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Der zweite Tod des Loriot: Von der Bankrotterklärung des Urheberrechts

Am 22. August 2011 starb Vicco von Bülow, bes­ser bekannt als Loriot. Von Bülows Ein­fluss auf die Popu­lär­kul­tur der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in den letz­ten 40 Jah­ren ist erheb­lich: Begriffe wie „Jodel­di­plom” oder Rede­wen­dun­gen wie „Die Ente bleibt drau­ßen!” sind in die deut­sche Umgangs­spra­che ein­ge­gan­gen und sein fil­mi­sches und lite­ra­ri­sches Werk sind wei­ten Tei­len der Bevöl­ke­rung geläufig.

Die­ser Tage stirbt Loriot einen zwei­ten Tod. Abzu­se­hen war dies bereits vor eini­gen Tagen, als Heise Online ver­mel­dete, die Loriot-​Erben hät­ten die Wiki­pe­dia wegen der Abbil­dung von Brief­mar­ken mit typi­schen Loriot-​Motiven ver­klagt. Nun hat die Link­über­wa­chung mei­nes Blog bei mei­nem Link auf eine Youtube-​Veröffentlichung der „Weih­nach­ten bei Hop­pens­tedts” zuge­schla­gen. Und in der Tat sieht der geneigte Betrach­ter nun nur noch dies:

Weihnachten bei Hoppenstedts: In die Röhre geschaut

Weih­nach­ten bei Hop­pens­tedts: In die Röhre geschaut

Wir wer­den hier Zeuge der desas­trö­sen Aus­wir­kun­gen unse­res aktu­el­len Urhe­ber­rechts­re­gimes auf die kul­tu­relle Welt unse­res Lan­des. Ein­zelne, am Ent­ste­hungs­pro­zess weit­ge­hend Unbe­tei­ligte, ent­zie­hen der Gesell­schaft Grund­la­gen ihres kul­tu­rel­len Wis­sens­schat­zes — legal und unter Anwen­dung äußerst restrik­ti­ver juris­ti­scher Werk­zeuge. Ich unter­stelle mal, dass dies aus wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen geschieht. Und das macht die Sache völ­lig zur Farce. Denn: Dass ein wirt­schaft­li­ches Inter­esse an den inkri­mi­nier­ten Inhal­ten besteht, ist ja über­haupt nur eben­die­ser Gesell­schaft zu ver­dan­ken, die sich dafür interessiert.

Schwie­rig zu ver­ste­hen? Ich ver­su­che es noch­mal anders herum: Ein Künst­ler schafft ein Werk. Er macht dies öffent­lich, um Inter­esse zu wecken und — übli­cher­weise — einen wirt­schaft­li­chen Wert zu schaf­fen. Die­ser tritt ein, wenn es tat­säch­lich Men­schen gibt, die sich für das Werk inter­es­sie­ren. Dar­auf­hin ist es dem Künst­ler oder auch einem berech­tig­ten Drit­ten mög­lich, der nun­mehr inter­es­sier­ten Öffent­lich­keit das Werk wie­der zu ent­zie­hen und mit rigi­des­ten Rechts­mit­teln gegen die wei­tere Öffent­lich­keit des Wer­kes vor­zu­ge­hen. Und Loriot ist kein Ein­zel­fall: Wer erin­nert sich noch an das infan­tile „Schnappi”-Krokodil? Wie war das mit den Harry-​Potter-​Fans, die nach den sen­sa­tio­nel­len Ver­kaufs­er­fol­gen plötz­lich juris­ti­schem Sperr­feuer aus­ge­setzt waren?

Fühlt sich hier noch wer für dumm verkauft?

Es mag vie­len von uns nicht bewusst sein, aber die „west­li­che Welt” hat in den ver­gan­ge­nen 50 Jah­ren eines der repres­sivs­ten, öffent­lich­keits­feind­lichs­ten und ins­ge­samt kul­tur­schäd­lichs­ten Urhe­ber­rechts– und Ver­wer­tungs­re­gime der Mensch­heits­ge­schichte instal­liert. Nur so sind Mecha­nis­men wie die oben geschil­der­ten durch­setz­bar — zum Scha­den aller Betei­lig­ten. Kul­tu­relle Werke kön­nen auf Zuruf der Öffent­lich­keit ent­zo­gen wer­den, ein Inter­es­sens­aus­gleich für eben diese Öffent­lich­keit — die durch ihr Inter­esse ja über­haupt erst eine Grund­lage für die Rele­vanz des Kul­tur­guts geschaf­fen hat — fin­det nicht statt. Erstaun­lich, dass der­lei Trei­ben so unwi­der­spro­chen in Öffent­lich­keit und Poli­tik bleibt.

Als Pirat (in der 2. Bedeu­tung des Wor­tes) werde ich häu­fi­ger auf unsere Posi­tio­nen zum Urhe­ber­recht ange­spro­chen. „Ihr wollt ja, dass alle alles kopie­ren kön­nen, wovon sol­len die Künst­ler denn leben?” bekomme ich dann mit leicht vor­wurfs­vol­lem Ton­fall zu hören. Ich ant­worte dann stets, dass Pira­tens eben nicht die völ­lige Abschaf­fung von Urhe­ber­recht und Wert­schöp­fung for­dern. Aber die Waage zwi­schen den ver­schie­de­nen Ansprü­chen muss neu aus­ta­riert wer­den. Der Gesell­schaft sind im momen­ta­nen Sys­tem alle Rechte an ihren eige­nen kul­tu­rel­len Wur­zeln genom­men. Das pas­siert des­halb, weil soge­nannte Schutz­rechte in völ­lig aus­geu­fer­ter Weise erteilt und durch­ge­setzt wer­den. Gerade vor dem Hin­ter­grund der tech­ni­schen Ent­wick­lung der letz­ten 20 Jahre muss es hier zu einer Kor­rek­tur zu Las­ten der soge­nann­ten Rech­te­in­ha­ber zu Guns­ten der All­ge­mein­heit kom­men. Und das bedeutet:

  • Mas­sive Kür­zung von Schutz­fris­ten an kul­tu­rel­len Werken
  • Schutz­zei­to­ri­en­tie­rung am Ent­ste­hungs– oder Ver­öf­fent­lich­keits­zeit­punkt des Wer­kes, nicht am Tod des Werkschaffenden
  • Vor­zei­ti­ges Erlö­schen von Schutz­rech­ten mit dem Tod des Werkschaffenden
  • Keine Aus­wei­tung von Schutz­rechts­an­sprü­chen, zum Bei­spiel durch ein Leis­tungs­schutz­recht für Verleger
  • Unter­schei­dung von kom­mer­zi­el­ler und nicht-​kommerzieller Nut­zung eines Werkes
  • Abschaf­fung von Beweis­last­um­kehr­me­cha­nis­men wie der völ­lig über­hol­ten „GEMA-​Vermutung
  • All­ge­meine För­de­rung von alter­na­ti­ven Lizenz­mo­del­len wie „Crea­tive Com­mons” durch ver­stärkte Nut­zung durch öffent­li­che Stellen

Loriot ist tot. Für ihn ist der Hick-​Hack um sein Werk nicht mehr rele­vant. Wir als Gesell­schaft sehen uns jetzt Ver­wer­ten sei­nes Wer­kes gegen­über, denen es — so stellt es sich für mich dar — nicht um die Kul­tur, son­dern um ihre Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen geht. Das kann man ihnen, so fair muss man sein, gar nicht wirk­lich anlas­ten. Denn der Feh­ler liegt in einem Sys­tem, das sol­ches Vor­ge­hen über­haupt erst ermöglicht.

