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	<title>Letzte Weisheiten</title>
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	<description>Der Blog zum Dirk</description>
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		<title>Bring mich nach Hause — Das vierte Studioalbum von „Wir sind Helden”</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Aug 2010 16:00:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Hillbrecht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mus - Iek]]></category>
		<category><![CDATA[bring mich nach hause]]></category>
		<category><![CDATA[musik]]></category>
		<category><![CDATA[wir sind helden]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich hatte mich ja bereits viel, viel früher mal in diesem Blog mit „Wir sind Helden” beschäftigt. Damals gab es ein neues Album — und jetzt gibt es wieder ein neues Album. Mehr als drei Jahre liegen dazwischen, und die Tatsache, dass es mein Blog schon so lange (und sogar noch länger!) gibt, zeigt mir, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1086" class="wp-caption aligncenter" style="width: 460px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/08/bring-mich-nach-haus-titel.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/08/bring-mich-nach-haus-titel.jpg" alt="Bring mich nach Hause - Limited Edition mit Booklet" title="Bring mich nach Hause - Limited Edition mit Booklet" width="450" height="293" class="size-full wp-image-1086" /></a><p class="wp-caption-text">Bring mich nach Hause — Limited Edition mit Booklet</p></div>
<p>Ich hatte mich ja bereits viel, viel früher mal in diesem Blog mit „Wir sind Helden” beschäftigt. <a href="/2007/05/27/wir-sind-helden-soundso-naja/">Damals gab es ein neues Album</a> — und jetzt gibt es wieder ein neues Album. Mehr als drei Jahre liegen dazwischen, und die Tatsache, dass es mein Blog schon so lange (und sogar noch länger!) gibt, zeigt mir, dass da mal wieder einiges an Zeit vergangen ist. Für mich — und für die Helden.</p>
<p>Bei „Soundso” war ich seinerzeit ja eher gespalten. Das Album war gewiss nicht schlecht, aber an „Vor hier an blind” reichte es meiner Meinung nach nicht heran. Und das hat sich auch nach vielem Hören — Zeit war ja seither genug… — nicht geändert: „Soundso” war nett, „Von hier an blind” und „Die Reklamation” waren großartig.</p>
<p>Und nun also der nächste Streich. Ich hatte nur noch in Erinnerung, dass das Album „irgendwann Ende August” erscheinen sollte, surfe am 26.8. so auf die <a href="http://www.wirsindhelden.de/">Wir-sind-Helden-Website</a> und sehe da: Veröffentlichung am 27.8.! Und noch besser: Auf Myspace konnte man die Lieder schonmal vorhören. Das ganze Album? Das ganze! Zwar in deutlich reduzierter Soundqualität, aber man will sich ja nicht beschweren…</p>
<p>Schon dieses erste Reinhören hat mir ausnehmend gut gefallen. So gut, dass ich heute mittag zum örtlichen Planetenladen gelatscht bin (ja, ich weiß, ich <a href="/2008/11/15/videokamera-kaufen-saturn-vs-internet-01/">hatte mal geschrieben</a>, dass ich da nicht mehr hingehe…) und die „Limited Edition” erstanden habe: Studio-CD und dann nochmal alle Lieder in einer „Unplugged”-Version auf einer zweiten CD. Schnell die Lieder nach MP3 konvertiert (kein Problem, kein „Kopierschutz”) — und los!</p>
<p>Die CD selbst macht zunächst einen getragenen, stellenweise fast düsteren Eindruck — viel mehr als die vorangegangenen Alben. Die melancholische „Ballade von Wolfgang und Brigitte” beschreibt eindringlich, wie unerwiderte Liebe in Ausnutzung umschlagen kann, und obwohl Judith Holofernes in Interviews bereits gesagt hat, dass das Lied eher in der 1970er-Jahren angesiedelt ist, kann man seine Geschichte problemlos auch heute spielen lassen:</p>
<blockquote><p>
Dann zog Brigitte nach Ibiza und verkaufte Batiksachen,<br />
Wolf kündigte, um bei ihr zu sein.<br />
Nach ein paar Wochen sagte Gitte: „Ich wollte eigentlich einen Schnitt machen<br />
und frei sein, du engst mich ein.”</p>
<p>Für das Wahre, Schöne, Gute will jeder gerne bluten,<br />
– aber Wolfgang hat Brigitte geliebt.
</p></blockquote>
<p>„Meine Freundin war im Koma und alles, was sie mir mitgebracht hat, war dieses lausige T-Shirt”, so heißt das Lied wirklich, obwohl diese Zeile in dieser Form im Text gar nicht vorkommt, setzt sich eindringlich mit dem (Nah-)Tod auseinander.</p>
<blockquote><p>
Auch ich wollte ein Souvenir vom Tunnelende,<br />
aber ich weiß, das weiße Licht rinnt einem immer durch die Hände</p>
<p>So wie du auch, du auch, du auch, du auch — auch du.
</p></blockquote>
<p>Und was mir das titelgebende Stück „Bring mich nach Hause” sagen will, habe ich noch nicht ganz durchdrungen. Dort heißt es zu langsamen Moll-Akkorden auf dem Klavier</p>
<blockquote><p>
Ich brauche tiefste schwarze Nacht hinter meinen Lidern,<br />
ein Gift gegen den Schmerz in meinen Gliedern.<br />
[…]<br />
Und dort erst auf der Schwelle will ich verbluten,<br />
wenn ich still bin, soll der Regen jede Zelle fluten.
</p></blockquote>
<p>Solche Töne hätte ich bislang eher bei <a href="http://www.unheilig.com/">Unheilig</a> oder <a href="http://www.schandmaul.de/">Schandmaul</a>, nicht aber bei den Helden vermutet.</p>
<p>Aber es geht auch anders: „23.55: Alles auf Anfang” hat wieder diesen frechen „Die Helden gegen den Rest der Welt”-Grundton, der in der „Reklamation” und „Von hier an blind” herrschte:</p>
<blockquote><p>
Du nennst es Weltschmerz, ich nenn’ es Attitüde<br />
Es ist erst fünf vor zwölf und du bist schon so müde.</p>
<p>Ihr sagt: Kein Ende in Sicht<br />
Wir sagen: Fünf vor zwölf, alles auf Anfang!
</p></blockquote>
<p>„Was uns beiden gehört” ist — zu schwungvollem Samba — eine raffinierte Allegorie, in der Tag und Nacht das „mein”, „dein” und „unser” in einer Beziehung ausdiskutieren:</p>
<blockquote><p>
Er sagte:<br />
Mir gehört der Tag und das gleißende Leuchten […]<br />
Mein ist das Helle, das Heitere, Wahre […]</p>
<p>Sie sagte:<br />
Mir gehört die Nacht mit all ihren Schatten […]<br />
Mir allein folgen der Mond und die Sterne […]</p>
<p>Uns beiden gehört das Abendlicht<br />
Das Flackern der Lichter in unseren Gesichtern<br />
Mehr nicht.
</p></blockquote>
<p>Und mein aktuelles Lieblingsstück „<a href="http://www.einslive.de/medien/html/1live/2010/08/25/1live-akustikset-wir-sind-helden-dramatiker.xml">Dramatiker</a>” nimmt mit der unvergleichlichen Holofernes’schen Lust am Fabulieren die Oberflächlichkeit in der Gesellschaft auf’s Korn:</p>
<blockquote><p>
Und die Mädchen an den Tischen singen:<br />
„Und dann ich so und dann er so und dann…<br />
der muss doch einfach manchmal meine…<br />
und dann ich so und dann er so und dann…”</p>
<p>Drama! Drama!<br />
Drama-dramatiker!</p>
<p>Deine Weste ist zu weiß, wart’ ich frag’ einen Batiker.
</p></blockquote>
<p>Das Album „Bring mich nach Hause” fügt sich nahtlos in die Musikgeschichte der Helden ein. Es ist — insgesamt — wohl das bisher reifeste Album der Helden, man merkt die sieben Jahre, die seit der „Reklamation” vergangen sind, halt doch. Für mich ist es — nach „Von hier an blind” — das zweitbeste Heldenalbum, und wer weiß, was beim weiteren Hören noch so passiert… Wer „Wir sind Helden” bis jetzt schon gemocht hat, wird den <a href="http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&#038;url=search-alias%3Daps&#038;field-keywords=wir+sind+helden+bring+mich+nach+hause&#038;x=0&#038;y=0">Kauf dieses Albums</a> nicht bereuen. Und wer die Helden bislang noch nicht kannte, aber ein Faible für intelligente deutsche Musik hat, der sollte unbedingt reinhören. Da dürfte es momentan wenig Besseres geben…</p>
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		<title>Quo vadis Urheberrecht? — Zur „Berliner Rede” der Justizministerin, Teil 2</title>
		<link>http://blog.hillbrecht.de/2010/06/21/quo-vadis-urheberrecht-zur-berliner-rede-der-justizministerin-teil-2/</link>
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		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 07:30:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Hillbrecht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Fortsetzung des von Teil 1 vom Freitag
Betrachten wir vor dem Hintergrund der Rede der Justizministerin die gesamte Problematik nochmal aus einem anderen Blickwinkel:
Der Urheber eines Werkes ist ein Nichts, wenn sein Werk nicht verwendet bzw. rezipiert wird. Dies ist aber ein sozialer und interaktiver Prozess, den der Urheber (und auch eventuelle Vermittler wie z.B. Verleger) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Fortsetzung des von Teil 1 vom Freitag</em></p>
<p>Betrachten wir vor dem Hintergrund der <a href="http://www.bmj.bund.de/enid/297c39c3da0b701c8c7d3f305bbb145a,0/Meldungen/Im_Zentrum_steht_der_Schutz_der_Kreativen_1q1.html">Rede der Justizministerin</a> die gesamte Problematik nochmal aus einem anderen Blickwinkel:</p>
<p>Der Urheber eines Werkes ist ein Nichts, wenn sein Werk nicht verwendet bzw. rezipiert wird. Dies ist aber ein sozialer und interaktiver Prozess, den der Urheber (und auch eventuelle Vermittler wie z.B. Verleger) schlechterdings gar nicht vollständig kontrollieren kann. Die wie ein Mantra die ganze Rede durchziehende Aussage „<em>Der Rechteinhaber entscheidet, was passiert</em>” ist letztlich eine Täuschung. Eigentlich entscheiden nämlich die Empfänger, ob ihnen ein Werk wichtig ist oder nicht und damit geht immer eine Beschäftigung mit dem Werk einher. Im Gesetz finden sich nicht umsonst die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schranken_des_Urheberrechts">Schranken des Urheberrechts</a>, das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zitatrecht">Zitatrecht</a> oder die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Panoramafreiheit">Panoramafreiheit</a>.</p>
<p>Dass damit auch so manche Urheber ihre Probleme haben, zeigten übrigens die „einführenden Worte” von <a href="http://www.ulrichwickert.de/">Ulrich Wickert</a>, der nicht nur erstaunlich alt geworden ist, sondern seine Rede auch recht schamlos als Werbeveranstaltung für irgendein von ihm geschriebenes neues Buch nutzte. Er erzählte entrüstet, wie ihm ein Leser nach Lektüre eines seiner vorangegangenen Werke ein alternatives Ende zuschickte. Das, so Wickert, sei anmaßend: „Mein Werk gehört mir.” Ich finde diese Attitüde außerordentlich arrogant. Niemand fordert von Herrn Wickert, dass er seine Bücher umschreibt, aber derartig hingebungsvolle Leser dem Publikum als Störenfriede der eigenen Vollkommenheit zu präsentieren — das geht ja mal gar nicht.</p>
<p>Genau diese Denke ist es aber, die vielerorts im Urheberrecht vorherrscht. Immer will irgendjemand seine vermeintlichen persönlichen Ansprüche gesichert wissen. Dabei entsteht sämtlicher Wert eines literarischen, musischen oder anderweitigen nicht-materiellen Werkes erst durch die gesellschaftliche Aufnahme und Verwendung. So gesehen liegt es im ureigensten Interesse der Werkschaffenden, dass die Allgemeinheit seine Werke adäquat nutzen kann. Dass sich die Arten der Nutzung mit der galoppierenden technischen Entwicklung auch verändern, liegt in der Natur der Sache. Dies einerseits durchaus anzuerkennen, dann aber andererseits bei den entsprechenden Gesetzen vor einer angemessenen Umsetzung zurückzuzucken, bringt im Endeffekt gar nichts. Es ist sogar kontraproduktiv, wenn im Rahmen dieses Krebsganges am Ende Murksgesetze wie ein „<a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Entwurf-fuer-neues-Leistungsschutzrecht-durchgesickert-995700.html">Leistungsschutzrecht</a>” herauskommen.</p>
<p>Es gibt einen letzten Aspekt der „Berliner Rede zum Urheberrecht”, der mir wichtig erscheint: Frau Leutheusser-Schnarrenberger arbeitet immer wieder auf einen allgemeinen Gegensatz zwischen dem Urheberrecht und der „digitalen Welt” hin. „Digital Natives” werden da zu radikalen Gegnern urheberrechtlicher Regelungen, die einfach alles für alle freigeben und sich nicht um Gesetze scheren wollen. Dafür zitiert sie sogar — man höre und staune — die <a href="http://www.piratenpartei.de">Piratenpartei</a>, die „die Aufhebung künstlicher Verknappungen” fordere und nimmt dies als Beleg für die generelle Ablehnung des Urheberrechts.</p>
<p>Mit Verlaub, Frau Leutheusser-Schnarrenberger, aber das ist Quark. Die „<a href="http://wiki.piratenpartei.de/images/2/20/Parteiprogramm_LaTeX.pdf">künstlichen Verknappungen</a>” sind das, was die Vermittler verzweifelt versuchen zu halten, um weiterhin eine Rolle spielen zu können. Ansonsten machen nicht nur wir, sondern alle Werkschaffenden in der digitalen Welt sich sehr viele Gedanken über das Urheberrecht. Nicht umsonst ist in den letzten 15 Jahren eine ganze Klasse neuer Lizenzmodelle entstanden und mehr als einmal hat es da Knatsch wegen widerrechtlicher Nutzung gegeben. Es ist nämlich auch eine Wahrheit, dass gerade die Verleger und Vermittler zwar laut schreien, wenn sie ihre überkommenen Privilegien in Gefahr sehen, es gleichzeitig aber mit den Rechten anderer nicht allzu genau nehmen. Berichte über nicht lizenzgerechte Übernahmen — man könnte schlicht „Abschreiben ohne Quellenangabe” nennen — von Wikipediaartikeln oder anderen CC– oder GFDL-lizenzierten Werken sind längst Legion.</p>
<p>Wohin treibt nun das Urheberrecht? Die Veranstaltung am Montag war der Auftakt eines mehrmonatigen Prozesses, der verschiedene Anhörungen bringen wird und schließlich in einem Gesetzesentwurf für einen „Dritten Korb” zur Änderung des Urheberrechts münden soll. Dass das aktuelle Urheberrecht mit seinen mittlerweile extremen Einschränkungen der Nutzbarkeit kultureller Werke stark verbesserungsbedürftig ist, steht außer Frage. Ich sehe allerdings die Gefahr, dass dieser Gesetzesprozess auch zu einem noch restriktiveren Recht führen kann, wenn er nicht geeignet begleitet wird. Frau Leutheusser-Schnarrenberger war mit den Inhalten ihrer Rede teilweise wie der vielzitierte Pudding, der sich nicht an die Wand nageln lässt. Im Zweifelsfall bedeutet das nichts Gutes, wenn es darum geht, den vielfältigen Lobbygruppen im Namen der Allgemeinheit entschieden entgegenzutreten. Genau das erwarte ich aber von einer Bundesministerin.</p>
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		<title>Quo vadis Urheberrecht? — Zur „Berliner Rede” der Justizministerin, Teil 1</title>
		<link>http://blog.hillbrecht.de/2010/06/18/quo-vadis-urheberrecht-zur-berliner-rede-der-justizministerin-teil-1/</link>
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		<pubDate>Fri, 18 Jun 2010 08:00:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Hillbrecht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Da hat sie nun also ihre „Berliner Rede zum Urheberrecht” gehalten, unsere Bundesjustizministerin. Den Redetext gibt es online und Kommentare und Zusammenfassungen dazu zum Beispiel bei Heise Online oder Telepolis. Auch ich habe am Montag in der Berlin-Brandenburgischen Akademie gesessen und ihren Ausführungen gelauscht.
