Monatliches Archiv für September, 2009

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h1-​Bericht über die Piratenpartei vorgezogen auf JETZT

Mich hat vor­hin die Kunde erreicht, dass h1 den Bericht über die Pira­ten­par­tei vor­ge­zo­gen hat, und zwar auf heute, 18:45 Uhr. Also: Wen es inter­es­siert, rein­schauen!

Bericht über Piratenpartei im hannoverschen Lokalfernsehen „h1” am Do., 2009-​09-​24

Am Don­ners­tag, 2009-​09-​24, bringt das han­no­ver­sche Lokal­fern­se­hen h1 einen Kurz­be­richt über die Pira­ten­par­tei im Rah­men der täg­li­chen Nach­rich­ten­sen­dung um 18:45 Uhr. Darin ent­hal­ten auch ein Inter­view mit mir. Mer­ken und weitersagen.

Bericht im heute-​journal vom 2009-​09-​21 über die Piratenpartei

Das heute-​journal des ZDF brachte ges­tern einen dreieinhalb-​Minuten-​Beitrag über die Pira­ten­par­tei und die dahin­ter­ste­hende gesell­schaft­li­che Bewe­gung. Schick sind die Bil­der vom oran­ge­nen Flag­gen­meer auf der Freiheit-​statt-​Angst-​Demo vom 12. Sep­tem­ber, nicht ganz so schick der Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Peter Lösche, der mal wie­der die Mär von der „1-​Themen-​Partei” bringt. Alles in allem aber ein sehens­wer­ter und posi­ti­ver Beitrag:

Beson­ders erwäh­nen möchte ich an die­ser Stelle noch Pavel Meyer und Chris­to­pher Lauer, die die Idee zum „Wis­sen­schafts– und Infor­ma­ti­ons­mi­nis­te­rium” aus­ge­ar­bei­tet haben. Das war Auf­hän­ger der im Arti­kel gezeig­ten Pres­se­kon­fe­renz und damit einer der Anlässe für den gan­zen Bericht im ZDF — und zum Bei­spiel auch einen Arti­kel auf Spie­gel Online. In eini­gen Foren der Par­tei ist ein aus­ge­spro­chen uner­quick­li­cher und klein­geis­ti­ger Streit aus­ge­bro­chen, ob man denn sol­che Ideen ein­fach so haben und ver­brei­ten dürfe. Ich sage: Man darf! Danke Pavel und Chris­to­pher, dass ihr das Motto „Sei Pirat!” so toll umge­setzt habt!

Mit Ursula von der Leyen auf dem Lindener Marktplatz in Hannover — Erlebnisse eines Piraten

Alle Fotos in die­sem Arti­kel sind von Jorge-​Alberto Reich und CC-​BY-​SA-​lizenziert.

Am Sams­tag gab sich Frau von der Leyen die Ehre auf dem Linde­ner Markt­platz in Han­no­ver. Einige Han­no­ver­sche Pira­ten woll­ten sich nicht ent­ge­hen las­sen, das mal anzu­schauen und in geeig­ne­ter Form zu begleiten.

Los ging’s um zehn Uhr mor­gens. Alle wich­ti­gen Par­teien hat­ten rund um die Stra­ßen­kreu­zung neben dem Markt­platz ihre Info­stände auf­ge­baut. Alle? Nicht ganz. Die Pira­ten hat­ten zwar kei­nen eige­nen Info­stand, aber irgend­wie waren da plötz­lich zwölf Leute. Und die sind dann alle mal rüber zur CDU, als Ursula dort ein­traf. Und wir waren nicht mal die ein­zi­gen. Wei­tere poli­tisch inter­es­sierte Bür­ger gesell­ten sich zu uns, teil­weise pas­send mit „Zensursula”-T-Shirts bekleidet.

Piraten treffen beim CDU-Infostand ein

Pira­ten tref­fen beim CDU-​Infostand ein, Foto von Jorge-​Alberto Reich, CC-​BY-​SA

Wenig erfreut waren die etwa sie­ben loka­len CDU-​Leute am Stand. Sie hät­ten es wohl wesent­lich lie­ber gese­hen, wenn man sie in Ruhe und unwi­der­spro­chen ihre Unwahr­hei­tenInfor­ma­tio­nen unters Volk hätte brin­gen las­sen, aber immer­hin sollte das hier sowas wie ‚ne Bür­ger­sprech­stunde sein. Und Bür­ger sind ja nun mal auch wir.

