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Der Nahverkehrs-​Adventskalender (22): Karlsruhe, Karl-​Friedrich-​Straße, 2010

Karl-Friedrich-Straße in Richtung Marktplatz

Karl-​Friedrich-​Straße in Rich­tung Marktplatz

Nach­dem Karls­ruhe ja schon die eine oder andere Erwäh­nung in die­sem Advents­ka­len­der hatte, stammt das heu­tige Foto selbst von dort. Wir befin­den uns in der Innen­stadt und bli­cken die Karl-​Friedrich-​Straße ent­lang in Rich­tung Markt­platz. Vorne links fährt eine Stra­ßen­bahn der Linie 5 am Ron­dell­platz gerade um den Obe­lis­ken herum. Im Hin­ter­grund ist ein Zug der S-​Bahnlinie S1 in die zu sehen, der gleich die Hal­te­stelle Markt­platz erreicht. Noch dahin­ter befin­det sich das Schloss, von dem aus­ge­hend sich der bekannte Stra­ßen­fä­cher der Karls­ru­her Innen­stadt aufspannt.

Karls­ruhe ist welt­wei­ter Vor­rei­ter für einen eng ver­knüpf­ten inner– und über­ört­li­chen Nah­ver­kehr. Seit Anfang der 1990er Jahre wurde suk­zes­sive eine große Anzahl von Regio­nal­stre­cken, seit­her auch hier „Stadt­bahn” genannt und mit dem S-Bahn-„S” abge­kürzt, direkt mit dem inner­städ­ti­schen Stra­ßen­bahn­netz ver­knüpft. Welt­weit erst­mals wur­den dazu Fahr­zeuge ein­ge­setzt, die sowohl als Eisen­bahn– als auch als Stra­ßen­bahn­fahr­zeuge ver­keh­ren kön­nen und unter ande­rem auch mit den unter­schied­li­chen Strom­sys­te­men bei­der Netze klar­kom­men. Das Sys­tem hatte einen immen­sen Erfolg und die Attrak­ti­vi­tät des Nah­ver­kehrs in der gesam­ten Region Karls­ruhe nach­hal­tig gestei­gert. Mitt­ler­weile berüh­ren die Außen­äste des Karls­ru­her Net­zes die Netze der Rhein-​Neckar-​Region, Stutt­garts und sogar Freiburgs.

Der Erfolg des Karls­ru­her Sys­tems hat auch dazu geführt, dass der Ver­kehr im Kern­be­reich des „klas­si­schen” Stra­ßen­bahn­net­zes enorm ange­stie­gen ist. Vor allem die zen­trale Achse längs der Kai­ser­straße lei­det unter enor­mem Ver­kehrs­auf­kom­men, sodass hier mitt­ler­weile der kri­ti­sche Punkt für eine wei­tere Ange­bots­stei­ge­rung liegt. Karls­ruhe des­halb seit die­sem Jahr an einer umfas­sen­den Umge­stal­tung des Innen­stadt­net­zes: In den nächs­ten zehn Jah­ren wird unter der Kai­ser­straße ein Stra­ßen­bahn­tun­nel ent­ste­hen, der durch ober­ir­di­sche Stre­cken und eine völ­lig neue Stre­cke auf der par­al­lel ver­lau­fen­den Kriegs­straße ergänzt wird. Im End­aus­bau­zu­stand wird dann der zen­trale Teil der Kai­ser­straße und die mitt­lere Ver­bin­dung vom Markt­platz zum Haupt­bahn­hof aus­schließ­lich unter­ir­disch erschlossen.

Und das ist der Grund, warum das heu­tige Foto in eini­gen Jah­ren mehr­fach his­to­risch sein wird: Zum einen wer­den die alten hoch­flu­ri­gen Stra­ßen­bahn­fahr­zeuge irgend­wann in den nächs­ten Jah­ren auch auf der Linie 5 in den Ruhe­stand geschickt wer­den, wobei das letzte ver­blie­bene Pro­blem der Radius der Wen­de­schleife am östli­chen End­punkt Rin­theim und der Gleis­ab­stand auf den letz­ten weni­gen hun­dert Metern dort­hin ist. Zum ande­ren wird es aber schlicht an die­ser Stelle so gegen 2019 keine Gleise mehr geben, weil die ent­spre­chende Stre­cke dann unter­ir­disch ver­läuft. Bis es soweit ist wird man aber wei­ter­hin im Stop-​and-​Go-​Verkehr über die Kai­ser­straße und den Markt­platz gon­deln können.

Der Nahverkehrs-​Adventskalender (21): Zürich, Central, 2004

Zürich Central, im Hintergrund der Hauptbahnhof

Zürich Cen­tral, im Hin­ter­grund der Hauptbahnhof

Zum heu­ti­gen Bild schreibe ich nicht viel: Zürich gilt seit lan­gem als einer der Vor­rei­ter welt­weit für einen leis­tungs­fä­hi­gen attrak­ti­ven Stra­ßen­bahn­ver­kehr und die­ses Bild zeigt, warum: Zu vor­ge­rück­ter Stunde bli­cken wir auf eine der Haupt­ach­sen des Zür­cher Stra­ßen­bahn­net­zes. Im Vor­der­grund liegt der „Cen­tral”, ein Ver­kehrs­kno­ten mit vier zulau­fen­den Stra­ßen­bah­näs­ten, die hier sechs ver­schie­dene Hal­te­stel­len­be­rei­che haben. In der Achse des Bil­des führt die Stre­cke über die Bahn­hof­brü­cke zum Haupt­bahn­hof, wo sich wei­tere Linien ver­zwei­gen. Alle Stre­cken sind unter­ein­an­der ver­knüpft und allein auf die­sem Foto kann man ein hal­bes Dut­zend Stra­ßen­bahn­fahr­zeuge sehen, die in und aus allen mög­li­chen Rich­tun­gen fah­ren und kom­men — und das um 22:45 Uhr abends.