Bei mir hinterlässt die Rede von Frau Leutheusser-Schnarrenberger einen sehr zwiespältigen, letztlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da hat sie nun also ihre „<a href="http://www.bmj.bund.de/enid/297c39c3da0b701c8c7d3f305bbb145a,0/Meldungen/Im_Zentrum_steht_der_Schutz_der_Kreativen_1q1.html">Berliner Rede zum Urheberrecht</a>” gehalten, unsere <a href="http://www.bmj.bund.de">Bundesjustizministerin</a>. Den Redetext gibt es <a href="http://www.bmj.bund.de/enid/297c39c3da0b701c8c7d3f305bbb145a,41c20c636f6e5f6964092d0936393139093a095f7472636964092d0936393230/Reden/Sabine_Leutheusser-Schnarrenberger_1mt.html">online</a> und Kommentare und Zusammenfassungen dazu zum Beispiel bei <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Justizministerin-umreisst-Grundbedingungen-des-Urheberrechts-1022269.html">Heise Online</a> oder <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/8/147834">Telepolis</a>. Auch ich habe am Montag in der Berlin-Brandenburgischen Akademie gesessen und ihren Ausführungen gelauscht.</p>
<p>Bei mir hinterlässt die Rede von Frau Leutheusser-Schnarrenberger einen sehr zwiespältigen, letztlich aber negativen Eindruck. Einerseits war die Rede gespickt mit Ausführungen, die so auch auf einem beliebigen Parteitag der <a href="http://www.piratenpartei.de">Piratenpartei</a> Szenenapplaus bekommen hätten. Die Ministerin hat das Internet als gesellschaftliche Revolution bezeichnet, Wissen und Information seien viel besser und schenller verfügbar, aber auch viel einfacher und direkter erzeugbar geworden. Der kreative Mensch muss im Mittelpunkt stehen, nicht der Verwerter. Bei der digitalen Revolution müssen wir die Chancen sehen und nicht immer nur auf die Risiken starren.</p>
<p>All dies sind Aussagen, die ich ohne wenn und aber unterstütze. Und es tat gut, das mal so klar und deutlich aus dem Mund eines Bundesministers zu hören. Aber was nützen die schönsten Worte, wenn sie nicht konsequent zu Ende gedacht werden? Und genau das passiert nicht! Stattdessen kommt es immer wieder zu argumentativen Hakenschlägen, die all die schönen Einsichten Makulatur werden lassen.</p>
<p>Da erwähnt die Ministerin mehrfach, dass sich die analoge Zeit nicht ins Digitale übertragen lässt. Da formuliert sie explizit, dass das Recht keine überholten Geschäftsmodelle schützen darf. Und jedes Mal denke ich mir: „Cool, wieder eine Breitseite gegen dieses idiotische ‚Leistungsschutzrecht’.” Und dann das: Wenn Vermittler Leistungen erbringen, dann muss diese Leistung geschützt werden, zum Beispiel Zeitungsverleger. Und explizit: „Die Frage ist nicht, ob es ein Leistungsschutzrecht für Verleger geben soll, sondern wie dieses aussieht.”</p>
<p>Das ist ausgesprochen übel. Bis heute gibt es keine einzige mir bekannte neutrale Instanz, die auch nur formulieren könnte, wie ein „ausgewogenes Leistungsschutzrecht” aussehen könnte. Weil es ein solches schlicht nicht gibt! Der einzige etwas konkretere Text, jener <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Entwurf-fuer-neues-Leistungsschutzrecht-durchgesickert-995700.html">Entwurf von seiten der Verleger</a>, ist eine Ansammlung von tendenziösen Regeln, die der kleinen, in der heutigen Zeit zunehemend unwichtiger werdenden gesellschaftlichen Gruppe von Verlegern, ihre Pfründe auf Kosten der Allgemeinheit und der Werkschaffenden sichern und sie sogar ausbauen soll. Es ist der verzweifelte Versuch, überkommene Geschäftsmodelle gegen den Fortschritt zu verteidigen. Es ist die Text gewordene Antithese zu allem, was die Ministerin im Urheberrecht vorgeblich erreichen will.</p>
<p>Wie ernst kann man vor dem Hintergrund die gesamten Ausführungen vom Montag nehmen? Wir sollen „mehr auf die Möglichkeiten als auf die Risiken schauen”? Ja, aber! Das Urheberrecht „schützt den Urheber”? Ja, aber! Keine „Schonräume für abgelaufene Geschäftsmodelle”? Ja, aber! All die heeren Grundsätze gelten offensichtlich nur, solange keine Lobbygruppe etwas anderes will.</p>
<p>Zu Recht zeiht Frau Leutheusser-Schnarrenberger das Urheberrecht überbordender Komplexität und zitiert dabei sogar Linus Torvalds. Aber dann zieht sie Leistungsschutzrechtskaninchen aus dem Zylinder, die irgendwie „die Verleger schützen”, gleichzeitig aber Link– und Zitatfreiheit erhalten sollen. Zum einen erhöht dies die Komplexität der sowieso schon komplexen Gesetzeslandschaft weiter und zum anderen steht dieser gesamte Ansatz in vollständigem Gegensatz zu dem, was die Ministerin immer wieder betont: Dass das Gesetz den Urheber schützen soll. Ein wie auch immer geartetes Leistungsschutzrecht wird aber genau diesen Schutz weiter aushebeln, es beschneidet die Möglichkeiten des Urhebers massiv zu Gunsten irgendwelcher Verleger und dass der Allgemeinheit anschließend auf eine verkrüppelte Weise sein Werk weiter zur Verfügung steht, nützt ihm, dem Urheber, auch nichts.</p>
<p><em>Weiter geht’s mit Teil 2 am Montag</em></p>
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		<item>
		<title>Lena Meyer-Landrut in Hannover: Fotogalerie vom Empfang vor dem Rathaus</title>
		<link>http://blog.hillbrecht.de/2010/05/31/lena-meyer-landrut-in-hannover-fotogalerie-vom-empfang-vor-dem-rathaus/</link>
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		<pubDate>Mon, 31 May 2010 07:00:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Hillbrecht</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Hannover]]></category>
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		<category><![CDATA[eurovision song contest]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich schrieb ja gestern schon vom Standortvorteil, den man als Hannoveraner beim diesjährigen Eurovision Song Contest hat: Die deutsche Teilnehmenerin und Gewinnerin Lena Meyer-Landrut kommt ja nun mal von hier. Und so fand auch der Empfang am Tag nach ihrem Sieg hier in Hannover statt. Das ließ ich mir nicht entgehen, habe aber — anders [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich <a href="/2010/05/30/der-eurovision-song-contest-lena-meyer-landrut-und-ich/">schrieb ja gestern schon</a> vom Standortvorteil, den man als Hannoveraner beim <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eurovision_Song_Contest_2010">diesjährigen Eurovision Song Contest</a> hat: Die deutsche Teilnehmenerin und Gewinnerin <a href="http://www.lena-meyer-landrut.de/">Lena Meyer-Landrut</a> kommt ja nun mal von hier. Und so fand auch der Empfang am Tag nach ihrem Sieg hier in Hannover statt. Das ließ ich mir nicht entgehen, habe aber — anders als am Vortag — diesmal die Kamera mit vors Rathaus genommen. Viele Fotos, die ich auf diesem Event gemacht habe, finden sich unter</p>
<p><a href="http://lena-in-hannover.hillbrecht.de">http://lena-in-hannover.hillbrecht.de</a></p>
<p>Der Trammplatz war bestens gefüllt als Punkt 17:00 Uhr die USFO-Moderatoren Sabine Heinrich und Matthias Opdenhövel auf der Bühne erschienen und „eine total ungeplante Livesache” ankündigten.</p>
<div id="attachment_1071" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/05/esc1.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/05/esc1-300x200.jpg" alt="Sabine Heinrich und Matthias Opdenhövel eröffnen die Veranstaltung" title="Sabine Heinrich und Matthias Opdenhövel eröffnen die Veranstaltung" width="300" height="200" class="size-medium wp-image-1071" /></a><p class="wp-caption-text">Sabine Heinrich und Matthias Opdenhövel eröffnen die Veranstaltung</p></div>
<p>Mit Beginn der Liveübertragung auf ARD und Pro7 erschienen dann Stefan Raab und eine gut gelaunte Lena Meyer-Landrut und wurden ausgiebig vom Publikum gefeiert.</p>
<div id="attachment_1072" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/05/esc2.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/05/esc2-300x200.jpg" alt="Stefan Raab und Lena Meyer-Landrut" title="Stefan Raab und Lena Meyer-Landrut" width="300" height="200" class="size-medium wp-image-1072" /></a><p class="wp-caption-text">Stefan Raab und Lena Meyer-Landrut</p></div>
<p>Höhepunkt der Veranstaltung war wohl eine weitere Liveperformance von „Satellite” durch Lena. Ich möchte nicht wissen, wie oft sie dieses Lied in den vergangenen zwei Monaten gesungen hat.</p>
<div id="attachment_1073" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/05/20100530172926.2252.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/05/20100530172926.2252-300x199.jpg" alt="Lena singt ein weiteres Mal Satellite - live und mit lauter Unterstützung durchs Publikum" title="Lena singt ein weiteres Mal Satellite - live und mit lauter Unterstützung durchs Publikum" width="300" height="199" class="size-medium wp-image-1073" /></a><p class="wp-caption-text">Lena singt ein weiteres Mal Satellite — live und mit lauter Unterstützung durchs Publikum</p></div>
<p>Das Publikum jedenfalls war begeistert, sang aus voller Kehle mit und feierte ansonsten ausgiebig die „Stars aus Oslo”.</p>
<div id="attachment_1074" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/05/20100530175313.2394.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/05/20100530175313.2394-300x199.jpg" alt="Der Trammplatz war die ganze Zeit voll von Zuschauern" title="Der Trammplatz war die ganze Zeit voll von Zuschauern" width="300" height="199" class="size-medium wp-image-1074" /></a><p class="wp-caption-text">Der Trammplatz war die ganze Zeit voll von Zuschauern</p></div>
<p>Mein Fazit: Sowas erlebt man nicht alle Tage. Viele weitere Fotos von der Veranstaltung, wie bereits geschrieben, unter</p>
<p><a href="http://lena-in-hannover.hillbrecht.de">http://lena-in-hannover.hillbrecht.de</a></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Der Eurovision Song Contest, Lena Meyer-Landrut und ich</title>
		<link>http://blog.hillbrecht.de/2010/05/30/der-eurovision-song-contest-lena-meyer-landrut-und-ich/</link>
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		<pubDate>Sun, 30 May 2010 10:15:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Hillbrecht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hannover]]></category>
		<category><![CDATA[Mus - Iek]]></category>
		<category><![CDATA[eurovision song contest]]></category>
		<category><![CDATA[grand prix]]></category>
		<category><![CDATA[lena meyer-landrut]]></category>
		<category><![CDATA[trammplatz]]></category>

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		<description><![CDATA[Was für ein Abend! Eigentlich hatte ich einen ruhigen Abend zu Hause geplant und neben dem Grand-Prix im Fernsehen — man mag es angesichts der Ereignisse kaum schreiben — Wäsche gewaschen und die Wohnung aufgeräumt. Na gut, und getwittert. Und dann das! Zunächst mal ein richtig guter Auftritt von Lena auf Platz 22 im Contest:

Naja, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was für ein Abend! Eigentlich hatte ich einen ruhigen Abend zu Hause geplant und neben dem Grand-Prix im Fernsehen — man mag es angesichts der Ereignisse kaum schreiben — Wäsche gewaschen und die Wohnung aufgeräumt. Na gut, und getwittert. Und dann das! Zunächst mal ein richtig guter Auftritt von Lena auf Platz 22 im Contest:</p>
<p><object width="560" height="340"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/XcRhv52wwSE&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;rel=0&#038;color1=0xe1600f&#038;color2=0xfebd01"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/XcRhv52wwSE&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;rel=0&#038;color1=0xe1600f&#038;color2=0xfebd01" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="560" height="340"></embed></object></p>
<p>Naja, und als dann auf der Hälfte der Punktevergabe Deutschland doch deutlich in Führung lag, dachte ich mir, es sei irgendwie unangemessen, einen derartig historischen Moment allein im stillen Kämmerlein zu verbringen. Also habe ich mal gnadenlos meinen Standortvorteil genutzt, mich aufs Fahrrad geschwungen und bin <a href="http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Lena-Ein-Star-fuer-Oslo-aus-Hannover/12.000-Lena-Fans-feiern-auf-dem-Trammplatz-in-Hannover">rübergefahren zum Trammplatz</a>, der ja in den Fernsehübertragungen auch das eine oder andere Mal erwähnt wurde als eine der zentralen Grand-Prix-Feiern in Deutschland — und Hannover.</p>
<p>Als ich ankam, waren gerade die letzten vier oder fünf Punktevergaben im Gange und Lena lag bereits uneinholbar vorne. Dann wurde mal richtig gefeiert. Ich fand mich irgendwann in einer Gruppe Abiturienten wieder und freute mich, dass „Zu spät” von den Ärzten auch heute noch die Party rockt — das habe ich schon zu <em>meiner</em> Abifeier gehört. <img src='http://blog.hillbrecht.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  Den Abschluss der Party bildete ein Livekonzert von den <a href="http://www.thejetlags.com">Jetlags</a> mit USFO-Kandidat Cyril Krueger. Noch so ein historischer Moment: Dass trotz all der schwer lärmgeplaten und klagefreudigen Einwohner Hannovers mal ein Konzert mitten in der Stadt um 1:30 Uhr zu Ende geht — das glaubt einem doch später niemand mehr…</p>
<div id="attachment_1063" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/05/IG_IMG_5589_1000.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/05/IG_IMG_5589_1000-300x200.jpg" alt="Lena Meyer-Landrut auf der Pressekonferenz nach dem Sieg" title="Lena Meyer-Landrut auf der Pressekonferenz nach dem Sieg" width="300" height="200" class="size-medium wp-image-1063" /></a><p class="wp-caption-text">Lena Meyer-Landrut auf der Pressekonferenz nach dem Sieg</p></div>
<p><small>Bildquelle: <a href="http://www.eurovision.tv/page/press/photo-downloads?gal=18233&#038;type=Press">Indrek Galetin (EBU)</a></small></p>