Kai hat dann auch umge­hend das Gespräch gesucht. War aber nicht so ein­fach. Mit fun­dier­ten Gegen­mei­nun­gen kon­fron­tiert, wählt Frau von der Leyen wohl am liebs­ten die „Monologstrategie” — das heißt Kai wurde so lange zuge­tex­tet, bis alle Phra­sen abge­ar­bei­tet waren: „Natür­lich wol­len wir keine Zen­sur, die Netz­sper­ren sind die beste Lösung über­haupt, bla bla bla”. Ein­ge­hen auf Nach­fra­gen: Fehlanzeige.

Kai im Gespräch mit Frau von der Leyen

Kai im Gespräch mit Frau von der Leyen, Foto von Jorge-​Alberto Reich, Bear­bei­tung dh, CC-​BY-​SA

Die junge Dame auf dem Bild trug übri­gens ein Schild mit der Auf­schrift „Weg­schauen statt bekämp­fen? Sper­ren statt löschen?”. Sie wurde von Frau von der Leyen mit den Wor­ten begrüßt: „Sie sind also dafür, dass man sich im Inter­net Kin­der­por­nos anschauen kann?!” Da erüb­rigt sich jeder wei­tere Kom­men­tar. Die­je­ni­gen, die diese „Gesprä­che” live gehört hat­ten (ich stand lei­der etwas zu weit weg), haben spä­ter ein­hel­lig gemeint, Frau von der Leyen hätte sich voll­stän­dig merk­be­freit gezeigt. Es scheint so, die Frau glaube wirk­lich und gera­dezu fana­tisch daran, sie würde da etwas ganz Tol­les zu Wege brin­gen. In so einer Situa­tion sind ratio­nale Argu­mente lei­der völ­lig nutz­los und eigent­lich ist das ja einer der Gründe, warum Glaube und Fana­tis­mus in einer frei­heit­li­chen Demo­kra­tie nichts ver­lo­ren haben. Womit wir wie­der bei des Pudels Kern ange­kom­men sind, wenn es um Frau von der Leyen und ihr Ver­ständ­nis von Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­fra­struk­tu­ren geht…

Nach etwa zehn Minu­ten Zwiegesprä­chen neben dem CDU-​Stand ging es dann auf den Markt­platz. Und ob nun gleich ganz vorn…

Auf dem Marktplatz

Auf dem Markt­platz, Foto von Jorge-​Alberto Reich, CC-​BY-​SA

…beim Fisch­stand…

Am Fischstand

Am Fisch­stand, Foto von Jorge-​Alberto Reich, CC-​BY-​SA

…beim Kaf­fee– und Teestand…

Am Kaffee- und Teestand

Am Kaf­fee– und Tee­stand, Foto von Jorge-​Alberto Reich, CC-​BY-​SA

…oder bei all den ande­ren Stän­den, an denen Frau von der Leyen das Gespräch mit dem Wäh­ler suchte: Im Hin­ter­grund war immer ein knap­pes Dut­zend Men­schen, die mit Pla­ka­ten deut­lich mach­ten, dass sie mit der Poli­tik und den Ansich­ten von Frau von der Leyen nicht ein­ver­stan­den sind. All diese Men­schen waren die ganze Zeit über freund­lich und zurück­hal­tend: Alle sind immer brav hin­ter der CDU-​Entourage und Frau von der Ley­ens eige­nen Auf­pas­sern geblie­ben, nie­mand hat sich auch von den gele­gent­li­chen Remp­lern des einen oder ande­ren CDU­lers nur im gerings­ten pro­vo­zie­ren las­sen, nie­mand hat sich irgendwo in den Weg gestellt oder auch nur ein ein­zi­ges „Gespräch” zwi­schen Frau von der Leyen und den Bür­gern gestört.

Trotz­dem fin­gen die drei anwe­sen­den Poli­zis­ten nach etwa 15 Minu­ten an, von einem Groß­teil der anwe­sen­den Geg­ner die Per­so­na­lien auf­zu­neh­men. Die Begrün­dung war, es handle sich hier um „unan­ge­mel­dete Ver­samm­lung” und das wurde dann dann am Hoch­hal­ten der Pla­kate fest­ge­macht oder — bei denen, die keine Pla­kate dabei hat­ten — daran, dass sie halt „mit­lau­fen wür­den” und damit auch zu die­ser „Ver­samm­lung” gehörten.