Zürich hat seit den 1970er Jah­ren sein inner­städ­ti­sches Stra­ßen­bahn­netz sys­te­ma­tisch aus­ge­baut und beschleu­nigt. Damit wurde es zum Vor­bild für viele Netze, die in den 1990er– und 2000er-​Jahren in Deutsch­land moder­ni­siert wur­den. Mitt­ler­weile wer­den anders­herum in Zürich Ergän­zun­gen am Netz wie die Glat­tal­bahn vor­ge­nom­men, die weit in das Umland hin­ein­rei­chen und sich damit ihrer­seits wie­derum an Ent­wick­lun­gen wie zum Bei­spiel in Karls­ruhe orientieren.

Zürich ist — wie eigent­lich die ganze Schweiz — immer eine Reise wert. Für jeman­den, der sich für Stra­ßen­bah­nen und öffent­li­chen Ver­kehr all­ge­mein inter­es­siert aber umso mehr. Wer die­sen Advents­ka­len­der ver­folgt, der wird ahnen, warum ich an Zürich immer beson­ders gern zurück­denke. ;-)

Der Nahverkehrs-​Adventskalender (20): Dortmund, Unionstraße, 2010

Stadtbahnstation Unionstraße

Stadt­bahn­sta­tion Unionstraße

Unser heu­ti­ges Bild stammt mal wie­der aus dem Ruhr­ge­biet. Die Sta­tion „Uni­on­s­traße” in Dort­mund liegt am west­li­chen Ende des Ost-​West-​Stadtbahntunnels. Diese dritte unter­ir­di­sche Que­rung der Dort­mun­der Innen­stadt ist die jüngste unter­ir­di­sche Stre­cke, erst seit April 2008 ist sie in Betrieb. Wie viele aktu­elle unter­ir­di­sche Bahn­sta­tion ist auch Uni­on­s­traße in einem mög­lichst schlich­ten Design gehal­ten: Mit­tel­bahn­steig mit Zugän­gen an bei­den Sei­ten, keine ver­win­kel­ten Ecken, säu­len­frei und bar­rie­re­frei per Fahr­stuhl erreich­bar. Die Wände sind mit Moti­ven aus der Dort­mun­der Indus­trie­ge­schichte gestal­tet, es gibt Farb­ak­zente, ins­be­son­dere die indi­rekte violett-​farbige Beleuch­tung. Die gewölb­ten Wände erin­nern daran, dass die Ost-​West-​Querung in wei­ten Tei­len gebohrt wurde und des­halb keine Bau­gru­ben nötig waren. Rechts wird eine Stadt­bahn zur West­fa­len­hütte ange­kün­digt, links dau­ert es noch zwei Minu­ten, bis die nächste Bahn Rich­tung Dorst­feld einfährt.

Dort­mund gehört eben­falls zu den Städ­ten, die in den 1970er-​Jahren began­nen, die Stra­ßen­bahn schritt­weise auf eine Stadt­bahn mit unter­ir­di­schen Abschnit­ten und eige­nen Gleis­ab­schnit­ten umzu­stel­len. Die Ost-​West-​Strecke ist die ein­zige Stre­cke in Dort­mund, die nicht auf Hochflur-​, son­dern auf etwa 40 cm hohe „Mit­tel­flur­fahr­zeuge” umge­rüs­tet wurde. Dem­ent­spre­chend sind die unter­ir­di­schen Bahn­steige hier nied­ri­ger als bei den ande­ren Linien und das Netz ist durch diese Ent­schei­dung fak­tisch in zwei Teil­netze auf­ge­teilt. Ins­be­son­dere ermög­licht diese Maß­nahme auch, im Tun­nel wei­ter­hin mit den alten Stra­ßen­bahn­fahr­zeu­gen zu fah­ren, wie dies bei den übri­gen Linien frü­her auch teil­weise gesche­hen ist. Anders als dort gibt es hier aber keine höhen­ge­teil­ten Bahn­steige, alle Bau­werke sind durch­gän­gig mit der nied­ri­ge­ren Ein­steigs­höhe versehen.

Mit der Eröff­nung der Ost-​West-​Strecke wurde in Dort­mund die Umstel­lung des Stra­ßen­bahn­net­zes auf Stadt­bahn­stan­dard abge­schlos­sen. Anders als zum Bei­spiel in Essen gibt es dabei keine bau­li­chen Pro­vi­so­rien im zen­tra­len Tun­nel­netz. Ande­rer­seits konnte aber auch nicht wie zum Bei­spiel in Stutt­gart eine Umrüs­tung auf einen ein­heit­li­chen Stan­dard erreicht wer­den. Trotz­dem prä­sen­tiert sich das Dort­mun­der Netz gerade im Ver­gleich zu ande­ren Ruhr­ge­biets­städ­ten als homo­gen im Aus­bau­stan­dard und rela­tiv kon­se­quent in der Umset­zung der ursprüng­li­chen Stadt­bahn­pläne.