<p>Lena war derweil auf der <a href="http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Lena-Ein-Star-fuer-Oslo-aus-Hannover/Ganz-schoen-viel-fuer-den-kleinen-Lena-Kopf">Siegerpressekonferenz</a> und man merkte ein weiteres Mal, wie überrascht alle Beteiligten über den Sieg waren. Das finde ich eine der ganz besonderen Tatsachen dieser Grand-Prix-Nacht: Trotz all der guten Prognosen hatte wohl niemand wirklich damit gerechnet, dass ausgerechnet dieses kleine, unprätentiös vorgetragene Lied ganz Europa überzeugen würde. Am Nachmittag hatte ich mich hier im Haus noch mit zwei Nachbarn unterhalten. Die meinten unisono: „Naja, vielleicht reicht es für die ersten fünf” und nachdem ich — <a href="http://www.save.tv/">save.tv</a> sei Dank — beide Halbfinals gesehen hatte, war ich mir auch nicht so sicher: Da waren mal wieder viele gute Lieder ganz unterschiedlichen Zuschnitts dabei.</p>
<p>Egal — heute nachmittag werd’ ich nochmal versuchen, mich zum Trammplatz durchzuschlagen. Sowas erlebt man nicht oft!</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Warum Spendenaktion und Konzept der Piratenpartei-Bundes-IT falsch sind — Und: Ein Lösungsvorschlag</title>
		<link>http://blog.hillbrecht.de/2010/04/05/warum-spendenaktion-und-konzept-der-piratenpartei-bundes-it-falsch-sind-und-ein-losungsvorschlag/</link>
		<comments>http://blog.hillbrecht.de/2010/04/05/warum-spendenaktion-und-konzept-der-piratenpartei-bundes-it-falsch-sind-und-ein-losungsvorschlag/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 05 Apr 2010 10:00:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Hillbrecht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Computer]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[raubkopien]]></category>
		<category><![CDATA[technik]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Zuverlässigkeit der IT-Infrastruktur der Piratenpartei bietet noch Möglichkeiten zur Optimierung. Website und Wiki waren in der Vergangenheit oft sehr langsam und mehr als einmal hat es Ausfälle über Stunden oder sogar Tage gegeben. Die „Bundes-IT” betreut für die Bereitstellung der Dienste mehrere Server und ruft momentan — auf der Website der Piratenpartei prominent verlinkt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Zuverlässigkeit der IT-Infrastruktur der <a href="http://www.piratenpartei.de">Piratenpartei</a> bietet noch Möglichkeiten zur Optimierung. Website und Wiki waren in der Vergangenheit oft sehr langsam und mehr als einmal hat es Ausfälle über Stunden oder sogar Tage gegeben. Die „Bundes-IT” betreut für die Bereitstellung der Dienste mehrere Server und ruft momentan — auf der Website der Piratenpartei prominent verlinkt — zu <a href="http://www.piratenpartei.de/node/1070">Spenden</a> auf. 10.000 EUR Budget seien nicht genug, wenigstens weitere 50.000 EUR seien nötig, um die geplante Infrastruktur mit eigenen Servern, die in einem Rechenzentrum untergestellt werden, zu finanzieren.</p>
<div id="attachment_1053" class="wp-caption aligncenter" style="width: 360px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/04/rechnerrudel.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/04/rechnerrudel.jpg" alt="IT-Infrastruktur der Piratenpartei (Symbolbild I): So..." title="IT-Infrastruktur der Piratenpartei (Symbolbild I): So..." width="350" height="229" class="size-full wp-image-1053" /></a><p class="wp-caption-text">IT-Infrastruktur der Piratenpartei (Symbolbild I): So…</p></div>
<p>Ich halte diesen Ansatz für den völlig falschen Weg. Neben einigen technischen Problemen, die zu einem nennenswerten Teil auch Kommunikationsproblemen mit dem Hoster geschuldet sein dürften (36 Stunden bis mal einer den Reset-Knopf am Rechner gedrückt hat…) ist das Hauptproblem meines Erachtens, dass sich der gewünschte und nötige Grad an Ausfallsicherheit durch ein Team von Ehrenamtlichen auch bei größtmöglichem Einsatz nicht erreichen lässt. Deshalb plädiere ich ganz im Gegensatz zu den Plänen der IT-Verantwortlichen dafür, die von der Partei selbst zu erbringenden Leistungen zurückzufahren und verstärkt auf externe, professionelle Dienstleister zu setzen.</p>
<p>Ein entsprechendes Konzeptpapier habe ich vor knapp zwei Wochen den Verantwortlichen der Bundes-IT übersandt. Ich dokumentiere dieses Konzept jetzt nochmals öffentlich. Ich halte es für wichtig zu zeigen, dass sich die Probleme der IT-Infrastruktur der Piratenpartei auch anders lösen lassen als dies momentan von den Verantwortlichen geplant ist — und das diese Lösungen meiner Meinung nach nachhaltiger sind.</p>
<p>—</p>
<p><b>Serverkonzept Piratenpartei: Steigerung der Ausfallsicherheit durch externern Dienstleister</b></p>
<p>Nachdem ich letztens deutliche Kritik an der IT-Infrastruktur der Piratenpartei geäußert habe, wurde ich gebeten, mich an der Diskussion darum zu beteiligen, wie die Organisation in Zukunft besser laufen könnte. Hier also einige Überlegungen und Lösungsvorschläge:</p>
<p>Meines Erachtens ist das Kernproblem, dass wir einerseits Dienste haben, deren Verfügbarkeit extrem kritisch ist, für die wir aber andererseits keine Systemwartung zur Verfügung stellen können, die diesem Hochverfügbarkeitsanspruch gerecht wird. Dafür gibt es — wiederum meines Erachtens — zwei Gründe:</p>
<ol>
<li>Wir arbeiten mit sehr komplexen Systemumgebungen, die technisch weit fortgeschritten sind (Virtualisierung, verteilte Server), aber einen erhöhten Einrichtungs– und Wartungsaufwand benötigen und zudem von den Administratoren viel Detailwissen.</li>
<li>Das heterogene Administratorenteam besteht ausschließlich aus Ehrenamtlichen. Im Falle von akuten Schwierigkeiten muss deshalb zunächst der Zuständige ein Zeitfenster für sich schaffen, um dann das Problem anzugehen. Zudem muss viel Arbeit in Abend– und Nachtstunden stattfinden.</li>
</ol>
<p>Insbesondere der zweite Punkt ist dabei ausdrücklich keine negative Kritik, sondern eine Zustandsbeschreibung. Die Arbeit mit ehrenamtlichen Administratoren war in der Vergangenheit alternativlos. Mittlerweile ist durch das starke Wachstum und die vielfältigen Kommunikationsbedürfnisse aber ein Punkt erreicht, wo die zwangsläufigen Beschränkungen dieses Ansatzes in Sachen Verfügbarkeit nicht mehr tragbar sind.</p>
<div id="attachment_1052" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/04/ikearechner.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/04/ikearechner.jpg" alt="IT-Infrastruktur der Piratenpartei (Symbolbild II): ...so..." title="IT-Infrastruktur der Piratenpartei (Symbolbild II): ...so..." width="300" height="473" class="size-full wp-image-1052" /></a><p class="wp-caption-text">IT-Infrastruktur der Piratenpartei (Symbolbild II): …so…</p></div>
<p>Mein Ansatz arbeitet deshalb mit folgenden Grundgedanken:</p>
<ul>
<li>Identifizierung derjenigen Dienste, die für die Kommunikation die höchste Wichtigkeit haben und auf Grund ihrer Komplexität am kritischsten sind. Dies sind meiner Einschätzung nach
<ul>
<li>für die Kommunikation nach außen die Webseite unter <a href="http://www.piratenpartei.de">www.piratenpartei.de</a></li>
<li>für die Kommunikation nach innen das Wiki unter <a href="http://wiki.piratenpartei.de">wiki.piratenpartei.de</a></li>
</ul>
</li>
<li>Verwendung von möglichst einfachen Setups und Serverstrukturen.</li>
<li>Auslagerung der grundlegenden Systemadministration dieser Dienste an einen externen Dienstleister, der auf Vertragsbasis die Verfügbarkeit der Dienste sicherstellt.</li>
</ul>
<p>Dieses Vorgehen hat meines Erachtens für <em>alle</em> Beteiligte Vorteile:</p>
<ul>
<li>Die Dienste „Website” und „Wiki” sind mit garantierter Verfügbarkeit versehen, wir geben uns an diesen neuralgischsten Punkten keine „Blöße” mehr.</li>
<li>Die hohe Betriebssicherheit dieser Dienste führt zu gesteigerter Attraktivität der Plattform für alle Parteigliederungen — auch Landes– und andere Verbände können (endlich) auf der Bundesinfrastruktur auftreten.</li>
<li>Der externe Dienstleister kann nicht nur seine Infrastruktur in Sachen Rund-um-die-Uhr-Support nutzen, sondern auch das dort vorhandene Know-How für eine performante Installation der Softwarepakete.</li>
<li>Die Admins der Piratenpartei müssen sich nicht mehr mit so ermüdenden Dingen beschäftigen wie ein Mediawiki zu betüddeln, sondern können sich auf die „spannenden” Dienste konzentrieren, bei denen sporadische und eventuell auch etwas längere Ausfälle nicht so dramatisch sind.</li>
</ul>
<p>„Website” und „Wiki” sind zudem diejenigen Dienste, die meines Erachtens am wenigsten kritisch unter Datensicherheitsaspekten sind, anders als zum Beispiel „E-Mail” oder „Mailinglisten”. Letztere haben sich zudem in der Vergangenheit auch wesentlich weniger als ausfallfreudig dargestellt.</p>
<p>Gesucht ist also ein externer Dienstleister, der eine Serverinfrastruktur für die Website und das Wiki bereitstellt, also eine Drupal– und eine Mediawiki-Installation. Leider gibt es solche Dienstleister nicht „wie Sand am Meer”. Gefunden habe ich den Hostingdienstleister <a href="http://www.mittwald.de/">Mittwald</a>, der genau das bietet was ich mir vorstelle:</p>
<ul>
<li>Managed Server mit installiertem Linux</li>
<li>Drupal und Mediawiki (und ein größeres Bündel anderer Software) als installierbare Pakete mit vom Dienstleister bereit gestellten Updatepaketen, die sich über die Managementfunktionen des Servers einspielen lassen</li>
<li>Diverse weitere Funktionen zur Aufteilung von Zugriffen und Zuständigkeiten auf das System („Agenturfunktionen”)</li>
<li>Dienstleister kümmert sich um Hardware, Hardwareausfälle etc. mit 24-Stunden-Support</li>
<li>Dienstleister kümmert sich um Softwareupdates, Betriebssystem etc.</li>
</ul>
<p>Nach meiner letztlich nicht wirklich fundierten Einschätzung wäre für uns das <a href="http://www.mittwald.de/managed-server/tarifvergleich/">Paket „XL 5.0″ oder „XXL 5.0″</a> passend. Wichtigste Beschränkung ist höchstwahrscheinlich das Transfervolumen (2 TB bzw. 5 TB), hier könnte ich mir aber vorstellen, dass sich die Transferlast auf dem Server mittels vorgeschalteter Squids massiv senken lässt. Mit einem passend eingerichteten „XL”-Server kämen wir auf monatliche Kosten von etwa 200,- EUR, was 1/4 des Budgets entspricht. Ein „XXL”-Server würde mit ca. 300,- EUR/Monat etwa 1/3 des Budgets der Technik kosten.</p>
<div id="attachment_1055" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/04/Wikimedia-servers-Sept04.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/04/Wikimedia-servers-Sept04.jpg" alt="IT-Infrastruktur der Piratenpartei (Symbolbild III): ...oder doch lieber so." title="IT-Infrastruktur der Piratenpartei (Symbolbild III): ...oder doch lieber so." width="300" height="400" class="size-full wp-image-1055" /></a><p class="wp-caption-text">IT-Infrastruktur der Piratenpartei (Symbolbild III): …oder doch lieber so.</p></div>
<p><small>Bildquelle: <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Wikimedia-servers-Sept04.jpg&#038;filetimestamp=20051109075020">Wikipedia</a>, Lizenz, CC-BY-SA 3.0/GNU-FDL-1.2</small></p>
<p>Ich halte diesen Weg des Systemdesigns für den besten, die wichtigsten IT-Dienste der Partei langfristig sicher bereitgestellt zu bekommen, ohne dass wir den bisherigen stetigen Verschleiß an Personal haben, das sich im Spannungsfeld von Erwartungen und Möglichem aufreibt. Allerdings ist es sicherlich ein erheblicher Paradigmenwechsel und vor weitergehenden Überlegungen bezüglich der Umsetzbarkeit müssen wir erstmal klären, ob dieser Weg überhaupt gewünscht ist oder nicht. Ich denke aber, dies könnte ein Weg sein, erheblichen Druck von der IT zu nehmen und dort den Kopf für andere Dinge freizubekommen.</p>
<p>—</p>
<p>So weit mein eigener kleiner Beitrag zu der wohl ewig währenden Diskussion um die IT-Infrastruktur der Piratenpartei.</p>
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		<item>
		<title>Musik zum Sonntag: zero-project — Fairytale</title>
		<link>http://blog.hillbrecht.de/2010/03/21/musik-zum-sonntag-zero-project-fairytale/</link>
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		<pubDate>Sun, 21 Mar 2010 10:45:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Hillbrecht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mus - Iek]]></category>
		<category><![CDATA[medien]]></category>
		<category><![CDATA[urheberrecht]]></category>
		<category><![CDATA[zero-project]]></category>

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		<description><![CDATA[Und hier, liebe Leser, ein wenig Musik zum Sonntag. CC-lizenziert und auf Jamendo zu finden: „zero-project” mit seinem aktuellen Album „Fairytale”. Passt besonders gut, wenn man gerade wach wird, sich fragt, wo die Kopfschmerzen herkommen und sich dann wieder an die Promotionsfeier des Kommilionen vom Abend zuvor erinnert, auf der man irgendwann den Überblick über [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Und hier, liebe Leser, ein wenig Musik zum Sonntag. <a href="http://de.creativecommons.org/">CC-lizenziert</a> und auf <a href="http://www.jamendo.com/">Jamendo</a> zu finden: „<a href="http://www.jamendo.com/de/artist/zero-project">zero-project</a>” mit seinem aktuellen Album „<a href="http://www.jamendo.com/de/album/60457">Fairytale</a>”. Passt besonders gut, wenn man gerade wach wird, sich fragt, wo die Kopfschmerzen herkommen und sich dann wieder an die Promotionsfeier des Kommilionen vom Abend zuvor erinnert, auf der man irgendwann den Überblick über die Anzahl der Gläser Rotwein verloren hat…</p>
<div style="align:center;text-align:center;"><object width="200" height="300" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" codebase="http://fpdownload.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=7,0,0,0" align="middle"><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="wmode" value="transparent" /><param name="movie" value="http://widgets.jamendo.com/de/album/?album_id=60457&#038;playertype=2008&#038;refuid=515007" /><param name="quality" value="high" /><param name="bgcolor" value="#FFFFFF" /><embed src="http://widgets.jamendo.com/de/album/?album_id=60457&#038;playertype=2008&#038;refuid=515007" quality="high" wmode="transparent" bgcolor="#FFFFFF" width="200" height="300" align="middle" allowScriptAccess="always" type="application/x-shockwave-flash" pluginspage="http://www.macromedia.com/go/getflashplayer">&nbsp;</embed>&nbsp;</object><a href="http://pro.jamendo.com/" style="display:block;font-size:8px !important;">Professioneller gemafreier Musikkatalog</a></div>
