Monatliches Archiv für September, 2009

Telekom und Netzzensur — Was interessieren da Gesetze?

Aus aktu­el­lem Anlass muss der dritte Teil mei­ner Betrach­tun­gen zur Ber­li­ner U-​Bahnlinie U55 bis mor­gen warten.

Heise Online mel­det, dass diverse Pro­vi­der wei­ter­hin an der Umset­zung von Netz­sper­ren arbei­ten. Nament­lich erwähnt wird die Telekom:

„Wir arbei­ten mit Hoch­druck an der Umset­zung”, erklärte ein Spre­cher der Deut­schen Tele­kom gegen­über heise online. […] Die Tele­kom habe sich […] gegen­über dem Bun­des­kri­mi­nal­amt (BKA) ver­trag­lich zum Sper­ren ver­pflich­tet und werde daran festhalten.

Auch Kabel Deutsch­land sieht sich „auf Kurs”:

Trotz­dem will auch Kabel Deutsch­land an der Abspra­che mit der Poli­zei­be­hörde fest­hal­ten, wie eine Spre­che­rin auf Anfrage mit­teilte: „Für Kabel Deutsch­land und ihre Mit­ar­bei­ter ist die Ächtung und Bekämp­fung von Kin­der­por­no­gra­phie auch eine mora­li­sche und gesell­schafts­po­li­ti­sche Verpflichtung.”

Das ist schon arm, dass der Laden selbst jetzt, nach­dem die Argu­mente gegen die Kin­der­por­no­kam­pa­gne der Fami­li­en­mi­nis­te­rin seit Mona­ten bekannt sind, immer noch mit die­sem men­schen– und ins­be­son­dere kin­der­ver­ach­ten­den Argu­ment­pla­cebo ankommt.

Man kann es dre­hen und wen­den wie man will: Die Inter­net­zen­sur­pläne der ver­gan­ge­nen Regie­rung sind einer zutiefst anti­de­mo­kra­ti­schen und anti­frei­heit­li­chen Grund­hal­tung geschul­det. Sie wur­den mit unlau­te­ren Argu­men­ten vor­an­ge­trie­ben und gegen den Wil­len der infor­mier­ten Öffent­lich­keit ver­ab­schie­det. Sie hän­gen seit Mona­ten in der Schwebe und ste­hen auf der Abschuss­liste bei den anste­hen­den aktu­el­len Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen ganz oben — so hoffe ich jeden­falls. Andern­falls wer­den sich wei­tere rechts­staat­li­che Instan­zen dem per­fi­den Trei­ben anneh­men und es beenden.

Die Tele­kom und Kabel Deutsch­land rei­ten ein totes Pferd. Aber sie rei­ten es mit einer Verve, die wei­ter­hin besorg­nis­er­re­gend für unsere freiheitlich-​demokratische Ver­fas­sung ist. Man sollte sie bei­zei­ten daran erinnern…

Die Berliner U-​Bahn U55 — II — Auch nichts los am Bundestag

Das muss man erst­mal hin­be­kom­men: Eine U-​Bahn zu bauen mit mehr End­sta­tio­nen als Unter­wegshal­ten. Die U55 bringt die­ses Kunst­stück fer­tig. „Bun­des­tag” ist die ein­zige Sta­tion, in der der Zug zu bei­den Sei­ten ein– und aus­fährt. Allzu weit vom Haupt­bahn­hof ent­fernt ist sie nicht.

Nördlicher Eingang zum U-Bahnhof Bundestag, im Hintergrund der Hauptbahnhof

Nörd­li­cher Ein­gang zum U-​Bahnhof Bun­des­tag, im Hin­ter­grund der Hauptbahnhof

Die Sta­tion liegt schräg vor dem Paul-​Löbe-​Haus nord­west­lich des Reichs­tags­ge­bäu­des. Von oben ist sie durch die Tages­licht­ein­fälle erkenn­bar, die ober­halb der Säu­len ange­ord­net sind

Bereich der U-Bahnstation von oben mit Paul-Löbe-Haus links und Reichstag hinten

Bereich der U-​Bahnstation von oben mit Paul-​Löbe-​Haus links und Reichs­tag hinten