Schnee und Eis bei der Deutschen Bahn — Heute: S-​Bahn Hannover

Bei mei­ner sonn­täg­li­chen Foto­sa­fari durch das tief ver­schneite Han­no­ver bin ich auch am Bahn­hof Linden/​Fischerhof gelan­det. Dort sah die ein­fah­rende S-​Bahn aus Hameln so aus:

S-Bahnzug bei der Einfahrt nach Hannover-Linden

S-​Bahnzug bei der Ein­fahrt nach Hannover-​Linden

Mein ers­ter Gedanke: Neue Lackie­rung? Eigent­lich haben die Nah­ver­kehrs­züge doch keine weiße Schürze auf der Front­seite. Nun, man kann es sich den­ken: Das war keine Lackie­rung, das war natür­lich auch Schnee. Und Eis. Viel Eis. Man beachte, dass selbst auf der Vor­der­scheibe nur der für die Sicht des Fah­rers nach vorne nötige Bereich frei ist, der Rest ist unter Eis ver­bor­gen. Am ande­ren Ende sieht das dann so aus:

Rückansicht S-Bahnzug Hannover in Linden

Rück­an­sicht S-​Bahnzug Han­no­ver in Linden

Ich muss geste­hen, ich war schon etwas irri­tiert, als ich das gese­hen habe. Sol­che Bil­der von Eisen­bahn­fahr­zeu­gen kannte ich bis jetzt nur von alten Bil­dern vom Russ­land­feld­zug und sei­nem Schei­tern. Bloß dass dort sei­ner­zeit –40°C waren — und nicht –5°C wie heute in Han­no­ver. Pas­send zu die­sem etwas — nunja — unge­pfleg­ten Ein­druck war, dass der Bahn­steig auf kom­plet­ter Länge nicht geräumt war und alle, aber auch wirk­lich alle S-​Bahnen kon­se­quent fünf Minu­ten Ver­spä­tung hatten.

Lang­sam weiß ich nicht mehr, ob nun die gemein­same Erin­ne­rung in Deutsch­land an die „Bahn, die mit dem Wet­ter nie ein Pro­blem hat” durch eine rosa­rote Brille schön­ge­färbt ist oder ob der Betrieb in den letz­ten 30 Jah­ren wirk­lich so enorm nach­ge­las­sen hat.

Der Nahverkehrs-​Adventskalender (19): Berlin, Gesundbrunnen, 1994 – 2006

So lang­sam nähert sich die Advents­zeit ihrem Ende. Am heu­ti­gen vier­ten Advent gibt es noch­mal ein Spe­cial in mei­nem Bil­der­ka­len­der: Es geht nach Ber­lin und auf Zeit­reise am Bahn­hof Gesund­brun­nen.

Der Bahn­hof Gesund­brun­nen liegt im gleich­na­mi­gen Bezirk zwi­schen Wed­ding und Prenz­lauer Berg an der Schnitt­stelle der Bahn­stre­cken ins nörd­li­che Ber­li­ner Umland und der Ring­bahn. Die Zusam­men­fas­sung der Stre­cken an die­ser Stelle fand bereits Ende des 19. Jahr­hun­derts statt, durch die grenz­nahe Lage und den Nie­der­gang der S-​Bahn in West-​Berlin war der Bahn­hof Anfang der 1990er Jahre aber äußerst reduziert.

Bahnhof Berlin Gesundbrunnen, März 1995

Bahn­hof Ber­lin Gesund­brun­nen, März 1995

Auf dem Foto aus dem Jahr 1995 sieht man den Bahn­steig­be­reich des „alten” Gesundbrunnen-​Bahnhofes. Er besteht zu die­sem Zeit­punkt nur noch aus einem ein­zi­gen S-​Bahnsteig längs der Nord-​Süd-​S-​Bahn. Sowohl der Bahn­steig als auch der Trep­pen­auf­gang in typi­scher Ber­li­ner „Gewächs­haus­ar­chi­tek­tur” sind noch weit­ge­hend Ori­gi­nal­bau­sub­stanz. Auf der Brach­flä­che im Bild­vor­der­grund befan­den sich die bei­den übri­gen Bahn­steige des Bahn­ho­fes, und zwar direkt neben dem S-​Bahnsteig ein Fern­bahn­steig zum Stet­ti­ner Bahn­hof — die Bahn­gleise lagen par­al­lel zur S-​Bahn Rich­tung Hum­boldthain — und dann der S-​Bahnsteig an der Ring­bahn. Dane­ben lagen dann noch die Fern– bzw. Güter­bahn­gleise längs der Ringbahn.

Die Bahn­stei­grei­hen­folge erklärt sich aus der Ent­ste­hungs­ge­schichte des Bahn­ho­fes: Zunächst lag hier nur die Ring­bahn, die Gleise der Stet­ti­ner Bahn wur­den erst spä­ter hier­hin ver­legt, ursprüng­lich ver­lie­fen sie längs der Grün­ta­ler Straße. Bei die­ser Umver­le­gung blie­ben die Gleise der Ring­bahn an Ort und Stelle, sodass der Umstei­ge­ver­kehr zwi­schen den S-​Bahnstrecken immer über die Dis­tanz zweier Bahn­steige erfol­gen musste. Das zeigt, dass man schon vor 100 Jah­ren im Zwei­fels­fall Bahn­bau­ten eher güns­tig als fahr­gast­freund­lich realisierte.

Der Stet­ti­ner Fern­bahn­hof wurde bereits kurz nach 1950 still­ge­legt, die Fern­bahn am Ring wohl im Wesent­li­chen zum Mau­er­bau 1961. Die Ring-​S-​Bahn wurde noch bis 1980 betrie­ben, aller­dings endete sie seit 1961 aus Wes­ten kom­mend hier. Ab 1980 war dann der hier zu sehende S-​Bahnsteig der letzte betrie­bene Teil des Bahn­ho­fes. Als ich im März 1989 zum ers­ten Mal in Ber­lin war, exis­tierte der alte Ring-​S-​Bahnsteig noch, war aber nicht mehr zugänglich.