<p><em>Nicht</em> hören sollten das die Jungs und Mädels von <a href="http://www.nomnomnom.de/">nomnomnom</a>, die sich gerade in Stunde 17 ihres <a href="http://www.nomnomnom.de/24b/">24-Stunden-Fernsehmarathons</a> mit Liveblogging befinden. Sonst ist da bald Stille im Blog… <img src='http://blog.hillbrecht.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Die Piraten Niedersachsen, ihre Satzung und die Sache mit der Auskunftspflicht: Eine historische Entscheidung des Parteitags</title>
		<link>http://blog.hillbrecht.de/2010/03/17/die-piraten-niedersachsen-ihre-satzung-und-die-sache-mit-der-auskunftspflicht-eine-historische-entscheidung-des-parteitags/</link>
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		<pubDate>Wed, 17 Mar 2010 17:00:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Hillbrecht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[§2.2]]></category>
		<category><![CDATA[niedersachsen]]></category>
		<category><![CDATA[piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[S4]]></category>
		<category><![CDATA[satzung]]></category>

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		<description><![CDATA[Es hatte sich schon angedeutet, dass auch beim Parteitag in Osnabrück wieder §2.2 der Satzung für besonders viel Diskussionsstoff sorgen würde: Dort geht es um Auskunftspflichten von Kandidaten für Ämter und Mandate bezüglich früherer politischer Engagements und Parteizugehörigkeiten. Beim vorangegangenen Landesparteitag in Langenhagen waren diese Bestimmungen erheblich verschärft worden, was zu viel Unmut, erregten Diskussionen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es hatte sich schon angedeutet, dass auch beim <a href="http://blog.hillbrecht.de/2010/03/16/bericht-vom-parteitag-piratenpartei-niedersachsen-im-marz-2010-in-osnabruck/">Parteitag in Osnabrück</a> wieder §2.2 der Satzung für besonders viel Diskussionsstoff sorgen würde: Dort geht es um Auskunftspflichten von Kandidaten für Ämter und Mandate bezüglich früherer politischer Engagements und Parteizugehörigkeiten. Beim vorangegangenen Landesparteitag in Langenhagen waren diese Bestimmungen erheblich verschärft worden, was zu viel Unmut, erregten Diskussionen und sehr viel verlorener Zeit geführt hatte.</p>
<p>In der schriftlichen Abstimmung zu diesem Punkt hatte zunächst keiner der vielen Änderungsanträge eine Mehrheit gefunden: Von Abschaffung bis zu einer nochmaligen Verschärfung der Bestimmungen reichten die Optionen. Mit einem neuen Satzungsänderungsantrag — in Niedersachsen können diese ohne Fristen gestellt werden — wurde das Thema nun nocheinmal diskutiert. Wie schon die letzten Male war die Diskussion intensiv, mit langen Rednerlisten, einer ganzen Reihe von Anträgen zur Geschäftsordnung und grundverschiedenen Ansichten, die aufeinanderprallten.</p>
<p>Zum Schluss kamen zwei Anträge zur Abstimmung: Mit dem ersten wurde die „Muss”-Bestimmung zur Auskunft in eine „Sollte”-Bestimmung umformuliert und damit im Wesentlichen wieder der Zustand von vor November 2009 hergestellt werden. Für mich durchaus überraschend wurde dieser Antrag dann mit einer 75%-Mehrheit angenommen. Ich selbst hatte vorher einen Antrag auf Nichtbefassung gestellt, weil ich die Diskussion eigentlich genau auf dem Stand sah, den sie bei der schriftlichen Abstimmung am Vortag gehabt hatte. Und da hatte letztlich keiner der Änderungsanträge auch nur die nötige Zweidrittelmehrheit gefunden. Wie man sich doch täuschen kann.</p>
<p>Noch überraschender — und für viele Kommentatoren geradezu sensationell — wurde dann anschließend sogar der Antrag auf vollständige Streichung des §2.2 angenommen. Auch dies wieder mit einer bequemen 70%-Mehrheit. Damit sind diese in meinen Augen sehr unglückseligen Bestimmungen vom Tisch, die für mich immer so einen Geruch von Gesinnungsschnüffelei hatten und die meines Erachtens nicht zu den Grundsätzen der Piraten passen.</p>
<p>Seitens der Befürworter der bisherigen Regelung wird häufig die Sorge vorgebracht, mit Abschaffung dieser Regelung wäre die von der Partei hochgehaltenene Transparenz nicht mehr gewährleistet. Meine Antwort hierauf ist zweiteilig: Zum einen macht sich Transparenz meines Erachtens nicht daran fest, dass ich über die politische Vergangenheit eines Bewerbers detailliert Bescheid weiß. Mindestens Teile davon sind für seine jetzige Haltung irrelevant, während andere Dinge entscheidend sein können, zum Beispiel berufliche oder private Bekanntschaften. Und die Offenlegung dieser verpflichtend und im Vorhinein einzufordern käme ja (hoffentlich) auch niemand auf die Idee. Zum anderen war auch die bisherige Auskunftsregelung letztlich nicht einforderbar und wurde ja sogar nicht eingefordert: Mehrere der Vorstandskandidaten haben in Osnabrück — gewollt oder ungewollt — nichts zu ihrer politischen Vergangenheit gesagt, wurden nicht danach gefragt und sind trotzdem gewählt worden. Abgesehen davon sind diese verpflichtenden Selbstauskünfte sowieso nicht nachprüfbar und damit letztlich wertlos.</p>
<p>Mit mir war auch die ganz überwiegende Mehrheit der Piraten im Saal und in den Echtzeitkommentaren auf Twitter geradezu begeistert von dem Ergebnis. Es war selten so ruhig wie bei den Auszählungen dieser Abstimmungen und die Erleichterung, die in den Kommentaren zur Entscheidung spürbar war, hat auch mich überrascht: Offensichtlich hat vielen anderen Piraten dieser Paragraf mindestens ebenso schwer im Magen gelegen wie mir.</p>
<p>Der §2.2 bzw. „S4”, wie der ganze Vorgang auf Grund des Antragskürzels beim Parteitag in Langenhagen genannt wurde, liegt mitten im Gebiet zwischen den beiden Prinzipien „Transparenz” und „Privatsphäre”. Für beide steht die Piratenpartei. Es ist gut möglich, dass uns diese und ähnliche Diskussionen auch in Zukunft begleiten werden. Alle Beteiligten sollten sich aber an die Schlussworte von „Big Arne” erinnern, wenn sie das Thema wieder auf die Tagesordnung bringen: Die Regelungen wurden mit 75% bzw. 70% Zustimmung abgeschafft. Das ist eine erhebliche Mehrheit und insofern ein deutliches Zeichen gegen Auskunftsbegehren, wie sie im bisherigen §2.2 artikuliert waren.</p>
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		<title>Bericht vom Parteitag: Piratenpartei Niedersachsen im März 2010 in Osnabrück</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Mar 2010 08:00:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Hillbrecht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
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Dieser Artikel sowie alle enthaltenen Grafiken und Fotos stehen unter einer Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. Über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können Sie unter http://blog.hillbrecht.de/lizenzhinweise/ erhalten.
Einmal, so gegen Mittag des zweiten Tages, da drohte der Landesparteitag der niedersächsischen Piraten in den alten Trott zu verfallen: Irgendwelche Satzungsanträge standen da im Raum, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><small><a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/"><img style="border-width: 0;" src="http://i.creativecommons.org/l/by-sa/3.0/de/88x31.png" alt="Creative Commons License" /></a><br />
<span>Dieser Artikel</span> sowie alle enthaltenen Grafiken und Fotos stehen unter einer <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/">Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>. Über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können Sie unter <a rel="cc:morePermissions" href="http://blog.hillbrecht.de/lizenzhinweise/">http://blog.hillbrecht.de/lizenzhinweise/</a> erhalten.</small></p>
<p>Einmal, so gegen Mittag des zweiten Tages, da drohte der Landesparteitag der <a href="http://www.piratenpartei-niedersachsen.de/">niedersächsischen Piraten</a> in den alten Trott zu verfallen: Irgendwelche Satzungsanträge standen da im Raum, mehr oder weniger gut vorbereitet. Die eine Hälfte der Versammelten wusste nicht recht, um was es ging. Die andere war sich nicht einig, was die Anträge bedeuten sollten. Alle hatten irgendwie das Gefühl, über etwas zu reden, was schon Thema gewesen war. Die berühmt-berüchtigte Rednerliste für Geschäftsordnungsanträge schien aus der Versenkung aufzutauchen. Und der Versammlungsleiter hatte die Veranstaltung irgendwie nicht so ganz vollständig im Griff. Zum Glück war dies nur eine kurze Episode einer ansonsten überaus gelungenen Veranstaltung.</p>
<div id="attachment_1016" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5170.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5170-300x225.jpg" alt="Start des Parteitages, Jens Schicke redet" title="Start des Parteitages, Jens Schicke redet" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-1016" /></a><p class="wp-caption-text">Start des Parteitages, Jens Schicke redet</p></div>
<p>Dabei hatte alles so gut angefangen. Pünktlich ging’s am Samstag los und das Tempo war geradezu unheimlich. Die AG Satzung hatte sämtliche vorliegenden Anträge zu Satzungsänderungen und zur Geschäftsordnung in einem 61-seitigen Dokument aufbereitet und wie gewünscht hatte sich ein großer Teil der <a href="http://www.piratenpartei.de">Piraten</a> anhand dessen vorbereitet, wusste worum es ging und konnte in der einstündigen anberaumten Zeit zur Aussprache so gezielt fragen, dass der Versammlungsleiter mehrere Male nachhaken musste, ob denn noch Fragen seien.</p>
<div id="attachment_1026" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5208.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5208-300x225.jpg" alt="Anwesende am Parteitag, Laptops als Kunstwerke" title="Anwesende am Parteitag, Laptops als Kunstwerke" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-1026" /></a><p class="wp-caption-text">Anwesende am Parteitag, Laptops als Kunstwerke</p></div>
<p>Die eigentliche Abstimmung fand dann schriftlich statt: Auf fünf Seiten wurden sämtliche Satzungsänderungsanträge zur Abstimmung präsentiert, zusammen mit der Frage, ob nach Meinung des Abstimmenden der Diskussion Genüge getan sei. So schrumpfte der bei vergangenen Parteitagen so monströse Tagesordnungspunkt „Satzungsänderungsanträge” auf eine knapp halbstündige Phase des Ausfüllens und anschließenden Abgebens der Abstimmungsbögen. Ansonsten musste sich vorrangig ein Team von Wahlhelfern damit befassen, die vielen Tausend Kreuze zu zählen und zusammenzufassen.</p>
<div id="attachment_1022" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5196.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5196-300x225.jpg" alt="Das Auszählen der Abstimmungszettel zu den Satzungsänderungsanträgen hat mehrere Stunden in Anspruch genommen." title="Das Auszählen der Abstimmungszettel zu den Satzungsänderungsanträgen hat mehrere Stunden in Anspruch genommen." width="300" height="225" class="size-medium wp-image-1022" /></a><p class="wp-caption-text">Das Auszählen der Abstimmungszettel zu den Satzungsänderungsanträgen hat mehrere Stunden in Anspruch genommen.</p></div>
<p>Die anschließenden Wahlen zum Vorstand, die die zweite Hälfte des ersten Tages in Anspruch nahmen, waren ebenfalls ausgesprochen zielstrebig. Nach dem überstürzten Abbruch des letzten Parteitages in Langenhagen im November 2009 hatte Niedersachsen nur einen Rumpfvorstand, der nun wieder auf die volle Größe gebracht werden sollte. Jens-Wolfart Schicke und Arne Ludwig wurden als Vorsitzender und Stellvertreter bestätigt, für den nicht mehr angetretenen Arvid kam Meinart als Schatzmeister neu in den Vorstand.</p>
<div id="attachment_1020" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5191.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5191-300x225.jpg" alt="Der alte Vorstand: Arvid, Matthias, Jürgen, Arne, Dennis und Jens-Wolfart" title="Der alte Vorstand: Arvid, Matthias, Jürgen, Arne, Dennis und Jens-Wolfart" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-1020" /></a><p class="wp-caption-text">Der alte Vorstand: Arvid, Matthias, Jürgen, Arne, Dennis und Jens-Wolfart</p></div>
<p>Vor den Wahlen zu den Beisitzern gab es zudem ein Grußwort des amtierenden Bundesvorsitzenden: Jens Seipenbusch war aus seiner Heimatstadt Münster nach Osnabrück gekommen. Er erinnerte sich — und mich — daran, dass Niedersachsen ja eines der ersten Länder war, in dem es 2006 eine entstehende Parteibasis gab: Im Dezember 2006 war er damals auf einem der hannoverschen bzw. niedersächsischen Stammtische. Zu fünft saßen wir damals zusammen — inklusive Jens und seiner Frau. Dass daraus Veranstaltungen wie in Osnabrück geworden sind, zeigt, welch weiten Weg die Piratenpartei in den vergangenen dreieinhalb Jahren zurückgelegt hat. Ich selbst bin zwar kein Gründungsmitglied, aber ich habe die Anfangszeit ja auch noch sehr gut mitbekommen. Man vergisst leicht, wie klein und unscheinbar das alles damals im Gegensatz zu heute war. Piraten in Osnabrück gab es damals noch überhaupt nicht.</p>
<div id="attachment_1024" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5201.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5201-300x225.jpg" alt="Ein kurzes Grußwort vom amtierenden Bundesvorsitzenden Jens Seipenbusch" title="Ein kurzes Grußwort vom amtierenden Bundesvorsitzenden Jens Seipenbusch" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-1024" /></a><p class="wp-caption-text">Ein kurzes Grußwort vom amtierenden Bundesvorsitzenden Jens Seipenbusch</p></div>
<p>Überhaupt — die Tagungsräumlichkeiten. Unsere Verbände in Osnabrück hatten uns in einer Schulaula untergebracht und ein fantastisches Umfeld geschaffen: Wir waren dort komplett unter uns und hatten nicht nur den Versammlungsraum, sondern auch das Forum davor zur freien Verfügung.</p>
