Monatliches Archiv für August, 2009

Wahlerfolge für die Piratenpartei in Sachsen und Nordrhein-​Westfalen

Mitt­ler­weile ist es amt­lich: 34.620 Men­schen haben die Pira­ten­par­tei in Sach­sen gewählt und ihr damit einen Stim­men­an­teil von 1,9% gebracht. Das ist ein mehr als dop­pelt so hoher Anteil als zur Euro­pa­wahl auf Bundesebene.

Und schließ­lich gibt es auch die ers­ten tat­säch­lich „rich­tig” gewähl­ten Mit­glie­der der Pira­ten­par­tei: Bei den Kom­mu­nal­wah­len in NRW hat es jeweils ein Abge­ord­ne­ter in den Stadt­rat von Müns­ter und Aachen geschafft. Beacht­lich ist das vor allem, weil zum einen nur in die­sen bei­den Städ­ten über­haupt Pira­ten zur Wahl stan­den und zum ande­ren selbst hier die Pira­ten nicht in allen Wahl­krei­sen auf dem Stimm­zet­tel standen.

Da ist noch Luft nach oben!

Home from Rome — Rom-​Urlaub vorbei

Wow. Ich bin wie­der im Lande! Eine Woche Rom ist um. Es war toll. Ich brauchte ein wenig Erho­lung und eines der wich­tigs­ten Ziele war, mal „aus allem raus” zu kom­men. Das ist gelun­gen. Wenn man allein eine Woche in einer Stadt unter­wegs ist, deren Spra­che man kaum spricht — und kaum meint: Nicht wesent­lich über „Buon giorno”, „Arri­ve­derci” und „No parlo Ita­liano” hin­aus­ge­hend — hat das schon fast etwas Medi­ta­ti­ves. War inso­fern genau das Rich­tige. Dazu kam noch ein wirk­lich traum­haf­tes Wet­ter: Jeden Tag von mor­gens bis abends Sonne, Tem­pe­ra­tu­ren bis 36 Grad, auch abends um 11 noch warm bis heiß — bei der Ankunft heute in Han­no­ver hat der Him­mel sich alle Mühe gege­ben, die Unter­schiede her­aus­zu­stel­len: 17 Grad, Regen.

Und was macht man nun 6 Tage lang in Rom. Dar­über werde ich mich — so plane ich zumin­dest — in nächs­ter Zeit hier noch etwas aus­führ­li­cher aus­las­sen. Zusam­men­ge­fasst: Viel „Standard-​Touristenprogramm” wie Vati­kan, Piazza Navona, Piazza di Spagna. Dazu alle mög­li­chen wei­te­ren Stadt­spa­zier­gänge, z.B. Längs des Tiber oder im E.U.R. Und natür­lich ist auch mein ganz persönlich-​privates Ste­cken­pferd nicht zu kurz gekom­men: Ja, ich bin sowohl das kom­plette U-​Bahn– als auch das Stra­ßen­bahn­netz abge­fah­ren. Sind ja nun auch beide nicht allzu groß. Das Bus­netz ver­stehe ich wei­ter­hin nicht mal in Ansät­zen, aber ich bin eigent­lich immer über­all hin­ge­kom­men, wo ich hinwollte.

Auch die Reise selbst war unspek­ta­ku­lär: Alle Flüge pünkt­lich und das Umstei­gen in Zürich vom einen Swiss-​Flug in den nächs­ten auch unpro­ble­ma­tisch. Bloß dass ich heute um 5:45 Uhr raus musste, um den Abflug zu schaf­fen, das war schon ziem­lich hart. Zumal ich ges­tern ja unbe­dingt noch einen letz­ten Abend­spa­zier­gang durchs Zen­trum machen musste…

Als klei­nen Appe­ti­zer zeige ich schon­mal eines der vie­len, vie­len Fotos von der Reise: Die Piazza Navona am frü­hen Vormittag:

Rom, Piazza Navona, 2009-08-19

Rom, Piazza Navona, 2009-​08-​19

More to come. Aber jetzt muss ich mich erst­mal um den Blog hier küm­mern. Über­all hat’s Updates…

Urlaub in Rom: Sightseeing– und andere Tipps gesucht

Nach­dem die letz­ten Wochen und Monate beruf­lich und poli­tisch ziem­lich anstren­gend waren, habe ich mich rela­tiv kurz­fris­tig dafür ent­schie­den, Urlaub zu machen. Naja, eigent­lich haben meine Kol­le­gen im Unter­neh­men gesagt, ich soll jetzt gefäl­ligst end­lich Urlaub machen, ich hätte ihn nötig.

