Der Dreck muss raus aus dem Netz: Brigitte Zypries versteht den Rechtsstaat falsch

Unsere Jus­tiz­mi­nis­te­rin wird heute in ver­schie­de­nen Zei­tun­gen mit dem schö­nen Spruch „Der Dreck muss raus aus dem Netz” zitiert. Zum Bei­spiel bei der Welt.

Hier wird Frau Zypries unter ande­rem zum Zen­sur­ge­setz und zur Pira­ten­par­tei befragt. Und es ist inter­es­sant, wie sie die Geschichte des Zugangs­er­schwer­nis­ge­set­zes umdeutet:

Anders als es die Pira­ten­par­tei glau­ben machen will, haben wir ja nicht mit dem Gesetz gegen die Ver­brei­tung von Kin­der­por­no­gra­fie den Teu­fel aus der Fla­sche gelas­sen. Deren Ver­tre­ter rea­li­sie­ren über­haupt nicht, dass ohne Gesetz die von Frau von der Leyen mit den Pro­vi­dern geschlos­se­nen Ver­träge zur Anwen­dung gekom­men wären — mit viel weni­ger rechts­staat­li­chen Siche­run­gen für die Internet-​User.

Das ist schon eini­ger­ma­ßen dreist. Wir erin­nern uns: Diese „Ver­träge” waren der erste Ver­such, die Inter­net­zen­sur in Deutsch­land ein­zu­füh­ren. Das hat halt bloß nicht so recht geklappt, weil viele Pro­vi­der aus einer Mischung von Angst vor Haf­tungs­ri­si­ken und Res­ten rechts­staat­li­chen Den­kens trotz allen Drän­gens nicht mit­zie­hen woll­ten. Dann erst begann der Eier­tanz um das Sperr­ge­setz. Und das ist dann gegen alle rechts­staat­li­chen Ein­wände in Rekord­zeit durch­ge­peitscht wor­den. Dabei war dann selbst der Weg der Ver­ab­schie­dung noch ver­fas­sungs­wid­rig.

Wenn man Frau Zypries For­mu­lie­rung übri­gens genau liest, dann bezeich­net selbst sie hier das „Gesetz gegen die Ver­brei­tung von Kinderpornografie” — das übri­gens nicht die­sen Namen trägt, son­dern viel schwam­mi­ger „Zugangs­er­schwer­nis­ge­setz” heißt, aber das nur neben­bei, Frau Jus­tiz­mi­nis­te­rin — als „Teu­fel aus der Fla­sche”. Es ist aber auch wirk­lich schwer, ein ver­fas­sungs­wid­ri­ges und unlo­gi­sches Gesetz auf kon­sis­tente Weise ver­ar­gu­men­tie­ren zu wollen.

Das übli­che Bashing der Zen­sur­geg­ner darf natür­lich auch nicht fehlen:

Viele Anhän­ger der Pira­ten wol­len auch keine Debatte füh­ren, son­dern sagen nur: Das ist übel, was ihr macht, wir reden nicht mehr mit euch. So funk­tio­niert Demo­kra­tie aber nicht.

Eine feine Dia­lek­tik: Erst Gesprä­che ver­wei­gern und Argu­men­ten nicht zuhö­ren und dann den Geg­nern vor­wer­fen, sie wür­den „keine Debatte füh­ren” wol­len.

Die schönste frei­heit­li­che Demo­kra­tie ver­kommt, wenn sich nie­mand an ihre Grund­sätze hält. Bei der deut­schen Regie­rung hat diese Dege­ne­ra­tion mitt­ler­weile ein besorg­nis­er­re­gen­des Niveau erreicht. Je län­ger ich das mit­be­komme, desto mehr denke ich: Wir brau­chen nicht die alten Poli­ti­ker mit mehr Ver­ste­hen. Wir brau­chen neue Poli­ti­ker. Des­halb: Am 27. Sep­tem­ber Pira­ten­par­tei wählen.

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7 Antworten to “Der Dreck muss raus aus dem Netz: Brigitte Zypries versteht den Rechtsstaat falsch”


  • Man kann so von Schäu­ble, Zypries, von der Leyen und all den ande­ren Kost­gän­gern des Steu­er­zah­lers eigent­lich nur noch eines for­dern: Bitte ganz schnell abtre­ten und in Rente gehen!

  • Sehr geehrte Frau Zypries,

    zunächst: WIR WAREN UND SIND GESPRÄCHSBEREIT !

    Wenn ich „wir” sage spre­che ich von mehr als 130.000 Bür­gern wel­che die Kur­rage hat­ten Ihren Namen öffent­lich unter Ihr Gesuch nach Bür­ger­rech­ten zu set­zen und von noch weit­aus mehr Per­so­nen die die­ses Anlie­gen unter­stüt­zen aber Ihren Namen nicht nen­nen wol­len oder können.

