Archiv für die 'Bahn' Kategorie

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Der Nahverkehrs-​Adventskalender (17): Köln, Ebertplatz, 2006

U-Bahnstation Ebertplatz, westlicher Bahnsteig

U-​Bahnstation Ebert­platz, west­li­cher Bahnsteig

Das heu­tige Foto kommt aus Köln. Es zeigt die unter­ir­di­sche Sta­tion Ebert­platz im Mai 2006. Wir sehen den west­li­chen Bahn­steig vom nörd­li­chen Ende aus. Links ist das Gleis in Rich­tung Haupt­bahn­hof zu sehen, rechts das Gleis zur Stre­cke „über die Ringe”. Dort steht ein Stadt­bahn­wa­gen der Serie K5000 zur Abfahrt Rich­tung Ubier­ring über die Ringe.

Es gibt eine ganze Reihe Dinge, die auf die­sem Foto his­to­risch sind, obwohl der Auf­nah­me­zeit­punkt gerade ein­mal vier­ein­halb Jahre zurück­liegt. Zunächst ist da die Höhe des Bahn­stei­ges. 2006 war er noch als Flach­bahn­steig ange­legt, der bei der Eröff­nung der Sta­tion für die hin­durch­fah­ren­den Stra­ßen­bahn­wa­gen mit fes­ten Tritt­stu­fen unab­ding­bar war. Mitt­ler­weile fah­ren hier nur noch moderne Stadt­bahn­wa­gen, sodass die Bahn­steig­höhe — und mit ihr auch das gesamte Sta­ti­ons­de­sign — ange­passt wer­den konnte.

Der nächste geän­derte Punkt ist die Posi­tion des im Bild rech­ten Glei­ses. Zum Auf­nah­me­zeit­punkt befand sich rechts die­ses Glei­ses ein wei­te­rer Sei­ten­bahn­steig. Auch er war frü­her für die Stra­ßen­bahn nötig, da die Wagen nur Türen auf der in Fahrt­rich­tung rech­ten Seite haben. Sämt­li­che Stadt­bahn­fahr­zeuge im Köl­ner Netz haben heut­zu­tage aber auf bei­den Sei­ten Türen, sodass das Gleis mitt­ler­weile an der Stelle des frü­he­ren Außen­bahn­stei­ges liegt und der Mit­tel­bahn­steig ent­spre­chend ver­brei­tert wer­den konnte.

Aller­dings gibt es nun noch die wei­tere Beson­der­heit, dass das Köl­ner Netz sowohl von Hochflur-​Stadtbahnwagen mit einer Boden­höhe von 90 cm befah­ren wird als auch von Nie­der­flur­wa­gen mit einer Ein­stiegs­höhe von nur 35 cm. In einem lang­wie­ri­gen Pro­zess wurde das Köl­ner Netz so in zwei Teil­netze auf­ge­bro­chen, dass Hoch­flur– und Nie­der­flur­fahr­zeuge so gut wie voll­stän­dig getrennt von­ein­an­der fah­ren. Ledig­lich an eini­gen Kno­ten­punk­ten und auf sehr kur­zen Teil­stre­cken an der Peri­phe­rie tref­fen Hoch– und Nie­der­flur­netz noch aufeinander.

Eine die­ser Stel­len ist der Ebert­platz, wo das innere Gleis zum Hoch­flur– das äußere hin­ge­gen zum Nie­der­flur­netz gehört. Da der Höhen­un­ter­schied nicht auf Gleis­ebene über­brück­bar ist, sind die neuen, brei­te­ren Bahn­steig heute zwei­ge­teilt: Am einen Gleis hoch, am ande­ren nied­rig. Auf diese Bahn­stei­gen enden heute auch Fahr­stühle, von denen 2006 eben­falls noch nichts zu sehen war.

Bleibt als letz­tes his­to­ri­sches Ele­ment noch die Linie 15. Diese fährt mit Hoch­flur­fahr­zeu­gen auf dem äuße­ren Gleis, also im Nie­der­flur­netz. Das macht sie auch heute noch. Aller­dings nur noch so lange, bis die Nord-​Süd-​Stadtbahn eröff­net wird. Dann wird auch diese Linie voll­stän­dig im Hoch­flur­netz und durch jenen Tun­nel fah­ren. Der schwere Unfall am Köl­ner Stadt­ar­chiv ver­zö­gert diese Umstel­lung aller­dings momen­tan erheblich.

Der Nahverkehrs-​Adventskalender (16): Innsbruck, Bahnhofsvorplatz, 2004

Bahnhofsvorplatz Innsbruck, Ecke Salurnerstraße

Bahn­hofs­vor­platz Inns­bruck, Ecke Salurnerstraße

Heute zieht es uns erneut nach Öster­reich. Das Bild aus dem Juli 2004 zeigt den Inns­bru­cker Bahn­hofs­vor­platz gegen Ende einer fast zwei­jäh­ri­gen Umbau­phase. Rechts im Bild sind die süd­li­chen Enden der neuen Bahn­steige für Stra­ßen­bahn und Bus zu sehen. Nach links hin­ten bie­gen die Gleise in die Sal­ur­ner­straße ab. Die etwas ver­zwickt wir­ken­den Gleise in den Bild­vor­der­grund, die kurz vor der Posi­tion den Foto­gra­fen enden, bil­den eine Kehr– und Abstellan­lage, die eine der Haupt­neue­run­gen des neuen Gleis­fel­des auf dem Bahn­hofs­vor­platz ist.

Die andere ist, dass am Haupt­bahn­hof über­haupt wie­der in beide Rich­tun­gen gefah­ren wird. Das Inns­bru­cker Stra­ßen­bahn­netz ist in der Innen­stadt eher mäßig dicht aus­ge­baut. Die zwei­glei­sige Haupt­stre­cke berührt die innere Stadt und den Haupt­bahn­hof nur peri­pher. Noch bis Anfang der 2000er-​Jahre gab es in der eigent­li­chen Innen­stadt nur eine große ein­glei­sige Schleife, die zwei der Linien als inner­stä­di­sche Kehr­schleife diente.