Personalienaufnahme am Rande des Marktspaziergangs

Per­so­na­li­en­auf­nahme am Rande des Markt­spa­zier­gangs, Foto von Jorge-​Alberto Reich, CC-​BY-​SA

So eine Begrün­dung ent­behrt auf einem beleb­ten Markt­platz nicht einer gewis­sen Iro­nie. Ich weiß nicht, ob das jetzt ein Ein­schüch­te­rungs­ver­such war, eine pro­phy­lak­ti­sche Maß­nahme falls es zu Ran­dale käme oder ob die CDU gefor­dert hatte, da „müsse doch was getan wer­den gegen diese Stö­rer”. Ich weiß nur, dass kei­ner der betei­lig­ten Pro­tes­tie­rer sich davon beein­dru­cken ließ, alle Schil­der blie­ben oben und Frau von der Leyen blieb ihre Beglei­tung treu.

(Nach­trag: Beim Max fin­dest sich mitt­ler­weile ein Bericht, der eben­falls pro­tes­tiert hat und der „unan­ge­mel­den Ver­samm­lung” zuge­rech­net wurde, obwohl er, wie er betont, allein gekom­men ist und nichts mit der Pira­ten­par­tei zu tun hat.)

Übri­gens waren auch viele andere Gesprächs­part­ner nicht so recht von Frau von der Leyen über­zeugt. Auch bei ande­ren The­men wie Väter­rech­ten, Betreu­ungs­an­ge­bo­ten für Klein­kin­der oder finan­zi­el­ler Fami­li­en­un­ter­stüt­zung waren ihre Ein­las­sun­gen wohl häu­fig sehr schablonenartig.

Um punkt 11 Uhr war der SpukAuf­tritt dann auch schon vor­bei. Mit­samt ihrer Beglei­tung ent­schwebte Frau von der Leyen in ihrer schi­cken Limou­sine. Wir durf­ten uns dann noch ein wenig von einem CDU-​Menschen laut­stark angif­ten las­sen („Ihr soll­tet euch schä­men mit dem Tauss”), der nach der pas­sen­den Erwi­de­rung („Ach, gilt in Ihrer Par­tei das rechts­staat­li­che Prin­zip der Unschulds­ver­mu­tung nicht?”) erheb­lich aus­ge­bremst war. Ich per­sön­lich halte es da zudem mit der unver­gleich­li­chen Vera Drom­busch: „Wer schreit hat Unrecht.” Ansons­ten konn­ten wir noch viele Bür­ger über uns und unsere Ziele infor­mie­ren, viele Flyer ver­tei­len — und die Jungs, die plötz­lich die Sei­ten­scheibe ihres Autos run­ter­kur­bel­ten und quer über den Platz rie­fen: „Ihr seid klasse, ich werd’ euch wäh­len!” haben damit defi­ni­tiv auch nicht die CDU hin­ter uns gemeint. ;-)

Par­al­lel hatte der­weil eine zweite Akti­ven­gruppe den Info­stand in der Han­no­ver­schen Innen­stadt auf­ge­baut. Etli­che Pira­ten sind noch vom Linde­ner Markt­platz dort­hin gezo­gen und haben die dor­tige Gruppe ver­stärkt, was ange­sichts des hohen Bür­ger­in­ter­es­ses auch sehr sinn­voll war.

Infostand auf der Osterstraße

Info­stand auf der Oster­straße, Foto von Jorge-​Alberto Reich, CC-​BY-​SA

Zusam­men mit dem Rekord-​Stammtisch vom Frei­tag abend (42 Pira­ten und Inter­es­sen­ten) ein wahr­haft pira­ti­ges Wochenende!

Einen wei­te­ren Bericht vom Linde­ner Markt­platz mit wei­te­ren Fotos gibt’s übri­gens drü­ben in Jans hyper-​world.

Nach­trag, 2009-​09-​26: Auch im Por­tal „Han­no­ver ent­de­cken” gibt es zwi­schen­zeit­lich einen Bericht von Frau von der Ley­ens Besuch mit eini­gen erhel­len­den Details über den äußerst unhöf­li­chen Umgangs­ton von Frau von der Leyen und ihre CDU-​Mitstreiter.