Tageslichteinfälle von oben

Tages­licht­ein­fälle von oben

Tageslicht von unten und Bahnsteig am Bundestag

Tages­licht von unten und Bahn­steig am Bundestag

Tages­licht auf dem Bahn­steig ist für Ber­li­ner U-​Bahnstationen immer noch eher unge­wöhn­lich, obwohl der bun­des­weite Trend schon seit Jahr­zehn­ten in diese Rich­tung geht. Zusam­men mit der hohen Decke, der auf­ge­lo­cker­ten Anord­nung der Stütz­säu­len und den „zufäl­lig” ange­brach­ten Kunst­lich­tern macht die Sta­tion so einen durch­aus freund­li­chen Ein­druck. Aller­dings ist die Aus­stat­tung bemer­kens­wert spar­ta­nisch für den U-​Bahnhof, der unmit­tel­bar am poli­ti­schen Zen­trum Deutsch­lands liegt.

Wand in der Station Bundestag

Wand in der Sta­tion Bundestag

Die Wände zei­gen unver­putz­ten Beton, auf den die Sta­ti­ons­schil­der ein­fach auf­ge­klebt wur­den. Ebenso archi­tek­to­nisch streng die Gelän­der, unten auf dem Bild wie­der das­je­nige längs des nicht betrie­be­nen west­li­chen Glei­ses. Eigent­lich ist der Unter­schied zum Roh­bau wie er sich zum Bei­spiel schon 2003 bot, nicht so beson­ders groß.

Rohbau der Station Bundestag im September 2003

Roh­bau der Sta­tion Bun­des­tag im Sep­tem­ber 2003

Die­ses Foto ist sei­ner­zeit im Rah­men einer Exkur­sion des Ber­li­ner Unter­wel­ten e.V. ent­stan­den. Damals war der Pla­nungs­name noch „Reichs­tag”. Man beachte die noch abge­deck­ten Tages­licht­ein­fälle, das feh­lende Bahn­steig­pflas­ter und die Bau­ge­län­der. Ansons­ten hat sich ja eigent­lich nicht so viel geändert…

Keine Rolltreppe am Bundestag

Keine Roll­treppe am Bundestag

Wäh­rend am Haupt­bahn­hof ja wenigs­tens noch eine Roll­treppe exis­tiert, hat man sich den Ein­bau an der Sta­tion Bun­des­tag völ­lig gespart. Statt­des­sen zeigt form­schö­nes Roll­blech an, wo man bei Bedarf noch­mal eine hin­bauen könnte. Die vor­ge­se­hene Breite macht mich aller­dings neu­gie­rig: Ent­we­der kommt hier eine über­breite Ein­zel­roll­treppe oder zwei sehr schmale hin.

Fahrstuhl in der Station Bundestag

Fahr­stuhl in der Sta­tion Bundestag

Dafür hat einen Fahr­stuhl, der sinn­vol­ler­weise nicht nur zur Zwi­schen­ebene, son­dern auch gleich ganz nach oben fährt. Wes­halb man auf der Zwi­schen­ebene aus­stei­gen möchte, erschließt sich mir aller­dings nicht so recht.

Durchgehende Zwischenebene

Durch­ge­hende Zwischenebene

Als Stan­dard für die Archi­tek­tur von U-​Bahnstationen hat sich schon in den 1920er Jah­ren die „Minus-​2-​Ebene” für den Bahn­steig durch­ge­setzt: Unter der Ober­flä­che kommt zunächst eine Ver­tei­le­re­bene („Minus-​1-​Ebene”), von der aus es auf den Bahn­steig geht. Das hat den Vor­teil, dass die Zugänge an der Ober­flä­che unab­hän­gig von der eigent­li­chen Bahn­stre­cke ange­ord­net wer­den kön­nen. Auch die Sta­tion Bun­des­tag ist so gebaut, aller­dings ist die Zwi­schen­ebene hier bei­der­seits des Bahn­stei­ges durch­ge­zo­gen, sodass sich eine Art umlau­fen­der Wan­del­gang ergibt. Bei mei­ner Besich­ti­gung war ich aller­dings der ein­zige, der hier wandelte.