    Ich möchte Sie höff­lich daran erin­nern, daß es IHR Herr Münte­fe­ring war der das Thema Websp­rer­ren als „medial uner­wünscht” dekla­riert hat und so den Dia­log abbre­chen liess.

    Es war wei­ter­hin IHRE Par­tei die es ver­schul­det hat das der Online Bei­rat schließ­lich auf­ge­ge­ben hat wei­ter einen Mono­log zu füh­ren, da von Ihrer Seite kein bischen Ent­ge­gen­kom­men in der Daten­schutz Dis­kus­sion erfolgte.

    Wenn Sie jetzt in die Zukunft schauen und Sper­ren von Musik und Lita­ra­tur ins Gespräch brin­gen, soll­ten sie sich bes­ser schnell mit Herrn Münte­fer­ring abstim­men, den die­ser schrieb am 18.06. in sei­nem Twit­ter Pro­fil: „Es geht nur um Kin­der­porno und nicht um Zen­sur. #Zen­sur ist mit der #SPD nicht zu machen.” Und Sie wis­sen ja das Netz ver­gisst nichts.

    Das wird Ihnen aber ver­mut­lich ent­gan­gen sein, da Sie Twit­ter ja nicht nutzen.

    Ich mache Ihnen das Ange­bot Sie in Ber­lin zu besu­chen um Ihnen aus­führ­lich zu erklä­ren warum Web­sper­ren nach Mei­nung der Mehr­heit aller Exper­ten der fal­sche Weg sind und was für bes­sere Alter­na­ti­ven es gibt. Auch kann ich Ihnen anhand des Bei­spiels Iran erklä­ren warum Vor­rat­da­ten­spei­che­rung eine extreme Gefahr für eine Demo­kra­tie darstellt.

    Wenn Sie, so wie sie es sagen spre­chen wol­len, stehe ich Ihnen jeder­zeit gerne zur Ver­fü­gung. Es liegt nun an Ihnen zu bewei­sen wo es an Gesprächs­be­reit­schaft mangelt.

    Freund­lich
    DrebinX

  • Seid froh, dass es Gesetz ist, sonst hät­ten wir es anders durch­ge­setzt…? Was für ein Ver­ständ­nis von Demo­kra­tie ist das denn?

  • „Deren Ver­tre­ter rea­li­sie­ren über­haupt nicht, dass ohne Gesetz die von Frau von der Leyen mit den Pro­vi­dern geschlos­se­nen Ver­träge zur Anwen­dung gekom­men wären — mit viel weni­ger rechts­staat­li­chen Siche­run­gen für die Internet-​User.”

    über­setzt:
    Seid froh, dass wir das rechts­staat­lich pro­ble­ma­ti­sche Gesetz haben, sonst hät­ten wir rechts­staat­lich noch viel pro­ble­ma­ti­schere Verträge.

    Ent­we­der Gesetz oder Ver­träge.
    Klingt nach Erpressung.

    Das wird wohl wie­der raus­ge­holt, wenn das Gesetz in Karls­ruhe Sta­tion macht.

  • Die Zypries weiß doch nicht mal was ein brow­ser ist! Und die will uns vor­schrei­ben, wie wir im Inter­net zu sur­fen haben…

  • Hallo Dirk,

    wirk­lich erstaun­lich mit wel­cher Chuzpe Frau Zypries behaup­tet, die Netz­ge­meinde würde den Dia­log ver­wei­gern. Seit Mona­ten suchen die schließ­lich nichts ande­res als genau das.

    Erschre­ckend auch, dass Frau Zypries ganz offen­bar den Unter­schied zwi­schen „Zen­sur”, „Daten­schutz” und „Infor­ma­tio­nelle Selbst­be­stim­mung” nicht kennt.

    http://​ver​lo​re​ne​ge​ne​ra​tion​.de/​2​0​0​9​/​0​7​/​1​9​/​z​y​p​r​i​e​s​-​i​m​-​i​n​t​e​r​v​i​e​w​-​z​u​-​n​e​t​z​s​p​e​r​r​en/

    BG
    ketzerisch

  • ” Das ist übel, was ihr macht, wir reden nicht mehr mit euch. So funk­tio­niert Demo kra­tie aber nicht.” Inter­es­sant wie deren Auf­fas­sung nach Demo­kra­tie nicht funk­tio­niert… Wir sind aber doch der Mei­nung das Demo­kra­tie auch mit Zen­sur bzw. Ein­schrän­kung der Bür­ger­rechte nicht funk­tio­niert — was sagt die denn dazu?

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