Monatliches Archiv für März, 2011

Die Piratenpartei und ihre IT — Von Prioritäten

Für einen Regi­ons­ver­band einer Par­tei, die die­ses Jahr zu Wah­len antritt, gibt es ver­schie­dene Her­aus­for­de­run­gen. Eine davon: Mit den etwa 50 Wahl­kan­di­da­ten in Kon­takt zu blei­ben, die wir für die ver­schie­de­nen Lis­ten auf­ge­stellt haben. Meine Idee: Eine Mai­ling­liste muss her. Für kurze Infos, Bit­ten um Infor­ma­tio­nen für die Wahl, Wei­ter­lei­tung von all­ge­mei­nen Infos. Längst nicht jeder unse­rer Kan­di­da­ten liest die par­tei­in­ter­nen Infor­ma­ti­ons­quel­len und es ist quasi unmög­lich, stän­dig einen Gesamt­über­blick zu behalten.

Und eigent­lich ist es ja ganz ein­fach: Auf Bun­des­ebene haben wir ja ein hoch­am­bi­tio­nier­tes IT-​Team, das eine grö­ßere Menge Ser­ver ver­wal­tet und betreut und dar­auf expli­zit diverse Dienste anbie­tet. Unter ande­rem Mai­ling­lis­ten. Mein Ver­such, dort meine Kan­di­da­ten­mai­ling­liste ein­ge­rich­tet zu bekom­men, ver­lief folgendermaßen:

  1. Abschi­cken einer E-​Mail an den Help­desk: „Ich bräuchte eine Mai­ling­liste, damit ich die Kan­di­da­ten für die Kom­mu­nal­wahl gebün­delt errei­chen kann.”
  2. Sechs Wochen Funkstille.
  3. Ant­wort­mail: Wir brau­chen eine aktu­elle Daten­schutz­er­klä­rung von dir, bevor wir was frei­schal­ten. Link ins Wiki, darin Link auf PDF-​Datei
  4. In der PDF-​Datei: Fünf Sei­ten pseudo-​juristisches Geschwa­fel, was man alles tun und — vor allem — nicht tun darf, dass das total böse ist und man ganz ganz lange ins Gefäng­nis wan­dert, wenn man auch nur dar­über nach­denkt. Ins­ge­samt zwei­mal zu unter­schrei­ben und dann per Post („Eine Über­mitt­lung per Fax kön­nen wir nur noch vor­läu­fig akzep­tie­ren.”) an die „Bun­des­ge­schäfts­stelle” zu schi­cken. Adresse darf ich mir selbst raussuchen. — Aber immer­hin: Das Doku­ment ist in einem geschmack­vol­len Schrift­stil gesetzt, hat ein leicht stein­graues Pira­ten­logo als Hin­ter­grund­logo und einen wich­ti­gen Foo­ter: „DSV R-​Abt.” Da weiß jemand, wor­auf es ankommt.
  5. Mitt­ler­weile habe ich mei­nen eige­nen Mai­ling­lis­ten­ser­ver auf­ge­setzt und die Liste in Betrieb. Ich schreibe eine kurze Ant­wort­mail, in der ich mich bedanke und noch viel Spaß beim Papier­sor­tie­ren wünsche.
  6. Seit­dem schickt mir mein Mail­ser­ver regel­mä­ßig Info­mails, dass er meine E-​Mail lei­der noch nicht zustel­len konnte, weil die Gegen­seite nicht erreich­bar ist.

Das mit dem „eige­nen Mai­ling­lis­ten­ser­ver” ist übri­gens kein Witz. Ich habe glück­li­cher­weise das Know-​How und auch die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten, dies zu tun. Ich kann dafür sogar dedi­zierte Hard­ware hin­ter Fire­walls plat­zie­ren, sodass selbst das nötige tech­ni­sche und regu­la­to­ri­sche Maß an Sicher­heit in der Daten­ver­ar­bei­tung gewähr­leis­tet ist. Und ins­be­son­dere muss ich dafür kei­nen Papier­krieg vogo­ni­schen Aus­ma­ßes entfachen.

Es blei­ben mei­ner­seits eine Frage und eine Ein­sicht. Die Frage: Wie um alles in der Welt kommt man auf eine der­ar­tige Prio­ri­tä­ten­set­zung? Ich kann es mir nur so erklä­ren, dass da über Monate und Jahre immer wie­der irgend­je­mand „Wich­ti­ges” ange­schüs­selt gekom­men ist und rum­gen­ölt hat: „Nö, in der Daten­schutz­er­klä­rung muss aber noch dies-​und-​das ste­hen.” Und der nächste: „Nö, ihr braucht aber noch dieses-​und-​jenes.” Und der nächste: „Neinn­ein, per Fax geht ja gar nicht.” Und uni­ver­sell muss es natür­lich sein. Ob nun glo­bale Admin­rechte auf dem zen­tra­len Par­tei­ver­wal­tungs­ser­ver oder Ver­wal­ter einer loka­len Mai­ling­liste mit einer mitt­le­ren zwei­stel­li­gen Zahl von Mail­adres­sen: Vor dem gestren­gen Auge der ver­ei­nig­ten Juris­ten– und Daten­schutz­be­auf­trag­ten­pha­lanx ist das alles gleich. Und muss alles mit den glei­chen mar­tia­li­schen Para­gra­fen­wer­ken auf Linie gebracht werden.