<div id="attachment_1023" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5197.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5197-300x225.jpg" alt="Lebhafte Diskussionen im Forum des Tagungsortes" title="Lebhafte Diskussionen im Forum des Tagungsortes" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-1023" /></a><p class="wp-caption-text">Lebhafte Diskussionen im Forum des Tagungsortes</p></div>
<p>Die Technik mit Netzwerk, WLAN und Akustik war nicht zu spüren, weil sie einfach funktionierte. Fürs leibliche Wohl war durch Kines Brötchen-Großeinkauf und die flugs gegründete AG-Nordschnitten ebenfalls gesorgt.</p>
<div id="attachment_1018" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5179.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5179-300x225.jpg" alt="Die AG Nordschnitten bei der Arbeit" title="Die AG Nordschnitten bei der Arbeit" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-1018" /></a><p class="wp-caption-text">Die AG Nordschnitten bei der Arbeit</p></div>
<p>Wie schon letztes Mal in Langenhagen hat der Medienfloh den Videostream der gesamten Veranstaltung übernommen und in den Pausen durch Interviews und andere Beiträge angereichert.</p>
<div id="attachment_1019" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5188.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5188-300x225.jpg" alt="Interview mit dem Medienfloh" title="Interview mit dem Medienfloh" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-1019" /></a><p class="wp-caption-text">Interview mit dem Medienfloh</p></div>
<p>Neu dabei war zudem Dennis Schulze mit dem Piratenradio, der, wenn ich das richtig gesehen habe, die ganze Zeit live vom Parteitag gesendet hat und diverse Interviews und Features produziert. Auch ich bin so mal wieder in den Genuss eines Interviews gekommen, in letzter Zeit ja eher ein seltenes Vergnügen.</p>
<div id="attachment_1021" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5195.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5195-300x225.jpg" alt="Dennis Schulze mit dem Piratenradio war auch live vor Ort" title="Dennis Schulze mit dem Piratenradio war auch live vor Ort" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-1021" /></a><p class="wp-caption-text">Dennis Schulze mit dem Piratenradio war auch live vor Ort</p></div>
<p>Die Beisitzerwahlen hätten durchaus größeres Chaos verursachen können: Bis zu acht Posten konnten besetzt werden und 14 Bewerber standen zur Wahl. Aber alle Beteiligten waren vorbildlich diszipliniert: Die Kandidaten haben sich kurz und knapp vorgestellt, die Anzahl Fragen hielt sich in Grenzen. Einzig das Auszählen war bei den vielen Kandidaten und Kreuzchen etwas anstrengend.</p>
<div id="attachment_1027" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5209.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5209-300x225.jpg" alt="Kandidaten für die Beisitzerposten" title="Kandidaten für die Beisitzerposten" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-1027" /></a><p class="wp-caption-text">Kandidaten für die Beisitzerposten</p></div>
<p>Erstmals wurde bei diesem Parteitag durchgängig nach dem Zustimmungsverfahren abgestimmt: Für jede der Alternativen bei Abstimmungen und auch bei Wahlen kann man „Ja”, „Nein” oder „Enthaltung” ankreuzen, es gewinnt diejenige Alternative mit den verhältnismäßig meisten Ja-Stimmen. Ich war ja bislang diesem Verfahren gegenüber eher kritisch eingestellt, muss aber sagen, dass es sich in meinen Augen bewährt hat: Die Entscheidungen sind transparent und vor allem muss man als Abstimmender nur <em>ein</em> Verfahren verstanden haben. Vielleicht sollte man noch ein wenig an der Bedeutung der Alternativen „Nein” und „Enthaltung” feilen, aber im großen und ganzen halte ich dieses Wahlverfahren für das Beste, das ich bisher in der Piratenpartei (und darüber hinaus) kennen gelernt habe. Auch wenn es natürlich etwas Vorbereitung bei größeren Abstimmungen bedarf…</p>
<div id="attachment_1029" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-14.5244.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-14.5244-300x225.jpg" alt="Arbeitsplatz des Blogautors zum LPT: Unterlagen, Laptop, Wasser, Nervennahrung" title="Arbeitsplatz des Blogautors zum LPT: Unterlagen, Laptop, Wasser, Nervennahrung" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-1029" /></a><p class="wp-caption-text">Arbeitsplatz des Blogautors zum LPT: Unterlagen, Laptop, Wasser, Nervennahrung</p></div>
<p>Angesichts der extremen Laptopdichte auf dem Parteitag habe ich mehr als einmal gefragt, ob man bei einem der nächsten Male nicht versuchen sollte, Abstimmungen und Wahlen und vor allem deren Auszählung stärker zu automatisieren. Teilweise war mehr als ein Dutzend Piraten gleichzeitig mit Auszählen beschäftigt und die entsprechenden Pausen haben die Veranstaltung mehrere Male nennenswert aufgehalten.</p>
<p>Das Verhältnis von Laptops zu Teilnehmern, das ja stets nahe bei 1:1 liegt, war seit jeher eine Spezialität der Piraten, mit der sie sich wohl von allen anderen Parteien unterscheiden dürfte. Ich finde das immer sehr angenehm, weil man mit seiner Affinität zur Technik eben <em>nicht</em> etwas Besonderes, sondern schlicht so wie alle anderen auch ist.</p>
<div id="attachment_1025" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5205.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5205-300x225.jpg" alt="Fast jeder Anwesende hatte einen Laptop dabei. Ein für den Parteitag augenscheinlich besonders wichtiges Programm: Mah-Jongg" title="Fast jeder Anwesende hatte einen Laptop dabei. Ein für den Parteitag augenscheinlich besonders wichtiges Programm: Mah-Jongg" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-1025" /></a><p class="wp-caption-text">Fast jeder Anwesende hatte einen Laptop dabei. Ein für den Parteitag augenscheinlich besonders wichtiges Programm: Mah-Jongg</p></div>
<p>Die diversen Wahlen für Kassenprüfer, Schiedsgericht sowie die jeweiligen Ersatzpersonale zogen sich über den späten Samstag und den frühen Sonntag morgen. All diese Wahlen sind wichtig und nötig, vielleicht sollte aber auch hier nochmal am Prozedere gearbeitet werden: Müssen die Ersatzschiedsrichter wirklich in einer separaten Wahl bestimmt werden? Und müssen Kassenprüfer wirklich geheim gewählt werden? Ich denke, dass man auch hier noch die Effizienz steigern könnte, ohne dass andere Qualitäten der momentanen Verfahren verloren gehen.</p>
<div id="attachment_1017" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5176.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5176-300x225.jpg" alt="Der alte und neue Vorsitzende Jens-Wolfart Schicke im bekannten Multitaskingbetrieb" title="Der alte und neue Vorsitzende Jens-Wolfart Schicke im bekannten Multitaskingbetrieb" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-1017" /></a><p class="wp-caption-text">Der alte und neue Vorsitzende Jens-Wolfart Schicke im bekannten Multitaskingbetrieb</p></div>
<p>Nachdem dann endlich alle Personenwahlen abgeschlossen waren, kam es zur Bekanntgabe der Ergebnisse der Abstimmungen zu den Satzungsänderungen. Bemerkenswert finde ich dabei, dass bei <em>keinem</em> der Anträge weiterer Diskussionsbedarf angemeldet worden war, sodass sämtliche der schriftlichen Abstimmungsergebnisse zunächst gültig waren.</p>
<div id="attachment_1028" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-14.5241.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-14.5241-300x225.jpg" alt="Die jungen Piraten stellen sich vor" title="Die jungen Piraten stellen sich vor" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-1028" /></a><p class="wp-caption-text">Die jungen Piraten stellen sich vor</p></div>
<p>Nicht vergessen möchte ich die „Jungen Piraten”, von denen zwei die niedersächsische Sektion vorstellten und zum Mitmachen und zu Unterstützung aufriefen. Die „Jungen Piraten” sind meines Erachtens ein wichtiges Mittel der Nachwuchsförderung: Hier organisieren sich Jugendliche, Schüler und Studenten zu politischer Arbeit. Es kann der Partei nur gut tun, wenn sie später solche Mitglieder bekommt, die bereits erfahren sind im Umgang mit politischen Prozessen. Es liegt im ureigenen Interesse der Piratenpartei, wenn sie die „Jupis” entsprechend unterstützt, fördert und ihnen zur Seite steht.</p>
<p>Auch einen „Fotoevent” hat es gegeben: Neben etlichen Fotos vom neuen Vorstand, wichtig für die Pressemappe, haben wir auch ein Gruppenfoto aller Anwesenden produziert. Mir kam die Ehre zu, dieses Foto zu schießen und ich hoffe, es ist ein gutes dabei herausgekommen, obwohl ich nicht mit meiner eigenen Kamera gearbeitet habe (<small>engagierter Pirat sucht Sponsor für neue Kamera zur privaten, beruflichen und politischen Verwendung… <img src='http://blog.hillbrecht.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  </small>). Hier mal ein Foto, dass mich „bei der Arbeit” zeigt.</p>
<div id="attachment_1030" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-14.M.0078.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-14.M.0078-300x225.jpg" alt="Making-Of des Gruppenfotos - Der Blogautor in Aktion" title="Making-Of des Gruppenfotos - Der Blogautor in Aktion" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-1030" /></a><p class="wp-caption-text">Making-Of des Gruppenfotos — Der Blogautor in Aktion</p></div>
<p>Die anschließende Diskussion um §2.2 der Satzung war ebenso engagiert wie nötig und endete mit einem Ergebnis, das Anwesende und Kommentatoren zwischen „überraschend” und „historisch” einordneten. Dazu muss ich mich nochmal gesondert äußern.</p>
<p>Danach jedenfalls ging der Parteitag mit einer weiteren Diskussion und Abstimmung um Änderungsanträge rund um §8.7, der ähnlich wie §2.2 Auskunftsersuchen an Kandidaten und Mitarbeiter stellt, allerdings nicht auf politischer, sondern auf finanzieller Ebene. Auch mit diesen Regeln sind viele Piraten unzufrieden, zu einer Änderung der Bestimmungen fand sich aber an keiner Stelle eine Zweidrittelmehrheit. So bleibt hier erstmal alles beim Alten und das Thema dürfte beim nächsten Parteitag wieder auf die Tagesordnung kommen.</p>
<div id="attachment_1032" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5230.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5230-300x225.jpg" alt="Die beiden jüngsten Teilnehmer beim Landesparteitag" title="Die beiden jüngsten Teilnehmer beim Landesparteitag" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-1032" /></a><p class="wp-caption-text">Die beiden jüngsten Teilnehmer beim Landesparteitag</p></div>
<p>Durch diese Diskussion am Ende ist dann leider der Tagesordnungspunkt „Lessons Learned” nicht mehr behandelt worden. Wir hatten auf diesem Parteitag ja gleich mehrere organisatorische Premieren und es ist durchaus sinnvoll, diese mal zu rekapitulieren. Neben dem oben bereits behandelten Abstimmungsverfahren war das vor allem die schiftliche Abstimmung der Satzungsänderungsanträge. Ich halte dies für einen großen Gewinn, da die Diskussion viel disziplinierter lief als bei den letzten Parteitagen und das ganze zeitlich viel besser steuerbar war. Wir sollten dieses Verfahren unbedingt beibehalten. Berücksichtigt werden muss dabei allerdings, dass es zum einen eine Satzungskommission (oder „AG Satzung”) geben muss, die die gesammelten Anträge aufbereitet und das Dokument erstellt und zum anderen, dass eine derart umfangreiche Abstimmung wie die diesmalige auch für die Wahlhelfer eine erhebliche Belastungsprobe bedeutet.</p>
<div id="attachment_1031" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5198.jpg"><img src="http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/2010-03-13.5198-300x225.jpg" alt="Diskussionen überall. Aber: Geraucht werden durfte nur draußen" title="Diskussionen überall. Aber: Geraucht werden durfte nur draußen" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-1031" /></a><p class="wp-caption-text">Diskussionen überall. Aber: Geraucht werden durfte nur draußen</p></div>
<p>Ansonsten sind Parteitage, insbesondere so harmonische wie dieser hier, immer eine hervorragende Möglichkeit, mal wieder andere Piraten zu treffen, sich zu unterhalten, herumzuphilosophieren und einfach eine tolle Zeit zu haben. Die Organisation der <a href="http://www.piraten-osnabrueck.de">Osnabrücker Piraten</a> kann eigentlich gar nicht hoch genug gelobt werden: Nicht nur der Veranstaltungsort und die auf die Beine gestellte Verpflegung waren erstklassig, auch die Party am Samstag abend im „<a href="http://www.cupandcups.de/">Cup &amp; Cups</a>” war toll. Entspannt und fröhlich feierten wir mit extra für uns kreierten Cocktails bis ins Morgengrauen — und dass gegen halb zwei der Rum leergetrunken war, hat der hervorragenden Stimmung keinen Abbruch getan.</p>
<p>Der nächste Parteitag in Niedersachsen findet im Spätsommer in Wolfenbüttel statt. Dann wird es vor allem um das Programm gehen. Ich kann schon jetzt jedem interessierten Piraten nur empfehlen, eine Teilnahme zu planen. Kein virtuelles Medium der Welt kann ein reales Treffen ersetzen!</p>
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		<title>Transkript des Interviews von Georg Jähnig mit Lena Simon zur „Genderdebatte” in der Piratenpartei</title>
		<link>http://blog.hillbrecht.de/2010/03/07/transkript-des-interviews-von-georg-jahnig-mit-lena-simon-zur-genderdebatte-in-der-piratenpartei/</link>
		<comments>http://blog.hillbrecht.de/2010/03/07/transkript-des-interviews-von-georg-jahnig-mit-lena-simon-zur-genderdebatte-in-der-piratenpartei/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 07 Mar 2010 12:30:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Hillbrecht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[genderdebatte]]></category>
		<category><![CDATA[piratenpartei]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit etwas mehr als einer Woche tobt eine lautstarke Diskussion in der Piratenpartei. Es geht allgemein um die Situation von Frauen in der Partei, insbesondere aber um eine „Piratinnen”-Initiative von Lena Simon, die mit Pressemitteilung und Frauen-only-Mailingliste gestartet wurde.