Das lässt man sich nicht zwei­mal sagen.

Colosseum in Rom im April 2007, Foto: David Iliff, CC-BY-SA 2.5

Colos­seum in Rom im April 2007, Foto: David Iliff, CC-​BY-​SA 2.5

Nach eini­gen Über­le­gen habe ich heute mor­gen kur­zer­hand eine Woche Rom gebucht. Da war ich schon­mal, vor ziem­lich genau 19 Jah­ren, im Sep­tem­ber 1990. Damals haben wir unsere Stu­di­en­fahrt zu Beginn des Schul­ab­schluss­jah­res nach Rom gemacht. Ich erin­nere mich an die 20-​stündige Zug­fahrt, auf der ich — zumin­dest auf der Hin­fahrt — kein Auge zube­kom­men habe. Dann waren da die Besich­ti­gun­gen — mal in der Gruppe, mal indi­vi­du­ell — die uns in die Rui­nen von Colos­seum, Forum Roma­num und Ostia Antica, in die vati­ka­ni­schen Museen, auf den Peters­platz und zum klei­nen Grab­mal der Cäci­lie geführt haben. Und natür­lich an die Abende auf der Piazza di Spagna, den Tre­vi­brun­nen und die diver­sen römi­schen Restau­rants, in denen wir Ober­stu­fen­schü­ler, gebrieft und miss­trau­isch wie wir waren, uns stets übers Ohr gehauen fühl­ten — nur um am nächs­ten Abend in der nächs­ten Loka­li­tät das­selbe wie­der das­selbe Gefühl zu haben.

Heute geht das alles ein­fa­cher. Statt der Eisen­bahn nehme ich dies­mal das Flug­zeug, was die Rei­se­zeit auf ange­nehme vier­ein­halb Stun­den ver­kürzt — gut, Flug­ha­fen zu Flug­ha­fen, aber auch mit Trans­fers und War­te­zei­ten bleibt das unter sie­ben Stun­den und damit bei 1/​3 der Rei­se­zeit von damals. Und das Hotel klickt man sich auf der Buchungs­web­site gleich mit dazu — nach nur 30 Minu­ten ist die gesamte Buchung über Bühne und Flug sowie Hotel gebucht.

So, und nun sind sechs Tage Rom-​Aufenthalt zu fül­len. Nun traue ich mir das durch­aus zu und weiß jetzt schon, dass ich mir nicht nur die anti­ken Über­reste und diverse Museen, son­dern zur Befrie­di­gung mei­nes per­sön­li­chen Ste­cken­pfer­des das U-​Bahn-​, Stra­ßen­bahn– und Vor­ort­bahn­netz anschauen werde. Aber viel­leicht bekomme ich ja auf die­sem Weg auch noch ein paar Tipps. Meine Frage in die Runde also:

Was kann man zwi­schen 15. und 20. August tol­les in Rom machen?

  • Span­nende Veranstaltungen?
  • Beson­dere Sehenswürdigkeiten?
  • Kul­tu­relle Highlights?
  • Inter­es­sante Museen?

Ich freue mich über jeden Hin­weis und ver­spre­che, mich mit Rei­se­be­rich­ten hier im Blog zu revan­chie­ren (das Hotel hat „Highspeedinternet”).

Piratenpartei ab heute mit eigener Politikgruppe bei Xing

Rück­blick: Am Mitt­woch mor­gen star­tet Xing sein Wahl­por­tal. Die im Bun­des­tag in Frak­ti­ons­stärke ver­tre­te­nen Par­teien bekom­men eigene Grup­pen und sind im „Wahl­ba­ro­me­ter” anwähl­bar. Für alle ande­ren bleibt eine Sam­mel­gruppe und die Wahl „Sonstige”.