Und das müs­sen wir ändern!

Der Nahverkehrs-​Adventskalender (1): Dresden 1996

Bald ist Weih­nach­ten. Ich habe mich die­ses Jahr ent­schlos­sen, eine ver­brei­tete Tra­di­tion in die­ses Blog zu über­neh­men: Den Advents­ka­len­der. Jeden Tag gibt’s einen neuen Bei­trag. Nun weiß ich nicht, ob ich der­art viele Schwanks aus mei­nem Leben zusam­men­be­käme und zwei Dut­zend Poli­tik­ar­ti­kel sind viel­leicht auch nicht der Weis­heit letz­ter Schluss. Des­halb gibt’s mal was ganz ande­res: Stra­ßen­bah­nen. ;-)

Seit bald 20 Jah­ren durch­reise ich Deutsch­land und das angren­zende Europa und schaue mir Nah­ver­kehrs­sys­teme an. Ich durch­wan­dere Sta­tio­nen, fahre kreuz und quer durch Städte und grase sys­te­ma­tisch ganze Netze ab. Eine Unmenge von Fotos ist dabei im Laufe der Zeit ent­stan­den. 24 Städte habe ich jetzt aus­ge­wählt und stelle jeden Tag eine anhand eines Fotos oder einer klei­nen Foto­se­rie ein Detail aus einer Stadt vor. Ich habe mich bemüht, „inter­es­sante” Bau­werke, Betriebs­si­tua­tio­nen oder Bege­ben­hei­ten her­aus­zu­su­chen. Das ganze ist eine bunte Mischung und ein Stück weit auch ein Expe­ri­ment, ob die­ses Thema und diese Auf­ma­chung über­haupt für irgend­je­man­den inter­es­sant ist. Zu gewin­nen gibt’s übri­gens nichts. Und Rät­sel mache ich auch keine. Das ganze sind ein­fach nur kleine Arti­kel über U-​, S– und Stra­ßen­bahn in ver­schie­de­nen Städ­ten aus rei­nem Spaß an der Freud’.

Tatrawagenzug in Dresden, Mai 1996

Tatra­wa­gen­zug in Dres­den, Mai 1996

Am heu­ti­gen ers­ten Tag des Kalen­ders begin­nen wir mit einem rich­tig alten Foto: Dres­den im Mai 1996. Das Foto müsste am Haupt­bahn­hof ent­stan­den sein, ganz genau kann ich das heute nicht mehr nach­voll­zie­hen, da meine Archi­vie­rung zu der Zeit noch nicht so aus­ge­feilt wie heute war. Im Bild­mit­tel­punkt ist ein Stra­ßen­bahn­zug, wie er damals typisch für Dres­den war. Es han­delt sich um zwei Trieb– und einen Bei­wa­gen des tsche­chi­schen Her­stel­lers Tatra. Sol­che Züge über­nah­men damals den kom­plet­ten Dresd­ner Stra­ßen­bahn­ver­kehr und die hier dar­ge­stellte Drei-​Wagen-​Kombination war das längste, was sei­ner­zeit auf den Glei­sen fuhr. Tatra belie­ferte im Ost­block einen Groß­teil der Stra­ßen­bahn­be­triebe mit Neu­fahr­zeu­gen, so auch in der DDR. Dres­den war dabei der Pilot­be­trieb für die gesamte DDR. Mit den Tatra­wa­gen wur­den nach und nach alle frü­he­ren Fahr­zeug­se­rien abge­löst, die samt und son­ders noch vor dem 2. Welt­krieg kon­zi­piert wor­den waren. 1986 war diese Umstel­lung abgeschlossen.

Auf dem Foto eben­falls zu sehen ist das Gleis­bett. Zu erken­nen ist die alte DDR-​Bauweise mit Beton­plat­ten, die zwi­schen die Schie­nen gelegt wer­den. Wenn man etwas genauer hin­sieht, erkennt man, dass die Plat­ten nicht unbe­dingt bün­dig lie­gen, son­dern auf unter­schied­li­cher Höhe oder sogar schief. Große Teile des Gleis­net­zes in Dres­den waren zur Wende in einem außer­or­dent­lich schlech­ten Zustand und es hat lange gedau­ert, alle Lang­sam­fahr­stel­len zu besei­ti­gen und das Netz kom­plett „in Schuss” zu bringen.

Heute sind die Ver­hält­nisse anders: Als Fahr­zeuge kom­men heute so gut wie aus­schließ­lich moderne Nie­der­flur­stra­ßen­bah­nen zum Ein­satz. Tatras gibt es nur noch zu weni­gen Anläs­sen als Ver­stär­kungs­züge und auch dann wer­den keine Bei­wa­gen mehr genutzt, son­dern drei moto­ri­sierte Trieb­wa­gen hin­ter­ein­an­der gekup­pelt. Zudem sind alle Bah­nen heute in der gelb-​schwarzen Haus­la­ckie­rung der Dresd­ner Ver­kehrs­be­triebe lackiert, die man bei dem Zug im Hin­ter­grund erah­nen kann.

Auch die Gleise befin­den sich heute in einem sehr guten Zustand. Altes DDR-​Gleismaterial fin­det sich heute nur noch an weni­gen Stel­len im Netz. Viele Tras­sen sind in den letz­ten 20 Jah­ren voll­stän­dig über­ar­bei­tet wor­den. Dabei wur­den auch Bahn­steig­kan­ten ange­legt, die in die Fahr­zeuge höhenglei­chen und damit bar­rie­re­freien Ein­stieg ermög­li­chen. Alles in allem hat Dres­den heute ein sehr moder­nes Stra­ßen­bahn­netz, mit dem man zügig durch die ganze Stadt kommt.

Ein Bahnsteig an der Messe: Erinnerungen an den CeBIT-​Verkehr 1997 (2)

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Diese Geschichte zum CeBIT-​Verkehr 1997 star­tete in Teil 1 mit einem Behelfs­bahn­steig am Messegelände.

Behelfs­bahn­steig an der Mes­se­schleife in Han­no­ver, 9. März 1997

Die­ser ermög­lichte es damals, klas­si­sche Stra­ßen­bahn­wa­gen für einen Teil des CeBIT–Anrei­se­ver­kehrs ein­zu­set­zen. Nötig machte dies die ange­spannte Lage im üstra-​Fuhrpark jener Tage: Die 256 ein­satz­be­rei­ten Stadt­bahn­wa­gen des Typs TW6000 reich­ten für den nor­ma­len Ver­kehr plus Mes­se­ver­kehr kaum aus.

TW500-​U-​Boot in der Mes­se­schleife, März 1997

So fuh­ren im mor­gend­li­chen Mes­se­ver­kehr der CeBIT 1997 bis zu drei TW500-​Triebwagen den Zulauf­ver­kehr zwi­schen Pei­ner Straße und Mes­se­ge­lände, die soge­nann­ten „U-​Boote”. Da sie an den Hoch­bahn­stei­gen nicht hal­ten konn­ten, blieb nur der kurze Behelfs­bahn­steig im Wei­chen­be­reich süd­lich des Messe-​Hausbahnsteigs.

