Rene Marik: Autschn!

im März hatte ich zum ersten Mal von Rene Marik gehört. Da wusste ich noch nicht, dass es um Rene Marik geht. Ich hatte nur einen Youtube-Clip gesehen:

Ich hatte dann umgehend zwei Karten für die Maja und mich organisiert, was sich als sehr sinnvoll herausgestellt hat, denn sowohl die gestrige als auch die heutige Vorstellung im Raschplatzpavillon in Hannover waren restlos ausverkauft (und die einzige Vorstellung in Hamburg sowieso…). Wir hatten ja nun aber mal Karten und einen sehr, sehr amüsanten Abend mit „Autschn! Ein Abend über die Liebe“.

Rene Marik zeigt ein vielseitiges Programm: Er singt Liebesballaden aus den vergangenen Jahrzehnten und begleitet sich dabei teilweise selbst auf der E-Gitarre. Er rezitiert Kurt Schwitters‘ dadaistisches Liebesgedicht „An Anna Blume“ genauso wie die gruseligen Werke einer gewissen Elsbeth Bellartz, die in den 1980er Jahren zur meistverkauften Lyrik in Deutschland gehört haben sollen. Deren Buch landet nach jedem zitierten Werk in hohem Bogen auf dem Bühnenboden.

Die eigentlichen Stars des Abends sind aber die Handpuppen, die Marik über Kopf in einer Art Kasperletheater zum Leben erweckt. Sie kennt man auch aus den Youtube-Clips, aber live ist es doch nochmal was anderes. Neben Eisbär Kalle, den liebestollen Waschlappen und dem illegitimen Kermit-Zwillingsbruder Falkenhorst ist es natürlich vor allem der Maulwurf, der mit lautem Jubel im Publikum begrüßt wird. Es ist faszinierend zu sehen, wie Rene Marik hier mit einfachsten Requisiten (Puppengeschirr, Plastikflasche ohne Boden oder einer Papptafel mit der Aufschrift „A9“) und einer Handpuppe mit Sprachfehler („Jemand ze Hage?“ – „Autschn, autschn, Hungi, Hunger“ – „Rapante, Rapante, late haade datte“) surreale Szenen entwirft, die neben all der Tragik, die die Figur des Maulwurfs in sich vereint, vor allem eines sind: Brüllend komisch.

Marik bezeichnet sich selbst als Comedian. Ich finde aber, dass zwischen ihm und vielen anderen, die sich ebenfalls mit dieser Tätigkeitsbezeichnung schmücken, Klassen liegen. Wo ein Mario Barth zwei Stunden über die Macken seiner Freundin herzieht oder Cindy aus Marzahn die Vollproletin gibt, ist Rene Marik geradezu poetisch. Der schmachtende Maulwurf, der „Schneewante kussn“ darf, nur damit sie anschließend zu einem „Froschn“ im Bikini mutiert, nimmt sich hier wie der Uhrmacherschraubenzieher neben der Wasserpumpenzange aus. Marik hat einen ganz anderen Anspruch und wohl auch ein deutlich anderes Publikum. Höchstwahrscheinlich wird er nie das Berliner Olympiastadion füllen, aber wenn er dafür seiner Art der Comedy treu bleibt, dann soll er das auch gar nicht.

Der erste Teil des Programmes besteht aus viel Falkenhorst, Maulwurf, Elsbeths Gedichten und einigen Gesangseinlagen. Nach der Pause kommt dann Horst Kallikowski, zunächst mit der abgedrehten Story von seiner Arbeitsagenturbetreuerin Frau Schibrulski und Catwoman, dann per eingespieltem Video als Touristenschreck an der Siegessäule. Anschließend kommen die restlichen Protargonisten des Programmes: Eisbär Kalle, das Liebesleben der Waschlappen, Gedichte (jetzt auch Schwitters‘ Anna), Lieder und natürlich auch wieder Falkenhorst und der tragisch endende Maulwurf. Den beiden gehört nach riesigem Applaus auch die zweite Zugabe mit einem der Stücke, die das Zeug zum Klassiker haben:

Fazit: Ein höchst vergnüglicher Abend, der Lust auf Mehr macht. Maja und ich waren restlos begeistert. Wer über die Marik-Youtube-Clips lachen kann, wird voll auf seine Kosten kommen!

1 Antwort to “Rene Marik: Autschn!”


  • Rene ist sooo grausam. Den armen Maulwurfen auf der A9 überfahren zu lassen..

    Wenn man den Maulwurf ohne alles genießt, also ohne Froschen und das „Restprogramm“ (zusammen geschnittenes Video), dann wird der Maulwurf zu einer tragischen Figur, die in jedem sofort viel Anteilnahme auslöst.

    Rene zeichnet sich somit nicht nur als Come­dian aus, vielmehr führt er uns – durch den Maulwurf – in eine oft übersehende und unterdrückte Wirklichkeit der Gefühle.

    In den Maulwurf muss man sich verlieben.., er ist ein Stückchen von uns allen.

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