Mitt­woch vor­mit­tag schaue ich auf die Wahl­um­frage: Die „Sons­ti­gen” lie­gen bei knapp 30%, die ande­ren zwi­schen 15% und 25%. Naja, Pira­ten halt. Gleich­zei­tig macht die Nach­richt auf Twit­ter die Runde, dass Xing den Pira­ten aus prin­zi­pi­el­len Erwä­gun­gen keine eigene Gruppe geben will.

Vor dem Mit­tag­es­sen schaue ich noch­mal auf das Wahl­ba­ro­me­ter. Die Sons­ti­gen haben jetzt knapp 80%. Geschätzte 2/​3 mei­ner Fol­lo­wer bei Twit­ter wol­len sich bei Xing beschweren.

Nach dem Mit­tag­es­sen sind’s knapp 85%. Die übri­gen poli­ti­schen Par­teien schei­tern mitt­ler­weile samt und son­ders an der 5%-Hürde. Die geschätz­ten 2/​3 mei­ner Fol­lo­wer sind mitt­ler­weile dabei, Xing über ihren Unmut in Kennt­nis zu setzen.

Zum Nach­mit­tags­kaf­fee kommt statt des Wahl­ba­ro­me­ters eine Feh­ler­mel­dung. Kom­men­tar dazu auf Twit­ter: „So, jetzt habt ihr’s kaputt­ge­spielt.” Laut​.de titelt spä­ter: „Pira­ten ver­sen­ken Wahl­ba­ro­me­ter”. Gibt es eigent­lich irgend­ei­nen ande­ren Par­tei­na­men, der der­art zu Wort­spie­len ein­lädt wie unserer?

Don­ners­tag mor­gen macht die Nach­richt die Runde: Xing lässt nun doch eine Piratenpartei-​Gruppe zu. Ich tele­fo­niere mit dem Vor­stand: „Mach mal, Dirk, leg’ sie an.” Mein Mit­ar­bei­ter, eben­falls Pirat, bekommt den Inhalt des Tele­fo­nats mit und sagt: „Habe ich ges­tern abend schon gemacht.” Mein Antrags­ver­such endet mit der Feh­ler­mel­dung „Die Gruppe gibt es bereits.” Spä­ter reime ich mir zusam­men, dass ich wohl einer von drei Dut­zend war, die die Pira­ten­par­tei­gruppe anle­gen wollten.

Durch die Vor­stands­te­le­fo­nate habe ich aber plötz­lich Kon­takt mit Bene­dikt Schmidt. Irgend­wie war er wohl der schnellste und jetzt liegt die Grup­pen­grün­dung bei ihm. Naja, und bei mir, denn ohne dass ich’s wirk­lich drauf ange­legt hätte, bin ich plötz­lich Mit­mo­de­ra­tor der Pira­ten­par­tei­gruppe, die sich eher als so eine Art „Pira­ten­lounge” mit ver­schie­de­nen Foren und Info­sei­ten dar­stellt. Ich weiß nicht recht, wie mir geschieht, freue mich aber schließ­lich, dass ich auf diese Weise die Pira­ten bei Xing vor­an­brin­gen kann. Auf was habe ich mich da bloß eingelassen?

Der Rest des Tages ver­geht mit Fein­ab­stim­mung. In Abspra­che mit Xing ver­schie­ben wir die Öffnung der Gruppe auf Frei­tag früh, sodass wir zeit­gleich mit dem über­ar­bei­te­ten Wahl­ba­ro­me­ter star­ten. Und da ist jetzt auch die Pira­ten­par­tei vertreten.

Noch vor Öffnung der Foren zum Schrei­ben und ohne grö­ßere Wer­bung über die pira­ten­in­ter­nen Medien und Twit­ter hin­aus hat die Gruppe in der Frei­tag Nacht schon knapp 200 Mit­glie­der. Mir wird das alles etwas unheimlich.

Nun denn, schauen wir mal, wie die Pira­ten bei Xing ankom­men. Ich bin sehr gespannt.

Ulrich Wickert über Nichtwähler und 5,1% für die Piratenpartei: „Das wär’ irre!”