Gelenk­trieb­wa­gen bei der Ein­fahrt am Behelfs­bahn­steig, März 1997

Und wie man auf den Fotos gut sehen kann, waren diese Züge wirk­lich nötig: Der Wagen ist sehr gut gefüllt, und das obwohl er nur vier Sta­tio­nen ange­fah­ren hat.

Ankunft am Mes­se­ge­lände: Fahr­gäste von nur vier Sta­tio­nen auf dem Bahn­steig, März 1997

Ich weiß, dass ich mir das ganze damals mit einem Kom­mi­li­to­nen zusam­men ange­schaut habe und dass wir anschlie­ßend im (dann lee­ren) Stra­ßen­bahn­wa­gen zurück zur Pei­ner Straße gefah­ren sind. Das war vor allem des­halb sehr inter­es­sant, weil diese Trieb­fahr­zeuge noch über eine direkte Motor­steue­rung ver­füg­ten. Ein guter Fah­rer konnte mit die­sen Fahr­zeu­gen wesent­lich rasan­ter beschleu­ni­gen als mit der elek­tro­nisch gere­gel­ten Geschwin­dig­keits­steue­rung der TW6000. Aller­dings dreh­ten auch schnel­ler die Räder durch und wenn man zu stark beschleu­nigte und der Motor zu viel Strom zog, unter­brach mit lau­tem Kra­chen der Siche­rungs­au­to­mat die Strom­ver­sor­gung. Der Griff des Fah­rers ging dann immer direkt über sei­nen Kopf, wo die bei­den Dreh­griffe waren, mit denen die Siche­rung wie­der „rein­ge­dreht” wer­den konnte.

U-​Boot-​Wendemanöver an der Pei­ner Straße, März 1997

An der Pei­ner Straße wen­de­ten die Züge der U-​Bootlinie über das Gleis­drei­eck in der Betriebs­hof­zu­fahrt und fuh­ren von dort wie­der in die Hal­te­stelle Rich­tung Messegelände.

Ins­ge­samt war der Mes­se­zu­lauf­be­trieb jener Tage recht rus­ti­kal: Es bedurfte eines hohen Per­so­nal­auf­wands um den Ver­kehr flüs­sig zu hal­ten. Und gerade in der zwei­ten Hälfte der 1990er Jahre führte der Ver­kehr zur Messe die Tech­nik auch mal über ihre Gren­zen hin­aus: Min­des­tens ein­mal in der Mes­se­wo­che fiel das Stell­werk am Aegi­dien­tor­platz aus und legte damit auch den Ver­kehr im gesam­ten U-​Bahnabschnitt nörd­lich von Döh­re­ner Turm über Stun­den lahm.

Stadt­bahn­stre­cke auf der Hil­des­hei­mer Straße nörd­lich An der Wol­le­bahn: Viel Ver­kehr. März 1997

Auch die Strom­ver­sor­gung zickte rum. Im mor­gend­li­chen Anrei­se­ver­kehr am Eröff­nungs­tag kam es zu einem Kom­plett­aus­fall der Strom­ver­sor­gung auf der Stre­cke süd­lich von Döh­re­ner Turm:

Pünkt­lich um 9.37 Uhr gab es im Unter­werk Döh­ren einen Dau­er­kurz­schluß. Nach 3 auto­ma­ti­schen ver­geb­li­chen Ver­su­chen den Strom wie­der ein­zu­schal­ten muß in der Schalt­warte Groß­alarm aus­ge­löst wor­den sein.

Über Funk kam als ers­tes die Auf­for­de­rung an alle auf der B-​Süd [interne Bezeich­nung der Stre­cke], die Fahr­zeuge auf redu­zierte Netz­last zu schal­ten. Als das nichts gebracht hatte, wurde die ver­schärfte Maß­nahme ein­ge­lei­tet: Bügel run­ter für alle! Auch das half nicht. Also wur­den alle Fah­rer auf­ge­for­dert, die vor ihnen lie­gende Stre­cke auf Ober­lei­tungs­schä­den zu über­prü­fen; eben­falls erfolglos.

Als nächs­tes wur­den die Schal­ter für die Ein­spei­sung aus dem Unter­werk Döh­ren abge­schal­tet. Der Kurz­schluß war immer noch vor­han­den, mußte also im Bereich zwi­schen Unter­werk und Stre­cken­ein­spei­sung zu suchen sein. Wenigs­tens konnte man so einen Ver­bin­dungs­schal­ter schlie­ßen, so daß das Unter­werk Enge­sohde (Alten­be­ke­ner Damm) die Ver­sor­gung des Abschnitts mit über­ne­he­men konnte. Nach ca. 15 Minu­ten konn­ten die Bah­nen die Bügel wie­der anle­gen und die Fahrt fortsetzen.

TW6000-​Dreiwagenzug im Mes­se­ver­kehr an der Pei­ner Straße mit abge­senk­ten Strom­ab­neh­mern, März 1997

Ver­kehrs­ge­schicht­lich stellt das Jahr 1997 gleich in meh­rer­lei Hin­sicht eine Zäsur für den Stadt­bahn­ver­kehr in Han­no­ver dar: Letzt­ma­lig wur­den in die­sem Jahr — und das auch nur im hier beschrie­be­nen CeBIT-​Morgenverkehr — die klas­si­schen TW500-​Gelenktriebwagen-​Straßenbahnzüge im Regel­ver­kehr ein­ge­setzt. Und letzt­ma­lig waren bei die­ser CeBIT ansons­ten nur Fahr­zeuge des Typs TW6000 ver­füg­bar. Schon bei der Indus­trie­messe einen guten Monat spä­ter wurde das erste Exem­plar des neuen Stadt­bahn­fahr­zeugs TW2000 der Öffent­lich­keit vorgestellt.

TW2001 bei der ers­ten öffent­li­chen Prä­sen­ta­tion auf der Han­no­ver Messe, April 1997

Im Laufe des Som­mers 1997 kamen die ers­ten TW2000 auf das han­no­ver­sche Netz und zur CeBIT 1998 waren bereits aus­rei­chend Fahr­zeuge ver­füg­bar, sodass es dies­be­züg­lich keine Pro­bleme mehr gab. Pro­bleme mach­ten nur die TW2000 selbst, die wegen unzu­rei­chen­der Tests im Vor­feld in der Ein­füh­rungs­phase zahl­rei­che Kin­der­krank­hei­ten aus­ku­rie­ren muss­ten. Des­halb wur­den sie im Mes­se­ver­kehr 1998 vor allem auf ande­ren Linien ein­ge­setzt und nur spo­ra­disch auf den Messelinien.

Heute erin­nert nur noch wenig an die Ver­hält­nisse Ende der 1990er Jahre: TW2000 und TW6000 sind längst gleich­be­rech­tigt im han­no­ver­schen Netz unter­wegs. Durch den brei­te­ren Wagen­kas­ten und die Mög­lich­keit, bis zu 100 Meter lange Vier­wa­gen­züge zu bil­den, erhöht der TW2000 zudem die Kapa­zi­tät eines ein­zel­nen Zuges erheb­lich. Und schließ­lich ist das Mes­se­ge­lände heute gleich von drei Sei­ten vom Schie­nen­ver­kehr erschlossen.