Im Bild­hin­ter­grund ist die alte Bebau­ung des Are­als unmit­tel­bar nörd­lich des Bahn­ho­fes zu sehen. Hier befan­den sich vor allem Klein­be­triebe und Klein­gär­ten. Auch der (ein­zige) Bahn­hofs­aus­gang endete dort und nicht wie heute an der Bad­straße, sodass das Umstei­gen zwi­schen S– und U-​Bahn eben­falls mit rela­tiv wei­ten Wegen ver­bun­den war. Der unter­ir­di­sche Ver­bin­dungs­gang war zu dem Zeit­punkt schon lange wegen Bau­fäl­lig­keit gesperrt.

Bahnhof Berlin Gesundbrunnen, November 2001

Bahn­hof Ber­lin Gesund­brun­nen, Novem­ber 2001

Zeit­wech­sel. Die­ses Foto ent­stand etwa an der­sel­ben Stelle sechs­ein­halb Jahre Spä­ter. Im Hin­ter­grund steht mitt­ler­weile das Ein­kaufs­zen­trum „Gesundbrunnen-​Center”. Direkt davor befin­den sich die bei­den neuen S-​Bahnsteige, an denen Ring– und Vorort-​S-​Bahn künf­tig gemein­sam im Rich­tungs­be­trieb hal­ten wer­den. Und im Vor­der­grund des Bil­des sind die Roh­bau­ten der neuen Fern­bahn­an­la­gen zu sehen.

2001 war einer der letz­ten Zeit­punkte, die­sen Bereich noch­mal aus die­ser Per­spek­tive zu foto­gra­fie­ren. Heute geht der Bahn­hofs­be­reich direkt in die Bad­stra­ßen­brü­cke über, sodass man hier heute nicht mehr am Brü­cken­ge­län­der, son­dern mit­ten auf dem Bahn­hofs­vor­platz steht. Wobei die­ser „Vor­platz” auch gleich der Bahn­hof ist, weil man aus ver­schie­de­nen Grün­den auf die Errich­tung eines Emp­fangs­ge­bäu­des ver­zich­tet hat. So ent­steht die para­doxe Situa­tion, dass die ein­zi­gen wet­ter­ge­schütz­ten Mög­lich­kei­ten zum Bahn­steig­wech­sel ent­we­der der unter­ir­di­sche Ver­bin­dungs­gang oder die Gale­rie im hin­te­ren Bild­be­reich ist: Dort wurde auch ein neuer Zugang aus Rich­tung Osten für den Bahn­hof angelegt.

Nordring nach Wedding von der Badstraße aus gesehen, 1994

Nord­ring nach Wed­ding von der Bad­straße aus gese­hen, 1994

Wir wech­seln jetzt auf die andere Seite der Bad­stra­ßen­brü­cke und dabei gleich­zei­tig zurück in das Jahr 1994. Wir sehen die west­li­che Bahn­hofs­ein­fahrt nach Gesund­brun­nen. Links im Bild ist der bewal­dete Hang des Hum­boldthains zu sehen. Dane­ben führt ein wohl nicht mehr betrie­be­nes Güter­gleis in Rich­tung des alten Stet­ti­ner Fern­bahn­ho­fes, von dem heute nur noch der unter­ir­di­sche S-​Bahnteil als „Nord­bahn­hof” in Betrieb ist.

Das Gleis führt vor­bei an einem mar­kan­ten Zie­gel­stein­bau im Bild­hin­ter­grund. Dies ist das erste „Unter­werk” für die elek­trisch betrie­bene Ber­li­ner S-​Bahn gewe­sen und inso­fern von einer gewis­sen bau­his­to­ri­schen Bedeu­tung. Des­halb fin­det man es auch noch bis heute an genau die­ser Stelle.

Neben dem ver­mu­te­ten Güter­gleis, von dem meh­rere blinde Wei­chen abge­hen, führt schnur­ge­rade ein wei­te­res Gleis durchs Bild. Und nicht nur das: Es ist sogar augen­schein­lich noch betrie­ben, jeden­falls sind die Pro­file nicht ange­ros­tet. Die­ses Gleis liegt auf der Fern­bahn­trasse der Ring­bahn und es führte in der Tat noch bis 1994 über den Nord­ring zum his­to­ri­schen „Nord­bahn­hof”, dem ursprüng­li­chen End­bahn­hof der Stre­cke nach Stral­sund vom Ende des 19. Jahr­hun­derts, des­sen Gelände zwi­schen Graun– und Schwed­ter Straße bis zur Ber­nauer Straße reichte. Zu Zei­ten der Tei­lung Ber­lins fuh­ren hier regel­mä­ßig Züge der fran­zö­si­schen Besat­zungs­macht gen Wes­ten. 1994 war ich zum ers­ten Mal in Sachen „Bahn” in Ber­lin unter­wegs und ich kann mich erin­nern, dass sowohl ich als auch die bei­den Kom­mi­li­to­nen, mit denen ich unter­wegs war, sehr erstaunt über die Exis­tenz die­ses Glei­ses waren. Auf dem 1995er-​Foto vom Anfang die­ses Arti­kels ist das Gleis bereits verschwunden.

Im Bild­hin­ter­grund kann man noch die alten Brü­cken sehen, mit denen die Ring­bahn die Tras­sen zum Stet­ti­ner Bahn­hof über­querte. Auf den bei­den rech­ten Brü­cken lagen frü­her die S-​Bahngleise längs des Rin­ges. Diese sind 1994 bereits voll­stän­dig abge­baut und es wird noch fast ein Jahr­zehnt ver­ge­hen, bis auf die­ser Rela­tion wie­der Züge fahren.

