Archiv für die 'Fern seh’n' Kategorie

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Damals…

Kennt ihr das? Manch­mal kom­men einem so Erin­ne­run­gen an die Jugend. Irgend­wel­che eigent­lich völ­lig neben­säch­li­chen Dinge, über die man dann aber irgend­wie stun­den­lang nach­den­ken kann. Wie war das damals doch gleich?

So auch bei mir neu­lich. Da war doch mal die­ser Grand Prix. So irgend­wann Ende der 1980er/​Anfang der 1990er Jahre. Da gab es diese zwei Spa­nie­rin­nen. Die sind gleich als erste auf­ge­tre­ten. Mit einem — für die dama­lige Grand-​Prix-​Zeit — durch­aus pro­gres­si­ven Lied­chen. Und es hat tech­ni­sche Pro­bleme gege­ben. Und ich fand das Stück eigent­lich ganz gut. Sind aber nur sechste in der Wer­tung gewor­den oder so. Wie ging das Lied doch gleich???

Tja, frü­her hätte man da so drü­ber nach­sin­niert aber keine Chance gehabt, das jemals raus­zu­be­kom­men. Heute ist das anders…

Auf­tritt Wiki­pe­dia: Nach ein biss­chen Her­um­blät­tern finde ich auf der Seite zum Grand Prix 1990 ziem­lich genau das Sze­na­rio aus mei­ner Erin­ne­rung: „Die Start­num­mer 1 aus Spa­nien musste zwei­mal star­ten, weil beim ers­ten Ver­such nur das Rhyth­mus­play­back ein­ge­spielt wurde, der Diri­gent jedoch nichts hören konnte.” Und in der Tabelle dann: „Platz 5: Spa­nien, Azu­car Moreno, Bandido”.

Damit dann mal rüber nach Youtube. Bingo! Der (dort mitt­ler­weile nicht mehr ver­füg­bare) Mit­schnitt umfasst sogar den Faux-​pas mit dem schief gegan­ge­nen Play­back, inklu­sive bewe­gungs­lo­ser Hin­ter­grund­mu­si­ker (die Musik kommt ja schließ­lich vom Band), rat­lo­ser Sän­ge­rin­nen und einem äußerst tro­cke­nen eng­li­schen Kommentar.

Ja, so in etwas hatte ich das in Erin­ne­rung. Toll wie man sich heute die Ent­wick­lung des eige­nen… nunja, sagen wir mal: Musik­ge­schmacks vor­spie­len las­sen kann.

Das Inter­net kann aber noch mehr. Bei Google mal „Azu­car Moreno Ban­dido Lyrics” ein­ge­ge­ben, den ers­ten Link ange­klickt. Hm, Spa­nisch. Kunst­stück bei einem spa­ni­schen Lied. Ich kann kein Spa­nisch. Aber ich habe ja Kon­queror: „Extras > Web­seite über­set­zen > Spa­nisch nach… >” Hm. Kein Deutsch. Ok, dann „Eng­lisch”. Babel­fisch arbei­tet. Und in der Tat ahnt man plötz­lich sogar, worum es in dem Lied geht. Hat man aber ehr­lich gesagt — Spa­nien, zwei Frauen, Grand Prix — auch so irgend­wie schon:

Your eyes ban­dit rob­bed with sto­ries the blood and the life of my heart
Your absence in my nights cau­ses moans, sighs and weeping, and dark passion.

Und damit waren dann irgend­wie alle Fra­gen an die Ver­gan­gen­heit für den Moment geklärt.

Sieben sieben eins zwei

Bild und Heinz-​Rudolf Kunze in schö­ner (und höchst­wahr­schein­lich nicht son­der­lich häu­fi­ger) Ein­tracht: Schie­bung beim Grand­prix! Unser tol­ler Cicero ist beim Euro­vi­sion Song Con­test 2007 nur des­halb auf Platz 19, weil die bösen Osteuropa-​Mafiosi sich gegen­sei­tig die Punkte „zuge­schus­tert” haben. Zum Glück hat Bild­blog nach­ge­rech­net: Wenn man nur die „west­eu­ro­päi­schen” Stim­men zusam­men­zählt, hätte nicht Ser­bien gewon­nen, son­dern… ups: Auch Ser­bien. Und auf Platz 2 wäre nicht die Ukraine gewe­sen… oh, doch, wäre auch die Ukraine gewe­sen. Auch ansons­ten sieht die Tabelle der tat­säch­li­chen erstaun­lich ähnlich, auch in West­eu­ropa hätte es für unsern Bundes-​Roger nur für Platz 14 gereicht.

Tja liebe Bild und lie­ber Heinz-​Rudolf: Viel­leicht liegt’s ja doch daran, dass die Sie­ger­ti­tel ein­fach ein­gän­gi­ger und sprit­zi­ger waren als der Ger­man Swing. Tech­nisch zwar ein­wand­frei, aber — nunja — lang­wei­lig. Ein­fach lang­wei­lig. Immer­hin — es war bes­ser als so man­cher andere Bei­trag. Schauen wir uns nur das Trio des Grau­ens am Ende der Tabelle an: Die Fran­zo­sen, die ja end­lich mal nicht mit einem „schwer­mü­ti­gen Chan­son” ange­tre­ten sind und statt­des­sen unde­fi­nier­ba­ren Pseu­do­punk in Pink zum Bes­ten gege­ben haben. Oder die Aqua-​esken Bri­ten, deren Flugzeug-​Flaggen-​Schmumpf sei­ner Favo­ri­ten­rolle auf den letz­ten Platz bei­nahe gerecht gewor­den wäre. Konnte ja auch nie­mand ahnen, dass die Iren eine der­art schräg sin­gende Folk­bar­din auf die Bühne stel­len. Johnny Logan dürfte wei­nend in die Lehne von sei­nem Fern­seh­ses­sel gebis­sen haben…

Spaß haben andere Bei­träge gemacht. Schmach­tende Arme­nier. Ita­lie­ni­sche Let­ten. Der grie­chi­sche Ricky-​Martin-​Verschnitt (war bes­ser als der spa­ni­sche Ricky-​Martin-​Verschnitt…). Getrom­mel­ter Ethno-​Ambient-​Sound aus Bul­ga­rien. Immer schnel­ler sin­gende Rumä­nen. Und natür­lich das Teil­neh­me­rIn (end­lich mal ein sinn­vol­les Binnen-​I) aus der Ukraine: „Sie­ben sie­ben ailulu, sie­ben sie­ben eins zwei”. Das hat sich nicht mal Ste­fan „Wadde-​hadde-​dudde-​da” Raab getraut.

Klar, dass da Dumpfbacken-​Schreiberlinge und Deutsch­leh­rer den Unter­gang des Abend­lan­des (sic!) her­bei­schwa­dro­nie­ren. Meine Beob­ach­tun­gen beim gemein­sa­men Anschauen im Fami­li­en­kreis ges­tern abend: Qua­li­tät wird durch­aus belohnt. Aber nicht, wenn sie so schnar­chig wie Roger Cicero daher­kommt. Schade nur, dass die Unga­rin nur auf Platz 8 gelan­det ist. Das war für mich die beste Dar­bie­tung des Abends.

Gevo­tet habe ich übri­gens auch. Drei Sekun­den vor Schluss. Für Bul­ga­rien. *Bumm* *bumm*