Zug am Bundestag

Zug am Bundestag

Auch am Bun­des­tag ist nur eine der Bahn­steig­kan­ten in Betrieb. Der Zug fährt je nach Rich­tung ent­we­der zum Haupt­bahn­hof oder, wie die­ser hier, zum Bran­den­bur­ger Tor. Und genau das mache ich jetzt auch.

Unsere Reise endet mor­gen mit dem drit­ten und letz­ten Teil am Bran­den­bur­ger Tor.

2% für die Piratenpartei und ein historisches Wahlergebnis — Betrachtungen zur Bundestagswahl aus Hannover

So, nun ist die Bun­des­tags­wahl vor­bei. „End­lich,” wer­den viele sagen. Zuge­ge­ben: Ich auch. Die letz­ten Wochen waren anstren­gend. Und die letzte Woche war dann auch noch men­tal auf­rei­bend. Als Spit­zen­kan­di­dat in Nie­der­sach­sen mur­melte da häu­fi­ger mal diese leise Stimme im Hin­ter­kopf: „Dirk, wenn das wider Erwar­ten doch über 5% geht für die Pira­ten­par­tei, dann sitzt du im Bun­des­tag. Ahnst du eigent­lich, was sich dann alles ändert?”

Nun, zumin­dest die­ses Pro­blem habe ich auf abseh­bare Zeit nicht. Wie von den Mei­nungs­for­schern — und auch von eini­gen von mir hoch­ge­schätz­ten Men­schen in mei­nem per­sön­li­chen Umfeld — vor­her­ge­sagt, haben wir die 5% nicht geschafft. 2% sind es gewor­den, und das ist bemer­kens­wert genug:

  • Die Pira­ten­par­tei setzt ihre Ach­tungs­er­folge mit stei­gen­der Ten­denz fort, wir haben das Ergeb­nise der säch­si­schen Land­tags­wahl hal­ten und sogar leicht zule­gen können.
  • Bun­des­weit sind die Pira­ten die größte Par­tei, die nicht im Bun­des­tag ver­tre­ten ist.
  • In abso­lu­ten Zah­len haben fast 800.000 Men­schen in Deutsch­land der Pira­ten­par­tei ihre Stimme gegeben.
  • Durch Über­sprin­gen der 1%-Hürde sind wir auch auf Basis der Bun­des­tags­wahl in der Parteienfinanzierung.

Ich weiß, dass viele, ins­be­son­dere viele Pira­ten, mit einem bes­se­ren Ergeb­nis gerech­net hat­ten. Bei unse­rer Stamm­tisch­wette am Frei­tag haben wohl fast alle auf ein 5%-plus-x-Ergebnis gesetzt, ich übri­gens auch (aber mal ehr­lich: Ein Spit­zen­kan­di­dat, der nicht auf den Ein­zug in den Bun­des­tag setzt, ist ja irgend­wie unglaub­wür­dig…). Das ist es nun nicht gewor­den, aber ich denke, wir haben kei­nen Grund, dar­über trau­rig zu sein. Im Gegen­teil hat die Pira­ten­par­tei bereits jetzt ver­dammt viel bewirkt:

  • Ohne uns hät­ten im Wahl­kampf die Inter­net– und Bür­ger­rechts­the­men erneut keine Rolle gespielt.
  • Wir haben Men­schen in die Poli­tik gebracht, die dies vor­her aus Frust über die übri­gen Par­teien abge­lehnt hatten.
  • Wir haben einen sehr enga­gier­ten, an Inhal­ten ori­en­tier­ten Wahl­kampf geführt.
  • Wir hat­ten bei unse­rer gan­zen poli­ti­schen Arbeit jede Menge Spaß — und konn­ten die­sen auch nach außen vermitteln.

Ich bin mir sehr sicher, dass die FDP nicht so viele Stim­men bekom­men hätte, wären wir nicht da gewe­sen und hät­ten einige der The­men wesent­lich bes­ser beackert, für die die FDP sich tra­di­tio­nell zustän­dig fühlt, ins­be­son­dere im Bereich Daten­schutz und Bür­ger­rechte. Viel­leicht gibt es sei­tens der all­wis­sen­den Wahl­for­scher ja mal eine Auf­schlüs­se­lung, wel­cher Anteil von FDP-​Wählern sich eigent­lich eher bei den Pira­ten hei­misch gefühlt hat, aus irgend­wel­chen Grün­den dann aber lie­ber doch FDP gewählt hat. Ich denke, das sind so einige.

