Monatliches Archiv für Mai, 2007

Wir sind Helden: Soundso — Naja

Frei­tag vor­mit­tag war ich kurz nach Öffnung beim örtli­chen Musik­la­den, um mir die höchst­wahr­schein­lich ein­zige CD die­ses Jah­res zu kau­fen: „Soundso” von den Hel­den ist raus­ge­kom­men. Und irgend­wie ist es für mich sozu­sa­gen eine Frage der Ehre, diese CD, wenigs­tens diese eine, so ganz rich­tig im Laden zu kaufen.

Sie war dann auch in aus­rei­chen­der Menge vor­han­den und mit knapp 16 Euro im Rah­men des heute wohl übli­chen (oh Mann, Ende der 1980er habe ich teil­weise Mainstream-​CDs in der Erschei­nungs­wo­che für 16 DM gekauft — das ist nomi­nell mal locker die Hälfte…). Erfreu­li­cher­weise behin­dert auch keine euphe­mis­tisch „Kopier­schutz” genannte Nut­zungs­sperre das Erzeu­gen von MP3-​Dateien für die heute übli­chen Abspiel­ge­räte. Tech­nisch also alles im grü­nen Bereich.

Aber inhalt­lich? Im Vor­feld war ja eini­ges zu hören: „Die Platte, mit der wir selbst am zufrie­dens­ten sind”, „das run­deste Helden-​Album bis­her”, eine fast schon eupho­ri­sche Spiegel-​Rezension zwei Tage vorab und eine Helden-​typische Num­mer als aus­ge­kop­pel­ter Single-​Teaser. Das klang alles vielversprechend.

Ich muss aber ehr­lich geste­hen, dass ich nach dem ers­ten Durch­hö­ren ziem­lich ent­täuscht war. Wo „Die Rekla­ma­tion” oder „Von hier an blind” leicht, mit­rei­ßend und an ihren bes­ten Stel­len genial waren, da wirkt „Soundso” häu­fig ein­fach nur bemüht auf mich. Die Musik ist zwi­schen den ein­zel­nen Titeln aus­tausch­bar und mehr als ein­mal habe ich mich all­zu­stark an 2raumwohnung erin­nert gefühlt — auch keine schlechte Musik, aber: Hey, wo sind die Helden?

Und die Texte: Judith hat ein neues Stil­mit­tel ent­deckt: Die Wie­der­ho­lung. So wer­den Text­zei­len wie­der und wie­der rezi­tiert und selbst­be­züg­lich vari­iert oder refe­ren­ziert. Dazu kommt intel­lek­tu­ell ange­hauchte Lyrik, deren tie­fe­rer Sinn sich mir aber irgend­wie nicht erschlie­ßen will. Kurz: Weite Teile des neuen Albums wer­den zu einer indif­fe­ren­ten Text– und Musik­s­oße, die in mei­nen Ohren reich­lich belie­big und aus­tausch­bar daherkommt.

Nun ist nicht das ganze Album Grütze. „Kein Grund zur Panik”, „(Ode) An die Arbeit” oder auch „Kaputt” kann man gut hören. Aber an „Guten Tag”, „Denk­mal”, „Von hier an blind”, „Nur ein Wort” oder gar „Darf ich das behal­ten” kommt kei­nes der neuen Stü­cke ran. Statt­des­sen hören wir, dass der „Meek” (ich habe noch nicht so ganz genau raus­ge­fun­den, was uns die­ses Wort sagen will…) die Erde erben soll oder Judith so eine Art gedich­te­tes State­ment über „U-​Bahnfahrplaneinzelpunkte” dem Lied „Stil­ler” von­an­schickt. End­gül­tig Kin­der­gar­ten­ni­veau ist dann bei „Lass uns ver­schwin­den” erreicht: „Viel­leicht wärst du See­tang, ich wäre Krill /​Wir wären der See­gang und dann wären wir still”. Oh Mann! Das erin­nert mich an „Otto — Der Film”: „Ich wär der Abend, du wärst das Rot /​Ich wär der Atem, du wärst die Not.” Oder so.

Aber viel­leicht bin ich ja auch über­kri­tisch. Die alten Lie­der hat­ten jetzt zwei oder sogar vier Jahre Zeit. Da sind viele von ihnen zu stän­di­gen Beglei­tern oder sogar guten Bekann­ten gewor­den. Mit­sin­gen kann man eh alle. Und dann kom­men da plötz­lich so zwölf neue Homies in die Hood. Da ist Stress vorprogrammiert.

Ich werde „Soundso” jetzt jeden­falls erst­mal eine Chance geben. Beim zwei­ten und drit­ten Mal klingt in der Tat eini­ges schon etwas gefäl­li­ger. Viel­leicht wird’s ja noch. Ande­rer­seits: Für den ers­ten Ein­druck gibt’s keine zweite Chance. Und den hat „Soundso” bei mir verratzt.