Stadt­bahn– und S-​Bahnlinien zum Mes­se­ge­lände im Jahr 2010

Neben der Anbin­dung über Döh­ren und Mit­tel­feld gibt es seit der Expo 2000 noch eine wei­tere Stadt­bahn­stre­cke über Bemerode und den Krons­berg, die in der Nähe der ent­ge­gen­ge­setz­ten Ecke des Mes­se­ge­län­des endet. Die bei­den Sta­tio­nen hei­ßen des­halb heute „Messe/​Nord” und „Messe/​Ost”. Und dazu kommt noch das leis­tungs­fä­hige S-​Bahnnetz, das Haupt­bahn­hof und Flug­ha­fen direkt mit dem Mes­se­ge­lände ver­bin­det und einen Groß­teil des Ver­kehrs aus der Region auf­nimmt. Im eben­falls zur Expo neu gebau­ten Fern­bahn­hof „Han­no­ver Messe/​Laatzen” hal­ten zudem die Fern– und Regio­nal­züge der Nord-​Süd-​Fernstrecken. Trotz­dem stellt der Mes­se­ver­kehr auch heute noch eine Belas­tungs­spitze des han­no­ver­schen Stadt­bahn­net­zes und ins­be­son­dere der Linien 8 und 18 dar.

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Unter­schied zwi­schen 1997 und 2010 ist, dass mitt­ler­weile sämt­li­che Bahn­steige zwi­schen der Tun­nelaus­fahrt und dem Mes­se­ge­lände hoch­flu­rig sind. Das war auf die­ser Stre­cke beson­ders auf­wän­dig, weil hier alle Bahn­steige für 100-​Meter-​Züge aus­ge­legt wur­den — und nicht für die sonst übli­chen 75 Meter eines drei­wa­gi­gen TW2000-​Zuges. Dadurch sind aber die Hal­te­stel­len­stops kür­zer gewor­den, weil zum einen die Zeit zum Ein­fah­ren der Klappt­ritt­stu­fen nicht mehr nötig ist und zum ande­ren die Fahr­gäste schnel­ler ein– und aussteigen.

Platz des 1997er-​Behelfsbahnsteiges 13 Jahre spä­ter: Nichts mehr zu sehen. Februar 2010

Und der Behelfs­bahn­steig an der Messe? Nun, auch der ist lange Geschichte. Heute fin­det sich hier ein Ober­lei­tungs­mast und ein Schalt­kas­ten. Außer­dem ist der Hoch­bahn­steig ein paar Meter ver­län­gert wor­den, damit die 100 Meter lan­gen Vier-​Wagen-​TW2000-​Züge dran­pas­sen. Die Stra­ßen­bahn­wa­gen sind ver­kauft oder ver­schrot­tet wor­den, mir ist nicht bekannt, ob über­haupt ein sol­cher Breitraum-​Gelenktriebwagen über­lebt hat. Bei der letz­ten gro­ßen üstra-​Sause, dem Betriebs­hof­fest an der Glock­see 2008, stand jeden­falls kei­ner in der Fahr­zeug­pa­rade auf dem Gleisfeld.

Fahr­zeug­pa­rade auf dem üstra-​Betriebshoffest ohne TW400/​500, August 2008

So schließt diese Rück­blende mit einem letz­ten Foto aus dem Jahr 1997, das noch­mal das Wagen­ma­te­rial jener Zeit gemein­schaft­lich zeigt.

TW6000 und TW500 auf der Hil­des­hei­mer Straße Höhe An der Wol­le­bahn, März 1997

Nach­trag: Das Inter­net ist schon toll. In einer Dis­kus­sion auf Dreh­scheibe Online sind mitt­ler­weile einige kleine Kor­rek­tu­ren zu mei­nen Aus­füh­run­gen auf­ge­taucht. Teil­weise fin­den sich sich auch in den Kom­men­ta­ren unten. So waren anno 1997 nicht drei, son­dern fünf TW500 im „U-​Booteinsatz”. Zudem hat es auch nach 1997 noch U-​Booteinsätze mit den alten Stra­ßen­bahn­wa­gen gege­ben, und zwar bis zum Jahr 2002. Ich denke aber, dass man 1997 trotz­dem als das Jahr der eigent­li­chen Zäsur in die­ser Sache sehen kann: Spä­ter waren die alten Wagen nur noch sehr spo­ra­disch und eher unter „Lieb­ha­be­r­as­pek­ten” im Mes­se­ver­kehr unter­wegs. Im Jahr 1997 hin­ge­gen war der Ein­satz durch­gän­gig die gesamte Messe über und maß­geb­lich der Wagen­knapp­heit geschul­det. Besag­ten Drehscheibe-​Artikel emp­fehle ich übri­gens auch des­halb zur Lek­türe, weil sich dort einige sehr schöne Fotos aus jenen Tagen fin­den. TW400, TW6000 und TW2000 in einer nicht gestell­ten Betriebs­hof­si­tua­tion neben­ein­an­der fin­det man wahr­lich nicht alle Tage…

Ein Bahnsteig an der Messe: Erinnerungen an den CeBIT-​Verkehr 1997 (1)

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Heute gibt es den zwei­ten Bei­trag mei­ner klei­nen Blog­se­rie „Inter­es­sante Ver­kehrs­bau­werke”. Das heu­tige Bau­werk ist wesent­lich unspek­ta­ku­lä­rer als die Brü­cke vom letz­ten Mal. Und es exis­tiert heute auch nicht mehr. Die Geschichte dazu erzählt aber von einem span­nen­den han­no­ver­schen Verkehrskapitel.

Anläss­lich des anste­hen­den CeBIT-​Beginns blen­den wir zurück in das Jahr 1997. Da habe ich kurz vor Beginn der CeBIT einen Bahn­steig fotografiert.

Behelfs­bahn­steig an der Mes­se­schleife in Han­no­ver, 9. März 1997

Schon auf die­sem Foto lässt sich erah­nen, dass es sich hier um ein höchst pro­vi­so­ri­sches Bau­werk han­delt: Er ist ledig­lich von Holz­plan­ken umgrenzt, passt „gerade noch so” zwi­schen das Kur­ven­ende im Vor­der­grund und den Hoch­bahn­steig im Hin­ter­grund und liegt auch noch mit­ten in einem Wei­chen­be­reich. Der ein­zige Zugang schließ­lich ist der Not­zu­gang zu besag­tem Hoch­bahn­steig im Hin­ter­grund rechts.