Über­haupt, das Wahl­er­geb­nis außer­halb des Pirat­en­er­geb­nis­ses. Ja, da gibt es auch span­nende Dinge. Zum Bei­spiel, dass FDP, Linke und Grüne alle zwei­stel­lige Pro­zent­zah­len und zusam­men deut­lich mehr als 1/​3 der Wäh­ler­stim­men bekom­men haben. Das zweite Drit­tel geht an die CDU und den Rest tei­len sich SPD und „die Ande­ren”. Zwar nicht zu glei­chen Tei­len, aber ich kann mich nicht erin­nern, bei einer Bun­des­tags­wahl jemals von 11,3 Pro­zent­punk­ten Ver­lust für eine ein­zelne Par­tei gehört zu haben. Mit gerade noch etwas mehr als 1/​5 der Wäh­ler­stim­men ist die SPD mas­siv beschnit­ten wor­den und ist von der Größe jetzt näher an der FDP als an der CDU. Das finde ich äußerst bemerkenswert.

Wir wer­den nun wohl also eine CDU-​CSU-​FDP-​Regierung bekom­men. Zuletzt hat­ten wir das, die älte­ren wer­den sich erin­nern, 1998, in dem Jahr, als Ger­hard Schrö­der Kanz­ler wurde. Aber diese Koali­tion wird anders sein als die dama­lige, das sieht man schon daran, dass die FDP stär­ker als die CSU ist, die in Bay­ern nun­mehr nur noch 41% der Wäh­ler­stim­men bekom­men hat. Das Ende der Ära der all­ge­gen­wär­ti­gen CSU in Bay­ern geht wei­ter und man darf gespannt sein, wann für sie die 5%-Hürde bei bun­des­wei­ten Wah­len erst­mals Thema wird.

Dies­mal war es noch nicht so weit. Trotz­dem ist diese „Mitte-Rechts”-Koalition mei­nes Erach­tens ein gutes Ergeb­nis. Das selbst­herr­li­che, bür­ger– und fak­ten­ferne Rum­wursch­teln der gro­ßen Koali­tion gehört damit — hof­fent­lich — der Ver­gan­gen­heit an. Und anders als die SPD hat die FDP sich im Wahl­kampf ja durch­aus zu Bürger-​, Frei­heits– und Grund­rech­ten bekannt. Es besteht also weni­ges­tens ein biss­chen Hoff­nung, dass das ver­fas­sungs­feind­li­che Trei­ben eines Wolf­gang Schäu­ble oder einer Ursula von der Leyen keine Fort­set­zung fin­den kann. Bri­gitte Zypries wird sich nun auch ein neues Betä­ti­gungs­feld suchen müs­sen, noch eine gute Nach­richt an die­sem Abend. Immer­hin war diese Soft­ware­pa­ten­tagi­ta­to­rin mir noch aus mei­ner poli­tisch akti­ven Vor-​Piraten-​Zeit in schlech­ter Erin­ne­rung und ist eine der dienst­äl­tes­ten Minis­te­rin­nen in Deutsch­land über­haupt gewe­sen — sie hat soger den Regie­rungs­wech­sel von 2005 überstanden…

Und wenn die FDP das mit den Bür­ger­rech­ten wie­der ver­gisst, so wie aktu­ell in Sach­sen, wo sie irgend­wel­chen Tro­ja­ner­wan­zen auf PCs zur Tele­fon­über­wa­chung zustim­men will, dann wer­den wir sie an die­ses Thema erin­nern. Und zwar sehr deut­lich. Was mich wie­der zu den Pira­ten zurückbringt.

Hier in Han­no­ver haben wir eine rich­tig schöne Wahl­party ver­an­stal­tet. So 70 – 80 Leute wer­den wohl da gewe­sen sein, das Zwi­schen­zeit hat mit gro­ßem Enga­ge­ment das Schmü­cken der Räume unter­stützt und mit einer gelun­ge­nen Karte für das leib­li­che Wohl aller Anwe­sen­den gesorgt. Mit einem Fern­se­her und zwei Com­pu­tern mit Bea­mern und Inter­net­an­schluss waren wir zudem immer am Puls der ein­tru­deln­den Wahl­er­geb­nisse, und nach­dem wir die Sei­ten mit den Wahl­er­geb­nis­sen für Stadt und Umland von Han­no­ver gefun­den hat­ten, gab es auf Zuruf auch stets einen Blick auf den aktu­el­len Stand der Dinge.