Und die Ein­sicht? Nunja, jede Prio­ri­tä­ten­set­zung for­dert ihren Tri­but. Wenn man stän­dig damit beschäf­tigt ist, „Daten­schutz­er­klä­run­gen” zu erzeu­gen, zu ver­wal­ten, neue anzu­for­dern und Papier abzu­hef­ten, dann bleibt die Anfrage nach einem für den Wahl­kampf vor Ort wich­ti­gen Arbeits­mit­tel schon­mal sechs Wochen lie­gen — und ist dann wei­ter auf unbe­stimmte Zeit ver­zö­gert, weil ja erst Papier durch die Gegend geschickt wer­den muss. Und das Ticket­sys­tem nimmt Antwort-​E-​Mails halt nur spo­ra­disch an. Schade bloß, wenn das aktive Par­tei­mit­glied vor Ort sich nicht — so wie ich — selbst hel­fen kann, son­dern sich auf die Hilfe der IT-„Abteilung” ver­las­sen muss. Da bekommt das Wort „ver­las­sen” dann näm­lich eine ganz neue Bedeutung.

Schade, dass sich die „IT-​Abteilung” so von den selbst ernann­ten Rechts– und Datenschutz-„Experten” an die Kan­dare neh­men lässt. Der unschönste Beige­schmack bei all­dem ist näm­lich das latente Miss­trauen, das einem durch sol­cher­lei Gebah­ren ent­ge­gen­schlägt: „Du bist dumm und unfä­hig, ordent­lich mit den Din­gen umzu­ge­hen. Des­halb set­zen wir dir jetzt hier haar­klein aus­ein­an­der, was du alles falsch machen kannst. Und wehe, du machst was falsch!” Da fühlt man sich so rich­tig wohl, in so einer Atmo­sphäre. Auch wenn das in die Gedan­ken­welt man­cher „Beauf­trag­ter” nicht passt: Der ganz über­wie­gende Teil der Akti­ven hier will keine Daten ver­wal­ten um etwas Böses mit ihnen anzu­stel­len. Die Leute haben eine Arbeit zu tun und müs­sen dafür ein paar Daten ver­wal­ten. Dafür braucht nicht stets und stän­dig den ganz gro­ßen Ham­mer rauszuholen.

Und die IT’ler? In der Pira­ten­par­tei würde ich am ehes­ten „Geeks with Awa­ren­ess” erwar­ten. Warum macht ihr diese Rabu­lis­tik mit? Was kommt als nächs­tes? Gewis­sens­test­zwang beim zustän­di­gen Glie­de­rungs­vor­sit­zen­den im per­sön­li­chen Gespräch? Steht dann von euch mal jemand auf und gebie­tet mal ein biss­chen Ein­halt? Und fragt mal nach, wozu die­ser ganze Zin­no­ber eigent­lich gut ist? Oder wird dann auch schön in Reih’ und Glied weitermarschiert?

Nee nee, Leute, „Denk selbst” geht anders.

P.S.: Und das aller­coolste: „Daten­schutz­er­klä­run­gen” sind über­flüs­si­ger Unfug in Voll­en­dung: Hoch­gra­dig ver­wal­tungs­in­ten­siv und dabei völ­lig nutz­los. Aber dar­über schreib’ ich ein ande­res Mal.

Piraten in Delmenhorst (II) — Neuer Vorstand gewählt

Der Par­tei­tag der Pira­ten Nie­der­sach­sen hat seine ers­ten wich­ti­gen Ergeb­nisse: Wir haben einen neuen Vorstand!

Neuer Vorstand der niedersächsischen Piraten: Jürgen, Max, Miriam, Lukas, zweimal Arne, Meinhart, Matthias, Kine, Mario, Michael

Neuer Vor­stand der nie­der­säch­si­schen Pira­ten: Jür­gen, Max, Miriam, Lukas, zwei­mal Arne, Mein­hart, Mat­thias, Kine, Mario, Michael

Als da wären (von links nach rechts): Die Bei­sit­zer Jür­gen Stemke, Max Rother, Miriam Hadj-​Hassine, Lukas Jacobs, der stell­ver­tre­tende Vor­sit­zende Arne Lud­wig, der Vor­sit­zende Arne Hat­ten­dorf, der Schatz­meis­ter Mein­hart Ramas­wamy sowie die wei­te­ren Bei­sit­zer Mat­thias Stoll, Kine Haas­ler, Mario Espen­schied und Michael Leu­kert.

Michael ist bereits Lan­des­pres­se­spre­cher, Kine und Jür­gen sind wich­tige Antia­tom­pi­ra­ten, Arne Hat­ten­dorf ist enga­giert in Bil­dungs­po­li­tik und Mat­thias zieht seit Jahr und Tag mit dem Pira­ten­mo­bil als mobi­ler Red­ner­platt­form durch die Lande. Arne Lud­wig, Mein­hart und Max waren bereits im vori­gen Vor­stand und auch ansons­ten zeigt diese Wahl, dass wir mitt­ler­weile über eine nen­nens­werte Zahl an wirk­lich guten Men­schen ver­fü­gen, die tra­gende Rol­len über­neh­men kön­nen. Prima!