Wahr­lich eine inter­es­sante Kon­struk­tion. Und eine — wie ich finde — inter­es­sante Geschichte dahin­ter. Die­ser Bahn­steig befand sich an der „Mes­se­schleife” des Stadt­bahn­net­zes. Dies ist die süd­li­che End­sta­tion der Linie 8 und war bis zum Jahr 2000 die ein­zige Stadt­bahn­sta­tion, die das Mes­se­ge­lände erschloss. Die Sta­tion dürfte die leis­tungs­fä­higste des gesam­ten Net­zes sein, sowohl was Durch­satz als auch was die Mög­lich­kei­ten zum kurz­fris­ti­gen Ein– und Aus­set­zen sowie Abstel­len von Zügen betrifft. Schauen wir uns den — auch heute noch so vor­han­de­nen — Gleis­plan an:

Gleis­plan der Sta­tion Mes­se­ge­lände (heute Messe/​Nord) in Hannover

An der End­sta­tion gibt es drei Bahn­steige. Der wich­tigste ist Bahn­steig B, weil er direkt gegen­über dem Ein­gang „Nord 1″ des Mes­se­ge­län­des liegt. Zu Mes­se­zei­ten wird er ent­we­der zur Ankunft oder zur Abfahrt benutzt. So ergibt sich eine von der Haupt­lastrich­tung der Besu­cher­ströme abhän­gige Nut­zung der Gesamtanlage:

  • Im mor­gend­li­chen Anrei­se­ver­kehr fah­ren die Züge an Bahn­steig A durch und hal­ten zum Aus­stei­gen erst an Bahn­steig B. Ein­ge­stie­gen wird dann an Bahn­steig C.
  • Abends im Haupt­ab­rei­se­ver­kehr ändert sich die Abfer­ti­gung: Jetzt ist Aus­stieg am Bahn­steig A und ein­ge­stie­gen wird an Bahn­steig B. Bahn­steig C bleibt ungenutzt.

Haupt­zweck des getrenn­ten Ein– und Aus­stei­gens ist neben der Ent­zer­rung der Fahr­gast­ströme vor allem, dass ange­kom­mene Bah­nen über die dop­pel­ten Gleis­ver­bin­dun­gen vor und hin­ter Bahn­steig B ein­fach auf die Innen­schleife und in den Abstell­be­reich gezo­gen wer­den bzw. von dort ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Mit einem gewis­sen Puf­fer an Zügen in den Ab– und Auf­stell­be­reich in der Schleife lässt sich so sehr fle­xi­bel auf Besu­cher­spit­zen rea­gie­ren, Wagen kön­nen ange­kup­pelt oder ent­fernt, Züge direkt ins Depot geschickt oder von ein­ge­setzt werden.

Außer­halb der Mes­se­zei­ten wird eben­falls an Bahn­steig B ange­kom­men und dann an C abge­fah­ren, wobei die Züge direkt durchfahren.

Das erklärt aber noch kein Stück, was es mit dem Zusatz­bahn­steig auf sich hat. Dazu müs­sen wir uns die Gesamt­ver­kehrs­si­tua­tion zu Mes­se­zei­ten anschauen: Bis in die 1990er Jahre war die Stadt­bahn­stre­cke zur Messe der ein­zige leis­tungs­fä­hige ÖPNV-​Anschluss des Mes­se­ge­län­des. Ent­spre­chend nahm sie einen Groß­teil des Ver­kehrs auf. Betrach­ten wir hierzu eine Streckengrafik.

üstra-​Linien zum CeBIT-​Verkehr 1997

Grund­lage des Mes­se­ver­kehrs ist die Stadt­bahn­li­nie 8, die als Durch­mes­ser­li­nie aus dem Nor­den Han­no­vers kommt und am Mes­se­ge­lände endet. Ab Haupt­bahn­hof wird sie durch Ver­stär­kungs­züge ergänzt, die die Lini­en­be­zeich­nun­gen „18” oder „E” tra­gen. Mit die­sen drei Linien wurde der Haupt­teil des Ver­kehrs aus der Innen­stadt bewältigt.

Da sei­ner­zeit der Fern­bahn­hof Han­no­ver Messe/​Laatzen noch nicht exis­tierte und es auch noch keine S-​Bahn gab, kam auch ein Groß­teil der Zug­rei­sen­den zur Messe am Haupt­bahn­hof an und musste dort in die Stadt­bahn umstei­gen. Infol­ge­des­sen waren die Züge gerade in der mor­gend­li­chen Haupt­stoß­zeit schon bei der Abfahrt am Haupt­bahn­hof so voll, dass am Kröp­cke, spä­tes­tens aber am Aegi­dien­tor­platz, nicht mehr alle War­ten­den zustei­gen konn­ten. Des­halb gab es eine zweite Ver­stär­kungs­li­nie, die eben­falls mit „E” bezeich­net wurde und die am Königs­wort­her Platz ein­setzte. Diese Bah­nen hiel­ten am Kröp­cke und am Aegi auf ande­ren Glei­sen als die Bah­nen aus Rich­tung Haupt­bahn­hof und konn­ten so den Ver­kehr entzerren.

Trotz­dem blieb die Lage beim mor­gend­li­chen Anrei­se­ver­kehr ange­spannt: Neben dem Mes­se­ver­kehr gibt es auch die Stadt­bahn­li­nien 1 und 2 auf der Stre­cke zwi­schen Haupt­bahn­hof und Both­mer­straße. Zudem wol­len nicht alle Fahr­gäste zur Messe: Die Stre­cke führt durch die dicht besie­delte Süd­stadt und hat eine wich­tige Rolle im Schü­ler­ver­kehr für eine ganze Reihe von Schu­len rund um die Sta­tion Alten­be­ke­ner Damm. Schließ­lich setzt das recht unfle­xi­ble han­no­ver­sche Signal­sys­tem enge Gren­zen für die Stre­cken­ka­pa­zi­tät nörd­lich des Döh­re­ner Turms.

Das führte zu einer gan­zen Reihe durch­aus ein­falls­rei­cher Betriebs­kon­zepte für die Stre­cke. So hiel­ten die „E”-Züge in eini­gen Jah­ren an kei­ner der Sta­tio­nen zwi­schen Aegi­dien­tor­platz und Both­mer­straße, teil­weise sogar bis Mes­se­ge­lände. Ein ande­res Kon­zept war das „alter­nie­rende Hal­ten”, das es so sonst wohl nur auf einige hoch­be­las­te­ten Abschnit­ten der New Yor­ker U-​Bahn gibt: Zwi­schen Aegi­dien­tor­platz und Both­mer­straße hiel­ten alle Züge zum Mes­se­ge­lände alter­nie­rend nur an jeder zwei­ten Station.

All dies änderte aber nichts daran, dass sämt­li­che Züge zur Messe mor­gens spä­tes­tens am Pei­ner Straße so prop­pen­voll waren, dass süd­lich davon das Zustei­gen zum puren Glücks­spiel wurde. Was ein Pro­blem war, denn zum einen nah­men viele Aus­stel­ler und Besu­cher gern in Döh­ren oder Mit­tel­feld und damit mes­se­nah Quar­tier und zum ande­ren war (und ist) Both­mer­straße ein wich­ti­ger Umstei­ge­punkt aus Rich­tung Laat­zen und Rethen.

