ßend im (dann lee­ren) Stra­ßen­bahn­wa­gen zurück zur Pei­ner Straße gefah­ren sind. Das war vor allem des­halb sehr inter­es­sant, weil diese Trieb­fahr­zeuge noch über eine direkte Motor­steue­rung ver­füg­ten. Ein guter Fah­rer konnte mit die­sen Fahr­zeu­gen wesent­lich rasan­ter beschleu­ni­gen als mit der elek­tro­nisch gere­gel­ten Geschwin­dig­keits­steue­rung der TW6000. Aller­dings dreh­ten auch schnel­ler die Räder durch und wenn man zu stark beschleu­nigte und der Motor zu viel Strom zog, unter­brach mit lau­tem Kra­chen der Siche­rungs­au­to­mat die Strom­ver­sor­gung. Der Griff des Fah­rers ging dann immer direkt über sei­nen Kopf, wo die bei­den Dreh­griffe waren, mit denen die Siche­rung wie­der „rein­ge­dreht” wer­den konnte.

U-​Boot-​Wendemanöver an der Pei­ner Straße, März 1997

An der Pei­ner Straße wen­de­ten die Züge der U-​Bootlinie über das Gleis­drei­eck in der Betriebs­hof­zu­fahrt und fuh­ren von dort wie­der in die Hal­te­stelle Rich­tung Messegelände.

Ins­ge­samt war der Mes­se­zu­lauf­be­trieb jener Tage recht rus­ti­kal: Es bedurfte eines hohen Per­so­nal­auf­wands um den Ver­kehr flüs­sig zu hal­ten. Und gerade in der zwei­ten Hälfte der 1990er Jahre führte der Ver­kehr zur Messe die Tech­nik auch mal über ihre Gren­zen hin­aus: Min­des­tens ein­mal in der Mes­se­wo­che fiel das Stell­werk am Aegi­dien­tor­platz aus und legte damit auch den Ver­kehr im gesam­ten U-​Bahnabschnitt nörd­lich von Döh­re­ner Turm über Stun­den lahm.

Stadt­bahn­stre­cke auf der Hil­des­hei­mer Straße nörd­lich An der Wol­le­bahn: Viel Ver­kehr. März 1997

Auch die Strom­ver­sor­gung zickte rum. Im mor­gend­li­chen Anrei­se­ver­kehr am Eröff­nungs­tag kam es zu einem Kom­plett­aus­fall der Strom­ver­sor­gung auf der Stre­cke süd­lich von Döh­re­ner Turm:

Pünkt­lich um 9.37 Uhr gab es im Unter­werk Döh­ren einen Dau­er­kurz­schluß. Nach 3 auto­ma­ti­schen ver­geb­li­chen Ver­su­chen den Strom wie­der ein­zu­schal­ten muß in der Schalt­warte Groß­alarm aus­ge­löst wor­den sein.

Über Funk kam als ers­tes die Auf­for­de­rung an alle auf der B-​Süd [interne Bezeich­nung der Stre­cke], die Fahr­zeuge auf redu­zierte Netz­last zu schal­ten. Als das nichts gebracht hatte, wurde die ver­schärfte Maß­nahme ein­ge­lei­tet: Bügel run­ter für alle! Auch das half nicht. Also wur­den alle Fah­rer auf­ge­for­dert, die vor ihnen lie­gende Stre­cke auf Ober­lei­tungs­schä­den zu über­prü­fen; eben­falls erfolglos.

Als nächs­tes wur­den die Schal­ter für die Ein­spei­sung aus dem Unter­werk Döh­ren abge­schal­tet. Der Kurz­schluß war immer noch vor­han­den, mußte also im Bereich zwi­schen Unter­werk und Stre­cken­ein­spei­sung zu suchen sein. Wenigs­tens konnte man so einen Ver­bin­dungs­schal­ter schlie­ßen, so daß das Unter­werk Enge­sohde (Alten­be­ke­ner Damm) die Ver­sor­gung des Abschnitts mit über­ne­he­men konnte. Nach ca. 15 Minu­ten konn­ten die Bah­nen die Bügel wie­der anle­gen und die Fahrt fortsetzen.