Rechts außen im Bild sieht man die S-​Bahn Rich­tung Hum­boldthain und Nord­bahn­hof. Links dane­ben, von der Böschung der Ring­bahn etwas ver­deckt, kann man auch noch die Fern­bahn­trasse zum Stet­ti­ner Bahn­hof erah­nen, die aber zum Zeit­punkt die­ser Auf­nahme bereits seit lan­ger Zeit nicht mehr genutzt wird und gleis­los ist.

1994 war das Pilz­kon­zept zur Ent­wick­lung der Ber­li­ner Eisen­bahn­an­la­gen bereits seit zwei Jah­ren beschlos­sen und die neue Rolle des Bahn­ho­fes Gesund­brun­nen somit fest­ge­legt. Die Bau­tä­tig­keit auf dem Bahn­hofs­ge­lände setzte aber erst gegen 1997 wirk­lich ein. Inso­fern zeigt die­ses Bild zwar einen hoch­gra­dig his­to­ri­schen Zustand, der letzt­lich aber nur eine Überg­angs­si­tua­tion war.

Nordring nach Wedding von der Badstraße aus gesehen, 2006

Nord­ring nach Wed­ding von der Bad­straße aus gese­hen, 2006

Zwölf Jahre spä­ter. Am 27. Mai 2006 geht der neue Bahn­hof Gesund­brun­nen in Betrieb und die­ses Bild zeigt, wie die­selbe Stelle zu jenem Zeit­punkt aus­sah. Der Bahn­hof hat wie­der einen umfang­rei­chen Fern­bahn­be­reich, der aller­dings im Wes­ten nur noch auf die Ring­bahn führt. Der Stet­ti­ner bzw. Nord­bahn­hof wurde nicht wie­der auf­ge­baut, statt­des­sen gibt es jetzt einige hun­dert Meter wei­ter west­lich eine Zufahrt in den eben­falls an die­sem Tag eröff­ne­ten Tier­gar­ten­tun­nel für die unter­ir­di­sche Nord-​Süd-​Fernbahntrasse. Das Gleis links des Regio­nal­zu­ges dürfte etwa an der­sel­ben Stelle wie das „Fran­zo­sen­gleis” auf dem Foto von 1994 lie­gen. Im Hin­ter­grund sieht man auch immer noch den alten Brademann’schen Umspann­werk­bau, mitt­ler­weile viel­fach mit Graf­fiti versehen.

Die Über­wer­fung zwi­schen Ring– und Nord-​Süd-​S-​Bahn ist nicht mehr mit­tels einer Brü­cke gelöst. Statt­des­sen lau­fen die S-​Bahngleise jetzt in zwei ein­zel­nen Tun­neln unter dem Rest des Gleis­fel­des her. Die Gleise der Ring-​S-​Bahn wer­den im neuen Bahn­hof zwi­schen den Glei­sen der Nord-​Süd-​S-​Bahn geführt, was die Umstei­ge­si­tua­tion gegen­über dem his­to­ri­schen Bau­werk erheb­lich verbessert.

Gesund­brun­nen ist heute wie­der ein wich­ti­ger Fern­bahn­hof im Ber­li­ner Stadt­ge­biet. Sämt­li­che Züge nach Nor­den hal­ten hier als letz­tem Bahn­hof vor bzw. ers­tem Bahn­hof nach dem Haupt­bahn­hof. Im Wes­ten sind die Zulauf­stre­cken längs des Rin­ges und zum Haupt­bahn­hof seit der Eröff­nung fer­tig, auf der ande­ren Seite klaf­fen aber auch heute noch Lücken ver­glei­chen mit dem geplan­ten End­zu­stand. So ist bis heute die Direkt­ver­bin­dung zwi­schen Born­hol­mer Straße und Bir­ken­wer­der („Nord­bahn”) nicht wie­der auf­ge­baut, sodass die Fern­züge nach Ros­tock den Umweg über Karo­wer Kreuz und Außen­ring neh­men müs­sen. Auch im Bereich des Ost­kreu­zes gibt es noch Lücken, die im Rah­men des Neu­baus des dor­ti­gen Bahn­ho­fes (mit dem man wohl inhalt­lich allein einen Advents­ka­len­der bestrei­ten könnte…) geschlos­sen wer­den. Ins­ge­samt wirkt der Bahn­hof Gesund­brun­nen gerade im Fern­bahn­be­reich an eini­gen Stel­len etwas über­di­men­sio­niert. Anders herum heißt das aber auch, dass für eine Ver­kehrs­zu­nahme noch genü­gend Luft nach oben ist. Und das ist für einen gerade vier Jahre alten Neu­bau ja nie ganz verkehrt.

Der Nahverkehrs-​Adventskalender (18): Stuttgart, Eugensplatz, 1996

Linie 15 am Eugensplatz

Linie 15 am Eugensplatz

Heute geht es nach Stutt­gart. Ich bin ja bereits auf S21 ange­spro­chen wor­den, aber im Rah­men die­ses Advents­ka­len­ders werde ich dazu nichts schrei­ben. Statt­des­sen blen­den wir zurück in das Jahr 1996. Das Bild ist an einem der steils­ten Abschnitte des Stutt­gar­ter Stra­ßen– und Stadt­bahn­net­zes auf­ge­nom­men wor­den. Rechts im Bild unter­bricht der Eugens­platz den steil anstei­gen­den Stra­ßen­zug der Alex­an­der– und Hauß­mann­straße. Die Stra­ßen­bahn auf dem Bild ist aus der Innen­stadt kom­mend unter­wegs zur Ruh­bank und wei­ter durch Sil­len­buch zum End­punkt Heu­ma­den. Die Stra­ßen­bahn­trasse liegt mit­ten in der Straße und ist bau­lich nicht von den Auto-​Fahrspuren getrennt. Bei den Fahr­zeu­gen han­delt es sich um „klas­si­sche” Meterspur-​Straßenbahnfahrzeuge, die in Stutt­gart zu die­sem Zeit­punkt stets als Dop­pel­t­rak­tion aus zwei Trieb­wa­gen fuhren.