Rette deine Freiheit

Ich weiß, dass das eigent­lich ein alter Hut ist. Jeden­falls in Inter­net­maß­stä­ben. Aber ich habe das Video ges­tern abend auf dem Pira­ten­par­tei–Stamm­tisch hier in Han­no­ver das erste Mal gese­hen, und ich fand das so klasse, so unglaub­lich gut gemacht, dass ich es hier ein­fach ver­lin­ken muss. „Rette deine Frei­heit” ist ein Pro­jekt, das den gan­zen Wahn­sinn um das Inter­net­zen­sur­ge­setz, die ver­lo­gene Kinderpornografie-​Argumentation und die Fol­gen auf­ar­bei­tet. Kern­stück ist ein fünf­mi­nü­ti­ges Video:

Ret​te​Dei​n​e​Frei​heit​.de ist ein wun­der­vol­les und erschre­cken­des Video zugleich. Wun­der­voll, weil es den gan­zen Wahn­sinn, der hin­ter dem Trei­ben von Ursula von der Leyen und ihren Spieß­kum­pa­nen in einer zwin­gen­den Bil­der­spra­che und mit einem höchst intel­li­gen­ten und auch noch sehr poin­tiert gespro­che­nen Kom­men­tar dar­stellt. Und erschre­ckend, weil es die vie­len Unwahr­hei­ten, Lügen, fal­schen Behaup­tun­gen und gera­dezu irre anmu­ten­den Schluss­fol­ge­run­gen so ver­dich­tet wie­der­gibt. Der ganze Kom­men­tar ist von fei­ner Iro­nie durch­zo­gen, sodass man mehr­mals schmun­zeln oder lachen möchte. Aber das Lachen bleibt einem im Halse ste­cken, weil das ganze halt eben keine Iro­nie, son­dern bit­te­rer bit­te­rer Ernst ist. Die zum Video gehö­rende Web­seite stellt die Hin­ter­gründe noch­mal aus­führ­li­cher dar und zeigt auch, aus wel­chem Poli­ti­ker­mund man­che im Video ver­wen­de­ten For­mu­lie­run­gen stammen.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe beim Anschauen sol­cher Web­sei­ten und sol­cher Videos gera­dezu phy­si­sche Schmer­zen. Das Han­deln der betei­lig­ten Poli­ti­ker ist so ver­ächt­lich, so schäd­lich und so uner­träg­lich. Aber es ist mei­nes Erach­tens emi­nent wich­tig, diese Infor­ma­tio­nen wei­ter zu tra­gen. Sowohl das Video als auch die erläu­ternde Web­seite. Gerade jetzt vor der Bun­des­tags­wahl, wo es immer noch Leute gibt, die vom sinis­tren Regie­rungs­trei­ben keine Ahnung haben oder nicht wis­sen, wel­che Alter­na­ti­ven es gibt. Also: Spread the word!

Jetzt gleich: Piratenwahlwerbespot im Fernsehen (4 von 4)

Hin­weis auf die Wahl­wer­bung der Pira­ten­par­tei:

Am heu­ti­gen 18. Sep­tem­ber um 21:43 Uhr in der ARD läuft der Spot „Freie Lizen­zen” von Chris­to­pher Grabinski.

Ein­schal­ten und Wei­ter­sa­gen. Wei­tere Spots in den öffentlich-​rechtlichen Fern­seh­sen­dern sind mei­nes Wis­sens nicht geplant, even­tu­ell gibt es aber noch Aus­strah­lun­gen ver­schie­de­ner Spots im Pri­vat­fern­se­hen. Wie dem auch sei: Jetzt kommt’s auf den 27. Sep­tem­ber an!

Videointerview mit mir über Politik und Piratenpartei im Journal on Political Excellence

Nach lan­ger Zeit ist jetzt end­lich das Resul­tat eines der inter­es­san­tes­ten Ter­mine ver­füg­bar, den ich in der ziem­lich hek­ti­schen Zeit zwi­schen Euro­pa­wahl und Bun­des­par­tei­tag der Pira­ten hatte. Das Jour­nal on Poli­ti­cal Excel­lence hatte mit mir im Juni ein Inter­view geführt, in dem es nicht nur um die Pira­ten­par­tei, son­dern auch um all­ge­mei­nere poli­ti­sche Fra­gen und meine Ansich­ten dazu ging. Ich habe die­ses Inter­view vor allem des­halb in so guter Erin­ne­rung, weil ich mich hier zwar einer­seits als Par­tei­vor­sit­zen­der, aber ande­rer­seits auch ganz per­sön­lich zu eini­gen Grund­la­gen der Pira­ten­par­tei und der dahin­ter­ste­hen­den gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Ent­wick­lun­gen äußern konnte. Diese Über­le­gun­gen sind in den vie­len ande­ren Inter­views der Zeit damals mei­nes Erach­tens immer zu kurz gekommen.