Heute hören wir mal dem Ulrich Wickert zu, der uns in der gest­ri­gen Aus­gabe von „Mar­kus Lanz” im ZDF erklärt, warum es wich­tig ist, wäh­len zu gehen. Als Bei­spiel nimmt er dabei die Pira­ten­par­tei und beschreibt in schö­nen ein­fa­chen Wor­ten, warum eine Stimme für die Pira­ten in kei­nem Fall eine ver­lo­rene Stimme ist:

Ulrich Wickert: Es ist eine demo­kra­ti­sche Pflicht, zu Wahl zu gehen. Wer nicht zur Wahl geht, darf nicht kri­ti­sie­ren. Da bin ich auch ziem­lich humor­los, wenn Sie mir das ver­zei­hen. Wenn Sie sich angu­cken, es haben sich, glaube ich, für diese Bun­des­tags­wahl, es sind, glaube ich, 29 ver­schie­dene Lis­ten zuge­las­sen wor­den, also man kann die Pira­ten­par­tei wäh­len, das Zen­trum, die älteste Par­tei über­haupt oder so wei­ter und so fort.

Die Wäh­ler haben in der Geschichte der Bun­des­re­pu­blik gezeigt, dass sie etwas Poli­ti­sches ver­än­dern kön­nen, indem sie näm­lich lange für eine Par­tei gestimmt haben, von der alle gesagt haben, die wird nie in den Bun­des­tag oder in die Land­tage kom­men, das war eine Par­tei: Die Grü­nen. Und dadurch, dass aber die Wäh­ler plötz­lich die Grü­nen gewählt haben, hat sich das gesamte poli­ti­sche Bild geän­dert, die Par­teien haben sich ver­än­dert und unsere Land­schaft hat sich verändert.

Also sage ich: Wenn ich ein demo­kra­tisch den­ken­der Mensch bin, dann gehe ich wäh­len, und wähle irgend­je­mand, der mög­li­cher­weise die eta­blier­ten Par­teien ärgert. Ich mache jetzt etwas — ent­schul­di­gen Sie — Kaba­ret­tis­ti­sches: Ich sage, die Pira­ten­par­tei bekommt 5,1%. Stel­len Sie sich das mal vor! Was für ein Ent­set­zen bei den eta­blier­ten Par­teien. Aber dann haben die Wäh­ler wirk­lich was bewirkt. Was Ent­setz­li­ches. Ich werde die Pira­ten­par­tei nicht wäh­len, aber das ist nicht das Problem. […]

Ich gehe davon aus, dass wir doch wie­der etwas um die 80% Wahl­be­tei­li­gung haben wer­den. Aber stel­len Sie sich mal vor, von den 20% Nicht­wäh­lern […], die wäh­len nun plötz­lich zu 5,1% die Pira­ten­par­tei. Das wär’ irre!

Und hier das ganze noch­mal zum Zuschauen:

Da bleibt mir eigent­lich nichts mehr hinzuzufügen.

Schmutz im Internet: Warum Ursula von der Leyen den Rechtsstaat falsch versteht

Neues von der Fami­li­en­mi­nis­te­rin. Dem Ham­bur­ger Abend­blatt hat sie ein Inter­view gege­ben und dan­kens­wer­ter­weise wird es dort unter dem Titel „Kampf gegen Schmutz im Inter­net wird ver­schärft” im Wort­laut abge­druckt. Ich beschränke mich mal auf einen ein­zi­gen Auszug:

Doch wir wer­den wei­ter Dis­kus­sio­nen füh­ren, wie wir Mei­nungs­frei­heit, Demo­kra­tie und Men­schen­würde im Inter­net im rich­ti­gen Maß erhal­ten. Sonst droht das groß­ar­tige Inter­net ein rechts­freier Cha­os­raum zu wer­den, in dem man hem­mungs­los mob­ben, belei­di­gen und betrü­gen kann.

