Monatliches Archiv für Dezember, 2006

Endlich WPA

Mit mei­ner neuen neuen SuSE-10.2-Installation auf mei­nem Lap­top habe ich mei­nen Access Point zu Hause jetzt mal ganz mutig auf WPA-​Verschlüsselung (bei WEP muss man das „Ver­schlüs­se­lung” ja in Anfüh­rungs­zei­chen schrei­ben…) umge­schal­tet und…

es geht ein­fach! Toll. Da es ja auch end­lich einen vor­kom­pi­lier­ten AcerHK-​Treiber für den WLAN-​Schalter am Note­book gibt, war das jetzt wirk­lich die ein­fachste SuSE-​Installation aller Zeiten.

Weihnachten und Technik

Tech­ni­sche Gerät­schaf­ten sind schon zarte Seel­chen. Und Weih­nach­ten bringt sie offen­sicht­lich durch­ein­an­der. Wie sonst lässt sich erklä­ren, dass wir nor­ma­ler­weise zwei erns­tere Zwi­schen­fälle pro Jahr haben? Einer irgend­wann, einer an Weih­nach­ten. Beispiele:

2001: Am ers­ten Fei­er­tag fällt eine Router-​Firewall mit Fest­plat­ten­scha­den aus. Den gan­zen 25.12. über ist ein Pro­duk­tiv­sys­tem mas­siv gestört. Zwei Leute müs­sen den Rech­ner betüd­deln und neu installieren.

2002: Pünkt­lich zum vier­ten Advent fal­len zwei IBM-​Netfinity-​Server unmit­tel­bar nach­ein­an­der aus. Der Tech­ni­ker, der am Sonn­tag Mor­gen beim Kun­den ein­trifft, lötet auf dem Main­board herum, lässt einen Ersatz­ser­ver per Taxi über 100 Kilo­me­ter Ent­fer­nung anlie­fern und mur­melt was von „Seri­en­feh­ler”. Trotz redun­dan­tem Sys­tem­auf­bau zwölf Stun­den Aus­fall des Pro­duk­tiv­sys­tems. Seit­dem sehe ich das mit der „Redun­danz” wesent­lich locke­rer, im Zwei­fels­fall gewinnt sowieso Murphy.

2004: Kurz vor Weih­nach­ten fällt ein Büro­ser­ver aus, unmit­tel­bar danach die Fire­wall für die eine Büro­hälfte. Bei bei­den Rech­nern müs­sen grö­ßere Unter­men­gen der Hard­ware aus­ge­tauscht wer­den. Mehr­stün­di­ger Aus­fall der Anbindung.

Und die­ses Jahr? Heute Nacht, 1:26 Uhr, weckt mich meine Mit­ar­bei­te­rin mit dem Not­fall­handy: Die Ver­bin­dung zwi­schen Haupt­ser­ver und den Kom­po­nen­ten in unse­rem Büro ist unter­bro­chen und sie erreicht die Ser­ver im Büro nicht. Mein ers­ter Ver­dacht: Internet-​Anbindung. Also Provider-​Hotline ange­ru­fen. Der freund­li­che und kom­pe­tente Mit­ar­bei­ter (Danke, Broad­net!) prüft die Erreich­bar­keit des DSL-​Modems — kein Pro­blem. Sicher­heits­hal­ber Reset — kein Pro­blem. Unsere Fire­wall und das Netz dahin­ter kann er aber auch nicht ansprechen.

Also mache ich mich um 1:40 Uhr in der Nacht auf den Weg ins Büro. Wäh­rend eines Fahr­radritts (Merke: Ver­kehrs­re­geln sind rela­tiv…) geht einem so eini­ges durch den Kopf: Habe ich ein Backup von der Firewall-​Konfiguration? Was, wenn Nut­zer­da­ten betrof­fen sind? Kann ich die Pro­duk­tiv­ser­vices an einen ande­ren Stand­ort umziehen?

Diese hoch­tech­ni­schen Erwä­gun­gen sind zunächst über­flüs­sig: Am Ser­ver­rack ange­kom­men umfängt mich Stille. Alle Rech­ner sind aus. Offen­sicht­lich gibt es kei­nen Strom mehr, jeden­falls nicht an der Steck­dose. Glück­li­cher­weise jedoch an der Steck­dose 30 Zen­ti­me­ter wei­ter, manch­mal sind über Jahr­zehnte gewach­sene, weit­ge­hend von jeder über­ge­ord­ne­ten Pla­nung befreite Ver­ka­be­lun­gen doch ein Segen. Beherzt eine kurze Ver­län­ge­rung an die „fremde” Dose geklemmt, rein­ge­steckt und zur Beloh­nung ein viel­stim­mi­ges „srrrrrRRRRRRR” im Rack. Sie leben wie­der. Hurra!