2004 war mit­ten in einer Wen­de­zeit für das Inns­bru­cker Stra­ßen­bahn­netz: Nach Jahr­zehn­ten zwi­schen Abbau und Erhalt des Status-​Quo gab es umfang­rei­che Erwei­te­rungs­pläne: Vor­han­dene Linien soll­ten ver­län­gert und eine neue Ost-​West-​Strecke geschaf­fen wer­den, die den bis­lang auf die­ser Rela­tion ver­keh­ren­den Ober­lei­tungs­bus erset­zen sollte. Für diese Linien wurde auf der Innen­stadt­que­rung das zweite Gleis für die Gegen­rich­tung vor­ge­se­hen. Dar­über hin­aus sollte die Stu­bai­tal­bahn aus dem Inns­bru­cker Süden nicht mehr auf Umwe­gen, son­dern direkt zum Haupt­bahn­hof geführt wer­den. Dafür wurde die Aus­fä­de­lung im Bild­vor­der­grund vor­ge­se­hen. Die Eröff­nung all die­ser neuen Abschnitte war sei­ner­zeit etwa für die nächs­ten zehn Jahre vorgesehen.

Aller­dings wird auch Inns­bruck nichts so heiß geges­sen wie es gekocht wird: Die Ver­län­ge­rung der Linie 3 wurde bis­lang noch nicht umge­setzt. Von der Ost-​West-​Strecke ist mitt­ler­weile der west­li­che Teil in Bau bzw. in fort­ge­schrit­te­ner Bau­vor­be­rei­tung. Die Direkt­ver­bin­dung zwi­schen Stu­bai­tal­bahn und Haupt­bahn­hof ist jedoch bis auf Wei­te­res zurück­ge­stellt, sodass die Gleise im Bild­vor­der­grund wohl noch län­ger­fris­tig ledig­lich eine Kehr­an­lage sein werden.

Der Nahverkehrs-​Adventskalender (15): Bonn, Hauptbahnhof, 1996

Bonn, U-Bahnstation Hauptbahnhof, 1996

Bonn, U-​Bahnstation Haupt­bahn­hof, 1996

Das Foto zeigt die Stadt­bahn­sta­tion Bonn/​Hauptbahnhof im Jahr 1996, und zwar die Gleise 2 und 4 auf dem süd­li­chen Bahn­steig vom west­li­chen Ende aus gese­hen. Hin­ter den sehr brei­ten Säu­len links befin­det sich ein gleich­ar­tig auf­ge­bau­ter Bahn­steig für die Gegen­rich­tung. Auf bei­den Bahn­stei­gen ist auf der Innen­seite die Bahn­steig­kante abge­senkt, sodass hier Stra­ßen­bahn­fahr­zeuge mit fes­ten Tritt­stu­fen oder Nie­der­flur­wa­gen hal­ten kön­nen. Auf der Außen­seite sind die Bahn­steige bereits auf Hoch­flur­ni­veau pas­send für die hoch­flu­ri­gen Stadt­bahn­fahr­zeuge, derent­we­gen die gesamte Sta­tion sei­ner­zeit errich­tet wurde. Der gesamte Bahn­hof strahlt den unver­kenn­ba­ren sti­lis­ti­schen Charme der 1970er-​Jahre aus mit dem dunk­len Nop­pen­fuß­bo­den, den dazu pas­sen­den dunk­len Wand­far­ben und den klobig-​rundlichen Hand­läu­fen und Gelän­dern — natür­lich auch in gedeck­tem Dun­kel. Decke und Beleuch­tung fin­det man in die­ser Form übri­gens häu­fig bei Bahn­hö­fen aus jener Zeit: Die Leucht­bän­der sor­gen für eine gute Aus­leuch­tung vor allem der Bahn­steig­kan­ten und die her­un­ter­ge­zo­ge­nen Sei­ten­teile der Decke ver­hin­dern, dass der Fah­rer durch die Lam­pen geblen­det wird.

Das als eher beschau­lich ange­se­hene Bonn war von 1949 bis 1999 Regie­rungs­sitz der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Dies war einer der Gründe, dass man sich hier in den 1960er– und 1970er-​Jahren eben­sol­chen Stadt­bahn­pla­nun­gen hin­gab wie im Ruhr­ge­biet, Han­no­ver, Stutt­gart oder Köln. Am Haupt­bahn­hof soll­ten sich zwei der Stadt­bahn­stre­cken kreu­zen, wofür ein stan­des­ge­mä­ßer vier­glei­si­ger Bahn­hof vor­ge­se­hen war.

Auch in Bonn sind die Dinge anders gekom­men: Wäh­rend die eine Stadt­bahn­stre­cke noch rela­tiv weit­ge­hend in der ursprüng­lich geplan­ten Form rea­li­siert wurde, ist der Rest der Pla­nun­gen mehr­heit­lich in der Ver­sen­kung ver­schwun­den. So hat selbst das kleine Bonn heute ein Hoch– und ein Nie­der­flur­netz, wobei letz­te­res sich aus den bis dato nicht umge­bau­ten Stra­ßen­bahn­stre­cken erge­ben hat und sämt­li­che Umstel­lungs­pla­nun­gen aktu­ell nicht mehr ver­folgt werden.

Das Stra­ßen­bahn­netz hat am Haupt­bahn­hof seine eigene ober­ir­di­sche Hal­te­stelle. Im unter­ir­di­schen Bahn­hof wurde des­halb seit 1996 der Nie­der­flur­bahn­steig­teil wesent­lich ver­klei­nert, sodass heute auch an den mitt­le­ren Bahn­stei­gen Hoch­flur­fahr­zeuge bar­rie­re­frei hal­ten kön­nen. Das macht den Betrieb wesent­lich fle­xi­bler, tref­fen hier doch Rhein­ufer- und Vor­ge­birgs­bahn nach Köln wie­der zusam­men. Von Nie­der­flur­fahr­zeu­gen wird der unter­ir­di­sche Bahn­hof mitt­ler­weile nur noch bei Betriebs­stö­run­gen ange­fah­ren. Inso­fern zeigt auch die­ses Foto mal wie­der eine his­to­ri­sche Situa­tion, die man heute so nicht mehr antrifft.