Wer auch immer an die gebets­müh­len­ar­tige Beschwö­rungs­for­mel „Netz­sper­ren nur gegen Kin­der­por­no­gra­fie” geglaubt hat — ver­gesst es! Frau von der Leyen berei­tet hier die Öffnung des ganz gro­ßen Fas­ses vor. Mei­nungs­frei­heit, Demo­kra­tie und Men­schen­würde „im rich­ti­gen Maß erhal­ten”. Allein das Welt­bild, das aus die­sem Satz spricht, ist Furcht ein­flö­ßend. Grund­rechte gel­ten in Deutsch­land im und außer­halb des Inter­nets in glei­chem Maße — uni­ver­sell und unver­brüch­lich. Die wohl­de­fi­nier­ten Ein­schrän­kun­gen gel­ten eben­falls all­ge­mein. Frau von der Ley­ens Gerede vom „rich­ti­gen Maß” für die Grund­rechte im Inter­net ist nicht weni­ger als die Abschaf­fung der freiheitlich-​demokratischen Gesell­schaft. Wenn wir erst­mal so weit sind, dass es Mei­nungs­frei­heit nur noch „im rich­ti­gen Maß” gibt, dann sind wir gleich­auf mit China oder dem Iran. Da darf man seine Mei­nung auch frei äußern — solange es die rich­tige ist.

Juris­tisch ver­sier­ter hat das Udo Vet­ter im Law­blog aus­ein­an­der­ge­pflückt. Sein Arti­kel „Die Mei­nungs­frei­heit als Son­der­müll” lässt kein gutes Haar an Ursula von der Ley­ens Ausführungen:

[Frau von der Leyen] nennt kri­mi­nel­les Han­deln, wel­ches bereits heute unter Strafe steht und ver­folgt wird. Dann bringt sie die Men­schen­würde ins Spiel und pos­tu­liert einen Hand­lungs­auf­trag des Staa­tes, der weit über die Ver­hü­tung und Ver­fol­gung von Straf­ta­ten hin­aus­geht. Eine zug­kräf­tige, gleich­wohl aber bil­lige Argu­men­ta­tion […]. Wenn man aber nur noch eine Mei­nungs­frei­heit zulas­sen will, die geschmack­lose, unbe­queme und für ein­zelne schmerz­hafte Inhalte nicht umfasst, sollte man fai­rer­weise nicht mehr von Mei­nungs­frei­heit spre­chen. Von Demo­kra­tie viel­leicht auch nicht mehr.

Ich bin auch noch auf einen älte­ren Arti­kel gesto­ßen, der Ursula von der Ley­ens gedank­li­ches Umfeld ein wenig beleuch­tet. Die „World Socia­list Web Site” ist zwar sicher­lich kein Hort neu­tra­len Jour­na­lis­mus (viel­mehr dürfte es sich dabei, wenn ich den Wiki­pe­diaar­ti­kel rich­tig ver­stehe, um ein K-​Gruppensprachrohr han­deln), aber der zweite Teil eines bereits 2006 erschie­nen Arti­kels über Ursula von der Leyen und das Eltern­geld las­sen auf­hor­chen. Unter dem Titel „Soziale Umver­tei­lung auf brau­ner Hefe” heißt es da:

„Die Volks­herr­schaft”, schnaubt Albrecht, [ehe­ma­li­ger Minis­ter­prä­si­dent von Nie­der­sach­sen und Vater von Ursula von der Leyen, in sei­nem 1976 erschie­nen Buch „Der Staat — Idee und Wirk­lich­keit, Grund­züge einer Staats­phi­lo­so­phie”,] „vor allem die unmit­tel­bare, ist wesens­mä­ßig so gear­tet, dass die Ent­schei­dung nicht durch die Ein­sicht der Ein­sich­ti­gen, son­dern durch das durch­schnitt­li­che Maß an Ein­sicht bestimmt wird, das der Mehr­heit eig­net.” Sowieso sei „der Mas­sen­mensch ohne rechte Seins­mitte”, meinte der spä­tere Minis­ter­prä­si­dent erkannt zu haben. „Er erscheint des­halb blass, farb­los, ja im geis­ti­gen Sinne gestaltlos.” […]