Ich schreibe „fuh­ren”, weil diese Fahr­zeuge — abge­se­hen von einem Muse­ums­be­trieb — in Stutt­gart mitt­ler­weile Geschichte sind. Ähnlich wie viele andere Städte hat auch Stutt­gart in den 1960er-​Jahren den Grund­satz­be­schluss gefasst, das bis­he­rige Stra­ßen­bahn­netz durch eine Stadt­bahn mit hohem Anteil an eige­nen Gleis­kör­pern und län­ge­ren nive­auf­reien Abschnit­ten (Tun­neln) zu erset­zen. Ähnlich wie zum Bei­spiel im Ruhr­ge­biet gab es auch hier den Plan, zudem die ver­wen­dete Spur­weite von der bis­he­ri­gen Meter­spur (1000mm) auf Nor­mal­spur (1435mm) umzu­stel­len. Aber anders als zum Bei­spiel in Essen hat Stutt­gart die­ses Vor­ha­ben zwi­schen 1983 und 2011 kom­plett umge­setzt. Meter­spur­ver­kehr gibt es schon seit 2007 nur noch museal.

1996 war man davon aber noch weit ent­fernt. Die Linie 15 auf dem Foto war eine von drei noch ver­blie­be­nen Stra­ßen­bahn­li­nien zu die­sem Zeit­punkt. Sie war dann auch die letzte, die auf Stadt­bahn­be­trieb umge­stellt wurde. 1999 wurde der Teil hin­ter Ruh­bank in das Stadt­bahn­netz inte­griert und die Stra­ßen­bahn dort­hin zurück­ge­zo­gen. Lange Zeit war der Plan, sie im Abschnitt zwi­schen Olga­eck und Ruh­bank völ­lig abzu­schaf­fen und durch eine Bus­li­nie zu erset­zen. Das hohe Ver­kehrs­auf­kom­men — allein fünf Schu­len lie­gen an die­sem Abschnitt der Stre­cke — ließ die Pla­ner aber immer wie­der zögern. Letzt­lich konnte auch in diese Straße eine Stadtbahn-​Normalspurtrasse ein­ge­baut wer­den und somit der schie­nen­ge­bun­dene Nah­ver­kehr erhal­ten blei­ben. Davon war 1996 aber noch keine Rede.

Direkt unter der Stelle, an der die Stra­ßen­bahn auf dem Bild gerade fährt, ver­läuft übri­gens die Trasse des geplan­ten Fil­der­tun­nels, der den neuen Stutt­gar­ter Haupt­bahn­hof nach Süd­os­ten an die Neu­bau­stre­cke nach Ulm und den Flug­ha­fen anbin­det. Und so ist selbst die­ses 14 Jahre alte Stra­ßen­bahn­foto nicht frei vom Thema S21.

Die Pünktlichkeit der Bahn am aktuellen Beispiel

Vor lan­ger Zeit hatte ich schon­mal was zur Pünkt­lich­keit der Bahn geschrie­ben. Heute ist es mal wie­der soweit. Wir sehen: Die Abfahrt­s­ta­fel des Haupt­bahn­ho­fes Han­no­ver heute abend:

Abfahrtstafel in Hannover am 2010-12-17

Abfahrt­s­ta­fel in Han­no­ver am 2010-​12-​17

Wir sehen: Es ist eigent­lich gar nichts pünkt­lich. Unter 30 Minu­ten Ver­spä­tung macht es der Fern­ver­kehr mit kei­nem ein­zi­gen Zug. Fast die ganze linke Seite der Tafel ist von Zügen belegt, die eigent­lich schon längst weg sein soll­ten. IC2377 ganz oben ist gleich mal „unbe­stimmt ver­spä­tet” (zum Zeit­punkt der Auf­nahme war seine Abfahrt 74 Minu­ten her), ICE 786 nach Ham­burg kommt eine Stunde spä­ter. ICE 1185 nach Mün­chen ist zwar nur 40 Minu­ten ver­spä­tet, ver­kehrt aber heute nur mit einem Zug­teil und ist des­halb „stark über­be­legt”. Die Hin­weis­ta­fel schlägt gleich eine „Ersatz­fahr­mög­lich­keit” vor. Eine erheb­li­che Zug­an­zahl ver­kehrt in „umge­kehr­ter Wagen­rei­hung”, was auf grö­ße­res Chaos in der Betriebs­füh­rung schlie­ßen lässt — sei es wegen ein­ge­fro­re­ner Wei­chen oder wegen defek­ter Triebköpfe.

Was bin ich froh, dass ich momen­tan nicht Bahn fah­ren muss…

Der Nahverkehrs-​Adventskalender (17): Köln, Ebertplatz, 2006

U-Bahnstation Ebertplatz, westlicher Bahnsteig

U-​Bahnstation Ebert­platz, west­li­cher Bahnsteig

Das heu­tige Foto kommt aus Köln. Es zeigt die unter­ir­di­sche Sta­tion Ebert­platz im Mai 2006. Wir sehen den west­li­chen Bahn­steig vom nörd­li­chen Ende aus. Links ist das Gleis in Rich­tung Haupt­bahn­hof zu sehen, rechts das Gleis zur Stre­cke „über die Ringe”. Dort steht ein Stadt­bahn­wa­gen der Serie K5000 zur Abfahrt Rich­tung Ubier­ring über die Ringe.