Drei­wa­gen­zug TW6000 im CeBIT-​Verkehr 1997 zwi­schen Seel­horst und Bothmerstraße

Des­halb gab es noch eine fünfte Linie zum Mes­se­ge­lände. Diese wurde vom Betriebs­hof Döh­ren an der Pei­ner Straße aus ein­ge­setzt und fuhr dann ledig­lich die rela­tiv kurze Rest­stre­cke bis zum Mes­se­ge­lände. Damit wurde genau der kri­tischste süd­li­che Abschnitt abge­deckt. Beschil­dert war auch diese Linie als „8” oder „E”, üstra-​intern sprach man bei die­sen Bah­nen gern von den „U-​Booten”: Die Linie erreichte nicht den Tun­nel in der Innen­stadt, es gab auch kei­nen ech­ten „Fahr­plan”, statt­des­sen wur­den die Züge sozu­sa­gen auf Zuruf zwi­schen den übri­gen Kur­sen ein­ge­setzt — wie U-​Boote halt.

Jetzt müs­sen wir auf ein ande­res Detail der Situa­tion der üstra im Jahr 1997 schauen: Den Fuhr­park. Sei­ner­zeit wur­den alle Stadt­bahn­li­nien aus­schließ­lich mit den grü­nen Bah­nen der Bau­reihe TW6000 betrie­ben. 260 Fahr­zeuge gab es, die letzte Serie von 10 Wagen war erst 1993 aus­ge­lie­fert wor­den. Trotz­dem war es knapp: Der CeBIT-​Verkehr benö­tigte so viele Fahr­zeuge, dass eigent­lich alle 260 Trieb­wa­gen gebraucht wur­den. Lei­der stan­den diese nicht zur Ver­fü­gung: Durch meh­rere Unfälle Ende 1996 und Anfang 1997 waren ins­ge­samt vier Fahr­zeuge schad­haft abge­stellt. Und damit wurde es eng: Ich erin­nere mich, dass ich am ers­ten Mes­se­tag am Bahn­steig mei­ner Haus­sta­tion „Sed­an­straße” stand und mit­ten im mor­gend­li­chen Berufs­ver­kehr mein Zug der Linie 3 als (völ­lig über­füll­ter) Ein­zel­wa­gen fuhr. Die­ses Schick­sal teil­ten auch andere Linien — nicht wirk­lich zur Freude der Fahr­gäste. Bei die­sem knap­pen Fuhr­park war die Devise klar: Es muss­ten so viele TW6000 wie mög­lich ein­ge­spart werden.

Und da boten genau die beschrie­be­nen U-​Bootverkehre eine Mög­lich­keit: Im Sep­tem­ber 1996 war die letzte „echte” Stra­ßen­bahn­li­nie in Han­no­ver ein­ge­stellt wor­den: Die 16 fuhr vom Kla­ges­markt über Stein­tor, Ernst-​August-​Platz, König­straße und Zoo zum Nacken­berg. Seit Inbe­trieb­nahme der U-​Bahn unter dem Engel­bos­te­ler Damm 1993 wurde diese Linie wie­der durch­gän­gig mit den letz­ten „alten” Stra­ßen­bahn­wa­gen der Bau­reihe TW500, den soge­nann­ten „Gelenk­trieb­wa­gen” befah­ren. Nach der Ein­stel­lung der Linie wur­den drei Wagen zunächst betriebs­fä­hig gehal­ten, um näm­lich genau mit die­sen besag­ten U-​Bootverkehr wäh­rend der CeBIT durchzuführen.

TW503 auf der Linie 16 in der ehe­ma­li­gen Kehr­schleife Nacken­berg, 25. Sep­tem­ber 1996

Anders als die Stadt­bahn­wa­gen, die mit ihren Klappt­ritt­stu­fen sowohl an Hoch– als auch an Nied­rig­bahn­stei­gen hal­ten kön­nen, sind die alten Stra­ßen­bahn­wa­gen mit ihren fest ein­ge­bau­ten Tritt­stu­fen auf nied­rige Bahn­steige ange­wie­sen. Diese gab es 1997 noch an allen für den U-​Bootverkehr rele­van­ten Hal­te­stel­len — mit einer Aus­nahme: Mes­se­ge­lände. Dort war als letz­ter der Bahn­steig A im Som­mer 1996 als Hoch­bahn­steig umge­baut worden.

Und damit fügt die Geschichte sich end­lich zusam­men: Um mit den wegen des TW6000-​Mangels als U-​Boote ein­ge­setz­ten alten TW500-​Straßenbahnwagen am Mes­se­ge­lände hal­ten zu kön­nen, bedurfte es dort eines pro­vi­so­ri­schen nied­ri­gen Bahn­steigs. Und genau den baute man kurz vor der CeBIT direkt süd­lich des Bahn­steigs B.

Damit endet Teil 1 die­ser Geschichte rund um den CeBIT-​Verkehr ver­gan­ge­ner Tage. Teil 2 folgt.

Piratenpartei wird 3 Jahre alt: Herzlichen Glückwunsch

Vor exakt drei Jah­ren wurde die Pira­ten­par­tei gegründet:

Deut­sche Pira­ten­par­tei kämpft für die freie Wissensgesellschaft

So lau­tete die Über­schrift des Heise-​Online-​Artikels, der die Grün­dungs­ver­samm­lung vom 10. Sep­tem­ber 2006 beschrieb. Also übri­gens nicht im August 2006, wie ich und andere in letz­ter Zeit immer mal wie­der gegen­über der Presse erzählt haben. So ent­ste­hen Gründungsmythen…

Am Kern der Par­tei hat sich in den letz­ten drei Jah­ren nichts geän­dert, hier einige Zitate aus dem Heise-​Artikel:

Als Haupt­ziel der neuen poli­ti­schen Ver­ei­ni­gung bezeich­nete ihr frisch gewähl­ter Vor­sit­zen­der, Chris­tof Leng, gegen­über heise online, „die Kern­fra­gen der Wis­sens­ge­sell­schaft” anzu­ge­hen. Die­sen Anspruch könne man auf zwei For­meln run­ter­bre­chen: „Wir sind gegen geis­tige Mono­pole und wol­len den glä­ser­nen Staat statt den glä­ser­nen Bür­ger”. Der The­men­kom­plex strahle in alle Gesell­schafts­be­rei­che und die Wirt­schaft aus, umfasse Berei­che wie Bil­dung, Wis­sen und Innovation.

Und auch bestimmte Pro­bleme und Vor­ur­teile sind gleich geblieben:

Unter den 53 Ver­sam­mel­ten und den bis­he­ri­gen Unter­stüt­zern seien viele „Nerds”, gab Leng zu. Aber mit sol­chen Kli­schees müsse man leben. Im Prin­zip gebe es kaum noch Jugend­li­che, die man nicht so bezeich­nen könne, da für Her­an­wach­sende SMS, Inter­net, File­sha­ring oder LAN-​Partys keine Fremd­worte mehr dar­stel­len wür­den. Frauen stan­den für die Vor­stands­wahl nicht zur Ver­fü­gung. Man wolle Ver­tre­ter des weib­li­chen Geschlechts aber für die beacker­ten The­men begeis­tern, erklärte Leng. Frauen hät­ten einen ande­ren Zugang zu Pro­blem­lö­sun­gen, wür­den weni­ger tech­nisch als viel­mehr prag­ma­tisch vorgehen.

Wobei — mitt­ler­weile ist der Vor­stand ja gemischtgeschlechtlich.