Der Nahverkehrs-​Adventskalender (14): Düsseldorf, Jacobistraße, 2007

Straßenbahnlinie 713 in der Schadowstraße

Stra­ßen­bahn­li­nie 713 in der Schadowstraße

Wir befin­den uns in Düs­sel­dorf im Wes­ten Deutsch­lands. Noch heute hat Düs­sel­dorf eines der dich­tes­ten inner­städ­ti­schen Stra­ßen­bahn­netze, das seit den 1980er Jah­ren durch Tun­nel­ab­schnitte im Zuge der „Stadt­bahn Rhein-Ruhr”-Planungen ergänzt, nicht aber groß­flä­chig ersetzt, wird. Auf dem Bild zu sehen ist die Scha­dow­straße östlich des Jan-​Wellem-​Platzes in Rich­tung Osten. Rechts befin­det sich der Bahn­steig der Hal­te­stelle „Jaco­bi­straße”, daran eine gerade abfah­rende Stra­ßen­bahn der Linie 713 in Rich­tung Wehr­hahn. Noch vor dem „Kaufhof”-Haus kreuzt der Stra­ßen­zug Tonhallen-​/​Jacobistraße die Scha­dow­straße, eben­falls mit einer Straßenbahntrasse.

In weni­gen Jah­ren wird die­ses Bild his­to­risch sein. Dann geht genau im Ver­lauf der Stra­ßen „Am Wehr­hahn” und der Scha­dow­straße mit der soge­nann­ten „Wehr­hahn­li­nie” der dritte Stadt­bahn­tun­nel in Düs­sel­dorf in Betrieb. Die ober­ir­di­sche Glei­strasse wird dann ebenso auf­ge­las­sen wie die Hal­te­stelle, die durch eine neue U-​Bahnstation östlich der Stra­ßen­kreu­zung ersetzt wird. Bereits 2007 war der Zustand des Gleis­bet­tes — nunja — mäßig. Heute müss­ten an die­ser Stelle bereits deut­li­che Spu­ren der U-​Bahnbauarbeiten zu sehen sein. Momen­tan ist die Eröff­nung der Tun­nel­stre­cke für 2014 geplant.

Der Nahverkehrs-​Adventskalender (13): Wien, U-​Strab, 1996

Haltestelle Kliebergasse

Hal­te­stelle Kliebergasse

Wien hat ein eng­ma­schi­ges Nah­ver­kehrs­netz, des­sen Rück­grat S-​Bahn, U-​Bahn und Stra­ßen­bahn sind. Letz­tere hat auch heute noch, nach Jahr­zehn­ten der Aus­dün­nung und des Erset­zens durch U-​Bahnstrecken, ein umfang­rei­ches Netz. Das Bild zeigt einen Abschnitt der „Unter­pflas­ter­stra­ßen­bahn” unter der süd­li­chen Gür­tel­straße. Auf die­ser hoch­be­las­te­ten peri­phe­ren Innen­stadt­straße wurde die Stra­ßen­bahn bereits in den 1960er Jah­ren auf eine eigene Ver­kehrs­ebene gelegt, eben in den Unter­grund. Das Bild zeigt den Zustand der Hal­te­stelle Klie­ber­gasse von 1996, und dürfte im Wesent­li­chen das Ori­gi­nal­aus­se­hen zum Zeit­punkt der Eröff­nung wie­der­spie­geln. Mitt­ler­weile sol­len die Sta­tio­nen umge­stal­tet wor­den sein, inso­fern ist der abge­bil­dete Zustand heute wohl historisch.

Auf dem Bild erkennt man gut den zu einer ech­ten U-​Bahn erheb­lich redu­zier­ten Tras­sie­rungs­auf­wand: Die Aus­fä­de­lung im Bild kommt voll­stän­dig ohne Über­wer­fungs­bau­werke aus, beide Gleiss­tränge kreu­zen sich ein­fach. Auch der Kur­ven­ra­dius des abzwei­gen­den Stran­ges ent­spricht der einer dem Stra­ßen­ver­lauf fol­gen­den Stra­ßen­bahn. Aller­dings wird auf Signal gefah­ren, und nicht auf Sicht, wie bei Stra­ßen­bah­nen üblich. Und die Ver­kehrs­wege wer­den von kreu­zen­den Fuß­gän­gern frei­ge­hal­ten: Die Brüs­tung rechts vorn im Bild (die hier übri­gens auch als Abla­ge­flä­che für mein Taschen­sta­tiv fun­giert) gehört zum Abgang in die unter den Glei­sen lie­gende Ver­tei­le­re­bene. An den Abzwei­gun­gen wurde kon­se­quent der Bahn­steig in der jewei­li­gen Rich­tung vor die Wei­che gelegt, was die Über­sicht­lich­keit zusätz­lich vermindert.

Das gesamte Sta­ti­ons­bau ist recht eng und ver­win­kelt. Der wesent­lich größ­zü­gi­ger tras­sierte U-​Bahnbau begann in Wien erst ein Jahr­zehnt spä­ter. Anders als der ähnlich tras­sierte Stra­ßen­bahn­tun­nel unter der „Las­ten­straße” in der Innen­stadt, der heute von der U-​Bahnlinie U2 befah­ren wird, gibt es für die­sen Tun­nel keine direk­ten Pla­nun­gen, ihn zu einem spä­te­ren Zeit­punkt in das U-​Bahnnetz zu inte­grie­ren. Mit sechs Sta­tio­nen und zwei Abzwei­gun­gen ist er bis heute ein wich­ti­ger Ver­tei­ler für den Stra­ßen­bahn­ver­kehr im süd­li­chen Wien.

Der Nahverkehrs-​Adventskalender (12): Hamburg, Jungfernstieg und Blankenese, 1997 – 2010

Zum drit­ten Advent gibt’s wie­der einen län­ge­ren Arti­kel und mehr Fotos. Wir schauen uns heute zwei Orte in Ham­burg an.

Außengleis am Jungfernstieg, Juli 1997

Außen­gleis am Jung­fern­stieg, Juli 1997

Ham­burg ist die zweit­größte Stadt Deutsch­lands. Rück­grat des öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehrs sind U– und S-​Bahn, die — aus vie­len Rich­tun­gen kom­mend — an meh­re­ren Stel­len in der Innen­stadt ver­knüpft sind. Einer die­ser Kno­ten­punkte ist der Jung­fern­stieg. In den 1960er Jah­ren wurde hier ein äußerst leis­tungs­fä­hi­ger Schnell­bahn­kno­ten an und unter der Bin­nen­als­ter geschaf­fen. Einer sei­ner Teile ist der U-​Bahnhof der U2 zwi­schen den Sta­tio­nen Hauptbahnhof/​Nord und Gän­se­markt. Der Bau die­ses Bahn­ho­fes fiel mit­ten Zeit umfang­rei­cher Aus­bau­pläne für die U-​Bahn und dem­ent­spre­chend wur­den hier nen­nens­werte Vor­leis­tun­gen erbracht.