Es gibt eine ganze Reihe Dinge, die auf die­sem Foto his­to­risch sind, obwohl der Auf­nah­me­zeit­punkt gerade ein­mal vier­ein­halb Jahre zurück­liegt. Zunächst ist da die Höhe des Bahn­stei­ges. 2006 war er noch als Flach­bahn­steig ange­legt, der bei der Eröff­nung der Sta­tion für die hin­durch­fah­ren­den Stra­ßen­bahn­wa­gen mit fes­ten Tritt­stu­fen unab­ding­bar war. Mitt­ler­weile fah­ren hier nur noch moderne Stadt­bahn­wa­gen, sodass die Bahn­steig­höhe — und mit ihr auch das gesamte Sta­ti­ons­de­sign — ange­passt wer­den konnte.

Der nächste geän­derte Punkt ist die Posi­tion des im Bild rech­ten Glei­ses. Zum Auf­nah­me­zeit­punkt befand sich rechts die­ses Glei­ses ein wei­te­rer Sei­ten­bahn­steig. Auch er war frü­her für die Stra­ßen­bahn nötig, da die Wagen nur Türen auf der in Fahrt­rich­tung rech­ten Seite haben. Sämt­li­che Stadt­bahn­fahr­zeuge im Köl­ner Netz haben heut­zu­tage aber auf bei­den Sei­ten Türen, sodass das Gleis mitt­ler­weile an der Stelle des frü­he­ren Außen­bahn­stei­ges liegt und der Mit­tel­bahn­steig ent­spre­chend ver­brei­tert wer­den konnte.

Aller­dings gibt es nun noch die wei­tere Beson­der­heit, dass das Köl­ner Netz sowohl von Hochflur-​Stadtbahnwagen mit einer Boden­höhe von 90 cm befah­ren wird als auch von Nie­der­flur­wa­gen mit einer Ein­stiegs­höhe von nur 35 cm. In einem lang­wie­ri­gen Pro­zess wurde das Köl­ner Netz so in zwei Teil­netze auf­ge­bro­chen, dass Hoch­flur– und Nie­der­flur­fahr­zeuge so gut wie voll­stän­dig getrennt von­ein­an­der fah­ren. Ledig­lich an eini­gen Kno­ten­punk­ten und auf sehr kur­zen Teil­stre­cken an der Peri­phe­rie tref­fen Hoch– und Nie­der­flur­netz noch aufeinander.

Eine die­ser Stel­len ist der Ebert­platz, wo das innere Gleis zum Hoch­flur– das äußere hin­ge­gen zum Nie­der­flur­netz gehört. Da der Höhen­un­ter­schied nicht auf Gleis­ebene über­brück­bar ist, sind die neuen, brei­te­ren Bahn­steig heute zwei­ge­teilt: Am einen Gleis hoch, am ande­ren nied­rig. Auf diese Bahn­stei­gen enden heute auch Fahr­stühle, von denen 2006 eben­falls noch nichts zu sehen war.

Bleibt als letz­tes his­to­ri­sches Ele­ment noch die Linie 15. Diese fährt mit Hoch­flur­fahr­zeu­gen auf dem äuße­ren Gleis, also im Nie­der­flur­netz. Das macht sie auch heute noch. Aller­dings nur noch so lange, bis die Nord-​Süd-​Stadtbahn eröff­net wird. Dann wird auch diese Linie voll­stän­dig im Hoch­flur­netz und durch jenen Tun­nel fah­ren. Der schwere Unfall am Köl­ner Stadt­ar­chiv ver­zö­gert diese Umstel­lung aller­dings momen­tan erheblich.

Der Nahverkehrs-​Adventskalender (16): Innsbruck, Bahnhofsvorplatz, 2004

Bahnhofsvorplatz Innsbruck, Ecke Salurnerstraße

Bahn­hofs­vor­platz Inns­bruck, Ecke Salurnerstraße

Heute zieht es uns erneut nach Öster­reich. Das Bild aus dem Juli 2004 zeigt den Inns­bru­cker Bahn­hofs­vor­platz gegen Ende einer fast zwei­jäh­ri­gen Umbau­phase. Rechts im Bild sind die süd­li­chen Enden der neuen Bahn­steige für Stra­ßen­bahn und Bus zu sehen. Nach links hin­ten bie­gen die Gleise in die Sal­ur­ner­straße ab. Die etwas ver­zwickt wir­ken­den Gleise in den Bild­vor­der­grund, die kurz vor der Posi­tion den Foto­gra­fen enden, bil­den eine Kehr– und Abstellan­lage, die eine der Haupt­neue­run­gen des neuen Gleis­fel­des auf dem Bahn­hofs­vor­platz ist.

Die andere ist, dass am Haupt­bahn­hof über­haupt wie­der in beide Rich­tun­gen gefah­ren wird. Das Inns­bru­cker Stra­ßen­bahn­netz ist in der Innen­stadt eher mäßig dicht aus­ge­baut. Die zwei­glei­sige Haupt­stre­cke berührt die innere Stadt und den Haupt­bahn­hof nur peri­pher. Noch bis Anfang der 2000er-​Jahre gab es in der eigent­li­chen Innen­stadt nur eine große ein­glei­sige Schleife, die zwei der Linien als inner­stä­di­sche Kehr­schleife diente.