In Hannover-​Stadt haben die Pira­ten übri­gens über­durch­schnitt­li­che 2,8% erreicht, dabei in Lin­den 5,2% und in der Nord­stadt sogar 6,5%. Im Umland sind wir mit 1,9% genau im Schnitt. Und, mir per­sön­lich eines der wich­tigs­ten Resul­tate: Ursula von der Leyen hat ihr Direkt­man­dat nicht bekom­men, Hannover-​Süd ging an die SPD. Ins­ge­samt war die Stim­mung so den gan­zen Abend gut und der Grund­ge­danke, dass wir auf einem guten Weg sind und enga­giert und mit Spaß Poli­tik machen wol­len. „Die­ses Mal waren wir die größte der klei­nen Par­teien, nächs­tes Mal sind wir min­des­tens die kleinste der großen!”

Genau die­ser Blick in die Zukunft beherrschte die Dis­kus­sion am spä­te­ren Abend. Das heu­tige Wahl­er­geb­nis ist kein Grund zur Trauer, wir haben es alle gemein­sam viel­mehr als Ansporn für die Zukunft gese­hen. Für Nie­der­sach­sen heißt diese Zukunft zunächst mal „Par­tei­tag”, und der fin­det Ende Novem­ber statt. Bis dahin wol­len wir die Dis­kus­sion um die zukünf­tige Struk­tur unter­halb des Lan­des­ver­ban­des ent­schei­dend vor­an­brin­gen, damit end­lich auch die orga­ni­sa­to­ri­sche Basis dem ful­mi­nan­ten Mit­glie­der­zu­wachs folgt. Mir per­sön­lich ist es zudem sehr wich­tig, dass wir rela­tiv zügig kleine haupt­amt­li­che Struk­tu­ren für die grund­le­gens­ten admi­nis­tra­ti­ven Auf­ga­ben wie Mit­glie­der­ver­wal­tung, Akti­ven­ko­or­di­na­tion, Mate­rial­or­ga­ni­sa­tion und Finanz­ver­wal­tung aufbauen.

Fazit: Sicher­lich, so ganz tief drin hätte ich mir natür­lich ein bes­se­res Ergeb­nis und die 5% gewünscht — trotz der gewal­ti­gen Aus­wir­kun­gen, die das auf mich per­sön­lich und mein enge­res Umfeld gehabt hätte. Aber blei­ben wir rea­lis­tisch: Die Pira­ten sind immer noch ganz am Anfang und haben einen Groß­teil der Bevöl­ke­rung noch gar nicht erreicht. Das muss sich ändern, und genau dafür haben wir mit dem heu­ti­gen Ergeb­nis beste Vor­aus­set­zun­gen geschaf­fen. Wenn ich jetzt gleich den wohl­ver­dien­ten Schlaf suche (wie häu­fig ist die­ser Arti­kel bereits vor­ge­schrie­ben und wird dann erst spä­ter auto­ma­tisch ver­öf­fent­licht), werde ich wohl das erste Mal seit zwei Wochen wie­der ganz ruhig ein­schla­fen. Und ab mor­gen geht’s dann in die Zukunft der Pira­ten­par­tei. Dann heißt es wie­der: Mit vie­len enga­gier­ten, moti­vier­ten und unglaub­lich net­ten Men­schen zusam­men Poli­tik gestalten.

Ich freu mich drauf.

Die Berliner U-​Bahn U55 — I — Wenig los am Hauptbahnhof

Heute fah­ren wir mal U-​Bahn. In Ber­lin. Und weil wir nicht viel Zeit haben, neh­men wir dafür nicht so eine rich­tige, lange U-​Bahnlinie, son­dern die U55. Die hat nur drei Sta­tio­nen und auf dem einen in Betrieb befind­li­chen Gleis pen­delt genau ein Zug. Los geht’s!