Alle Rech­ner fah­ren wie­der hoch. Alle? Nein. Die LED an der Switch-​Netzwerkdose für den zwei­ten Büro­ser­ver bleibt hart­nä­ckig aus. Am Rech­ner leuch­tet die Festplatten-​LED dau­er­haft. Hm. Sieht nicht gut aus. Dis­play an den Rech­ner: „GRUB loading…” Mist.

Rech­ner abbauen, hoch­tra­gen, sepa­rat anschlie­ßen. Noch­mal Boo­ten. Bleibt wie­der im GRUB hän­gen, also noch bevor über­haupt der Boot-​Bildschirm mit der Sys­te­maus­wahl ange­zeigt wird. Mal an der Fest­platte lau­schen. Tck-​tijjjh — tck-​tjjjjh — tck-​tck-​tck-​tck — klock — tck-​tjjjjk — tck-​tjjjjk. Noch­mal Mist. ‚putt.

Ok, die Leute wol­len arbei­ten. Also Fun­dus che­cken. Hm. Aus­tausch­plat­ten glei­cher Größe sind nicht mehr da. Aber eine 20 GB-​Platte. IBM. Von 1999. Egal, muss jetzt gehen. Ein­bauen, SuSE-10.2-DVD ein­le­gen, boo­ten, NFS-​Install aus­wäh­len, los­le­gen. Wie­der Mist, er fin­det den DHCP-​Server nicht. Warum das? Gepatcht ist die Netz­werk­buchse doch. Mal am Switch im Büro schauen. Wie, alles AUS??? Hier oben auch kein Strom? Aber das Licht? Und der eine Rech­ner läuft doch auch… Naja, wie gesagt: manch­mal sind über Jahr­zehnte gewach­sene, weit­ge­hend von jeder über­ge­ord­ne­ten Pla­nung befreite Verkabelungen…

2:30 Uhr: Ich fange an, Kabel­trom­meln durch die Büro­räume zu ver­le­gen. Man­che Steck­do­sen gehen, andere nicht. Immer­hin hat der Switch jetzt wie­der Strom (und auch die Tele­fon­an­lage). Die SuSE-​Installation fin­det das NFS-​Archiv, die Instal­la­tion geht rela­tiv glatt durch und die meis­ten Kon­fi­gu­ra­ti­ons­ein­stel­lun­gen kann ich vom Backup ein­spie­len. Um 4:45 Uhr fahre ich wie­der nach Hause…

Mor­gens über­nimmt dann sozu­sa­gen die „Tag­schicht” im Büro. Die ruft den Ver­mie­ter. Der den Elek­tri­ker. Und der die Stadt­werke. Man misst und stellt fest: Eine der drei Pha­sen, über die das Haus mit Strom ver­sorgt wird, ist tot. Mit­tags soll der Bau­trupp anrü­cken. Und das ist wört­lich zu neh­men: Der Bür­ger­steig muss auf­ge­bag­gert werden.

Der­weil ver­sucht die flei­ßige Hel­fer­schar, all die klei­nen Klei­nig­kei­ten zu behe­ben, die ich in der Nacht so ver­ges­sen habe. /​etc/​group ist nicht im NIS, der IMAPd ist gar nicht instal­liert und mit dem Samba-​PDC gibt es auch noch ein Pro­blem. Gegen 11 Uhr klin­gelt dann doch mal mein Tele­fon — ob ich nicht viel­leicht dem­nächst mal… also, wär’ ja klar, dass die Nacht kurz war… aber irgend­wie wür­den die ande­ren schon ganz gern arbei­ten können…

Mit­tags dann rückt der Bau­trupp an. Man ist ein wenig vor­sich­tig — für die voll­stän­dige Repa­ra­tur müsste im gesam­ten Stra­ßen­zug der Strom abge­schal­tet wer­den. Mit den vie­len Büros würde das sicher­lich viel Freude aus­lö­sen. Sie wür­den ja lie­ber heute erst­mal eine vor­läu­fige Repa­ra­tur vor­neh­men (beim Pro­gram­mie­ren sagt mal wohl „Work­a­round”) und dann mor­gen anfan­gen zu bud­deln. Bedeu­tet für mich: Am Sams­tag, 23.12, um 9:00 Uhr ins Büro und Rech­ner betüddeln.