Auf dem Bild sieht man die äußere Bahn­steig­kante eines der bei­den Insel­bahn­steige auf dem U2-​Bahnhof unter dem Jung­fern­stieg. Der Gleis­trog ist leer. Hier sollte den Pla­nun­gen aus den 1960er-​Jahren zu Folge die U-​Bahnlinie U4 von Altona kom­mend über den Haupt­bahn­hof und Munds­burg zur City Nord ent­lang füh­ren. Mitte der 1970er Jahre wurde der Bau die­ser U-​Bahnlinie aus finan­zi­el­len Grün­den gestoppt und seit­her nicht mehr auf­ge­nom­men. Ent­spre­chend lie­gen hier auch im Jahr 1997 noch keine Gleise und es war damals auch nicht abseh­bar, dass sich daran jemals etwas ändern würde. Man beachte, dass beim Bau des Bahn­ho­fes an den Glei­sen bereits Zug­ziel­an­zei­ger instal­liert wur­den, die aber nie­mals irgend­et­was sinn­vol­les ange­zeigt haben — wo kein Gleis, da auch keine Bahn.

Außengleis am Jungfernstieg, Oktober 2010

Außen­gleis am Jung­fern­stieg, Okto­ber 2010

Zeit­sprung, 13 Jahre spä­ter. Im Okto­ber 2010 ist der Gleis­trog gefüllt. Aller­dings nicht für eine U-​Bahn in der ursprüng­lich geplan­ten Rela­tion. Seit Anfang der 2000er-​Jahre wird in Ham­burg eine Neu­nut­zung der ehe­ma­li­gen stadt­na­hen Hafen­ge­biete geplant. Der neue Stadt­teil „Hafen­city” braucht einen leis­tungs­fä­hi­gen Anschluss an den öffent­li­chen Per­so­nen­ver­kehr, hier­für ist rela­tiv früh die Wahl auf eine U-​Bahnlinie gefal­len und unter eini­gen Alter­na­ti­ven hat sich schließ­lich eine Anbin­dung über die Trasse der U2 und eine Aus­fä­de­lung am Jung­fern­stieg durchgesetzt.

So wer­den denn ab 2012, wenn diese eben­falls U4 genannte Linie in Betrieb geht, am Jung­fern­stieg die U4-​Züge von Bills­tedt kom­mend aus der Trasse der U2 aus­fä­deln. In einem sehr wei­ten Bogen errei­chen sie nach etwa 2 Kilo­me­tern Stre­cke den ers­ten Bahn­hof in der Hafen­city. Sie unter­que­ren dabei ohne Halt die süd­li­che Innen­stadt, den Baum­wall und die Elb­phil­har­mo­nie. Das macht die Ver­knüp­fung mit den ande­ren U– und S-​Bahnlinien auf den ers­ten Blick sub­op­ti­mal, aller­dings muss man ande­rer­seits sehen, dass am Jung­fern­stieg sowie den fol­gen­den Bahn­hö­fen Haupt­bahn­hof und Ber­li­ner Tor Ver­knüp­fun­gen zu allen Linien bereits beste­hen und die Anbin­dung von der Hafen­city zu den zen­tra­len Punk­ten Ham­burgs durch diese Tras­sen­füh­rung sehr schnell ist. Alter­na­tive Kon­zepte hät­ten eine Aus­fä­de­lung der Hafencity-​U-​Bahn aus der U3 zwi­schen Rat­haus und Baum­wall oder aus der U1 am Meß­berg vor­ge­se­hen, die Rea­li­sie­rung über Jung­fern­stieg ermög­licht aber letzt­lich als ein­zige ganz lang­fris­tig die Füh­rung der U4 als eigen­stän­dige Linie, indem der Ost­teil der alten Pla­nun­gen zwi­schen Jung­fern­stieg und Sen­gel­mann­straße nörd­lich der City Nord letzt­lich doch noch rea­li­siert wird.

S-Bahnhof Blankenese von Osten gesehen, Juli 1997

S-​Bahnhof Blan­ke­nese von Osten gese­hen, Juli 1997

Und nun zu etwas völ­lig ande­rem. Der S-​Bahnhof Blan­ke­nese, weit im Wes­ten Ham­burgs gele­gen, an einem Som­mer­tag im Juli 1997. Ganz links ein Zug der Linie S11, der hier in Blan­ke­nese endet. Der Bahn­steig in der Mitte wird von der S1 ange­fah­ren, die hier auf ihrem Weg zwi­schen der Innen­stadt und Wedel west­lich von Ham­burg Kopf macht. Dazu gleich mehr. Rechts sehen wir den damals noch exis­tie­ren­den Güter­be­reich des Bahn­ho­fes, des­sen Gleise zu die­sem Zeit­punkt aber bereits unge­nutzt sind. Über dem gan­zen liegt eine leicht schläf­rige Idylle, die der Lage des Bahn­ho­fes durch­aus ange­mes­sen ist.

S-Bahnhof Blankenese von Osten gesehen, August 2010

S-​Bahnhof Blan­ke­nese von Osten gese­hen, August 2010

Auch hier wie­der der Ver­gleich mit der Situa­tion im Herbst 2010. Auf dem Foto ste­hen gerade die S-​Bahnen sowohl Rich­tung Innen­stadt als auch Rich­tung Wedel am Bahn­steig und war­ten auf die Aus­fahrt. Viel inter­es­san­ter im Zusam­men­hang mit die­sem Arti­kel ist aber, was sich rechts der Gleise abspielt. Der Güter­be­reich ist voll­stän­dig ver­schwun­den, statt­des­sen befin­det sich dort jetzt Wohn­be­bau­ung, so wie es aus­sieht der eher geho­be­nen Sorte. Wie auch das vor­an­ge­gan­gene Foto ist die­ses Bild von der Fuß­gän­ger­zu­gangs­brü­cke am östli­chen Ende der Bahn­steige ent­stan­den. Was man auf dem Foto nicht sieht: Auch diese Brü­cke wurde um– bzw. wohl eher neu gebaut.