JPoX ver­steht sich als inter­na­tio­na­les poli­ti­sches Maga­zin. Dem­ent­spre­chend sind die Bei­träge in Eng­lisch. Auch das Inter­view haben wir auf Eng­lisch geführt. Ange­sichts der kom­ple­xen Mate­rie und der Tat­sa­che, dass ich völ­lig frei gere­det habe, was das nicht ganz ein­fach. Ich denke aber, man kann mir trotz gele­gent­li­cher gram­ma­ti­ka­li­scher — nunja — Unschär­fen folgen.

Das Gesamt­in­ter­view ist in acht The­men­kom­plexe geglie­dert, die in jeweils sepa­ra­ten etwa drei­mi­nü­ti­gen Videos behan­delt wer­den. Im Ein­zel­nen geht es um fol­gende Fragen:

  • Was sind momen­tan die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen für Poli­ti­ker und das poli­ti­sche System?
  • Wel­che Ver­bin­dun­gen gibt es zwi­schen der Poli­tik und den neuen tech­ni­schen Möglichkeiten?
  • Wie kann das Inter­net in poli­ti­sche Pro­zesse ein­ge­bun­den werden?
  • Kann das Inter­net poli­ti­sche Pro­zesse und poli­ti­sche Kom­mu­ni­ka­tion verbessern?
  • Ist die Pira­ten­par­tei eine Ein-​Themen-​Partei?
  • Gibt es einen „digi­ta­len Spalt” zwi­schen den Gene­ra­tio­nen oder poli­ti­schen Akteu­ren und ihren Wählern?
  • Wel­che Fol­gen hat der „digi­tale Spalt” für die Gesell­schaft und das poli­ti­sche System?
  • Wenn man eine ein­zige Sache am poli­ti­schen Sys­tem ändern könnte, wel­che müsste das sein?

Meine Ant­wort zur letz­ten Frage („If you could change one sin­gle thing in regard to the poli­ti­cal sys­tem, which one would that be?”) gibt es hier gleich mal direkt, zu allen ande­ren The­men fin­den sich die Videos drü­ben bei JPoX:

Das gesamte Inter­view fin­det sich, wie gesagt, auf der Web­seite von JPoX.

Interview mit Jens Seipenbusch im Zivilschein-​Blog/​Jens über das „Junge Freiheit”-Interview von Andreas Popp

Ich möchte kurz auf ein Inter­view mit Jens Sei­pen­busch, Bun­des­vor­sit­zen­der der Pira­ten­par­tei, im Zivilschein-​Blog auf­merk­sam machen. Das Inter­view wurde am Mon­tag auf der Mahn­wa­che anläss­lich der Poli­zei­ge­walt auf der Freiheit-​statt-​Angst-​Demo am Sams­tag geführt. Jens äußert sich aber auch über die Pira­ten­par­tei und die Bun­des­tags­wahl allgemein.

Wir arbei­ten natür­lich nach wie vor an der Fünf-​Prozent-​Hürde, wir geben alles. Der Auf­schwung ist wirk­lich da. In den letz­ten Tagen haben wir noch­mal extrem viel Auf­merk­sam­keit gene­rie­ren und Neu­mit­glie­der gewin­nen kön­nen. Die Mög­lich­keit ist also durch­aus gege­ben, auch wenn es sicher­lich nicht ein­fach wird.

Oh, und wo wir schon dabei sind: In sei­nem eige­nen Blog äußert Jens sich zum Inter­view, das Andreas Popp, der stell­ver­tre­tende Piraten-​Bundesvorsitzende, der Zei­tung „Junge Frei­heit” gege­ben hat. Die Sache ist an mir kom­plett vor­bei­ge­gan­gen, ich bin erst durch Jens Arti­kel dar­auf auf­merk­sam gewor­den. Einige Kreise schei­nen die „Junge Frei­heit” über die Gren­zen des Erträg­li­chen hin­aus rechts im poli­ti­schen Spek­trum ein­zu­ord­nen und miss­bil­li­gen des­halb, dass ein Bun­des­vor­stands­mit­glied der Pira­ten­par­tei dort ein Inter­view gibt. Jens wider­spricht:

Sicher­lich: eine Zusam­men­ar­beit mit rech­ten Par­teien kommt nicht in Frage, auch für mich nicht, genau das hat Andreas Popp ja auch gesagt. Ist es aber die rich­tige Ant­wort, einer Zei­tung nicht die eigene poli­ti­sche Mei­nung dar­zu­le­gen? […] Ich denke bei der Bewer­tung die­ses Inter­views an die Leser der Jun­gen Frei­heit , nicht an die Macher. Wenn wir diese Men­schen nicht für wür­dig befin­den, mit ihnen über Poli­tik zu reden, dann geben wir sie ver­lo­ren. Wenn wir sie zurück­ho­len wol­len ins demo­kra­ti­sche Spek­trum, dann müs­sen wir mit ihnen reden, ihnen klar­ma­chen, warum die rechte Ideo­lo­gie men­schen­feind­lich ist. Sie zu ver­ach­ten, sich von ihnen zu dis­tan­zie­ren, mag den Lin­ken dabei hel­fen, ihre eigene Iden­ti­tät zu defi­nie­ren – in der ange­spro­che­nen Sache ist es eher schädlich.

Gut gebrüllt, Löwe!

Jetzt gleich: Piratenwahlwerbespot im Fernsehen (3 von 4)

Hin­weis auf die Wahl­wer­bung der Pira­ten­par­tei:

Am heu­ti­gen 15. Sep­tem­ber um 17:10 Uhr im ZDF — direkt vor „Hallo Deutschland” — läuft der Spot „Du bist Terrorist”.

Der wei­tere Sendetermin:

  • Am Frei­tag, 18. Sep­tem­ber um 21:43 Uhr in der ARD läuft der Spot „Freie Lizen­zen” von Chris­to­pher Grabinski.

Ein­schal­ten und Weitersagen.

Piratenpartei auf der Freiheit-​statt-​Angst-​Demo: Alles in Orange

Hin­weis: Die Fotos in die­sem Arti­kel und noch viel mehr fin­den sich in mei­nem Online-​Fotoalbum.

Als am Sams­tag früh um 6:50 Uhr der Wecker geklin­gelt hat, habe ich kurz mit mir geha­dert: Jetzt auf­ste­hen? Nach Ber­lin fah­ren? Am Wochen­ende??? Aber es ist ja „Frei­heit statt Angst ’09″. Also hab’s ich gemacht, saß um halb neun im Zug und war so gegen halb zwei am Pots­da­mer Platz.

Ich hätt’s bit­ter bereut, wär’ ich dort nicht gewesen.

Aus mei­nen Augen und den Augen vie­ler, vie­ler ande­rer Beob­ach­ter war die Pira­ten­par­tei mit ihren oran­ge­nen Fah­nen und T-​Shirts optisch für die gesamte Ver­an­stal­tung prä­gend. Wohin man auch blickte, über­all wehte es in der Piraten-„Hausfarbe”.

Kundgebungszug mit Piratenflaggen

Kund­ge­bungs­zug mit Piratenflaggen

Dazu kam, dass die Par­tei, nament­lich der Lan­des­band Nie­der­sach­sen und dort wie­derum die Akti­ven­gruppe Braun­schweig, keine Kos­ten und Mühen gescheut und einen Truck mit Tech­no­um­zugs­qua­li­tä­ten geor­dert hat. Der auf­le­gende DJ Tanith hat dann wäh­rend der Demons­tra­tion das Loveparade-​Feeling per­fekt gemacht.

Piratenmobil und Demomobil einer anderen Partei

Pira­ten­mo­bil und Demo­mo­bil einer ande­ren Partei

Ich hatte wäh­rend des Demons­tra­ti­ons­zu­ges einen Platz oben auf eben­die­sem Truck und inso­fern einen tol­len Aus­blick auf den gesam­ten Zug. Und von vorn bis hin­ten hatte er vor allem einen Farbe: Orange.