Momen­tan läuft also alles auf Reserve. Sämt­li­che Pro­duk­tiv­ser­vices sind ent­we­der unter Vor­be­halt gestellt („kann aus­fal­len…”) oder an andere Stand­orte ver­la­gert. Das Rack darf um Him­mels­wil­len heute Nacht nicht aus­fal­len, denn durch die vor­läu­fige Repa­ra­tur der Tech­ni­ker haut der Strom­stoß, den alle gleich­zei­tig ange­hen­den Rech­ner aus­lö­sen, die Siche­rung raus.

Als wenn es noch nicht genug wäre, fällt heute nach­mit­tag eine Work­sta­tion aus hei­te­rem Him­mel aus. Fest­platte abso­lut unles­bar, das BIOS kann nicht mal den Boot­loa­der fin­den. Rescue-​System von der SuSE-​DVD: Datei­sys­tem ist kom­plett weg. Hm. Mal Zugriff mit dd tes­ten. Kein Pro­blem. Ver­steh’ einer diese Hardware…

Und zu allem Über­fluss haben wir aus­ge­rech­net heute abend Weih­nachts­feier. Hof­fen wir mal, dass die Rech­ner nicht allzu nei­disch sind. Sonst gehen die Aus­fälle womög­lich aus rei­ner Bos­haf­tig­keit mun­ter weiter…

Softwarepatentgründe verzweifelt gesucht

Oh weh.

Was muss ich da eben lesen? Der Chef­lob­by­ist der Busi­ness Soft­ware Alli­ance bie­tet den Soft­ware­pa­tent­geg­nern einen Pakt an? Muss ich mich da jetzt ange­spro­chen füh­len?

Also gut. Lie­ber Mr. Min­gor­ance, was für ein „Pakt” soll das sein? Sie sagen: „Wenn Sie auf­hö­ren mit ihren Ver­su­chen, uns allen pau­schale Aus­nah­men vom Patent­schutz auf­zu­er­le­gen, zie­hen wir an einem Strang.” Sie pos­tu­lie­ren gemein­same Ziele und fabu­lie­ren von einem „ideo­lo­gi­schen Kampf”. Wofür ihre tol­len Soft­ware­pa­tente aber denn nun gut sein sol­len, das erzäh­len Sie nicht. Und die Ein­sich­ten des Vor­den­kers eines der größ­ten BSA-​Mitglieder unter­schla­gen Sie auch geflis­sent­lich. Zuge­ge­be­ner­ma­ßen haben sich seine Aus­sa­gen in jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit ein wenig gewan­delt, aber das mag auch daran lie­gen, dass seine eigene Firma allein die­ses Jahr hun­derte von Mil­lio­nen von Dol­lar in das Schwarze Loch „Soft­ware­pa­tente” kip­pen musste.

Und wenn Ihr Bru­der im Geiste, Lee Hol­laar, Open-​Source-​Entwicklern Patente als „ein­zig wah­ren Schutz” für ihre Ideen anpreist, dann sage ich: Behal­ten Sie Ihr Sauerbier!

Soft­ware­ent­wick­ler sind zeit­le­bens ohne Patente aus­ge­kom­men. Und wenn es nicht Lob­by­is­ten, Anwälte und Rechts­ab­tei­lun­gen gäbe, die nach neuen Begrün­dun­gen für ihre Exis­tenz suchen, dann wäre uns diese ganze Dis­kus­sion nie auf­ge­zwun­gen wor­den. Dass diese Suche zuneh­mend ver­zwei­fel­ter wird, sieht man an sol­chen Anbie­de­rungs­ver­su­chen wie auf Ihrer tol­len Kon­fe­renz zum „geis­ti­gen Eigen­tum” (mitt­ler­weile ist die Seite http://​www​.ipsum​mit​.info lei­der nicht mehr online).

Die­je­ni­gen, die von Ihren Paten­tie­rungs­plä­nen direkt betrof­fen sind, wer­den Sie mit Ihren Sonn­tags­re­den nie­mals über­zeu­gen. Und die Poli­ti­ker, die Ihnen Ihren schö­nen Worte viel­leicht noch abzu­neh­men bereit wären, auch nicht. Dafür sor­gen wir schon.