Bahnhofseinfahrt Blankenese, Juli 1997

Bahn­hofs­ein­fahrt Blan­ke­nese, Juli 1997

Wir dre­hen uns um und die Zeit noch­mal zurück. Nun ist links im Bild der Güter­be­reich, des­sen Anbin­dung hier gut zu erken­nen ist: Eine Kreu­zungs­wei­che ver­bin­det die Güter­gleise mit der Stre­cke. Sie scheint zum Zeit­punkt der Auf­nahme noch betriebs­fä­hig zu sein. Auch das Aus­fahrt­si­gnal für Güter­züge ganz links exis­tiert, zeigt aber „Halt”. Wie bei allen Haupt­si­gna­len auf dem Bild han­delt es sich um ein Form­si­gnal. Links neben dem Güter­be­reich Gleis 3, eben­falls mit einem Form­haupt– und sogar einem Form­ran­gier­si­gnal — wohl für Ran­gier­fahr­ten in den Güter­be­reich. Im Hin­ter­grund ist nach links weg­ge­hend der Stre­cke­n­ast nach Wedel zu sehen. Nach rechts füh­ren die Gleise nach Hamburg-​Altona (und wei­ter in die Innen­stadt), die S-​Bahn auf dem Weg dort­hin ver­lässt gerade Gleis 2. Ganz rechts liegt Gleis 1, zum Zeit­punkt der Auf­nahme gerade ohne Zug und als ein­zi­ges der Gleise nur in Rich­tung Ham­burg ange­bun­den und nicht in Rich­tung Wedel.

Bahnhofseinfahrt Blankenese, August 2010

Bahn­hofs­ein­fahrt Blan­ke­nese, August 2010

Ein letz­ter Zeit­sprung. Selbe Stelle (na gut, fast), andere Zeit. Es ist wie­der August 2010 und ich finde es erstaun­lich, wie wenig sich gerade an die­ser Stelle seit 1997 geän­dert hat. Gut — ganz links kann man noch den Platz für das alte Güter­an­schluss­gleis sehen, man beachte ins­be­son­dere die Stütz­mauer, die das leicht hüge­lige Gelände von der Glei­strasse trennt und die genauso schon 1997 gestan­den hat. Ansons­ten gibt es aber keine sub­stan­zi­el­len Ände­run­gen: Nach links die Stre­cke nach Wedel, nach rechts die Ste­cke in die Innen­stadt. Dort­hin ist auch die S11 unter­wegs, die gerade aus Gleis 1 aus­fährt. Das Wei­chen­vor­feld des Bahn­ho­fes hat sich gegen­über 1997 nicht geän­dert: Noch immer sind es die Gleise 2 und 3, die von Wedel und der Innen­stadt aus erreich­bar sind, wäh­rend Gleis 1 über sepa­rate Wei­chen nur von der City aus ange­fah­ren wer­den kann. Dabei erlaubt der Auf­bau der Wei­chen­straße eine recht fle­xi­ble Betriebs­füh­rung: Wenn ein Zug aus Ham­burg kom­mend auf Gleis 1 ein­fährt, kann gleich­zei­tig von Gleis 2 oder 3 von oder nach Wedel gefah­ren wer­den. Eine Aus­fahrt aus Gleis 1 in Rich­tung Innen­stadt kommt kei­ner ande­ren Fahr­straße in die Gleise 2 oder 3 in die Quere. Und die durch­fah­ren­den Züge Hamburg-​Wedel kön­nen je nach indi­vi­du­el­ler Abwei­chung vom Fahr­plan ent­we­der vor oder nach dem Halt in Blan­ke­nese kreuzen.

Es sind die Klei­nig­kei­ten, die sich seit 1997 geän­dert haben: Das Ran­gier­si­gnal auf Gleis 3 ist weg. Dafür haben alle Signale drei­eckige Zusatz-​Lichtsignale bekom­men. Auch die Schwel­len und damit wohl die gesam­ten Gleise wur­den seit 1997 offen­sicht­lich aus­ge­tauscht. Trotz­dem ist man grund­sätz­lich bei den alten Form­si­gna­len an die­ser Stelle geblie­ben, eine ange­sichts der vie­len sons­ti­gen Ände­run­gen bemer­kens­werte Kontinuität.

Die Fotos aus dem Jahr 1997 sind im Rah­men eines Tages­be­su­ches in Ham­burg ent­stan­den. Nach erfolg­reich über die Bühne gebrach­ten münd­li­chen Diplom­prü­fun­gen bin ich mit einem Freund dort einen Tag lang über das S– und U-​Bahnnetz gefah­ren. Sei­ner­zeit hatte ich ansons­ten nur wenig mit Ham­burg zu tun. Mitt­ler­weile hat sich das geän­dert und die Fotos aus dem Jahr 2010 stam­men von Wochen­end­be­su­chen, die ich — stun­den­weise — eben­falls für mein Hobby nutze. Im Nach­hin­ein liegt der Juli 1997 in einem kur­zen Zeit­fens­ter, indem in Blan­ke­nese der gerade end­gül­tig außer Dienst gestellte Güter­be­reich noch nicht abge­baut war, gleich­zei­tig aber die heute domi­nie­rende S-​Bahnbaureihe 474 noch nicht exis­tierte: Der erste Zug kam ziem­lich genau einen Monat spä­ter in Ham­burg an.

Auch am Foto­equip­ment sind die 13 Jahre nicht spur­los vor­bei­ge­gan­gen: 1997 habe ich mit einer che­mi­schen („ana­lo­gen”) Kleinbild-​Kompaktkamera „gear­bei­tet”, deren Bil­der hier mit einem Flach­bettscan­ner in den Com­pu­ter gelangt sind. Mitt­ler­weile sorgt eine digi­tale Spie­gel­re­flex­ka­mera für eine wesent­lich bes­sere Qua­li­tät. So ändern sich die Zeiten.