Lena hat am Freitag ein halbstündiges Interview mit Georg Jähnig gemacht, das Georg als Audiodatei in seinem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit etwas mehr als einer Woche tobt eine lautstarke Diskussion in der <a href="http://www.piratenpartei.de">Piratenpartei</a>. Es geht allgemein um die Situation von Frauen in der Partei, insbesondere aber um eine <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Piratinnen">„Piratinnen”-Initiative</a> von Lena Simon, die mit Pressemitteilung und Frauen-only-Mailingliste gestartet wurde.</p>
<p>Lena hat am Freitag ein <a href="http://georgjaehnig.wordpress.com/2010/03/06/piratinnen-interview-mit-lena/">halbstündiges Interview</a> mit <a href="http://georgjaehnig.wordpress.com">Georg Jähnig</a> gemacht, das Georg als <a href="http://www.archive.org/download/Piratinnen-interviewMitLenaUndJrg/piratinnen-interview-lena.mp3">Audiodatei in seinem Blog</a> veröffentlicht hat. Als Beitrag zur Debatte veröffentliche ich hier jetzt zunächst mal ein komplettes Transkript dieses Interviews. Ich finde es immer wichtig, sich mit den Urhebern einer Idee zu beschäftigen, bevor man in wildes Debattieren ausbricht. Und auf diese Weise werden die aktuellen Äußerungen von Lena auch für solche Leser verfügbar, die — wie ich — lieber geschriebenem als gesprochenem Text folgen.</p>
<p>Das Transkript ist vollständig und unkommentiert. An einigen Stellen war der Wortlaut nicht exakt zu verstehen, diese sind gekennzeichnet. Ich habe einige Schlenker oder grammatikalische Ungenauigkeiten der wörtlichen Rede im Transkript in sinnerhaltender Weise geglättet. Und ich hoffe, ich habe Georg an allen Stellen korrekt von Jörg Bühmann unterschieden, der bei dem Interview ebenfalls dabei war.</p>
<p>Da mein Wordpress mit dem WP-Typography-Plugin das Zitieren teilweise etwas schwierig macht, gibt es das Transkript auch als <a href='http://blog.hillbrecht.de/wp-content/uploads/2010/03/interview-lena-simon-transkript.txt'>einfache Textdatei zum Download</a>. Ansonsten: Here we go:</p>
<p><span id="more-1007"></span></p>
<p>—</p>
<p><b>Georg Jähnig interviewt Lena Simon und Jörg Bühmann zur aktuell angestoßenen Genderdebatte</b></p>
<p><a href="http://georgjaehnig.wordpress.com/2010/03/06/piratinnen-interview-mit-lena/">http://georgjaehnig.wordpress.com/2010/03/06/piratinnen-interview-mit-lena/</a></p>
<p>Transkript von Dirk Hillbrecht, CC-BY-SA 3.0</p>
<p><em>0’00</em></p>
<p><b>Georg Jähnig:</b> So, es ist jetzt Freitag, der 5. März, damit sieben Tage nachdem Lena eine Pressemittelung herausgebracht hat, mit der sie die Piratinnen angekündigt hat. Eine Initiative innerhalb der Piratenpartei unter dem Schlagwort „Klarmachen zum Gendern”. Teil der Initiative ist eine Mailingliste, die nur Frauen vorbehalten ist. Lena sitzt jetzt neben mir. Erstmal hallo Lena.</p>
<p><b>Lena Simon:</b> Ja, hallo.</p>
<p><b>Georg:</b> Woher kennt man dich in der Piratenpartei vielleicht schon?</p>
<p><b>Lena:</b> Naja, ich habe schon an einigen Stellen aktiv, hab sehr umfangreich in Brandenburg zum Beispiel noch Unterschriften gesammelt und hab bei dem Musikvideo mitgemacht.</p>
<p><b>Georg:</b> Die Pressemitteilung hat große Wellen geschlagen und die Diskussion die dann drumrum lief, hat auch Jörg verfolgt. Jörg sitzt auch neben mir, ist Student aus Berlin und ist nicht Pirat, oder?</p>
<p><b>Jörg Bühmann:</b> Nein, ich bin kein Pirat. Ich bin zwar schon von Anfang an Sympathisant der Piraten und hab die auch schon sehr lang verfolgt, also die Gründung und die ganzen Startschwierigkeiten. Auch Netzpolitik ist allgemein etwas, was mich sehr interessiert. Politik auch sonst ist für mich immer schon eine relevante Geschichte gewesen. Deswegen finde ich das, was jetzt hier die letzten Tage losgebrochen ist bei den Piraten durch diese eine Pressemitteilung, äußerst spannend.</p>
<p><b>Georg:</b> Genau und darüber unterhalten wir uns jetzt. Ich stelle mich auch kurz vor: Ich bin Georg, bin Pirat seit einem halben Jahr, und ich habe auch die Diskussion verfolgt. — Lena, warum hast du diese Initiative gegründet?</p>
<p><em>1’24</em></p>
<p><b>Lena:</b> Ja, da kommen wir gleich zum Hauptthema. Zur Hauptfrage. Die Frage wie stehen Frauen in der Gesellschaft, was haben sie für eine Position ist eine, die mich schon mein ganzes Leben begleitet. Und als ich in die Netzpolitik kam, vorrangig zur freien Softwareentwicklung, ist mir eine Sache sehr stark aufgefallen. Und zwar, dass diese ganze Entwicklung mit Internet, Computer, Digitalisierung, dass wir da ein unglaublich großes Machtwerkzeug haben. Ein Machtwerkzeug, mit dem wir jetzt uns noch gar nicht vorstellen können, was da alles noch möglich sein wird. Das ist ja auch eine der Aussagen der Piratenpartei, dass wir da jetzt aufpassen müssen, in welcher Art und Weise wir dieses Machtwerkzeug gestalten.</p>
<p><em>2’21</em></p>
<p>Und ich habe festgestellt, ich habe gemerkt, irgendwie, die meisten Freundinnen, die meisten Frauen, die ich kenne, interessieren sich gar nicht dafür. Die interessieren sich nicht für Computer, die nutzen das zwar, aber die kennen sich nicht wirklich damit aus und wollen das auch gar nicht. Eines meiner Probleme war immer die Überlegung: „Mensch, die gesamte Emanzipation war, ja, fast für die Katz’, wenn wir Frauen jetzt einfach freiwillig darauf verzichten, an diesem Machtwerkzeug teilzuhaben und daran zu partizipieren.” Und so in der Zeit, je mehr ich das festgestellt habe, was es da für Schwierigkeiten gibt, umso mehr wurde das irgendwie zu einem meiner Themen. Ich habe das auch schon häufiger versucht, auch in der Piratenpartei zu thematisieren. Und hatte immer ziemliche Schwierigkeiten damit.</p>
<p><b>Georg:</b> Kurz gefragt: Du hattest Schwierigkeiten damit, zu thematisieren, dass Frauen sich eben nicht dafür interessieren oder zumindest nicht so präsent sind in der… Oder erklär’ das vielleicht genau selbst.</p>
<p><em>3’28</em></p>
<p><b>Lena:</b> Nein. Wenn ich es thematisiert habe, dann wurde eigentlich sehr offen begegnet: „Ja, natürlich, wir wollen gerne mehr Frauen gewinnen. Ist ja auch für eine Partei ziemlich wichtig. Frauen sind ja schließlich die Hälfte der Wahlbevölkerung.” Da wurde sehr sehr positiv drauf begegnet. Nur wenn ich dann mit solchen Fragen der Gleichberechtigung und so weiter kam, wurde ich relativ schnell abgebügelt im Sinne von, also, mit dem Kommentar: „Wir sind Postfeminisus. Bei uns sind alle gleich. Wir machen keinen Unterschied. Und deshalb wollen wir da auch gar nicht drüber reden.”</p>
<p><b>Georg:</b> Aber ist es nicht genau das Ziel, quasi keinen Unterschied zu machen?</p>
<p><em>4’06</em></p>
<p><b>Lena:</b> Es gibt einen Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Gleichstellung. Den halte ich für sehr wichtig. Und natürlich ist es ein sehr, sehr löbliches Ziel zu sagen: „Natürlich, wir wollen einfach gar keinen Unterschied machen.” Nur solange wir dieses Ziel noch nicht erreicht haben, hilft das auch nicht zu sagen: „Es ist so”, und dann ist es auch so. Also, allein zu behaupten, dass es so wäre, führt uns noch nicht dahin, dass es so ist. Dazu ist es wichtig, sich darüber bewusst zu sein, dass es eben noch nicht so ist, weil wenn man denkt, es gibt kein Problem, mit dem umgegangen werden muss, dann geht man auch nicht damit um, dann geht man auch nicht darauf ein und dann hat man überhaupt kein Bewusstsein für das Thema. Und das halte ich für so gefährlich an der Aussage, wir seien Postfeminismus. Ich wage zu behaupten, dass das einfach nicht der Fall ist.</p>
<p><em>5’05</em></p>
<p><b>Georg:</b> Du hast ja in der Pressemittelung geschrieben, du willst einen Schutzraum bieten, den Frauen… aber ein Schutz wovor. Hast du vielleicht schon selbst Situationen erlebt, in denen du einen Schutzraum gehabt hättest und der dir gefehlt hat in der Piratenpartei?</p>
<p><em>5’16</em></p>
<p><b>Lena:</b> Darf ich noch ganz kurz zur Pressemittelung was sagen. Es gibt nämlich hier eine große Kritik, dass ich eigenständig Sachen gemacht habe, dass Frauen sagen: Für mich spricht die gar nicht. Sie tut aber so, als würde sie das. Deswegen ist es mir ganz wichtig, noch einen fetten Disclaimer hier an der Stelle erstmal zu positionieren. Ich spreche nicht für die Piratenpartei und ich spreche nicht für alle Frauen in der Piratenpartei. Ich spreche in erster Linie für mich und wenn… Ich glaube aber, dass es auch ein paarr Frauen gibt in der Piratenpartei, die sich damit identifizieren können. Das nur nochmal, um das deutlich zu machen.</p>
<p><b>Georg:</b> Der Schutzraum…</p>
<p><em>5’56</em></p>
<p><b>Lena:</b> Genau, die Schutzräume. Ja, ich war schonmal in so einer Situation, in der ich mir gewünscht hätte, dass ich geschützt werde. Das bedeutet zum Beispiel, dass ich mir gewünscht hätte, dass mir zum Beispiel nicht eine andere Frau in den Rücken fällt, in dem Moment in dem ich versuche, etwas zu thematisieren.</p>
<p><b>Georg:</b> Kannst du das vielleicht mal beschreiben? Ein bisschen konkreter, wie das aussah, was das war?</p>
<p><b>Lena:</b> Zu konkret möchte ich das auch gar nicht, weil es wird dann auch persönlich und die Piraten haben ja auch das Schlagwort „Piratsphäre” geprägt…</p>
<p><em>6’30</em></p>
<p><b>Georg:</b> Aber das wir einfach eine Vorstellung davon kriegen, wie Frauen sich fühlen, wenn sie sich unwohl fühlen in dem Sinne, den du meinst.</p>
<p><b>Lena:</b> Also was zum Bespiel eine große Schwierigkeit ist, ist, wenn ich versuche, etwas zu thematisieren und zu sagen: „Hier gibt es eine Schwierigkeit damit, dass wir Männer und Frauen sind. Hier gibt es ein Problem”. Und damit dann erstmal abgebügelt werde: „Das stimmt nicht.” Zweitens mal Augenrollen ernte, weil jeder ist einfach diese Diskussion leid. Kann ich auch gut verstehen (lacht). Die wurde auch einfach schon in Arten geführt, die ich auch selber absolut nicht für richtig halte. Und das Dritte ist, dass Frauen die sagen, sie haben dasselbe nicht so erlebt, dann aber nicht in dem Moment sagen: „Ach ja, das ist ja interessant. Hab’ ich so noch nicht erlebt, aber erzähl dochmal, was genau meinst du denn”, sondern dass sie besonders laut sagen: „Also, ich habe sowas noch <em>nie</em> erlebt und das kommt überhaupt nicht vor und das ist Quatsch, was du sagst.” Und damit entsteht eine ganz große Schwierigkeit und dieses Phänomen, dass Frauen so heftig reagieren auf dieses Thema habe ich einem reinen Frauenkreis noch nie erlebt. Diese Aussage, Frauen äußern sich anders außerhalb, also in getrennten…, also untereinander, ist überhaupt keine Kritik an den Männern, dass sie vielleicht irgendwas falsch machen, das ist einfach nur eine Feststellung eines Phänomens, das übrigens auch nicht mehr jung ist. Und dem ich gerne mit diesem Schutzraum entgehen würde. Wo ich sagen würde: „Hier können wir auf eine andere Art und Weise kommunizieren.” Das ist alles.</p>
<p><em>8’20</em></p>
<p><b>Jörg:</b> Ja, Frauen haben es in männergeprägten Situationen meistens ein bisschen schwerer. Also das kennt man ja auch, wenn man jetzt so als typischer Nerd [unverständlich] auf Computerkongressen, wo es dann nur so eine Hand voll Frauen gibt oder irgendwie auf der Rollenspielconvention, da sind’s dann auch nur drei. Und das sind in solchen Situation, in denen Frauen die Minderheiten sind, kommen ja nur die Frauen überhaupt an, die es schon allgemein einigermaßen schaffen, sich durchzusetzen gegen andere. Und trotzdem sind sie in so einer Situation dann die Minderheit. Und wenn man Teil einer Gruppe ist, aber Teil einer Minderheit in einer Gruppe, ist es natürlich schwieriger, sich dann zu äußern, weil der Rückhalt in der Gruppe nicht so groß ist.</p>
<p><b>Georg:</b> Also, das Zitat in der Pressemitteilung war ja auch, auch die leisen Stimmen unter den Frauen sollen Gehör finden. Und ich würde gern wissen: Was unterscheidet denn leise Stimmen unter den Frauen von leisen Stimmen unter den Männern?</p>
<p><b>Lena:</b> Die einen wurden von Frauen gesprochen, die anderen von Männern. (lacht)</p>
<p><b>Georg:</b> Sind das dann nicht die gleichen Probleme, die beide haben.</p>
<p><b>Lena:</b> Naja, also Jörg hat ja gerade eben von den unterschiedlichen Sorten von Minderheiten gesprochen und die leisen Stimmen der Männer sind eine Minderheit der Mehrheit. Von daher gibt es da natürlich — ist es nicht komplett gleich. Aber: Klar, es braucht natürlich auch Möglichkeiten für die schüchternen oder leisen Männer, sich zu artikulieren. Und da bin ich auch schon im Gespräch mit rka [Andreas Baum], dem Landesvorsitzenden in Berlin, genau hierfür auch Strukturen zu schaffen. Das ist völlig unabhängig davon, dass wir ein Kreis, also wir Piratinnen, einen Kreis von nur Frauen gründen wollen.</p>