Piraten in Delmenhorst (I) — Auftakt beim Landesparteitag Niedersachsen

Eingang zum Veranstaltungsgebäude in der "Nordwolle"

Ein­gang zum Ver­an­stal­tungs­ge­bäude in der „Nordwolle”

Ich bin mal wie­der unter­wegs. Dies­mal in Pira­ten­sa­chen. Live aus Del­men­horst nun ein ers­ter Ein­druck vom gerade lau­fen­den Lan­des­par­tei­tag der Pira­ten­par­tei Niedersachsen.

Der Versammlungsraum für den LPT in Delmenhorst

Der Ver­samm­lungs­raum für den LPT in Delmenhorst

Lan­des­par­tei­tage sind ja hier in Nie­der­sach­sen immer recht ent­spannte Ver­an­stal­tun­gen. Auch die­ser ist bis­lang keine Aus­nahme. Wir sit­zen hier in einer alten Indus­trie­halle, vorne sitzt noch der alte Vor­stand und wäh­rend ich diese Zei­len schreibe, gibt es gerade einen sehr unauf­ge­reg­ten Bericht der Kas­sen­prü­fer mit der Emp­feh­lung, den Vor­stand „unein­ge­schränkt” zu entlasten.

Meinhart beim Präsentieren der Finanzen

Mein­hart beim Prä­sen­tie­ren der Finanzen

Wie immer zeigt sich auch die aus­ge­spro­chene Tech­ni­kaf­fi­ni­tät der Pira­ten: Die Lap­topquote schätze ich mal auf etwa 80% und wenn man alle Smart­pho­nes dazu­zählt, sind hier höchst­wahr­schein­lich mehr Geräte ins Inter­net ein­ge­bucht als Per­so­nen in der Halle. Selbst beim Vor­stand auf der Bühne kom­men auf acht anwe­sende Pira­ten sie­ben Laptops.

Bisheriger Vorstand auf dem Podium: Gruppenbild mit Laptops

Bis­he­ri­ger Vor­stand auf dem Podium: Grup­pen­bild mit Laptops

So, und jetzt muss ich hier erst­mal wei­ter zuhö­ren und abstim­men. Gerade geht es um den Vor­stands­vor­sit­zen­den. Mein Tipp: Es wird ein „Arne”…

Grundversorgung für Piraten

Grund­ver­sor­gung für Piraten

Kernkraftwerke: Irrsinn mit Methode

Manch­mal habe ich das Gefühl, ich bin zu gut­gläu­big für diese Welt. So auch jetzt. Dass man mit dem Inne­ren von Kern­kraft­wer­ken ein wenig vor­sich­tig sein muss, das war mir schon irgend­wie klar. Und das mit der Nach­zer­falls­wärme ist auch ein­leuch­tend. Aber das wird ja nicht soooo lange dau­ern. Ein paar Tage, maxi­mal wenige Wochen, dann geht von den ver­brauch­ten Kern­brenn­stä­ben keine Gefahr mehr aus.

Kernkraftwerk Brokdorf: Im Zweifelsfall strahlt's bis nach Hamburg

Kern­kraft­werk Brok­dorf: Im Zwei­fels­fall strahlt’s bis nach Hamburg

Bild­quelle: Alois Staudacher/​Neokortex, Wiki­me­dia Com­mons, CC-​BY-​SA 3.0

Denkste!

Nach­dem in Fukus­hima die ein­zel­nen Reak­to­ren in so eine Art Wett­streit um den größ­ten Knall ein­ge­tre­ten sind und dabei auch die zum Zeit­punkt von Beben und Tsu­nami abge­schal­te­ten Reak­to­ren 4 bis 6 fröh­lich mit­spie­len, habe ich meine dies­be­züg­li­che Wis­sens­lü­cke mal gefüllt. Wiki­pe­dia hilft: Bis zu 5 Jahre(!) bleibt so ein Kern­brenn­stab im Abkling­be­cken. Und eine nen­nens­werte Zeit davon muss er aktiv mit immer neuem Was­ser gekühlt wer­den, weil das Was­ser im Becken ansons­ten warm wird, ver­dampft, der Brenn­stab dann frei liegt, sich wei­ter auf­heizt und so uner­freu­li­che Dinge wie Kor­ro­sion, Zer­plat­zen oder gar Wie­der­auf­fla­ckern der Ket­ten­re­ak­tion ein­tre­ten können.

5 Jahre!

Sorry, aber: Sind die denn alle bescheu­ert?!? Ich meine: Mal ange­nom­men auf Grund einer Natur– oder ande­ren Kata­stro­phe kommt es zu einem groß­flä­chi­gen Aus­fall der Infra­struk­tur und damit zu einer Unter­bre­chung der — wie wir in den letz­ten Tagen ja ler­nen muss­ten — abso­lut not­wen­di­gen akti­ven Küh­lung der Kern­brenn­stäbe. Dann ist die ato­mare Kata­stro­phe nicht nur wahr­schein­lich, son­dern sicher. Und diese Gefahr geht nicht nur von einem akti­ven Kern­re­ak­tor aus, son­dern selbst von einem, der schon meh­rere Jahre abge­schal­tet ist.