TW6000-​Dreiwagenzug im Mes­se­ver­kehr an der Pei­ner Straße mit abge­senk­ten Strom­ab­neh­mern, März 1997

Ver­kehrs­ge­schicht­lich stellt das Jahr 1997 gleich in meh­rer­lei Hin­sicht eine Zäsur für den Stadt­bahn­ver­kehr in Han­no­ver dar: Letzt­ma­lig wur­den in die­sem Jahr — und das auch nur im hier beschrie­be­nen CeBIT-​Morgenverkehr — die klas­si­schen TW500-​Gelenktriebwagen-​Straßenbahnzüge im Regel­ver­kehr ein­ge­setzt. Und letzt­ma­lig waren bei die­ser CeBIT ansons­ten nur Fahr­zeuge des Typs TW6000 ver­füg­bar. Schon bei der Indus­trie­messe einen guten Monat spä­ter wurde das erste Exem­plar des neuen Stadt­bahn­fahr­zeugs TW2000 der Öffent­lich­keit vorgestellt.

TW2001 bei der ers­ten öffent­li­chen Prä­sen­ta­tion auf der Han­no­ver Messe, April 1997

Im Laufe des Som­mers 1997 kamen die ers­ten TW2000 auf das han­no­ver­sche Netz und zur CeBIT 1998 waren bereits aus­rei­chend Fahr­zeuge ver­füg­bar, sodass es dies­be­züg­lich keine Pro­bleme mehr gab. Pro­bleme mach­ten nur die TW2000 selbst, die wegen unzu­rei­chen­der Tests im Vor­feld in der Ein­füh­rungs­phase zahl­rei­che Kin­der­krank­hei­ten aus­ku­rie­ren muss­ten. Des­halb wur­den sie im Mes­se­ver­kehr 1998 vor allem auf ande­ren Linien ein­ge­setzt und nur spo­ra­disch auf den Messelinien.

Heute erin­nert nur noch wenig an die Ver­hält­nisse Ende der 1990er Jahre: TW2000 und TW6000 sind längst gleich­be­rech­tigt im han­no­ver­schen Netz unter­wegs. Durch den brei­te­ren Wagen­kas­ten und die Mög­lich­keit, bis zu 100 Meter lange Vier­wa­gen­züge zu bil­den, erhöht der TW2000 zudem die Kapa­zi­tät eines ein­zel­nen Zuges erheb­lich. Und schließ­lich ist das Mes­se­ge­lände heute gleich von drei Sei­ten vom Schie­nen­ver­kehr erschlossen.

Stadt­bahn– und S-​Bahnlinien zum Mes­se­ge­lände im Jahr 2010

Neben der Anbin­dung über Döh­ren und Mit­tel­feld gibt es seit der Expo 2000 noch eine wei­tere Stadt­bahn­stre­cke über Bemerode und den Krons­berg, die in der Nähe der ent­ge­gen­ge­setz­ten Ecke des Mes­se­ge­län­des endet. Die bei­den Sta­tio­nen hei­ßen des­halb heute „Messe/​Nord” und „Messe/​Ost”. Und dazu kommt noch das leis­tungs­fä­hige S-​Bahnnetz, das Haupt­bahn­hof und Flug­ha­fen direkt mit dem Mes­se­ge­lände ver­bin­det und einen Groß­teil des Ver­kehrs aus der Region auf­nimmt. Im eben­falls zur Expo neu gebau­ten Fern­bahn­hof „Han­no­ver Messe/​Laatzen” hal­ten zudem die Fern– und Regio­nal­züge der Nord-​Süd-​Fernstrecken. Trotz­dem stellt der Mes­se­ver­kehr auch heute noch eine Belas­tungs­spitze des han­no­ver­schen Stadt­bahn­net­zes und ins­be­son­dere der Linien 8 und 18 dar.