<p><b>Georg:</b> Nochmal die Frage: Das Ziel ist glaube ich, gar nicht so umstritten. Die Frage ist einfach nur: Warum will man sich — wenn man schüchterne Frauen hat und auch schüchterne Männer, warum will man sich um die schüchternen Frauen trotzdem getrennt von den schüchternen Männern kümmern?</p>
<p><em>10’25</em></p>
<p><b>Lena:</b> Weil das Thema nicht „Schüchternheit” ist, sondern die Problematik, als Frau in dieser Gruppe zu existieren. Und das hier einfach natürlich, hier sind Schwierigkeiten, die haben mit Schüchternheit nicht so viel zu tun, sondern es ist auch eine sehr sehr sehr lange historisch gewordene Situation, dass Frauen seit Jahrtausenden benachteiligt wurden. Und nicht ernst genommen wurden. Und wenn ich jetzt sagen möchte: „Ich fühle mich nicht ernst genommen”, in einer Gruppe, in der ich Angst habe, nicht ernst genommen zu werden — weil aus einem anderen Grund würde ich ja nicht sagen wollen, ich fühle mich nicht ernst genommen, dann habe ich eben die Angst, nicht ernst genommen zu werden. Und das heißt, genau die Thematisierung dieses Themas fällt unglaublich schwer in dem Moment, wo schon die Frage im Raum steht: Ist dieses Thema relevant.</p>
<p><b>Georg:</b> Was sind denn so Beispiele für diese Probleme mit Frauen, also die Frauen haben, meine ich, in der Piratenpartei. Was für Diskussionen gibt es denn auf der Mailingliste, wo nur Frauen zumindest dem Titel nach mitlesen und mitschreiben?</p>
<p><em>11’35</em></p>
<p><b>Lena:</b> Ja, also, ich möchte natürlich jetzt nicht zu viel darüber sagen. An einigen anderen Stellen sind ja auch schon Dinge geleakt. Man kann zum Beispiel das auch in der taz schön nachlesen. Keine Ahnung wie die daran gekommen ist.</p>
<p><b>Georg:</b> Vielleicht war das eine Frau?</p>
<p><b>Lena:</b> Ja, das kannn gut sein, dass sie sich da einfach eingetragen hat als Frau.</p>
<p><b>Georg:</b> Ja, das ist ja jetzt so ein bisschen die Frage: Wenn du einen Schutzraum willst, und das ist die Mailingliste, wie kontrollierst du eigentlich, dass erstmal nur Frauen da teilnehmen können und dann auch, dass die Dinge da geheim bleiben. Geht das überhaupt?</p>
<p><em>12’04</em></p>
<p><b>Lena:</b> So, jetzt hast du mich auch die erste Frage noch gar nicht antworten lassen. Aber jetzt antworte ich erstmal darauf. Auf dieser Liste kann ich das nicht feststellen. Auf dieser Liste haben wir uns jetzt drauf geeinigt, zu sagen: „Ja Mensch, zumindest müssen sich alle Männer hier als Frauen ausgeben.” Und damit haben wir ja quasi etwas geschaffen, was gegenteilig ist zu der Situation, wie wir sie in der Piratenpartei haben, wo behauptet wird, dass der Begriff „Pirat” geschlechtsneutral sei, was ich ehrlich gesagt ziemlich frech finde. Das heißt, an dieser Stelle haben wir zumindest erstmal den Spieß rumgedreht (lacht) und… Sicherstellen kann ich das nicht, das habe ich auch den Frauen in der Liste deutlich gemacht und gesagt — die sind sich dadrüber jetzt auch spätestens seit der taz bewusst. Es soll noch eine zweite Mailingliste geben, die fange ich an, sobald Bedarf angekündigt wird, die so eine Art „Web of Trust” ist. Also, das funktioniert dann ähnlich wie bei den „Häcksen”. Die machen das gleiche. Die hatten übrigens einen ähnlichen Kampf am Anfang, sind heute total etabliert und anerkannt und damit hat überhaupt keiner mehr ein Problem.</p>
<p><b>Georg:</b> Das sind die Frauen im CCC, nur als kurze Erklärung.</p>
<p><em>13’15</em></p>
<p><b>Lena:</b> Genau, das sind die Frauen im CCC. Und es haben sich auch einige Häcksen zum Beispiel gemeldet, um jetzt nochmal auf den Inhalt zurückzugehen, die gesagt habe: „Ja, ich kenne die Diskussion. Halte durch, es ist alles in Ordnung. So lief das bei uns am Anfang auch.”</p>
<p>Andere Sachen sind das Ziel, was ich mir gesetzt hatte, mal ein offenes Ohr dafür zu haben: Gibt es denn zum Beispiel Frauen, die aus dem Grund aus der Piratenpartei schon wieder ausgetreten sind. Gibt es vielleicht Männer, die aus dem Grund aus der Piratenpartei wieder ausgetreten sind. Beides kann ich mittlerweile bejahen, denn es haben sich Leute bei mir gemeldet.</p>
<p><em>13’55</em></p>
<p>Im Moment sind so die — Thematisch beschäftigen wir uns damit, wie möchten wir uns darstellen, was ist jetzt genau eigentlich unser Selbstverständnis. Wir diskutieren den Slogan „Klarmachen zum Gendern”. Und was auch ein wichtiges Thema ist, gerade, ist: Wie gehen wir mit den Angriffen um, die uns widerfahren. Es gibt einige Frauen, die sich auch deutlich eingesetzt haben, deutlich zum Beispiel in Blogs und so weiter deutlich gemacht haben, dass sie das Thema wichtig finden. Und die werden zum Teil hart attackiert. Also, ich werde ja auch attackiert, aber damit setzen wir uns jetzt auch auseinander.</p>
<p><em>14’40</em></p>
<p>Das heißt auch, dass die Frage ist: Sind wir über dieses Thema hinweg? Wenn ich dieses Thema nicht ansprechen kann ohne befürchten zu müssen, dass ich derart heftig angegriffen werde, und zwar eben persönlich, nicht inhaltlich, persönlich — unglaublich emotionalisiert — dann kann mir keiner erzählen, dass wir über dieses Thema schon hinweg sind, denn dann müsste es ja theoretisch ganz einfach möglich sein, auch an der Stelle eine andere Meinung zu haben.</p>
<p><em>15’10</em></p>
<p>Und was dieses Thema sehr deutlich auszeichnet ist, dass sehr schnell so ein Hebel umgelegt wird. Also, ich sage irgendwas wie „Feminismus” oder „Gleichberechtigung” und mir wird unglaublich viel in den Mund gelegt. Es geht sofort die Lampe an: „Ja, das ist so eine Alice Schwarzer” und mir werden sämtliche Vorurteile, die man von Emanzen hat, in den Mund gelegt. Es gab ganz häufig den Vorwurf: „Ja, ihr wollt eine Quote einführen oder dan Binnen-‚I’.” Nichts davon — habe ich niemals gesagt, weise ich auch jetzt von mir. Das ist überhaupt nicht mein Ziel. Das wurde mir aber in den Mund gelegt und dagegen wurde argumentert. Was auf meiner Seite dann ins Leere ging, weil das hatte ich nie gesagt.</p>
<p><em>15’57</em></p>
<p>Im Gegenteil, ich habe eine sehr große Kritik an diesen übertriebenen Emanzen, wie man sie ja so schön nennt, die vielleicht tatsächlich zum Ziel haben, jetzt den Spieß einfach komplett rumzudrehen. Ich möchte den Spieß nicht komplett rumdrehen. Ich möchte Gleichberechtigung. Ich möchte wirklich, dass es gleich ist. Und Leute, also Frauen, die dann sagen: „Oh, gibst du mir bitte mal die Salzstreuerin”, denen könnte ich den Hals rumdrehen. Weil das dazu führt, das ein unglaublich wichtiges Thema nicht mehr ernst genommen wird.</p>
<p><em>16’31</em></p>
<p><b>Georg:</b> Du hast ja im Tweet gesagt: „Wäre Gender schon wirklich post, dann würde anders reagiert”. Ja, wie denn? Wie würde reagiert, wenn wir wirlich schon eine Postgendergesellschaft hätten und jemand würde eine Mailingliste gründen, die nur Frauen vorbehalten ist.</p>
<p><em>16’42</em></p>
<p><b>Lena:</b> Ja, so what. Also, wenn ich mir vorstelle: „Ok, es ist alles ok, es ist alles in Butter, es ist alles in Ordnung” und es kommt jemand und sagt: „Für mich ist nicht alles in Butter an der Stelle”, dann sage ich: „Oh, mein Gott, erzähl mehr. Was genau ist denn das Problem?” Ich gehe auf die Person ein. Ich gehe auf sie zu und ich fange nicht an, wie ein wildes Tier irgendwie Sachen nach der Person zu schmeißen und zu sagen: „Du hast Unrecht und das ist total falsch alles.”</p>
<p><em>17’14</em></p>
<p>Georg. Also ich glaube auch eher, das Problem ist auch eher gar nicht die Thematik, sondern die Wahl der Mittel. Nämlich das Mittel sich zu isolieren, zu trennen von den anderen. Also, was du ja eben tust mit der Mailingliste. Das ist auch so eine Frage: Die Mailingliste ist nur für Frauen offen. Was ist mit Menschen, die keine eindeutige Geschlechtszuordnung haben, also Transgender? Können die auch mit drauf?</p>
<p><em>17’33</em></p>
<p><b>Lena:</b> Wenn sie auf die Frauentoilette gehen. Das ist ja so eine freie Entscheidung: Als was fühle ich mich. Ich finde, mit der Toilettenwahl ist das relativ gut wiedergegeben. Wie gesagt…</p>
<p><b>Georg:</b> Also es können auch Männer rauf, die auf Frauentoiletten gerne gehen?</p>
<p><em>17’50</em></p>
<p><b>Lena:</b> (lacht) Wenn sie da nicht rausgeworfen werden und sich da wohlfühlen und sich als Frau ausgeben… Das ist ja das Ding: Im Moment kommst du auf die Liste drauf, wenn du sagst: „Ich bin eine Frau.” Ich habe ein paar Leute abgelehnt und denen gesagt: „Es ist nicht erkennbar, ob du eine Frau bist. Gib dich bitte als Frau zu erkennen”. Dann haben die geantwortet: „Ich bin eine Frau” und dann sind sie auf die Mailingliste gekommen. Das heißt, es ist schlicht und ergreifend die Aussage: Wenn ich mich als Frau identifziere, dann komme ich auf diese Liste.</p>
<p><em>18’19</em></p>
<p>Die zweite erwähnte Liste, da müssen wir dann mal schauen, wie das funktioniert mit einem Web of Trust. Das ist ja auch schwierig, gerade weil wir ja ziemlich bundesweit verteilt sind. Da müssen wir das vielleicht dann auch über Telefon und so weiter machen. Und da müssen wir das dann im Einzelfall auch einfach mit der Gruppe entscheiden.</p>
<p><em>18’36</em></p>
<p><b>Jörg:</b> Zur Abkapselung würde ich noch sagen, es ist hier nicht so, dass Gruppenbildung oder sowas wie Anonymisierung ja auch was ist, was den Piraten eigentlich ein ureigenes piratiges Thema ist. Ja? Es würde dir ja jetzt kein Pirat sagen: „Ja, wir müssen TOR abschaffen, weil da können ja Leute was miteinander kommunizieren, ohne dass jemand mitkriegt, wer das was sagt oder wer mit wem sagt oder überhaupt irgendjemand was sagt.” Und genau dieses Prinzip der absoluten Transparenz ist ein Dogma, das in der Piratenpiartei weit verbreitet ist, was aber für eine Demokratie und eine freie Kommunikation hinderlich ist. Weil dann nämlich jeder, der was sagt, nicht anonym was sagen kann, nicht nur in einem begrenzten Teil was sagen kann, sondern sofort mit seinem Namen und mit seiner Person in der Öffentlichkeit steht. Das ist ja das, was Lena jetzt passiert ist. Sie geht mit einer Position in die Öffentlichkeit, mit ihrem Namen und muss jetzt die ganzen Angriffe aushalten.</p>
<p><em>19’37</em></p>
<p><b>Lena:</b> Also, bei der Frage „Wir kapseln uns ab”. Das ist einfach — natürlich, bei Politik ist die Forderung der Piraten: Es muss Transparenz geben. Es muss transparent sein, wie Entscheidungen getroffen worden sind und so weiter. Wir wollen aber überhaupt keine Entscheidungen treffen. Das Ziel der Piratinnen ist nicht, die Aufgaben der AGs zu übernehmen. Es gibt die AGs und das ist was völlig anderes. Deshalb sage ich auch immer auf die Frage: „Warum bist du denn nicht zu diesen AGs gegangen”: Das ist was anderes, das hat damit nichts zu tun.</p>
<p><em>20’12</em></p>
<p>Unsere Zielsetzung ist erstmal die Piratenpartei für Frauen attraktiver zu machen. Das ist natürlich auch die Zielsetzung der AGs. Nur wir wollen eben auch den Blick nach innen mal wagen. Wir wollen aufmerksam werden, falls es Probleme gibt, dass die nicht einfach an den Piraten vorbeigehen. Dass die nicht unbemerkt ein Problem einfach an sich vorbeiziehen lassen, weil keiner davon überhaupt was mitbekommen hat. Das heißt, es muss irgendeine Anlaufstelle geben, an die ich mich wenden kann, um überhaupt… — die zusammensammelt, wo gibt es denn jetzt überhaupt die Schwierigkeiten zum Beispiel mit der Geschlechtsfrage in der Piratenpartei.</p>
<p><em>20’55</em></p>
<p>Und dafür braucht es natürlich Vertrauenspersonen, von denen ich sicher sein kann, dass tröpfelt jetzt nicht mit meinem Namen und meiner gesamten Geschichte an die Öffentlichkeit, sondern die eine Zusammenfassung liefert: So-und-so viele Personen haben sich an mich gewendet mit in-etwa-solchen Problemen. Das heißt: Natürlich werden die Inahlte oder die Dinge, die bei uns in der Liste besprochen werden und hoffentlich auch später mit anderen Möglichkeiten als über eine Mailingliste, natürlich werden die an die Öffentlichkeit gebracht. Das ist Ziel der Liste. Nur sie werden nicht oder hoffentlich bald nicht mehr, wenn es nicht mehr so leakt, persönlich zitiert oder beim Namen genannt, sondern es geht darum, das zusammenzufassen und das zu sehen.</p>
<p><em>21’38</em></p>
<p>Und da ist es einfach auch ein weiter wichtiger Punkt das Bewusstsein in der Piratenpartei auf dieses Thema ein bisschen zu lenken. Und hier an der Stelle innerhalb der Piratenpartei auf das Bewusstsein einzuwirken, dass das hier sich ein anderes Selbstverständnis einstellt. Weil das ist was, was dringend ist um wirklich attraktiv für Frauen zu sein. Und das ist keine programmastische Arbeit, das sind keine Thesen, das sind keine Forderungen, die wir stellen würden, sondern das ist eigentlich eine selbstkritische Arbeit, eine Arbeit mit sich selbst: Probleme erkennen und zu versuchen, damit umzugehen. Und das ist einfach keine politische Arbeit und deswegen ist auch die Transparenzforderung an dieser Stelle nicht angebracht.</p>