Albrechts Toch­ter Ursula, damals [im Jahr 1990 als Albrecht in Nie­der­sach­sen abge­wählt wurde] 31 Jahre alt, emp­fand die Abwahl ihres Vaters durch das Wahl­volk als einen üblen Affront der Straße. „Schwei­ne­rei, so nicht, dach­ten wir Kin­der und sind in die CDU ein­ge­tre­ten”, sagte sie ein­mal der Presse. Ihr Vater sei ihr heute „ein wun­der­ba­rer Rat­ge­ber”. Beide ver­eine eine gemein­same Grund­über­zeu­gung, die geprägt sei von einem christ­li­chen Men­schen– und tra­di­tio­nel­lem Fami­li­en­bild, von ehren­amt­li­chem Enga­ge­ment und der Hal­tung, dass jeder sei­nes Glü­ckes Schmied sei und der Staat nicht alles regeln kann und soll. (Tages­zei­tung, 3. März 2003)

Ursula von der Ley­ens Ein­las­sun­gen zum Thema Inter­net sind und blei­ben von einem fun­da­men­ta­len Unver­ständ­nis geprägt. Dies ver­mischt sich aber zuneh­mend mit so einer Art Heils­brin­ger­tum, zu dem sie sich beru­fen zu füh­len scheint. Ins­ge­samt eine beun­ru­hi­gende Mischung und ein Grund mehr, dafür zu sor­gen, dass diese Frau nach dem 27. Sep­tem­ber kei­nen Minis­ter­pos­ten mehr hat. Das ist bes­ser für sie, ihre Fami­lie — und für Deutschland.

Piratenpartei auf dem Fährmannsfest in Hannover: Voller Erfolg

In Han­no­ver fin­det all­jähr­lich das Fähr­manns­fest statt — direkt am Rande von Linden-​Nord, süd­lich des Faust-​Geländes beim Zusam­men­fluss von Leine und Ihme. Neben einem auch über­re­gio­nal bedeut­sa­men Musik­fes­ti­val — die­ses Jahr tritt zum Bei­spiel Schand­maul auf — hat dies viel von einem Stadt­teil­fest mit Ver­kaufs­stän­den, Kin­der­zir­kus und ande­ren Angeboten.

Auch Stände von poli­ti­schen Par­teien gehö­ren zum Pro­gramm. Und das ließ sich die Pira­ten­par­tei — frisch zuge­las­sen zur Bun­des­tags­wahl 2009 — natür­lich nicht ent­ge­hen. An bei­den Tagen, sowohl Sams­tag als auch Sonn­tag, stand unser Invo­pa­vil­lon gut sicht­bar im Ein­gangs­be­reich — und wurde flei­ßig besucht. Mit sie­ben Pira­ten stan­den wir dort Rede und Ant­wort, haben T-​Shirts und But­tons ver­kauft sowie Bon­bons unters Volk gebracht — sowie meh­rere hun­dert Flyer der Nord­pi­ra­ten und vom Lan­des­ver­band Nie­der­sach­sen. Inter­esse und Zustim­mung waren erstaun­lich hoch, viele Leute hat­ten schon­mal von uns gehört und woll­ten uns jetzt mal „live” sehen. Ich habe selbst viele Gesprä­che geführt, die über unser gesam­tes The­men­spek­trum gin­gen, von Daten­schutz bis Bio­pa­tente, von freier Bil­dung bis Vor­rats­da­ten­spei­che­rung. Von wegen „nur ein Thema” oder „Inter­net­par­tei”!

Auch am Sams­tag abend um vier­tel nach Sie­ben, die Tages­be­su­cher waren lang­sam dabei, das Gelände zu ver­las­sen und das Feld den eigent­lich eher an Musik inter­es­sier­ten Fes­ti­val­be­su­chern und ins­be­son­dere Schandmaul-​Fans zu über­las­sen, erfreute sich unser Stand noch regen Zuspruchs:

Piratenpartei auf dem Fährmannsfest 2009 in Hannover

Pira­ten­par­tei auf dem Fähr­manns­fest 2009 in Hannover

Andere hat­ten da schon längst das Feld geräumt:

Infostand einer anderen politischen Partei auf dem Fährmannsfest

Info­stand einer ande­ren poli­ti­schen Par­tei auf dem Fährmannsfest

Alles in allem eine sehr erfreu­li­che Erfah­rung auf einer gelun­ge­nen Ver­an­stal­tung in einem zuge­ge­be­ner­ma­ßen auf­ge­schlos­se­nen Umfeld. Sowas darf es gerne öfter geben.