Aus den USA kommt die Auf­for­de­rung an Ame­ri­ka­ner in Japan, zu dem Unglücks­re­ak­tor einen Sicher­heits­ab­stand von min­des­tens 80 km ein­zu­hal­ten. Wenn man mal annimmt, dass die­ser Hin­weis nicht völ­lig auf blauen Dunst erfolgt, dann kann man das auf Deutsch­land so umrech­nen: Bei einer ähnli­chen Situa­tion in den Kern­kraft­wer­ken Bruns­büt­tel, Brok­dorf oder Krüm­mel wäre Ham­burg locker in einer sol­chen 80-​km-​Zone, flöge das Kern­kraft­werk Groh­nde in die Luft, könnte ich mir über­le­gen, wohin ich von mei­nem Han­no­ver aus umzie­hen will.

Es bedarf wohl eines gerüt­telt Maß an Igno­ranz, eine Tech­nik mit der­art zer­stö­re­ri­schem Poten­tial über Jahr­zehnte zu pro­te­gie­ren. Nun bin ich in kei­ner Weise mit dem Bau oder Betrieb von Kern­kraft­wer­ken beschäf­tigt, aber mich würde schon mal inter­es­sie­ren, was sich wohl Inge­nieure den­ken, die genau in sol­chen Posi­tio­nen gear­bei­tet und dabei Jahr­zehnte lang das Man­tra von der „siche­ren Atom­en­er­gie” vor sich her­ge­tra­gen haben.

Es ist drin­gend an der Zeit, dass wir uns von die­sen ticken­den Zeit­bom­ben namens „Kern­kraft­werk” tren­nen. Die Ener­gie­po­li­tik muss — ich schrieb das bereits — auf nach­hal­tig arbei­tende, kleine, ver­teilte Anla­gen set­zen, die selbst bei einem Total­aus­fall und voll­stän­di­ger Zer­stö­rung nur ein lokal begrenz­tes Scha­den­s­po­ten­tial haben. Wenn ein Wind­rad umfällt, erschlägt es schlimms­ten­falls die Kuh auf der Wiese. Es ver­seucht aber nicht für viele Jahre alle Kühe, die in der Nähe sei­nes ursprüng­li­chen Stand­or­tes wei­den. Eine Bewer­tung von Tech­nik unter dem Aspekt ihres größ­ten Zer­stö­rungs­po­ten­ti­als im Feh­ler­falle ist über­fäl­lig — und die­ser Betrach­tung dürfte jed­wede Form der Nut­zung von „Kern­en­er­gie” zum Opfer fallen.

Am meis­ten aber erschüt­tert mich nach wie vor, dass es über einen der­art lan­gen Zeit­raum über­haupt mög­lich war, diese enor­men Risi­ken der Kern­kraft aus­zu­blen­den und auf diese Weise sol­che Anla­gen über­haupt erst zu errich­ten. Hier ist auch eine deut­li­che Ände­rung auf poli­ti­scher Ebene nötig — und zwar zügig und nachhaltig.

Conditional Captcha gegen den Spam in diesem Blog

So, es ist mal wie­der an der Zeit auf­zu­rüs­ten. Bereits seit März 2007 sorgt Akis­met hier in die­sem Blog ja für Ruhe an der Spam­front. Aller­dings nur an der sicht­ba­ren. Im Hin­ter­grund exis­tie­ren die Spam­pos­tings wei­ter und mitt­ler­weile wird das so viel, dass die Durch­sicht der „Spam”-Kommentare kaum noch sinn­voll mög­lich ist.

Da ich aber wei­ter­hin die „ech­ten” Kom­men­ta­to­ren nicht mit irgend­wel­chen Rät­seln beläs­ti­gen möchte, habe ich mich jetzt für eine mög­lichst wenig inva­sive Ergän­zung ent­schie­den: Das „Con­di­tio­nal Capt­cha”-Plu­gin fragt jetzt bei allen von Akis­met als „Spam” iden­ti­fi­zier­ten Kom­men­ta­ren — und nur bei die­sen — ein Capt­cha ab. Danach lan­den sie immer noch in der Spam­queue, die­je­ni­gen Kom­men­tare, bei denen die Ant­wort falsch ist, flie­gen aber gleich kom­plett raus.

Da bin ich ja mal gespannt, ob das den Spam­mern Ein­halt gebietet…

Warum ich Fukushima für schlimmer als Tschernobyl halte

Ich gehöre ja nun zu einer Gene­ra­tion, die die Reak­tor­ka­ta­stro­phe von Tscher­no­byl bereits bewusst erlebt hat. Ich kann mich noch gut an die dama­lige öffent­li­che Dis­kus­sion erin­nern, an Kunst­leh­rer, die mein­ten, unbe­dingt „über Tscher­no­byl” spre­chen zu müs­sen, an beschwich­ti­gende Poli­ti­ker, an auf­ge­regte Poli­ti­ker und dass es eine ganze Zeit lang ein erheb­li­ches Miss­trauen gegen Milch gab — so von wegen mög­li­cher Strah­len­be­las­tung. Kurz: Tscher­no­byl hatte damals unmit­tel­bare Aus­wir­kun­gen auf den All­tag in Deutsch­land. Wie tief sich diese gan­zen Vor­gänge in das kol­lek­tive Gedächt­nis ein­ge­brannt haben, kann ich auch daran fest­ma­chen, dass ich beim Schrei­ben die­ses Arti­kels keine Sekunde dar­über nach­den­ken (oder gar nach­schla­gen) musste, wie sich „Tscher­no­byl” in der übli­chen deut­schen Umschrift schreibt.

Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl im September 2006

Reak­tor­block 4 des Kern­kraft­werks Tscher­no­byl im Sep­tem­ber 2006

Bild­quelle: Carl Mont­go­mery via Wiki­me­dia Com­mons, CC-BY-2.0

Bei Fukus­hima (ja, ich weiß, dass ist die eng­li­sche Umschrift des japa­ni­schen Namens. Mei­ner Beob­ach­tung nach wird diese aber mehr­heit­lich auch in deut­schen Tex­ten ver­wen­det) ist das allen ernst zu neh­men­den Quel­len wie zum Bei­spiel Kai Petz­kes sehr infor­ma­ti­ver Web­seite zu Folge eher unwahr­schein­lich. Trotz­dem halte ich die Vor­gänge in dem japa­ni­schen Atom­kraft­werk für besorg­nis­er­re­gen­der als das, was 1986 in der heu­ti­gen Ukraine pas­siert ist. In Tscher­no­byl war die gesamte Kata­stro­phe letzt­lich auf Bedien­feh­ler zurück­zu­füh­ren: Das Inge­nieur­team im Steu­er­stand hat den Reak­tor mut­wil­lig an der Grenze sei­ner Spe­zi­fi­ka­tion betrie­ben und dann ist ihnen das Ding um die Ohren geflo­gen. Sehr uner­freu­lich, aber letzt­lich mensch­li­chem Ver­sa­gen geschuldet.

In Fukus­hima hin­ge­gen gab es keine der­ar­tige „mut­wil­lige Miss­ach­tung” der Betriebs­pa­ra­me­ter. Statt­des­sen wurde das Kraft­werk von unbe­ein­fluss­ba­ren äuße­ren Kräf­ten — näm­lich einem Erd­be­ben und einer Flut­welle — getrof­fen, deren Kom­bi­na­tion bei der Kon­struk­tion offen­sicht­lich „nicht bedacht” wurde und die die Betriebs­an­la­gen so beschä­digt hat, dass sie nicht mehr sicher betrie­ben wer­den konn­ten. Was dann kam, war eine „Ver­ket­tung unglück­li­cher Umstände”, die so aber alles andere als unwahr­schein­lich ist.

Fukus­hima zeigt, dass genau sol­che Unwäg­bar­kei­ten sich nie aus­schlie­ßen las­sen. Und zwar selbst dann nicht, wenn man auf so hohem Niveau arbei­tet, wie ich das den Japa­nern jetzt ein­fach mal unter­stelle. Denn trotz aller Berichte über vor­an­ge­gan­gene Pan­nen und Ver­feh­lun­gen des Kraft­werk­be­trei­bers halte ich das Kernkraftwerks-​Sicherheitsniveau im Japan des Jah­res 2011 für um Grö­ßen­ord­nun­gen höher als das der Sowjet­union im Jahr 1986.

Anders herum gesagt: Wenn selbst Japan sich nicht gegen einen der­art schwe­ren Stör­fall wapp­nen kann, wie wir ihn momen­tan an der dor­ti­gen Ost­küste erle­ben, dann kön­nen weder wir Deutsch­land noch irgend­je­mand anders auf die­ser Welt dies. Und das ist mei­nes Erach­tens die eigent­li­che Lehre aus Fukus­hima: Kern­kraft­werke heu­ti­ger Bau­art sind letzt­lich eine nicht beherrsch­bare Tech­nik, es kann jeder­zeit und an jedem Ort zu einem nicht beherrsch­ba­ren Stör­fall kom­men und die Fol­gen eines sol­chen Stör­falls sind unab­seh­bar aber — Mur­phy lässt schön grü­ßen — auf jeden Fall immer grö­ßer als man sich das selbst in den schlimms­ten Sze­na­rien vor­her aus­ge­malt hat. Ich schrieb davon bereits.

Japan und seine Bevöl­ke­rung wer­den wohl noch sehr lange mit den Fol­gen der Natur­ka­ta­stro­phen und der dar­aus fol­gen­den Nukle­ar­ka­ta­stro­phe zu kämp­fen haben. Für uns in Deutsch­land folgt dar­aus aber vor allem eines: Wir müs­sen zuse­hen, dass wir diese gesamte Stein­zeit­tech­no­lo­gie namens „Atom­kraft” schnells­tens los­wer­den. Ich halte es zwar nicht für sinn­voll, jetzt sofort alle Atom­kraft­werke abzu­schal­ten, aber die gerade erst beschlos­sene „Lauf­zeit­ver­län­ge­rung” für die vor­han­de­nen Atom­kraft­werke in Deutsch­land gehört schleu­nigst und dau­er­haft wider­ru­fen. Ich las zudem, dass Deutsch­land sofort auf bis zu sie­ben Atom­kraft­werke ver­zich­ten könnte, ohne dass es zu Eng­päs­sen bei der Strom­ver­sor­gung käme. Ich sehe ehr­lich gesagt kei­nen Grund, warum man diese sie­ben Kraft­werke dann nicht sofort abschal­tet und ein­mot­tet. Die poten­ti­el­len Risi­ken des Wei­ter­be­triebs wie­gen mei­nes Erach­tens jede andere Betrach­tung mehr als auf. Ich sehe hier die Poli­tik — und damit irgend­wie auch mich selbst — gefragt.