Wir begin­nen unsere Reise am Haupt­bahn­hof. Der ist ja 2006 mit viel Tam­tam eröff­net wor­den und zeich­net sich ins­be­son­dere dadurch aus, dass man nur ziem­lich schwer hin­kommt. Eigent­lich gab es bis vor kur­zem nur die Stadt­bahn als leis­tungs­fä­hi­gen Stadt­ver­kehr. Aber seit 2009-​08-​08 ist end­lich auch die schöne U-​Bahnstation in Betrieb. Sie liegt direkt östlich neben der unte­ren Gleis­ebene des Bahnhofes.

Blick aus der unteren Verteilerebene des Hauptbahnhofes in den U-Bahnbereich

Blick aus der unte­ren Ver­tei­le­re­bene des Haupt­bahn­ho­fes in den U-​Bahnbereich

Ins­ge­samt gibt es drei Durch­gänge von der Haupt­halle des Bahn­ho­fes in die U-​Bahn-​Verteilerebene. Und wie wir spä­ter auch am Bran­den­bur­ger Tor sehen wer­den, setzt sich der U-​Bahnbereich archi­tek­to­nisch vom Rest erheb­lich ab: Andere Wand­ver­klei­dun­gen, andere Beleuch­tung, gene­rell ein unab­hän­gi­ger archi­tek­to­ni­scher Stil.

U-Bahnhof Hauptbahnhof

U-​Bahnhof Hauptbahnhof

Mit der hoch­ge­zo­ge­nen Decke und den hel­len Wän­den macht die Sta­tion einen durch­aus freund­li­chen Ein­druck. Aber schnell fal­len einige Details auf, die ein für eine inner­städ­ti­sche Schnell­bahn eher unge­wohn­tes Bild hinterlassen.

Abgesperrtes Gleis am Hauptbahnhof

Abge­sperr­tes Gleis am Hauptbahnhof

Da ist zunächst die Tat­sa­che, dass eines der bei­den Gleise des Bahn­ho­fes schlicht nicht zugäng­lich ist. Und das vor der Bahn­steig­kante mon­tierte Gelän­der ist so mas­siv, dass das ganze auch nicht einer kurz­fris­ti­gen Bau­maß­nahme geschul­det sein kann. Auf dem Foto ist zudem auch die ein­zige Roll­treppe des gesam­ten Bahn­ho­fes zu bewun­dern. Es han­delt sich um eines die­ser Modelle, die in beide Rich­tun­gen lau­fen, je nach­dem, von wo jemand die still ste­hende Roll­treppe betritt.

Südlicher Treppenaufgang am Hauptbahnhof

Süd­li­cher Trep­pen­auf­gang am Hauptbahnhof

Über­haupt machen die Trep­pen­an­la­gen nicht gerade einen fer­ti­gen Ein­druck. Neben der süd­li­chen Treppe zum Bei­spiel ist noch Platz für zwei Roll­trep­pen links und rechts der Treppe und sogar das Bahn­stei­gende ist momen­tan gesperrt.

U-Bahnsteig am Hauptbahnhof

U-​Bahnsteig am Hauptbahnhof

Naja, und dann macht die Sta­tion für eine U-​Bahnstation an einem Haupt­bahn­hof, zumal in der Mil­lio­nen­stadt Ber­lin, einen selt­sam ver­las­se­nen Ein­druck. Die­ses Bild ent­stand um halb drei Uhr nach­mit­tags an einem ganz nor­ma­len Werktag.

U-Bahnzug am Hauptbahnhof

U-​Bahnzug am Hauptbahnhof

Des Rät­sels Lösung liegt im Betrieb die­ser U-​Bahnstrecke: Sie endet hier am Haupt­bahn­hof. Und auf der ande­ren Seite fährt sie auch nicht so furcht­bar weit. Gerade Mal zwei Sta­tio­nen lie­gen dort und der ein­zige Zug auf der Linie braucht für die Stre­cke keine drei Minu­ten. Betrach­ten wir das Linienband.

Linienband der U55 im Zug

Lini­en­band der U55 im Zug

So rich­tig lang sieht das nicht aus. Ist es auch nicht. Die U55 ist zudem an kei­ner Stelle mit dem rest­li­chen U-​Bahnnetz Ber­lins ver­knüpft, wes­halb die ins­ge­samt acht Wagen per Kran in den Tun­nel gehievt wur­den. Einer der bei­den Vier-​Wagen-​Züge pen­delt nun auf dem östli­chen Gleis der Stre­cke, der andere steht als Reserve in der Kehr­an­lage nörd­lich des Hauptbahnhofes.