Demonstrationszug in der Hannah-Ahrend-Straße

Demons­tra­ti­ons­zug in der Hannah-​Ahrend-​Straße

Für einen poli­ti­schen Pro­test­um­zug und ins­be­son­dere eine Par­tei­prä­senz inner­halb eines sol­chen war die Auf­tritts­form sicher­lich unge­wöhn­lich: Tech­no­beats statt ideo­lo­gisch gefes­tig­tem Kamp­fes­lied­gut und weit­ge­hen­der Ver­zicht auf Wort­bei­träge. Aber:

  • Zum einen waren die ganze Zeit über flei­ßige Hel­fer unter­wegs, die tau­sende von Fly­ern unters stau­nende Volk brach­ten (und Unter den Lin­den haben sie gestaunt…) und Schrift­li­ches ist viel bestän­di­ger als auf einer Demo schnell dahin­ge­sagte Phrasen.
  • Außer­dem kann man mit lau­ter Musik immer noch jede Menge Auf­merk­sam­keit erzie­len und schließ­lich macht sie Spaß.
  • Und wer sagt denn, dass Demons­trie­ren nicht auch Spaß machen soll? Eben!

Die Pira­ten sind jeden­falls keine bleich­ge­sich­ti­gen Kel­ler­nerds mit Sozi­alp­ho­bien, son­dern bei aller ernst­haf­ter Poli­tik­dis­kus­sion ver­ste­hen sie auch zu Fei­ern! Anders sind die Kübel vol­ler Mist, die Schäu­ble, Zypries und von der Leyen über uns in Geset­zes­form aus­kip­pen, auch nicht zu ertra­gen. Ronald Becher hat mich übri­gens oben auf dem Truck per Foto eingefangen:

Der Blogautor auf dem Piraten-Truck. Foto von Ronald Becher, CC-BY-SA

Der Blog­au­tor auf dem Piraten-​Truck. Foto von Ronald Becher, CC-​BY-​SA

Ich habe häu­fi­ger an die Freiheit-​statt-​Angst-​Demo 2007 zurück­ge­dacht. Damals waren so ein paar Dut­zend Pira­ten dabei, es gab 6 (in Wor­ten: Sechs) Flag­gen, um die anschlie­ßend unter den weni­gen bereits gegrün­de­ten Lan­des­ver­bän­den gerun­gen wurde. Nie­der­sach­sen und Hes­sen waren gerade im Wahl­kampf, des­halb hat­ten sie mehr als eine bekom­men… Nun, das war die­ses Jahr nicht so das Problem.

Umzug am Werderschen Markt

Umzug am Wer­der­schen Markt

Die Umzugs­route bot mit Ebert­straße, Unter den Lin­den und der Leip­zi­ger Straße auch viel Öffent­lich­keit, die mal mehr, mal weni­ger infor­miert aber in gro­ßer Über­zahl sehr inter­es­siert dem bunt-​orangenen Trei­ben zuschaute.

Freiheit-statt-Angst-Demonstration auf der Leipziger Straße

Freiheit-​statt-​Angst-​Demonstration auf der Leip­zi­ger Straße

Gene­rell hatte die Demo in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung einen ganz ande­ren Stel­len­wert als noch 2007. Red­ner waren dies­mal unter ande­rem Thilo Wei­chert und Frank Bsirske und in den Haupt­nach­rich­ten­sen­dun­gen kam die Demo nicht irgendwo am Ende oder gar nicht, son­dern pro­mi­nent ganz am Anfang der Sen­dung vor, beim ZDF-„heute” sogar als einer der Headliner.

Ein biss­chen schade ist, dass die hohe Prä­senz der Pira­ten in der Bild­be­richt­er­stat­tung nicht so recht rüber­kommt — aber was soll’s.

Für mich klang der Abend dann wie für viele andere Pira­ten in der c-​base aus, wo ich mich nicht nur mit unse­rer Regens­bur­ger Piraten-​Direktkandidatin Suat Kasem unter­hal­ten konnte, son­dern auch mit der bezau­bern­den For­schungs­torte, die genau so einen tol­len Musik­ge­schmack wie ich hat und auf deren Magis­ter­ar­beit ich wirk­lich schon sehr, sehr gespannt bin. Ins Bett bin ich jeden­falls erst um 4 Uhr mor­gens gefal­len, einige Stun­den spä­ter als geplant.

War ein tol­ler Tag, des­sen poli­ti­sche Aus­wir­kun­gen sich in den nächs­ten Tagen noch zei­gen wer­den. Ein­mal mehr gilt das Motto, das ich von allen mit am gelun­gens­ten für unsere noch junge poli­ti­sche Bewe­gung halte: „Ihr wer­det euch noch wün­schen, wir wären politikverdrossen!”