2004 war mit­ten in einer Wen­de­zeit für das Inns­bru­cker Stra­ßen­bahn­netz: Nach Jahr­zehn­ten zwi­schen Abbau und Erhalt des Status-​Quo gab es umfang­rei­che Erwei­te­rungs­pläne: Vor­han­dene Linien soll­ten ver­län­gert und eine neue Ost-​West-​Strecke geschaf­fen wer­den, die den bis­lang auf die­ser Rela­tion ver­keh­ren­den Ober­lei­tungs­bus erset­zen sollte. Für diese Linien wurde auf der Innen­stadt­que­rung das zweite Gleis für die Gegen­rich­tung vor­ge­se­hen. Dar­über hin­aus sollte die Stu­bai­tal­bahn aus dem Inns­bru­cker Süden nicht mehr auf Umwe­gen, son­dern direkt zum Haupt­bahn­hof geführt wer­den. Dafür wurde die Aus­fä­de­lung im Bild­vor­der­grund vor­ge­se­hen. Die Eröff­nung all die­ser neuen Abschnitte war sei­ner­zeit etwa für die nächs­ten zehn Jahre vorgesehen.

Aller­dings wird auch Inns­bruck nichts so heiß geges­sen wie es gekocht wird: Die Ver­län­ge­rung der Linie 3 wurde bis­lang noch nicht umge­setzt. Von der Ost-​West-​Strecke ist mitt­ler­weile der west­li­che Teil in Bau bzw. in fort­ge­schrit­te­ner Bau­vor­be­rei­tung. Die Direkt­ver­bin­dung zwi­schen Stu­bai­tal­bahn und Haupt­bahn­hof ist jedoch bis auf Wei­te­res zurück­ge­stellt, sodass die Gleise im Bild­vor­der­grund wohl noch län­ger­fris­tig ledig­lich eine Kehr­an­lage sein werden.

Der Nahverkehrs-​Adventskalender (15): Bonn, Hauptbahnhof, 1996

Bonn, U-Bahnstation Hauptbahnhof, 1996

Bonn, U-​Bahnstation Haupt­bahn­hof, 1996

Das Foto zeigt die Stadt­bahn­sta­tion Bonn/​Hauptbahnhof im Jahr 1996, und zwar die Gleise 2 und 4 auf dem süd­li­chen Bahn­steig vom west­li­chen Ende aus gese­hen. Hin­ter den sehr brei­ten Säu­len links befin­det sich ein gleich­ar­tig auf­ge­bau­ter Bahn­steig für die Gegen­rich­tung. Auf bei­den Bahn­stei­gen ist auf der Innen­seite die Bahn­steig­kante abge­senkt, sodass hier Stra­ßen­bahn­fahr­zeuge mit fes­ten Tritt­stu­fen oder Nie­der­flur­wa­gen hal­ten kön­nen. Auf der Außen­seite sind die Bahn­steige bereits auf Hoch­flur­ni­veau pas­send für die hoch­flu­ri­gen Stadt­bahn­fahr­zeuge, derent­we­gen die gesamte Sta­tion sei­ner­zeit errich­tet wurde. Der gesamte Bahn­hof strahlt den unver­kenn­ba­ren sti­lis­ti­schen Charme der 1970er-​Jahre aus mit dem dunk­len Nop­pen­fuß­bo­den, den dazu pas­sen­den dunk­len Wand­far­ben und den klobig-​rundlichen Hand­läu­fen und Gelän­dern — natür­lich auch in gedeck­tem Dun­kel. Decke und Beleuch­tung fin­det man in die­ser Form übri­gens häu­fig bei Bahn­hö­fen aus jener Zeit: Die Leucht­bän­der sor­gen für eine gute Aus­leuch­tung vor allem der Bahn­steig­kan­ten und die her­un­ter­ge­zo­ge­nen Sei­ten­teile der Decke ver­hin­dern, dass der Fah­rer durch die Lam­pen geblen­det wird.

Das als eher beschau­lich ange­se­hene Bonn war von 1949 bis 1999 Regie­rungs­sitz der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Dies war einer der Gründe, dass man sich hier in den 1960er– und 1970er-​Jahren eben­sol­chen Stadt­bahn­pla­nun­gen hin­gab wie im Ruhr­ge­biet, Han­no­ver, Stutt­gart oder Köln. Am Haupt­bahn­hof soll­ten sich zwei der Stadt­bahn­stre­cken kreu­zen, wofür ein stan­des­ge­mä­ßer vier­glei­si­ger Bahn­hof vor­ge­se­hen war.

Auch in Bonn sind die Dinge anders gekom­men: Wäh­rend die eine Stadt­bahn­stre­cke noch rela­tiv weit­ge­hend in der ursprüng­lich geplan­ten Form rea­li­siert wurde, ist der Rest der Pla­nun­gen mehr­heit­lich in der Ver­sen­kung ver­schwun­den. So hat selbst das kleine Bonn heute ein Hoch– und ein Nie­der­flur­netz, wobei letz­te­res sich aus den bis dato nicht umge­bau­ten Stra­ßen­bahn­stre­cken erge­ben hat und sämt­li­che Umstel­lungs­pla­nun­gen aktu­ell nicht mehr ver­folgt werden.

Das Stra­ßen­bahn­netz hat am Haupt­bahn­hof seine eigene ober­ir­di­sche Hal­te­stelle. Im unter­ir­di­schen Bahn­hof wurde des­halb seit 1996 der Nie­der­flur­bahn­steig­teil wesent­lich ver­klei­nert, sodass heute auch an den mitt­le­ren Bahn­stei­gen Hoch­flur­fahr­zeuge bar­rie­re­frei hal­ten kön­nen. Das macht den Betrieb wesent­lich fle­xi­bler, tref­fen hier doch Rhein­ufer- und Vor­ge­birgs­bahn nach Köln wie­der zusam­men. Von Nie­der­flur­fahr­zeu­gen wird der unter­ir­di­sche Bahn­hof mitt­ler­weile nur noch bei Betriebs­stö­run­gen ange­fah­ren. Inso­fern zeigt auch die­ses Foto mal wie­der eine his­to­ri­sche Situa­tion, die man heute so nicht mehr antrifft.