Zum zweiten Teil.
So, nachdem ich mich gestern ja schon allgemein zum anstehenden Bundesparteitag der Piratenpartei geäußert habe, habe ich mir heute die halbe Nacht um die Ohren geschlagen und bin diese „Anträge” durchgegangen — zumindest die erste Hälfte. Als Grundlage habe ich das „Inoffizielle Antragsbuch” genommen, das gestern auf der Aktiven-Mailingliste angekündigt wurde. Dessen erste Hälfte besteht aus den „Programmanträgen” und genau diese habe ich jetzt durchgelesen und versucht, mir eine Meinung zu bilden.
Im Folgenden veröffentliche ich diese meine Meinung. Und ich schicke dem lieber noch ein paar Erläuterungen voraus: Es handelt sich dabei um meine höchstpersönlich-eigene Meinung. Ich habe sie mir allein gebildet, nur unter Berücksichtigung des Textes (und der Begründung) in besagtem Antragsbuch. Ich habe jedem „Ja” oder „Nein” auch immer noch eine kurze Begründung beigefügt. Diese mag vielleicht ungerecht, borniert oder unwissend wirken, vor allem auf diejenigen, die sich ausführlich mit den einzelnen Anträgen beschäftigt haben. Aber: Das ist das, was bei mir als Leser angekommen ist. Ich habe schlicht keine Zeit, mich in jeden Antrag und die gesamte Diskussion um ihn herum einzulesen. Ich nehme das, was ich hier in der Entschließungsvorlage vorgesetzt bekomme. Und damit dürfte ich als durchschnittlicher Leser ein gar nicht so ungeeignetes Beispiel sein.
Noch etwas: Meine hier geäußerte Meinung ist keinesfalls in allen Fällen fix. Dieser Artikel ist für mich nicht so sehr eine „Verlautbarung”, sondern eher eine Diskussionsgrundlage. Wenn ihr der Meinung seid, ich irre mich, verstehe etwas falsch, sehe etwas nicht: Weist mich drauf hin! Bei so manchem Antrag fände ich es prima, wenn ich das nochmal genauer erklärt bekäme. Denn einerseits klingt das ja gar nicht so falsch, was da steht. Aber andererseits ist es einfach — so, wie es da steht — nicht in sich stimmig. Es passt nicht.
Insgesamt ist dieses Antragskonglomerat eine eher sperrige Lektüre. Es sind viele Anträge dabei, die schlicht undurchdacht sind. Es wird nicht auf den Punkt gekommen. In der Überschrift geht es um Thema „A”, der Inhalt handelt dann aber von „B”. Immer wenn ich unten von „Lyrik” oder „Lala” spreche, ist mir das besonders übel aufgefallen. Teilweise ist auch die Textstruktur einfach grottig. Ich meine: So ein Grundsatzprogramm sollte sich eigentlich aus einem Guss lesen lassen. Da kann ich keine Halbsatzaufzählungen reinschreiben, auch wenn sie noch so eloquent wären (und Halbsatzaufzählungen sind meistens genau das nicht…). Daraus ergibt sich so manches „Nein” in der folgenden Liste.
Insgesamt sind es übrigens sehr viele „Neins”. Das finde ich aber nicht schlimm. Ich stehe dazu, dass meiner Meinung nach die programmatische Öffnung der Partei nur langsam vonstatten gehen kann. Bevor wir uns zu einem Thema festlegen, müssen wir in unserer Partei selbst dazu gefestigt sein. Und das ist bei der überwiegenden Zahl von Themen momentan noch nicht der Fall. Deshalb: Nein zur Aufnahme in irgendwelche Programme.
Ich habe nach Fertigstellung dieser Liste mit Schrecken festgestellt, dass die offizielle Antragsliste mittlerweile einige der Anträge nicht mehr verzeichnet bzw. nochmal irgendwo anders hin umgestellt hat. Ich hoffe, das passiert jetzt nicht noch häufiger. Dieser Wust an Texten ist jetzt schon reichlich unübersichtlich. Wenn da jetzt noch munter hin und hergeschoben wird, dann blickt irgendwann gar niemand mehr durch, was jetzt eigentlich wo steht. Das ist dann der ultimative „Call for Chaos”…
Wenn ich es schaffe, werde ich in einem zweiten Artikel die restlichen Anträge ähnlich durchgehen. Ich weiß aber noch nicht endgültig, ob das klappt. Die heutige Nacht ging von 0:30 Uhr bis um 4:00 Uhr und dann um 7:30 Uhr weiter. Irgendwann ist der Punkt erreicht, wo man einfach nicht mehr kann.
So, und wer nun bis hierhin gekommen ist, der kann sie sich jetzt anschauen: Mein ganz persönlicher Abstimmungsplan für den Parteitag, Teil 1:
‚Anträge beim Bundesparteitag der Piratenpartei: So könnte ich abstimmen (1)’ weiterlesen …