Der Nahverkehrs-​Adventskalender (11): Frankfurt, R-​Wagen, 1997

R-Wagen an der Stadtgrenze Offenbach

R-​Wagen an der Stadt­grenze Offenbach

Die­ses Bild zeigt mehr­fach Dinge, die es heute nicht mehr gibt. Auf­ge­nom­men ist es im Novem­ber 1997 in Frank­furt an der Kreu­zung von August-​Bebel-​Ring und dem Stra­ßen­zug Offen­ba­cher Landstraße/​Frankfurter Straße. Sei­ner­zeit befand sich hier noch ein Wen­de­drei­eck, das im Lini­en­be­trieb erst seit 1996 regel­mä­ßig genutzt wurde, nach­dem Offen­bach die aus Frank­furt kom­mende Stra­ßen­bahn von sei­nem Stadt­ge­biet ver­bannt hatte. Wenn man ganz genau ist, müsste man sagen, dass wir uns hier gerade schon auf Offen­ba­cher Gebiet befin­den, die Grenze liegt etwa zehn Meter west­lich des Fotostandpunktes.

Das Foto ist in dem Moment auf­ge­nom­men, als ein Fahr­zeug der Linie 16 in das Stumpf­gleis des Wen­de­drei­ecks ein­fährt. Und die­ser Moment und die­ses Fahr­zeug haben es in sich. Es han­delt sich dabei um die Bau­reihe „R” der Frank­fur­ter Stra­ßen­bahn. Diese Fahr­zeuge waren zwar tech­nisch hoch­am­bi­tio­niert, hat­ten aber mit einer gan­zen Reihe tech­ni­scher Pro­bleme zu kämp­fen. Eines davon sieht man hier in Aktion: Wäh­rend bei mehr­tei­li­gen Fahr­zeu­gen die Fahr­ge­stelle übli­cher­weise unter den Gelen­ken zwi­schen den ein­zel­nen Tei­len des Wagen­kas­tens lie­gen, wurde das mitt­lere Gestell beim „R-​Wagen” in die Mitte des mitt­le­ren Wagen­kas­tens ein­ge­baut. Dadurch waren die Gelenke sozu­sa­gen frei­schwe­bend. Beim Durch­fah­ren von Kur­ven konnte es dann aber pas­sie­ren, dass sich das ganze Fahr­zeug wie eine Zieh­har­mo­nika ver­drehte und sich nach der Kurve erst wie­der nach meh­re­ren Pen­del­be­we­gun­gen gera­de­zie­hen musste. Genau die­ser Effekt tritt hier gerade auf. Man beachte vor allem den vor­de­ren Zug­teil: Dort ist das Gleis schon wie­der gerade, trotz­dem schwingt der Wagen­kas­ten gerade wild aus.

Durch den Ein­bau zusätz­li­cher Federn konnte man dem R-​Wagen die­ses beson­ders wilde Pen­deln mitt­ler­weile bis zu einem gewis­sen Punkt abge­wöh­nen. Andere Designschwä­chen wie feh­lende Kli­ma­an­lage oder nicht vor­han­dene Kupp­lun­gen schleppt das Fahr­zeug bis heute mit sich herum, was es nicht gerade belieb­ter macht. His­to­risch gese­hen ist der R-​Wagen inter­es­sant, weil er das erste kom­plett nie­der­flu­rige Stra­ßen­bahn­fahr­zeug war, das zudem die erste Fahr­zeug­neu­ent­wick­lung dar­stellte, nach­dem man in Frank­furt die Grund­satz­ent­schei­dung zur Bei­be­hal­tung der Stra­ßen­bahn getrof­fen hatte. Er ist aber auch ein gutes Bei­spiel, warum man bei Fahr­zeug­neu­kon­struk­tio­nen die­ser Kom­ple­xi­tät immer mit Vor­se­ri­en­fahr­zeu­gen und inten­si­ven Test­pha­sen arbei­ten sollte. Die Skep­sis, mit der der Nie­der­flur­tech­nik vor allem in den 1990er Jah­ren vie­ler­orts begeg­net wurde, grün­dete sich auch auf die durch­wach­se­nen Erfah­run­gen mit die­sem Fahr­zeug. Etli­che seit­her ent­stan­dene Nie­der­flur­bau­rei­hen zei­gen, dass man sowas auch in gut bauen kann.

Das Wen­de­drei­eck wurde einige Zeit nach dem Ent­ste­hungs­zeit­punkt die­ses Fotos abge­baut. Heute wen­den die Züge stumpf an einem neu gebau­ten Mit­tel­bahn­steig noch in der Offen­ba­cher Land­straße. Pläne für eine erneute Wei­ter­füh­rung nach Offen­bach gibt es nur sehr vage.

Der Nahverkehrs-​Adventskalender (10): Heilbronn, Bahnhofsvorplatz, 2010

Übergang der Stadtbahnstrecke am Heilbronner Hauptbahnhof

Übergang der Stadt­bahn­stre­cke am Heil­bron­ner Hauptbahnhof

Heil­bronn gehört zu den Städ­ten, die ihr Stra­ßen­bahn­netz nach 1945 still­ge­legt haben. Erst seit 2001 gibt es hier wie­der einen inner­städ­ti­schen schie­nen­ge­bun­de­nen Nah­ver­kehr in Form der Linie S4 des Karls­ru­her Stadt­bahn­net­zes. Auf dem Bild sehen wir den Beginn die­ser Innen­stadt­stre­cke, die kurz vor dem Heil­bron­ner Haupt­bahn­hof aus dem Eisen­bahn­gleis­be­reich aus­fä­delt und über den Bahn­hofs­vor­platz führt.

Das Beson­dere an der Karls­ru­her Stadt­bahn ist, dass sie als ers­tes Sys­tem welt­weit Stra­ßen– und Eisen­bahn­ver­kehr mit­ein­an­der ver­knüpft hat. Die­sel­ben Fahr­zeuge, die inner­städ­tisch über das Stra­ßen­bahn­netz fah­ren, wech­seln an einem bestimm­ten Punkt auf „echte” Eisen­bahn­stre­cken und bedie­nen so regio­nale oder sogar über­re­gio­nale Ver­kehrs­be­dürf­nisse. Die ers­ten der­art bedien­ten Stre­cken im Karls­ru­her Umland in den frü­hen 1990er Jah­ren waren ein der­art kol­los­sa­ler Erfolg (teil­weise stie­gen die Fahr­gast­zah­len um das 50-​fache), dass das Sys­tem in den fol­gen­den 15 – 20 Jah­ren in alle Rich­tun­gen aus­ge­baut wird und heute das gesamte Karls­ru­her Umland bis in den mitt­le­ren Schwarz­wald hin­ein erschließt. Viele andere Städte — in Deutsch­land zum Bei­spiel Kas­sel oder Saar­brü­cken — haben ähnli­che Kon­zepte umge­setzt. Inter­na­tio­nal wer­den der­ar­tige Sys­teme häu­fig als „tram-​train” bezeich­net, im deutsch­spra­chi­gen Raum ist auch die Bezeich­nung „Karls­ru­her Modell” geläu­fig.