Im Wiki der Par­tei fin­det sich auch noch die Vor­be­rei­tungs­seite zur Grün­dungs­ver­samm­lung. Und man machte sich schon damals Gedan­ken über ver­schie­dene Punkte des Ablaufes:

Datum, Dauer und Ablauf

- Sonn­tag 10:00 — 14:00: Offi­zi­elle Gründung […]

- Sonn­tag ab 14:00: Direkt im Anschluss an die Grün­dung (14:00) soll eine kurze Pres­se­kon­fe­renz offen geblie­ben Fra­gen klä­ren und zur Vor­stel­lung des Vor­stan­des nach außen dienen. […]

Der momen­tane Vor­schlag ist opti­miert für Mit­glie­der, die einen wei­te­ren Anrei­se­weg haben, damit sich diese Hürde als mög­lichst nied­rig erweist. Es wird dabei davon aus­ge­gan­gen, dass die Anrei­sen­den eine Über­nach­tung (von Sams­tag zu Sonn­tag) in Ber­lin pla­nen, wäh­rend des Sams­ta­ges anrei­sen und Sonn­tag spät Abends wie­der irgendwo in Deutsch­land zu Hause sein wol­len. Des­we­gen ist eine frühe Abreise mög­lich zu machen, ohne das Abstim­mun­gen der Ver­samm­lung wg Abreise ver­passt wer­den. Zusätz­lich sollte das Grün­dungs­tref­fen zeit­lich nicht völ­lig wider all­ge­mei­ner Pres­se­ge­pflo­gen­hei­ten situ­iert wer­den, damit wir unsere Chance auf breite Bericht­er­stat­tung am Mon­tag nicht verkappen. […]

An-​/​abschließende Aktionen

[…] Falls uns nichts bes­se­res ein­fällt und wir Zeit über­brü­cken müs­sen (Pres­se­kon­fe­renz ?) könn­ten wir auch spon­tan demons­trie­ren .. dazu wer­den wir aber wahr­schein­lich zu wenige sein.

Auf der Seite ist auch das Grün­dungs­pro­to­koll mit­samt der Ergeb­nisse der ers­ten Vor­stands­wah­len ver­linkt. Es besteht als PDF-​Dokument aus ein­ge­scann­ten Kopien des Papier­aus­drucks. Ich wollte an die­ser Stelle erst was zum Thema „Inter­net­aus­dru­cker” schrei­ben, aber dann ist mir klar gewor­den, dass diese Form der Ver­öf­fent­li­chung einer­seits die Namen der Betei­lig­ten nicht such­bar macht und ande­rer­seits nur so die Unter­schrif­ten unter das Pro­to­koll halb­wegs authen­tisch wie­der­ge­ge­ben wer­den kön­nen. Oh, a pro­pos „Vorstandswahlen” — davon gibt’s sogar ein Foto:

Wahl zum ersten Bundesvorstand der Piratenpartei, September 2006

Wahl zum ers­ten Bun­des­vor­stand der Pira­ten­par­tei, Sep­tem­ber 2006

Wie man sehen kann, musste die Grün­dungs­ver­samm­lung damals noch auf Flag­gen zurück­grei­fen, die nicht dem Par­tei­de­sign ent­spre­chen. In der Zwi­schen­zeit hat sich das ja geändert.

Videos von der Grün­dung sind mir nicht bekannt. Aber um hier nun auch ein biss­chen „beweg­ten Con­tent” ein­zu­brin­gen, ver­weise ich auf das immer noch aktu­elle erste grö­ßere Video­in­ter­view im elek­tri­schen Repor­ter. Am 17. Sep­tem­ber 2007, also ziem­lich genau ein Jahr nach der Grün­dung, steht der dama­lige Bun­des­vor­sit­zende Jens Sei­pen­busch — der auch jetzt wie­der Bun­des­vor­sit­zen­der ist — Rede und Ant­wort über die Her­kunft und die Ziele der Pira­ten­par­tei. Immer noch sehenswert.

Jens Seipenbusch 2007 im elektrischen Reporter über die Piratenpartei

Jens Sei­pen­busch 2007 im elek­tri­schen Repor­ter über die Piratenpartei

Die­ser Blick ins Archiv zeigt mei­nes Erach­tens deut­lich, was für einen wei­ten Weg die Pira­ten­par­tei seit die­ser Grün­dung bereits erfolg­reich zurück­ge­legt hat. Und in zwei­ein­halb Wochen haben wir den bis­her wohl wich­tigs­ten Grad­mes­ser, wie weit wir auf unse­rem Weg ins­ge­samt schon vor­an­ge­kom­men sind.

10 Jahre Dipl.-Math.

Damit ich es nicht ver­gesse: Vor genau 10 Jah­ren, am 1999-​07-​22, habe ich meine letzte Diplom­prü­fung erfolg­reich abge­legt. Seit zehn Jah­ren bin ich jetzt also schon kein Stu­dent mehr. Als zeit­ge­schicht­li­ches Doku­ment hier meine E-​Mail, die ich damals kurz nach der Prü­fung an Freunde und Bekannte schickte (in der Fami­lie hatte noch nie­mand die­ses „Internet”…):


Hallo aller­seits,
[Adres­sa­ten befin­den sich im BCC-​Feld (=unsicht­bare Kopie), des­halb siehst du nur mich als Emp­fän­ger. Die eMail geht aber an viele Leute gleichzeitig.]

habe soeben meine letzte münd­li­che Diplom­prü­fung erfolg­reich hin­ter mich gebracht. Bin also dem­nächst wirk­lich und wahr­haf­tig mit einem aka­de­mi­schen Titel ver­se­hen. :-)

Ciao, Dirk


Dirk Hill­brecht, Han­no­ver — City of the Expo 2000, Ger­many
dirk@​hillbrecht.​de — http://​www​.hill​brecht​.de
I don’t speak for anyone else but me, mys­elf, and I.
„Win­dows kann abstürzen” — Heise Newsti­cker, 2.3.1999

Ja, das waren noch Zei­ten. Da musste man den Emp­fän­gern noch erklä­ren, was es mit „BCC” auf sich hat. Heute muss man Angst haben, dass eine E-​Mail wegen sowas im Spam­fil­ter lan­det. Man beachte auch die Usenet-​kompatible Signa­tur mit necki­schem Spruch, coo­lem Zitat und dezen­tem Hin­weis auf damals noch in der Zukunft lie­gende Groß­ver­an­stal­tung in Han­no­ver, deren Über­reste seit nun­mehr fast neun Jah­ren im Süd­os­ten des Stadt­ge­biets vor sich hin rot­ten. Der eigent­li­che Inhalt dage­gen ist eher kurz gehal­ten. Ich erin­nere mich, dass ich die Prü­fung, es war „Infor­ma­tik”, mit der Note 1,7 abge­schlos­sen habe und mein Diplom die Gesamt­note „Gut” hat. Inter­es­siert hat sich dafür seit mei­nem Abschluss aber kei­ner. Trotz­dem — war schon sinn­voll, das Stu­dium abzu­schlie­ßen und nicht irgend­wann mit­ten­drin abzu­bre­chen und ohne Abschluss in die Wirt­schaft zu gehen, wie einige Kom­mi­li­to­nen das damals in den wil­den 1990er Jah­ren gemacht haben.