Die Lebenslüge der Atomkraft

und dann macht es „Bumm” und die Kühe fal­len um und die Häu­ser stür­zen ein. In Fukus­hima ist — mal wie­der — ein Atom­kraft­werk so kaputt gegan­gen, dass momen­tan nicht mal genau klar ist, was dort eigent­lich pas­siert ist. Das Kern­pro­blem ist dabei deut­lich zu Tage getre­ten: Atom­kraft­werke ken­nen kei­nen „siche­ren Aus­fall”: Bei einer Stö­rung kann man den Reak­tor nicht ein­fach „aus­schal­ten” und nach Hause gehen, viel­mehr müs­sen im Nach­lauf einer Abschal­tung die Brenn­stäbe sta­bi­li­siert wer­den. Die hier­für nöti­gen Sys­teme sind selbst wie­der auf Ener­gie­zu­fuhr ange­wie­sen. Und wenn diese Ener­gie aus irgend­wel­chen Grün­den nicht zur Ver­fü­gung gestellt wer­den kann, tritt eine unkon­trol­lier­bare Situa­tion nicht nur „wahr­schein­lich”, son­dern mit Sicher­heit ein.

Und dabei han­delt es sich nicht um Kon­struk­ti­ons– oder Bedie­nungs­feh­ler, son­dern um eine sys­tem­ei­gene Schwä­che des gesam­ten Prin­zips „Kern­kraft­werk”: Kern­spal­tung ist ein selbst erhal­ten­der Pro­zess, der — ein­mal in Gang gesetzt — nur lang­sam anzu­hal­ten ist. Ein gespal­te­ner Atom­kern führt über die dabei erzeug­ten Neu­tro­nen zu wei­te­ren gespal­te­nen Atom­ker­nen, was man ein­drucks­voll mit einem Tischtennisball-​Mausefalle-​Versuchsaufbau visua­li­sie­ren kann:

Real ist dabei die Anzahl der Mau­se­fal­len um viele Zeh­ner­po­ten­zen grö­ßer und die Reak­tion wird unter­bro­chen, indem die Tisch­tenn­si­bälle in der Luft ein­ge­fan­gen wer­den, bevor sie eine neue Mau­se­falle tref­fen. Da die durch die Kern­spal­tung ent­stan­de­nen neue Atom­kerne ihrer­seits noch wei­ter zer­fal­len und dabei prin­zip­be­dingt wei­tere Ener­gie in Form von Wärme frei wird, kann der Kern­re­ak­tor eben auch noch wäh­rend die­ser Aus­lauf­phase zer­stö­re­ri­sche Ener­gie frei­set­zen. Des­halb die Not­wen­dig­keit der akti­ven Küh­lung. Und da die für die Ener­gie­er­zeu­gung ein­ge­setz­ten Mate­ria­lien wegen che­mi­scher Eigen­schaf­ten und ihrer Radio­ak­ti­vi­tät eben kei­nes­falls unkon­trol­liert sein dür­fen, lan­den wir immer wie­der bei einem Gesamt­sys­tem, das zwar einer­seits stets voll­stän­dig unter Kon­trolle sein muss, ande­rer­seits aber schon aus prin­zi­pi­el­len Erwä­gun­gen — und wie Fukus­hima zeigt, durch­aus auch in der Pra­xis — nicht unter allen Umstän­den unter Kon­trolle gehal­ten wer­den kann.

Noch­mal, zum mit­mei­ßeln: Atom­kraft­werke haben kein „siche­res” Aus­fall­sze­na­rio. Es bleibt ein prin­zi­pi­el­les Rest­ri­siko, das — und das ist mei­nes Erach­tens die Lehre aus Fukus­hima — jeder­zeit her­vor­kom­men und seine häss­li­che Fratze zei­gen kann.

Die Schluss­fol­ge­rung ist mei­nes Erach­tens klar: Kraft­werke auf der Grund­lage von Atom­spal­tung müs­sen end­lich als das behan­delt wer­den, was sie sind: Tech­ni­sche Dino­sau­rier mit prin­zi­pi­ell nicht beheb­ba­ren Män­geln, die umge­hend abge­schal­tet und durch zeit­ge­mäße Ener­gie­ver­sor­gungs­sys­teme ersetzt wer­den müs­sen. Die Sitch­worte lau­ten: Den­zen­tra­li­tät, Ver­net­zung, Sonne, Wind und Erd­wärme. Vor allem aber müs­sen wir zu Arten der Ener­gie­er­zeu­gung zurück­keh­ren, bei denen „Aus” auch wirk­lich „Aus” bedeu­tet — und nicht „Ja, dem­nächst dann auch viel­leicht mal ‚aus’. Aber bis dahin noch ein biss­chen Kern­schmelze.” In den letz­ten Jahr­zehn­ten hat es genug Vor­fälle gege­ben, die gezeigt haben, dass die Mär’ von der „siche­ren Atom­kraft” genau das ist: Ein Märchen.