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Unter­schied zwi­schen 1997 und 2010 ist, dass mitt­ler­weile sämt­li­che Bahn­steige zwi­schen der Tun­nelaus­fahrt und dem Mes­se­ge­lände hoch­flu­rig sind. Das war auf die­ser Stre­cke beson­ders auf­wän­dig, weil hier alle Bahn­steige für 100-​Meter-​Züge aus­ge­legt wur­den — und nicht für die sonst übli­chen 75 Meter eines drei­wa­gi­gen TW2000-​Zuges. Dadurch sind aber die Hal­te­stel­len­stops kür­zer gewor­den, weil zum einen die Zeit zum Ein­fah­ren der Klappt­ritt­stu­fen nicht mehr nötig ist und zum ande­ren die Fahr­gäste schnel­ler ein– und aussteigen.

Platz des 1997er-​Behelfsbahnsteiges 13 Jahre spä­ter: Nichts mehr zu sehen. Februar 2010

Und der Behelfs­bahn­steig an der Messe? Nun, auch der ist lange Geschichte. Heute fin­det sich hier ein Ober­lei­tungs­mast und ein Schalt­kas­ten. Außer­dem ist der Hoch­bahn­steig ein paar Meter ver­län­gert wor­den, damit die 100 Meter lan­gen Vier-​Wagen-​TW2000-​Züge dran­pas­sen. Die Stra­ßen­bahn­wa­gen sind ver­kauft oder ver­schrot­tet wor­den, mir ist nicht bekannt, ob über­haupt ein sol­cher Breitraum-​Gelenktriebwagen über­lebt hat. Bei der letz­ten gro­ßen üstra-​Sause, dem Betriebs­hof­fest an der Glock­see 2008, stand jeden­falls kei­ner in der Fahr­zeug­pa­rade auf dem Gleisfeld.

Fahr­zeug­pa­rade auf dem üstra-​Betriebshoffest ohne TW400/​500, August 2008

So schließt diese Rück­blende mit einem letz­ten Foto aus dem Jahr 1997, das noch­mal das Wagen­ma­te­rial jener Zeit gemein­schaft­lich zeigt.

TW6000 und TW500 auf der Hil­des­hei­mer Straße Höhe An der Wol­le­bahn, März 1997

Nach­trag: Das Inter­net ist schon toll. In einer Dis­kus­sion auf Dreh­scheibe Online sind mitt­ler­weile einige kleine Kor­rek­tu­ren zu mei­nen Aus­füh­run­gen auf­ge­taucht. Teil­weise fin­den sich sich auch in den Kom­men­ta­ren unten. So waren anno 1997 nicht drei, son­dern fünf TW500 im „U-​Booteinsatz”. Zudem hat es auch nach 1997 noch U-​Booteinsätze mit den alten Stra­ßen­bahn­wa­gen gege­ben, und zwar bis zum Jahr 2002. Ich denke aber, dass man 1997 trotz­dem als das Jahr der eigent­li­chen Zäsur in die­ser Sache sehen kann: Spä­ter waren die alten Wagen nur noch sehr spo­ra­disch und eher unter „Lieb­ha­be­r­as­pek­ten” im Mes­se­ver­kehr unter­wegs. Im Jahr 1997 hin­ge­gen war der Ein­satz durch­gän­gig die gesamte Messe über und maß­geb­lich der Wagen­knapp­heit geschul­det. Besag­ten Drehscheibe-​Artikel emp­fehle ich übri­gens auch des­halb zur Lek­türe, weil sich dort einige sehr schöne Fotos aus jenen Tagen fin­den. TW400, TW6000 und TW2000 in einer nicht gestell­ten Betriebs­hof­si­tua­tion neben­ein­an­der fin­det man wahr­lich nicht alle Tage…