<p><em>22’30</em></p>
<p><b>Georg:</b> Also das heißt vom Prinzip hättest du auch nichts dagegen, wenn sich jetzt Männer in einer Mailingliste zusammenfinden und keine Frauen reinlassen. Das wäre in Ordnung?</p>
<p><b>Lena:</b> Ja. [unverständlich] Solange sie privat gepostet ist, sowieso. Was bin ich da jemand, der das entscheiden kann. Und auch auf dem Piratenwiki hätte ich damit kein Problem, nein.</p>
<p><em>22’48</em></p>
<p><b>Jörg:</b> Und es ist ja auch noch nicht so, als würde sonst zwischen einzelnen Piraten keine private Kommunikation, die die anderen nicht mitkriegen, nicht bestehen. Das ist ja immer der Fall, dass Menschen miteinander über E-Mail und Instant Messaging kommunizieren und es gibt natürlich auch jede Menge informeller Gruppen, die sich zum Bier treffen. Es ist ja auch nicht so als wenn beim Piratenstammtisch ständig alles auf Video aufgenommen würde. Was ja übrigens, ne, auch gerade… — Kann man ja auch sagen: Ist intransparent. Aber genau diese Art von geschützter Umwelt, von einem geschützten Raum ist was, was ständig genutzt wird und was auch extrem wichtig ist.</p>
<p><em>23’34</em></p>
<p><b>Georg:</b> Du hast vorhin noch gemeint, du willst eigentlich die Anrede, glaube ich, nicht ändern. Aber du hattest glaube ich schon andere Vorschläge gemacht, öffentlich, also ob man sich jetzt „Pirat” nennt oder „Piratin”. Wie sieht das genau aus?</p>
<p><em>23’46</em></p>
<p><b>Lena:</b> Also grundsätzlich: Ich bin eingestiegen damals in die Berliner Mailingliste, als es da gerade eine Diskussion sehr heiß am Laufen war zum Thema „Pirat oder Piratin”, und da war so am Ende die Lösung, auf die man sich geeinigt hat: In offiziellen Texten steht nur „Pirat” und jede Frau, die sich als „Piratin” bezeichnen will, die darf das. Deswegen bin ich auch ein bisschen überrascht, warum das auch einmal jetzt nicht mehr satzungskonform sein soll, wenn ich eine Gruppe aufmache, die „Piratinnen” heißt. Ich hatte in dem Moment damit eigentlich gar kein so großes Problem. Die Piratenpartei heißt nunmal Piratenpartei und ich bin wirklich, wirklich gegen das Binnen-„I” und ich hätte es für ganz schrecklich gefunden, daraus die „PiratInnenpartei” zu machen. Und da sie nunmal „Piratenpartei” heißt, fand ich das es an der Stelle sogar legitim ist, zu sagen: „Ok, das sind halt alles Piraten.”</p>
<p><em>24’44</em></p>
<p>Meine Schwierigkeit mit der Sache ist eben zum einen, was ich vorhin erwähnt habe, dass dann frech in der Satzung steht, dass „Pirat” an der Stelle dann geschlechtsneutral sei. Das verkennt einfach das Problem, wenn dieses „geschlechtsneutral” einfach rausgestrichen würde, hätte ich mit diesem Teil der Satzung eigentlich gar nicht das Problem. Das Problem, was ich damit habe, ist das Selbstverständnis, das sich daraus ableitet. Dass sich daraus ableitet, dass Leute versuchen, dieses Wiki zu löschen, weil es nicht satzungskonform sei. Dass…</p>
<p><b>Georg:</b> Entschuldige bitte, eine Webseite meinst du im Wiki oder was genau?</p>
<p><em>25’22</em></p>
<p><b>Lena:</b> Ja, das Wiki, genau, das Piratenwiki [oder „Pirateninnenwiki”, undeutlich], also das Wiki auf der Piratenparteiseite der Piraten. Mit dem Argument, dass es nicht satzungskonform ist, sich als Piratinnen zu bezeichnen. Dass daraus hervorgeht, wir erwähnen die Frauen nie und nirgendwo mit dazu, weil darauf haben wir uns ja geeinigt, das steht ja so in der Satzung und das daraus hervorgeht, wir sind Postfeminismus. Und das sind Sachen, die werden daraus abgeleitet, die ich nicht unterschreibe.</p>
<p><em>25’50</em></p>
<p>Das heißt, ursprünglich mit der Einigung: „Wir nennen uns alle Piraten” hatte ich überhaupt kein Problem, solange mir auch erlaubt wurde, mich selber so zu bezeichnen. Das Problem ist nur, daraus folgten sehr viele Dinge. Zum Beispiel in der Schweiz wurde genau gleiche Art und Weise argumentiert, warum es kein Frauenwahlrecht geben sollte bis 1971, weil im Grundrecht nur die Männer erwähnt wurden, nur die Bürger sind das Volk, das die Demokratie hat. Und genau mit dieser Argumentation wurde Frauenwahlrecht abgelehnt. Und das ist genau das Problem: Dass sich daraus etwas ableitet, womit ich ein großes Problem habe.</p>
<p><em>26’37</em></p>
<p><b>Jörg:</b> Also das heißt die Anrede „Pirat” und dass man in der Presse oder sonstwo in der Öffentlichkeit nur „Piraten” schreibt, das findest du schon in Ordnung. Das kann so bleiben.</p>
<p><em>26’44</em></p>
<p><b>Lena:</b> Mittlerweile bin ich mir da mir nicht mehr so sicher, weil offensichtlich hier ein großes Thema noch ist, und ich nicht glaube, dass alle in der Piratenpartei bei „Pirat” an den geschlechtsneutralen Begriff, also an ein geschlechtsneutrales Wesen, denken. Ich denke zum Beispiel, es — auch auf deine Frage nochmal, wie würde man denn sagen, also, wenn man Postfeminismus wäre, wenn man drüber stünde — dürften ja theoretisch nach der These die Piraten gar kein Problem damit haben, einfach alle als „Piratinnen” zu bezeichnen. Das ist jetzt gar kein Vorschlag, ich möchte das jetzt nicht vorschlagen, ich sage nur, damit haben eine Menge Leute ein Problem. Da gibt es ziemlich viel Widerstand, immer wenn ich das mal so vorschlage. Es dürfte doch eigentlich kein Problem sein, wir sind so viele Männer, es… — ich glaube, keine kommt auf die Idee, wenn überall „Piratinnen” steht, dass da nur Frauen gemeint sind. Dass da natürlich auch eine Menge Männer dabei sind. Und von daher dürfte es eigentlich, wenn man doch so drüber steht, gar kein Problem sein…</p>
<p><em>27’45</em></p>
<p><b>Jörg:</b> Es ist einfach kein Wort im Sprachgebrauch. Im Sprachgebrauch nutzt man, glaube ich, die Endung „-innen”, nur wenn es um Frauen geht.</p>
<p><em>27’52</em></p>
<p><b>Lena:</b> Na, aber es wäre doch auch eine dieser Arten, für die die Piraten sich doch auch einen Namen machen wollen: Wir machen etwas anders. Und die ganze Genderdebatte geht uns auf den Senkel, da haben wir keinen Bock drauf. Ja gut, wenn es sich nicht irgendwie lösen lässt: Na gut, dann machen wir halt das jetzt mal so und ein Jahr lang sagen wir „Piratinnen”, das nächste „Piraten” oder wie auch immer. Das würde zum Charakter der Piraten auch sehr gut passen. Einfach frech sagen: Wir haben kein Bock, da ewig lang drüber zu diskutieren und deswegen machen wir es jetzt halt ganz anders.</p>
<p><em>28’27</em></p>
<p>Ich möchte das jetzt nicht wirklich vorschlagen. Ich sage nur: So würde das für mich aussehen, wenn wir wirklich „postgender” wären. Wenn es wirklich einfach keine Rolle mehr spielen würde. Aber an den Stellen finde ich sieht man sehr deutlich, dass das eben doch eine Rolle spielt.</p>
<p><em>28’42</em></p>
<p>Man sieht das übrigens auch daran, dass ich unglaublich viele neue Twitter-Follower habe. Das heißt nicht unbedingt, dass die mich auch alle unterstützen. Aber das Thema ist interessant. Und das finde ich zeigt schon, dass da wir da einfach noch nicht mit fertig sind. Auch wenn es vielleicht langsam anstrengend wird. Aber wenn wir mal aufhören, die ganze Zeit diese Stereotypen, die wir haben, von — die Person ist jetzt emanzipatorisch unterwegs, das heißt, sie ist eine Männerhasserin und sie fordert das Binnen-„I” und sie fordert Quoten, wenn wir von diesem stereotypen Denken mal runterkommen, dann können wir auch auf eine ganz andere Art diskutieren und alle, mit denen ich bisher geredet habe, bei denen ich es geschafft habe, im persönlichen Gespräch klar zu machen, dass es mir überhaupt nicht darum geht, und dass ich überhaupt keine von diesen „Kampfemanzen” bin, mit denen hat auf einmal eine komplett andere Unterhaltung stattfinden können.</p>
<p><b>Georg:</b> Das klang schon fast wie ein Schlusswort. Willst du noch etwas anfügen? Oder du, Jörg?</p>
<p><em>29’42</em></p>
<p><b>Lena:</b> Ja, eine Sache hätte ich noch. Also, wir sind eine Partei — und jetzt sage ich „wir” — die Piratenpartei, sind eine Partei, die eine sehr große Menge an Männern haben und das hat man eigentlich immer, wenn man eine homogene Masse hat, dass die nicht sich nicht so gut einfühlen kann, das ist einfach Fakt. Wir sind halt alle subjektiv und da kann noch keiner draus aussteigen; dass natürlich Probleme, die alle Mitglieder dieser homogenen Menge nicht haben, schwierig vermittelbar sind. Und dass die Piraten in der Gefahr sind, dadurch dass im Moment noch so wenige Frauen dabei sind — ich hoffe, es werden bald mehr — diese Probleme zu übersehen. Und dass es unglaublich schwierig wird, solche Probleme deutlich zu machen, anzusprechen, zu artikulieren, wenn sie so schnell abgebügelt werden und so schnell gesagt wird: „Das ist kein Thema bei uns.” Und deswegen würde ich sehr daran appellieren, dass ein bisschen größeres Verständnis dafür entsteht, dass es durchaus Probleme geben kann, die ich überhaupt nicht auf dem Schirm habe, von denen ich mir gar nicht vorstellen kann, dass sie überhaupt existieren, und sie sind trotzdem da und sie sind trotzdem existent und sie sollten die Piraten trotzdem interessieren.</p>
<p><em>31’05</em></p>
<p><b>Jörg:</b> Da möchte ich nochmal ganz kurz nachfragen: So ein Beispiel für ein Problem, das die meisten Piraten eben nicht auf dem Schirm haben. Und was vielleicht ganz viele Frauen oder potentielle Piratinnen haben.</p>
<p><em>31’15</em></p>
<p><b>Lena:</b> Das fängt an bei Sprüchen, irgendwelche dummen Sprüche, irgendwelche Kommentare, Anmachen. Das kommt alles vor. Darauf hinzuweisen wird dann mit Gegröhle nochmal kommentiert. Und darüber hinaus gibt es auch sehr gern so (seufzt) — das ist eigentlich ist das lieb gemeint und eigentlich ist das auch sehr süß — nur es ist ein bisschen so herablassend, so von oben herab: „Ja, ne, Kleine, Süße, und du siehst ja auch super aus und ich find’s ja auch ganz toll, dass du da bist, aber damals als ich auf meinem C64 schon am Computer saß, da hast du ja noch gar nichts damit zu tun gehabt.” Und ich sag: „Ja, ich bin vielleicht gleich alt, aber du hattest da einen privilegierten Lebenslauf. Du hattest Zugang zu solchen Geräten. Ich hatte so einen Zugang nicht.”</p>
<p><em>32’08</em></p>
<p>Und das ist natürlich — keine Ahnung, ich weiß es nicht, ob ich die Möglichkeit gehabt hätte, wenn ich mich mit Händen und Füßen gewehrt hätte, irgendwie an so ein Gerät ranzukommen. Aber mir hat das überhaupt niemand vorgeschlagen oder mir die Idee unterbreitet, du könntest dich mit Computern beschäftigen. Die meisten der Frauen, die ich kenne, haben mit 16, 17, ihren ersten Rechner gehabt. Also, ich war mit 16 ein Unikum, dass ich meinen eigenen Rechner hatte. Und das sich klar zu machen, dass es keine Überlegenheit — also, natürlich ist eine Überlegenheit — aber dass es nichts ist, auf was man stolz sein sollte, und was man den Leuten noch unter die Nase reiben sollte, sondern wo klar ist, dass das ein Privileg für dich ist; sei mal froh darum und bedenke das, wenn du das das nächste Mal zu mir sagst: „Ja, du hattest das ja nicht.”</p>
<p><em>32’57</em></p>
<p><b>Jörg:</b> Ich kann dazu noch was Allgemeineres zu sagen. Und zwar: Die Piraten leben ja nicht einem Vakuum. Sie tun ja immer gerne so, sie schneiden sich da irgendwie ihr kleines Politikfeld raus und sagen irgendwie: Wir wollen irgendwie anderes Urheberrecht und so ein bisschen gegen Überwachung, aber keiner kann in einem politischen Vakuum existieren. Es ist ja so: Trotzdem sind wir alle Teil der selben Gesellschaft und es ist nunmal kein Geheimnis, dass in Deutschland Frauen für die gleiche Arbeit weniger verdienen als Männer, dass Frauen allgemein… — Das liegt nicht nur daran, dass sie sozusagen schlechter bezahlte Jobs haben, sondern dass Frauen in technischen Berufen unterrepräsentiert sind und so weiter und so weiter. Das ist ja jetzt nichts Neues.</p>
<p><em>33’36</em></p>
<p>Und genau das gleiche passiert natürlich in der Piratenpartei auch. Das heißt: Alle gesellschaftlichen politischen Probeme, die draußen in der Gesellschaft sind, die treten in der Piratenpartei auch wieder auf, da sie ja Teil dieser Gesellschaft sind. Und das ist, glaube ich, die große Herausforderung für die Piraten, auch sich dem zu stellen und auch das wird nicht nur das erste Poltikfeld sein, sondern in anderen wird sich das auch entwickeln, dass die Piraten sich mit sich selbst und mit ihrer eigenen wie sie selbst funktionieren und wie sie Teil der Gesellschaft sind, das noch ein bisschen besser reflektieren lernen.</p>
<p><em>34’12</em></p>
<p><b>Georg:</b> Ok, ich bedanke mich sehr bei euch beiden und ich wünsche mir auch, dass die Diskussion vielleicht ein bisschen mehr an Ruhe gewinnt und an Konstruktivität. Ok, danke.</p>
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