Stra­ßen– und Eisen­bahn mit­ein­an­der zu kom­bi­nie­ren wirft eine Reihe tech­ni­scher und regu­la­to­ri­scher Fra­gen auf. Dass die Spur­weite iden­tisch sein muss, leuch­tet unmit­tel­bar ein. Aller­dings muss auch die „Form” der Räder geeig­net gewählt sein, damit der Wagen sowohl über Eisen­bahn– als auch die anders kon­stru­ier­ten Stra­ßen­bahn­wei­chen fah­ren kann. Das tech­no­lo­gi­sche „Ei des Kolum­bus” ist jedoch die Strom­ver­sor­gung der Fahr­zeuge. Erst die Leis­tungs­elek­tro­nik der 1980er Jahre macht es mög­lich, dass ein Fahr­zeug rela­tiv pro­blem­los sowohl mit der übli­chen Stra­ßen­bahn­strom­ver­sor­gung von 600 bis 800 Volt Gleich­strom als auch den 15 Kilo­volt Wech­sel­strom des Eisen­bahn­net­zes betrie­ben wer­den kann.

Dazu kommt ein erheb­li­cher regu­la­to­ri­scher Auf­wand. Ins­be­son­dere unter­lie­gen Eisen­bah­nen und Stra­ßen­bah­nen völ­lig unter­schied­li­chen Regel­wer­ken. Für erste gilt die EBO (sprich: „Eh-​Beh-​Oh”), die „Eisen­bahn­bau– und –betriebs­ord­nung”, für letz­tere die „BOStrab” („Beh-​Oh-​Strab”), die „Bau– und Betriebs­ord­nung für Stra­ßen­bah­nen”. Und genau dar­auf wei­sen die Schil­der auf unse­rem Bild hin. Es ist am Übergang vom Eisen­bahn– zum Stra­ßen­bahn­be­reich ange­bracht. Das oberste Schild „Halt für Ran­gier­fahr­ten” bedeu­tet even­tu­el­lem Eisen­bahn­ver­kehr, dass an die­ser Stelle Schluss ist. Zug­fahr­ten kön­nen auf die­ses Gleis wohl sowieso nicht gelenkt wer­den und Ran­gier­fahr­ten müs­sen anhal­ten. Das nächte Schild, „Stra­ßen­bahn frei”, ergänzt das ganze. Eigent­lich han­delt es sich hier­bei um ein Schild aus dem Stra­ßen­ver­kehr, aber mit ein biss­chen gutem Wil­len kann man es geeig­net inter­pre­tie­ren: „Eisen­bahn­fahr­zeuge, die zufäl­lig auch als Stra­ßen­bahn zuge­las­sen sind, dür­fen wei­ter­fah­ren”. Dann kommt schon das erste Nicht-​mehr-​Eisenbahn-​Schild: Die „3” im Drei­eck ist die Ankün­di­gung einer Geschwin­dig­keits­be­schrän­kung auf 30 km/​h. Wenn man dem Gleis wei­ter folgt, sieht man etwa 100 Meter wei­ter eine „3” in einem gel­ben Recht­eck — dort beginnt die ange­kün­digte Geschwin­dig­keits­be­gren­zung. Und das vierte Schild am Mast schließ­lich benennt noch­mals expli­zit, dass an die­ser Stelle der Stra­ßen­bahn­be­reich und mit ihm die Gül­tig­keit der „BOStrab” beginnt.

Der Stadt­bahn­zug im Bild ist gerade auf dem Weg nach Karls­ruhe und pas­siert auf sei­nem Gleis in weni­gen Sekun­den die Wech­sel­stelle in die andere Rich­tung: Bis kurz vor den Karls­ru­her Alb­tal­bahn­hof ist er jetzt nach „EBO” als Eisen­bahn unterwegs.

Im Bild links der bei­den Stre­ckengleise nach Karls­ruhe erkennt man zwei wei­tere Gleise. Diese gehö­ren zu einer Kehr­an­lage, die etwa in Höhe des Zuges Rich­tung Karls­ruhe in die Stre­ckengleise mün­den. Und da wir uns an der Stelle bereits im Stra­ßen­bahn­be­reich befin­den, braucht es dafür keine „rich­ti­gen” Signale, son­dern nur ganz nor­male Stra­ßen­bahn­am­peln. Das alles geschieht übri­gens noch unter 15 kV Bahn­strom. Die Wech­sel­stelle für die Strom­ver­sor­gung befin­det sich erst hin­ter der Hal­te­stelle auf dem Bahn­hofs­vor­platz. Diese enorme tech­ni­sche und regu­la­to­ri­sche Fle­xi­bi­li­tät ist eines der Erfolgs­re­zepte des Karls­ru­her und damit auch des Heil­bron­ner Stadt­bahn­mo­dells.

Der Nahverkehrs-​Adventskalender (9): Wuppertal, Vohwinkel, 2005

Wuppertaler Schwebebahn über der Kaiserstraße in Vohwinkel

Wup­per­ta­ler Schwe­be­bahn über der Kai­ser­straße in Vohwinkel

Bei einem Bil­der­bo­gen zum deut­schen Nah­ver­kehr darf die Wup­per­ta­ler Schwe­be­bahn nicht feh­len. Die­ses Foto zeigt die Stre­cke unmit­tel­bar west­lich der End­sta­tion in Voh­win­kel über der Kai­ser­straße. Die Schwe­be­bahn ver­läuft hier mit ihrem wuch­ti­gen Via­dukt direkt über der Straße. Die Stüt­zen — übri­gens alle ein­zeln durch­num­me­riert — sind mit Beto­num­weh­run­gen gegen Unfälle geschützt. Der Zug links im Bild ver­lässt gerade den Stra­ßen­raum um in die End­sta­tion ein­zu­fah­ren. Unter­halb der Schwe­be­bahn­trasse sieht man zudem einen Hin­weis auf ein ande­res Ver­kehrs­mit­tel: An die­ser Stelle ver­kehrt die O-​Buslinie nach Solin­gen direkt unter­halb der Schwebebahn.