Mein Walkman und was ich 1994 für Musik gehört habe

Ich muss noch­mal auf diese Geschichte von neu­lich zurück­kom­men. Ich habe mal ein biss­chen gestö­bert und mei­nen eige­nen Walk­man aus­ge­gra­ben: „Sony WM-​EX50” hieß das Gerät:

Walkman Sony WM-EX50

Walk­man Sony WM-​EX50

Wie auf dem Foto zu sehen ist, sind alle Bedien­ele­mente da, die so ein Gerät brauchte:

  • Kopf­hör­er­buchse mit „Mega Bass”-Schalter (noch ganz authen­tisch in Posi­tion „Mid”
  • Bat­te­rie­an­zeige
  • Laut­stär­ke­reg­ler als ana­lo­ges Drehrad
  • Hebel­chen zum Öffnen des Kassettenfachs
  • Play­taste, bei der aller­dings die Tas­ten­kappe abge­gan­gen ist
  • Stop­taste zum Anhalten
  • Tas­ten zur Vor­wärts– und Rückwärtsspulen
  • Rich­tungs­wech­sel — das Gerät konnte beide Sei­ten der Kas­sette abspie­len ohne dass man sie umdre­hen musste
  • Modus­schal­ter: Soll die Kas­sette nur ein­mal kom­plett durch­ge­spielt und dann ange­hal­ten wer­den oder ist End­los­be­trieb gewünscht
  • Strom­an­schluss für ein 1,5V-Netzteil (nicht mitgeliefert)

Unten ist dann noch das Bat­te­rie­fach (1 * 1,5V-Mignonzelle) sowie der Dol­by­schal­ter und die Bandsor­ten­wahl. Dolby war, die Älte­ren unter uns wer­den sich erin­nern, ein Ver­fah­ren zur Rausch­re­duk­tion. Mein Walk­man konnte nur Dolby B, was aber egal war, weil mein Kas­set­ten­deck auch nur mit Dolby B aus­ge­stat­tet war.

Sony WM-EX50 und Kassette

Sony WM-​EX50 und Kassette

In dem Walk­man war auch noch eine Musik­kas­sette. Wie damals üblich war es eine Leer­kas­sette, die ich selbst bespielt und mit einem Auf­kle­ber ver­se­hen hatte. „Walk­man ’94″ steht da, was mich ver­mu­ten lässt, dass ich wohl doch schon wesent­lich eher als ich bis­her gedacht hatte mit der Benut­zung die­ses Geräts auf­ge­hört habe. 90 Minu­ten Musik pass­ten da drauf, auf jede Seite 45 Minu­ten. Wie man sieht, ist die Grund­flä­che des Walk­man tat­säch­lich nicht wesent­lich grö­ßer als die der Kassette.

Innenleben des Sony WM-EX50

Innen­le­ben des Sony WM-​EX50

Im Inne­ren des Geräts ist die Mecha­nik zu erken­nen, die für die Wie­der­gabe zustän­dig ist. Hin­ten in der Mitte ist der Ton­kopf, der die Band­ma­gne­ti­sie­rung erfasst und links und rechts davon die Mecha­nik, die das Band straff hält, wenn es von der Spin­del bewegt wird. Da der Walk­man „Auto Reverse”-fähig ist, ist der kom­plette Antrieb sym­me­trisch aufgebaut.

Man beachte den vie­len „freien Platz”, der für die Kas­sette benö­tigt wird. Heute passt die Dut­zend­fa­che Musik­menge auf Spei­cher­kar­ten von der Größe eines Fingernagels…

Musikkassette "Walkman '94"

Die Kas­sette lag jetzt etwa 15 Jahre im Walk­man. Links ist zu erken­nen, dass eine der Andruck­rol­len das Band beschä­digt hat. Trotz­dem ließ sich die Kas­sette noch abspie­len. In einem Anfall von inves­ti­ga­ti­vem Jour­na­lis­mus habe ich mir Gerät und Kas­sette vor­ge­nom­men und gna­den­los abge­hört, mit was für Musik ich mir 1994 die Zeit ver­trie­ben habe. Die Ergeb­nisse sind, ein für inves­ti­ga­ti­ven Jour­na­lis­mus nicht unüb­li­ches Fazit, scho­ckie­rend. Und sie sind kein Einzelfall:

  • Seite A
  • B.G. the Prince of Rap — Color of my dreams
  • Cul­ture Beat — Anything (Album Mix)
  • Irgend­ein gru­se­li­ger Eurodance-​Trash, in dem im Refrain „Do what you want but don’t for­get the Omen” vor­kommt
  • Noch­mal Euro­dance. Die berüch­tigte Midi-​Standardpanflöte und was mit „Riding on the train of love
  • Jam & Spoon — Right in the night
  • Maxx — Run-​A-​Way — „I’m a white rag­ga­man with a rag­ga­man style-​y
  • Yous­sou N’Dour & Neneh Cherry — 7 seconds
  • I got to give it up, I got to get away” — Wie Recht sie haben — Euro­dance mit „Rap­per” und Sängerin…
  • Ice MC — It’s a rainy day — „Bad times in life is like a tele­phone, you never know when it’s have a ring.
  • Dance 2 Trance — Power of Ame­ri­can Natives
  • U96 — Inside your dreams (Fade out)
  • Seite B
  • Magic Affair — Give me all your love — „Love is the same as hate if you’re not care­ful
  • Ace of Base — Don’t turn around
  • Maxx — No more — Hurra, Rag­ga­man is back
  • Enigma — Return to innocence
  • Inter­mis­sion and Lori Glori — Six days — Ach du lie­bes biss­chen, wie schräg ist das denn? Das ist nicht meine Kassette!
  • Ganz übler Eurodance-​Trash, der „Rap”-Part beginnt mit „Bumm digi digi digi bumm digi bamm
  • Blur — Girls & Boys
  • Cul­ture Beat — Rocket to the moon
  • U96 — Inside your dreams
  • 2 Unli­mited — The real thing
  • US3 — Can­ta­loop
  • Per­ple­xer — Acid Folk (Fade out)

Was für eine gedie­gene Mischung! Bei etli­chen Stü­cken habe ich Titel und/​oder „Inter­pret” nur durch Google-​Recherche raus­fin­den kön­nen und bei den schlimms­ten Aus­wüch­sen ging nicht mal das, weil ich in dem „Lied” irgend­wie nichts gefun­den habe, nach­dem ich hätte suchen kön­nen… Naja, ver­bu­chen wir’s unter „Jugendsünde”.

Und nun noch für die Jün­ge­ren: In den 1990er Jah­ren fand die Musik­in­dus­trie sol­che Kas­set­ten­ko­pien ganz toll. Da gab es Fern­seh­spots, in denen die Qua­li­tät von Leer­kas­set­ten mit Sprü­chen wie „Ver­dammt nah an der CD” bewor­ben wur­den. Da waren Pri­vat­ko­pie, Musik­tausch und Mixtapes keine Straf­ta­ten, son­dern wich­ti­ger Teil des kul­tu­rel­len Aus­tauschs. Die Per­ver­tie­rung des Urhe­ber­rechts in eine Verwertungsindustrie-​Schutzmaschine kam erst nach 2000. Erin­nert euch dran, wenn mal wie­der von den seit Ewig­kei­ten ver­brief­ten Rech­ten an der Ver­wer­tung gefa­selt wird…