Für ein „Logistikzentrum” eines internationalen Internet-Versandhandelsunternehmens ist ein Standort unweit des hannoverschen Messegeländes in die engere Wahl gekommen. Was sage ich zu diesem Projekt und der Bürgerinformationsveranstaltung, die dazu stattgefunden hat?
Zunächst mal: Gut, dass es diese Bürgerinformation gegeben hat. Und auch gut, dass das zu dem Zeitpunkt passiert ist. Eigentlich ist das ein geradezu „piratiges” Vorgehen, auch wenn ich nicht so vermessen bin, zu vermuten, das hätte irgendwas mit uns zu tun…
Dass seitens der Bürger ein großes Interesse besteht, war angesichts des picke-packe-vollen Saales unübersehbar. 400 Leute waren da und ich vermute, gestern abend mussten noch viele, viele Stühle wieder in alle möglichen Ecken des Annastift zurückgebracht werden. Die Öffentlichkeit ist jetzt jedenfalls informiert.
Die Informationen zum aktuellen Zeitpunkt über das Projekt sind lückenhaft. Das wissen Politik und Verwaltung selbst und reden gar nicht um den heißen Brei herum. Damit werden gewisse kritische Nachfragen zwangsläufig in die Zukunft verschoben. Es wird spannend zu sehen, wie sich das „Logistikunternehmen” zu den Themen „Lohn” und „Arbeitsplatzumfeld” äußern wird — wenn es denn kommt.
Ein paar Dinge sind mir gestern aufgefallen, die ich versuchen werde, im Auge zu behalten:
- Es wurde ja sehr oft betont, dass das Verfahren ergebnisoffen geführt werden soll. Insofern bin ich gespannt, wie Politik und Verwaltung mit begründeten Einwänden umgehen, die sich nicht so ohne Weiteres auflösen lassen.
- Über den Ausbau der Lärmschutzwände wurde zwar gesprochen, zur Finanzierung aber nichts gesagt. Insbesondere nicht, wenn sich die Notwendigkeit der Verstärkung erst zwei Jahre später rausstellt.
- Auch zum Grundwasser wurden keine Fragen gestellt und keine Aussagen gemacht. Da bin ich auf die jetzt laufenden Untersuchungen gespannt.
- Die Aussagen zum Verkehrskonzept bei Messean– und –abreiseverkehr fand ich — nunja — nicht besonders nachvollziehbar. Ich bin mir auch nicht sicher, ob da wirklich ein Problem existiert: Letztlich sind ja nur die abgehenden Transporte zeitkritisch. Die sind tendenziell eher später am Tag und da ist — wenn es denn so ist — Messe-Rückreiseverkehr (Maßnahme „R”), durch den die Transporter unproblematisch auf den Messeschnellweg kommen. Kritisch ist eigentlich nur „Maßnahme A”, bei der der direkte Weg vom Kronsberg zu den Autobahnen im Norden blockiert ist — aber das ist nur morgens der Fall. Nichtsdestotrotz müsste hier nochmal genauer erklärt werden, wie der Verkehr denn nun laufen soll.
- Zu den Sorgen um die Lautstärke und den Verkehr: Sorry, ich kann das einfach nicht wirklich nachvollziehen. Der Messeschnellweg ist zwar manchmal voll, aber ist die einzige Möglichkeit, ampelfrei und direkt von den Autobahnen zum Kronsberg zu kommen. Das professionelle Spediteure da in großem Stil auf irgendwelche „Schleichwege” ausweichen — ich kann’s mir nicht vorstellen. Die kostenlosen Mitarbeiterparkplätze hingegen halte ich in diesem Zusammenhang hingegen für durchaus nötig und sinnvoll.
- Und man muss deutlich sagen: Auch jetzt herrscht längs der Emmy-Noether-Allee keine Grabesruhe. Das ist die direkte Zufahrt vom Messeschnellweg nach Bemerode und zum Kronsberg. Ich würde mal tippen, dass da jetzt schon so 200 Autos pro Stunde tagsüber lang fahren. Es wird also zwar mehr, aber nicht so unendlich viel mehr, wie das bei einigen Ängsten von Anwohnern empfunden wird.
Alles in allem erscheinen mir persönlich die angenommenen Risiken oder „Beeinträchtigungen”, die mit diesem Logistikzentrum einher gehen sollen, überschaubar. Die vielen neuen Jobs für die Region Hannover hingegen bietet große Chancen. Zudem kann eine solche Ansiedlung auch auf andere Wirtschaftszweige belebend wirken — wo viele Autos unterwegs sind, gibt es auch einen größeren Bedarf an Dienstleistungen rund herum. Ich stehe dem Ansiedlungsprojekt zum aktuellen Zeitpunkt aufgeschlossen gegenüber und bin gespannt darauf, was nun die eingeleiteten Gutachten für Resultate bringen.
Ich nehme aber auch ausdrücklich für mich in Anspruch, dass sich meine Einschätzung noch ändern kann. Wie sagten die Verantwortlichen der Stadt so schön: Es ist ein ergebnisoffener Diskussionsprozess. Das sehe ich auch für mich so.