Über die Funk­ti­ons­weise der Wup­per­ta­ler „Schwe­be­bahn” ist schon vie­les geschrie­ben wor­den. Natür­lich han­delt es sich nicht um eine wirk­lich schwe­bende Bahn wie z.B. den Trans­ra­pid. Statt­des­sen ist das Fahr­werk nicht unter, son­dern über dem Fahr­zeug mon­tiert, sodass die­ses unter­halb sei­ner Schiene hängt. Ent­wi­ckelt wurde die­ses „Sys­tem Eugen Lan­gen” Ende des 19. Jahr­hun­derts und den etwas rus­ti­ka­len Cha­rak­ter hat es sich bis heute erhal­ten. Bei mei­nem ers­ten Besuch in Wup­per­tal dachte ich so, der Name „Wup­per­ta­ler Rum­pel­bahn” würde auch ganz gut passen…

Wup­per­tal ist eine der ganz weni­gen Städte in der Welt, die über­haupt eine sol­che Bahn haben. Lan­gen hatte das Sys­tem um 1900 ver­schie­dens­ten Städ­ten ange­bo­ten, aber in fast allen Fäl­len schei­terte dies vor allem an ästhe­ti­schen Erwä­gun­gen: Das Schwe­be­bahn­via­dukt lässt sich nur schwer in Stra­ßen­räume inte­grie­ren. Wup­per­tal hat hin­ge­gen die Beson­der­heit, dass die gesamte Stadt längs des Flus­ses Wup­per liegt und große Teile der Bahn­trasse genau über des­sen Fluss­bett erreich­tet wer­den konn­ten. Inso­fern gibt das Bild nicht das Aus­se­hen des Haupt­teils der Stre­cke wie­der. Für den Wup­per­ta­ler Nah­ver­kehr erfüllt die Schwe­be­bahn ihre Auf­gabe als Rück­grat sehr gut und gerade in den ver­gan­ge­nen Jah­ren wur­den etli­che der Sta­tio­nen grund­le­gend instand gesetzt, moder­ni­siert und viel­fach mit Auf­zü­gen aus­ge­stat­tet. So ist die Schwe­be­bahn auch für die Zukunft fit.

Der Nahverkehrs-​Adventskalender (8): Nürnberg, Muggenhof, 1997

U-Bahn Station Nürnberg/Muggenhof

U-​Bahn Sta­tion Nürnberg/​Muggenhof

Nürn­berg Mug­gen­hof ist ein Para­de­bei­spiel für fahr­gast­freund­li­ches Sta­ti­ons­de­sign. ;-) Klei­ner Scherz. Aber Ende der 1960er Jahre fand man sowas wohl tat­säch­lich nut­zer­freund­lich: Um auf den Bahn­steig der Sta­tion am Bahn­via­dukt zu gelan­gen, muss man hier erst unter die Straße ver­schwin­den in so eine Art Ver­tei­le­re­bene, von der aus es dann nach oben geht. Die Voll­aus­stat­tung mit Trüb­glas sowohl der Auf­gänge als auch des Bahn­steigs tut ihr übri­ges, dass man auf dem Bahn­steig nur in Gren­zen zwi­schen „ober­ir­disch” und „unter­ir­disch” unter­schei­den kann. Ledig­lich der Anfang der 1980er Jahre ein­ge­baute Fahr­stuhl (auf dem Foto rela­tiv weit vorne an der Sta­tion) führt direkt auf die Straßenebene.

Die Sta­tion liegt auf der Stre­cke zwi­schen Nürn­berg und Fürth, etwa auf der Trasse der ers­ten Eisen­bahn­stre­cke Deutsch­lands. Sie wurde in die­ser Form Ende der 1960er Jahre gebaut und danach 10 Jahre in einer Art Vor­lauf­be­trieb von der Stra­ßen­bahn genutzt. Dann erst erfolgte der Umbau zur U-​Bahnstation. Seit­her fährt hier die U1 aus dem Süd­wes­ten Nürn­bergs kom­mend und Fürth mitt­ler­weile voll­stän­dig durch­que­rend. Der Stra­ßen­bahn hat die Sta­tion ihre Außen­bahn­steige zu ver­dan­ken — in Nürn­berg wer­den ansons­ten kon­se­quent Mit­tel­bahn­steige in den Sta­tio­nen gebaut. Zumin­dest damals konnte man in der Sta­tion auch noch die Auf­hän­gun­gen der Stra­ßen­bah­nober­lei­tun­gen erken­nen — die U-​Bahn fährt mit einer Stromschiene.

Mug­gen­hof wurde seit der Auf­nahme die­ses Fotos min­des­tens ein­mal umge­stal­tet. Die höchst merk­wür­dige Zugangs­si­tua­tion blieb dabei aller­dings erhal­ten. Sie ist in die­ser Form mei­nes Wis­sens ein­ma­lig in Deutsch­land, ledig­lich im Köl­ner Nor­den an der Neus­ser Straße gibt es eine ähnli­che Kon­struk­tion, bei der die Hoch­bahn am Gür­tel aller­dings die tat­säch­lich unter­ir­di­sche Stre­cke nach Mer­ke­nich und Chor­wei­ler kreuzt und sich beide die Ver­tei­le­re­bene tei­len. Beide stam­men aus einer Zeit, als die Ver­kehrs­pla­nung teil­weise deut­lich ande­ren Prin­zi­pien folgte als heute. Das ganze Nürn­ber­ger U-​Bahnnetz würde heute sicher nicht mehr so gebaut wer­den — mit nur 500.000 Ein­woh­nern ist Nürn­berg eigent­lich deut­lich zu klein für eine Voll-​U-​Bahn und andere gleich­große Städte wie Han­no­ver, Leip­zig und Dres­den oder sogar erheb­lich grö­ßere Städte wie Köln, Stutt­gart und Frank­furt kom­men prima mit Stadt– oder sogar rei­nen Stra­ßen­bahn­net­zen aus.