Lei­der kei­nes, das mit „Und wenn sie nicht gestor­ben sind…” endet.

Siehe dazu auch: Warum ich Fukus­hima für schlim­mer als Tscher­no­byl halte

Der Fall Guttenberg: Nicht hilfreich

Nun ist er also doch ganz schnell zurück­ge­tre­ten, der Frei­herr, Ex-​Doktor und — seit ges­tern — auch Ex-​Minister Karl-​Theodor von und zu Gut­ten­berg. Wäh­rend ich diese Zei­len schreibe, zer­bre­chen sich in Ber­lin höchst­wahr­schein­lich eine ganze Reihe Men­schen den Kopf, wie der Flur­scha­den zu begren­zen ist, wer als Nach­fol­ger in Frage kommt und wie um alles in der Welt so einige Spit­zen­po­li­ti­ker von CDU und CSU aus der Sache wie­der raus­kom­men sollen.

Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg

Karl-​Theodor Frei­herr von und zu Guttenberg

Quelle: Wiki­me­dia Com­mons, Autor: Peter Weis, Lizenz: gemeinfrei/​-​artig

Ob ich mich dar­über freue? Die Ant­wort lau­tet: Nein.

Damit wir uns rich­tig ver­ste­hen: Das Ver­hal­ten von Herrn zu Gut­ten­berg ist natür­lich über­haupt nicht zu tole­rie­ren. Es ist schon schlimm genug, eine Dok­tor­ar­beit ein­zu­rei­chen, bei der eine so her­aus­ra­gende Menge Text aus ande­ren Tex­ten abge­schrie­ben ist, dass es auch mit blau­äu­gigs­ter Sicht schwer­fällt, von „Ver­se­hen” oder „ver­lo­re­nem Über­blick” aus­zu­ge­hen. Genau dies dann zu behaup­ten und in den nächs­ten Tagen in Tip­pel­schrit­ten immer nur genau das zuzu­ge­ben, was sowieso schon offen­sicht­lich ist — das sieht für mich sehr danach aus, dass Herrn zu Gut­ten­berg genau die­je­nige sitt­li­che Reife fehlt, die ich für einen der wich­tigs­ten Reprä­sen­tan­ten Deutsch­lands für unab­ding­bar halte.

Damit fan­gen aber die Pro­bleme an, denn dass aus­ge­rech­net die Bun­des­kanz­le­rin die­ses Spiel­chen tage­lang mit­spielt und sich mit hand­bü­che­nen Aus­flüch­ten aus der Affäre zu zie­hen ver­sucht — „ich habe kei­nen wis­sen­schaft­li­chen Assis­ten­ten ein­ge­stellt, son­dern einen Minister” — das lässt mich befürch­ten, dass auch hier Grund­werte kurz­sich­tig gegen poli­ti­sches Kal­kül ein­ge­tauscht wurde. Es ist keine schöne Vor­stel­lung, von sol­chen Men­schen regiert zu werden.

Plagiatsstellen in zu Guttenbergs Doktorarbeit nach GuttenPlag

Pla­gi­ats­stel­len in zu Gut­ten­bergs Dok­tor­ar­beit nach GuttenPlag

Quelle: Gut­ten­Plag Wiki

Und dann die unglaub­li­che Unschärfe in der Argu­men­ta­tion! Zu Gut­ten­berg habe „Urhe­ber­rechte ver­letzt” und sich an „ande­rem ‚geis­ti­gen Eigen­tum’ bedient. Das ist völ­li­ger Quatsch! Wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten bedie­nen sich immer aus­gie­big an den Arbeits­er­geb­nis­sen Ande­rer. Sie neh­men diese Ergeb­nisse und bauen dar­auf Neues auf. Wis­sen­schaft­li­ches Arbei­ten ist eben genau die Anti­these zum Gefa­sel von „geis­ti­gem Eigen­tum” und „Raub­ko­pien”. „Zwerge auf den Schul­tern von Rie­sen” oder „Stan­ding on the shoul­ders of giants” bringt diese Geis­tes­hal­tung auf den Punkt und auf die­ses Motto haben sich immer­hin Grö­ßen wie Isaac New­ton oder Ste­phen Hawking bezogen.