Spam, Spam, Spam, Wonderful Spam…

Etwa seit Him­mel­fahrt ersaufe ich gera­dezu in Spam. Im Zeit­raum 23.5.2007, 9:00 Uhr bis 23.5.2007, 21:00 Uhr hat Spa­mAs­sas­sin geschla­gene 125 Spam-​Mails durch­ge­las­sen — und das trotz stän­di­gen Trai­nings. Selbst der nach­ge­schal­tete Mozilla-​Spamfilter hat noch über 30 Spams nicht erkannt. Durch Nach­trai­nie­ren hab’ ich das jetzt so halb­wegs wie­der im Griff, aber so lang­sam wird die Grenze zwi­schen „ner­vig” und „beein­träch­ti­gend” überschritten.

Ins­ge­samt dürfte die Gesamt­s­pam­menge auf mei­nem Account mitt­ler­weile 1000 pro Tag über­schrit­ten haben. Noch ste­cken unsere E-​Mail-​Server das zwar weg — aber lange kann das nicht mehr so wei­ter gehen…

Im Blog ist’s dafür, seit­dem ich Akis­met benutze, gera­dezu himm­lisch spam­frei geworden.

Sieben sieben eins zwei

Bild und Heinz-​Rudolf Kunze in schö­ner (und höchst­wahr­schein­lich nicht son­der­lich häu­fi­ger) Ein­tracht: Schie­bung beim Grand­prix! Unser tol­ler Cicero ist beim Euro­vi­sion Song Con­test 2007 nur des­halb auf Platz 19, weil die bösen Osteuropa-​Mafiosi sich gegen­sei­tig die Punkte „zuge­schus­tert” haben. Zum Glück hat Bild­blog nach­ge­rech­net: Wenn man nur die „west­eu­ro­päi­schen” Stim­men zusam­men­zählt, hätte nicht Ser­bien gewon­nen, son­dern… ups: Auch Ser­bien. Und auf Platz 2 wäre nicht die Ukraine gewe­sen… oh, doch, wäre auch die Ukraine gewe­sen. Auch ansons­ten sieht die Tabelle der tat­säch­li­chen erstaun­lich ähnlich, auch in West­eu­ropa hätte es für unsern Bundes-​Roger nur für Platz 14 gereicht.

Tja liebe Bild und lie­ber Heinz-​Rudolf: Viel­leicht liegt’s ja doch daran, dass die Sie­ger­ti­tel ein­fach ein­gän­gi­ger und sprit­zi­ger waren als der Ger­man Swing. Tech­nisch zwar ein­wand­frei, aber — nunja — lang­wei­lig. Ein­fach lang­wei­lig. Immer­hin — es war bes­ser als so man­cher andere Bei­trag. Schauen wir uns nur das Trio des Grau­ens am Ende der Tabelle an: Die Fran­zo­sen, die ja end­lich mal nicht mit einem „schwer­mü­ti­gen Chan­son” ange­tre­ten sind und statt­des­sen unde­fi­nier­ba­ren Pseu­do­punk in Pink zum Bes­ten gege­ben haben. Oder die Aqua-​esken Bri­ten, deren Flugzeug-​Flaggen-​Schmumpf sei­ner Favo­ri­ten­rolle auf den letz­ten Platz bei­nahe gerecht gewor­den wäre. Konnte ja auch nie­mand ahnen, dass die Iren eine der­art schräg sin­gende Folk­bar­din auf die Bühne stel­len. Johnny Logan dürfte wei­nend in die Lehne von sei­nem Fern­seh­ses­sel gebis­sen haben…

Spaß haben andere Bei­träge gemacht. Schmach­tende Arme­nier. Ita­lie­ni­sche Let­ten. Der grie­chi­sche Ricky-​Martin-​Verschnitt (war bes­ser als der spa­ni­sche Ricky-​Martin-​Verschnitt…). Getrom­mel­ter Ethno-​Ambient-​Sound aus Bul­ga­rien. Immer schnel­ler sin­gende Rumä­nen. Und natür­lich das Teil­neh­me­rIn (end­lich mal ein sinn­vol­les Binnen-​I) aus der Ukraine: „Sie­ben sie­ben ailulu, sie­ben sie­ben eins zwei”. Das hat sich nicht mal Ste­fan „Wadde-​hadde-​dudde-​da” Raab getraut.

Klar, dass da Dumpfbacken-​Schreiberlinge und Deutsch­leh­rer den Unter­gang des Abend­lan­des (sic!) her­bei­schwa­dro­nie­ren. Meine Beob­ach­tun­gen beim gemein­sa­men Anschauen im Fami­li­en­kreis ges­tern abend: Qua­li­tät wird durch­aus belohnt. Aber nicht, wenn sie so schnar­chig wie Roger Cicero daher­kommt. Schade nur, dass die Unga­rin nur auf Platz 8 gelan­det ist. Das war für mich die beste Dar­bie­tung des Abends.

Gevo­tet habe ich übri­gens auch. Drei Sekun­den vor Schluss. Für Bul­ga­rien. *Bumm* *bumm*