Abfahrt am Hauptbahnhof

Abfahrt am Hauptbahnhof

Der Fahr­plan ist ent­spre­chend ein­fach: Es gibt einen 10-​Minutentakt, wobei der Zug die eine Hälfte der Zeit fährt und die andere Hälfte der Zeit in den End­sta­tio­nen steht. In die­ser Zeit ist der Fah­rer damit beschäf­tigt, vom einen Ende des Zuges zum ande­ren Ende zu gehen. Nun denn, stei­gen wir ein.

Mor­gen geht’s wei­ter: Dann errei­chen wir den ein­zi­gen Unter­wegs­bahn­hof der Stre­cke: Bun­des­tag. Und einen drit­ten Teil über den Bahn­hof „Bran­den­bur­ger Tor” gibt’s auch.

Wählen gehen!

So, der letzte Tag vor der Bun­des­tags­wahl 2009 ist vor­bei. Am Wahl­tag ist Wahl­wer­bung nicht gern gese­hen, des­halb wird auch die­ses Blog den Sonn­tag über zumin­dest bis 18:00 Uhr auf poli­ti­sche Berichte ver­zich­ten. Ich weise noch­mal auf die Wahl­party der Pira­ten in Han­no­ver am Sonn­tag ab 17:00 Uhr hin und schließe meine gesam­mel­ten poli­ti­schen Betrach­tun­gen der letz­ten Monate mit einem ein­fa­chen Auf­ruf ab: Geht Wäh­len!

Auf der Zielgeraden/​Nachtrag zu Ursula von der Leyen

Es ist der letzte Tag vor der Wahl. Ich bin gleich noch­mal in der han­no­ver­schen Innen­stadt zur Bür­ger­in­for­ma­tion. Der han­no­ver­sche Pira­ten­par­tei–Stamm­tisch war ges­tern mit etwa 45 Pira­ten und Inter­es­sen­ten wie­der sehr gut besucht. Akute Über­fül­lung ließ sich nur des­halb ver­mei­den, weil Jür­gen mit neun Mit­strei­tern in einer Spon­ta­n­ak­tion Her­ren­hau­sen mit Fly­ern versorgte.

Die kleine Dele­ga­tion, die letz­ten Sams­tag Ursula von der Leyen auf dem Linde­ner Markt­platz besucht hat, hat wohl übri­gens indi­rekt einen wei­te­ren Erfolg gehabt: Eigent­lich hätte Frau von der Leyen die­sen Sams­tag noch­mal auf dem Wochen­markt vor­bei­schauen wol­len, zumin­dest war das so ange­kün­digt. Ges­tern abend hieß es aber, dass sie aus unge­nann­ten Grün­den dar­auf ver­zich­ten wolle. Viel­leicht auch bes­ser: Ein zwi­schen­zeit­lich ver­öf­fent­lich­ter wei­te­rer Bericht vom Besuch wirft kein gutes Licht auf Frau von der Leyen und ihre Umgangs­for­men — aller­dings auch nicht auf die eini­ger ihrer Parteifreunde.

Ansons­ten hat das Innen­mi­nis­te­rium ja ges­tern — und damit dan­kens­wer­ter­weise schon vor der Wahl — ver­laut­ba­ren las­sen, wie man sich das mit dem Grund­rech­te­ab­bau und Über­wa­chungs­auf­bau nach der Wahl so vor­stellt. Und auch auf die FDP als Bür­ger­rechts­ga­rant kann man sich nicht ver­las­sen — nicht Neues, nur nett, dass wir das so kurz vor der Wahl noch­mal plas­tisch vor Augen geführt bekom­men. Aber noch kann man das ja ganz ein­fach ver­hin­dern, zum Bei­spiel indem man den Änder­ha­ken setzt.