Diese Ver­mi­schung des Fal­les Gut­ten­berg mit einer wie auch immer gear­te­ten Urhe­ber­rechts­pro­ble­ma­tik wird noch einige unschöne Fol­gen haben. In weni­gen Wochen beginnt der Gesetz­ge­bungs­pro­zess zum soge­nann­ten „Drit­ten Korb” zur Reform des Urhe­ber­rechts und ich sehe die Gefahr, dass mit Rück­griff auf die Vor­gänge rund um die völ­lig ver­un­glückte Dok­tor­ar­beit erneut die Rechte von Kon­su­men­ten und Pro­du­zen­ten beschnit­ten wer­den sol­len, damit die Ver­wer­ter an über­kom­me­nen Geschäfts­mo­del­len fest­hal­ten kön­nen. Es ist bedrü­ckend zu sehen, wie die Poli­tik sich hier von der Ver­wer­tungs­in­dus­trie zum Büt­tel machen lässt und die Wis­sens­ge­sell­schaft zer­stört. Dass die Guttenberg-​Diskussion so um das Wort „Urhe­ber­recht” kreist, ist ein kras­ser Feh­ler, der wenn irgend mög­lich schnell kor­ri­giert wer­den muss.

Das eigent­li­che Pro­blem mit Gut­ten­bergs Arbeit wird in der FAQ des GuttenPlag-​Wikis im Abschnitt „Kann man gegen den Autor mit dem Urhe­ber­rechts­ge­setz vor­ge­hen?” sehr schön beschrie­ben: „Zu beach­ten ist, dass die Presse und viele vor­geb­li­che Exper­ten die Pro­blem­lage falsch als ein Urhe­ber­rechts­pro­blem dar­stel­len. Es han­delt sich im Kern um ein Pro­blem des soge­nann­ten Prü­fungs­rechts der Uni­ver­si­tä­ten. […] das Urhe­ber­recht [schafft] durch Schran­ken­re­ge­lun­gen die Vor­aus­set­zun­gen für die legale Nut­zung von Zita­ten, wäh­rend Prü­fungs­re­geln die Kenn­zeich­nung als Zitat vor­schrei­ben. Aber man kann bei­des nicht gleich­set­zen und vom einen auf das andere Schlüsse zie­hen.” Es wäre zu wün­schen, dass diese Ein­sicht in der öffent­li­chen Dis­kus­sion ankommt.

Auch aus einer ande­ren Ecke sehe ich Unge­mach kom­men: Überein­stim­mend sagen alle Beob­ach­ter, ihre Trag­weite habe die Affäre vor allem dadurch bekom­men, dass im Inter­net die Auf­ar­bei­tung der Pla­gi­ats­vor­würfe in rasen­der Geschwin­dig­keit auf hohem Niveau statt­ge­fun­den hat. Ohne Gut­ten­Plag wäre das Thema viel schnel­ler in der Ver­sen­kung ver­schwun­den und die Aka­de­mi­ker hät­ten sich wohl nicht mit der­ar­ti­ger Vehe­menz über die Ver­feh­lun­gen zu Gut­ten­bergs beklagt. Die­ses freie, unkon­trol­lierte Inter­net war die Basis für den heu­ti­gen Abgang. Dass das Inter­net in Deutsch­land so frei ist, ergibt sich zwangs­läu­fig aus der Staats­rä­son Deutsch­lands als freie, bür­ger­li­che, demo­kra­ti­sche Gesell­schaft. Anders­herum braucht aber auch das freie, bür­ger­li­che und demo­kra­ti­sche Deutsch­land das Inter­net als freien, unkon­trol­lier­ten Raum. Die nach wie vor im Raum ste­hen­den Zen­sur­pläne der deut­schen Regie­rung zei­gen, dass diese Ein­sicht nach wie vor fehlt. Ange­sichts der Vehe­menz, mit der eine erstaun­lich große Menge an Men­schen zu Gut­ten­berg wei­ter­hin die Stange hält und seine pla­gi­ierte „Doktor”-Arbeit für eine Baga­telle hält, wird mir Angst und Bange, wenn ich dar­über nach­denke, dass da irgend­wel­che „Ent­schei­der” an „Kills­wit­ches” oder „Sperr­lis­ten” sit­zen könn­ten. Was pas­siert, wenn dort ein Guttenberg-​Fan sitzt, dem beim Pla­gi­ats­wiki das Mes­ser in der Hose auf­geht? Die Lehre aus Gut­ten­berg und Gut­ten­Plag muss sein: Keine „Inter­net­sper­ren”. Nie­mals und aus kei­nem Grund! Es könnte aber sein, dass die Sperr­be­für­wor­ter als Lehre aus Gut­ten­Plag eher höher moti­viert in ihrem ungu­ten Trei­ben wer­den. Das Thema „sitt­li­che Reife” hat­ten wir ja oben schon…

Karl-​Theodor zu Gut­ten­berg ist zurück­ge­tre­ten und das ist auch gut so. Gesell­schaft­lich und poli­tisch ist die gesamte Affäre aber noch lange nicht aus­ge­stan­den. Ich spre­che als nach wie vor akti­ves Mit­glied der Pira­ten­par­tei, wenn ich sage, dass wir unsere Inter­es­sen wei­ter­hin ener­gisch ver­tre­ten müs­sen. Wir wol­len immer „andere Poli­tik” machen — dann soll­ten wir damit irgend­wann mal anfan­gen und nicht den­ken, gehäs­sige Twitter-​Jubelarien seien das poli­ti­sche Rezept der Stunde. Das ist näm­lich nicht die Art von „ande­rer Poli­tik”, die ich für erstre­bens­wert halte. Es ist halt wie der Titel schon sagt: Nicht hilfreich.