Des­halb möchte ich abschlie­ßend noch auf die Wahl­kampf­schluss­be­trach­tun­gen von Jens Sei­pen­busch in sei­nem Blog hin­wei­sen. Er hat den Arti­kel zwar mit „Sub­jek­ti­ves zur Kon­kur­renz” über­schrie­ben, aber zumin­dest deckt sich sein sub­jek­ti­ver Ein­druck so weit mit mei­nem sub­jek­ti­ven Ein­druck, dass ich ein­fach nur zu ihm ver­wei­sen brau­che um zu begrün­den, warum ich mor­gen die Pira­ten wähle.

Karpfenschleuder erklärt die Internetzensur (mit Video!)

Statt Mor­gen­lek­türe: Ein wei­te­res schö­nes Youtube-​Video von Karp­fen­schleu­der erklärt anhand von Kor­dula und dem Schnüffle, wie man das mit Inter­net­zen­sur funk­tio­niert. Sehens­wert, vor allem für die­je­ni­gen, die immer noch nichts dar­über wissen!

h1-​Interview zur Piratenpartei online

Die Sen­dung „0511/tv.lokal” des han­no­ver­schen Lokal­fern­seh­sen­ders „h1” vom 2009-​09-​23 ist jetzt auch online abruf­bar. Etwa ab Minute 1:00 fin­det sich der Bei­trag zur Piratenpartei.

0511/tv.lokal vom 2009-09-23

0511/tv.lokal vom 2009-​09-​23

Einladung zur Piratenpartei-​Wahlparty in Hannover

Wenn du noch nicht weißt, was du am Sonn­tag abend nach dem Wäh­len machst: Ab 17:00 Uhr steigt die Pira­ten­par­tei–Wahl­party. Und zwar in unse­rer lang­jäh­ri­gen Stamm­tisch­lo­ka­li­tät in Han­no­ver, dem Cafe und Restau­rant Zwi­schen­zeit in der Schau­fel­der Straße 11 in der Nord­stadt in Han­no­ver. Zu errei­chen mit der Stadt­bahn 6 oder 11 oder den Bus­li­nien 100/​200, Sta­tion „Koper­ni­kus­straße”. Park­plätze dürfte es in aus­rei­chen­der Zahl auf dem Uni­park­platz an der Straße „Schnei­der­berg” geben.

Lageplan des "Zwischenzeit" in der Schaufelder Straße, Kartenbasis: OpenStreetMap, CC-BY-SA

Lage­plan des Zwi­schen­zeit in der Schau­fel­der Straße, Kar­ten­ba­sis: Open­Street­Map, CC-​BY-​SA

Kein Wahl­er­geb­nis der Welt wird uns die gute Stim­mung ver­mie­sen und nichts wird uns davon abhal­ten, nach vie­len Wochen Wahl­kampf end­lich mal zu fei­ern und tief durch­zu­at­men. Es wird Bea­mer, Fern­se­her und WLAN geben, wir pla­nen auch Live­schal­tun­gen zu ande­ren Pira­ten­par­tys — nicht nur in Han­no­ver wird gefei­ert werden.

Alle Pira­ten, Freunde, Bekannte und Sym­pa­thi­san­ten sind herz­lich auf­ge­for­dert, mit uns zu fei­ern. Für Speis’ und Trank sorgt das Zwi­schen­zeit mit einer spe­zi­el­len Karte für die­sen Abend, die die bekannt hohe Qua­li­tät mit — wie wir fin­den — sehr fai­ren Prei­sen ver­bin­det. Das Lokal öffnet an die­sem Abend nur für uns, Platz ist also genug.

Wir freuen uns über jeden, der gute Stim­mung mit­bringt und mit uns fei­ern will!

Und alle so… YEAH!

Yeah! In Wup­per­tal ist es ges­tern zu einer Neu­auf­lage des Ham­bur­ger „Yeah”-Flashmobs gekom­men. Anders als dort wurde aber offen­sicht­lich nicht nur immer „Yeah” geru­fen, son­dern ein­zelne Worte der Rede skan­diert. Einen schö­nen Bericht brach­ten die Tages­the­men vom 2009-​09-​23, man beachte die vie­len oran­ge­nen Fah­nen:

Wie war das? Ihr wer­det euch noch wün­schen, wir wären politikverdrossen…

Nach­trag: Die Pira­ten Ber­gi­sches Land haben mitt­ler­weile den Merkel-​Auftritt in Wup­per­tal aus ihrer Sicht geschil­dert.